Bücherschau

Ein Live-Bericht über das »Faszinosum« Drittes Reich

Von Greg Raven

Lothrop Stoddard, Into The Darkness, Noontide Press, Newport Beach, CA, 2000, 311 S., Index, $13,95

Amerikas scharfsinnigster, einflußreichster und weitblickendster Verfasser zum Thema Rasse - Lothrop Stoddard - verbrachte Ende 1939/Anfang 1940 vier Monate im nationalsozialistischen Deutschland und berichtete, wie sich seine Führer und sein Volk für den Krieg wappneten. Stoddard fuhr kreuz und quer durch das Dritte Reich, um nahezu jeden Aspekt des politischen, sozialen, wirtschaftlichen und militärischen Lebens zu beobachten, und er sprach mit Männern und Frauen aus allen Schichten, von Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Joseph Goebbels bis hin zu Taxi-Fahrern und Zimmermädchen.

Das Ergebnis - Into the Darkness - ist nicht nur ein Klassiker der Reportage über den Zweiten Weltkrieg, sondern auch eine einmalige Bewertung von Deutschlands nationalsozialistischem Experiment. Denn Stoddard war kein gewöhnlicher Journalist. Er sprach fließend deutsch und war bis ins Innerste vertraut mit europäischer Politik und Kultur. Er hatte im Fach Geschichte promoviert und war Verfasser von The Rising Tide of Color und anderen Werken, die 1924 beim Erlaß der amerikanischen Einwanderungsgesetzgebung eine Schlüsselrolle spielten. Damit brachte er für Into the Darkness eine Bildung und Sympathie mit, die einem William Shirer und einer Myriade anderer journalistischer Schreiberlinge nicht möglich war.

Der Neu-England Yankee Stoddard war sicher kein Unterstützer der Diktatur Hitlers, aber er war zutiefst an der nationalsozialistischen Politik interessiert, vor allem was soziale und rassische Fragen anging. Liest man Into the Darkness, dann wird man mit Stoddards genauer Beobachtung und Analyse zu Anhörungen vor einem deutschen eugenischen Gericht geführt, zu einem Ahnenerbe-Hof in Westfalen, zum Hauptquartier des Reichsarbeitsdienstes, auf deutsche Märkte, in Fabriken, Krankenhäuser und Wohlfahrtsämter. Und Stoddards Gespräche mit deutschen Politikern auf allen Fachgebieten sind zu lesen: Hans F. K. Günther und Fritz Lenz über Rasse und Eugenik; Walther Darré über Landwirtschaft; Robert Ley über Arbeit; Gertrud Scholz-Klink über Frauen im Dritten Reich; General Alexander Löhr über den Polenfeldzug der Luftwaffe, wie auch Hitler, Himmler, Goebbels und viele andere Größen. Und Sie werden mit Stoddard in die Slowakei reisen, wo er Monsignor Tiso interviewt, den Nationalführer, der später von den Kommunisten umgebracht wurde, und nach Ungarn, wo die Magyaren, noch im Frieden, ängstlich nach Sowjetrußland blicken.

Into the Darkness - Hinein in die Dunkelheit - wurde so betitelt wegen der vorgeschriebenen Fliegerverdunkelung, die Stoddard so irritierend fand.

Als Fackel der Vernunft und Wahrheit leuchtet Into the Darkness der Verketzerung allen Nationalsozialistischen entgegen, die in den vergangenen sechzig Jahren so gut wie obligatorisch war. Sachkundig, weltmännisch, skeptisch, und vor allem fair - so ist Stoddards Buch ein einmaliges, unentbehrliches historisches Dokument, eine Zeitkapsel für die Wahrheit und ein anregender Seitenumblätterer für jeden, der sich für das Dritte Reich und das deutsche Volk interessiert.

Bestellungen an: Noontide Press, PO Box 2719, Newport Beach, California, 92659, USA.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 227.


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