Das Roosevelt-Vermächtnis und der Fall Kent

Von Tyler Gatewood Kent

Es gibt Leute, die uns glauben machen wollen, daß es sich nicht lohnt, die verschimmelten Seiten der Weltgeschichte abzustauben. Insbesonders jene glauben dies, die die Vorgänge, die sich vor vierzig Jahren abspielten, als "antike Geschichte" abtun wollen. Viele sind dabei von dem Wunsch erfüllt, uns jene verhältnismäßig neuen Vorgänge vorzuenthalten, die die Welt von heute geformt haben. Es steht außer Frage, daß die Vorgänge, die zum Zweiten Weltkrieg führten, sowie der Krieg selbst das Leben der heutigen Generation beeinflußt haben. Franklin Delano Roosevelt ist jene Person unter den US-Politikern, die durch diesen Krieg als größter Schöpfer jener Welt hervorging, in der wir heute leben.

Während seiner unvergleichlichen zwölfjährigen Amtszeit als Präsident war er Gebieter über die Schicksale von Millionen unglücklicher Staatsbürger. Roosevelt wurde zu Beginn einer schweren Depression Präsident, die Millionen Amerikaner in Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit stieß. Die Banken versagten und ganze Fabriken schlossen ihre Tore. Roosevelt begann, was er als »New Deal« anpries. Es bestand hauptsächlich in Versuchen, die wirtschaftlichen Probleme der Nation durch Arbeitsbeschaffungsprogramme zu lösen, die aus der Staatskasse finanziert wurden. Von den vorhergehenden Verwaltungen hatte er ein gesundes Geldsystem geerbt und praktisch keine Staatsschulden. Ohne Risiko konnte er deshalb eine Politik des »spend and elect« (ausgeben und wählen) als dauerhafte Einrichtung seiner Verwaltung einführen.

Unglücklicherweise lösten diese mittels Staatsdefiziten finanzierten Programme nicht das Problem der Großen Depression. Im Jahre 1939 stand die Arbeitslosenrate immer noch bei 17%. Ich habe keinerlei Zweifel daran, daß Roosevelt keine Illusionen hatte, seine Überbrückungsmaßnahmen seien eine dauerhafte Lösung für die wirtschaftlichen Probleme der Nation. Aus diesem Grunde legte er von den frühesten Tagen an die Fundamente für einen weitaus zynischeren Ansatz - meistens heimlich, aber manchmal auch offen. Er wußte, daß für die Vereinigten Staaten, die selbst von zwei Ozeanen geschützt waren, ein schöner, blutiger und teurer Krieg, der von Ausländern ausgefochten wurde, das non-plus-ultra für die Wirtschaft sein würde. Dies ist eine wohlbegründete Erklärung für die Tatsache, daß Roosevelt durch die gesamten dreißiger Jahre hinaus den Kräften in Europa half und sie unterstützte, die einen Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland vorbereiteten. Ein solcher Krieg paßte perfekt in sein heimisches Szenario. Er war von einer Koalition gewählt worden, die aus den großen Gewerkschaften bestand, dem "soliden Süden" und der außerordentlich mächtigen jüdischen Minderheit. Alle diese drei Elemente sahen in einem Krieg die Erfüllung ihrer Gebete. Die Gewerkschaften würden Arbeitsplätze haben, wenn die Maschinen der Kriegsfabriken brummen würden; die wenig gebildeten und somit etwas einfältigen Leute aus dem Süden waren durch ihre Senatoren und Abgeordneten leicht davon zu überzeugen, daß ein Krieg hohe Preise für Baumwolle, Schweine und andere Naturprodukte bringen würde; und was die Juden anbetraf, die hatten ja schon 1933 während des berüchtigten Treffens des Weltjudentums in Amsterdam Hitler den Krieg erklärt. Mit ihrer Kontrolle von Presse, Radio und Filmindustrie in den Vereinigten Staaten (Fernsehen konnte ihrem Propaganda-Arsenal noch nicht zugefügt werden) warteten sie ungeduldig auf eine Gelegenheit, die Vereinigten Staaten in ihren Krieg von gottloser Rache hineinzuziehen. Roosevelt war ihr williger Lakei.

Im Jahre 1936 hatte der Kongreß strikte Neutralitäts-Gesetze eingeführt, die die Wünsche und Gefühle der Wählerschaft widerspiegelten. Diese hinderten den Präsidenten daran, seine Pläne voranzutreiben, die Vereinigten Staaten gesetzlich in einen europäischen Krieg zu verwickeln. Roosevelt aber sah sich selbst als über den Gesetzen stehend. Die Götter hatten seinen Weg bestimmt, und er hatte eine göttliche Mission, um jeden Preis alles Unrecht in der Welt recht zu machen. Wie die meisten selbsternannten "Kreuzfahrer" machte er sich selbst zum Narren und setzte gleichzeitig die gesamte Zukunft seines Landes und der Welt aufs Spiel.

Verschwörungen kommen oft auf eigenartige Weise unerwartet ans Tageslicht. Dies geschah beinahe auch mit Roosevelts gesetzwidriger Verschwörung, dieses Land in einen fremden Krieg zu stürzen. 1940 fand ein unbekannter Chiffrier-Sekretär an der amerikanischen Botschaft in London Dokumente, die seiner Meinung nach und später ebenso nach Ansicht von vielen angesehenen Historikern ohne Zweifel bewiesen, daß Roosevelt direkt und auch durch Vertraute in Handlungen verwickelt war, die darauf angelegt waren, einen europäischen Krieg auszulösen, in den Amerika schließlich hineingezogen würde.

Ich war dieser Chiffrier-Sekretär.

Ich wurde 1911 als Sohn eines Angehörigen des Außenministeriums der Vereinigten Staaten geboren, der zu der Zeit in China stationiert war. Nach Rückehr in die Vereinigten Staaten ging ich meiner höheren Ausbildung zunächst in Princeton nach und später an verschiedenen europäischen Universitäten. 1933 trat ich dem Stab der neuen amerikanischen Botschaft in Moskau bei. Diese war gerade eröffnet worden, nachdem Präsident Roosevelt mit dem bolschewistischen Rußland diplomatische Beziehungen aufgenommen hatte. Ich kannte die russische Sprache schon etwas, und da ich schon immer Veranlagung für Fremdsprachen hatte, wurde mein Russich sehr schnell fließend. Ich nahm die Gelegenheit wahr, mit den einfachen Bürgern Moskaus zusammenzukommen. Hier lernte ich an der Quelle die brutale Natur des Bolschewismus kennen und es wurde mir bewußt, was es bedeuten würde, wenn dieser orientalische Barbarismus sich weiter ausbreiten würde. Die weltweite Ideologie der sogenannten "Liberalen" (ein US-Orwellsches Neusprech für "Sozialist") wurde mir auch bewußter, die ihre Begeisterung für die "Neue Zivilisation" der Sowjetunion nicht bremsen konnten.

William C. Bullitt, erster US-Botschafter in der UdSSR

Ich begann, die Macht der jüdischen Presse in den Vereinigten Staaten zu erkennen, die ununterbrochen über angebliche Brutalitäten der neuen nationalsozialistischen Regierung in Deutschland berichtete, während sie zur gleichen Zeit die wirklichen weit größeren Brutalitäten in der Sowjet-Union ignorierte. Letztere waren aber dem NS-Regime um mehr als ein Jahrzehnt vorausgegangen. Der Grund für dieses verzerrte und falsche Bild wurde schnell klar. In Deutschland fiel die Last von Staatsaktionen auf die Juden, wohingegen die Geheimpolizei der Sowjet-Union (NKWD) bis in die späten dreißiger Jahre fast ausschließlich in jüdischen Händen war. Die Verwaltung der Gulags (Arbeitslager, die in Wirklichkeit Ausrottungslager waren) war vollkommen jüdisch, und hier konnten die Juden ihre Rache an ihren uralten Gegnern unter der russischen Bevölkerung ausüben.

Die amerikanischen Juden und ihre sozialistischen Verbündeten nahmen schnell den Kampfruf für die Zerstörung Deutschlands auf - was natürlich eine Bestärkung der Sowjetunion als zukünftigem Alliierten mit sich brachte. Roosevelt glaubte in seiner Naivität, daß er Stalin unter Kontrolle halten könne, solange er ihm gab, was er wollte. Er wurde in diesem Glauben bestärkt durch solch "gelernte" Kreml-Spezialisten wie George Kennan, Charles Bohlen und Joseph E. Davies. Diese Scheingelehrten hatten während ihres Aufenthalts in Rußland nichts über sowjetische Politik und ihre Ziele gelernt. Ihre Äußerungen waren ganz einfach der Ausdruck sozialistischer Ideologie, wie sie an amerikanischen Universitäten ausgebrütet wurde.

Ein Beispiel: die hochgepriesene Kennan-Doktrin über die Eindämmung (»Containmen«) des Kommunismus, die vom Council of Foreign Relations (Rat für auswärtige Beziehungen, CFR) 1948 verkündet wurde, hatte zum Ergebnis, daß sich der Kommunismus auf über 40% unseres Planeten ausdehnen konnte. Die Errichtung einer sowjetischen Bastion in Kuba, nur wenige Meilen vor der US-Küste, war ein Resultat. Bis 1948 schien die Regierung der Vereinigten Staaten keinerlei Ahnung zu haben, was kommunistische Ausbreitung für die Welt und für unsere Zivilisation bedeutet. In aller Bescheidenheit glaube ich recht zu haben, wenn ich behaupte, daß ich die Wirklichkeit mindestens zehn Jahre früher verstand als die anerkannten Kreml-"Experten".

Im September 1939 kam ich in London an, um meinen Dienst bei der dortigen Botschaft der Vereinigten Staaten anzutreten. Meine Arbeit gab mir auch Einsicht in heikle Dokumente, die sich mit Politik befaßten. Fast sofort fiel mir auf, daß die geheimen Aktivitäten der Regierung Roosevelt nicht mit den offiziellen Verlautbarungen ihrer Sprecher übereinstimmten. Dies schloß Roosevelt selbst ein, wie auch untergeordnete Personen, die ihm nahe waren. Die Neutralitätsgesetze, die vom Kongreß verabschiedet worden waren, wurden zynisch umgangen. Es erschien mir zu der Zeit als meine nicht zu umgehende Pflicht, die richtigen Personen in den Vereinigten Staaten über das zu informieren, was sich abspielte. Es muß in Betracht gezogen werden, daß zu der Zeit sowohl im Kongreß als auch in der Öffentlichkeit Übereinstimmung bestand bezüglich der Ablehnung einer passiven oder gar aktiven Beteiligung der Vereinigten Staaten in dem europäischen Konflikt. Meinungsumfragen hatten ergeben, daß eine überwältigende Mehrheit von 83% gegen eine solche Beteiligung war. Andererseits war die jüdische öffentliche Meinung Deutschland gegenüber militant-feindlich eingestellt, und die jüdisch kontrollierte Presse wurde massiv eingesetzt, um eine Kriegsstimmung anzuheizen. Es scheint schwer nachvollziehbar, wie die Wünsche von schätzungsweise 3% der Bevölkerung die Oberhand über 83% der Bevölkerung gewinnen konnten.

Da keine einzelne Macht alleine fähig war, gegen das deutsche Militär zu bestehen, war es folglich bei dieser Kriegspolitik notwendig, ein System von Allianzen und Bündnissen gegen das Dritte Reich aufzubauen. Über seine Zusammenarbeit mit britischen Agenten in Washington hinaus hatte Roosevelt mit William C. Bullitt in Paris und Anthony Drexel Biddle in Warschau zwei willige Helfer in Europa. Bullitt war zuvor Botschafter in Moskau gewesen und war ursprünglich voller Enthusiasmus für die "Neue Zivilisation" dorthin gegangen. Das war 1934, aber 1936 verließ er sie bereits. Er war sehr enttäuscht worden durch das, was er gesehen hatte, und durch die Art, mit der er behandelt worden war. Bullitt war der ausgesprochene englisch-amerikanische Fabian-Sozialist. Er war der Playboy-Sprößling einer Banker-Familie aus Philadelphia, der sich schon früh im Leben sozialistischen Anliegen gewidmet hatte. 1919 schon hatte er Woodrow Wilson gedrängt, das neue Sowjet-Regime anzuerkennen, damit »kein radikaleres Regime überhandnehmen könne«. Wen er als »radikaler« als Lenin, Trotzky und Genossen im Sinn haben mochte, sagte er nicht. Bullitt war kein Kommunist, aber er heiratete Louise Bryant, eine kommunistische Zeitungsfrau und Witwe des Kommunisten John Reed. Es ist weithin bekannt, daß John Reed innerhalb der Kremlmauer beerdigt ist in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste für das kommunistische Regime, während es noch in den Kinderschuhen steckte. Es ist nicht meine Absicht, alle Ansichten einer Ehefrau ihrem Gatten anzuhängen. Jedoch im Falle von William Bullitt und Louise Bryant wird man wohl sagen können: wie der Herr, so's Gscherr.

1933: William C. Bullitt wird von Kalinin als Botschafter der USA im Kreml empfangen - der Beginn einer für die Welt verhängnisvollen Kooperation

Bullitt wurde im englisch-amerikanischen Lager von seinem Posten aus einer der boshaftesten Kriegshetzer gegen Deutschland. Vielleicht machte ihn seine zum Teil jüdische Abstammung (Hurwitz) zu blind, um sehen zu können, wo die wirklichen Interessen Amerikas lagen. Er war intelligent genug, wenn auch beschränkt in seinem Urteilsvermögen. Er hätte wissen müssen, daß Sowjetrußland der alleinige Gewinner in einem Krieg sein würde, der Deutschland als Militärmacht lahmlegte. Zweifellos war es für einen lebenslangen Sozialisten schwer, sich einzugestehen, daß er sich vollkommen über die "Neue Zivilisation" geirrt hatte.

Die "Potocki Papiere", deren Inhalt ich in London erfuhr, zeigten klar und deutlich die Ansichten von Bullitt und Biddle: britische Interessen an erster Stelle, amerikanische an letzter!

Auch nachfolgende US-Präsidenten scheinen nichts aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges gelernt zu haben. Ronald Reagan zeigte 1982, daß britische Interessen immer noch über denen des eigenen Landes stehen, als er sich in der Falkland-Malwinen-Auseinandersetzung auf die britische Seite stellte und damit alles Wohlwollen zerstörte, das wir in Lateinamerika genossen. Und dies alles nur wegen des britischen Ansehens.

Nur der Lauf der Zeit und das Urteil der Geschichte können historische Streitfragen endgültig klären. Genug Zeit ist verstrichen - 45 Jahre - seit der Formulierung von Roosevelts verhängnisvoller Vorkriegs- und Kriegspolitik. Jeder unparteiische Beobachter der heutigen Weltszene kann nun selbst die konkreten Resultate dieser Politik auswerten und sehen, was sie für die Vereinigten Staaten gebracht haben. Amerika hat dadurch, daß es den Zweiten Weltkrieg "gewonnen" hat, keinerlei Vorteile erreicht. Daher muß der Krieg als ein Netto-Verlust angesehen werden - als Fehler.

Die Giftigkeit der "Kreuzzug-gegen-das-Böse"-Propaganda, die heute noch die Ätherwellen und die Presse füllt, ist Zeugnis dafür, daß man eben außer dieser Propaganda weiter nichts zu sagen hat, wenn es darum geht, die Früchte dieses Krieges zu zählen. Die Sicherheit dieses Kontinents wurde nicht gestärkt. Amerikanische Handelsvorteile waren kurzlebig und vorübergehend. Nur die Juden profitierten, indem sie ihre Rache am nationalsozialistischen Deutschland bekamen und indem sich der Sowjet-Kommunismus auf über 40% der Welt ausbreitete, und natürlch nicht zu vergessen, daß sie eine große Anzahl europäischer Juden nach Palästina bringen konnten.

Es ist eigenartig, daß die Staatsmänner der westlichen Welt nicht zu der Einsicht kommen konnten, daß ein geschlagenes und zerstörtes Deutschland eine Entwicklung Sowjetrußlands zur stärksten Militärmacht bedeuten würde, die unseren eigenen Interessen feindselig gegenüber stehen würde. Aber so kam es. Die heutigen Vereinigten Staaten sind unfähig, die Monroe-Doktrine anzuwenden, die über ein Jahrhundert lang Amerika vor europäischen Angriffen und Ideologien geschützt hatte. Wir müssen die bittere Pille des Fidel Castro schlucken, dem sowjetischen Vorkämpfer in der westlichen Hemisphäre, und wir müssen machtlos zusehen, wie sich kommunistische Regime in Nicaragua und anderswo in Mittelamerika ausbreiten.

Mein "Verbrechen" bestand darin, diese Entwicklung vorausgesehen zu haben, während ich Chiffrier-Sekretär an der amerikanischen Botschaft in London war, und daß ich etwas unternahm, um sie zu verhindern.

Die gehässigsten Verleumdungen, die sich über die Jahre gegen mich richteten, kreisten um den Vorwurf der "Untreue". Die Pressebekanntmachung des Außenministeriums vom 2. September 1944 ist voll davon. Doch wem und was schuldete ich Loyalität? Es wurde behauptet, daß ich Joseph P. Kennedy und Präsident Roosevelt Loyalität schulde. Unter normalen Umständen würde ich dem beipflichten. Ein Regierungsbeamter leistet aber einen Eid »die Gesetze und die Verfassung der Vereinigten Staaten gegen alle auswärtigen und internen Feinde aufrecht zu erhalten«.

Die Ereignisse haben inzwischen bewiesen, daß kein ausländischer Feind den Interessen dieses Landes größeren Schaden hätte zufügen können, als es Roosevelt tat. Er war der größte »interne Feind« und kein Untergebener schuldete ihm irgendwelche Treue bei der Verfolgung seiner illegalen Tätigkeiten. Kein Gericht hat Franklin Delano Roosevelt verurteilt, aber das Gericht der Weltgeschichte wird das zur rechten Zeit tun. Dies ist der Kern des "Tyler Kent Vorfalles" und die Rechtfertigung für meine Handlungsweise 1939 und 1940 in London.

Niemand - ich selbst am wenigsten - wird je behaupten, daß der 20. Mai 1940 jenem Datum an Wichtigkeit gleichkomme, das Roosevelts selbst "das Datum der Schande" genannt wurde (der japanische Überfall auf Pearl Harbor). Doch mag das Datum denen wichtig erscheinen, die etwas Achtung vor Verfassungs- und Internationalem Recht haben. Es war am Morgen jenes Tages - zehn Uhr früh, wenn ich mich recht entsinne -, daß die Vereinigten Staaten einen drastischen Schritt unternahmen. Sie erlaubten und halfen der britischen Polizei sogar, einen Angehörigen der amerikanischen Botschaft festzunehmen und einzukerkern, der einen diplomatischen Paß besaß und offiziell durch die Gesetze der "diplomatischen Immunität" geschützt war. Mit dieser Tatsache setzte die amerikanische Regierung einen ungewöhnlichen Präzedenzfall, dessen Natur wir im folgenden untersuchen werden. Es wäre ein Irrtum zu behaupten, daß Festnahme und Inhaftierung von Botschaftsangehörigen zuvor noch nie vorgekommen sei, obwohl solche Fälle nur sehr selten vorkommen.

Dieser Tag im Mai war aus einem anderen Grund von besonderer Bedeutung. In einer Stadt, die für viele Dinge bekannt ist, aber bestimmt nicht für ihr gutes Klima, war dies ein besonders schöner Tag. Es war mir nicht vergönnt, ihn zu genießen. Gegen zehn Uhr wurde ich durch Splittern von Holz und Aufbrechen von Türschlössern aufgeschreckt, als eine stämmige Überfallgruppe von Scotland Yard, von einem Offizier des britischen Militär-Geheimdienstes und einem Beamten der amerikanischen Botschaft begleitet, in meine Wohnung einbrach. Meine Besucher hätten bestimmt auf konventionellere Art hereinkommen können. Hätten sie geklopft und höflich um Einlaß gebeten, hätte ich sie bestimmt willkommen geheißen. Aber offensichtlich zogen sie das Einbrechen von Türen vor. Rückblickend bin ich heute überzeugt, daß solche Taktiken von der Polizei zur Überraschung und Einschüchterung angewandt wurden und werden. Wenn das unglückliche Objekt dieser Aufmerksamkeit nicht nur eingeschüchtert und überwältigt ist, sondern auch noch in seinem Schlafanzug dasteht, ist dies von Vorteil für die Polizei.

Warum, muß man sich da fragen, sollte sich die Regierung der Vereinigten Staaten an solch einem Rechtsbruch beteiligen, der allen diplomatischen Regeln und Bräuchen widerspricht? Sicherlich müssen die Umstände, die ein solches Vorgehen hervorriefen, außerordentlich verrucht oder gefährlich gewesen sein. Warum aber sind diese Umstände heute, nach 42 Jahren, immer noch nicht ans Tageslicht gebracht worden? Und vor allem: Warum habe ich so lange gewartet, diese Fakten der Öffentlichkeit zu unterbreiten?

Die Antwort darauf ist, daß es für alles eine richtige oder eine falsche Zeit gibt. Der November 1945 war bestimmt nicht die richtige Zeit. Damals kehrte ich in die Vereinigten Staaten zurück, nachdem ich für die gesamte Dauer des Krieges in England inhaftiert gewesen war. Das Land war in einer Ekstase nach seinem "Sieg" über den abscheulichen Feind. Jeder Versuch, den gerade errungenen "Sieg" als möglichen Pyrrhussige und verheerender für das Gesamtwohl darzustellen, als je ein anderes Geschehen in der US-Geschichte, wäre auf taube Ohren gestoßen. Nicht nur das, sondern es hätte zum Lynchen der Person führen können, die solche Ketzerei vorbrachte.

Unzweifelhaft verursachte es das moralische und psychologische Lynchen einer Reihe von Leuten durch die rabiate fremdländische Presse und elektronischen Medien. Nein, 1945 war nicht die Zeit. Bestimmte Freunde von mir und meiner Familie ermöglichten mir, das Land zu bereisen und die Einstellung der Leute herauszufinden. Ich fand sie in der Hauptsache vollkommen unempfänglich für jede Kritik an Franklin dem Großen, Amerikas Beteiligung an dem Krieg und den Methoden, die angewandt worden waren, um uns in den Konflikt hineinzubringen. So war es damals.

Heute haben sich die Dinge etwas verändert. Es gibt Tatsachen, die sich nicht einmal durch die gehässigste Propaganda der fremdkontrollierten Medien noch länger erfolgreich vertuschen lassen. Sogar der am wenigsten politisch orientierte Bürger beginnt zu fragen, warum wir heute - nach unserem größten Krieg und seinem größten Endsieg - der größten Gefahr unserer nationalen Sicherheit gegenüber stehen, die uns je bedrohte. Jemand ist dafür verantwortlich, denn es war niemand anders als Roosevelt selbst, der sagte:

»Geschehnisse passieren nicht nur einfach; sie sind so geplant!«

Wer plante folglich was und warum? Wer plante, 40% der Welt dem Kommunismus zu übergeben? Wer plante die vorgeschobenen Stützpunkte der Bolschewiken nur 145 km vor der US-Küsten zu setzen? Wenn die Antwort darauf lautet, daß niemand diese Dinge "plante", ist die einzige verbleibende Erklärung, daß irgend jemand die größten politischen Fehler unserer Geschichte beging. Ist es da verkehrt, heute nach den Verantwortlichen zu suchen?

Von einigen würde das als Nestbeschmutzung bezeichnet werden oder zumindest als unangebracht in der heutigen kritischen Zeit. Es gibt aber ungeheure Interessen, den Roosevelt-Mythos zu erhalten.

An erster Stelle ist da die gesamte Demokratische Partei (die Sozialisten). Es gab eine Zeit, in der sie sich auf den Geist von Thomas Jefferson als ihren Heiligen berief. Seit den dreißiger Jahren hat Roosevelt im großen und ganzen Jeffersons Platz eingenommen. Roosevelts Scharfsinn und gutes Urteilsvermögen anzuzweifeln ist für viele so, als ob man die Existenz Gottes anzuzweifelte.

Dann sind da die großen Veteranenorganisationen. Kann man annehmen, daß sie es wohlwollend hinnehmen würden, wenn ihnen gesagt würde, daß sie "hinters Licht geführt" oder "in den April geschickt wurden", oder daß sie für etwas kämpften, das für ihr Land letzten Endes verhängnisvoll war?

Was das organisierte amerikanische Judentum anbelangt, war es nur bestrebt, Deutschland zu zerstören - ohne Rücksicht auf die Interessen der USA, in dem sie ihre Schilder aushängen.

Nehmen wir nur einmal zwei stichhaltige Gründe eines Landes, um seine Bevölkerung zu bewaffnen und ein anderes Land zu bekämpfen:

  1. Der Erwerb von Beute in der Form von Territorien oder andern Gütern und
  2. um das Land vor ausländischer Bedrohung zu schützen.

Die "Beute"-Theorie ist in der modernen Zeit unwichtig, zumal Roosevelt während des Krieges wiederholt bekannt gab, daß er keine amerikanischen Ansprüche auf Territorien des Feindes stelle.[1] (Er würde das seinem Partner Joseph Stalin überlassen.) In unzähligen öffentlichen Bekanntmachungen vertrat Roosevelt die Meinung, daß sein Land gezwungen sei, sich an dem Krieg zu beteiligen, entweder als Mitbeteiligter oder aber »als Arsenal der Demokratie«, das das Kriegsmaterial liefere (nach heimischen und internationalen Gesetzen illegal), um »die Sicherheit unseres Landes für die Zukunft zu garantieren«. Sein dauerndes Motiv war, daß die riesige britische Marine in deutsche Hände fallen würde, falls England besiegt würde. Das würde es Deutschland ermöglichen, Südamerika zu besetzen und es würde das tun. Eine gefälschte Karte wurde zirkuliert, die die Gebiete zeigte, die von den Nazis besetzt würden. Diese Karte wurde später als eine geschickte Fälschung des britischen Geheimdienstes entlarvt. Roosevelt hatte sich wissentlich an ihrer Verteilung beteiligt, um der amerikanischen Öffentlichkeit Furcht einzuflößen. Dies ist uns aus britischen Quellen bekannt. Die gesamten Vorgänge sind klar in der Biographie des William Stephenson dargelegt, dem britischen Oberagenten in den Vereinigten Staaten, dessen Hauptaufgabe darin bestand, Amerika als Teilnehmer in diesen Krieg zu bringen.

Langsam beginnen wir, mehr und mehr über die enge Zusammenarbeit zwischen England und den Vereinigten Staaten in der Vorkriegsepoche herauszufinden. Der Zweck war angeblich, die Sicherheit der Vereinigten Staaten zu festigen. Obwohl Roosevelts Aktivitäten nachträglich als illegal entlarvt worden sind, wird immer noch als Rechtfertigung angeführt, daß sie im nationalen Interesse erfolgt seien, was wichtiger sei.

Auf Veranlassung von König George VI. überreicht Churchill (im Hintergrund links neben dem Schwert) Stalin das "Schwert von Stalingrad" während der Konferenz von Yalta. Zwischen Sommer 1940 und Sommer 1941, als noch keine Hoffnung auf einen Kriegseintritt der USA bestand, flehte Churchill Stalin geradezu an, eine zweite Front gegen Deutschland zu eröffnen.

Kehren wir zu dem Frühlingsstag in London, dem 20. Mai 1940, zurück und dem Einbruch der Verbrecherbande von Scotland Yard in meine Wohnung. Sie waren von einem Franklin Gowan begleitet, einem Zweiten Sekretär der amerikanischen Botschaft, auf den ich zurückkommen werde. Ich wurde verhört bezüglich wen ich kannte und was ich tat. Ich gab unverfängliche Antworten. Während dieses Verhör stattfand, durchsuchten andere Polizisten einen Kleiderschrank, in dem sie schnell einen Lederkoffer voll mit amerikanischen Botschaftsdokumenten fanden. Es wurde behauptet, daß es 1500 gewesen seien. Ich weiß es nicht, ich zählte sie nie. Ich war nur an ihrem Inhalt interessiert. Daraufhin wurde ich dann in einem Polizeiwagen zur Botschaft und vor den Botschafter Joseph Kennedy gebracht, mit dem ich ein kurzes aber bitteres Interview hatte.

Ich konnte seinen Zorn gut verstehen, glaubte aber vor ein moralisches Dilemma gestellt worden zu sein. Einerseits wünschte ich, meine Beweismittel dem »America First Committee« und gewissen, der Neutralität verpflicheten Senatoren zu übergeben. Andererseits würde es für mich - einer unbekannten Person ohne politische Druckmittel - zwecklos sein, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren und zu erwarten, daß mir hartgesottene Politiker Glauben schenken würden, wenn ich keine zweifelsfreien Beweise für meine Behauptungen hätte. Ich wußte, daß es unter normalen Umständen äußerst verwerflich war, Dokumente aus der Botschaft zu nehmen. Andererseits tat ich dies auch so lange nicht, bis meine Zweifel ausgeräumt waren, daß uns Roosevelt und seine diplomatischen Agenten in einen Krieg verwickeln würden, gegen den sich eine immense Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung in zahlreichen Befragungen vor dem Krieg und während der Zeit des »Phony War« (falschen Krieges) klar ausgesprochen hatte. Sogar die sozialistischen Interventionisten gaben die Genauigkeit dieser Umfragen zu. Was sie lauthals bestritten, war, daß Präsident Roosevelt vorsätzlich versuchte, die öffentliche Meinung zu umgehen. Ich wußte es besser. Von meinem Beobachtungsposten aus in der Botschaft sah ich die Depeschen von dort an das Außenministerium und diejenigen von und zu anderen Botschaften in Europa. Von allen Seiten kam das gleiche Bild: Krieg und Einmischung. »Ich hasse Krieg« sagte Roosevelt, aber er plante ihn. Am 3. September, gleich nach Ausbruch des Krieges in Europa, sagte Roosevelt in einer Rundfunkübertragung:

»Wir versuchen, den Krieg von unseren Heimstätten fern zu halten, indem wir verhindern, daß er zu den Amerikas kommt. [...] Diese Nation wird eine neutrale Nation bleiben.«

Zur gleichen Zeit übte William C. Bullitt, Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich und einer der Hauptkriegstreiber und Architekten für Roosevelts Einmischungspolitik, den größten Druck auf den französischen Ministerpräsidenten Edouard Daladier und seinen Außenminister Georges Bonnet aus, damit sie einen letzten Appell von Benito Mussolini ohne Erwägung zurückwiesen, der versuchte, ein neues Treffen der europäischen Staatsmänner zu arrangieren, um in letzter Minute noch den Krieg zu verhindern. Bullitt - im vollen Einverständnis mit Roosevelt - wollte, daß der Krieg seinen Anfang nahm. Je früher, desto besser. Jede Beihilfe zu Friedensbemühungen würde nur die unwillkommene Möglichkeit heraufbeschwören, den Krieg hinauszuschieben. Demgemäß widersetzte er sich allen diesbezüglichen Bemühungen mit all seiner Überredungskunst.

Er wurde darin ausgiebig vom polnischen Botschafter Jules Lukasiewics unterstützt, dessen Land gerade angegriffen worden war und der deswegen französisches und somit auch britisches Eingreifen forderte. Bullitt und Lukasiewics erreichten zusammen, die Daladier Regierung davon abzuhalten, Mussolinis Initiative anzunehmen und erreichten so, daß der Ausbruch eines größeren europäischen Krieges nach Plan seinen Anfang nahm.

Es ist hilfreich, hier die Potocki-Papiere zu erwähnen, die den Deutschen im polnischen Außenministerium in die Hände fielen und die auch anderweitige Einmischungsbemühungen Bullitts beleuchten. Die Papiere sind echt; ihr Inhalt spiegelte sich in Depeschen wieder, die durch die Londoner Botschaft liefen und von mir in unverschlüsseltem Englisch gelesen wurden. Als sie aber gefunden und von den Deutschen veröffentlicht wurden, wurden sie von Roosevelt und dem Außenministerium als unverschämte Fälschungen verschrieen. Heute werden sie von den meisten anständigen Historikern als echt anerkannt, obwohl diese ihren Wert herabzusetzen versuchen. Ihre Wichtigkeit ist jedoch offensichtlicher, wenn sie in Verbindung mit anderen Dokumenten studiert werden, die sich mit der amerikanischen Außenpolitik der Zeit befassen. Von besonderem Interesse sind die Besprechungen von Biddle, dem amerikanischen Botschafter in Polen, mit dem polnischen Außenminister Oberst Beck und dem General Rydz-Smigly, dem Befehlshaber der polnischen Armee während des Sommers 1939. Diese Besprechungen wurden dem Außenministerium prompt berichtet.

Bevor die Deutschen die Wirksamkeit des Blitzkrieges demonstrierten, wurde von den Alliierten angenommen, daß der kommende Krieg ein Stellungs- und Schützengrabenkrieg werden würde. Von den Polen wurde erwartet, daß sie Wochen oder auch Monate aushalten würden. So finden wir Dokumente, in denen Biddle den polnischen Politikern versichert, daß amerikanische militärische Hilfe ankommen werde, sobald Roosevelt sie durch den Kongreß manövrieren könne. Das war nur ein geringer Trost für die Polen, aber gezwungenermaßen mußten sie gute Miene zum bösen Spiel machen und die Krümel nehmen, die ihnen zufallen würden.

Kurz nach diesen Gesprächen zwischen Biddle und den ranghohen Polen beging Präsident Roosevelt die ultimative Heuchelei, indem er einen Brief an den polnischen Präsidenten Moscicki schrieb, in dem er sich anbot, in diesem Streit mit Deutschland zu vermitteln. Das Bild sieht also folgendermaßen aus: auf der einen Seite werden die Polen angehalten, weiter zu kämpfen, und es wird ihnen militärische Hilfe zugesagt, wenn sie das tun; auf der anderen Seite bietet Roosevelt sich an - mit einem Olivenzweig in der Hand - um zu vermitteln. Man hat die Wahl. Man muß sich erinnern, daß ein großer Teil der Kriegshetze durch Roosevelts Agenten während der späten dreißiger Jahre - besonders in Frankreich und Polen - in verbaler Aufstachelung und Versprechungen von Hilfe und aller möglichen Unterstützungen bestand - einschließlich direkter militärischer Beteiligung. Jedes Regierungsoberhaupt in Europa und besonders in England war sich vollkommen bewußt, daß ein militärisches Eingreifen unweigerlich folgen würde, wenn die Vereinigten Staaten wirtschaftlich und politisch ausreichend tief in den Krieg verwickelt worden waren. Vieles der sich schließlich ergebenden amerikanischen Aktivitäten wurde so nie zu Papier gebracht. Folglich werden sie in den National Archives so niemals als "harte Tatsachen" auftauchen, zum Verdruß aller Historiker.

Bullitt in Frankreich und Biddle in Polen legten ihre plumpen Versprechungen für sofortige Hilfe in einem Kriegsfall nicht auf Papier fest, aber das war der Inhalt ihrer heimlichen Besprechungen. Deren Fazit ist in den Potocki Papieren zu finden. Das ist aber nicht die einzige Quelle. Es gibt Aufzeichnungen und Erinnerungen von Leuten, die zu der Zeit aktiv waren und Mitteilungen, die - obwohl später vernichtet - zwischen den verschiedenen Botschaften im Umlauf waren und die denen, die sie gesehen hatten, in der Erinnerung blieben. Auch wurden alle Einzelheiten nicht immer offiziell numeriert und datiert und an das Außenministerium weitergeleitet. Dort hätten sie nur unter größten Schwierigkeiten entwendet und vernichtet werden können.

Hinzu kommt die Tatsache, daß viel Diplomatie bei diplomatischen Empfängen betrieben wird. Ein Botschafter nimmt sich einen andern Botschafter vor und hinter einem Palmenkübel - und mit einem Glas Champagner in der einen Hand und einer Zigarette in der andern - wird das Schicksal der Welt geregelt - ohne das Wissen der Politiker oder der Wählerschaft, die sie gewählt hat. Solche Kontakte und Verhandlungen pflegte - sagen wir mal - Botschafter Bullitt über Skrambler-Telephon oder durch persönliche Briefe direkt an das Weiße Haus durchzugeben. So gehen sie nie durch die Akten des Außenministeriums und werden offensichtlich auch nie in den Nationalarchiven erscheinen.

Unter solchen Umständen wird es verwunderlich erscheinen, wie ich je viel über diese Ränke und Intrigen erfahren konnte. Es war einfach so, daß die Londoner Botschaft eine Art Umschlaghafen oder Abrechnungsbüro für die diplomatischen Aktivitäten der Vereinigten Staaten war - zumindest auf der europäischen Bühne. So schwamm dort viel Strandgut herum in der Form von Memoranden und Benachrichtigungen zwischen den verschiedenen Dienststellen. Gespräche wurden oft aufgeschnappt, und die gaben einem Einblick in die Einstellungen und Tätigkeiten der Diplomaten. Derartige Gespräche sind zwar ein legitimer Teil der Diplomatie, können aber gewöhnlich nur in persönlichen Erinnerungen gefunden werden und finden selten den Weg in offizielle Aufzeichnungen. Viele Memoranden wurden nur an wenige Beamte des Auswärtigen Dienstes verteilt - mit Anweisung zum Lesen und Vernichten.

Könnte es wohl erwartet werden, daß ein Schriftstück mit der Zusicherung von militärischer Hilfe existiert, welches Roosevelt an Neville Chamberlain aushändigte, bevor jener im März 1939 im Parlament bekannt gab, daß England und Frankreich militärischen Beistand für Polen leisten würden, wenn es angegriffen würde? Solch eine Verpflichtung wurde dem britischen Botschafter in Washington tatsächlich von Roosevelt gegeben und die Bestätigung wurde Botschafter Kennedy in London telefonisch übermittelt. Als nächstes wurde ein Memorandum unter den höheren Beamten des Auswärtigen Amtes herumgereicht, und damit war die Sache abgeschlossen. Die spätere Korrespondenz ist in diesem Punkt eindeutig: es wäre keine französisch-englische Garantie an Polen gegeben worden und somit kein Zweiter Weltkrieg ausgebrochen ohne die vorherige amerikanische Verpflichtung.

Churchill und Roosevelt am 18.1.1943 in Casablanca

Chamberlain und Daladier waren sich voll bewußt, welche Einschränkungen die US-Verfassung dem Präsidenten für den Einsatz des Militärs auferlegte. Die Überredungskünste der Botschafter Biddle und Bullitt waren aber so groß, daß die polnischen und französischen Regierungen fest überzeugt waren, daß Roosevelt tun konnte, was er wollte. Die britische Seite wurde durch direkte Kommunikation zwischen Roosevelt und dem britischen Botschafter bedient.

Sich ausschließlich auf Archivmaterial zu verlassen, ist die wesentliche Achillesverse in der Position, die zwei Historiker eingenommen haben, die über den "Fall Kent" geschrieben haben. Warren Kimball und Bruce Bartlett schrieben in der Herbstausgabe der Diplomatic History im Jahr 1981 einen Artikel, der sich angeblich mit den Vorkriegsverpflichtungen von Roosevelt an Churchill befaßt. Die Vorkriegszeit bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg, nicht den Beginn der Feindseligkeiten im September 1939. Diese zwei Akademiker haben in den Nationalarchiven herumgestochert und sich den Austausch von Depeschen angesehen, die bisher freigegeben worden sind. Sie sind zu der Schlußfolgerung gekommen, daß dort nichts ist, um das es sich lohnt, Lärm zu machen.

Wer aber hat Lärm gemacht? Nicht ich! Dies ist das erste Mal, daß ich zu diesem Thema eine öffentliche Erklärung abgebe. Ich tue das jetzt auch nur, weil die schrecklichen Folgen von Roosevelts Fehlurteilen (wenn sie wirkliche "Irrtümer" waren und nicht gezielte Politik) so offensichtlich sind, daß sogar Eierkopf-Akademiker wie Kimball und Bartlett die Wirklichkeit nicht länger ignorieren können.

Viel zu lange schon sind Akademiker von der Churchill-Roosevelt Korrespondenz hypnotisiert worden und haben alles andere in der diplomatischen Korrespondenz dieser Zeit zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern unbeachtet gelassen. Auch haben sie Aussagen anderer prominenter Personen ignoriert, die Einblick in die Vorgänge hatten. Die Forrestal Diaries wurden vor einigen Jahren veröffentlicht. Die Herausgeber Walter Millis und E.S. Duffield hatten die absolute Freiheit, darüber zu entscheiden, was sie darin aufnehmen und was sie auslassen würden. Niemand wäre klüger gewesen, wenn sie den Satz Neville Chamberlains ausgelassen hätten, den er Joseph Kennedy gegenüber geäußert hatte, der da lautet, »Amerika und das Weltjudentum« hätten England in den Krieg getrieben. Dies ist freilich eine äußerst treffende Aussage, aber sie ist nicht in den numerierten Telegrammen und Depeschen zu finden, die von der Londoner Botschaft nach Washington gingen. Sie befindet sich wahrscheinlich in den privaten Papieren von Joseph Kennedy, wird aber bestimmt nicht ans Tageslicht kommen, solange sich Politiker und Historiker vor den Drohungen der jüdischen Anti-Defamation League (Anti-Verleumdungsliga, ADL) fürchten.

In der Zwischenzeit gebrauche ich den Vorfall, um zu illustrieren, daß sich eine getreue Geschichtsdarstellung nicht allein auf Regierungsakten und Archive stützen kann. Dies zu behaupten käme der Behauptung gleich, daß Regierungen nicht lügen - zumindest demokratische Regierungen nicht. Tatsache ist, daß sie vielleicht nicht so oft und nicht so grob lügen, wie die Bolschewiken; aber auch sie lügen, wenn es ihnen in den Kram paßt. Man braucht nur den Fall der Potocki-Papiere zu betrachten, die ich schon erwähnte. Das Weiße Haus und das Außenministerium erklärten sie zu Fälschungen. Heute sehen sie alle ehrbaren Historiker als echt an.

Was wissen Kimball und Bartlett über die britischen Pläne für die Invasion von Norwegen oder über die Art und Weise, mit welcher die Regierung der Vereinigten Staaten diese Pläne befürwortete, weil etwas getan werden mußte, um die Moral der alliierten Truppen zu erhöhen, deren Untätigkeit eventuell zur Befehlsverweigerung oder sogar Meuterei führen konnte? Der "unechte Krieg" (»Phony War«) lief seit mehr als sechs Monaten. Der britische Plan sah vor, die deutsche Flotte zum Kampf zu stellen. Churchill und andere glaubten, dies am besten zu erreichen, indem sie die Deutschen zu einem Wettlauf um die Invasion von Norwegen herausforderten. Churchill war typisch für jene Führer, die immer noch den vergangenen Krieg ausfechten. Er hatte die feste, fanatische Überzeugung, daß die britische Flotte alle englischen Probleme lösen könne, wenn die Deutschen nur zum Kampf herausgefordert werden könnten. Er irrte in dieser Annahme wie in so vielem anderen.

Der Plan, den die Briten und die Vereinigten Staaten ausbrüteten, sah vor, daß die Briten offensichtliche Vorbereitungen für eine Invasion Norwegens machten, die leicht zu erkennen waren. Der diplomatische Dienst der Vereinigten Staaten würde helfen, diese Nachricht über ganz Europa zu verbreiten, so daß es den Deutschen unter keinen Umständen verborgen bleiben würde. Die Deutschen gingen auf den Köder ein und bereiteten ihre eigene Invasion vor, um Norwegen zu besetzen, bevor die Briten dorthin kamen. Es war ein Seegefecht im Skagerrak, der Meeresenge, die Dänemark und Norwegen voneinander trennt. Eine Anzahl von Schiffen der kleinen deutschen Flotte wurde versenkt, aber nicht genügend, um die Truppen-Transportschiffe zu hindern, ihre Truppen zu landen. Das Land wurde mit nur geringem Widerstand von den Deutschen besetzt.

Die Rolle der Vereinigten Staaten in diesem britischen Fiasko war bestimmt nicht im Einklang mit ihrer Neutralität unter heimischer oder internationaler Definition. Roosevelt hatte aber der amerikanischen Öffentlichkeit schon gesagt, daß von ihr nicht gefordert wurde, »in ihren Gedanken neutral« zu sein. So wähnte sich der diplomatische Dienst vielleicht berechtigt, der Öffentlichkeit um einen Schritt voraus zu sein und sogar in seinen Handlungen unneutral zu sein.

Ich weiß von keinen schriftlichen Anweisungen, die erhalten wurden. Ich meine hierbei direkte Anweisungen vom Außenministerium. Ich sah jedoch persönlich einige der unzähligen Memoranden, die von London aus an verschiedene Leiter von Missionen im europäischen Bereich gingen. Sie gaben spezifische Anweisungen, den britischen Plan für die Invasion Norwegens so weit wie möglich bekannt zu machen, ohne aber Verdacht zu erwecken. Einige dieser Beauftragten, die nicht eingeweiht waren, fragten sogar zurück. Sie konnten nicht verstehen, warum sie britische Pläne, die geheim sein sollten, bekannt machen sollten. Es ist mir nicht bekannt, wie ihre Zweifel beseitigt wurden, aber der Plan war erfolgreich. Vielleicht half zusätzlich das Skrambler-Telephon des Weißen Hauses, den Botschaftern zu sagen, was zu tun sei.

Die Professoren werden sicherlich diese kleine Einzelheit als "undokumentiert" abtun, da sie ein naives Vertrauen haben, daß alles, was das Außenministerium sagt, Tatsache ist. Ihre blinde Zuversicht in die National Archives ist so, als würde man sagen "Wir veröffentlichen nur das, was das Außenministerium uns erlaubt zu veröffentlichen." Dann wundert man sich aber, warum sie über die Presseerklärung vom 2. September 1944 hinaus gegangen sind, die beansprucht, das letzte Wort über den "Fall Kent" zu sein. Diese Presseerklärung ist in Wirklichkeit nichts als ein Mischmasch von Anspielungen, Verleumdungen und Lügen. Sie ist von der Art, als sei sie von der ADL maßgeschneidert worden. Sie könnte von einem ihrer Agenten verfaßt worden sein, der ins Außenministerium "eingeschleust" worden war.

So wird zum Beispiel behauptet, daß die Briten durch meine Bekanntschaft mit Anna Wolkoff, einem Flüchling aus dem bolschewistischen Rußland, auf mich aufmerksam wurden. Nach Angaben der Polizei hatte diese Frau einen Informationsweg nach Deutschland, von dem sie Gebrauch machte. Die Folgerung war klar: Durch Wolkoff sollte ich Informationen nach Deutschland geschickt haben. Zur Zeit der obenerwähnten Pressebekanntmachung des Außenministeriums hatte dieses die Abschrift meiner Gerichtsverhandlung in den Händen, welche 1940 stattgefunden hatte. In dieser Abschrift sagt der Direktor für die Öffentliche Anklage:

»Kent hatte weder Wissen über die Übermittlung [eines gewissen Dokumentes], noch wirft ihm die Anklage vor, daß er in dieser Angelegenheit im Einvernehmen mit seiner Mitangeklagten Anna Wolkoff handelte.«

Aber sogar mit dieser Information in Händen verbreitete das Außenministerium weiterhin die Anspielung, daß ich Kontakte mit Deutschland hatte und einigen sehr vage aufgeführten "Mithelfern", die versuchten, mit Deutschland Verbindung aufzunehmen, mit dem England im Kriegszustand war. Die Engländer klagten mich aber nur an, »Dokumente in meinem Besitz zu haben, die einem Feinde von Nutzen sein könnten« - nicht aber für wissentliche Übersendung von ihnen an eine feindliche Macht. Dies hielt natürlich die amerikanische "freie" Presse nicht davon ab, große Schlagzeilen zu drucken, wie »Er half den Nazis«.

In diesem Zusammenhang habe ich die unter Eid gemachte Aussage eines gewissen Nathan Perlmutter in meinem Besitz. Sie wurde am 6. November 1963 als eidliche Zeugenaussage in einer Verleumdungsklage gemacht, die ich gegen den Miami Herald und die St. Petersburg Times (Florida) angestrengt hatte. Perlmutter hatte Material über mich, welches die ADL diesen Zeitungen geliefert hatte und das den Miami Herald veranlaßte, einen verleumderischen Artikel über mich zu veröffentlichen, was zu der Verleumdungsklage geführt hatte. Perlmutter leistete solch gute Arbeit, daß er jetzt Nationaler Direktor der ADL in ihrem Hauptquartier in New York ist. Zur Zeit meiner Klage war er der Leiter der Florida-Abteilung dieser Organisation.

Die Professoren Kimball und Bartlett haben in ihrem Artikel dargelegt, daß »nichts vorhanden sei«, was Roosevelts Rolle als kriegstreiberischen Verschwörer betrifft. Ich antworte darauf, daß Roosevelt wahrscheinlich der schamloseste Lügner ist, der je im Weißen Haus wohnte und daß seine Lügen dieser Nation Schaden zugefügt haben, der sich wohl nicht mehr reparieren läßt. Es ist verwunderlich genug, daß die sich damals in London aufhaltenden verantwortlichen Leute, wie etwa die britische Spionageabwehr, Scotland Yard und andere, völlig anderer Ansicht waren als Kimball und Bartlett. Andernfalls hätte es wohl nie ein "Fall Kent" gegeben.

Am 8. Juni 1940, ein paar Wochen nach meiner Verhaftung, informierte Botschafter Kennedy das Außenministerium telegraphisch:

»Die zuständigen Behörden informieren mich, daß die Untersuchung des Falles, in den Kent verwickelt ist, mit großer Sorgfalt vor sich geht, und sie hat ein enormes Maß an Arbeit erfordert. Ein endgültiger Beschluß, ob Kent angeklagt werden wird, könnte spätestens innerhalb der nächsten zehn Tage gemacht werden.«

Am 11. Juni informierten diese britischen Behörden Kennedy:

»Diejenigen, die diese Sache untersucht haben, sagen, daß diese Papiere die Existenz einer verräterischen und gefährlichen Verschwörung aufdecken, dem Feind Hilfe zu leisten. Die als Angeklagte beteiligten Personen sind Fräulein Wolkoff, Captain Archibald Ramsey, M.P. (Parlamentsmitglied), seine Ehefrau, Frau Ramsey, Frau Christbel Nicholson (Ehefrau eines Admirals) und Herr Tyler G. Kent. Alle, mit Ausnahme des letztgenannten, sind britische Staatsangehörige. Es ist von größter Dringlichkeit, sogar notwendig, daß ein Angehöriger der Botschaft der Vereinigten Staaten an der Gerichtsverhandlung als Zeuge teilnimmt, um gewisse Aussagen zu machen.«

Die beiden Professoren sollten den folgenden Worten etwas Gewicht beimessen, bevor sie behaupten, daß der "Fall Kent" eine Bagatelle sei:

»Es ist bekannt, daß weder das Außenministerium noch das Auswärtige Amt zur gegenwärtigen Zeit eine öffentliche Diskussion der fraglichen Dokumente in Betracht ziehen. Es wird jedoch angenommen, daß es möglich ist, einige Dokumente aus der Gesamtheit vor Gericht vorzulegen, die die Schuld der Angeklagten genügend beweisen könnten.«

Warum aber die Heimlichtuerei, wenn Kimball und Bartlett recht haben? Warum wurde die Zustimmung von Premierminister Winston Churchill benötigt, bevor die Sache weiter verfolgt werden konnte? Kennedy informierte das Außenministerium am 6. Juli 1940:

»Die britischen Ankläger informieren [Kennedy] weiterhin, daß die Angeklagten der Ansicht sind, daß sie vor Strafverfolgung und Verurteilung sicher sind, weil keine der beteiligten Regierungen es wagen wird, diese Angelegenheiten öffentlich zu diskutieren.«

Was ist es, das sie sich scheuten, öffentlich zu diskutieren? Das ist wirklich der Kern der Sache. Der wirkliche Grund, warum ich in England angeklagt und zu Freiheitsentzug verurteilt wurde, und nicht etwa in den Vereinigten Staaten, ist aus nachstehender Bemerkung ersichtlich, die von den britischen Behörden Joseph Kennedy gegenüber gemacht wurden:

»Die fraglichen Dokumente würden nur hinter geschlossenen Türen in einem geräumten Gerichtssaal vorgelegt werden. Die Presse würde nicht nur angewiesen, ihren Inhalt nicht bekannt zu machen. Kein Vertreter der Presse würde anwesend sein.«

Da haben wir es! Die Briten, wie auch die Bolschewiken, haben immer noch geheime Gerichte - ein Überbleibsel aus mittelalterlichen Zeiten, als sich ein Herrscher im Stillen seiner Feinde entledigen konnte und kein öffentlicher Aufschrei möglich war, da es nicht bekannt wurde, bis es zu spät war, noch etwas zu ändern. Im Jahre 1776 revoltierten die dreizehn Kolonien gegen England aus genau dem Grund - um sich von solchen Femegerichten zu befreien und vielem anderen, das in der britischen Regierungsweise abstoßend ist.

Nichtsdestoweniger war die Regierung der Vereinigten Staaten im Jahre 1940 sehr erfreut, sich dieser Femegerichtsbarkeit gegen einen ihrer eigenen Bürger zu bedienen - zur Vertuschung und Geheimhaltung.

Winston Chruchill 1943 in Quebec, Kanada

Im September 1944 gab das Außenministerium eine lange Pressebekanntmachung über meinen Fall heraus, die das letzte Wort zu dem Thema sein sollte. Sie erfolgte durch ein gewisses Interesse, welches im Abgeordnetenhaus bezüglich meiner Einkerkerung aufgekommen war und zu Fragen an den Außenminister geführt hatte. Ich werde den Teil zitieren, der sich mit den Gründen befaßt, mich den Briten für ein Geheimgericht zu übergeben, da solch eine Aktion unter dem 6. Zusatz zum US-Verfassung verboten ist. Der 6. Zusatz fordert, daß eine »Gerichtsverhandlung baldmöglichst vor sich gehe und öffentlich sei«. Meine Verhandlung war weder das eine noch das andere. Dies ist, was das Außenministerium zu sagen hatte:

"Das Interesse Großbritanniens war vorranging [...] .und all das Beweismaterial, Zeugen usw. standen dem britischen Gericht zur Verfügung.«

Die wirklichen Gründe waren in dem Nachrichtenverkehr zwischen der Botschaft und dem Außenministerium zu finden, der sich in den Wochen nach meiner Verhaftung abspielte. Ich habe schon gezeigt, worum es ging. So dicht waren die Wolken der Geheimhaltung um meinen Fall (im vorrangigen Interesse Großbritanniens), daß die New York Times, als sie den Antrag stellte, die stenographische Niederschrift der Verhandlung einsehen zu dürfen, folgendermaßen von der Londoner Botschaft unterrichtet wurde:

»Die britische Regierung sieht sich nicht in der Lage, eine schriftliche Genehmigung zu geben, um der New York Times Einsicht in eine Kopie des Textes der Verhandlung in unserer Hand oder der eines anderen zu gewähren. Es würde einen Parlamentsbeschluß erfordern und nicht einmal der Innenminister könnte diesen Vorbehalt außer Kraft setzen.«

Solch ein engmaschiges Netz von Geheimnissen, das von der hauptbetroffenen Regierung um einen Vorfall gewoben wird, deren Interessen vorrangig waren (Großbritannien), ist gewöhnlich selbstentlarvend und erreicht auf lange Sicht nur das Gegenteil, da es die Neugierde der Historiker erweckt, die dann die Tatsachen ergründen wollen. Der Fall muß als wirklich außergewöhnlich angesehen werden, da sogar die Zustimmung des Ministerpräsidenten, Winston Churchill, erforderlich war, bevor die Gerichtsverhandlung überhaupt beginnen konnte, und da die Gerichtsakten nicht ohne Zustimmung des Parlaments eingesehen werden konnten.

Jetzt möchte ich auf den Fall Franklin Gowan, des Zweiten Sekretärs der amerikanischen Botschaft in London, zurückkommen. Ich nenne ihn einen Ritter der Tafelrunde, weil er weit über die dienstlichen Forderungen hinaus eine außergewöhnliche Hingabe für die Briten zeigte. Es war nachlässig von ihnen, daß sie ihn als einen ihrer besten Agenten im Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten nicht zumindest zum Ritter schlugen.

Ich habe schon erwähnt, daß er die Polizei begleitete, als sie in meine Wohnung einbrach und mich festnahm. Er erschien später vor Gericht und sagte gegen mich aus, was er enthusiastisch und mit offensichtlicher Freude tat. Am Tage meiner Verhaftung übernahm er es, sich als Tyler Kent auszugeben und die für mich in der Botschaft eingehenden Telefonate anzunehmen. Er übergab dann die Namen und Adressen des jeweiligen Anrufers der Polizei, genauer gesagt Sir Norman Kendall, dem Chef von Scotland Yard. Sir Norman sagte zu Botschafter Kennedy:

»In Fällen wie diesem können wir nichts mit Sicherheit annehmen. Es ist von größter Wichtigkeit, herauszufinden, wer Kents Freunde waren und deren Freunde, wo sie sich trafen und was sie taten. Wir können Botschafter Kennedy nicht genug danken für seine wertvolle Hilfe in dieser Angelegenheit.«

Am gleichen Tag unternahm Sir Galahad-Gowan, was wohl als die bizarrste Tätigkeit in der Geschichte des Auswärtigen Dienstes der Vereinigten Staaten angesehen werden muß. Während des Nachmittages nahm er einen Anruf an von einer gewissen Person, die sagte, daß ich zur Nummer "X" Chesham Straße kommen möchte. Gowan rekrutierte sofort einen Scotland-Yard Polizeidetektiv, und sie gingen zusammen zu der angegebenen Adresse. Dort wurde ihm im Dunkel der Kriegsverdunkelung von einer unbekannten Person eine Notiz ausgehändigt, die besagte, daß Kent zu einem gewissen Restaurant gehen möchte, um einige Leute zu treffen. Gowan gab der Polizei die Notiz und kehrte dann später abends zu der Adresse in der Chesham Straße zurück »um das Haus selbst unter Beobachtung zu halten« und die Zulassungsnummern aller Autos zu notieren, die dort anhielten.

Bevor er die Notiz annahm, hatte Gowan seinen Mantel ausgezogen und dem Polizisten geliehen, um seine Uniform zu verdecken, damit die Person, mit der sie sprachen, nicht alarmiert würde. Hier haben wir das außerordentliche Schauspiel eines Beamten des amerikanischen Auswärtigen Dienstes, der mit der britischen Polizei zusammenarbeitet und sogar für die Verkleidung sorgt, um britischen Bürgern eine Falle zu stellen. Gowan hatte zuvor schon alles getan, was von ihm gefordert wurde, so weit es meine Verhaftung betraf. Nun erweiterte er seine Detektivarbeit auf den möglichen Arrest von Engländern, die er nicht kannte und mit denen er keinerlei Verbindung hatte. Obwohl das vorstehende nur von anekdotischem Interesse ist, zeigt es, wie eng amerikanische und britische Beamte zusammenarbeiteten und in welchem Ausmaß sie bereit waren, während dieser Zusammenarbeit das Gesetz zu ignoriern, und zwar bereits vor Amerikas Eintritt in den Krieg. Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, daß die Dienstordnung des Auswärtigen Dienstes von einem Beamten dieses Dienstes nicht fordert, die schmutzige Arbeit der Polizei eines fremden Landes gegen die Bürger jenes Landes zu verrichten.

Dies muß Sir Galahad-Gowans "schönste Stunde" gewesen sein. Diese glatzköpfige Nichtigkeit von einem Zweiten Sekretär mit einem Bäuchlein genoß dies bis zum letzten Tropfen, und er wird zweifellos seine Enkel damit unterhalten, wie er eigenhändig während des Krieges in London ein gefährliches Spionagenetz aufdeckte.

Dieses angebliche Spionagenetz, dem ich angehört haben soll, wurde von einem Captain Archibald Ramsey, einem Parlamentsmitglied, geleitet. Ramsey wurde später sogar von dem Staatsanwalt selbst, Generalstaatsanwalt Sir William Jowitt, als ehrenvoller Mann bezeichnet, der nichts tun würde, um seinem Land zu schaden. Das schützte Ramsey nicht vor einer langen Internierung während des Krieges, obwohl er nie für ein Vergehen schuldig befunden wurde.

Diese Tatsachen sind öffentliches Wissen. Sie hielten aber die New York Times nicht davon ab, in den Vereinigten Staaten und in England verleumderische Darlegungen zu machen, daß ich gewisse wichtige Verteidigungsinformationen besorgt hätte, die Ramsey dann zwecks Übersendung nach Deutschland zu der deutschen Botschaft in Dublin brachte. Ramsey verklagte die New York Times wegen Verleumdung, und es war ihm ein Leichtes zu beweisen, daß er England während der fraglichen Zeit nie verlassen hatte und schon gar nicht eine deutsche Botschaft in Dublin oder sonstwo besucht hatte. Er gewann den Prozeß. Beide, die New York Times und der Verfasser des Artikels, ein gewisser Raymond Daniels, wurden als Lügner entlarvt.

Als die Ramsey-Klage vor Gericht kam, hatte ich schon in einer Zelle in dem fast mittelalterlichen Wandsworth-Gefängnis in London dahingeschmachtet und war in einen Hungerstreik getreten, was mich in die Krankenabteilung des Gefängnisses brachte. Eines Morgens wurde mir gesagt, daß mich einige Rechtsanwälte zu sehen wünschten. In der Annahme, daß sie meine eigenen Anwälte waren, stimmte ich zu, sie zu sehen. Es zeigte sich, daß sie das Londoner Büro der New York Times vertraten und meine Hilfe in der Verteidigung der Zeitung gegen Ramseys Klage wollten. Sie zeigten mir den Zeitungsartikel und ich sah sofort, daß es ein Lügengespinnst war. Ich sagte ihnen das und warf sie hinaus. Später erfuhr ich, daß der Artikel von Oberst William Donovan veranlaßt worden war. Donovan wurde später auf Vorschlag von Frank Knox, dem Marineminister, Leiter des Office of Strategic Services (OSS, Büro für Strategische Dienste). Knox war ein ehemaliges Mitglied der Republikanischen Partei, der zu den Demokraten (Sozialisten) übergewechselt war. Da man mir als Verurteiltem meine bürgerlichen Rechte entzogen hatte, konnte ich in dieser Angelegenheit keine Klage anstrengen. Seither hat die New York Times aber geflissentlich vermieden, den "Fall Kent" zu erwähnen.

Die Korrespondenz der Botschaft machte es vollauf offensichtlich, daß nach dem Norwegen-Fiasko und nach der Niederlage bei Dünkirchen, bei der die britische Armee um ihr Leben lief und ihre Waffen dem Feinde überließ, die Situation wirklich verzweifelt war. Die Briten wußten, wie die Lage war, und machten das Roosevelt klar. Sie wußten, daß sie ohne direkte amerikanische militärische Beteiligung erledigt waren. All das pompöse Gerede von »gebt uns die Werkzeuge und wir werden die Arbeit zu Ende führen« war nichts als Churchill-Bluff, und die Briten wußten es. Aber es gab Roosevelt die Propaganda-Waffe in die Hand, die ihm ermöglichte, den Kongreß zu bewegen, für das Leih-und-Pacht-Gesetz (»Lend-Lease«) zu stimmen. Dieses machte die Vereinigten Staaten - unter Bruch internationalen Rechts und unserer eigenen Neutralitätsstatuten - zur "Waffenkammer der Demokratie".

Nach dem Norwegen Fiasko wurde Winston Churchill Premierminister. Er erreichte dies hauptsächlich, weil er sich seiner "amerikanischen Verbindungen" rühmen konnte und die Mächte hinter den Kulissen überzeugen konnte, daß er am besten fähig war, Amerika in den Krieg zu bringen. Die Korrespondenz der Botschaft läßt keinerlei Zweifel, daß die Politik der Briten nach Dünkirchen darin bestand, um jeden Preis durchzuhalten, bis Roosevelt Amerika in den Krieg bringen konnte.[2] Der tat sein bestes im Atlantik, doch Hitler biß auf den Köder nicht an. Die Briten mußten gezwungenermaßen warten, bis Roosevelt die USA durch die Hintertür von Pearl Harbor hineinbrachte.

Bei verschiedenen Gelegenheiten finden wir, daß Churchill Roosevelt mit britischer Kapitulation oder zumindest einem Kompromiß mit den Deutschen bedrohte, wenn Amerika nicht bald zur Hilfe kommen würde. Diese Nachrichten stehen in scharfem Gegensatz zu jenem öffentlichen Churchill in seiner Arbeitskombination, mit Zigarre im Mundwinkel, und krähend: »Wir werden nie kapitulieren! Wir werden sie am Strand bekämpfen! Wir werden sie in den Straßen bekämpfen!« und so weiter. All das war für die öffentliche Moral bestimmt, und man muß zugestehen, daß er ein guter Schauspieler war. Vielleicht bekam er Schauspielunterricht von seinem jüdischen Schwiegersohn Vic Oliver, der ein Vaudeville Komiker war.

Die Briten hatten die Rolle nicht vergessen, die das Versenken der Lusitania gespielt hatte, um die Vereinigten Staaten in den vorherigen Krieg zu bekommen. Wir kennen heute die Tatsachen aus britischen Quellen. Ein gut erforschtes Buch mit dem Titel Die Lusitania, das vor ein paar Jahren in England veröffentlicht wurde, sagt, daß das Schiff mit seinen amerikanischen Passagieren vorsätzlich von den britischen Behörden in die Tiefe gesandt wurde. Es war ihnen bekannt, daß ein deutsches Unterseeboot vor der Südküste Irlands für das Schiff auf der Lauer lag. Vorsätzlich unterließen sie es, den Kapitän der Lusitania darüber zu informieren. Das Wrack der Lusitania liegt in verhältnismäßig flachem Wasser und Taucher haben es inspiziert. Es hat gezeigt, daß die Laderäume gesetzwidrig mit Kriegsmaterial gefüllt und auf den Decks Verteidigungswaffen installiert waren. Das machte es zu einem Kriegsschiff und einem erlaubten Ziel für deutsche U-Boote. Im Wissen des psychologischen Effektes, den das Versenken der Lusitania auf die öffentliche Meinung in Amerika gehabt hatte, und wie der Tod von US-Bürgern so sehr dazu beigetragen hatte, den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg zu beschleunigen, verloren die Briten keine Zeit, einen ähnlichen Vorfall schon frühzeitig im Zweiten Weltkrieg zu planen. Dies war das Versenken des Passagierschiffes Athenia am 4. September 1939, als der Krieg erst vierundzwanzig Stunden alt war. Dreißig Amerikaner verloren ihr Leben, doch waren die Anti-Kriegsgefühle zu der Zeit noch so stark, daß diese Finte ihren Zweck verfehlte. Die Öffentlichkeit zuckte mehr oder weniger die Schultern und sagte im Prinzip:

Die "großen Drei" am 29.11.1943 in Tehrean

»Bleibt aus der Kriegszone, wenn ihr nicht verletzt werden wollt!«

Zu der Zeit erweckte ein sehr seltsamer Schriftwechsel meine Aufmerksamkeit. Er kam aus dem Büro des Marine-Attachés, einem Captain Kirk. Durch eingehendes Befragen war es ihm gelungen, daß die Briten ihm gegenüber zugaben, daß die Athenia auf ihren eigenen Befehl versenkt worden sei. Nicht etwa, daß sie durch ein Torpedo eines britischen U-Bootes versenkt wurde. Dies sei vielmehr durch eins von zwei polnischen U-Booten ausgeführt worden, die den Deutschen entkommen waren. Sie waren nach England gekommen und befanden sich unter dem Kommando der britischen Admiralität. Es ist wahr, daß ein deutscher U-Boot-Kommandant durch Folter und Bedrohung gezwungen wurde, vor den Nürnberger Gerichten zu gestehen, daß er die Athenia versenkt habe. Solch ein Geständnis ist jedoch nicht glaubwürdiger als all die anderen Geständnisse, die auf diese Weise erpreßt wurden.

Inzwischen sollte es dem Leser offensichtlich sein, daß der Schleier, in den mein Fall gehüllt wurde, für lange Zeit wirklich undurchdringlich war. Waren die "Kent Dokumente" von militärisch wichtiger Natur? Enthielten sie Angaben über Truppen oder Waffen? Die Antwort auf die Frage wird von Richter Tucker gegeben. Richter Tucker sagte in seiner Urteilsbegründung:

»Ich ziehe in Betracht, daß die Dokumente sich nicht auf militärische Angelegenheiten beziehen.«

Wenn aber nicht militärische Angelegenheiten, was dann? Offensichtlich verblieben dann nur politische Angelegenheiten. Diese mußten dann aber so heikel sein, daß die Engländer zu Kennedy sagten, eine öffentliche Diskussion der fraglichen Dokumente müsse unterbleiben. Was war dann ihre Natur, wenn sie meine Verurteilung und Einkerkerung rechtfertigten? Die Vereinigten Staaten befanden sich zu der Zeit nicht im Kriegszustand. Die Bevölkerung des Landes befürwortete überwiegend die Neutralität. Dies war wirklich die große Enttäuschung, die Roosevelt hinzunehmen hatte. Sein ganzes Leben lang war er ein tollwütiger Anglophile gewesen. Schon 1915, als er Stellvertretender Marinesekretär war, brachte er in seiner Privatkorrespondenz zum Ausdruck, daß er gewillt war, die Neutralität zu brechen. Seine beschränkte Zuständigkeit zwang ihn damals, seine Sympathien im Zaum zu halten, die vollkommen probritisch waren. Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der diplomatischen Aktivitäten der Vereinigten Staaten während der unmittelbaren Vorkriegszeit des Zweiten Weltkrieges. Hierin und in einer gewissen Geisteskrankheit, die die gesamte englischsprachige Welt befallen zu haben schien. Ich gebe dieser Krankheit den Namen "Fabianismus". Ihre Symptome bestehen aus einer vollkommenen Unfähigkeit, die wirkliche Natur des Marxismus und die Ziele, Zwecke und Methoden marxistischer Länder zu verstehen. Damals war damit die Sowjetunion gemeint.

Die "Fabian Society" wurde 1884 in England gegründet, und zwar hauptsächlich von Sidney und Beatrice Webb und George Bernard Shaw. Es war eine Gruppe Intellektueller, deren erklärtes Ziel es war, die Übel der britischen industriellen Gesellschaft wie Kinderarbeit, Sklavenlöhne für Frauen und schlechte Lebensbedingungen im allgemeinen zu korrigieren. Dies alles sind hehre Ziele. Diese hochherzigen Reformatoren verloren jedoch vollkommen ihren Verstand, als die russische Revolution 1917 ausbrach. Sie machten vollkommene Tölpel aus sich selbst vor aller Welt, als sie dieses blutige, jüdisch-ausgebrütete und -geführte Regime als Vorbild der Humanität hochpriesen. Es war das charakteristische Versagen aller Intellektueller überall in der Welt und auf allen Gebieten, hauptsächlich aber im sozialpolitischen Bereich. Intellektuelle verlassen sich auf das gedruckte Wort und lehnen Schlußfolgerungen des gesunden Menschenverstandes ab, die auf Beobachtung der Tatsachen gründen.

Die Webbs schrieben einen gewichtigen Wälzer Soviet Russia: A New Civilization. Angesichts der Zeit, die zur Zusammenstellung dieses Buches aufgewandt wurde, war das Buch schlechter noch als nutzlos, um das bolschewistische Rußland zu verstehen. Die Webbs sammelten Millionen von Worten aus offiziellen sowjetischen Berichten, Gesetzen und der Verfassung von 1936 (»die demokratischste der Welt«) und übergaben dies der Öffentlichkeit als die endgültige Bewertung Rußlands. Jemand, der wie ich auch nur für kurze Zeit im "Arbeiterparadies" gelebt hatte, wußte, daß Gesetze und Verfassungen dort nichts bedeuteten, wenn es darum ging, die Menschenrechte zu schützen. Es war und ist von einer Machtelite regiert, die außerhalb und über dem Gesetz steht, genau wie der Vorgänger auch, das zaristische Regime. Sie tun, was sie wollen, ohne sich darum zu kümmern, was das Gesetz sagt. Sogar jetzt, nachdem die Wahrheit über Rußland durch Alexander Solschenitzyn und andere weithin über die Welt bekannt geworden ist, gibt es immer noch viele Akademiker in den USA, die den jungen und verwundbaren Menschen die marxistischen Dogmen predigen. Die Harvard Universität ist eine Brutstätte für solche Lehren. Verliebte sich Roosevelt in Harvard den Fabianismus? Immerhin sagte er zum Kongreßabgeordneten Martin Dies:

»An den Kommunisten in diesem Land ist nichts auszusetzen. Mehrere von meinen Freunden sind Kommunisten. Ich sehe Kommunisten weder als gegenwärtige noch zukünftige Bedrohung für unser Land an. Es ist eine Tatsache, daß ich Rußland als unseren stärksten Verbündeten für die kommenden Jahre betrachte.«

Zu Kardinal Spellman sagte er das gleiche, wie in der Biographie des Kirchenfürsten verzeichnet ist. Dieser unverwässerte Fabianismus ist der Schlüssel zu Roosevelts Mentalität und erklärt seine Fehler in unseren auswärtigen Beziehungen. Das erklärt auch unsere Erbschaft, mit der wir nun belastet sind [der damals noch andauernde Kalte Krieg, Anm. d. Red.].

Amerikaner sind pragmatisch, zumindest sehen sie sich gern selbst so. Das bedeutet, daß sie es vorziehen, die Welt mit einem praktischen Auge anzusehen, anstatt sie durch die getönte Brille einer Ideologie zu betrachten. Die meisten Leser werden schon vom Council on Foreign Relations (CFR) gehört haben. Er handelt sich dabei um eine nicht-offizielle, halb-geheime Organisation, in deren Mitgliedslisten Leute zu finden sind, die sich auf den Gebieten Schulwesen, Finanz, Nachrichtendienst, Politik usw. hervorgetan haben. Der Zweck dieses Vereins besteht darin, eine Außenpolitik zu entwickeln und sie der Regierung als Vorschlag zu unterbreiten. Zu diesem Zweck ist es ihm möglich, viele seiner Mitglieder in verantwortlichen Posten in der Regierung unterzubringen. Kann es bezüglich Amerikas Einstellung zum europäischen Krieg des Jahres 1939 eine bessere Quelle geben als eine Äußerung des CFR? Der CFR hatte damals zum europäischen Konflikt folgendes zu sagen:

»Das deutsche strategische Ziel in diesem Krieg ist, die Macht der britischen Seestreitkräfte zu zerstören. Um Verbindung mit ihren Kolonien aufrecht zu erhalten, ihre Lebensmittelbelieferung zu sichern und sich selbst davor zu bewahren, eine sprichwörtlich drittrangige Macht zu werden, muß England die Überlegenheit seiner Flotte erhalten.

Die Existenz Nazi-Deutschlands mit seiner Macht, seinem Ehrgeiz und seiner Triebkraft ist der grundlegende Faktor der auswärtigen Beziehungen der Vereinigten Staaten. Gegen Deutschland muß die Verteidigung unseres Landes erweitert werden; gegen es muß seine Diplomatie gewandt werden; gegen es müssen Freunde gewonnen und gehalten werden. Und die Einigkeit der Vereinigten Staaten muß wiederhergestellt werden, um die Möglichkeit eines deutschen Erfolges auf dem europäischen Kontinent zu vereiteln.«

Diese Worte wurden 1938 und 1939 geschrieben. Es hätte nicht klarer ausgedrückt werden können. Diese in Friedenszeit gesprochenen Worte wurden nicht von einem drittrangigen Journalisten gemacht. Sie kamen von der Regierung hinter der Regierung, also den Leuten, die den Krieg planen und (wenn auch in leicht verschleierter Sprache) dazu aufrufen und ihn herbeiführen. Komme was mag, sagt der CFR, ein deutscher Sieg kann nicht geduldet werden. Zuerst muß die Diplomtie dagegen angewandt werden - was ich selbst erlebte. Die drastische Verhaltungsweise der Behörden im "Fall Kent" wird im Licht dieser CFR-Verkündungen leichter verständlich. Nicht einmal jetzt aber - nach 43 Jahren - ist der Schleier der Geheimhaltung vollkommen entfernt. Welches Element von nationaler Sicherheit benötigte solch drastischen Schutz? Zweifellos nichts weiter als das persönlichen Ansehen einiger der Führer.

Ich habe schon zuvor von dem Vermächtnis des Franklin Delano Roosevelt gesprochen. In Wirklichkeit waren es mehrere. Eines ist das Vermächtnis der inflationären Wirtschaftsphilosophie von Keynes - ein langes Thema, das eine getrennte Studie verdient. Ich beschäftige mich hier mit dem Vermächtnis der Außenpolitik und deren Durchführung. Auf dem Gebiet kann ich behaupten, ein kleines, aber spezielles Wissen zu besitzen.

England und Frankreich erklärten am 3. September 1939 Deutschland den Krieg. Es wurde vorgegeben, daß dies als Einlösung eines Versprechens an Polen geschehe; der wirkliche Grund war, daß das gefährdete Gleichgewicht der Mächte in Europa und die Vorherrschaft der britischen Flotte im Atlantik erzwungen werde sollte. Dem CFR zufolge beschützte diese Flotte auch Amerika. Der CFR erklärte 1939 öffentlich, daß »es unter keinen Umständen zugelassen werden könne, daß Deutschland den Krieg gewinnt«. Als Teil dieser CFR-Garantie erdachte Roosevelt das Lend-Lease-Programm, welches seit vielen Monaten Diskussionsthema zwischen Roosevelt und Churchill in ihrem privaten Briefwechsel gewesen war. Roosevelt machte wiederholt klar, daß er Zeit benötige, um die Einwände des US-Kongresses zu überkommen. Churchill bestand darauf, daß England in die Knie gezwungen würde, wenn nicht bald etwas geschehe.

Es ist eine der größten Mysterien der Zeit, wie Roosevelt es fertig brachte, der britischen Flotte fünfzig Zerstörer zu überreichen, ohne dafür belangt zu werden. Aber er schaffte es. Dies war sein offenster Bruch der Neutralität während der Vorkriegszeit. Dies war ebenso seit Monaten zwischen ihm und Churchill erörtert worden. Verschiedene Täuschungsmanöver wurden von dem einen oder anderen vorgeschlagen, aber als unpraktisch verworfen. Das Hauptaugenmerk lag zu jener Zeit auf der Frage, wie der Kongress und die Neutralitätsgesetze umgangen werden könnten. Letzten Endes wurde der Kongress eingeschüchtert und beschwatzt, dem Lend-Lease Programm beizustimmen, was die Weggabe von Milliarden von Dollar amerikanischen Vermögens bedeutete. Das Zerstörer-Geschäft allerdings ging ohne jede Beteiligung des Kongresses über die Bühne, und damit landete der Rechtsstaat im Mülleimer.

Bis zu diesem Punkt war die langsame Arbeit der Diplomaten seit Monaten oder gar Jahren vor sich gegangen, um unter Versprechungen von Hilfsleistungen Bündnisse zu schmieden. Diese jedoch kamen schließlich nicht zeitig genug, um jenen, denen sie versprochen worden waren - Polen, Frankreich und England - von Nutzen zu sein.

Niemand in verantwortlicher Stellung in unserem Land hatte die schnelle militärische Niederlage Frankreichs und Englands vorausgesehen. Dünkirchen änderte das gesamte Bild. Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte einen netten, gemütlichen Stellungskrieg erwartet, in dem die britische Flotte Deutschland allmählich zu Tode blockiert. Daher Lend-Lease und das Zerstörer-Geschäft. Dies waren die Werkzeuge, mit denen die Engländer - in Churchills Worten - »den Job zu Ende bringen würden«. Die Verluste der britischen Armee in Dünkirchen verursachten tatsächlich eine Panik im englisch-amerikanischen Lager. Das Unglaubliche war geschehen. Deutschland hatte den Krieg in Europa gewonnen - etwas, von dem der CFR gesagt hatte, daß es niemals zugelassen werden dürfe.

Innerhalb weniger Tage nach der britischen Niederlage in Dünkirchen wurde ich verhaftet und blieb bis November 1945 eingekerkert. Der Eindruck wurde übermittelt, daß ich und meine Freunde in gewissem Maß für den Zusammenbruch in Dünkirchen verantwortlich seien. Im Rückblick erscheint es nun, als ob diese drastische Aktion gegen mich, Captain Ramsey und mehrere andere hauptsächlich aus Propagandagründen unternommen wurden. Die Engländer hatten eine der größten Niederlagen ihrer Geschichte erlebt und ihre Truppen humpelten über den Kanal zurück, ohne auch nur ihre Gewehre retten zu können. Unter solchen Umständen ist es hilfreich für die Moral der Heimatfront, solch ein Mißgeschick den Machenschaften einer "fünften Kolonne" in die Schuhe zu schieben. Die stoischen Engländer können bisweilen recht hysterisch werden, und damals hatten sie gute Veranlassung dazu.

Später, als die Hysterie sich etwas gelegt hatte, wurde Captain Ramsey aus der Haft entlassen. Ich aber blieb eingekerkert bis zum bitteren Ende und darüber hinaus. Der Generalstaatsanwalt, der die Anklage gegen Ramsey vertrat, sagte (wie schon erwähnt), daß Ramsey ein ehrenwerter Mann sei, der niemals etwas vorsätzlich unternommen haben würde, was seinem Land schaden könne. Da Captain Ramsey 1940 mein Hauptkontakt in London war, dürfte ein unparteiischer Beobachter daraus schließen, daß auch meine Motive ehrbar waren.

Einige Leute haben die berechtigte Frage gestellt: Warum habe ich die Dokumente Engländern gezeigt, wenn mein Motiv war, die Vereinigten Staaten aus dem Krieg zu halten? Die Antwort ist einfach. Es war Ramsey und den Mitgliedern seines "Rechts-Klubs" bekannt, daß die Hauptkriegstreiber in England die Churchill-Eden-Duff-Cooper-Vansittart-Bande war. Es war unser gemeinsamer Plan, auf unsere amateurhafte Weise, Churchills Stellung im Parlament durch die Verwendung einiger der amerikanischen Dokumente in meinen Händen zu unterminieren. Dies hofften wir, durch die Mithilfe von Captain Ramsey zu erreichen, der immerhin Parlamentsmitglied war. Es war uns allen bewußt, daß die westlichen Demokratien nicht als Gewinner aus diesem Krieg hervorgehen konnten. Der einzige wirkliche Gewinner würde das bolschewistische Rußland sein. Das britische Weltreich würde nicht länger bestehen und England würde zu einer drittrangigen Macht herabsinken - was ja tatsächlich auch so gekommen ist.

Die "großen Drei" am 9.2.1945 in Yalta

Ich war außerdem überzeugt, daß die Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten verhundertfacht werden würde. Unverständlicherweise schien unser großer Führer Roosevelt das nicht sehen zu können. Aber ein kleiner Angestellter des Auswärtigen Dienstes sah das; wie Kassandra prophezeite er, das ihm nicht geglaubt werden würde. Amerikaner ziehen harte Tatsachen Theorien vor. Hier ist eine harte Tatsache:

1939 stand der Verteidigungs-Etat der Vereinigten Staaten wenig über einer Milliarde Dollar. Der Etat von 1983 sieht für Verteidigungsausgaben 221,1 Milliarden Dollar vor. Wenn wir die letzte Zahl halbieren, um die Inflation zu berücksichtigen, haben wir heute hundertmal so hohe Ausgaben wie vor dem Zweiten Weltkrieg.[3] Da wir annehmen müssen, daß die Vereinigten Staaten keinen größeren Krieg gegen irgendeine Macht planen, muß diese Summe von 221 Milliarden Dollar vorgesehen sein, uns gegen den einzigen einleuchtenden auswärtigen Feind - Sowjet-Rußland - zu verteidigen. Durch die Forderung der vollkommenen Zerstörung Deutschlands und »bedingungslosen Kapitulation« machte Roosevelt Sowjetrußland zu einer Weltmacht ohne jegliches Gegengewicht im europäisch-asiatischen Herzland. Aber er hatte zuvor gesagt, daß an den Kommunisten oder am Kommunismus nichts auszusetzen sei und daß Rußland unser natürlicher Verbündeter sei. War das vorsätzlich oder war es nur ein kolossales Fehlurteil? Die meisten Leute würden annehmen, daß ein Mann, der im Weißen Haus sitzt, zu Irrtümern von diesem Ausmaß weder berechtigt ist noch die Erlaubnis hat, die Sicherheit seiner Nation aufs Spiel zu setzen. Gewöhnliche Sterbliche können auf Unwissenheit plädieren. Der Präsident aber hat rund um die Uhr Zugriff auf allerlei Informationen über die Weltsituation. Er kann nicht glaubhaft plädieren, daß er nichts wußte - daß ihn niemand informierte.

Wie kommt es aber, daß meine Freunde und ich in den ereignisvollen Monaten des Jahres 1940 wußten, was vor sich ging? Die Geschichtswissenschaft wird diese Frage beantworten, nicht ich.

Heute sieht die regierende Elite dieses Landes ein, daß keines der hochgepriesenen Kriegsziele erreicht wurde. Aus diesem Grunde werden sie auch erst gar nicht diskutiert. Statt dessen gibt es ein dauerndes Loben unseres "moralischen Triumphs", den wir angeblich erreicht haben. Daher die unablässigen Faseleien über vermeintliche Nazi-Grausamkeiten, über die Belsens und Dachaus, die Buchenwalds und Auschwitze - vor allem den "Holocaust". Dies sind alles vorsätzliche Täuschungsmanöver - rote Tücher, die man uns vor die Nase hält, um uns von den Tatsachen abzulenken.

Diese Tatsachen sind, daß die USA in dauernder tödlicher Gefahr durch die überwältigende Macht Sowjetrußlands sind. Dies ist das Frankenstein-Ungeheuer, das von Roosevelt geschaffen und auf die Welt losgelassen wurde. Wir müssen mit diesem Vermächtnis Roosevelts jeden Tag leben. Ein sowjetischer Stützpunkt nur 145 km von der US-Küste entfernt ist nur eine der negativen strategischen Tatsachen, mit denen wir uns abfinden müssen. Jede mögliche moralische Basis für den Zweiten Weltkrieg wurde vollkommen zerstört, als wir uns mit Sowjetrußland verbündeten, von dem mit Recht gesagt werden kann, daß es nie ein ruchloseres Regime in modernen Zeiten gegeben hat.

Wenn das Vorhandensein von Konzentrationslagern innerhalb eines Landes eine gesunde Basis bedeutet, um gegen das Land in den Krieg zu ziehen, hätten wir seit etwa 1922 gegen Sowjetrußland im Krieg sein müssen und mit England seit der Jahrhundertwende, denn es waren die Briten, die sie zuerst während des Burenkrieges gebrauchten. Sie internierten Tausende von Zivilisten, viele von ihnen Frauen und Kinder, die wegen der schlechten sanitären Zustände in den Lagern in großen Massen umkamen.

Der Betrug des zwanzigsten Jahrhunderts, wie es der Titel von Dr. Butz' Buch andeutet, ist die Nebelwand, die das vollkommene Mißlingen der gelobten Kriegsziele Roosevelts, Churchills und der CFR verbergen soll. Und sie gibt dem zionistische Establishment heute freie Hand, um Völkermord im Nahen Osten zu betreiben und jede Person in unserem Land zu besudeln, die es wagt, dieses Dogma zu hinterfragen oder die wirklichen Resultate des Zweiten Weltkrieges aufzuzeigen. Das US-Establishment ist durch sein politisches Versagen dermaßen desavouiert, daß es die jüdischen Publizisten und Nachrichtendienste benötigt, um jeden zu zerstören, der die Verwegenheit besitzt, unangenehme Fragen zu stellen.

Es drängt sich uns die schreckliche Perspektive auf, sagen zu müssen: "Vielleicht haben wir uns geirrt." Und dies fordert ein weiteres Geständnis heraus: "Vielleicht hatte Hitler recht". Solche Geständnisse butterten aber keinen Kohl in der harschen Nachkriegszeit. Sie wurden unter den neuen, von den Vereinigten Staaten und ihren sowjetischen Alliierten ausgeheckten ex-post-facto "Gesetzen" nicht als Entschuldigung akzeptiert. Und die neue, wirkliche Verfassung der Nationen erfordert nur eine ganz einfache Klausel: "Es lohnt sich, auf der Seite der Sieger zu stehen."


Bibliographie

Anmerkungen

Mit freundlicher Genehmigung des IHR entnommen dem Journal of Historical Review, 4(2) (1983), S. 173-203; übersetzt von Hans H. Rummel.

[1]Die von Amerika in Form von Patenten und "Wissenschaftlern" gemachte Beute in Deutschland, sowie die Zerstörung des größten Wirtschaftsrivalen (Deutschland) und die völlige Verkrüppelung des zweitgrößten (England) läßt dies allerdings in anderem Licht erscheinen. Anmerkung der Redaktion.
[2]Das zweite Gleis britischer Außenpolitik bestand freilich darin, Stalin mit allen Mitteln dazu zu überreden, gegen Deutschland eine zweite Front zu eröffnen, Anm. d. Redaktion.
[3]Die Inflationsrate seit 1939 dürfte wohl eher im Bereich um den Faktor zehn stehen, Anm. d. Redaktion.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(1) (2001), S. 40-53.


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