Die Holocaust-Orthodoxie -
zementiert mit »moralischer Gewißheit«

Von Ernest Sommers

Die wahrscheinlich größte Enttäuschung des traditionellen Holocaust-Denkens ereignete sich während der zweiten Woche im Prozeß Irving gegen Lipstadt. Obwohl zahlreiche prominente Verteidiger des Holocausts voraussagten, daß Irving gezwungen sein würde zuzugeben, daß er unrecht habe, und daß der Holocaust Revisionismus sich als Scharlatanerie bloßstellen würde, geschah nichts dergleichen.

Tatsächlich konnte die weltweit führende Autorität über Auschwitz, Robert Jan von Pelt, nicht die zweifelhafte Aussage beweisen, daß eine Millionen Menschen in diesem berüchtigtem Konzentrationslager vergast und verbrannt worden sind. Van Pelt machte lediglich folgende absonderliche Feststellung:

»Wir können mit moralischer Gewißheit feststellen, daß Auschwitz ein Vernichtungslager war, wo die Deutschen mit Hilfe von Gaskammern ungefähr eine Million Menschen vernichteten, um sie dann in Verbrennungsöfen zu kremieren.«

Natürlich ist eine »moralische« Gewißheit keine normale Gewißheit. Wir neigen sogar dazu anzunehmen, daß eine „moralische Gewißheit" alles andere als sicher ist, weshalb sie moralischer Unterstützung bedarf. Auch das Gravitationsgesetz ist keine »moralische Gewißheit«, es existiert einfach. Dr. Johnson widerlegte Bishop Berkeleys Behauptung über die Unwirklichkeit der Materie mittels eines Steinwurfes. Er tat es nicht, indem er auf das Gewissen des Bischofs einredete. Der lang ersehnte Beweis, den van Pelt dem Gericht in London präsentierte, bedarf also einer Erklärung, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil van Pelts Erklärung meiner Meinung nach keine moralische Gewißheit bietet, sondern mit Gewißheit die Quelle künftiger Bösartigkeit sein wird. Um dies zu erläutern, müssen wir zunächst van Pelts Aufruf an den Glauben im Zusammenhang betrachten.

Auswirkungen „moralischer Gewißheit": Das Haus des Revisionisten Ernst Zündel nach einem Brandanschlag von Linksextremisten.[1]

In den ersten fünfzehn Jahren nach Kriegsende hörte man wenig über NS-Konzentrationslager, Vergasung, oder ähnliche Dinge. Es wurde allgemein angenommen, daß Millionen in den Lagern starben; es gab aber keine systematische Diskussion hierüber. All dies änderte sich in den sechziger Jahren, beginnend mit der Veröffentlichung zweier Bücher: William L. Shirers Aufstieg und Fall des Dritten Reiches und Raul Hilbergs Die Vernichtung der europäischen Juden. Diese Bücher hatten eine gewisse Sogwirkung, weil sie selektiv einige der grauenhaften Beschuldigungen wiedergaben, die während des Nürnberger Tribunals gemacht worden waren.

Weit wichtiger als diese Bücher jedoch waren der Prozeß gegen Adolf Eichmann 1961 und besonders die Propaganda, die dem Sechs-Tage-Krieg im Nahen Osten 1967 vorausging. Zum ersten Mal erhielten wir ein anderes Bild von den angeblichen deutschen Greueltaten, ein Bild, das sich ausschließlich mit dem Schicksal der Juden beschäftigte: hier begann das, was wir als „Holocaust" kennen und lieben gelernt haben. Es ist wichtig festzuhalten, daß die Historiker vor 1970 selten detailliert über NS-Greuel sprachen, mit Ausnahme weniger Anmerkungen über die „Millionen" oder im Vorübergehen über die „Gasöfen".

Seit jener Zeit aber sind Kommentare mit grausigen Details und ideologischem Inhalt fast zum Ritual geworden. Aus diesem Kontext heraus ist der moderne Holocaust-Revisionismus erst entstanden. Ihre beiden ursprünglichen Vertreter, Robert Faurisson und Arthur R. Butz, nahmen schlicht die veröffentlichten Holocaust Behauptungen und unterwarfen sie der üblichen historischen Analyse, um zu sehen, wie haltbar sie waren. Die Behauptungen standen auf tönernen Füßen, und der Revisionismus wurde alsbald verteufelt. Doch die empirischen Analysen von Butz und besonders von Faurisson stellten die Grundlage für empirische, archäologische und forensische Analysen vor Ort dar, die Ende 1980 gravierende Zweifel über die Wahrhaftigkeit des Holocausts bezüglich der Massenvergasung zu einer Zeit aufkommen ließ, als diese Behauptungen begannen, die öffentliche Meinung zu bestimmten.

Um die traditionelle Geschichte zu retten, veröffentlichte die Beate-Klarsfeld-Stiftung ein dickes Buch des Franzosen Jean Claude Pressac, der die Vergasungen einfach durch vorhandene Dokumente und physikalische Gesetze beweisen wollte. Das Hauptproblem war jedoch, daß Pressacs Studie mitnichten die Existenz von Gaskammern beweisen konnte, er konnte sie nur suggerieren, indem er den Inhalt der vorhanden Dokumente verdrehte und von „kriminelle Spuren" im Zusammenhang mit den Gaskammern sprach.

Gemessen am Inhalt seiner früheren Arbeiten sowie an seinen Verbindungen kann man Robert van Pelt wohl als Schützling Pressacs charakterisieren. In seinen Schriften und in seiner Expertise versuchte er zu beweisen, daß Massenvergasungen mehr oder weniger so stattgefunden hatten, wie es die „Tradition" verlangte, und zwar mehr oder weniger fundiert auf der Basis von Dokumenten anstatt von Zeugenaussagen.

Doch van Pelts Expertise enthält eine große Überraschung. In seinem 330-seitigen Gutachten über die Massenvergasungen wiederholen volle 300 Seiten nichts weiter als die frühen Propaganda-Behauptungen. Natürlich macht van Pelt einige halbherzige Gesten, indem er ausführt, diese frühen Geschichten würden sich gegenseitig stützen, jedoch sind seine Behauptungen bezüglich der „unabhängigen Bestätigung" unfundiert. Läßt er die Dokumentenreihe Revue passieren, findet er - wie seine Vorgänger - keinen spezifischen Hinweis auf Vergasung, keine Baupläne oder architektonische Zeichnungen zu Planung und Bau von Gaskammern, keinen Beweis architektonischer Veränderungen oder vom Einbau von Einwurflöchern und Drahtnetzsäulen. All diese Dinge sind unentbehrlich für die herkömmliche Interpretation. Statt dessen bietet er lediglich ein paar zweideutige Dokumente und die »moralische Gewißheit« an.

Und wo findet van Pelt diese »moralische Gewißheit«? Er findet sie in den Schriften von John Wilkens, dessen Von den Prinzipen und Pflichten der Naturreligion (Of the Principles and Duties of Natural Religion) aus dem Jahre 1675 ein Klassiker der „Naturreligionen" ist. Es handelt sich dabei um eine philosophische und theologische Schule, die die Existenz Gottes bzw. der Vorsehung beweisen und somit den Glauben an die Heilige Schrift stärken möchte, indem sie Grundmuster der Natur aufzeigt, oder wenn man so will, sie möchte durch »kriminelle Indizien« ein übernatürliches Wesen beweisen.

Das Opfer „moralischer Gewißheit" seiner Gegner: der Revisionist Prof. Robert Faurisson nach einem Überfall durch jüdische Schläger, 16.9.1989.[2]

Man soll sich im klaren darüber sein, was hier festgestellt wird und was van Pelt behauptet. Jeder Gläubige glaubt an religiöse Wahrheiten, und das sollte für niemanden ein Problem sein. Andererseits aber sind wir davon überzeugt, daß die Glaubenswahrheiten auf die jeweilige Gemeinschaft der Gläubigen beschränkt bleiben muß. Das ist einer der Gründe, warum in der säkularen Gesellschaft die Kirchen vom Staat getrennt sind.

Ferner muß zudem hinzugefügt werden, daß viele jüdische Gruppen, besonders die ADL, ausdrücklich darauf bestanden, daß eine strikte Trennung zwischen sektiererischem Glauben („Kirche") und irgendeiner öffentlichen, politischen oder sozialen Äußerung eingehalten wird. Van Pelts »moralische Gewißheit« beruht in ihrer Befangenheit auf einem hochgradig sektiererischen Glaubenssystem, das zudem von dieser »Gewißheit« maßgebend geprägt wird. Ein derart sektiererischer Glaube kann daher nicht außerhalb seines moralischen Gefüges bewiesen werden und muß deshalb von einem rationalem Geist entweder schlicht akzeptiert oder abgelehnt werden. Wenn daher von dieser »moralischen Gewißheit« Gebrauch gemacht wird, entweder zur Verteidigung in einem Beleidigungsverfahren oder zum Zweck deren Institutionalisierung als universale Wahrheit, dann verletzt dies das Recht eines jeden, diese Wahrheit ablehnen zu dürfen. Es ist sogar noch schlimmer als das. Laut Definition ist die Kehrseite von »moralischer Gewißheit« „unmoralischer Zweifel". Das bedeutet, daß derjenige, der nicht an die Wahrheit glauben will, die andere verkünden, Gefahr läuft, als unmoralisch ausgestoßen und abgesondert zu werden. Das öffnet die Tür für Verfolgung und weitere gerichtliche Maßnahmen, frei nach dem Motto: wenn jemand schon unmoralisch ist, was kümmert er uns?

Trotz aller Zusicherungen, daß man Moral nicht einer Gesetzgebung unterwerfen kann, ist es Tatsache, daß alles, was im Sozialgefüge als unmoralisch bezeichnet wird, früher oder später als kriminell angesehen wird. Denn es ist kein großes Geheimnis, daß die Gesetzgebung häufig lediglich einen Weg bietet, unsere eigenen Vorurteile zu zementieren. Wenn wir also die Gleichung Zweifel = Unmoral in diesem besonderen Fall akzeptieren, dann sind wir schon weit fortgeschritten auf dem Weg, auf dem letztendlich jeder als Krimineller abstempelt wird, der unglücklicherweise Zweifel an der Holocaust-Geschichte geäußert hat, und zwar unabhängig davon, wie die moralische Gewißheit von den dann herrschenden akademischen Experten dargeboten wird.

Aber dieses Verbrechen wäre anders als andere Verbrechen. Man kann durchaus akzeptieren, daß eine Gesellschaft von Zeit zu Zeit besondere Maßnahmen beschließt, die als Unrecht empfunden werden könnten. Manche dieser Gesetze schaffen Probleme oder mischen sich in den Augen mancher Betroffenen zu sehr in ihre Privatsphären ein. Als Beispiele mögen die Prohibition, der Drogenkonsum, die Prostitution oder die Abtreibung genügen. Über die Rechtmäßigkeit dieser Gesetze kann gestritten werden, aber ihnen allen liegen Handlungen zugrunde, nicht Äußerungen. Doch ein Vergehen gegen die »moralische Gewißheit« bezüglich Auschwitz bedarf keiner Handlung, die als Bedrohung angesehen werden könnte. Für eine solche Straftat würde es genügen, daß jemand nicht als wahr erkennt, oder erkennen kann, was uns von den Mächtigen als wahr diktiert wird. Anders ausgedrückt: wenn die These von der »moralischen Gewißheit« der Massenvergasungen in Auschwitz akzeptiert wird, wird dies zu einer neuen Art der Schändung führen: der Schändung des freien Geistes. George Orwell hatte dafür einen Namen: Gedankenverbrechen.


[1]Vgl. www.lebensraum.org/english/zundel_life_in_pics/part3.html.
[2]The Globe and Mail, 18.9.1989, Le Monde, 19.9.1989, Sunday Telegraph, 24.9.1989; vgl. www.codoh.com/thoughtcrimes/8909faur.html.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 125f.


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