Meister preußisch-deutscher Kriegskunst: Schlieffen

Zur Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges: Krieg und Politik im Denken Schlieffens

»...dann wird der Begriff Schlieffen der Begriff des Sieges sein.«

Von Mag. Rolf-Josef Eibicht

»Über alle Kanzler, Minister und Generale der nachbismarckschen Zeit ragte der Genius des Grafen Schlieffen weit hinaus.«

Generalleutnant Wilhelm Groener, Erster Quartiermeister 1918/19, Reichswehr-, Reichsverkehrs-
und Reichsinnenminister der Weimarer Republik, Schüler und Interpret Schlieffens

»Graf Schlieffens Leben und Werk erscheint uns als eine welthistorische Tragödie, die den Mann und seine Idee unmittelbar an die Seite der großen Strategen der Weltgeschichte, Hannibal, Friedrich der Große und Napoleon Bonaparte, rückt.«

Aargauer Tagblatt, Nr. 202, 1937

»Graf Schlieffen fordert, trotz seiner uns fast eisig kalt berührenden, auf höchster Abgeklärtheit beruhenden Wesensart, zur persönlichen Stellungnahme heraus, weil unter der Oberfläche die heiße Leidenschaft des wollenden Feldherrntums schlummert. Graf Schlieffen ist kein Begriff für uns, sondern in Kopf und Herz des deutschen Generalstabes, des deutschen Soldaten, des deutschen Volkes fortwirkendes Leben. Beherzigen wir diese Lehren des Mannes Schlieffen, dann wird der Begriff Schlieffen der Begriff des Sieges sein.«

Generaloberst Hans von Seeckt, Appell an die deutschen Soldaten anläßlich des Schlieffentages am 28. Februar 1928

»Hätte 1914 Schlieffen gelebt und geführt, wäre die Marneschlacht nicht verloren worden.«

Hans Hermann von Kuhl

»Nur mit großen Mitteln und großen Anstrengungen werden große Dinge vollbracht und große Ideen verwirklicht.«

Schlieffen

»Schlieffen dachte biologisch, d.h. für ihn gab es, unbekümmert um alles, nur das selbstlose Durchdenken der Lage bis zur klaren Wahrheit, bis zum durch das entschleierte Bild von Sais bedingte Entsetzen vor den nackten Tatsachen.«

Oberstdivisionär Dr. Eugen Bircher

»[Gerhard Ritter] bezeichnet den Schlieffenplan als "Anfang des deutschen Unglücks". Richtig ist doch wohl, daß der Anfang des deutschen Unglücks, wenn man ihn nicht noch weiter zurückdatieren will, die Entwicklung der
außenpolitischen Lage seit 1892 war. Der Schlieffenplan war erst eine Folge dieser Entwicklung.«

Emanuel von Kiliani

»Dem militärischen Streben lag eine durchaus politische Lagebeurteilung zugrunde. Über die Gefahren des Plans waren sich weder Schlieffen noch der jüngere Moltke, der ihn insoweit ja übernahm [aber schicksalhaft zur Niederlage hin verwässerte und verfälschte], nicht im unklaren. Sollten sie nun deshalb in der entscheidenden Stunde, wenn der feindliche Angriff über Deutschland hereinbrach, vor den Kaiser hintreten und sagen: Wir können diesen Krieg nicht führen und damit eine Bankrotterklärung ihrer militärischen Führungskunst abgeben in dem Augenblick, wo die höchsten Anforderungen an sie gestellt wurden? So ähnlich scheint es [...] Gerhard Ritter von ihnen zu verlangen.«

Eberhard Kessel

»Viel leisten, wenig hervortreten, mehr sein als scheinen!«

Schlieffen


1. Schlieffens Aussagen zum Wesen des Krieges

Schlieffen sah das Wesen des Krieges in der Freiheit, strategisch die jeweils geeigneten, der Kriegssituation entsprechenden Maßnahmen ergreifen zu können und in der Vernichtung, d.h. in der den Krieg entscheidenden Niederwerfung (Niederringung) des Feindes.

Zur Freiheit in der strategischen Handlungsweise führt er aus:[1]

»Der Versuch, eine Theorie des Krieges zu entwickeln, führte, wo er von anderen (d.h. außer von Clausewitz) unternommen wurde, stets in das Gebiet der Abstraktion, nicht in das des wirklichen Lebens. Dessen höchste Steigerung und gewaltsame Äußerung aber bildet der Krieg. Darum kann sich in ihm niemals eine Lehre bewähren, die sich selbstgefällig in ihren eigenen willkürlichen Gebilden und Schlüssen fortbewegt, sondern nur eine solche, die sich der unendlichen Mannigfaltigkeit des kriegerischen Lebens anpaßt [... und] jeder Fall im Kriege nach seiner Eigenart betrachtet und durchdacht werden muß.« (Herv.d.d.Verf.)

So gilt dann auch für Schlieffen das Wort Moltkes, dessen, wie er ausführt, »Offenbarung über das Wesen des Krieges«[2] in wenigen Worten lautet:[3]

»Die Strategie ist ein System von Aushilfen, ist die Übertragung des Wissens auf das praktische Leben.«

Schlieffen betont, daß dies wiederum »ganz im Sinne von Clausewitz gehalten«[3] ist. An anderer Stelle schreibt Schlieffen:[2]

»Das scheint nichts zu sein und ist alles. Es ist ein Protest gegen diejenigen, welche in einer Theorie, einer Methode, in inneren und äußeren Linien, in Umfassung und Durchbruch das alleinige Heil suchen. Es ist die Behauptung, daß für jeden Fall das zweckmäßigste gesucht werden muß, und es ist die Herstellung voller Freiheit für den Führer, das zu tun, wodurch er den Sieg gewinnen zu können glaubt.«

Schlieffen widerstrebte es, »an einer und derselben Methode als einem Universalmittel festzuhalten[4] Moltkes Lehre: »Nicht eine Methode, ein Mittel, eine Aushilfe sondern viele«[5] war auch gänzlich die seine, d.h. »im rechten Augenblick der rechte Entschluß[5] General Beseler faßte Schlieffens Auffassung vom Wesen der Grundsätze der Kriegführung einmal wie folgt zusammen:[6]

»Frei vom Zwange einer starren Methodik scharf und klar die Lage zu erfassen, nach ruhigem Erwägen sich kurz entschließen, den Entschluß aber fest und zweckmäßig durchführen...«

Schlieffens Lehren auf dem Gebiet von Strategie und Taktik waren - wie Boetticher ausführt - »die ewig geltenden Wahrheiten in ihrer Anwendung auf seine Zeit[7]

Die Flexibilität in der Strategie Schlieffens läßt sich alleine schon in seinen meist großangelegten Studien seiner Kriegsspiele und Generalstabsreisen, welche von den verschiedensten militärischen und politischen Voraussetzungen ausgehen, unzweifelhaft darlegen.[8]

So hat er beispielsweise in der Schlußbesprechung der Generalstabsreise von 1905 darauf hingewiesen, »daß es nach den Erfahrungen des russisch-japanischen Krieges geraten scheine, durch eine Umfassung bedrohte Streitkräfte schnell zurückzuziehen, um die Schlacht an einer geeigneteren Stelle von neuem zu beginnen[9] Auch hat er hier nahegelegt, unter bestimmten Bedingungen den Rückzug anzutreten.[9]

Schlieffen war gezwungen, auf Grund der Einkreisungs-Situation, in der sich das Deutsche Reich befand, konkrete und praktische Fragen zu lösen. Schlieffen stand vor der Aufgabe, einer Zwei- und Mehrfrontensituation im Kriegsfalle zu widerstehen. Eine Situation, in der sich Deutschland gegen die stärksten Land- und Seekriegsmächte der damaligen Zeit behaupten mußte.

Generalfeldmarschall Graf Schlieffen

So heißt es dann auch bei Jehuda L. Wallach treffend:[10]

»Aber während der Mangel an wirklichem Einfluß auf den Lehrbetrieb der Kriegsakademie Clausewitz dazu veranlaßte, sich auf die theoretisch-philosophischen Aspekte des Krieges zu konzentrieren, war Schlieffen dazu gezwungen, konkrete und praktische Fragen zu lösen.«

Ganz in diesem Sinne heißt es dann bei Wallach weiterhin:[11]

»Zum 25. Todestag Schlieffens schrieb Generalleutnant v. Zoeller, daß Schlieffens Denken nicht einseitig gewesen sei, sondern daß er die deutsche Armee, "angewandte Strategie" gelehrt habe, im Gegensatz zur "philosophischen Strategie Clauswitz".« (Herv.d.d.Verf.)

Nicht zuletzt war Schlieffen dafür bekannt, daß er nie um eine Aushilfe verlegen war. Nach Emanuel v. Kiliani[12] geht aus sämtlichen Hinterlassenschaften Schlieffens, d.h. sämtlichen Dienstschriften und den im Ruhestand geschriebenen Alterswerken, eine eigene Operationslehre als Anleitung zum praktischen Handeln hervor. Freilich nur eine Anleitung für die deutsche Armee unter den spezifischen, dem Deutschen Reich zur Zeit Schlieffens sich stellenden, außenpolitischen Bedingungen.

Bei Wallach, der seinerseits wiederum Groener zitiert, heißt es weiterhin:[13]

»Schlieffen hat mit Stolz behauptet, er habe, ebensowenig wie sein Lehrer Moltke, ein eigenes System, und hat immer darauf hingewiesen, daß kriegerisches Handeln jederzeit im Einklang mit den Umständen auf dem jeweiligen Kriegsschauplatz und mit den verfügbaren Mitteln stehen müsse.«

Es trifft zu, wenn Boetticher ausführt, daß Schlieffen sich gescheut habe, eine für sich allein dastehende Doktrin zu konstruieren.[14] Zur Vernichtung bzw. Niederwerfung des Feindes führt Schlieffen aus:[15]

»Die Aufgabe des Feldherrn ist, einen Gegner, auch einen stärkeren, von dem er nicht weiß, wo er steht, wohin er geht, was er beabsichtigt zu vernichten oder völlig niederzuwerfen.«

Er sieht sich hier durch Moltke bestätigt, dessen Haltung nach Schlieffen die »eines erbarmungslosen Strebens nach Vernichtung des Feindes« gewesen sei.[5] Nicht zuletzt sieht Schlieffen sich hierin auch durch Clausewitz bestätigt, indem er u.a. ausführt:[16]

»Der dauernde Wert des Werkes "Vom Kriege" liegt neben seinem hohen ethischen und psychologischen Gehalt in der nachdrücklichen Betonung des Vernichtungsgedankens. Für Clausewitz steht der Krieg unter "dem einen höchsten Gesetz der Waffenentscheidung". Ihm erscheint "die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte unter allen Zwecken, die im Kriege verfolgt werden, immer als der über alles gebietende".«

Schlieffens Vernichtungsgedanke (bzw. Niederwerfungsgedanke) entspricht meines Erachtens genau der von Clausewitz festgestellten ersten und zweiten Wechselwirkung des Krieges: Jeder gibt dem anderen das Gesetz; solange der Feind nicht niedergeworfen ist, besteht die Gefahr, das er einen selbst niederwirft. Clausewitz sagt auch: Solange der Feind im Felde steht, muß er vernichtet werden! Es ist eine der großen Schicksalstragödien unseres Volkes, daß dieser eherne und unverbrüchliche Grundsatz 1940 bei Dünkirchen nicht, wie absolut erforderlich, strikt umgesetzt und konsequent angewendet wurde! Schlieffens Vernichtungs- bzw. Niederwerfungsstrategie, d.h. die Anstrebung dieses Zustandes, sind in weiterer Hinsicht Ausführungen von Clausewitz. Denn dieser fordert:[17]

»Seine Macht da, wo die Hauptschläge geschehen sollen, so viel als immer möglich zu konzentrieren, sich auf anderen Punkten Nachteilen auszusetzen, um auf dem Hauptpunkte des Erfolges um so gewisser zu sein.«

Clausewitz sagt, und Boetticher weist besonders darauf hin, daß er dies »immer wieder betont«[18] habe, daß »die unmittelbare Vernichtung der feindlichen Streitkräfte überall das Vorherrschende ist.«[19] Boetticher weist zur Bekräftigung dieser Ausführungen »Über [die] Vernichtung der feindlichen Streitkräfte« bei Clausewitz u.a. auf 15 Belegstellen hin; über die »Vernichtung der feindlichen Streitkräfte [...] als Hauptprinzip« auf vier weitere Belegstellen.[20] Ebenso dachten Moltke und Scharnhorst. Moltke führte wenige Monate vor Beendigung seiner Stellung als Chef des Generalstabes noch aus: daß, »solange der Feind noch im Felde steht, nur die Vernichtung seiner Heere den Krieg zu beenden vermag.«[21] Scharnhorst lehrte, ein Land am sichersten dadurch zu verteidigen, daß die »feindlichen Streitkräfte vernichtet werden[22] Boetticher erklärt noch einmal schlüssig, was unter Vernichtung zu verstehen ist:[23]

»Unter Vernichtung verstanden diese erlauchten und von echtem Humanismus erfüllten Geister nicht die Blutarbeit und die Metzeleien antiker Schlachten, wie der Vernichtungsschlacht bei Cannae. Das Ziel der Kriegskunst, die Schlieffen lehrte, war nicht Metzelei sondern die Kapitulation des feindlichen Heeres, also dessen Ausschaltung, dessen Beseitigung, dessen Vernichtung durch Kapitulation, so wie einem Moltke das in der Schlacht bei Sedan am 1. September 1870 als Krönung seines Feldherrentums gelungen war.« (Herv.d.d.Verf.)

Schlieffens Ziel war »den Feind nicht [nur] zurückzudrängen, sondern zu vernichten«,[24] d.h. »die vollständige Einschliessung des Feindes [...] als zu erstrebendes Ziel.« (Herv.d.d.Verf.)

So heißt es dann auch bei Foerster: Wer die »Anschauungen und Gedanken über Strategie [bei Moltke und Schlieffen] studiert, wird doch erkennen, daß sie in der Kunst der Heerführung gewisse Ziele als ideale Ziele hinstellen, und deren Verwirklichung als Höchstleistungen bewerten, und das eifrige Streben nach solchen Höchstleistungen in der operativen Gedankenarbeit und im praktischen Handeln des Feldherrn zum Ausdruck gebracht wissen wollen[25] »Möglichst«, nicht absolut um jeden Preis, sollte der Feind niedergerungen werden. So sagt Schlieffen dann auch, »daß man in solcher Weise [den Feind] angreifen muß, daß er möglichst vernichtet wird[26] In der Schlußbesprechung der Generalstabsreise Ost aus dem Jahre 1903 führt Schlieffen ebenfalls den Niederwerfungsgedanken relativierend aus:[27]

»Ein derartiger Krieg nach zwei Fronten ist nicht durch Zurückwerfen des einen oder des anderen Feindes, sondern nur durch möglichste Vernichtung erst des einen, dann des anderen Gegners zu Ende zu führen.«

Krumpelt führt aus:[28]

»In zahllosen Generalstabsreisen, operativen Aufgaben und Kriegsspielen hat Schlieffen immer wieder gelehrt, daß es gerade für die deutsche Führung im Kriege nicht darauf ankommt, den Gegner in mehr oder weniger zahlreichen Frontschlachten mürbe zu machen, sondern daß es die Aufgabe der Führung im Kriege ist, den Gegner durch Vernichtungschlachten niederzuringen, durch gänzliche Einschließungen, mindestens aber durch umfassende Angriffe beider bzw. einer Flanke des Feindes.«

Der Vernichtungsgedanke war also ein »zu erstrebendes Ziel.«

An anderer Stelle relativiert Schlieffen den Vernichtungsgedanken ebenfalls in dem er ausführt, daß gegen Frankreich bei einem Zweifrontenkrieg »eine wirkliche Entscheidungsschlacht [notwendig sei...] Ein Solferino könnte uns nichts nützen; es muß ein Sedan, mindestens ein Königgrätz geschlagen werden[29] Also ein Königgrätz, wo man zufrieden war mit einer entscheidenden Schwächung und Zurückschlagung des Feindes, bzw. mit einer »unvollständige [...] Einkreisungsschlacht[30] Absolute Vernichtung bzw. Niederwerfung des Feindes war nicht Schlieffens absoluter unauslöschlicher Drang. So heißt es in seinem Beitrag »Der Feldzug 1866« bzw. »Königgrätz« in bezug auf Moltkes Plan einer gänzlichen Vernichtung bzw. Einschließung des Feindes und dessen Scheitern durch die mangelnde Fähigkeit der preußischen Generale:[31]

»Die Macht seines Gedankens war indes beträchtlich genug, um, wenn nicht das Höchste, so doch immerhin Großes zu erreichen.«

Aus den zitierten Äußerungen geht hervor, daß die Behauptung, Schlieffen hätte immer nur die vollkommene Niederringung des Feindes absolut gewollt und absolut angestrebt, nicht stimmen kann. »Ein Teil Unvollkommenheiten muß man überall in Kauf nehmen. [...] Ich scheue das Vollkommene« hatte Schlieffen in einem Brief 1883 geschrieben.[32] Die Niederringung des Feindes bis zur Entscheidung hin war von Schlieffen ein beabsichtigtes Verfahren, weil ein von der politischen Situation des Deutschen Reiches (nämlich der feindlichen Einkreisung) ein ihm auferlegtes bzw. aufgezwungenes Verfahren. Ganz in diesem Sinne antwortete Schlieffen dann auch auf die Frage von Freytag-Loringhoven, ob der Niederringungsgedanken nicht einseitig sei:[33]

»Ja, es mag ja langweilig sein; es kommt eben immer auf das dumme Gesiege heraus!«

Ein Mehrfrontenkrieg unter extrem ungünstigen Bedingungen, mit der zusätzlichen Aufgabe der Führung von Millionenheeren, erzwangen die Niederwerfung mindestens eines Gegners an einer Front, damit Deutschland sich überhaupt behaupten konnte. Die feindliche Überlegenheit zwang Schlieffen dazu, den Gegner nicht nur zu schwächen, sondern kriegsentscheidend niederzuringen.

Ein Zweifrontenkrieg erzwang, so Schlieffen bereits 1899, »schnell beendende Resultate[34] So urteilt selbst der israelitische Gelehrte und ansonsten überaus scharfe Schlieffen-Kritiker Jehuda L. Wallach:[35]

»Schlieffens Beitrag zur modernen Kriegstheorie ist es gewesen, die Möglichkeit erkannt zu haben, wie man mit unterlegenen Kräften einen entscheidenden Sieg erringen kann.«

Richtig, dem ist hier absolut nichts hinzuzufügen.

Der Vernichtungsgedanke bzw. die Vernichtungsstrategie beherrschte auch noch die Kriegführung nach ihm. Der Mißerfolg im Ersten Weltkrieg durch die deutsche Armee beruhte jedoch nicht auf dem Beharren auf diesem Gedanken. Mit Recht führte Generaloberst Fritsch 1936 aus:[36]

»Man erkennt heute allgemein, daß nicht der Vernichtungsgedanke [im 1. Weltkrieg] an sich irrig war, sondern daß die unzulängliche Art, mit der man ihn zu verwirklichen suchte, der Grund der Mißerfolge wurde.«

Im entscheidenden Augenblick schwächte Moltke der Jüngere den Umfassungsflügel, verlegte Truppeneinheiten nach Elsaß-Lothringen. Im Sinne Schlieffens ein zentraler Fehler. Noch auf dem Sterbebett waren Schlieffens letzte Worte: »Macht mir den rechten Flügel stark!«. Moltke schwächte ihn, verwässerte Schlieffens Genius schicksalhaft! Unserem Volk wäre verdammt viel erspart geblieben!

2. Schlieffens Ausführungen zum Verhältnis von Krieg und Politik

Zum Verhältnis von Krieg und Politik heißt es unmißverständlich bei Schlieffen:[37]

»Ein Heer aber, und wäre es das beste, genügt allein nicht, um Krieg zu führen. Der Krieg ist nur ein Mittel der Politik. Dieses zu einem wirksamen zu machen, bedarf es der Vorbereitung durch den Staatsmann.« (Herv.d.d.Verf.)

Generalfeldmarschall Graf Schlieffen mit Kaiser Wilhelm I. während eines Manövers.

Krieg und Politik sind bei Schlieffen untrennbar miteinander verbunden. So fordert er generell:[38]

»Der Feldherr muß [...] auch ein hervorragender Staatsmann und Diplomat sein.«

Also Militär und Politiker. Schlieffen sieht die Kriegführung nicht nur in der Hand des Souveräns, der »Anführer im Kriege«[39] sein soll. Der Souverän steht zwar an der Spitze der Armee, aber:[40]

»Ihm zur Seite stehen ein Staatsmann und ein Chef des Generalstabes. Keiner der drei Männer erfüllt alle an einen Feldherrn zu stellende Bedingungen; aber jeder besitzt ein größeres oder geringeres Maß von Eigenschaften, die einen solchen ausmachen, und kann die der anderen ergänzen.«

Daraus folgt: auch im strategischen Ablauf ist die Politik einflußberechtigt. (Dies fordert Schlieffen im übrigen auch im Gegensatz zu Moltke) Und zwar in doppelter Hinsicht: vom Souverän (durch sein politisches und militärisches Höchstentscheidungsrecht) und vom beteiligten Staatsmann aus. Schlieffen sah die letzte Entscheidung, auch in militärischen Dingen, immer beim (politischen und militärischen) Souverän.

Die erste Aufgabe dieses Dreiergremiums (auch genannt als "Triumvirat" oder "Kommitee"), des »königlichen Feldherrn mit seinen zwei Paladinen«[40] ist die politische Aufgabe der »Gewinnung von Bundesgenossen [...] Herstellung einer Koalition, eines Bundes, einer Entente«.[40] Schlieffen differenziert zwischen aktiver und passiver Bundesgenossenschaft. In einer zu starken Bevorzugung der geschichtlichen Erfahrung mit Bundesgenossen sieht er den größeren Wert in der passiven Bündnisgenossenschaft. Hierzu heißt es u.a.:[40]

»[Aktive] Bündnisse leisten aber verhältnismäßig wenig, wegen des Bestrebens jedes Mitglieds, dem anderen den Löwenanteil der Arbeit zuzuschieben, sich selbst den Gewinn vorzubehalten. [... Bismarck] erschien es vorteilhafter, daß Italien drei österreichische Korps festhielt, als daß es mit der doppelten Zahl an Preußens Seite kämpfte.«

Auch findet sich bei Schlieffen die Überzeugung, daß eine Kampfhandlung durchaus durch politische Erwägungen so beeinflußt werden kann, daß sie etwa schnell beendet werden muß. Also Eingriff aus politischen Erwägungen heraus in den strategischen Ablauf.

Es heißt bezüglich des Krieges von 1866:[41]

»Um dem vorzubeugen [d.h., dem Eingriff Frankreichs], ging Moltkes Bestreben dahin, den Krieg durch eine Vernichtungsschlacht [dies muß - wie schon ausgeführt - immer als ideal anzustrebender Zustand gedacht werden; d.Verf.] schnell zu beenden und durch die Schaffung einer vollendeten Tatsache alles Weitere abzuschneiden.«

Für Schlieffen blieb der Krieg, nicht nur in seinen Äußerungen (ausgenommen jenen Äußerungen zu den sogenannten Einigungskriegen; siehe weiter unten) sondern auch in seinem Verhalten als Generalstabschef, immer der Politik untergeordnet. Im Gegensatz zu Moltke forderte er nie einen Präventivkrieg, obschon er, wie kein anderer, die Unausweichlichkeit einer wachsenden Einkreisung Deutschlands - oder der »diplomatischen Einkreisung«,[42] wie selbst Schlieffen-Kritiker Gerhard Ritter schreibt -, klar erkannt hatte; militärisch und politisch. Ein "Nur-Militär", ein "unpolitischer Militär", wie Ritter und Wallach glauben, Schlieffen völlig unzutreffend charakterisieren zu müssen, hätte dies aber auf Grund der zutreffend erkannten »diplomatischen Einkreisung«, mit einem zu erwartenden Mehrfrontenkrieg getan: Nämlich den Präventivkrieg gefordert oder angeregt. Schlieffen tat dies niemals. Weil er so unpolitisch war? Krieg und Politik sind bei Schlieffen untrennbar miteinander verbunden, Herr Jehuda L. Wallach!

Klar bekennt sich Schlieffen auch zum Primat bzw. Vorrang der Politik vor dem Kriege, so im Jahre 1866: Als König Wilhelm am 5. Mai 1866 die Mobilmachung befohlen hatte und nunmehr der Krieg drohte, der dann am 15. Juni ausbrechen sollte, schrieb Schlieffen am 6. Mai an die Braut:[43]

»Der König hat lange gezögert, aber wenn es gilt, die Welt in Brand zu setzen, so ist mir der doch lieber, der, ehe er die Verantwortung dazu auf sich ladet, kein [politisches] Mittel unversucht läßt, als der es leichtsinnig provoziert. Darüber habe ich keinen Zweifel, auf welcher Seite der Segen sein wird. Der König entschließt sich schwer [...]«

Diese Äußerungen Schlieffens in einem Privatbrief an seine Braut verdienen Beachtung und Gewicht. Hier war er nicht gezwungen, wie dann später, das Pathos einer allgemeinen Geschichtsbetrachtung der Einigungskriege anzuwenden bzw. sich davon in offizieller Rede leiten zu lassen. Nimmt man die nachfolgend zitierten Äußerungen Schlieffens nach der Schlacht von Königgrätz zu den vorherigen hinzu, so muß man Boetticher zustimmen, wenn er ausführt, daß Schlieffen »immer der Politik den Vorrang einräumte«.

Bezüglich Schlieffens Äußerungen nach Königgrätz führt Boetticher aus:[44]

»Den schnellen Abschluß eines Waffenstillstandes, und des Vorfriedens von Nikolsburg noch im gleichen Monat, den Verzicht Bismarcks auf völlige Niederwerfung Österreichs, verstand man vielfach nicht. Alfred [Schlieffen] aber, hier schon, wie später immer, der Politik den Vorrang einräumend, schrieb - inzwischen zum Rittmeister befördert - an Anna [seine Braut] am 1. August: "Deine Frage über meine Ansicht über Frieden und Waffenstillstand fürchte ich Dir nicht genügend beantworten zu können. Ich weiß ja von allen Verhältnissen zu wenig, als daß ich ohne Gefahr, mich lächerlich zu machen, darüber urteilen könnte. Außerdem habe ich zu Bismarck das Vertrauen, daß was gemacht werden kann, gemacht werden wird." Jetzt beginnt bei Schlieffen die Bewunderung für Bismarck, den Staatsmann [...] zu reifen.«

In Schlieffens - besonders in Krisenzeiten permanentem - Kontakt zum Auswärtigen Amt muß eine Verbindung von Krieg und Politik in seinem Denken gesehen und anerkannt werden.

Schlüssig weist Boetticher darauf hin:[45]

»Wir wissen, daß Schlieffen nicht selten bei Herrn von Holstein vorsprach, daß dieser ihm Einblick in alle für die Politik wesentlichen Akten ermöglichte, und daß die Pläne für die Kriegführung mit den Forderungen der Politik in Übereinstimmung gebracht wurden, weil für Holstein und Schlieffen - mit Clausewitz - "der politische Zweck als das ursprüngliche Motiv des Krieges" von entscheidender Bedeutung ist (Zitat von Clausewitz) und der Feldherr eine große Einsicht in die höheren Staatsverhältnisse haben muß, um einen Krieg "zu einem glänzenden Ziele zu führen". "Kriegführung und Politik fallen hier zusammen, und aus dem Feldherrn wird zugleich der Staatsmann", der die Wirksamkeit seiner Waffen "einer höherer Einsicht und Weisheit zu unterwerfen" (Zitat von Clausewitz) weiß. Die Zusammenarbeit mit Holstein in diesem Sinne hat Schlieffens Vorbereitungen für einen Krieg, auch seine operativen Studien, insbesondere die Ausgangslagen seiner Generalstabsreisen, ganz wesentlich beeinflußt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die mit den Jahren wechselnden und sich entwickelnden politischen Voraussetzungen der Feldzugspläne und Studien Schlieffens bis zu dessen letzter Denkschrift den Anschauungen Holsteins entsprochen haben, also des Mannes, "der tatsächlich weithin für die Planung und Führung der deutschen auswärtigen Politik von 1890 bis 1906 verantwortlich war".«

Die Zusammenarbeit von Kriegführung und Politik war eine der vier Voraussetzungen, die Schlieffen für die Erfüllung seiner Aufgabe sah.[46]

3. Schlieffen und sein Verhältnis zum Präventivkrieg bzw. seine "Grundhaltung gegenüber der Kriegsfrage"

Schlieffens Einstellung zum Primat der Politik geht auch aus seiner Einstellung zum Präventivkrieg hervor; und dies besonders im Hinblick auf sein überaus geschärftes Bewußtsein der damaligen politischen Lage, der faktischen Einkreisung des Deutschen Reiches; durch französische Revanche-Politik, durch die veraltete englische Gleichgewichtspolitik, durch russischen Panslawismus.

Schlieffen hat »niemals zum Präventivkrieg gedrängt.«[47] Er hat dem Präventivkrieg keinen »fordernden Ausdruck«[48] gegeben, heißt es zum einen bei Ritter und zum anderen bei Kessel. Im Gegensatz zu Waldersee und dem älteren Moltke.[47] Ritter - so Kessel treffend -, hat »im zweiten Teil seines Buches über den Schlieffenplan [dies] mit durchschlagenden Argumenten nachgewiesen[48]

Über die »Grundhaltung Schlieffens gegenüber der Kriegsfrage« heißt es bei Ritter sehr schlüssig:[42]

»Faßt man alle diese Äußerungen von 1909 und 1912 zusammen, so ergibt sich etwa folgendes als Grundhaltung Schlieffens gegenüber der Kriegsfrage: Deutschland ist rings von Feinden bedroht, im wesentlichen nur auf die eigenen Kräfte angewiesen, und hat vom Dreibund keine ernstliche Hilfe zu erwarten; nur seinem starken Heere ist bisher die Erhaltung des Friedens zu verdanken; dessen Schlagkraft sollte bei politischen Verhandlungen als Machtfaktor voll zur Geltung gebracht werden, da es den Krieg nicht zu fürchten hat; aber die Entscheidung der Frage, ob Krieg oder Frieden, ist nicht Sache der militärischen, sondern allein der politischen Leitung; vom Generalstab her gesehen "bleibt sie dahingestellt".«

Dies trifft ebenfalls zu für die Zeit der Marokkokrise 1904/06, in der von Deutschland »zum ersten und einzigen Mal in der Vorgeschichte des Weltkrieges [...] der Druck der Zweifrontenbedrohung genommen wurde und [...] somit seine militärische Überlegenheit über Frankreich eindeutig feststand[49]

Ritter bemerkt - im Anschluß an eine lange Beweiskette - hierzu:[50]

»Der deutsche Generalstab hatte Operationspläne für einen Krieg mit Frankreich seit langem sorgfältig vorbereitet und war fest überzeugt von ihren großen Erfolgschancen. Dennoch hat er sich gehütet, zum Krieg zu drängen, und auch die aktivste Persönlichkeit des Auswärtigen Amts, Baron Holstein, hat niemals an die Entfesselung eines Präventivkrieges gedacht. [...] Mit einer Kriegsplanung zur Lösung der Marokkofrage oder zur Sprengung feindlicher Allianzen hat der Schlieffenplan nach alledem nichts zu tun.«

Reichskanzler Bülow äußerte sich 1921:[51]

»Graf Schlieffen hat nie Einfluß auf meine politische Staatsleitung versucht. Er hat mir auch nicht ein einziges Mal einen Präventivkrieg empfohlen oder mich etwa zum Kriege zu drängen versucht.«

4. Der Primat des Krieges in Schlieffens Äußerungen zu den sogenannten "Einigungskriegen"

Es gibt Ausführungen von Schlieffen, die der kriegerischen Auseinandersetzung eindeutig die Priorität einräumen. Diese Äußerungen jedoch betreffen ausschließlich die Einigungskriege. Zudem ist diesbezüglich zu unterscheiden zwischen privaten und öffentlicher Äußerungen. Es heißt u.a.:[52]

»Auch 1870 war eine Koalition gegen Deutschland geplant. Sie wäre zustande gekommen, wenn wie 1866 lange Verhandlungen geführt worden wären. Der Krieg brach aus, bevor die Traktate abgeschlossen werden konnten. Der Kanonendonner von Wörth nahm jede Lust, das Versäumte nachzuholen.«

In seinem Aufsatz »Bismarck« beschreibt Schlieffen Bismarck zustimmend als »Diplomaten des Blutes und des Eisens«,[53] als einen »Staatsmann, der die Knäuel der Politik auf dem Schlachtfelde mit dem Schwert durchhauen hat.«[53] Selbst die Absicht Bismarcks im März 1848, mit Waffengewalt »gegen die Hauptstadt [zu] ziehen, die Berliner zu Paaren [zu] treiben, [und] den König [zu] befreien«[53] erfüllt Schlieffen mit Bewunderung und Hochachtung. An anderer Stelle heißt es:[54]

General Helmuth Johannes Ludwig von Moltke

»Die eigentliche kriegerische Tätigkeit Bismarcks beginnt erst mit dem Tage, an dem er im September 1862 von König Wilhelm I. zum Ministerpräsidenten ernannt wurde.«

Wie sehr er das Ringen um die Einheit Deutschlands »gegen die Feinde der Freiheit und Größe des Vaterlandes«[53] von der Auseinandersetzung mit Waffengewalt her sah, also dem Krieg vor der Politik eindeutig die Priorität gab, oder besser, einen Freiheitskampf in einen "unabwendbaren Krieg" einmünden sah, belegt folgende Stelle:[55]

»Eine Geschichte von Jahrhunderten hatte es gelehrt, die Ereignisse von 1848 hatten es auf das neue bewiesen, daß sich das Sehnen und Verlangen nach einem einigen Deutschland nicht durch Verhandlungen, Beratungen, Reden, Vereine, Feste, Gesänge und Trunksprüche, sondern nur durch "Ferro et igni" [Feuer und Schwert] verwirklichen ließen. Der unabwendbare Krieg mußte zeigen, ob das Deutsche Reich nach österreichischem Sinne mit Unterwerfung von Preußen oder nach preußischem Sinne mit Anschließung von Österreich hergestellt werden sollte. Ein solcher Krieg konnte nur durch einen Herrscherwillen, durch einen Soldatenkönig, nicht durch den Majoritätsbeschluß eines Parlamentes geführt werden.«

Die Einheit also nicht durch Politik - sondern nur durch Krieg; Krieg gegen Dänemark, Österreich und Frankreich. Jedoch es kann nicht behauptet werden, daß Schlieffen den Krieg um des Krieges willen wollte. Der Krieg hat bei Schlieffen nur Priorität im Falle der »Unabwendbarkeit«[56] der Einigungskriege. So schreibt Schlieffen:[56]

»Bismarck war kein Napoleon I., der den Krieg um des Krieges willen führte, der unbekümmert um die Wunde, die er dem fremden wie dem eigenen Volke schlug, ohne Rücksicht auf die Zahl der Gebliebenen und Verwundeten sein Ziel verfolgte. Im Gegenteil, "die ungeheuren Verluste, all der Jammer und das Elend in den Tausenden von Familien, das Elend der vom Krieg ausgesogenen Länder, all der Jammer der Witwen und Waisen, das alles war für Bismarck so schrecklich, daß er für seine Person nur noch im äußersten Notfalle wieder zu dem Mittel des Krieges greifen wollte". Aber der Krieg mit Frankreich war nicht zu vermeiden. [... gegen ein Land, das] eine Einmischung in die deutschen Angelegenheiten als sein Recht beanspruchte.«

Jedoch dort, wo Schlieffen dem Krieg ein höheres Recht als der Politik zubilligte, handelt es sich um die als »unvermeidlich« bezeichneten deutschen Einigungskriege. Und an anderer Stelle heißt es in logischer Fortführung des obigen Zitates:[57]

»Mehr als 20 Jahre waren vergangen, seit dem Bismarck seine Blut- und Eisenpolitik laut und vernehmlich angekündigt hatte. Durch diese Politik waren alle Mächte erschüttert, alle in Bewegung und Aufregung gebracht worden. Jetzt hatte der Anstifter des großen Krieges ihn überall zum Ende gebracht. [...] Der Bismarcksche Krieg hatte freilich lange genug gedauert.«

Wie schon ausgeführt, handelt es sich dort, wo Schlieffen den Primat des Krieges vor der Politik nachträglich rechtfertigt, ausschließlich um den Zeitraum der Einigungskriege.

Ein Handeln, das im Grunde nicht von ihm, sondern von Bismarck und Moltke zu verantworten war. Diesbezüglich ordnet er sich ganz dem damaligen patriotischen Zeitgeist unter, und kann auch nur aus der Zeit heraus beurteilt und bewertet werden. Hätte er sich öffentlich anders geäußert, es wäre im Bereich der Politik und des Militärs bei niemandem auf Verständnis gestoßen. Daß er in seinen privaten Äußerungen - wie aus den schon zitierten Briefen an seine Braut aus dem Jahre 1866 dargelegt - auch 1866 den Primat der Politik zuerkannte, zeigt einen zu seinen Gunsten sich auswirkenden Widerspruch. Auch betont er »all [... den] Jammer und das Elend in [...] Tausenden von Familien« durch die Einigungskriege und verweist klar darauf, daß Bismarck dies auch alles sah und deshalb nur »noch im äußersten Notfalle wieder zu dem Mittel das Krieges greifen wollte.« In der Tat sind dies Gedanken und Ausführungen, die nicht aus einer rein militärischen, sondern vielmehr überwiegend aus einer politischen und humanistischen Sicht heraus Schlieffen bestimmten. Ein überaus deutliches Kennzeichen hierfür ist es, wenn er schreibt, daß der Krieg Bismarcks »freilich lange genug gedauert habe

5. Schlieffens Interesse an und Kenntnisse von politischen Vorgängen bzw. Kontakten mit politischen Stellen

In der Verfassung des wilhelminischen Deutschlands war kein offiziell vorgeschriebener Kontakt zwischen dem Chef des Generalstabes und dem Reichskanzler oder anderen politischen Stellen vorgesehen. Das Schlieffen dennoch Zugang zu politischen Informationen hatte und sich auch darum bemühte, kann nicht bestritten werden. Schlieffen »stand mit Baron Holstein vom Auswärtigen Amt (der faktisch dort die Politische Abteilung leitete) auf vertrautem Fuß und durfte in dessen Amtszimmer Einblick in Depeschen und andere Dokumente nehmen.«[58] Gordon Craig zitiert diesbezüglich Holstein in einer Äußerung aus dem Jahr 1897:

»Während ich schreibe, sitzt General Graf Schlieffen bei mir im Zimmer und liest Akten, was in bewegten Zeiten gewöhnlich einmal wöchentlich geschieht.«

Zudem: Schlieffen und Holstein verband seit den 70er Jahren eine Freundschaft. Schlieffen kam jedoch nicht nur »oft«[59] in Holsteins Büro »um Schriftstücke zu lesen«, sondern auch um »die europäische Situation zu diskutieren.«[59] Schlieffen war über politische Vorgänge unterrichtet. Craig stellt im Anschluß an die erwähnten Beziehungen Schlieffens zu Holstein fest:[58]

»Es konnte ihm nicht entgehen, daß Deutschland sich damit [d.h. mit diversen außenpolitischen Aktionen] die Sympathien seiner Nachbarn verscherzte und auf diese Weise seine Sicherheit gefährdete.«

Der Zugang zu Holstein, der von 1890 bis 1906 einen großen Einfluß auf die deutsche Außenpolitik besaß, verschaffte sich Schlieffen unter Umgehung des Kriegsministeriums. Er fand »seinen eigenen und unbedingt nötigen Weg zum Auswärtigen Amt[60] An anderer Stelle schreibt Boetticher:[61]

»Mit Holstein aber wurde in stundenlangen gegenseitigen Erörterungen Klarheit über politische und militärische Fragen gewonnen, "zur gewohnten Zeit, das heißt zwischen fünf und sieben" (wie Oskar Freiherr von der Lancken Wakenitz in seinen Memoiren zu berichten weiß). Obendrein trafen sich Schlieffen und Holstein fast jede Woche einmal zum Abendessen in dem Weinrestaurant Borchert in einem für sie reservierten Zimmer.«

Auch Ritter bemerkt, daß zwischen Holstein und Schlieffen »häufig vertrauliche Unterredungen über die politische Lage stattfanden.«[62] In einem Brief Holsteins an Schlieffen vom 29.11.1904 bittet er diesen um seinen Besuch, »vielleicht morgen, Donnerstag zur gewohnten Zeit, das heißt zwischen fünf und sieben. Ich habe einiges mitzuteilen«;[63] so heißt es weiterhin in einer Anmerkung Ritters:[64]

»Holstein, die "Graue Eminenz", war aber nicht nur in allen außenpolitischen Fragen die beste Informationsquelle für den Generalstabschef. Unterhielt er doch enge Beziehungen zu den verschiedensten politischen Spitzen des Kaiserreiches, zu den hohen Militärs, zu Staatsbeamten, zur Presse und zu ausländischen Diplomaten, die sich alle um seine Gunst bemühten. Durch Holstein wurde daher der Generalstabschef zweifellos auch über viele wichtige innenpolitische Vorgänge informiert, vor allem aber konnte er selbst laufend die Akten des Auswärtigen Amtes einsehen, was weder Moltke noch Waldersee (den Vorgängern von Schlieffen) möglich gewesen war.«

Bei Boetticher heißt es:[65]

»Es ist höchst reizvoll, in den Arbeiten und Studien Schlieffens immer wieder die Zusammenarbeit des Staatsmannes und des Soldaten und das Zusammenklingen von Staatskunst und Kriegskunst in einer durch zwei bedeutende Männer gesicherten Harmonie zu verfolgen.«

Wenn Kritiker dartun: "Woher weiß man das, was dort besprochen wurde?", sprich: in den Unterredungen Schlieffens mit Holstein, aber auch mit den Reichskanzlern Hohenlohe und Bülow, so ist einerseits quellenmäßig der Inhalt der Kontakte (nämlich die belgische und holländische Neutralität) mit Hohenlohe und Bülow sicher nachzuweisen. (Vgl. die Ausführungen weiter unten.) Andererseits muß als sicher gelten, daß Schlieffen durch Holstein, wie dargelegt, Einsicht in Akten des Auswärtigen Amtes erhielt. Jedoch ist über den Inhalt der Gespräche Holsteins mit Schlieffen quellenmäßig nichts belegt. Aber zwingt uns dies dazu zu sagen, zwischen Holstein und Schlieffen hätten zwar Gespräche stattgefunden, aber keine Gespräche mit politischem Inhalt? Berechtigt uns nicht im Gegenteil die Beurteilung der sich diesbezüglich darstellenden Gesamtumstände zu der oben schon angeführten Aussage Ritters (und anderen, etwa Wallach, Craig etc.), daß zwischen Holstein und Schlieffen »häufig vertrauliche Unterredungen über die politische Lage stattfanden« (Ritter)?

Die Feststellung Gerhard Ritters sieht der Verfasser untermauert durch den eminent außenpolitischen Inhalt der Kontakte Schlieffens mit den Reichskanzlern Hohenlohe und Bülow, durch die Einsicht in Akten des Auswärtigen Amtes durch Schlieffen, durch die häufigen Treffen (besonders in Krisenzeiten) Holsteins mit Schlieffen, durch Rückschlüsse der Inhalte der politischen Kontakte mit Hohenlohe und Bülow auf die politischen Kontakte Holsteins mit Schlieffen, durch Schlieffens permanenten Ausgang bei seinem strategischen Wirken von einer Zwei- und Mehrfrontensituation, die nur einer tief durchdrungenen politischen Konstellationsanalyse entsprechen konnte, durch Schlieffens Fähigkeit, eine umfassende außenpolitische Konstellationsanalyse (im Aufsatz: "Der Krieg in der Gegenwart; Vgl. weiter unten) aufzustellen, in Schlieffens glaubhaft belegten (ablehnenden) Äußerungen zur kaiserlichen Ostasien-, Kolonial- und Flottenpolitik (Weltpolitik), gleichsam als Zeichen zutreffender politischer Urteilsfähigkeit, d.h. politisch Stellung zu beziehen, und in der Würdigung der Kontakte zu Hutten-Czapski.

Bei den Kontakten zu Hutten-Czapski ist belegt, daß es u.a. um außenpolitische Fragen ging; wie im Folgenden noch nachgewiesen wird. Sollte dies bei den Gesprächen zwischen Holstein und Schlieffen anders gewesen sein? Sollten dies nur Gespräche über "nichtpolitische Dinge" gewesen sein? Schlieffen hatte jedoch nicht nur intensiven Kontakt mit Holstein, sondern auch Zugang und Kontakt zu den Reichskanzlern Caprivi, Hohenlohe und Bülow. Helmut Otto (Schlieffen und der Generalstab) spricht von Bemühungen Holsteins schon ab August 1891, einen Kontakt zwischen Schlieffen und Reichskanzler Caprivi herzustellen:[66]

»[...] zwischen Caprivi und dem Generalstabschef (bestand) volle Übereinstimmung in der entscheidenden Frage von Politik und Militärstrategie, daß ein Zweifrontenkrieg für Deutschland unvermeidlich sei, die gesamte Politik sich darauf einstellen und das Heer dafür erheblich verstärkt werden müsse.«

Helmut Otto bescheinigt auch Schlieffens Kontakt und Zusammenarbeit mit Reichskanzler Hohenlohe, der sich wiederum »in allen wichtigen Fragen von Holstein und Hutten-Czapski beraten ließ«,[67] etwa bei der I. Haager Friedenskonferenz 1899. Hutten-Czapski sondierte bei Hohenlohe (und Holstein) im Auftrag Schlieffens im Mai 1900 bezüglich eines belgischen Neutralitätsbruchs. Schlieffen unterrichtete also den Reichskanzler in dieser schwergewichtigen Frage bereits zu diesem frühen Zeitpunkt. Kurz darauf fand eine lange Unterredung bei Hutten-Czapski zwischen Schlieffen und Hohenlohe statt.[68]

Bei Boetticher heißt es:[61]

»Es ist natürlich, daß Holstein dem Grafen Schlieffen die Gelegenheit vermittelte, auch dem Reichskanzler Bülow unter Vermeidung des Ressortweges vorzutragen. Solche Besprechungen beschränkten sich naturgemäß auf die Einholung der Zustimmung Bülows zu wesentlichen Vorschlägen Schlieffens oder auf die Beantwortung der für den leitenden Staatsmann wesentlichen Fragen, welches unter bestimmten politischen Voraussetzungen die Aussichten Deutschlands in einem Krieg sein würden.«

Auch bei Otto heißt es:[68]

Carl von Clausewitz

»Nach der Jahrhundertwende verstärkte sich die Zusammenarbeit des Generalstabes mit der Regierung [...]«

Weiter unten wird noch gezeigt werden - an Hand auch einer Ausführung von Gerhard Ritter -, daß Schlieffen über die Frage einer eventuellen Verletzung der niederländischen Neutralität im Jahre 1905 mit Reichskanzler Bülow gesprochen hat. Generell ist Otto zuzustimmen, wenn er davon spricht, daß »Generalstab und Reichsregierung nicht zwei entgegengesetzte Prinzipien [verkörperten] - das militärische und das politische, wie Gerhard Ritter nachzuweisen versucht, sondern [es] waren, zwei Seiten ein [und] derselben Sachlage«;[69] oder zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Zur Schlieffens Beziehung zur Politik führt Helmut Otto aus:[70]

»Die immer engere Verknüpfung der militärischen Kriegsvorbereitungen und der Politik erforderte die laufende Zusammenarbeit des Generalstabes mit der Regierung, vor allem mit dem Auswärtigen Amt, dem Reichsamt des Innern, in Eisenbahnfragen mit dem preußischen Ministerium für öffentliche Arbeiten und dem Reichseisenbahnamt sowie anderen Institutionen.

Schlieffen war sich dieser Notwendigkeit vollauf bewußt und hat daher den Kontakt mit der politischen Leitung des Staates gesucht.«

Weiter heißt es bei Otto:[71]

»Der General- und Admiralstabschef orientierten [...] den Reichskanzler über die Grundzüge der Operationspläne, die für die verschiedenen Kriegsfälle bearbeitet wurden. [...] Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit zwischen politischer und militärischer Leitung standen während der Chefzeit Schlieffens außenpolitische Ereignisse und Fragen und ihr Einfluß auf die militärstrategische Planung. Dazu gehörten der französisch-russische Zweibund, die Haager Friedenskonferenzen, die erste Marokkokrise, das Verhältnis zu den Dreibundpartnern Österreich-Ungarn und Italien und die Problematik der Koalitionskriegsvorbereitungen, militärische Aufgaben der Expansions- und Kolonialpolitik des deutschen Imperialismus, vor allem die Intervention in China von 1900 bis 1902 und die Kolonialkriege in Südwestafrika, der Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und Maßnahmen zur Sicherung des Hinterlandes im Kriegsfall sowie die militärische Verwendung der Eisenbahnen. Aber auch in zahlreichen Fragen geringerer Bedeutung, unter anderem zur Aufhebung der Paßvorschriften in Elsaß-Lothringen, wurde die Stellungnahme des Generalstabes eingeholt [Otto verweist als Quellen auf die Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes, Berlin 1924]. Ab und zu traten Generalstabsoffiziere in Kommissionsberatungen des Reichstages auf, um militärische Forderungen zu begründen. Auch die Truppenstäbe standen in mehr oder weniger engem Kontakt mit den zivilen Behörden.«

Schlieffen hatte jedoch nicht nur mit dem politisch bedeutenden Vortragenden Rat Holstein engsten Kontakt, sondern auch mit dem politisch nicht minder bedeutenden und einflußreichen Grafen von Hutten-Czapski. Er war langjähriger Vertrauensmann Schlieffens, resultierend schon aus einer Bekanntschaft aus den achtziger Jahren.[72] Hutten-Czapski, der einzige polnische Großgrundbesitzer im preußischen Offizierskorps, Mitglied des preußischen Herrenhauses, besaß auch Holsteins uneingeschränktes Vertrauen, war als eine Art Privatsekretär des Reichskanzlers Hohenlohe in der Regierungspolitik bestens eingeweiht und ging bei dessen Nachfolger Bülow ein und aus.

»[...] Hohe Militärs, ausländische Diplomaten und Militärattachés verkehrten gesellschaftlich in seinem Haus. Seine Verbindungen zu den herrschenden Kreisen und den Mitgliedern der preußischen und Reichsregierung dürften für Schlieffen, der in gesellschaftlicher Hinsicht zurückgezogen lebte, von großem Nutzen gewesen sein. In seinen Memoiren schreibt Hutten-Czapski darüber: "Als er Chef des Generalstabes geworden war, ließ er mich oft zu sich kommen und würdigte mich seines Vertrauens durch die Verwertung meiner Beziehungen".«[66]

Bei Otto heißt es weiter:

»Hutten-Czapski verfügte über weitreichende Verbindungen nach Polen und Rußland und benutzte sie zur politischen Information und militärischen Spionage für den Generalstabschef. Seine hervorragende Vertrauensstellung bei Schlieffen zeigt die Tatsache, daß er in dessen Auftrag die Ansicht Holsteins und Hohenlohes über die Verletzung der belgischen Neutralität, ein Staatsgeheimnis ersten Ranges, einholte. Der persönliche Verkehr mit Holstein und die Vermittlerrolle Hutten-Czapskis ermöglichten in hohem Maße die politische Zurückhaltung des Generalstabschefs. Zugleich erleichterten sie auch die Geheimhaltung wichtiger Fragen.«

Nach seiner Verabschiedung als Chef des Generalstabes hatte Schlieffen zwar keinen Kontakt mehr zu Holstein, suchte aber trotzdem die politische Information:[73]

»[Er] bezog nunmehr seine politische Unterrichtung aus den damals viel beachteten Wochenübersichten, die Theodor Schiemann in der Kreuzzeitung erscheinen ließ, und aus dem Berliner Tageblatt, das ab 1906 unter Theodor Wolf steigende Bedeutung gewann.«

Auch der politisch sehr informative Hutten-Czapski blieb weiter in Kontakt mit Schlieffen. In seinen Memoiren schreibt Hutten-Czapski u.a. über Schlieffen:[74]

»Auch als er sein Amt niedergelegt hatte, erlaubte er mir ihn zu besuchen, und sagte mir lächelnd, daß ich es jetzt sei, der ihm die interessantesten Nachrichten von Hof und Politik brächte.«

6. Der Zusammenhang von Krieg und Politik in Schlieffens strategischem Wirken

Schlieffen ging davon aus, wie Boetticher ausführt,[75]

»daß die Politik in der Freiheit ihres Handelns nicht durch militärische Bindungen beeinträchtigt werden dürfe. Politische Gesichtspunkte mußten die Entscheidung wesentlich beeinflussen, ob im Kriegsfalle die Entscheidung zunächst gegen Frankreich oder gegen Rußland zu suchen war oder ob die deutschen Kräfte etwa je zur Hälfte nach West und Ost zu verteilen waren. Entsprechend biegsam wurden die Vorbereitungen des Generalstabes getroffen. Von der politischen Leitung war weiter die Frage zu bestimmen, in welcher Weise und ob überhaupt die militärische Zusammenarbeit innerhalb des Dreibundes, insbesondere mit Österreich, für den Kriegsfall bei den Vorbereitungen von Jahr zu Jahr durch Besprechungen der Generalstäbe zu planen war.«

Der Zusammenhang von Krieg und Politik im Denken Schlieffens - dieses unermüdlich lehrenden und forschenden Generalstabchefs[76] - spielte folglich in seinen zahlreichen Kriegsspielen und Generalstabsreisen nach Ost wie nach West (sowie in den Kaisermanövern) eine beachtliche Rolle.[8]

»Seine Kriegsspiele und Generalstabsreisen waren meist großangelegte Studien, bei denen Deutsche - mitunter in Zusammenarbeit mit Österreichern - und Russen oder Deutsche und Franzosen in freier Entschließung unter solchen militärischen und politischen Voraussetzungen gegeneinander kämpften, wie sie im Kriege zu erwarten waren. [...] Für den Krieg gegen Frankreich können wir in 16 Studien, vornehmlich den Generalstabsreisen, die Entwicklung der Gedankenwelt und der Pläne Schlieffens von 1891 bis 1905 verfolgen, für den Krieg gegen Rußland können wir es in 15 ähnlichen Studien. Dabei wurde der Krieg gegen zwei Fronten, der Krieg gegen die Übermacht immer wieder - letzterer 19 mal - von verschiedenen militärischen und politischen Voraussetzungen ausgehend behandelt.«

So spricht auch Foerster von »jahrelangen, unausgesetzten, alle Möglichkeiten durchdenkenden Studien.«[77] Selbst bei Gerhard Ritter heißt es u.a.:[78]

»Die neuere Militärliteratur hat mancherlei mitgeteilt über Kriegsspiele und Generalstabsreisen und taktisch-strategische Aufgabenstellungen, in denen alle nur denkbaren Möglichkeiten einer Kriegführung im Osten "durchgespielt" worden sind, sei es zur Verteidigung Ostpreußens an den Masurischen Seen und von Königsberg aus, sei es zur Abwehr russischer Angriffe an der Weichsel, sei es (auch das kommt vor) in Form eines Großangriffs, der zunächst an der Ostfront Luft verschaffen soll, ehe die Offensive im Westen beginnt. Jedes Jahr gab es eine Generalstabsreise sowohl in die östlichen wie in die westlichen Grenzbezirke, und jeder Winter brachte Kriegsspiele, in denen immer wieder andere Kriegslagen ersonnen und immer neue Lösungen durchprobiert wurden.«

So trat beispielsweise neben den für das Mobilmachungsjahr 1905/06 laufenden großen Westaufmarsch die Aufmarschvorbereitung - für den Fall eines Zweifrontenkrieges - eines kleinen Ostaufmarsches.

»Bei diesem sollten zehn Infanterie-Divisionen im Osten aufmarschieren.«[77]

Gleichzeitig wurden - wie immer in der Zeit Schlieffens - Pläne für einen großen Ostaufmarsch, den sogenannten Aufmarsch II, vorbereitet. Dies ebenfalls eindeutig aus politischen Erwägungen heraus.[79]

Bei den verschiedenen und alternativen militärischen und politischen Voraussetzungen der Kriegsspiele und Generalstabsreisen ging man von drei Möglichkeiten bezüglich der Gestaltung eines Feldzuges gegen Frankreich aus, bei denen dann letztendlich, wie schon ausgeführt, maßgeblich bei der politischen Führung die Entscheidung lag:[80]

1. Möglichkeit: Eine schnelle Entscheidung bzw. Niederwerfung Frankreichs sollte - ohne Verletzung der belgischen Neutralität - in Lothringen und im Elsaß erfolgen.

2. Möglichkeit: Eine schnelle Entscheidung bzw. Niederwerfung Frankreichs sollte durch einen starken rechten Flügel mit dem Durchmarsch durch Belgien - vielleicht auch Holland - erfolgen.

3. Möglichkeit: Hier sollte abgewartet werden - falls die politische Lage es »geraten erscheinen lassen konnte« (Boetticher) - ob Frankreich die belgische Neutralität verletzt.

Diese drei Möglichkeiten wurden bei den Generalstabsreisen und Kriegsspielen durchdacht. Dies äußerte sich in den verschiedenen militärischen und politischen Planungen wie folgt:[81]

Zur 1. Möglichkeit: Entscheidung im Elsaß und in Lothringen

Die Konzeption der Generalstabsreise von 1902 ging von einem Kampf gegen Frankreich ohne Verletzung der belgischen Neutralität aus.

Zur 2. Möglichkeit: starker rechter Flügel und Bruch der Neutralität Belgiens und vielleicht auch Hollands

1904/05 und 1905/06 suchte man die Entscheidung durch Vormarsch durch Belgien und eventuell auch durch Holland. Nach Ritter wurde »der Entschluß zur umfassenden Großoffensive durch Belgien [...] seit etwa 1897« gefaßt.[82] Der Westaufmarsch seit Frühjahr 1899 bis 1904 zeigt,[83]

»daß der Generalstabschef bis 1904/05 noch keineswegs entschlossen war, alles auf eine Karte zu setzen und sich ausschließlich auf die große Umfassung, durch ganz Belgien bis nach Dünkirchen vorstoßend, zu verlassen. Im Gegenteil: Sie enthält geradezu eine Warnung vor solchen Kühnheiten: "Die Umgehung [heißt es in einer Denkschrift Schlieffens um 1899; Abschrift liegt bei Ritter vor; der Verf.] darf nicht zu ausgedehnt sein, denn es liegt für den Aufmarsch eine doppelte Aufgabe vor: Gegenangriff, falls der Feind, sobald er seinen Aufmarsch vollendet hat, vorgeht [gemeint ist in Lothringen; der Verf.], und Offensive, falls er hinter seinen Befestigungen stehenbleibt".«

Ritter schreibt weiter bezüglich eines Frontalangriffs während dieser Zeit:[84]

»Ein solcher Frontalangriff wird aber nicht etwa ganz verworfen, sondern festgehalten und nur durch ein Umgehungsmanöver durch Luxemburg und Belgien ergänzt. Es könnte ja auch sein, "daß der Gegner selbst im Vorgehen seinen linken Flügel durch Belgien und Luxemburg marschieren läßt; aber auch wenn er das nicht tut [...] verspricht eine Umfassung seines linken Flügels durch Luxemburg, und vielleicht auch Belgien (Schlieffen) den besten Erfolg."«

Der Aufmarschplan von 1904/05 enthielt noch nicht eine so umfangreiche Verletzung der Neutralität von Luxemburg und Belgien wie die Operationsstudie 1905/06. 1904/05 hatte man vorgesehen, »durch Luxemburg und den Südzipfel von Belgien in Richtung auf Mezieres und Stenay vorzustoßen.«[85]

Zur 3. Möglichkeit: Abwarten bis zum Bruch der Neutralität Belgiens durch Frankreich

1901 sollte abgewartet werden, bis Frankreich die belgische Neutralität brach, bevor man selbst eingriff. Boetticher führt aus:[81]

Otto von Bismarck

»Von besonderem Interesse ist die Generalstabsreise von 1901 - dritter Fall des Krieges gegen Frankreich. Die Deutschen marschierten zunächst nur mit 8 Armeekorps zur Sicherung des späteren Aufmarsches am Oberrhein und in Lothringen auf. 14 Armeekorps und 6 Reservedivisionen blieben transportbereit in ihren Bezirken in Deutschland. Als dann der Aufmarsch eines großen Teils des französischen Heeres an der luxemburgisch-belgischen Grenze erkannt wurde, wurden mit der Bahn 4 Armeekorps und 6 Reservedivisionen nach dem Raum Merzig-Saargemünd-Metz und dann, sobald der Vormarsch der Franzosen nach Belgien hinein begonnen hatte, 10 Armeekorps nach Aachen-Jülich-Köln-Bonn-Andernach befördert.«

Die Konzeption von 1903 war »die anfänglich ziemlich gleichmäßige Verteilung der deutscher Kräfte in Ost- und West.«[86] Darüber hinaus wurden weitere politische Erwägungen ins Kalkül gezogen:[86]

»Offenbar unter dem Einfluß Holsteins wurde ferner 1902 in einem Kriegsspiel auch der Fall geprüft, daß Rumänien und Schweden sich einem Kriege Deutschlands und Österreichs gegen Rußland anschließen könnten. Durch einen Offizier der deutschen Armee wurde dabei die Frage bearbeitet, wie die deutsche Flotte die Seeherrschaft gewinnen könnte, um Truppentransporte von Schweden und Ostpreußen zu ermöglichen.«

Schlieffen ließ laufend neben dem Westaufmarsch den sogenannten »große[n] Ostaufmarsch« bearbeiten, und zwar für den Fall,[87]

»daß Frankreich in einem zwischen Rußland und den Mittelmächten ausbrechenden Krieg zunächst untätig beiseite stand. In diesem Fall sollte fast die ganze deutsche Armee (16 Armeekorps, 7 Reserve- und 16 Kavalleriedivisionen) in vier Armeen nach dem Osten geworfen werden und dort in einer Frontlinie aufmarschieren. [...] Das glich einigermaßen den Operationsplänen des älteren Moltke und Waldersees [...]«

Bei Ritter heißt es im Anschluß hieran:[88]

»Nach Kuhl wurde erwogen, "die kleinere Hälfte" des deutschen Heeres transportbereit in den Garnisonen zurückzulassen. Diese Reserven sollten den Franzosen nach raschem Bahntransport in den Westen überraschend in die Flanke fallen, sobald diese angriffsweise vorgingen.«

Angesichts dieser - nur beispielhaft aufgezählten - verschiedenen militärischen und politischen Voraussetzungen bei den Generalstabsreisen und Kriegsspielen heißt es dann auch bei Boetticher schlüssig und treffend:[61]

»Die deutsche Politik durfte bis zur Verabschiedung des Grafen Schlieffen am 31. März 1905 sicher sein, daß das deutsche Heer unter seiner Führung jeder nur denkbaren Forderung gewachsen sein, daß die Politik in der Freiheit ihrer Entscheidungen nie in Abhängigkeit von der militärischen Führung geraten, nie sich durch sie gebunden sehen werde.«

Kann man an Hand der Flexibilität Schlieffenscher Strategie, der alle politischen Möglichkeiten gerecht werdenden Aufmarschpläne, hervorgehend aus seinen Kriegsspielen und Generalstabsreisen, davon sprechen, Schlieffen hätte die politische Führung dennoch unter "Druck" oder "Zugzwang" gesetzt? Der Verfasser verneint dies und ist der Überzeugung - eben an Hand der strategischen Flexibilität - daß der Politik unter Schlieffen zu jeder Zeit alle Optionen offen standen.

Dies gilt auch für die Hauptfrage, d.h. die Frage der holländischen und belgischen Neutralität. Kiliani legt diesbezüglich dar:[89]

»[Es] liegt die Frage nahe, was Schlieffen wohl getan hätte, wenn der Kaiser auf den Rat Hohenlohes oder Bülows hin den Durchmarsch durch Belgien verboten hätte.
Schlieffen würde sich zweifellos gefügt und einen anderen Feldzugsplan entworfen haben.«

7. Der Zusammenhang von Krieg und Politik in der Denkschrift Schlieffens von 1905/06 (sog. "Schlieffenplan")

Der sog. "Schlieffenplan" entstand nicht ohne Verbindung zur Politik bzw. politischen Erwägungen. Wie überall, so auch hier, hat Schlieffen den Krieg nie ohne die Politik gedacht.

Es ist sehr wichtig, sich über den Charakter der Denkschrift Schlieffens um die Jahreswende 1905/1906, dem sogenannten Schlieffenplan, im klaren zu sein. Es ist meines Erachtens eine "Operationsstudie", kein "Operationsplan". Schlüssig bemerkt Eberhard Kessel hierzu:[90]

»[Es] konnte doch von jeher kein Zweifel sein, daß es sich bei der Niederschrift nicht um einen "Feldzugsplan" im herkömmlichen Sinne handelte, sondern um eine Forderung an die Nachwelt, abgefaßt gewiß unter den Voraussetzungen der historisch-politischen Situation von 1904/05 und insofern nicht ohne weiteres bindend für den Nachfolger, aber doch in Berücksichtigung der Gesamtlage auf weitere Sicht und schon deshalb im Augenblick nicht wörtlich ausführbar, weil die darin vorgesehenen Stärken in Wirklichkeit nicht - bzw. noch nicht - ganz vorhanden waren (etwa die "neuen Korps" die im Plan erwähnt werden). Bei ihm handelte es sich im Grunde um eine Operationsstudie, deren einzelne Phasen sich auf den im Privatnachlaß Schlieffens erhaltenen Karten verfolgen lassen.«

Zu den nicht vorhandenen Stärken der Mannschaften heißt es bei Schlieffen selbst:[91]

»Ehe die Deutschen an die Somme oder Oise kommen, werden sie sich überzeugt haben, daß sie für das Unternehmen, das sie auf sich genommen haben, zu schwach sind. [Text bisher Entwurf VI; dann weiter in der Endredaktion der großen Denkschrift 1905/06; Anm. d. Verf.] Wir werden die Erfahrung aller früheren Eroberer bestätigt finden, daß der Angriffskrieg sehr viele Kräfte erfordert und sehr viele verbraucht, daß diese ebenso beständig abnehmen, wie diejenigen des Verteidigers zunehmen, und alles dies ganz besonders in einem Lande, daß von Festungen starrt.«

Bezüglich nicht vorhandener aber einkalkulierter Stärken heißt es bei Ritter:[86]

»[Die kalkulierte] Truppenzahl ist in Wirklichkeit gar nicht vorhanden. Sie ist bloß theoretisch konstruiert [...]«

Infolge der nicht vorhandenen Stärken hat »das Kriegswerk des Reichsarchivs (I,55) den Schlieffenplan "gleichzeitig ein Programm für den weiteren Ausbau des Heeres und seine Mobilmachung" genannt.«[92] Der Schlieffenplan also als Programm für die Zukunft.

Foerster sieht den sog. Schlieffenplan ebenfalls als Operationsstudie, die keinesfalls als Vermächtnis im Sinne eines Siegesrezepts anzusehen sei. Er führt aus:[93]

»Es wäre eine Versündigung am Geiste des Grafen Schlieffen, wollte man annehmen, daß er mit dem Vermächtnis seinem Nachfolger "ein Siegesrezept" zu hinterlassen beabsichtigte, dessen pünktliche und lückenlose Befolgung den Sieg über unseren Westgegner gewissermaßen garantiert hätte. [...] Er hat mit seinem Operationsplan vom Dezember 1905 nichts anderes gewollt, als den operativen Grundgedanken einer gegen unseren Westgegner durchzuführenden Offensive zum Ausdruck zu bringen, der darin bestand: Mit erdrückend gemachtem rechten Flügel soll der linke Flügel des Feindes operativ umfaßt, durch immer wiederholten Druck auf seine äußere Flanke zum Wanken und Weichen, zum Verwerfen seiner Operationsbasis gebracht und schließlich unter zeitgerechter Steigerung dieses Druckes auch von der entgegengesetzten Seite eingekreist werden. Das war die operative Höchstleistung, die anzustreben war. Den Beweis für die Möglichkeit ihrer Durchführung zu bringen, war der Zweck seiner Niederschrift.«

Schlieffen hat diese Denkschrift seinem Nachfolger, dem jüngeren Moltke, »gewissermaßen als sein geistiges Vermächtnis hinterlassen«,[94] darüber hinaus als »eine Forderung an die Nachwelt«. So wählt Ritter als Überschrift über die Abhandlung zum sogenannten "Schlieffenplan": »Das militärische Testament von 1905«.[95] Ritter sieht die Denkschrift von 1905/06 auch nicht »als Produkt einer bestimmten Zeitsituation«,[96] sondern »als eine Art von militärischem Testament für seinen Nachfolger[95] Der Schlieffenplan kann nicht gelöst werden von der - auch hinter ihm stehenden - Globalperspektive eines kommenden und zutreffend erwarteten Zwei- oder Mehrfrontenkrieges. Indirekt bestätigt Wallach dies wenn er ausführt:[97]

»Jeder Kriegsplan muß jedoch ganz bestimmte politische Voraussetzungen haben. Der Schlieffenplan [...] gründete sich auf die Annahme, daß der Kriegszustand mit Frankreich früher eintreten würde als die Feindseligkeiten gegenüber Rußland.«

Wäre der Schlieffenplan ein Plan für die seinerzeitige politische Situation gewesen, hätte er auf einen Präventivkrieg gedrängt. Dies hat er eindeutig nicht getan (wie noch zusätzlich darzulegen sein wird). Klar war ihm, daß Frankreich nicht die Initiative zum Krieg ergriff.[98]

»Das bedeutet aber: der Plan in der Fassung von 1905 ist auch gar nicht für den Moment gedacht. Er ist für die Zukunft bestimmt und steht insofern überhaupt nicht unter dem Gesetz des politischen Augenblicks, sondern dem der militärpolitischen Lage Deutschlands auf weite Sicht. Sein "Vermächtnis-Charakter" tritt deutlich zutage.«

Es handelt sich jedoch beim "Schlieffen-Plan" nicht nur um ein Vermächtnis, eine Forderung an die Nachwelt rein strategischer Art, sondern auch politischer Art. Wie überall, so auch hier, hat Schlieffen den Krieg nie ohne die Politik gedacht. Auch im Schlieffenplan besteht ein Zusammenhang von Krieg und Politik. 1930 versicherte Schlieffens Schwiegersohn, General von Hahnke, Generalfeldmarschall von Mackensen und einem diesem verbundenen Offizier:[75]

»Die Denkschrift meines Schwiegervaters ist [doch] im engsten Einvernehmen mit Herrn von Holstein abgefaßt worden.«

Bei dieser Gelegenheit bekräftigte Mackensen,[75]

»wie eng und lebhaft die Beziehungen zwischen Schlieffen und Holstein gewesen seien. Auch die politischen Grundlagen für Generalstabsreisen und Operationspläne, ja manche operative Ideen, hätten auf Besprechungen mit Holstein gefußt.«

Mackensen war einst Vertrauter und Adjudant Schlieffens gewesen.

Der sog. Schlieffenplan von 1905/06 zeigte primär 4 Zusammenhänge von Krieg und Politik bzw. erfüllte zumindest vier politische Voraussetzungen.

Boetticher führt aus:[99]

»Dieser Operationsplan Schlieffens fußte auf Entscheidungen der politischen Leitung, die den Durchmarsch durch Holland und Belgien für nötig hielt, weil sie politisch eine schnelle Entscheidung anstrebte, die, wie sie wußte, militärisch eben nur durch die Umgehung der französischen Festungsfront mit starkem rechten Flügel zu erreichen war.«

Selbst Gerhard Ritter hält fest:[100]

»[...] daß Schlieffen politisch völlig korrekt gehandelt und dem Leiter der Reichspolitik rechtzeitig Gelegenheit gegeben hat" gegen seinen politisch so gefährlichen Plan Einspruch zu erheben.«

Also Kriegführung und Politik wurden aufeinander abgestimmt; die strategische Planung entsprach den politischen Wünschen bzw. Erfordernissen. Zumindest war die Politik informiert und erhob keine Einwände. Bei Ritter findet man diesbezüglich eine sehr wesentliche Bemerkung bzw. Feststellung, nämlich daß die Verletzung der Neutralität Belgiens und der Niederlande mit dem Reichskanzler Bülow besprochen wurde. So von Schlieffen angemerkt im Entwurf II der großen Denkschrift von 1905/06. Also eine Bestätigung der Ausführungen Boettichers. Bei Ritter heißt es diesbezüglich im Zusammenhang wie folgt:[101]

»Wegen der Enge des Vormarschraumes in Belgien, heißt es im ersten Vorentwurf [...], "muß man nicht nur die Neutralität von Belgien, sondern auch die der Niederlande verletzen. Aber solange kein anderes Auskunftsmittel gefunden wird, muß man sich mit diesen Schwierigkeiten so gut wie möglich abfinden". Der Entwurf II wiederholt diesen Satz, streicht aber heraus: "solange kein anderes Auskunftsmittel gefunden wird" und fügt die (überaus wichtige) Fußnote hinzu: "Mit dem Reichskanzler besprochen".«

Nach Ritter kann dies nur Reichskanzler Bülow gewesen sein.[102] So berichtet Bülow dann auch 1930 in seinem Werk Denkwürdigkeiten von einer Unterredung mit Schlieffen »1904 oder 1905 über dessen Operationspläne[103] Die Politische Leitung war informiert, nachweislich sowohl ab 1900 sowie zusätzlich 1904 oder 1905, und hat gegen die Planungen und Absichten Schlieffens nicht interveniert - folglich muß sie mit den Maßnahmen übereingestimmt haben bzw. von ihrer Notwendigkeit überzeugt gewesen sein.

Schlieffen befand sich im Einverständnis mit der Politik. Unbestreitbar ist, daß die politische Leitung den sogenannten Schlieffenplan mit seinen Neutralitätsverletzungen nur in dem Fall auszuführen beabsichtigte, wenn die Situation eines Zweifrontenkrieges gegeben war. Zumindest wenn ein Krieg von Frankreich erklärt worden wäre und die Situation eines Zweifrontenkrieges drohte. Eine Neutralitätsverletzung wäre nur aus wirklich begründetem Anlaß, gleichsam aus einer Notsituation heraus, erfolgt. Präventivkriegsabsichten oder Eroberungsabsichten wurden zu keiner Zeit vom Deutschen Reich bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges beabsichtigt. In dem Gespräch »1904 oder 1905« mit Schlieffen, über dessen Operationspläne, also auch über die Neutralitätsverletzungen, hat Reichskanzler Bülow Schlieffen bezüglich der Neutralitätsverletzung u.a. (wiedergegeben in seinem Werk Denkwürdigkeiten) folgendes erklärt:[103]

»Wir dürfen aus schwerwiegenden politischen Gründen diesen Weg nur dann einschlagen, wenn und sofern die belgische Neutralität vorher von unseren Gegnern verletzt worden wäre.«

Als Begründung habe er, Bülow, dann an Bismarcks damaligen Artikel in der Post erinnert, wo dieser u.a. ausführte, die Leitung der deutschen Politik sei nicht den Gesichtspunkten des Generalstabes unterworfen.[104] Bülow dann wörtlich weiter hierzu ausführend:[103]

»Graf Alfred Schlieffen drehte nach seiner Gewohnheit mehrmals sein Monokel im Auge herum und meinte dann: "Natürlich! Das stimmt noch heute. Wir sind seitdem nicht dümmer geworden".«

Schlieffen bestätigte also erneut den absoluten Primat der Politik.

Unbezweifelbar ist, daß Schlieffen schon 1900 die politische Führung des Reiches über die Absicht, die Neutralität Belgiens zu brechen, unterrichtet hatte. Das Einverständnis der Politik muß also vorausgesetzt werden. Nicht zuletzt fußte der Plan auf Schlieffens eigener politisch zutreffender Lageanalyse.

Kaiser Wilhelm II.

Der Zwang zur schnellen Entscheidung entsprach klar politischen Konzeptionen. Schnelle Entscheidung, aus politisch richtiger Erkenntnis heraus, konnte nur heißen - in der Mehrfrontensituation - Umfassung des Gegners um seine Niederringung zu erreichen. Schlieffens eindringliche Beschäftigung mit dem Umfassungsgedanken entsprach seiner politischen Weitsicht. Schlieffen hatte diesen Umfassungsgedanken notwendig und zwangsläufig »aus der Aktualität der gegebenen politisch-militärischen Lage und ihrer operativen Bearbeitung in der Entwicklung von 1891 bis 1905 abgeleitet.«[105] Auch wurde - wie schon dargelegt - die politische Globalperspektive des Zweifrontenkrieges mit berücksichtigt, welche Schlieffen zur »Theorie der Entscheidungsschlacht«[106] führte.

Schlieffen hat den Umfassungsgedanken auch nicht etwa erst aus seinen historischen Studien gewonnen; »er ist vielmehr mit ihm an die Geschichte herangetreten[105] Schlieffen wußte um die »politische Struktur« (Kessel) des Krieges aufgrund seiner politischen Lageanalysen. So legt Kessel dar:[107]

»Der Versuch der Herstellung einer [...] Einheit von Aufmarsch, Operation und Schlacht mußte um so näher [für Schlieffen] liegen, je dringlicher der Zwang zu einer schnellen und großen Entscheidung in der politischen Struktur des Krieges gegeben war, und wer wollte bestreiten, daß dies in der Lage Deutschlands in einem Zweifrontenkrieg, wie er seit 1879 immer drohender wurde, der Fall war?«

Das Streben nach schneller Entscheidung, auch ehe England sein großes Seemachts- und Wirtschaftspotential voll in den Krieg einsetzen konnte,[108] war ebenfalls gerade ein Zeichen politischen Denkens.[108]

Winfried Baumgart führt aus:[109]

»Bei der militärischen Seite des Schlieffenplanes ist natürlich nicht zu übersehen, daß ein deutscher Kriegsplan, sei er nun Moltkescher oder Schlieffenscher Prägung, angesichts des Zweifrontendruckes stets "das Ergebnis einer Zwangslage" (Eberhard Kessel) sein mußte und daher schnelles Handeln militärisch und politisch von vornherein geboten schien.«

Die Absicht, während des Aufmarsches die belgische Neutralität nicht zu verletzen und primär abzuwarten, wie Frankreich reagierte, entsprach einem weiteren politischen Einfluß auf die Strategie. Während der Mobilmachung keine vollendete Tatsache der Verletzung der belgischen Neutralität zu schaffen und »der Politik [so] die Hände zu binden und sie zu lähmen«[110] entspricht nach Boetticher »der ersten politischen Voraussetzung des Planes Schlieffens[110] Daß Schlieffen erst »nach vollendetem Aufmarsch planmäßig in Form eines abgekürzten artilleristischen Angriffs vorgehen«[111] wollte, beweisen die »damaligen Aufmarschanweisungen des Generalstabs.«[111] Foerster analysiert - ebenso wie Boeticher - schlüssig:[111]

»In politischer Hinsicht hätte dieses Verfahren den Vorzug gehabt, daß es der deutschen Diplomatie längere Zeit Freiheit im Verhandeln und in der Entschließung gelassen hätte.«

Auch mußte es in der Absicht Schlieffens gelegen haben, durch den bedrohlichen Aufmarsch die Franzosen zu veranlassen, als erste die belgische Neutralität zu brechen. Das Schlieffen durchaus nicht unabwendbar an eine zuerst durch Deutschland zu vollziehende Neutralitätsverletzung gedacht haben mag, geht auch aus schriftlichen Ausführungen des deutschen Reichsarchivs vom 28. 1. 1924 auf eine Anfrage Groeners hervor. Es heißt dort:[112]

»Graf Schlieffen war der Ansicht, daß die Franzosen und Engländer um einen Vorwand, in Belgien einzurücken, nicht verlegen sein würden.«

Ist es jedoch bei manchen vielleicht fragwürdig, daß die Franzosen als erste die belgische Neutralität gebrochen hätten, so ist dennoch in dem Verfahren Schlieffens, d.h. dem Aufmarsch entlang der belgischen Grenze, wegen des so geschaffene Spielraumes für die Diplomatie, eine Verbindung von Krieg und Politik im Denken Schlieffens nicht abzuleugnen. Nach Foerster wurden politische Bedenken bzw. die politischen Gefahren (Übertritt Belgiens zur Gegenseite, Eintritt Englands in den Krieg) bei einem Bruch der belgischen Neutralität von Schlieffen nicht verkannt.

»Immer wieder wurde daher im Generalstab, speziell noch in den letzten Jahren vor dem Krieg, die Frage geprüft, ob man nicht um den Preis der englischen Neutralität auf den Vormarsch durch Belgien verzichten, die Offensive gegen Frankreich unter Schonung des belgischen Gebietes führen könne. Die operativen Studien hatten aber stets das gleiche Ergebnis, daß dann die erstrebte rasche Vernichtung des Feindes, auf die alles ankam, ausgeschlossen war.«[113]

Bezüglich der Neutralität der Niederlande verweist Schlieffen auf politische Möglichkeiten:[101]

»Die Niederlande erblicken in dem mit Frankreich verbündeten England nicht weniger einen Feind wie Deutschland. Ein Abkommen wird sich mit ihnen erzielen lassen.«

Schlieffen bezog sich hier auf englandfeindliche Äußerungen aus holländischen Militärkreisen;[114] d.h., er bezog sich »wie damals in Geheimakten des Großen Generalstabs festgelegt worden ist [...] auf die [...] Meinung des damaligen niederländischen Generalstabschefs.«[115]

Bei Foerster heißt es darüber hinaus:[116]

»[Schlieffen] ging davon aus, daß England für das Kolonialreich der Niederlande ein ebenso gefährlicher Feind sei als für Deutschland, und daß diese Erkenntnis die holländische Regierung vielleicht auf unsere Seite bringen würde.«

Schlieffen hat folglich - wie Foerster bemerkt - »der Gedanke einer Vergewaltigung Hollands durch Neutralitätsbruch ferngelegen« und er hat »vielmehr gehofft [...] Holland werde im Kriegsfalle zu einem freundschaftlichen Abkommen zu bewegen sein.«[115] Wie schon bemerkt, hat Schlieffen mit dem Reichskanzler Bülow über die Frage der holländischen Neutralität gesprochen. Auch Moltke der Jüngere hat damit, d.h. mit Holland zu einem Abkommen im Sinne Schlieffens zu gelangen, noch bis 1909 gerechnet.[115] Darüber hinaus entwickelte Schlieffen in seinen Aufmarschanweisungen für die Mobilmachungsjahre 1905-06 und 1906-07, neben dem von ihm (in seiner Denkschrift 1905/06) geplanten Durchmarsch des deutschen rechten Heeresflügels durch den Südzipfel Hollands, doch auch die (Alternativ-)Möglichkeit

»[...] daß hierauf aus politischen Gründen verzichtet werden müsse. Für diesen Fall war er gewillt, den rechten Flügel aus seinem Aufmarschraum um Krefeld in ähnlicher Weise vorzuführen, wie es 1914 geschehen ist, d.h. unter Wahrung der holländischen Neutralität zunächst in südlicher, dann in westlicher Richtung durch den "engen Flaschenhals" bei und südlich von Lüttich.«[117]

Daß Schlieffen »politisch zu denken vermochte«,[118] er »das Verständnis für die Beziehungen zwischen Staatskunst und Kriegskunst«[118] besaß, beweisen nicht nur seine generellen Ausführungen zum Verhältnis von Krieg und Politik, seine Ausführung vom Zusammenhang von Feldherrnkunst und Staatskunst, seine in den verschiedenen Krisensituationen der Politik den Primat zuerkennende Haltung, seine zahlreichen Kriegsspiele und Generalstabsreisen, welche von verschiedenen militärischen und politischen Voraussetzungen ausgingen (d.h. verschiedene mögliche politische Situationen berücksichtigten), seine Vorbereitung von Aushilfen falls von der politischen Leitung ein Durchmarsch durch Holland untersagt sein würde,[119] seine militärpolitischen und politischen Analysen (vor allem in dem Beitrag: »Der Krieg in der Gegenwart« aus dem Jahre 1909), sein politisches Interesse, sein tiefes Eindringen in die Militärgeschichte auch unter Berücksichtigung der politischen Lehren, die Tatsache, daß er mit kompetenter politischer Stelle permanent Kontakt hatte, seine pflichtgemäße Berichterstattung seiner Pläne der politischen Reichsführung (zumindest bezüglich der Frage der belgischen und holländischen Neutralität) gegenüber, seine familiäre briefliche Korrespondenz (welche mehr auszusagen vermag als öffentliche Denkschriften) und seine öffentlichen Reden, sondern auch Vergleiche - den Zusammenhang von Krieg und Politik betreffend - im Gegensatz zu Moltke dem Jüngeren.

Folgende Punkte sollen hier dargelegt werden:

  1. im Gegensatz zu Moltke dem Jüngeren beabsichtigte Schlieffen - wie schon erwähnt - keine vollendeten Tatsachen während der Mobilmachung bezüglich der belgischen Neutralität zu schaffen. Der Politik sollten noch Möglichkeiten offengehalten werden.
  2. Schlieffen besaß im Gegensatz zu Moltke dem Jüngeren Kontakt zur politischen Führung. So schreibt Boetticher:[120]
  3. »[...] so ist es noch mehr verwunderlich, daß die Abänderungen der Schlieffenschen Planung [durch Moltke] offenbar ohne Fühlung mit politisch maßgebenden Stellen vollzogen worden sind. Gewiß war Holstein im April 1906 zurückgetreten. Aber es gab im Auswärtigen Amt andere bedeutende Persönlichkeiten, mit denen Moltke Fühlung suchen und solche politischen Probleme besprechen konnte, um dann die Genehmigung des Kaisers und des Reichskanzlers für die Umgestaltung der seit 1904 zwischen Schlieffen und Holstein vereinbarten Planungen einzuholen.«

  4. Im Gegensatz zu Schlieffen war in den späteren strategischen Planungen Moltkes keine Flexibilität mehr vorhanden.[120] Er ließ vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, d.h. erstmalig 1913,[121] keinen Plan eines großen Ostaufmarsches mehr bearbeiten und folglich versagte er, »als die Politik durch den Kaiser 1914 aus guten Gründen den Aufmarsch mit dem Schwerpunkt gegen Rußland forderte[122] Moltke der Jüngere, nicht Schlieffen, legte hier die Politik »ganz einseitig und verhängnisvoll« fest.[123] Schlieffen ließ stets Pläne für den Aufmarsch sowie im Westen als auch im Osten entwerfen. Auch 1905/06.

»Die Vorbereitung eines Krieges mit anfänglichem Schwerpunkt gegen Rußland gehörte organisch zu den Schlieffenschen Planungen für den Zweifrontenkrieg.«[120]

Schlieffen durchdachte und bereitete stets jenen Fall vor - d.h. ließ ihn auch bearbeiten - »daß die Politik im Kriegsfall die Forderung stellen könnte, zunächst die Entscheidung gegen Rußland zu suchen[120]

»Aber selbst wo Schlieffen einmal offensichtlich geirrt hat, ist es gar nicht immer oder auch nur hauptsächlich ein Überwiegen des militärischen Gesichtspunktes gewesen, das ihn behindert hat. Ja, er hat wohl, wie im Falle Englands, im Militärischen eher irren können als im Politischen. Denn nicht die politische und Wirtschaftsmacht Englands, auch nicht die maritime, hat er unterschätzt, sondern die Landmacht [...]«[124]

8. Schlieffens Stellung zur Flottenpolitik, Weltpolitik und Seeherrschaft sowie Äußerungen vom Zusammenhang zwischen Krieg und Innenpolitik

Kessel verwendet in seinem Werk auch eine Quelle aus dem Berliner Hauptarchiv, ein Manuskript aus der Feder von Hahnke: »Die militärpolitische Einstellung des Grafen Schlieffen zu England«, anhand dessen er ausführt: Schlieffen hatte begründete Anhaltspunkte, mit dem Einsatz englischer Truppen[125]

»auf dem Festland wohl fertig zu werden, mochten sie in Belgien oder in Dänemark auftreten oder irgendwo an der Küste landen. Aber die Gegnerschaft Englands überhaupt nahm er keineswegs leicht. Deshalb, und nicht wie Tirpitz gedacht hat, aus "Vernachlässigung außersoldatischer Gedankengänge" war er ein ausgesprochener Gegner Tirpitzscher Flottenpolitik gewesen. Eine große Schlachtflotte war seiner Ansicht nach ein "unfruchtbarer Luxus", der nicht nur dem Heer die ihm bitter notwendigen materiellen Mittel und einen Teil der Führungsintelligenz entzog, sondern notwendig die Feindschaft Englands hervorrufen mußte. Bei der großen Flottenschau in Kiel 1904, in Anwesenheit König Eduards VII., zu der Schlieffen seinerseits befohlen worden war, äußerte er sich zu seiner Umgebung: "Wenn ich Eduard VII. wäre, würde ich hier im Kieler Hafen die ganze versammelte deutsche Flotte in Grund und Boden ‚kopenhagen'".«

Die politische Einschätzung der Flotte hatte Schlieffen schon 1889 aufscheinen lassen. Graf Waldersee ließ[126]

»1889 im Generalstab - und zwar durch seinen späteren Nachfolger Grafen Schlieffen - eine Denkschrift ausarbeiten [...] die den Schutz deutscher Häfen und Überseeverbindungen ausschließlich von der Hilfe einer verbündeten englischen Flotte erwartete, ohne die Möglichkeit, eine solche Aufgabe mit deutschen Kräften zu leisten, auch nur zu erwähnen.«

Indem Ritter davon spricht, daß Waldersee ein nachdrücklicher Gegner der Kolonialpolitik war, sowie ein Gegner der kaiserlichen Flottenpläne, da sie nur die Feindschaft zu England einbringen werde, fährt er fort:[126]

»Ähnlich dachte Schlieffen. Er hielt die große Kriegsflotte, wie berichtet wird, für unfruchtbaren Luxus [in der Anmerkung verweist er auch auf diesbezügliche Äußerungen Eberhard Kessels]. Zu seinem Oberquartiermeister, Freiherr von Freytag-Loringhoven, bemerkte er [d.h. Schlieffen] während des russisch-japanischen Krieges: "Dieser Kiautschou kann einem schlaflose Nächte machen".«

Der Generalstab stand auch unter Schlieffen "mißtrauisch" der sogenannten "Weltpolitik und Seeherrschaft" gegenüber.[127] Hatte Craig in seinem Werk Die preußisch-deutsche Armee - 1640-1945 aus dem Jahre 1960 Schlieffen noch als »Nur-Militär«, als »unpolitisch« hingestellt, so findet man in seinem neuesten Werk Deutsche Geschichte - 1866-1945 ganz andere Ausführungen. Etwa:[59]

»[Schlieffen] war der Bülow-Tirpitzschen Politik seit langem kritisch gegenübergestanden, da er es für einen schweren Fehler hielt, wenn Deutschland sich auf Weltpolitik verlegte, ehe es seine europäische Position gefestigt hatte.«

Und in der Anmerkung heißt es:[128]

»Es war ganz im Sinne Schlieffens, daß Wilhelm Groener den Verlust des Krieges in einem am 19. Mai 1919 vor Offizieren im Generalhauptquartier gehaltenen Vortrag dem Umstand zuschrieb, daß Deutschland sich auf einen Kampf "mit England um die Weltherrschaft" eingelassen habe, "ehe wir unsere Kontinentalstellung fest gemacht hatten".«

Auch ein Zusammenhang von Krieg und Innenpolitik bzw. innenpolitischen Verhältnissen wird von Schlieffen mehrfach gesehen. Im »Bismarck«-Aufsatz heißt es:[129]

»Besonders in Rußland wurden durch die Erfolge des geringgeachteten Preußens die Volksleidenschaft erregt. Hinter dem Drängen nach Eroberung und Befreiung slawischer Brüder verbarg sich die Hoffnung, durch einen Krieg zu einem Umsturz im Innern zu gelangen.«

In dem Aufsatz »Der Krieg in der Gegenwart« reflektiert Schlieffen ebenfalls innenpolitische Verhältnisse in Rußland. Es heißt dort in bezug auf einen Krieg:[130]

»Alle fühlen Bedenken vor den ungeheuren Kosten, den möglichen großen Verlusten, wie vor dem roten Gespenst, das im Hintergrund auftaucht.«

Auch dies ist ein Zeugnis, daß Schlieffen über das rein militärische auch das politische sah und erkannte.

Bismarcks Geschick, durch Politik die Lage beim deutsch-französischen Krieg so zu gestalten, daß die anderen Großmächte ferngehalten werden konnten, wird von Schlieffen geschätzt und hervorgehoben.[131] In seinen kriegsgeschichtlichen Ausführungen beschreibt Schlieffen diverse Male Zusammenhänge von Krieg und Politik; und zwar in zustimmender Form. In seinem Beitrag »Hannibal« verweist er mehrmals auf die politischen Erwägungen bzw. politischen Bemühungen Hannibals, während dessen Feldzuges gegen Rom, unter den von »den Römern unterworfenen Völkerschaften natürliche Bundesgenossen zu finden[132] Es heißt hierzu u.a.:[133]

»Dem ferneren Ziele vorarbeitend, suchte Hannibal durch Freilassung der gefangenen Italiker den italienischen Staatsverband zu lockern. Denn es lag in seinem Plan, möglichst viele italische Völker und Städte für sich zu gewinnen und sich ihrer Unterstützung zu versichern, ehe er gegen Rom selbst vorging.«

Auf die erste Aufgabe der Kriegführung, nämlich sich politisch um Bündnisse und Bundesgenossen zu bemühen, wurde bereits an Hand von Schlieffens Beitrag »Der Feldherr« hingewiesen.

Daß Schlieffen auch an weiteren Teilen der Außenpolitik von Kaiser Wilhelm II durchaus Kritik übte, zeigen Äußerungen u.a. des späteren Generals und Reichswehrministers Wilhelm Groener, der unter Schlieffen im Generalstab war:[58]

»Schlieffen habe [...] Einwände gegen einen Plan Wilhelms erhoben, und zwar als der Kaiser eine besondere Legion für den Dienst in Ostasien aufstellen wollte.«

Die Fähigkeit zur politischen Analyse bewies Schlieffen auch während seines Auslandsaufenthaltes in Frankreich (im übrigen unternahm er noch Reisen nach Afrika und Spanien). Von Oktober 1866 bis März 1868 wurde er als Hauptmann im Generalstab dorthin kommandiert.

In seinem Briefen analysiert er die innenpolitischen Verhältnisse Frankreichs bzw. die Ansichten Frankreichs in bezug auf Deutschland. Hier besonders das Drängen der Franzosen zu einem neuen Krieg gegen die von den Deutschen nach Königgrätz in Europa erlangte Stellung.[134] So schrieb Schlieffen in einem Brief am 16. April 1867:[135]

»[In Frankreich] ist alles von der Unvermeidlichkeit des Krieges überzeugt. Die Franzosen können es nicht ertragen, daß ein Staat mehr glänzen soll wie Frankreich.«

Und am 6. Mai 1867 schreibt er:[134]

»Ich halte einen Krieg mit Frankreich für unvermeidlich. [...] Die Franzosen haben bis jetzt die erste Rolle in der Welt gespielt. Seit dem vorigen Jahr drohen wir diese Rolle ihnen abzunehmen. [...] Deswegen suchen sie Händel mit uns, um uns darüber zu belehren, daß wir nur die dummen Österreicher geschlagen haben und daß sie nach wie vor die große Nation sind.«

9. Die politische bzw. militärpolitische Lage in Europa und im übrigen Teil der Welt in der Analyse Schlieffens »Der Krieg in der Gegenwart«, 1909

Es ist nicht nur nachzuweisen, daß Schlieffen nachdrückliches Interesse an bzw. Kenntnisse von politischen Vorgängen hatte bzw. an kompetenter Stelle suchte, sich darum bemühte und diskutierte, sondern daß er auch fähig war, schlüssige und zutreffende politische (bzw. militärpolitische) Analysen bzw. Konstellationsanalysen zu machen. Dies ist ganz besonders an Hand des Aufsatzes »Der Krieg in der Gegenwart«, aus dem Jahre 1909, nachzuweisen. In dieser Abhandlung macht Schlieffen unter anderem eine politische Konstellationsanalyse der deutsch-französischen Lage, der europäischen sowie der Weltlage. Bei der obersten politischen Führung des Reiches wurden die Ausführungen Schlieffens begrüßt. Der Kaiser war davon sehr beeindruckt.[136] Zur politischen Lage, aus der heraus sich seine strategisch überaus schwere Aufgabe stellte, machte Schlieffe u.a. folgende Aussagen:[137]

»Der Frankfurter Friede [also jener Friedensschluß, der den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 beendete; der Verf.] hat dem Kampf zwischen Deutschland und Frankreich nur scheinbar ein Ende gemacht. Blieben die Waffen auch niedergelegt, so dauerte doch ein latenter Krieg fort.«

Zwischen Deutschland und Frankreich herrschte also ein »latenter Krieg«, oder besser - um einen Terminus aus unserer Zeit zu gebrauchen - »kalter Krieg«. Anschaulich untermauert er dies durch die Beschreibung des deutsch-französischen Wettrüstens bzw. Aufrüstens. Klar erkennt er die Wirkung auf die »übrigen Mächte« - sie beteiligten sich an dieser Aufrüstung:[137]

»Wer noch mitreden wollte in Europa wie auf der ganzen Erde, durfte in der Bewaffnung seiner Soldaten hinter den beiden tonangebenden Staaten nicht allzu weit zurückbleiben.«

Der »deutsch-französische Hader«[137] führte nach Schlieffen zu einer technisch gleichwertigen Aufrüstung nicht nur in Europa, sondern auch im Bereich des »fernen Ostens und Westens[138]

Nachdem er die wechselseitig sich auslösende Aufrüstung in Europa begründet, fährt er fort:[139]

»Damit ist die militärische Lage Europas gegeben. [...] Der militärischen Lage entspricht die politische. Zwischen den einschließenden (Frankreich, Belgien, England, Rußland) und den eingeschlossenen Mächten (Deutschland, Österreich) bestehen schwer zu beseitigende [d.h. politische; A. d. Verf.] Gegensätze.«

Wer wollte bestreiten, daß diese von Schlieffen diagnostizierten »schwer zu beseitigende[n] Gegensätze« sich auch tatsächlich bis zum Kriegsausbruch 1914 nicht beseitigen ließen?

Die schwer zu beseitigenden Gegensätze sieht Schlieffen schlüssig in der französischen Revancheidee, im englischen Neid bezüglich der Stellung Deutschlands, d.h. seinem gewaltigen Aufschwung in Industrie und Handel, dem russischen Panslawismus (Balkan) und Italiens Gegensatz zu Österreich (Lombardei).[139]

Schlieffen sah in diesem Beitrag die Gefahr eines Krieges nicht unmittelbar gegeben; einerseits wegen (u.a.) politischer Erwägungen in den einzelnen Ländern und andererseits wegen den Zweifeln an der Bündnistreue. Jedoch vor allem wegen der Vernichtungskraft der Waffen, welche Schlieffen sozusagen als ein Gleichgewicht des Schreckens beschreibt.

Der Aufsatz »Der Krieg in der Gegenwart« mit seiner auch politischen Lage- und Konstellationsanalyse, die wiederum seine strategischen Erwägungen in dieser Form immer beeinflußt haben, ist ein tauglicher Beweis, daß Schlieffen den Krieg nie ohne die Politik gedacht hat. Schlieffen erkannte klar die »politische Struktur« (Kessel) des zukünftigen Krieges, den er allerdings durch die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts des Schreckens vermeiden wollte.

Er ließ sich jedoch leider nicht vermeiden! Es begann 1914 ein weiterer dreißigjähriger Krieg gegen Deutschland, der 1945 endete. Deutschland wurde das Opfer der Geschichte und fremder Mächte. Bis auf den heutigen Tag wird seine Geschichte kriminalisiert. Die Deutschen haben in ihrer Geschichtslosigkeit ihre nationale Identität und vielfach auch die nationale Würde verloren. Die nationale Würdelosigkeit muß jedoch einmal beendet werden.

Statt eines Nachwortes zwei Kurzanalysen von Emanuel von Kiliani

»In der nach dem Zweiten Weltkrieg erschienenen Schlieffen-Literatur ist zum Teil eine Tendenz zur Geringerbewertung sowohl der Persönlichkeit wie der Leistung des Feldmarschalls Schlieffen feststellbar. Da wesentliche neue Tatsachen, die diesen Trend rechtfertigen könnten, nicht bekannt geworden sind, geht man wohl nicht fehl, wenn man die Gründe in der Psyche der Autoren sucht: Der durch das Erlebnis des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges hervorgerufene Schock wirkt sich hier aus. Man steht militärischem Denken und Handeln mit erhöhtem Mißtrauen, zumindest mit größerer Skepsis, jedenfalls so kritisch wie noch nie gegenüber. Ob man, belastet mit diesem Trauma, der Erhellung der geschichtlichen Wahrheit näherkommt, ist allerdings fraglich.«[140]

»Die Schlieffenzeit liegt ein halbes [ganzes] Jahrhundert hinter uns. Entwicklungen auf allen Gebieten haben uns weit von den Voraussetzungen entfernt, unter denen sich die Lebensarbeit des Feldmarschalls vollzog. Daß wir unter so veränderten Verhältnissen heute Lebenden die Probleme des Krieges, der Kriegführung, des Völkerrechts mit anderen Augen betrachten als die Generation von 1910, ist selbstverständlich. Das darf nicht abhalten, die damals zum Denken und Handeln Berufenen aus ihrer Zeit heraus zu beurteilen. Freihalten müssen wir uns dabei von epigonenhaftem Besserwissen. Es würde die Wahrheit nur verdunkeln.«[141]


Anmerkungen

Bildquelle: http://raven.cc.ukans.edu/~kansite/ww_one/photos/greatwar.htm

[1]Generaloberst Graf Schlieffen, »Einführung« in: Carl von Clausewitz, Vom Kriege, Berlin, 51905; zitiert nach: Ihno Krumpelt, aaO. (Anm. 1), Frankfurt 1960, Seite 3f.
[2]Generalfeldmarschall Graf Alfred von Schlieffen, Gesammelte Schriften, Band 2, Berlin 1913, Seite 439 (Rede aus Anlaß des 100 jährigen Geburtstages des Generalfeldmarschalls Graf von Moltke am 25. November 1900)
[3]Schlieffen, aaO. (Anm. 1), S. 4
[4]Schlieffen, aaO. (Anm. 2), S. 440
[5]Ebd., S. 441
[6]Generalmajor Beseler, »Rede zum 50jährigen Dienstjubiläum des Generals der Kavallerie Grafen von Schlieffen am 1. April 1903«; in: Schlieffen, aaO. (Anm. 2), S. 450
[7]Friedrich von Boetticher, Schlieffen - Viel leisten, wenig hervortreten, mehr sein als scheinen, Berlin/Frankfurt 1957, S. 54
[8]Ebd., S. 61
[9]Jehuda L. Wallach, Kriegstheorien - Ihre Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert, Frankfurt 1972, S. 116
[10]Ebd., S. 91
[11]Ebd., S. 94; Bezug: Generalleutnant a.D. v. Zoellner, »Schlieffens Vermächtnis«, Sonderheft der Militärwissenschaftlichen Rundschau, Berlin 1938, S. 11f.
[12]Emanuel v. Kiliani, »Die Operationslehre des Grafen Schlieffen und ihre deutschen Gegner«, Teil I und Teil II, in: Wehrkunde - Zeitschrift für alle Wehrfragen, Organ der Gesellschaft für Wehrkunde, X. Jahrgang, München 1961, Heft 2 (S. 71-76) und Heft 3 (S. 133-138).
[13]Wallach, aaO. (Anm. 9), S. 93; Zitat bei Wilhelm Groener, Das Testament des Grafen Schlieffen, Berlin 1927, S. 241
[14]Vgl. Friedrich Boetticher, »Die Lehrmeister des neuzeitlichen Krieges«, in: v. Cochenhausen (Hg.), Von Scharnhorst zu Schlieffen 1806 - 1906, Berlin 1933, S. 290
[15]Alfred von Schlieffen, Cannae, 3. Auflage, Berlin 1936; Abschnitt »Der Feldherr«, S. 264
[16]Schlieffen, aaO. (Anm. 1), S. 708, hier zitiert nach Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 47
[17]Carl von Clausewitz, aaO. (Anm. 1), S. 708
[18]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 47
[19]Clausewitz, aaO., (Anm. 1), S. 189
[20]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 47, 104 (Anmerkung 34)
[21]Generalfeldmarschall Graf Moltke, Ausgewählte Werke, Berlin 1925, 3 Bände, S. 107
[22]Ungedruckte Nachschrift von Clausewitz über Vorlesungen Scharnhorsts aus der Bibliothek des Grafen Schlieffen; hier zitiert bei Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 48, 104 (Anmerkung 36)
[23]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 48
[24]Schlieffen, aaO. (Anm. 15), Abschnitt »Schlußbetrachtung zur Studie "Cannae"« S. 254f.
[25]Wolfgang Foerster, Graf Schlieffen und der Weltkrieg, Berlin 1925, S. 8
[26]Generalfeldmarschall Graf Schlieffen, Die taktisch-strategischen Aufgaben aus den Jahren 1891-1905, Berlin 1937, S. 22
[27]Schlieffen, Dienstschriften, Bd. 2, Berlin 1938, S. 301
[28]Ihno Krumpelt, aaO. (Anm. 1), S. 319
[29]Schlieffen, aaO. (Anm. 27), S. 222: Schlußbesprechung der großen Generalstabsreise - Ost - im Jahre 1901.
[30]Gordon A. Craig, Die preußisch-deutsche Armee - Staat im Staate. 1640 - 1945, Düsseldorf 1960, S. 306
[31]Schlieffen, aaO. (Anm. 2), Bd. 1, S. 164, Abschnitt »Der Feldzug 1866/Königgrätz«
[32]Boetticher, aaO. (Anm. 7), Brief vom 10. Juli 1883 an seine Mutter, S. 35
[33]Zitiert bei Wallach, aaO. (Anm. 9), S. 94
[34]Schlieffen, aaO. (Anm. 27), Bd. 2, S. 171
[35]Wallach, aaO. (Anm. 9), S. 104
[36]Schlieffen, aaO. (Anm. 15), Einführung zur Studie Cannae des Feldmarschalls Grafen Schlieffen durch Generaloberst Frhr. v. Fritsch, S. 209
[37]Schlieffen, aaO. (Anm. 2), Bd. 1, Aufsatz »Der Feldherr«, S. 4
[38]Ebd., S. 5
[39]Ebd., S. 6
[40]Ebd., S. 7
[41]Ebd., S. 8
[42]Ritter, Der Schlieffenplan. Kritik eines Mythos, Oldenbourg, München 1956, S. 110
[43]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 25
[44]Ebd., S. 26f.
[45]Ebd., S. 52
[46]Ebd, S. 50
[47]Gerhard Ritter, Staatskunst und Kriegshandwerk, Bd. II, München 1960, S. 133
[48]Eberhard Kessel, Briefe, hrsgg. und eingel. von Alfred von Schlieffen, Göttingen 1958, S. 13
[49]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 137f.
[50]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 138
[51]Ebd, S. 111; Süddeutsche Monatshefte, März 1921, S. 380
[52]Schlieffen, aaO. (Anm. 15), Abschnitt »Der Feldherr«, S. 270f.
[53]Schlieffen, aaO. (Anm. 15), Abschnitt »Bismarck«, S. 12
[54]Ebd., S. 12f.
[55]Ebd., S. 13
[56]Ebd., S. 15
[57]Ebd., S. 17
[58]Craig, aaO. (Anm. 30), S. 310
[59]Gordon A. Craig, Deutsche Geschichte, 1866-1945; München 1980, S. 281
[60]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 51f.
[61]Ebd., S. 64
[62]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 119
[63]Ebd., S. 119f.
[64]Helmut Otto, »Schlieffen und der Generalstab - Der preußisch-deutsche Generalstab unter der Leitung des Generals von Schlieffen 1891-1905«, Militärhistorische Studien, Bd. 8, Berlin 1966, S. 57
[65]Bötticher, aaO. (Anm. 7), S. 68
[66]H. Otto, aaO. (Anm. 64), S. 58
[67]Ebd., S. 59
[68]Ebd., S. 60
[69]Ebd., S. 61
[70]Ebd., S. 55f.
[71]Ebd., S. 56
[72]Ebd, S. 57 // 91B; ebd., S. 57f.
[73]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 101
[74]Bogdan Graf von Hutten-Czapski, Sechzig Jahre Politik und Gesellschaft, Bd. 1, Berlin 1936, S. 160
[75]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 62
[76]Ebd., S. 60
[77]Wolfgang Foerster, aaO. (Anm. 25), S. 29
[78]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 31
[79]Vgl. Foerster, aaO. (Anm. 25), S. 20
[80]Vgl. Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 62f
[81]Ebd., S. 63f
[82]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 38
[83]Ebd., S. 39f.
[84]Ebd., S. 40
[85]Ebd., S. 41
[86]Ebd., S. 63
[87]Ebd,, S. 31f.
[88]Ebd., S. 32
[89]Kiliani, aaO. (Anm. 12), Teil II, S. 137
[90]Eberhard Kessel, aaO. (Anm. 48), S. 10
[91]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 62
[92]Ebd., S. 69
[93]Wolfgang Foerster, »Einige Bemerkungen zu Gerhard Ritters Buch Der Schlieffenplan«, in: Wehrwissenschaftliche Rundschau, Jg. 1957, Heft 1. Jan. 1957, Berlin/Frankfurt 1957, S. 43 (Vgl. Fußnote 7, S. 38)
[94]Eberhard Kessel, aaO. (Anm. 48), S. 9
[95]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 47
[96]Ebd., S. 46
[97]Wallach, aaO. (Anm. 9), S. 96
[98]E. Kessel, aaO. (Anm. 48), S. 13f.
[99]Boetticher, aaO. (Anm. 7), Ebd., S. 86
[100]Zitiert nach Foerster, aaO. (Anm. 93), S. 43 (vgl. seine Anm. 7, S. 38)
[101]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 82
[102]Vgl. Ebd., S. 98 (Fußnote 26)
[103]Ebd., S. 98
[104]Ebd., S. 84
[105]Eberhard Kessel, aaO. (Anm. 48), S. 11
[106]Vgl. die Ausführungen in W. Foerster Aus der Gedankenwerkstatt des deutschen Generalstabes, Berlin 1931, S. 51
[107]E. Kessel, aaO. (Anm. 48), S. 16
[108]Ebd., S. 18
[109]Winfried Baumgart, Deutschland im Zeitalter des Imperialismus (1890-1914) - Grundkräfte, Thesen und Strukturen, hgg. von Walter Hubatsch, Frankfurt 1971, S. 112
[110]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 88
[111]Wolfgang Foerster, aaO. (Anm. 93), S. 39
[112]Zitiert nach J. L. Wallach, aaO. (Anm. 9), S. 100 (Fußnote 30)
[113]Foerster, aaO. (Anm. 25), S. 27
[114]Zitiert bei Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 82, Anmerkung 3
[115]W. Foerster, aaO. (Anm. 93), S. 38
[116]Foerster, aaO. (Anm. 25), S. 30
[117]W. Foerster, aaO. (Anm. 93), 38f.
[118]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 90
[119]Ebd., S. 92
[120]Ebd., S. 89
[121]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 35
[122]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 90; Vgl. auch Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 35
[123]Ritter, aaO. (Anm. 42), S. 35
[124]Kessel, aaO. (Anm. 48), S. 17
[125]Ebd., S. 17f.
[126]Ritter, aaO. (Anm. 47), Bd. II, S. 139
[127]Ebd., S. 239
[128]Craig, aaO. (Anm. 59), S. 711 (Anmerkung 55)
[129]Schlieffen, aaO. (Anm. 15), Abschnitt »Bismarck«, S. 16
[130]Ebd., Abschnitt »Der Krieg in der Gegenwart«, S. 284
[131]Ebd., Abschnitt »Bismarck«, S. 14
[132]Ebd., Abschnitt »Hannibal«, S. 4
[133]Ebd., S. 6
[134]Boetticher, aaO. (Anm. 7), S. 27f
[135]Ebd., S. 27
[136]J. L. Wallach, aaO. (Anm. 9), S. 98
[137]Schlieffen, aaO. (Anm. 15), Abschnitt »Der Krieg in der Gegenwart«, S. 272
[138]Ebd., S. 273
[139]Ebd., S. 283
[140]Emanuel von Kiliani, aaO. (Anm. 12), S. 136
[141]Ebd., S. 138

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(1) (2001), S. 10-26.


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