Bücherschau

Psychotisches Leugnen oder Neurotische Leichtgläubigkeit?

Von Robert E. Reis, BA, MA

Political Psychology, Band 18, Nr. 1, März 1997: Paul Chodoff, »The Holocaust and Its Effects on Survivors: An Overview« (Der Holocaust und seine Wirkungen auf Überlebende: Eine Übersicht), James M. Glass, »Against the Indifference Hypothesis: The Holocaust and the Enthusiasts for Murder« (Gegen die Hypothese der Gleichgültigkeit: Der Holocaust und die Mordbegeisterten), Larissa Z. Tiedens, »Optimism and Revolt of the Oppressed: A Comparison of Two Polish Jewish Ghettos of World War II« (Optimismus und Revolte der Unterdrückten: Ein Vergleich zweier jüdischer Ghettos des Zweiten Weltkrieges)

Political Psychology ist die Zeitschrift der International Society of Political Psychology (Internationale Gesellschaft für politische Psychologie). In der hier behandelten Ausgabe behandeln die drei erwähnten Beiträge Facetten des „Holocaust", wobei zwei der Artikel die abgedruckten Beiträge der Autoren zu einem »Sonder-Symposium zum Holocaust« sind (Paul Chodoff, James M. Glass), während der dritte von Larissa Z. Tiedens unabhängig von diesem Symposium veröffentlicht wurde.

Chodoff ist ein Mitarbeiter des Fachbereichs für Psychiatrie an der George Washington-Universität, Glass ist Mitarbeiter des Fachbereichs für Regierung und Politik an der Universität von Maryland, College Park, und Tiedens gehört dem Fachbereich Psychologie an der Univerität von Michigan an. Auf ihre Artikel wird in dieser Erörterung Bezug genommen mit Chodoff, Glass oder Tiedens.

Jeder dieser Artikel wurde wiederholt von Wissenschaftlern durchgesehen, bevor er zur Veröffentlichung in der Zeitschrift der Internationalen Gesellschaft für politische Psychologie angenommen wurde. Ein Artikel wird nur angenommen, wenn die von der Gesellschaft ernannten Rezensenten zu dem Schluß kommen, daß der Artikel »einen bedeutenden Beitrag zur Förderung theoretischer und/oder wesentlicher Erkenntnisse der politischen Psychologie darstellt.«

Das American Heritage Dictionary (Lexikon des amerikanischen Erbes) definiert den „Holocaust" als »den Genozid an europäischen Juden und anderen durch die Nazis während des Zweiten Weltkrieges«. »Genozid« ist definiert als »die systematische und geplante Ausrottung einer ganzen nationalen, rassischen, politischen oder ethnischen Gruppe.« »Ausrottung« bedeutet »etwas durch vollständige Vernichtung loswerden«. »Vollständig« bedeutet »absolut«, »total«, d.h. ohne Ausnahmen.

Heutzutage nehmen die meisten Leute an, daß die Lexikon-Definition des Wortes „Holocaust" zutreffend ist und daß es einen Plan der Nazis gab, jeden einzelnen europäischen Juden in ihrem Reich zu töten, und daß zu diesem Zweck von den Nazis „Todesfabriken" gebaut wurden. Die meisten Leute glauben, daß „Gaskammern" in diesen „Todesfabriken" gebaut wurden, um Juden massenhaft in diesen Todesfabriken zu töten und daß von den Nazis in diesen „Todesfabriken" Krematorien gebaut wurden, um die Leichen der Mordopfer zu verbrennen und damit den Beweis für ihre Morde zu vernichten.

Chodoff, Glass und Tiedens beziehen sich alle auf den „Holocaust" mit großen Anfangsbuchstaben und ohne Anführungszeichen. Wie gut stimmen ihre eigenen Definitionen des Holocausts mit der des Lexikons überein?

Chodoff zitiert S. Katz, The Holocaust in Historical Context, (Der Holocaust im geschichtlichen Zusammenhang, Vol. 1, Oxford University Press, New York) und versichert Folgendes:

«Am 20. Januar 1942 wurde in Wannsee, einem Vorort von Berlin, ein Treffen unter Vorsitz von Reichsprotektor Reinhard Heydrich abgehalten, und an dem 14 Personen teilnahmen, von denen die Hälfte einen Doktorgrad hatte. Bei diesem Treffen, daß in einer kameradschaftlichen und geschäftsgewohnten Weise, aber nicht ohne passende Jovialität durchgeführt wurde, kam man zu der mit „außerordentlicher Begeisterung" begrüßten Entscheidung, „nachdem man die Arbeitskraft, das Geschick und die Körper der Juden im Machtbereich der Nazis ausgenutzt hatte, all dieses Ungeziefer, dieses lebensunwerte Leben, einfach zu töten.« Diese Entscheidung, die "Endlösung" der Judenfrage, wurde das böse Wahrzeichen des Holocaust, der die Juden Europas umfaßte.« (Chodoff, S. 147)

Glass definiert den „Holocaust" als »Das Projekt Deutschlands während des Weltkrieges« (S. 130), mit weiterer Erläuterung auf S. 132: »die Eliminierung, Absonderung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas«.

Tiedens gibt in ihrem Artikel keine Definition des Wortes „Holocaust".

Die Definitionen, die Glass und Chodoff liefern, stimmen recht gut mit der Lexikon-Definition überein, außer daß sie (und Tiedens) es unterlassen, irgendeinen Genocid der Nazis an anderen Gruppen als Juden in Betracht zu ziehen. Für diesen Beitrag wird unterstellt, daß auch Tiedens die vom Lexikon angegebene Bedeutung des Wortes akzeptieren würde.

Wir müssen ganz klar zum Ausdruck bringen, was wir in diesem Beitrag erörtern wollen. Chodoff, Glass und Tiedens versichern, daß es ein »Projekt« oder einen »Plan« Nazi-Deutschlands gab, schlichtweg jeden Juden innerhalb des deutschen Machtbereichs zu töten.

Dr. Paul Chodoff, der Psychiater, ist sich bewußt, daß es Leute gibt, die darauf bestehen, daß die Lexikon-Definition des Wortes „Holocaust" nicht zutreffend ist und daß viele der weitverbreiteten Auffassungen darüber, was mit den Juden im Zweiten Weltkrieg geschah, falsch sind. Dr. Chodoff versichert, daß sich diese Leute schuldig machen, und zwar

»der gröbsten aller Leugnungen, [...] der aktiven, kämpferischen und beinahe wahnsinnigen Behauptung, (vergleichbar mit dem, was die Vereinigung der Flachen Erde von sich gibt) daß der Holocaust entweder überhaupt nicht geschah, oder daß er grob übertrieben wurde.

Diese Leugnung des Holocaust ist der letzte Angriff des alten Antisemitismus, vorgetragen von den Nachkommen derer, die im 13. Jahrhundert Blutschuld-Anklagen aufbrachten, daß die Juden den jungen Hugh aus Lincoln töteten, um Blut für Matze zu erhalten. Die Unzugänglichkeit dieser Gruppe von Leugnern gegenüber jeglicher Art rationaler Beweisführung hat viele Wurzeln, [...] aber ihre Verbohrtheit kann nicht verstanden werden, ohne daß man die psychologischen Wurzeln derart massiver, sogar psychotischer Leugnung miteinbezieht.« (Chodoff, S. 156) [Hervorhebung hinzugefügt]

Das ist eine sehr scharfe Anklage. Dr. Chodoff besteht darauf, daß die Beweise, die die Richtigkeit der Lexikon-Definition des Wortes „Holocaust" belegen, so überwältigend sind, daß man sich bereits den Grenzen der Geisteskrankheit nähert, wenn man auch nur zu bedenken gibt, daß die allgemein übliche Überzeugung, derzufolge sechs Millionen Juden von den Nazis im Zweiten Weltkrieg systematisch ermordet wurden, »grob übertrieben« sein könnte. Dr. Chodoff versichert, daß ein jeder, der die Lexikon-Definition dieses historischen Ereignisses anzweifelt, automatisch ein böser Antisemit sei, der »rationaler Beweisführung unzugänglich« sei. Er beschuldigt einen jeden, der nicht zu der Überzeugung gelangt ist, daß Dr. Chodoffs Version des „Holocaust" absolut richtig ist, sich in einem Zustand »psychotischer Leugnung« zu befinden.

Leider nennt Chodoff niemanden von den Leuten, die diese »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]« machen, und gibt keinerlei Einzelheiten ihrer »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]« oder nennt uns Titel irgendeines von diesen Leuten verfaßten Buches oder Artikels, die diese »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]« machen. Dieser Mangel weckt den Gedanken, daß Dr. Chodoff nicht will, daß der Leser die »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]" prüfen und selbst entscheiden kann, in welchem Ausmaß die »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]« eigentlich wahnsinnig sind.

Natürlich setzt Dr. Chodoff voraus, daß er selbst ein Experte der rationalen Auswahl und rationalen Analyse historischen Beweismaterials ist. Wie sonst könnte er wissen, daß die »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]« seiner ungenannten Gegner von Leuten gemacht werden, die »rationaler Beweisführung unzugänglich« sind?

Prüfen wir, wie Dr. Paul Chodoff historisches Beweismaterial auswählt und prüft, das seiner Versicherung zufolge hinreichend sein soll, um zu beweisen, daß die Lexikon-Definition des „Holocaust" zutreffend und nicht übertrieben ist.

Schauen wir, wie Dr. Chodoff sein Material über die Wannsee-Konferenz (siehe oben) präsentiert.

Er erzählt uns, daß man bei dieser Konferenz zu der Endlösung kam, daß jedweder Jude in Europa getötet werden solle.

Leider macht Dr. Chodoff nicht deutlich, wo er das Protokoll der Konferenz zitiert und wo den Kommentar der Herausgeber der Bücher, aus denen er bei seiner Beschreibung der Konferenz zitiert. Er versichert, daß die Konferenz beschloß, alle Juden zu töten, die die Deportationen und Zwangsarbeitsmaßnahmen des Deutschen Reiches überlebten. Er macht keine Anführungszeichen bei dem Wort „töten", es ist also unwahrscheinlich, daß er andeuten will, daß das Protokoll der Konferenz irgendwelche derartige Worte enthält.

Da er berichtet, daß 14 Personen an der Konferenz teilnahmen, dann hätten alle 14 der Todesstrafe durch die verschiedenen Kriegsverbrecherprozesse anheim fallen müssen, wenn das Dokument wirklich ausdrücklich Passagen, die einen Massenmord befehlen, enthalten hätte. Das war nicht der Fall.

Außerdem, wenn das Protokoll der Wannsee-Konferenz eine explizite Bestätigung einer Entscheidung enthielte, die Juden Europas zu vernichten, wäre die akademische Welt, die mehr oder weniger die orthodoxe Auffassung lehrt, daß ungefähr sechs Millionen Juden durch die Nazis ermordet wurden, heute nicht in zwei Hauptschulen gespalten: die Intentionalisten, die lehren, daß es einen bisher noch nicht gefundenen Befehl oder eine Reihe von Befehlen von Herrn Hitler gab, der zur Ausrottung der Juden in Deutschland und dem besetzten Europa bevollmächtigte, und die Funktionalisten, die lehren, daß die Morde einfach irgendwie passierten - aber die akademische Welt ist so gespalten.[1]

Stellen wir uns diese Situation einmal vor. Dr. Chodoff erzählt uns, daß bei der Wannsee-Konferenz die Entscheidung gefällt wurde, jedweden Juden in Europa zu töten, aber die Historiker an den wichtigsten Universitäten der Welt, die alle die Aufzeichnungen der Wannsee-Konferenz gelesen haben, können nicht zu einem Einvernehmen gelangen, ob der Holocaust zentral von Hitler und den Spitzen-Nazis geplant war oder nicht. Keiner von ihnen stimmt mit Dr. Chodoff überein, daß die Aufzeichnungen der Wannsee-Konferenz den Beweis für einen Plan enthalte, jedweden Juden in Europa zu töten. Würden sie Dr. Chodoffs Interpretation der Wannsee-Konferenz zustimmen, dann wären sie nicht in zwei rivalisierende Historikergruppen aufgespalten zu genau der Frage, ob der Holocaust das Ergebnis eines vorsätzlichen, von Hitler befohlenen Planes war, oder eine Art Zusammentreffen von Greueltaten, die einfach passierten, weil die Nazis Antisemiten waren.

Deshalb: Wenn also eine der »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]« der Leute, die den Holocaust für übertrieben halten, lautet, daß es keinen Dokumenten-Beweis dafür gibt, daß die Nazis einen sorgfältig ausgearbeiteten Plan hatten, jedweden Juden in Europa zu töten, dann ist die »beinahe wahnsinnige Behauptung« schlicht und einfach die Wahrheit.

Prüfen wir, wie Chodoff, abgesehen von diesem pathetischen Auftritt, den er in Bezug auf die Wannsee-Konferenz bereits geliefert hat, andere Beweise auswählt und bewertet.

Fast jeder, der vom Holocaust gehört hat, glaubt, daß Auschwitz eine der „Todesfabriken" war, und daß Juden von ganz Europa dorthin deportiert wurden, um für Sklavenarbeit selektiert zu werden, wenn sie gesund waren, und zur Massenausrottung in Gaskammern selektiert zu werden, wenn sie zu alt, zu jung oder zu krank waren. Fast jeder, der vom Holocaust gehört hat, glaubt, daß in den Gaskammern Zyanide in Form von Zyklon-B, einem kommerziellen Insektizid, verwendet wurden, um die Juden zu töten, die nicht geeignet waren, um als Sklaven zu arbeiten. Fast jeder, der vom Holocaust gehört hat, glaubt, daß die Deutschen sich bemühten, das Leben der Sklavenarbeiter zur reinsten Hölle zu machen, wobei sie systematisch ausgehungert und mißhandelt wurden, bis der Tod eine beinahe barmherzige Befreiung war. Fast jeder, der vom „Holocaust" gehört hat, glaubt, daß sich die Deutschen über das Verbrecherische ihres Tuns bewußt waren und daß sie nicht vorhatten, irgend einen lebenden Zeugen der in ihren Todesfabriken verübten Schrecken übrigzulassen.

Dr. Chodoff glaubt offensichtlich, daß sich jeder, der nicht alle und jede dieser üblicherweise herrschenden Überzeugungen teilt, »beinahe wahnsinniger Behauptung[en]« schuldig macht und »rationaler Beweisführung unzugänglich« ist.

Als Psychiater zeichnete Dr. Chodoff die Worte einer bei ihm in Behandlung gehenden jüdischen Patientin auf, die selbst acht Monate lang in Auschwitz eingekerkert gewesen war. Er teilt uns mit, daß ihr Bericht »durch viele der Hunderte Aufzeichnungen mündlicher Berichte, die in den Holocaust-Zentren der ganzen Welt gesammelt worden sind, an Intensität vervielfacht« werden könnte (Chodoff. S. 148).Was erzählt uns diese Patientin über Auschwitz?

Sie kam im April eines nicht genannten Jahres an. Sie lebte mit ihrer Mutter und weiteren fünfzehnhundert Frauen in einer der Frauenbaracken. Jedem Insassen wurde von den Deutschen eine Wolldecke ausgehändigt, aber viele Decken wurden von Unbekannten gestohlen. Toilettenpapier gab es nicht. Ihr wertvollster Gegenstand war ihre Zahnbürste. Die Gefangenen duschten mit kaltem Wasser, um die Läuse loszuwerden, die Fleckfieber übertragen konnten. Fleckfieber verbreitete sich im Lager. Die Deutschen

»waren sehr um unser physisches Wohl und unsere Sauberkeit besorgt, deshalb mußten wir rasiert werden...Mehrere Male wurden uns die Haare von jüdischen Insassen abrasiert, am Kopf, unter dem Arm, und im Intimbereich. [...] Es gab an jedem einzelnen Tag Selektionen. [...] Mit der Zeit verloren die Leute Gewicht, und sie wurden immer magerer, und manche waren nur noch ein Skelett [...] (Hervorhebung hinzugefügt)

Während ihrer ganzen Gefangenschaft war Dr. Chodoffs Patientin mit ihrer Mutter zusammen, und:

»Ich wußte, daß sich mein Vater zu dieser Zeit wohlbefand in einer anderen Baracke des Lagers.« (Chodoff, S. 148-152)

Nirgends in der Erzählung, wie sie von Dr. Chodoff dargeboten wird, wird auch nur ein einziges Mal erwähnt, daß sie gesehen hat, daß tatsächlich irgend ein Gefangener von einem bestimmten Deutschen geschlagen oder getötet wurde. Die Gefangenen starben an Krankheiten und Unterernährung, und Gefangene wurden von SS-Ärzten »selektiert«. Die Patientin beharrte darauf, daß die selektierten Personen »automatisch zum Krematorium gebracht« worden seien.

Ob der Vater und die Mutter der Patientin Auschwitz überlebten oder nicht, wurde aus dem Chodoff-Artikel ausgelassen. Die Erzählung bestätigt jedoch Elie Wiesels berühmte Memoiren Night, die wiederholt erwähnen, daß die Deutschen auf hygienischen Maßnahmen bestanden und die auch behaupten, daß SS-Ärzte regelmäßig »Selektionen« durchführten, und daß die »selektierten« Personen automatisch in die Krematorien geschickt wurden. Wiesels Bericht bestätigt auch, daß Gefangene in der Lage waren, über die verschiedenen Bereiche hinweg, aus denen der Komplex Auschwitz bestand, miteinander zu kommunizieren.

Wie Wiesels Memoiren enthält die Erinnerung von Dr. Chodoffs Patientin keine ausdrückliche Erwähnung von „Gaskammer[n]" oder von „Zyklon B„ oder von „Zyanid". Im Gegensatz zu Wiesels Memoiren erwähnt Dr. Chodoffs Patientin das Vorhandensein von Läusen und die tödliche Krankheit Fleckfieber, die Läuse verbreiten. Auch hält sie - im Gegensatz zu Wiesels Memoiren - den Deutschen zugute, daß sie »sehr um unser köperliches Wohl und unsere Sauberkeit besorgt« waren. (Hervorhebung hinzugefügt.)

Die Erzählung der Patientin bestätigt, daß die Juden nach Auschwitz deportiert und gezwungen wurden, unter sehr unerfreulichen Umständen zu leben, aber sie widerspricht zugleich dem fast universellen Glauben von fast jedem, der von Auschwitz gehört hat, daß die Deutschen bemüht waren, das Leben der jüdischen Sklavenarbeiter zur reinsten Hölle zu machen. Statt dessen erzählt uns diese Holocaust-Überlebende, daß die Deutschen »sehr um unser körperliches Wohl und unsere Sauberkeit besorgt« waren. Es ist erstaunlich, daß Dr. Chodoff seine ehemalige Patientin nicht der psychotischen Leugnung anklagt, weil sie Beweise vorlegt, die darauf hindeuten, daß der Holocaust so wie ihn das Lexikon definiert, übertrieben worden ist.

Für fast jeden, der vom Holocaust gehört hat und der glaubt, daß Auschwitz eine der „Todesfabriken" war, in denen Juden, wenn sie gesund waren, für Sklavenarbeit selektiert wurden, und wenn sie zu alt, zu jung oder zu krank zum Arbeiten waren, für die Massenausrottung in Gaskammern selektiert wurden, wäre es eine Überraschung zu erfahren, daß die Deutschen umfassende medizinische Einrichtungen für die jüdischen Gefangenen in Auschwitz bereitgestellt haben. Vielleicht ist das der Grund, warum Dr. Chodoff nicht die Krankenhäuser für die jüdischen Gefangenen in Auschwitz erwähnt.

Wie können wir sicher sein, daß Dr. Chodoff wußte, daß die Deutschen den jüdischen Gefangenen in Auschwitz umfassende medizinische Behandlung zuteil werden ließen?

Wir wissen es, weil Dr. Chodoff erzählt, daß er Night gelesen hat. Elie Wiesel, Friedens-Nobelpreisträger und ehemaliger Vorsitzender der Kommission des US-Präsidenten über den Holocaust, berichtete in seinen Memoiren über seine Erfahrungen, als er in Auschwitz und anderen deutschen Konzentrationslagern war. Wiesel berichtet, daß ihm als jüdischem jugendlichen ungelernten Sklavenarbeiter ein Bein vor der Amputation bewahrt wurde, und zwar durch einen chirurgischen Eingriff, der in einem Krankenhaus des Konzentrationslagers Auschwitz durchgeführt wurde, wo er extra Rationen erhielt und ihm, dem arbeitsunfähigen Juden, die Sonderbehandlung von zwei Wochen Bettruhe zugestanden wurden, um sich zu erholen.[2]

Dr. Chodoffs Patientin berichtet, daß sie in Auschwitz acht Monate lang eingesperrt war. Sie muß von den medizinischen Einrichtungen des Lagers gewußt haben. Es ist nicht zu glauben, daß sie im Verlauf ihrer Therapie nicht darauf zu sprechen kam, wenn sie ausdrücklich anerkannte, daß die Deutschen sehr um das »Wohl« der Gefangenen besorgt waren. Man muß sich wundern, warum Dr. Chodoff keine Bezugnahme auf die von den Deutschen für ihre jüdischen Gefangenen in Auschwitz bereitgestellten medizinischen Einrichtungen in seinen Artikel aufgenommen hat.

Tatsächlich benutzt Dr. Chodoff das unerklärliche Versäumnis der Deutschen, seine Patientin auszurotten, als Beweis dafür, daß die Deutschen versucht hätten, sie auszurotten.

Man argwöhnt, daß er auch die »Hunderte von Aufzeichnungen mündlicher Berichte, die in den Holocaust-Zentren der Welt gesammelt wurden«, und die von anderen Überlebenden geliefert worden sind, als Beweis dafür verwenden würde, daß die Deutschen versuchten, einen jeden von ihnen zu vernichten, und daß es ihnen mißlang.

James M. Glass bringt vor, daß die »Zuschauer« des „Holocaust" nicht nur »gleichgültig« gegenüber dem Schicksal der Juden waren, sondern daß es in der ganzen Bevölkerung ein »bewußtes Streben nach der Vernichtung und Ausrottung der Menschen jüdischer Rasse gab«. Leider läßt er nicht erkennen, von welchen »Zuschauern« er bei seinen einleitenden Bemerkungen spricht. Prüft man den Artikel, so kommt man zu der Schlußfolgerung, daß er manchmal beabsichtigte, seine Analyse auf das Verhalten der Deutschen und ihrer Verbündeten zu beschränken, und alle anderen Europäer herauszuhalten, aber das sagt er nicht explizit in seinem Artikel. Mehr noch, er zitiert ohne Zögern die Bemerkungen eines Holocaust-Überlebenden, der die ganze Welt verdammte, weil sie die Ausrottung der Juden billigte. (Glass, 130, 137)

Glass erklärt, daß »die breite Beteiligung und der Eifer bei der Eliminierung, Ausgrenzung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas [...] das bißchen Widerstand gegen die Morde und die Anteilnahme an den Opfern [...] zusammenschrumpfen ließ«. (Glass, 132) Leider hält er sich zurück, den Leser über die Arten und die Häufigkeit irgendwelchen Widerstandes der Zuschauer jeglicher Nationalität bei der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Europas aufzuklären.

Glas teilt uns mit, daß vier Millionen Menschen innerhalb einer Periode von neun Monaten getötet wurden und daß eine Todesrate dieser Größenordnung »nicht der ganzen Gesellschaft verborgen bleiben konnte.« (Glass, 139). Leider deutet er nicht an, wann dieses Abschlachten begann oder endete, auch liefert er keine Quelle, die angibt, wo der Leser diese Daten oder die Zahl der Opfer nachprüfen kann.

Glass legt eine „Erinnerung" als Beweis für die Beschaffenheit des Nazi-„Projektes" vor.

Mit brutaler Offenheit erzählte er (der Blockälteste) uns, wie es dort war:

»Das ist ein K.L.. Haltet die zwei Initialien in Erinnerung, K.L. ... Konzentrationslager. Das ist ein Vernichtungslager. Du wurdest hierher gebracht, um durch Hunger, Schläge, harte Arbeit und Krankheit vernichtet zu werden. Du wird durch Läuse aufgefressen, du wirst in deinem eigenen Dreck verrotten... (Vergiß, wer und was zu warst... Hier ist jeder das gleiche... Alle werden sterben.)« (wörtlich zitiert aus Glass, 130. Er zitiert A. Donat, The Holocaust Kingdom: A Memoir, Holocaust Library, New York 1978.)

Leider teilt uns Glass nicht mit, auf welches Konzentrationslager sich seine Quelle bezieht; auch informiert er uns nicht darüber, daß Vernichtungslager keine offizielle Bezeichnung irgend eines deutschen Lagers war; noch weist er darauf hin, daß der Blockälteste sich niemals auf direkten Mord durch Erschießen, Aufhängen oder Giftgas bezieht; er kommentiert auch nicht die Unrichtigkeit der Vorhersage des Blockältesten. Denn wenn Herr Donat vernichtet worden wäre, wäre er nicht in der Lage gewesen, seine 1978 veröffentlichten Memoiren zu schreiben.

Wie Dr. Chodoff benutzt Dr. Glass den unerklärten Fehlschlag der Deutschen, Herrn Donat zu vernichten, als Beweis dafür, daß die Deutschen versucht hätten, Herrn Donat zu vernichten.

Das Argument von Glass hat folgendes Muster: Da ein anonymer Alt-Gefangener einem neuangekommenen jüdischen Häftling fälschlich voraussagt, daß der neuangekommene jüdische Häftling in diesem Konzentrationslager sterben würde, war das Konzentrationslager wirklich ein Vernichtungslager, und deshalb hat der „Holocaust" stattgefunden.

Dr. Glass übernimmt ganz unkritisch die Behauptung eines Yitzhak Zuckerman, »einem Anführer beim Aufstand im Warschauer Ghetto«, daß die Deutschen versucht hätten, »das Gelbfieber zu verbreiten [...] angeblich war wegen Gelbfieber das Betreten des Ghettos verboten.« (Glass 138). Offensichtlich beschränkten die Deutschen den Zugang zum Warschauer Ghetto und verkündeten öffentlich, daß diese sehr gefährliche Krankheit innerhalb des Ghettos herrschte. Die Art, in der sich Herr Glass auf Herrn Zuckerman bezieht, läßt darauf schließen, das letzterer noch lebte, als Dr. Glass seinen Artikel schrieb.

Wenn die Zuckerman-Behauptung richtig wäre, dann wären die Deutschen bereit gewesen, die oft tödliche Krankheit, gegen die es keine Mittel gab, im Zentrum einer Stadt zu verbreiten, in der Tausende Deutsche lebten, und eine Stadt, durch die Hunderttausende deutscher Soldaten auf ihrem Weg von und zur russischen Front kamen. Zuckermans Geschichte setzt voraus, daß Nazi-Deutschland willens war, eine massive Epidemie zu riskieren, die Tausende der eigenen Soldaten töten konnte, um die beabsichtigte Vernichtung einer Bevölkerung zu vertuschen, auf die sowieso niemand etwas gab. Man muß sich wundern, ob es überhaupt eine Grenze für die Leichtgläubigkeit von Dr. Glass gibt.

Da Dr. Chodoff und Dr. Glass beide in ihren Artikeln Elie Wiesel zitieren, mußten sie auch wissen, daß die hygienischen Maßnahmen, die die Deutschen zwecks Verhinderung der Ausbreitung von Krankheiten unter den Gefangenen in ihren Konzentrationslagern ergriffen, sehr rigoros waren, und daß den jüdischen Gefangenen Krankenhaus-Anlagen zur Verfügung standen. Sie mußten auch wissen, daß die Deutschen, als sie die gesunden Gefangenen von Auschwitz evakuierten, die Tausenden jüdischer Patienten in den Krankenhäusern im Konzentrationslager Auschwitz unversehrt zurückließen. Sie wurden von der russischen Armee befreit.

Daß es die Nazis unterlassen haben, die Tausenden jüdischer Patienten zu ermorden, die sie in den Krankenhäusern des Konzentrationslagers Auschwitz zurückließen, ist Beweis dafür, daß die Deutschen nicht glaubten, daß diese Juden Zeugen krimineller Handlungen in Auschwitz gewesen waren. Wie Mark Twain einmal ausführte: es ist schlichte Vernunft, die Zeugen eines Mordes zu töten. Die Sowjets haben dies bei ihrem Rückzug 1941 massenhaft vorexerziert, indem sie die Insassen aller ihrer Folterkammern vor der Ankunft der Deutschen töteten.

Hätte Dr. Chodoff oder Dr. Glass zugegeben, daß die Deutschen die Tausenden jüdischer Patienten in den Krankenhäusern des Konzentrationslagers Auschwitz nicht ermordeten, als sie die gesunden Gefangenen evakuierten, wäre es ihm vielleicht schwer gefallen, dies als Beweis dafür zu gebrauchen, daß die Deutschen wirklich beabsichtigten, jedweden Juden in Europa zu töten.

Deshalb: wenn eine weitere der »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]« der Leute, die den Holocaust für übertrieben halten, lautet, daß dokumentiertes deutsches Verhalten gegen Konzentrationslager-Gefangene manchmal nicht mit einer Politik vereinbar ist, die das Töten eines jeden Juden in ihrer Macht zum Ziel hatte, dann ist diese »beinahe wahnsinnige Behauptung« schlichtweg die Wahrheit.

Weder Dr. Chodoff noch Dr. Glass erwähnen die Worte „Gaskammern" oder „Zyanid" oder „Zyklon B"; auch erwähnen die Erzählungen der Holocaust-Überlebenden, die sie zitieren, keines dieser Worte oder irgend eine spezielle Methode des Massenmordes. Deshalb: wenn eine weitere der »beinahe wahnsinnigen Behauptung[en]« der Leute, die den Holocaust für übertrieben halten, lautet, daß die Existenz von Gaskammern, die Zyanide in Form von Zyklon-B benutzten, um massenhaft jüdische Gefangene in Auschwitz zu töten, armselig dokumentiert sei, ist es äußert merkwürdig, daß Dr. Chodoff es versäumt, diese vertrauten Schreckensbilder zu erwähnen, von denen uns allen endlos erzählt wurde, daß sie sich in Auschwitz abspielten.

Den Leuten, die annehmen, daß die Lexikon-Definition des Wortes „Holocaust" zutreffend ist und daß es einen Nazi-Plan gab, jedweden europäischen Juden in ihrem Machtbereich zu töten, und daß von den Nazis zu diesem Zweck Todesfabriken gebaut wurden, ist wahrscheinlich nicht bewußt, daß Gelehrte wie Dr. Chodoff und Dr. Glass die Beweise falsch interpretieren, um die Lexikon-Definition des Wortes „Holocaust" zu stützen, oder daß sie sogar Beweise auslassen, wenn ein derartiger Beweis der Lexikon-Definition widerspricht.

Der Beitrag von Tiedens vergleicht die Strategien und Schicksale der Insassen zweier wichtiger Ghettos in Polen: Warschau und Lodz. Im erstgenannten Ghetto erfolgte ein Aufstand gegen die Deutschen, im letztgenannten dagegen nicht. Tiedens bietet eine Erklärung an, warum sich die Juden in einem Ghetto für einen Aufstand entschieden, und warum sie es im anderen nicht taten. Dieser Beitrag ist bezüglich Verfahren, Methodik und Ton weit wissenschaftlicher als die Artikel von Chodoff und Glass.

Deutschland besiegte Polen in einem Blitzkrieg im September 1939. Tiedens bringt überzeugende Beweise vor, daß den Deutschen zu der Zeit, als sie in Polen einmarschierten, ein umfassender Plan in Bezug auf die jüdische Bevölkerung des von ihnen eroberten Teiles Polens fehlte.

In Lodz wurde ein isoliertes Ghetto in der Nähe der Stadt errichtet, Mauern wurden gebaut, und nachdem die Deutschen die Stadt besetzt hatten, wurde innerhalb von drei Monaten der Befehl erlassen, Juden, die ohne Genehmigung außerhalb des Ghettos waren, zu erschießen. In Warschau dauerte es zwölf Monate, bis eine Mauer gebaut wurde, und weitere sechs Monate, bevor von allen Juden in der Stadt verlangt wurde, innerhalb des umschlossenen Bereichs zu leben, und weitere sechs Monate, bevor Befehl gegeben wurde, Juden, die ohne Genehmigung außerhalb des Ghettos waren, zu erschießen. Das eine Ghetto wurde innerhalb von drei Monaten fertiggestellt und isoliert, das andere war erst nach zwei Jahren fertig und isoliert. (Tiedens, S. 58-59)

Das Warschauer Ghetto erhob sich gegen die Deutschen 1943 vierzig Tage lang (19. April bis 16. Mai). Die militärische Antwort der Deutschen resultierte in einer völligen Niederschlagung des Aufstands und das Warschauer Ghetto hörte auf zu bestehen. Das Ghetto von Lodz machte nie einen Aufstand, und seine überlebenden Bewohner wurden 1945 von der Roten Armee befreit.

Tiedens bringt vor, daß die Aktivisten im Warschauer Ghetto zu der Überzeugung kamen, daß die Deutschen beschlossen hatten, alle Juden im Warschauer Ghetto zu vernichten, während die Anführer im Lodzer Ghetto nie den Schluß zogen, daß Vernichtung ihr unvermeidliches Schicksal im Deutschen Reich sei.

Sie zitiert einen Tagebucheintrag eines Bewohners des Warschauer Ghettos von 1942, der zeigt, daß in diesem Ghetto Informationen die Runde machten, daß die Züge zur Massendeportation, die damals das Ghetto verließen, in Wirklichkeit die Juden von Warschau zum Lager Treblinka brachten, damit sie ermordet würden. Der Tagebuchschreiber berichtete von Gerüchten, daß die Juden in »gigantische Baracken« gezwungen würden.

»Fünf Minuten lang kann man schreckliche Schreie hören. Dann ist alles still. Sie entfernen die Toten, die seltsam aufgeschwollen sind - ein einzelner Mann kann nicht seine Arme um einen Körper dieser Größe legen, so dick ist er.« (Tiedens, S. 62)

Obwohl es möglich ist, Menschenmassen in fünf Minuten zu töten, gibt es, wie jeder Arzt bestätigen kann, keine andere Tötungsmethode als Kochen, die in diesem Zeitraum Körper zu einem solchen Grad, wie im Tagebuch beschrieben, anschwellen läßt. Hieraus muß man schließen, daß entweder die Berichte, die im Warschauer Ghetto verbreitet wurden, nicht von Augenzeugen dessen, was auch immer in Treblinka geschah, stammten, oder daß die Deutschen enorme Töpfe gebaut hatten, in denen die Juden in Treblinka gekocht wurden.

Selbst die große Mehrheit der Leute, die heutzutage annehmen, daß die Lexikon-Definition des Wortes „Holocaust" zutreffend ist, und daß es einen Nazi-Plan gab, einen jedweden europäischen Juden in ihrem Reich zu töten, und daß hierfür von den Nazis „Todesfabriken" gebaut worden sind, wird nicht glauben, daß die Deutschen ihre Opfer in riesigen Töpfen kochten. Das ist ein Problem, das Tiedens nicht in Betracht gezogen hat.

Obwohl sie im gleichen Zeitraum - und sogar später - Augenzeugen von großangelegten Deportationen von Lodz waren, sahen die Bewohner des Lodzer Ghettos den Zielort der Deportierten nicht als Tötungszentrum an. Sie hatten von Auschwitz gehört. Ein Lodzer Ghetto-Bewohner berichtete im September 1943:

»alle Transporte gehen nach Auschwitz. Da gibt es ein riesiges Lager, ein Umsiedlungs-Zentrum, daß eine Viertelmillion Leute zugleich aufnehmen kann, und das wie ein Gefängnis geführt wird. Neuankünfte werden nackt ausgezogen, gebadet, rasiert, und angewiesen, etwas Lumpenähnliches und Holzschuhe zu tragen." (Tiedens, S. 63)

Die Informationen, die innerhalb des Lodzer Ghettos über Auschwitz zirkulierten, scheinen klar auf Berichten zu beruhen, die dem Bericht ähneln, der Jahre später von Dr. Chodoffs Patientin gegeben wurde.

Tiedens vertritt die Ansicht, daß das mörderische Bild, das die Aktivisten im Warschauer Ghetto von Treblinka hatten, sie dazu brachte, einen hoffnungslosen Aufstand zu organisieren, während das düstere, aber nicht hoffnungslose Bild, das die Bewohner des Lodzer Ghettos von Auschwitz hatten, eine wichtige Rolle spielte, um ihren Eifer zu dämpfen, diesen Ablauf zu wählen.

Tiedens erweckt nicht die Vorstellung, daß die Bewohner des Lodzer Ghettos jemals die Deutschen als Wohltäter betrachteten. Sie zitiert Tagebucheinträge, die zeigen, daß ab September 1944 einige Bewohner des Lodzer Ghettos gemutmaßt hatten, daß die Deutschen außerhalb des Ghettos riesige Bestattungsgruben aushoben, um eine Endliquidierung seiner Bewohner vorzubereiten, bevor sie von der vorrückenden Sowjetischen Armee befreit werden konnten. Sogar vier Monate später, am 20. Januar 1945, nachdem das Ghetto befreit worden war, glaubte der gleiche Tagebuchschreiber immer noch, daß den Deutschen nur »die Zeit gefehlt« habe, um die Endliquidierung der Leute aus dem Ghetto durchzuführen. (Tiedens, S. 57) Tiedens kommentiert nicht das deutsche Zögern, das veranschaulicht wird durch ihre offensichtliche Unfähigkeit, ein Endmassaker des Lodzer Ghettos zu organisieren, um die vier Monate alten Ausgrabungen zu füllen. Auf jeden Fall überlebte das Ghetto, das keinen Aufstand machte, die deutsche Besetzung Polens, und das Ghetto, das zu den Waffen griff, wurde ausradiert.

Frau Tiedens vertritt nicht die Ansicht, daß der unerklärte Fehlschlag der Deutschen, die Einwohner dieses Ghettos zu vernichten, beweise, daß die Deutschen versucht hätten, die Einwohner dieses Ghettos zu vernichten. Es ist recht gut möglich, daß sie ganz bewußt entschieden hat, jegliche Definition des Wortes „Holocaust" aus ihrem Beitrag wegzulassen. Eine sehr intelligente Frau.

Dr. Chodoff stellt die Frage:

»Machte es irgendeinen Unterschied für das Überleben, wie sich ein Gefangener in den Lagern verhielt?«

Seine Antwort ist, daß dies tatsächlich keine große Rolle spielte:

»Wie sich die Gefangenen verhielten, war weit weniger wichtig als Glück, Unglück, Zufall.«

Aber sein eigener Artikel veranschaulicht, daß Fleckfieber in Auschwitz ein tödlicher Peiniger war, und daß sowohl Gefangene wie auch Aufseher im Kampf gegen diese Krankheit standen. Ein Gefangener, der glaubte, daß ein Überleben möglich war und aktiv Maßnahmen für seine oder ihre Sauberkeit ergriff, hatte zweifellos eine viel größere Chance bis zur Befreiung zu leben - wie Dr. Chodoffs Informant - als die Gefangenen, die in hoffnungsloser Apathie versanken.

Darüberhinaus zeigt Frau Tiedens' Artikel, daß das Sich-Fügen der Bewohner des Lodzer Ghettos eine für sie viel erfolgreichere Überlebensstrategie war als der selbstmörderische Aufstand, der in Warschau erfolgte.

Professor Glass und Dr. Chodoff scheinen jedoch den fundamentellen Erfordernissen wissenschaftlicher Forschung nicht zugänglich zu sein. Keiner von beiden ist in der Lage, die Widersprüche zu bemerken, die zwischen den Bekundungen ihrer eigenen Zeugen und ihrer eigenen Definition des „Holocausts" bestehen. Ihre Regel scheint zu sein, daß jegliche Anschuldigung, die irgendein Holocaust-Überlebender gegen irgendeinen Deutschen macht, der Analyse enthoben und jeder Nachprüfung entzogen ist sowie immer ein Beweis dafür ist, daß die Deutschen versuchten, einen jedweden Juden in Europa zu töten.

Professor Chodoff zeigt einen absoluten Mangel an Übung bei der Analyse historischer Dokumente und massive Ignoranz in Bezug auf den Stand der Debatte über den Holocaust selbst unter orthodoxen Gelehrten, die heutzutage in Intentionalisten und Funktionalisten geteilt sind; und er weigert sich, uns irgendeines der Argumente zu nennen, das die von ihm als »antisemitische« Holocaust-»Leugner« verabscheuten Ketzer vorbringen. Er kommt nicht einmal seinen Verpflichtungen als Psychiater nach, den Erklärungen seines eigenen Patienten Aufmerksamkeit zu schenken, wenn diese seinen zuvor gebildeten Vorurteilen widersprechen.

Weder Glass noch Chodoff bemerken, daß es ein unlogisches Verhalten wäre, wenn die Deutschen gewöhnlich manche jüdische Gefangene wegen festgestellter körperlicher Schwäche und Krankheit für den Tod »selektieren« würden, während sie gleichzeitig anderen jüdischen Häftlingen mit den selben „Mängeln" medizinische Hilfe, Bettruhe und Zusatzdiäten in den Krankenhäusern zukommen ließen, die sie unlogischerweise zugunsten der jüdischen Häftlinge gebaut hatten, zu deren Vernichtung sie sowieso entschlossen waren.

Auch bemerken Glass und Chodoff nicht, daß es gleichermaßen unlogisch wäre, enorme Anstrengungen darauf zu verwenden, die Ausbreitung von Infektionskrankheiten unter den jüdischen Häftlingen zu bekämpfen, die man einfach hätte isolieren und sterben lassen können. Das aber sind die Implikationen der Erzählung von Dr. Chodoffs Patientin und der Memoiren von Elie Wiesel.

Weder Glass noch Chodoff kommen auf die offensichtlich mögliche Erklärung, daß, während die Häftlinge glaubten, daß „Selektion" Tod bedeute, die „Selektionen" in Wirklichkeit medizinische Untersuchungen waren, die tatsächlich die Bevorzugung von Häftlingen für direkte medizinische Behandlung festlegten. Wiesel berichtet, daß die „selektierten" Leute mit Krankenwagen weggebracht wurden, und daß er selbst mit schwer entkräfteten Häftlingen zusammen im Krankenhaus war - obwohl er die ganze Zeit hindurch darauf beharrt, daß „Selektion" die Einbahnstraße zu den Krematorien bedeutet habe.

Selbst Tiedens vermeidet die ziemlich offensichtliche Implikation ihrer Angaben, daß die Aktivisten des Warschauer Ghettos Gerüchten glaubten, statt ihre Entscheidungen auf präzise Informationen über das Schicksal der aus diesem Ghetto deportierten Juden zu basieren.

Die offensichtlichste Schlußfolgerung, die man aus den von unseren Autoren zitierten Zeugenaussagen und aus Elie Wiesels Memoiren Night ziehen muß, ist, daß bei den Häftlingen, die ihren Bewachern mißtrauten, Gerüchte vorherrschten, und daß es für die Häftlinge tödliche Folgen haben konnte, wenn sie falschen Gerüchten Glauben schenkten.

Der Tod von Elie Wiesels Vater war die direkte Folge davon, daß sich sein Sohn fälschlich auf ein unwahres Gerücht verließ. Er überredete seinen Vater, das deutsche Angebot abzulehnen, im Lagerkrankenhaus zurückgelassen zu werden, als die gesunden Häftlinge evakuiert wurden. Er glaubte den Gerüchten, daß die Deutschen die Krankenhauspatienten vor ihrem Abzug töten würden. Statt dessen starb sein Vater im Krankenhaus eines anderen Konzentrationslagers, aufgrund der bei seiner Evakuierung erlittenen Strapazen.

Herr Zuckermann war in irrationaler Weise von der absurden Überzeugung besessen, daß die Deutschen Fleckfieber verbreiten würden.

Häftlinge, die überzeugt waren, daß die medizinische „Selektion" Tod bedeutete, neigten dazu, ihre Symptome zu verbergen und sich medizinischer Behandlung zu entziehen - während sie weiterhin andere Häftlinge ansteckten - bis es zu spät war. So geht es immer weiter.

Nur Larissa Z. Tiedens benutzt eines der drei entscheidenden Worte, die wir in einem Artikel erwarten, der den „Holocaust" diskutiert, und vor allem den Holocaust in Auschwitz: Gaskammern, Zyanid, Zyklon-B. Sie zitiert ein 1950 geschriebenes Buch, das „Gaskammern" erwähnt, und sie glaubt, daß es in Treblinka „Gaskammern" gab. Sie behauptet aber nicht, daß die Gaskammern in Treblinka in der Lage waren, ihre Opfer in fünf Minuten zum Doppelten ihrer normalen Größe anschwellen zu lassen. Sie sagt uns überhaupt nicht, wie diese Gaskammern funktionieren.

Das bringt uns zurück zu Dr. Chodoffs Anklage, daß ungenannte Holocaust Revisionisten »die gröbste aller Leugnungen« begehen, »die aktive, kämpferische und beinahe wahnsinnige Behauptung, (vergleichbar mit dem, was die Vereinigung der Flachen Erde von sich gibt) daß der Holocaust entweder überhaupt nicht geschah, oder daß er grob übertrieben wurde.«

Das Lexikon definiert den „Holocaust" als »den Genozid der europäischen Juden und Anderer durch die Nazis während des Zweiten Weltkrieges«. »Genozid« ist definiert als »die systematische und geplante Ausrottung einer ganzen nationalen, rassischen, politischen oder ethnischen Gruppe«" »Ausrottung« bedeutet »etwas durch vollständige Vernichtung loswerden«. »Vollständig« bedeutet »absolut«, »total«, d.h. ohne Ausnahmen.

Die von Chodoff, Glass und Tiedens gelieferten Beweise zeigen, daß sich die Deutschen die europäischen Juden in ihrem Machtbereich nicht vollständig und ohne Ausnahme vom Hals geschafft haben. Moderne Wissenschaft kann nicht beweisen, daß es einen systematisch ausgearbeiteten Plan gab, die Juden Europas zu vernichten. Die Lexikon-Definition des „Holocaust" kann nicht zutreffend sein.

Wenn angeblich rationale Wissenschaftler eine massive Unfähigkeit an den Tag legen, Dokumente objektiv zu analysieren; wenn sie eine psychotische Blindheit gegenüber der buchstäblichen Bedeutung der Worte ihrer eigenen Zeugen offenbaren; wenn sie eine Bereitschaft zeigen, wichtiges Beweismaterial zu unterdrücken; wenn sie sogar, wie Dr. Chodoff, die Anklage erheben, daß sich ihre Gegner »psychotischer Leugnung« schuldig machen, ohne diese Gegner und ihr Leugnen zu identifizieren, - dann sind ehrliche Leute, die sich für die Tatsachen hinter dem Etikett „Holocaust" interessieren, verpflichtet herauszufinden, wie die Argumente lauten, die solche Leute ohne Anhörung verdammt wissen wollen.


Anmerkungen

[1]Bezüglich einer Diskussion des Unterschiedes zwischen »intentionalistischer« und »funktionalistischer« Interpretationen des Holocausts und wie nebensächlich die Rolle der Wannsee-Konferenz in der heutigen wissenschaftlichen Debatte ist, siehe Christopher R. Browning, The Path To Genocide, Cambridge University Press, 1992.
[2]Siehe Elie Wiesel, Night, zahllose Auflagen; dt.: Die Nacht zu begraben, Elischa, ebenso zahllose Ausgaben.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 215-221.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis