Bücherschau

Foto-Fälschung entlarvt!

Richard Widmann

Dino Brugioni, Photo Fakery: The History and Techniques of Photographic Deception and Manipulation (Fotofälschung: Die Geschichte und Technik fotografischer Täuschung und Manipulation) Brassey's, Dulles, Virginia, 1999, 256 S., $29,95.

Dino Brugioni eröffnet seine Studie über Fotofälschung, indem er kurz auf Arthur C. Lundahls zu sprechen kommt, den ersten Director des National Photographic Interpretation Center des CIA (Nationales Zentrum für Foto-Interpretation). Lundahl hat immer davor gewarnt, daß die Entdeckung eines Fotos, das verfälscht worden ist, »die Sprengkraft von explodierendem Schwarzpulver habe«. Von diesem Anfangsgedanken ausgehend führt Brugioni den Laien durch das explosive Thema der Fotofälschung mit der Zielsetzung, daß sein Buch als Nachschlagwerk zur Feststellung von Foto-Fälschungen und Manipulation dienen soll.

Brugioni, einer der Gründer des National Photographic Interpretation Center des CIA, bringt bestimmt die besten Empfehlungen mit, um einen solchen Band zu schreiben.

Interessanterweise war dieser CIA-Experte auf dem Gebiet der Fotofälschung und -Manipulation auch Mitautor des CIA-Berichts »The Holocaust Revisited: A Retrospective Analysis of the Auschwitz-Birkenau Extermination Complex.« (Der Holocaust neu besehen: Eine rückblickende Analyse des Auschwitz-Birkenau-Vernichtungskomplexes). Im CIA-Bericht von 1979, der von den Medien als der einzige fotografische Beweis des Holocaust angepriesen wurde, analysierten Brugioni und sein Mitautor Robert Poirier Luft-aufklärungs-Fotos, um die Aktivitäten in Auschwitz-Birkenau zwischen Juni 1944 und Januar 1945 zu bestimmen.

Obwohl Brugioni versichert hat, daß sein Interesse am Thema durch die Fernseh-Miniserien »Holocaust« geweckt worden sei, haben andere die These aufgestellt, die wirkliche Ursache sei das Aufkommen des Holocaust-Revisionismus Ende der 70er Jahren gewesen.

Brugioni erhielt seine erste Erfahrung mit Fotofälschungen kurz nachdem ihn der CIA 1948 angeheuert hatte. Er bemerkte:

»Es wurde selbst mir als Neuling im Geheimdienst-Spiel sofort klar, daß die Sowjets in den Kriegsjahren ein massives Programm der Falschinformation in Gang gesetzt hatten. Während ich noch Fotos überprüfte, stellte ich fest, daß die Sowjets die Technik des groben Pinsels angewandt hatten, um Einzelheiten ihrer Waffen unkenntlich zu machen. Sie hatten auch sorgfältig darauf geachtet, ihre Führer im besten Licht erscheinen zu lassen. Als ich sowjetische Wochenschauen durchsah, fand ich, daß viele Schlachtszenen mit Bedacht inszeniert waren: oft wurden dramatische Szenen einer Schlacht auf Filme von anderen Schlachten überspielt.«

Photo Fakery nimmt den Leser mit zu einem vollständigen Kurs über Fotomanipulation. Brugioni erklärt, daß es vier verschiedenen Techniken gibt, Fotos zu fälschen:

Entfernung von Einzelheiten, Hinzufügen von Einzelheiten, Fotomontage, und falsche Texterklärungen. Letztere unterscheidet sich von den erstgenannten dadurch, daß das Foto selbst nicht manipuliert wird, aber der Zusammenhang dessen, was das Foto angeblich darstellen soll, ist verfälscht.

Es werden Beispiele der vier Typen von Foto-Fälschungen gegeben. Ein schlagendes Beispiel für die Entfernung von Einzelheiten entstammt einer rumänischen kommunistischen Zeitung, wo eine Person, die im Hintergrund eines Fotos des sowjetischen Regierungschefs Leonid Breschnew einfach vom Foto entfernt wurde; ein Busch füllt den Raum aus, wo dieser Mann stand. Eine andere Schlüsselmethode ist das Hinzufügen von Einzelheiten. Brugioni schreibt:

»Ein guter Techniker kann auch Details einfügen, die das Originalfoto nicht enthielt. Ein Künstler kann Einzelheiten hinzufügen, die dem Foto vielleicht fehlen.«

Die Fotomontage ist ein zusammengesetztes Bild. Im wesentlichen werden verschiedene Fotos kombiniert, um ein Objekt in den Zusammenhang eines anderen zu bringen.

Schließlich gibt es die Methode der Falschbetextung. Brugioni sagt uns:

»Richtiges Betexten eines Fotos beinhaltet beschreibende Daten in Bezug auf das Wer, Was, Wo, Wann und Warum einer Person oder Szene.«

In falsch betexteten Fotos wird normal nur eines oder ein paar dieser Elemente erwähnt. Es wird als Beispiel ein FBI-Foto gezeigt, in dem ein Mordverdächtiger dazu gebracht wird zu glauben, daß eines seiner angeblichen Opfer getötet worden sei. Das Foto zeigt einen Mann mit etwas, das wie eine Schußwunde am Rücken aussieht. Brugioni erklärt, daß das Foto in Wirklichkeit inszeniert war und das Blut nichts anderes als Ketchup war.

Brugioni enthüllt nicht nur die Methoden der fotografischen Manipulation und zeigt viele Beispiele, er geht auch der Geschichte der Fotofälschung nach. Brugioni erklärt:

»die Kunst des Fotofälschens ist so alt wie die Fotografie selbst.«

Sein Buch quillt über von gefälschten oder manipulierten Fotos, die bis zum amerikanischen Bürgerkrieg zurückgehen. Solche Fotos zeigen in Kampfszenen eingefügte Leichen und berühmte Generale, die bei Gruppenbildern hinzugefügt wurden.

Das vielleicht interessanteste Kapitel behandelt »Aufspüren von Fälschungen«. Brugioni erklärt, warum Fotos gefälscht wurden:

»Aus vielen Gründen wurde an Fotos herumgedoktert: Betrug, Gier, Bosheit, Humor, Gewinnsucht, Täuschung, Erziehung, und um die öffentliche Meinung umzuschwenken, um die Geschichte neu zu schreiben, Unzufriedenheit zu säen, und um die Zeit vieler Leute zu verschwenden.«

Überraschenderweise endet dieses Kapitel, das mit Fälschungsgründen wie »die Geschichte umzuschreiben« und »die öffentliche Meinung umzuschwenken« beginnt, mit einer Diskussion von Konzentrationslager-Fotos und Brugionis Arbeit zu diesem Thema.

Es ist wichtig festzustellen, daß Brugioni in keiner Weise behauptet, daß Luftfotos von Konzentrationslagern verfälscht seien - obwohl es vielen als unglaublich merkwürdig auffallen muß, daß sie in sein Kapitel »Aufspüren von Fälschungen« aufgenommen wurden. Könnte es sein, daß Brugioni eine Art Spiel mit seinen Lesern im allgemeinen und mit den Holocaust-Revisionisten im besonderen treibt oder sie herausfordern will, seine eigenen Täuschungsmanöver zu entdecken?

Die Konzentrationslager-Fotos in diesem Kapitel enthalten auch ein Foto von Belsen, nachdem die Engländer die Baracken aus Angst vor einer Fleckfieber- und Typhus-Epidemie abgebrannt hatten.

Dann folgt das gleiche Foto während es verschiedene Stadien der Computerbearbeitung durchläuft, um die Lagerstrukturen aus der Asche der verbrannten Gebäude zu „rekonstruieren". Ein anderes Konzentrationslager-Foto, das erörtert wird, ist eine Luftaufnahme von Belzec. Brugioni merkt an, daß das Foto »die massiven Gruben aufdeckt, wo die Leichen begraben wurden.« Er fügt auch eine Aufnahme vom Lager Birkenau vom 25. August 1944 bei, und eine von Auschwitz vom gleichen Datum.

In seinem Text merkt er an:

»1978 entdeckten der Fotoauswerter Robert Poirier und ich Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg über das Todeslager Auschwitz-Birkenau, die bei einer alliierten Aufklärungsmission gegen das nahegelegene IG-Farben Werk für synthetischen Gummi und Treibstoff unabsichtlich im Vorspann gefilmt worden waren. Indem wir eine Vielfalt von Dichte-Aufspaltungs- und Vergrößerungstechniken anwandten, konnte man sehen, wie Holocaust-Opfer, die in Güterwagen in Auschwitz angekommen waren, zu ihrem Marsch in die Gaskammer in Gang gesetzt wurden. Andere waren bei einer Verteilungsstelle für Sklavenarbeit aufgereiht zu sehen.«

Eine genaue Prüfung dieser zwei Fotos im Vergleich mit dem CIA-Bericht von 1979 über Auschwitz erweckt einigen Argwohn. Keines der Fotos in Photo Fakery stimmt genau mit dem im CIA-Bericht überein. Das Foto von Birkenau in Photo Fakery könnte das gleiche Foto sein, daß auf S. 9 des CIA-Berichts als Nr. 4 bezeichnet ist. Das Foto Auschwitz I ist dem Foto Nr. 2 auf Seite 7 des CIA-Berichts am ähnlichsten.

In Fakery ist die Birkenau-Fotografie ganz anders ausgeschnitten (wenn es das gleiche Foto ist). Auch Überschrift und Beschriftung sind anders. Bei Fakery wird viel mehr vom Frauenlager gezeigt und die Krematorien mit den angeblichen „Gaskammern" sind auf dem Foto ganz rechts. Es ist tatsächlich nicht möglich, die äußerste rechte Seite von Krematorium II oder Krematorium III zu sehen. Das Bild geht bis in die Heftung des Buches hinein. Deshalb kommt der Umkleideraum von Krematorium III, der im CIA-Bericht deutlich ist, bei Fakery gar nicht zum Vorschein. Bei Fakery gibt es eine Beschriftung, die »Gaskammer Krematorium« lautet und auf eine dicke Linie weist, die ein Zaun oder eine Heckenreihe hinter Krematorium II sein könnte. Die Aufschrift, die sich im CIA-Bericht »Motoren-Raum« liest und zu Krematorium III hinweist, ist jetzt einfach »Krematorium« beschriftet. Die Beschriftung, die sich im CIA-Bericht »Häftlinge auf dem Weg zu den Gaskammern« liest, liest sich jetzt »Gruppe auf dem Weg zur Gaskammer«.

Obwohl die Beschriftungen unterschiedlich und der Bildausschnitt sehr unterschiedlich ist, passen die „Gefangenen" selbst genau aufeinander.

Es scheint daher, daß sich Brugioni dafür entschied, in beiden Büchern das gleiche Foto zu verwenden, aber dessen Erscheinungsweise im neueren Buch zu ändern. Die merkwürdigen angeblichen „Zyklon-Öffnungen" auf den Dächern der Leichenkeller 1 bei Krematorium III, die im CIA-Bericht deutlich sichtbar sind, sind jetzt ganz vom Foto weg. Nicht etwa, daß sie nicht erscheinen, sondern der Ausschnitt ist so angefertigt, daß sie außerhalb liegen. Die vier „Tüpfelchen", die sich auf dem Kellerdach hinter Krematorium II aufreihen, sind bei Fakery noch sichtbar.

Beachten Sie, daß das fragliche Foto anscheinend das gleiche ist wie in John Balls Air Photo Evidence auf Seite 40. Das Bild im neuen Buch fängt an, wo John Ball die Erklärung »Gefangene werden der Desinfektion unterzogen« hinzufügte, und endet mit den Dächern der Leichenkeller 1 der Krematorien II und III.

Das Foto Auschwitz I ähnelt Foto 2 des CIA-Berichts. Im CIA-Bericht wird aber behauptet, das es vom 4. April 1944 stamme, während es bei Fakery mit 25. August 1944 beschriftet ist. Auch ist das Foto bei Fakery in einem anderen Winkel. Im CIA-Bericht laufen die Baracken gerade hoch, während sie bei Fakery in einem Winkel von 11 Grad erscheinen. Alle Foto-Beschriftungen sind anders.

Ansonsten deckt das Foto genau den gleichen Lager-Ausschnitt. Dieses Foto ähnelt dem in John Balls Buch auf Seite 44. Das Foto bei Fakery ist aber auf den Kopf gestellt und so geschnitten, daß es nur den ganz rechten Teil dieser Sicht zeigt. Tatsächlich gibt es in Fakery Einzelheiten, die noch weiter nach rechts gehen als das Foto in Balls Buch.

Es ist wichtig, die Fotografien in Fakery in Bezug zu John Balls Air Photo Evidence zu setzen. Ball erörtert in seinem Buch die Theorie, daß eine Reihe Fotos im CIA-Bericht verfälscht worden sind. Die spezielle Fälschungsmethode, die er feststellt, ist das Hinzufügen von Details. Ball schlußfolgert in seinem Buch:

»Jedes Merkmal, das die Autoren des CIA-Berichts benutzten, um zu folgern, daß bei dem Foto vom 25. August Menschengaskammern in Betrieb waren, ist in die Fotos nach der Entwicklung 1944 eingefügt worden.«

Man kann sich wundern, ob es nicht einleuchtend ist, daß Brugioni die Präsentation der Fotos in seinem neuen Buch aufgrund des revisionistischen Werks von John Ball geändert hat. Im persönlichen Gespräch mit Ball erklärte dieser vertraulich:

»Ich habe 1993 Brugioni mein Buch geschickt, sein Schnitt sollte also verbergen, daß ich seine eingezeichneten Striche bloßgestellt hatte.«

Das offensichtlichste Beispiel einer Foto-Fälschung bei Brugioni bezieht sich auf die »Gefangenen« auf dem Birkenauer Foto. John Ball ist überzeugt, daß diese Striche auf den Fotos eingezeichnet wurden. Es sei daran erinnert, daß Brugioni zugibt, daß ein guter Techniker Einzelheiten in Fotos einfügen kann. Wir müssen uns auch an die vierte Methode erinnern, die Brugioni für das Verfälschen von Fotos anführt: falsches Betexten. Brugioni behauptet in seinem CIA-Bericht, daß die Striche »Häftlinge auf dem Weg zu Gaskammern« seien, und ähnlich in Fakery eine »Gruppe auf dem Weg zur Gaskammer«. Der Leser, der das Falschbetexten verstanden hat, sollte sich fragen, ob diese Gruppe tatsächlich auf dem Weg zu den Gaskammern ist, oder ist sie in Wirklichkeit nur auf dem Weg in die Unterkünfte oder gar auf dem Weg zum Frühsport? Eine einzige Fotografie kann natürlich nicht enthüllen, wohin sich die Gefangenen begeben. Nur eine lange Bildserie oder ein Film könnte eine solche Information liefern. Ganz gewiß weiß ein Experte wie Brugioni das. Aber dann gibt er wieder selbst zu, daß an Fotos herumgedoktert wird, um »die Geschichte umzuschreiben« und »die öffentliche Meinung umzuschwenken«.

Brugioni beschließt sein Buch wie folgt:

»Wenn ein Foto in irgendeiner Weise manipuliert ist, ist die Wahrheit kompromittiert. Wenn die Wahrheit kompromittiert ist, fängt das Mißtrauen an.«

Und flink fügt er die Anmerkung hinzu:

»Kommunistische und andere Nationen schreiben oft die Geschichte um, indem sie Leute und Ereignisse von Fotos entfernen, trotz der Tatsache, daß Kopien der Originalfotos normalerweise in der ganzen Welt erhältlich sind.«

Warum also tauchen Bilder über Auschwitz und Birkenau in einem Buch auf, das ansonsten nur gefälschte Bilder behandelt? Ist dieses Buch eine heimliche Einladung an die Revisionisten? Oder vielleicht ist es ein privates Ringen im Gewissen des Autors?

Vielleicht werden wir nie Brugionis Motive erfahren, warum er dieses enthüllende Buch über Fotofälschungen geschrieben hat, noch, warum er vor 20 Jahren den CIA-Bericht über Auschwitz geschrieben hat.

Vielleicht ging Brugioni Lundahls Warnung durch den Kopf, daß die Entdeckung eines gefälschten Fotos »die Sprengkraft von explodierendem Schießpulver« hat. Hat Brugioni seinen CIA-Bericht nochmals überdacht? Der Leser von Photo Fakery muß das entscheiden. Die Antworten auf diese Fragen können in der Tat Sprengstoff sein.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 4(2) (2000), S. 212-213.


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