Der Holocaust begann anno 1648

Von Lubomyr Prytulak

Das Klischee des ewig verfolgten unschuldigen Juden und des abgrundtief bösen, voraussetzungslosen Antisemiten durchzieht die jüdische Literatur wie ein roter Faden. Es wurde nicht erst anläßlich der nationalsozialistischen Judenverfolgung während des Zweiten Weltkrieges erfunden. Der nachfolgende Beitrag beleuchtet ein Beispiel aus der jüdischen Literatur aus der Zeit der ukrainischen Aufstände im Jahr 1648, als neben vielen Ukrainern und Polen auch Juden Opfer der dortigen Bauernunruhen wurden. Wie Lubomyr Prytulak zeigt, blendet die jüdische Aufarbeitung dieses Vorfalles jedoch die jüdischen Verfehlungen aus, simplifiziert und dämonisiert diejenigen Ukrainer, die zu Tätern an Juden wurden, verdrängt, daß auch Juden Täter waren, überhöht die jüdischen Opferzahlen, verschweigt die Opfer anderer Gruppen, erfindet Greuelmärchen, versucht damit nicht nur das Mitleid anderer zu erwecken, sondern zudem auch noch Geld zu machen, und bezeichnet diesen damaligen angeblichen versuchten Völkermord der Ukrainer an den Juden als einen "Holocaust", als einen Präzedenzfall für das, was sich dann später zwischen 1941 und 1945 abgespielt haben soll.


Sollte auch jüdische Haßliteratur unterdrückt werden?

Oft hört man die Aufrufe, die anscheinend vorwiegend aus jüdischen Quellen stammen, die die Unterdrückung von Haßliteratur fordern, vor allem im Internet. Diese Aufrufe geben jedoch niemals zu, daß es auch jüdische Hetzschriften gibt, und schließen daher niemals jüdische Hetzschriften in die Kategorie ein, die unterdrückt werden sollte. Und doch existiert diese jüdische Haßliteratur, und sie ist leider keine Seltenheit. Sie ergießt sich über die Köpfe ihrer Opfer, vor allem auch ukrainische Köpfe, und wird vom Umfang her kaum übertroffen von der Haßliteratur irgend einer anderen Gruppe in der westlichen Gesellschaft.

Eine Definition von Haßliteratur

Damit eine Schrift als Haßliteratur eingestuft werden kann, muß sie

  1. eine Gruppe herabsetzen,
  2. täuschen.

Herabwürdigung ist ein besseres Kriterium als Emotion. Ob eine Schrift wirklich Haß hervorruft, sollte bei der Definition von Haßliteratur eine zweitrangige Rolle spielen. Betrachten Sie diese fünf Beispiele:

1. EINDRUCK VON ARROGANZ KANN VERÄRGERUNG STATT HASS ERWECKEN

Leser einer Schrift können irrtümlich zur Auffassung kommen, daß Angehörige der Zielgruppe arrogant und widerwärtig seien. Wenn es stimmt, daß die Mitglieder der Zielgruppe im allgemeinen arrogant und widerwärtig sind, dann drückt die Schrift nichts Anderes aus als eine soziologische Tatsache; wenn es wissentlich falsch ist, dann wäre die Schrift Haßliteratur, selbst wenn das in Bezug auf die Zielgruppe hervorgerufene Gefühl eher Verärgerung als Haß wäre.

2. EINDRUCK VON INTELLIGENZMANGEL KANN MITLEID STATT HASS HERVORRUFEN

Leser einer Schrift können irrtümlich zur Auffassung kommen, daß Angehörige der Zielgruppe dumm sind. Wenn es stimmt, daß die Mitglieder der Zielgruppe im allgemeinen dumm sind, dann drückt die Schrift nichts Anderes aus als eine soziologische Tatsache. Wenn es jedoch wissentlich falsch ist, dann wäre die Schrift Haßliteratur, selbst wenn das in Bezug auf die Zielgruppe hervorgerufene Gefühl eher Mitleid als Haß wäre.

3. EINDRUCK VON SADISMUS KANN FURCHT STATT HASS ERREGEN

Leser einer Schrift können irrtümlich zur Auffassung kommen, daß Angehörige der Zielgruppe gewalttätig und sadistisch sind. Sofern das wahr ist, wäre das nichts Anderes als eine soziologische Tatsache. Wenn es wissentlich falsch ist, dann wäre die Schrift Haßliteratur, selbst wenn das in Bezug auf die Zielgruppe hervorgerufene Gefühl eher Furcht als Haß wäre.

4. EINDRUCK VON LÄCHERLICHKEIT KANN SPOTT STATT HASS ERREGEN

Leser einer Schrift können eine Zielgruppe auslachen. Wenn das Gelächter durch eine wissentlich falsche Eigenschaft der Gruppe hervorgerufen wurde, dann wäre es Haßliteratur, selbst wenn das gegenüber der Gruppe hervorgerufene Gefühl eher Lächerlichkeit als Haß wäre.

5. EINDRUCK VON TUGEND ODER LEISTUNG KANN HASS STATT BEWUNDERUNG HERVORRUFEN

Selbst wenn eine Zielgruppe nicht erniedrigt oder verunglimpft oder mißbilligt wird, sogar wenn sie gewürdigt und gelobt wird, werden manche Leute trotzdem mit dem Gefühl des Hasses gegen die Zielgruppe reagieren. Dies gibt uns ein weiteres Beispiel, warum es nicht ratsam ist, die Definition von Haßliteratur auf die durch sie hervorgerufenen Gefühle zu gründen.

6. DIE BEZEICHNUNG VON GEFÜHLEN IST SUBJEKTIV

Wenn wir die Bezeichnungen der Farben lernen, können uns andere in unserer Umgebung korrigieren, wenn wir eine Farbe falsch beschreiben, weil sie diese Farbe mit uns sehen können, aber wenn wir die Bezeichnungen von Gefühlen lernen, können uns andere um uns herum nicht sagen, ob wir ein Gefühl falsch beschreiben, weil sie nicht unsere Gefühle mit uns fühlen. Aus diesem Grund sind die Wortbezeichnungen, die wir Farben verleihen, eher objektiv, während die Bezeichnungen, die wir unseren Gefühlen geben, in hohem Grad subjektiv sind, und daher kann die Frage, ob wir Haß fühlen oder nicht, nicht mit der gleichen Zuverlässigkeit beantwortet werden wie die Frage, ob wir blau sehen oder nicht.

7. GEFÜHLE SIND FLÜCHTIG

Wenn ein Gegenstand blau ist, kann man sich darauf verlassen, daß er blau bleibt, und daher kann man sagen, daß er die Eigenschaft hat, blau zu sein. Aber wie steht es mit einem Literaturstück? Haftet ihm die Einstufung als "Haßschrift" mit gleicher Beständigkeit an? Die Antwort muß nein lauten. Es gibt nicht nur Unstimmigkeiten zwischen den Lesern der Schrift, ob also diese Schrift in ihnen Haß weckt, sondern die gleiche Person mag gefühlsmäßig zudem unterschiedlich reagieren, wenn sie die Schrift zu unterschiedlichen Zeiten liest. Der Leser kann aufgrund seiner Stimmung oder eines bestimmten Aspekts der Schrift, der seine Aufmerksamkeit erregt, das eine Mal Haß gegen die Zielgruppe fühlen, ein anderes Mal aber auch nur Ungeduld oder Mitleid.

Aus den obengenannten Gründen sollten die hervorgerufenen Gefühle nur eine zweitrangige Rolle bei der Definition von Haßliteratur spielen. Entscheidend ist die Abwertung der Zielgruppe, ungeachtet dessen, welche Emotion damit zufällig hervorgerufen wird. Die wesentliche Eigenschaft ist Abwertung, und es ist möglich, daß eine Schrift Abwertung hervorruft, während sie zugleich beim Leser ein weites Gefühlsspektrum auslösen kann, oder auch überhaupt keine Gefühle erregt.

Und natürlich muß eine Schrift, um als Haßschrift eingestuft zu werden, auch täuschen.

Fehlt die Täuschung, - wenn alles, was gesagt wird, die Wahrheit ist - dann sollte jegliche negative Bewertung oder Gefühlsreaktion, die hervorgerufen wird, als Antipathie oder Ablehnung bezeichnet werden, oder berechtigte Empörung - aber nicht als Haß oder Hetze.

Hetze ist - um Haßliteratur zu definieren - eine Abwertung (die von Abneigung oder Abscheu oder Empörung begleitet sein kann oder nicht), die auf Mißverständnis oder Fehlinformation beruht oder - um keine Wortklauberei zu betreiben - auf Lügen. Der zweite Teil der Definition wird benötigt, um das Mitteilen wahrer Gegebenheiten zu schützen, die unvermeidlicherweise die Einstellung gegenüber einer Gruppe in positiver oder negativer Weise ändern kann. Sonst könnte eine wahre Aussage, die das Ansehen einer Gruppe schädigt, wegen Aufstachelung zum Haß von der betroffenen Gruppe unterdrückt werden.

Jüdische Haß-Literatur

Der obigen Definition zufolge ist es angemessen, den nachfolgend wiedergegebenen Gladstone-Artikel als jüdische Haß-Literatur zu bezeichnen:

a. DER GLADSTONE-ARTIKEL IST JÜDISCH

Ich gehe davon aus, daß der Artikel jüdischen Ursprungs ist, weil er in der Zeitschrift The Wanderer: Magazine of Jewish Heritage & Travel erscheint.

b. DER GLADSTONE-ARTIKEL BEWIRKT EINE NEGATIVE EINSCHÄTZUNG

Der Gladstone-Artikel verführt zu einer negativen Einschätzung der Ukrainer (und kann daher negative Gefühle wie Furcht, Verachtung und Haß hervorrufen). Der Artikel behauptet, daß Ukrainer virulent antisemitisch seien, daß sie die Täter des ersten antijüdischen Holocausts gewesen seien, daß sie dumm und sadistisch-grausam sind, und daß die Chmielnicki-Rebellion von 1648 dem jüdischen "Holocaust" des Zweiten Weltkrieges ähnelt und ein Vorläufer dafür war und daher half, ihn in Gang zu setzen.

c. DER GLADSTONE-ARTIKEL TÄUSCHT

Und der Gladstone-Artikel enthält unerhörte Unwahrheiten, deren wesentlichste folgende sind:

1. Der Gladstone-Artikel stellt Geisteskrankheit als Ursache der Chmielnicki -Rebellion dar.

Gladstone postuliert, daß die Ursache der Chmielnicki-Rebellion Antisemitismus war. Antisemitismus ist eine Art Geisteskrankheit. Daher war gemäß Gladstone die Chmielnicki-Rebellion durch eine Geisteskrankheit verursacht, an der die ukrainischen Kosaken litten.

Das ergibt aber so wenig Sinn, wie wenn man sagen würde, daß der Spartakus-Aufstand der Gladiatoren gegen die Römer durch eine Geisteskrankheit verursacht war, an der die Gladiatoren litten. Oder es ergibt so wenig Sinn, wie wenn man sagen würde, daß der Nat-Turner-Aufstand der schwarzen Sklaven gegen ihre weißen Herren durch eine Geisteskrankheit verursacht war, an der die schwarzen Sklaven litten. Wenn genügend Ursachen für einen Aufstand bemerkbar sind, und wenn kein objektives Anzeichen für Geisteskrankheit bemerkbar ist, ergibt es keinen Sinn, die beobachteten Ursachen zu ignorieren und die Aufmerksamkeit auf imaginäre Ursachen zu beschränken.

2. Der Gladstone-Artikel ignoriert die polnisch-jüdische Unterdrückung als Ursache des Chmielnicki Aufstands

Das Ausmaß der Unterdrückung, das die Ursache des Aufstandes war, wird durch eine Erklärung festgehalten, die es wohl wert ist, daß man sie sich einprägt und anderen vorhält:[1]

»Die Stellung der polnischen Bauern (die im Mittelalter frei gewesen waren) verschlechterte sich bis zur äußersten Knechtschaft, die von regelrechter Sklaverei kaum unterscheidbar und sicherlich die schlimmste in ganz Europa war. [...] Die Lage in den "östlichen" Teilen Polens (Weißrußland und der Ukraine) [...] war die schlimmste von allen.«

Bei diesem System waren Juden die direkten Werkzeuge der Unterdrückung, die Macht über Leben und Tod der Ukrainer in Händen hielten:[2]

»Verpachtung war oft mit der Ausübung gewisser gesetzlicher Rechte verbunden: die Befugnis, Recht zu sprechen über die Leute eines bestimmten Landbesitzes oder einer Stadt, sogar ein Todesurteil zu erlassen, wurde manchmal vom Besitzer auf den Pächter übertragen. Das bewirkte, daß der Jude mit dem polnischen Landbesitzer identifiziert wurde, den er vertrat.«

Gladstone erwähnt jedoch keinerlei Unterdrückung als solche, sondern erwähnt nur einmal eine »angenommene Unterdrückung«, und scheidet damit Unterdrückung als Ursache aus; er vermittelt somit den Eindruck, daß die Unterdrückung in Wirklichkeit nicht existierte, sondern nur in der Einbildung der Kosaken, was ein ganz anderes Bild abgibt als Israel Shahaks gegenteilige Feststellung, daß die Unterdrückung »härteste Knechtschaft, von regelrechter Sklaverei kaum unterscheidbar und sicherlich die schlimmste in Europa war.«

3. Der Gladstone-Artikel gibt Hanover falsch wieder.

Wenn Gladstone eine originalgetreue Zusammenfassung und nicht etwa Haßliteratur über Hanover verfaßt hätte, hätte er wiedergegeben, daß selbst Hanover, so voreingenommen er auch gegen die Ukrainer war, zur Kenntnis genommen hat, daß der Chmielnicki-Aufstand durch polnisch-jüdische Unterdrückung entstanden war. Hanover war der einzige hebräische Chronist, der die zwei Gründe für den ukrainischen Kosaken-Aufstand analysiert hat, und zwar erstens die Unterdrückung der griechisch-orthodoxen Ukrainer, und zweitens die Rolle der Juden als Steuereintreiber und Gutsverwalter. Die letzteren, stellte er fest, »regierten in jenem Teil Rußlands [der Ukraine], was den Neid der Bauern hervorrief und in den Massakern endete.« Er glaubte, daß religiöse Unterdrückung für die Verarmung der Massen verantwortlich war:

»Sie wurden als niedere und minderwertige Wesen angesehen und waren die Knechte und Sklaven der Polen und Juden.«

Hanover schreibt, daß außer den Kosaken

»die Ukrainer eine elende und versklavte Gruppe waren, Diener der Fürsten und Adligen. Die Adligen belegten sie mit hohen Steuern, und manche griffen gar zu Grausamkeit und Folter.«

Seine Einschätzung der Ursachen für den Kosaken-Aufstand ist natürlich sehr ähnlich dem, was andere sagen, einschließlich der Ukrainer selbst.[3]

4. Der Gladstone-Artikel vertritt die Auffassung, dass der Chmielnicki-Aufstand einen Genocid zum Ziel hatte, und damit ein früher Holocaust war.

Der Chmielnicki-Aufstand war aber tatsächlich vom Wunsch beseelt, der polnischen Unterdrückung ein Ende zu machen, die örtlich durch Juden ausgeführt wurde. Die Juden wurden also zufällig zur Zielscheibe, als Instrumente der polnischen Unterdrückung. Außerdem handelten die Juden mit den Chmielnicki-Rebellen, arbeiteten mit ihnen, und ließen sich von den Kosaken anwerben, wie der Historiker Bernard Weinryb dokumentiert hat, was alles unvereinbar ist mit der Behauptung, daß der Chmielnicki-Aufstand ein versuchter Völkermord an den Juden war.

5. Der Gladstone-Artikel porträtiert Chmielnicki als den ersten Hitler

Obwohl wirtschaftliche, politische und religiöse Unterdrückung die dem Chmielnicki-Aufstand zugrundeliegende Ursache war, war der unmittelbare Anlaß Ungerechtigkeiten, die Chmielnicki selbst zugefügt worden waren - sein Gut war von einem polnischen Adligen überfallen, geplündert und beschlagnahmt, Chmielnickis Sohn getötet und seine Verlobte entführt worden. Chmielnicki versuchte zunächst geduldig, auf legalem Wege Wiedergutmachung zu erlangen, und erst als er dabei keinen Erfolg hatte, wurde er rebellisch. Das scheint überhaupt nicht mit Hitlers Geschichte vergleichbar zu sein,[4] und es gelingt Gladstone nicht, die Ähnlichkeiten, die er zwischen Chmielnickis und Hitlers Biographie sieht, näher zu beschreiben. Es wäre passender gewesen, Chmielnicki als Zweiten Spartakus anzusprechen, oder den Ersten Nat Turner. Der Hinweis, Chmielnicki sei der erste Hitler gewesen, dient nicht der Wahrheit. Es dient nur dazu, Haß zu verbreiten.

Das ist in der Tat der verletzendste und ungerechtfertigste Aspekt von Gladstones Haßstück - die Darstellung, daß der Chmielnicki-Aufstand dem jüdischen Holocaust gliche, eine Gleichsetzung, die mit Gladstones Titel »Der Holocaust von 1648« beginnt, durch ungenaue Vergleiche mit den Nationalsozialisten weitergeführt wird, und in den Schlußworten des Artikels unterstrichen wird:

»Und manche Historiker versichern, daß Yeven Metzulah neue Bedeutung erlangt hat, als Ergebnis der Shoah. "Die Brutalität Chmielnickis machte das Werk der Nazis um so leichter", schreibt Helmreich. "Wenn wir Hanovers Beschreibung der von Chmielnicki und seinen Horden begangenen Grausamkeiten lesen, wird klar, daß Hilters Folterkammern nur eine technologische Verfeinerung waren - der Präzedenzfall hatte sich bereits früher ereignet."«

6. Der Gladstone-Artikel übertreibt die Zahl der jüdischen Verluste mindestens um das zehnfache

Gladstone meint:

»Nach konservativen Schätzungen wurden mindestens 100.000 Juden abgeschlachtet; Hanover zufolge waren die jüdischen Verluste viel höher.«

Das ist jedoch eine Übertreibung um das Zehnfache, wenn nicht mehr. Hätte Gladstone einen wahrheitsgemäßen Artikel und nicht einen Hetzartikel geschrieben, dann hätte er erwähnt:[5]

»Hanover, offensichtlich der gebildetste der sechs Chronisten, beherrschte keine Mathematik. Es ist daher nicht überraschend, daß die Chronisten, wenn sie über Menschengruppen berichteten, biblische Methaphern gebrauchten wie "Tausende und Zehntausende" oder "so viel wie Sandkörner am Meeresstrand" und daß die Zahlen, die sie erwähnen, oftmals bedeutungslos sind.«

Weinryb gibt mehrere Beispiele, die die Schlußfolgerung unterstützen, daß Hanovers Zahlen kein Glauben geschenkt werden kann, und gibt folgende Veranschaulichung von Hanovers Unkenntnis der Arithmetik:[6]

»Es scheint, daß Hanover im allgemeinen nicht gewohnt war, mit großen Zahlen umzugehen: für ihn waren 18 mal 100.000 gleich 18.000.000, anstatt 1.800.000.«

Der Historiker Yaroslaw Pelenski schlägt vor, daß die Zahl der jüdischen Todesopfer in der Nähe von einem Zehntel der von Gladstone vorgeschlagenen Zahl liegt: [7]

»Eine ungefähre Minimum/Maximum-Zahl von 7000 bis 13.000, und einer mittleren Zahl von 10.000 bei der Chmielnicki-Revolution getöteten Juden.«

In wessen Interesse arbeitet Bill Gladstone, wenn er die Zahl der jüdischen Todesopfer verzehnfacht? In seinem eigenen, und nur in seinem eigenen, weil die Übertreibung der jüdischen Todesopfer die Verkaufszahlen seiner Zeitschrift erhöht. Und wie steht es mit den Interessen der Juden? Gladstone fördert durch seinen Artikel die Schlußfolgerung, daß die Juden ein Volk sind, das so wenig Rücksicht auf die Wahrheit nimmt, daß sie ihre Verluste verzehnfachen. Der Gewinn für Gladstone besteht darin, daß er ein paar Exemplare mehr von The Wanderer verkauft, und so ein paar Dollar verdient. Der Verlust für die Juden besteht darin, daß sie einen Verlust an Glaubwürdigkeit erleiden. Verbindet man das miteinander, dann könnte man sagen, daß Gladstone bereit ist, für den Lohn von ein paar Dollar die jüdische Glaubwürdigkeit zu verschachern.

7. Nathan Hanover war ein früher Stephen King

Nathan Hanover war kein leidenschaftsloser Historiker, der für eine Zeitschrift schrieb, die von kritischen Historikern geprüft wurde. Er war ein mittelloser Flüchtling, der verzweifelt ein bißchen Geld verdienen mußte.

Hanovers psychologische und wirtschaftliche Lage zu der Zeit, als er das Büchlein schrieb und veröffentlichte, kann aus dem Ende seiner Einleitung abgeschätzt werden: Obwohl er vorübergehend etwas Schutz in einem privaten "Bethaus" gefunden hatte, war er bedürftig, denn er annoncierte seine Wohnanschrift und bittet die Öffentlichkeit, sein Werk zu kaufen. Er schreibt:[8]

»Ich habe ausführlich die Ursachen abgehandelt, die zu dieser Katastrophe führten, als sich die Ukrainer gegen die Polen erhoben und mit den Tataren vereinten, obwohl die beiden immer Feinde gewesen sind. Ich habe alle die grösseren und kleineren Zusammenstöße aufgezeichnet. [...] Auch die Tage, an denen diese Grausamkeiten geschahen, so daß jedermann in der Lage ist, den Tag zu berechnen, an dem sein Verwandter starb und die Gedächtnisfeier richtig begehen kann. [...] Ich habe das in einem klaren und verständlichen Stil geschrieben und auf weiches helles Papier gedruckt. Kauft deshalb dieses Buch sofort, haltet Euer Geld nicht zurück, damit ich in der Lage bin, [ein weiteres Buch] zu veröffentlichen.«

Nathan Hanover stellte dann fest, was heutzutage Stephen King festgestellt hat: je sensationeller und erschütternder seine Schrift war, desto besser verkaufte sie sich. Hanovers Schrift sollte anders kategorisiert werden: statt als Geschichte als geschichtliche Fiktion. Gladstone stellt Hanover fälschlich als systematischen Historiker dar anstatt als hysterischen Polemiker, der er wirklich war.

8. Gladstone identifiziert die Kosaken als eine Ansammlung von "Dr. Mengeles"

Natürlich ist die Aufhetzung zum Haß gegen Ukrainer unvollständig ohne einige anschauliche Beschreibungen sadistischer Foltern, und Gladstones Magazin beschreibt Grausamkeiten, die auf einer Stufe waren mit fast allem, was die Nazis später entworfen haben sollen. Die Kosaken frönten den bestialischsten Formen des Sadismus und führten grausame und quälende "medizinische Experimente" an schwangeren Frauen und anderen durch, als ob sie eine Episode von Mengele durchspielten. Es gab in der ganzen Welt keine grausige Mordart, die nicht von den Feinden angeblich angewandt wurde.

Aber Gladstone führt nicht nur Folterungen an, er beschuldigt Chmielnickis Kosaken auch »medizinischer Experimente«, vergleichbar denen von Dr. Joseph Mengele während des Holocaust. Ein solcher Vergleich ist wirklich ebenso gehässig wie grundlos. Ich habe hier zum ersten Mal gehört, daß die Kosaken ein Gegenstück zu Dr. Joseph Mengele hatten, oder daß irgendeiner von ihnen eine medizinische Ausbildung hatte, oder daß irgendeiner von ihnen den Wunsch hatte, medizinische Forschung an Juden oder sonst jemandem durchzuführen, oder daß sie mitten in ihrem Aufstand Zeit für eine Pause fanden, um medizinische Experimente durchzuführen.

9. Die Kriegführung war nicht einseitig

Gladstone erwähnt passenderweise nicht, daß die Kriegführung doppelseitig war, und daß die Grausamkeiten, die gegen die Ukrainer begangen wurden - und hier kommen wir zu den drei Worten von Israel Shahak, die auch in der Erinnerung behalten werden sollten - »sogar noch schrecklicher« waren.

Dieser typische Bauernaufstand gegen äußere Unterdrückung, ein Aufstand, der nicht nur von Massakern begleitet wurde, die von den Rebellen begangen wurden, sondern auch von sogar noch schrecklicheren Grausamkeiten und "Konter-Terror" der Privat-Armeen der polnischen Magnaten, blieb im Bewußtsein der osteuropäischen Juden bis zum heutigen Tag völlig einseitig dargestellt, und zwar nicht als Bauernaufstand, als eine Revolte der Unterdrückten, der Elenden der Welt, auch nicht als Rache gegen die Knechte des polnischen Adels, sondern als ein Akt grundlosen Antisemitismus, der gegen die Juden als solche gerichtet war.

Tatsächlich wurde die Stimmabgabe der ukrainischen Delegation bei den Vereinten Nationen, und allgemeiner die sowjetische Politik im Nahen Osten oft in der israelischen Presse als "Erbe Chmielnickis" oder seiner "Nachfahren" bezeichnet.[9]

Wenn Gladstone die Kosaken-Grausamkeiten hätte fair schildern wollen, so hätte er sie Seite an Seite mit den sogar noch schrecklicheren Grausamkeiten stellen müssen, die von polnisch-jüdischer Seite begangen wurden. Gladstone erweckt den Eindruck, als ob die Ukrainer unschuldige Leute angriffen, die nicht zurückschlagen konnten. Die Wahrheit ist aber, daß ein Kriegszustand zwischen den beiden Parteien herrschte, und die polnisch-jüdische Herrscherschicht wurde von der ganzen militärischen Macht des polnischen Königtums unterstützt.

10. Die kugelsichere Jungfrau

Gladstone wiederholt Hanovers Geschichte von der schönen jüdischen Jungfrau aus reicher Familie, die gezwungen wurde, einen Kosaken zu heiraten, aber vor dem Vollzug der Ehe Selbstmord beging, indem sie ihm sagte, daß sie ein Zaubermittel besäße, weshalb keine Waffe sie verletzen könne und hinzufügte:

»Wenn du mir nicht glaubst, kannst du es ausprobieren.«

»In seiner Einfalt« und offenbar vom Wunsch beseelt, ihre Behauptung einem empirischen Test zu unterziehen, schießt sie der Kosak, wie man annehmen muß, in die Brust und sie stirbt. Demnach erwecken sowohl Gladstone als auch Hanover den Eindruck, daß der Kosak ohne jeden Verstand, gewalttätig und dumm bis zum Schwachsinn gewesen sei, die jüdische Jungfrau hingegen tugendhaft und ihrem Volk bis zur Selbstaufopferung treu. Wir sind gut - die anderen sind schlecht. Wir sind schlau - sie sind dumm. Wir sind friedliebend - sie sind gewalttätig. Wir werden vernichtet - sie vernichten. Ende der Geschichte.

Daß Hanover diese Geschichte zusammengebraut und veröffentlicht hat, zeugt von der Leichtgläubigkeit seiner Leserschaft im 17. Jahrhundert, und daß Gladstone sie wiederholt hat, zeugt von der Leichtgläubigkeit seiner Leser im 20. Jahrhundert. In beiden Fällen ist die Leserschaft so dem Haß verschrieben, daß sie eine jede Geschichte annimmt, die den bei ihr vorhandenen Haß "rationalisiert" und verstärkt, egal wie phantastisch die Geschichte auch ist. Sie halten niemals ein, um die vielen Unstimmigkeiten zu erwägen, die zeigen, daß die Geschichte ein Mythos ist.

Die ukrainischen Kosaken des Jahres 1648 waren nicht anders als die heutigen Ukrainer. Man könnte allerdings bis zum Beweis des Gegenteils behaupten, daß die Menschen auf der ganzen Welt sogar über ganze Epochen hinweg bemerkenswert ähnlich sind, so daß sich selbst jene Ukrainer von vor mehr als drei Jahrhunderten nicht wesentlich von den heutigen Ukrainern unterscheiden. Wenn also heute irgendeine Jungfrau einem US-Soldaten erzählen würde, daß sie zaubern könne und keine Waffe sie verletzen könne, so würde dieser es ihr nicht glauben und wohl kaum versuchen, ihre Behauptung durch einen Schuß auf ihre Brust zu prüfen. In gleicher Weise hätte auch ein ukrainischer Kosak dies anno 1648 nicht getan. Der Kosak war ein Kavallerist, der seine Waffen kannte, der wußte, welche Verletzungen sie anrichteten, der in seiner Zeit keine Wunder gesehen hatte, und der daher nicht leichtgläubig annahm, daß die Gesetze der Physik zufällig außer Kraft gesetzt wurden. Da er im Lauf seines Lebens keine anderen Zauberer gesehen hatte, die unverwundbar waren, hätte er die Behauptung, jetzt eine solche Person zu sehen, angezweifelt. In dem unwahrscheinlichen Fall, daß er die Behauptung der Jungfrau prüfen wollte, hätte er einen Versuch bevorzugt, das den Wert seines Gutes - nämlich die schöne Jungfrau selbst - bewahrt hätte, und also eine Probe gewählt, die weniger Schaden verursachen hätte, wie zum Beispiel daß er ihre Schulter mit seinem Dolch geritzt hätte, statt ihr in die Brust zu schießen.

Um die Behauptung der Jungfrau zu glauben, hätte der Kosak zahlreiche Unstimmigkeiten übersehen müssen.

Wenn es eine solche Zauber-Jungfrau gäbe, hätte der Kosak sofort angenommen, daß sie so hochberühmt gewesen wäre, daß die ganze Welt von ihr gehört hätte. Er hätte sofort gemerkt, daß sie dann von so unermeßlichem Wert gewesen wäre, daß die Juden sie niemals der Möglichkeit preisgegeben hätten, gefangengenommen zu werden. [...10]

Und wer war überhaupt angeblicher Zeuge des Vorfalls? Hanovers Erzählung dieses Ereignisses beschreibt nur einen Kosaken, der allein mit der jüdischen Jungfrau ist. Aber wenn die Jungfrau durch den Vorfall getötet wurde, dann wäre der Kosak der einzige Zeuge des Geschehens gewesen, und seine Beschreibung davon hätte nicht der Beschreibung, die wir von Hanover bekommen, geglichen, die in hohem Grad mit der Jungfrau mitfühlend und höchstgradig gegen den Kosaken voreingenommen war. Und wenn Zeugen anwesend gewesen wären, dann hätten sie den Kosaken gedrängt, seine empirische Prüfung der Behauptung der Jungfrau nicht durchzuführen.

Warum überhaupt heiratete die jüdische Jungfrau zuerst den verhaßten Kosaken?

Wenn ich mich nicht irre, erfordert eine christliche Heirat einen Ausdruck des Einverständnisses von sowohl Braut wie auch Bräutigam. Wenn das in der Ukraine um 1648 der Fall war, dann konnte sich die jüdische Jungfrau weigern, den Kosaken zu heiraten - und trotzdem hat sie ihn geheiratet, woraus ich schließe, daß sie öffentlich ihre Zustimmung zum Ausdruck gebracht haben muß. Aber warum hätte sie das tun sollen? Wenn sie den Tod der Schande vorzieht, warum verweigerte sie dann nicht von vornherein ihre Mitwirkung an der Schande? Schon beim Eingehen einer christlichen Ehe verriet sie bereits ihren Glauben. Das schlimmste, was ihr geschehen konnte, wenn sie sich geweigert hätte zu heiraten, war, daß sie auf der Stelle getötet worden wäre (jedenfalls wenn man die These der Kosaken als bestialischen Untermenschen als wahr unterstellte), aber die Jungfrau zog ja ohnehin vor, getötet zu werden. Statt der Todesstrafe hätte ihr ansonsten vielleicht noch die Kerkerhaft gedroht, was wohl immer noch besser war, als sich vom Bräutigam erschießen zu lassen, weil ein Gefangener immer eine Chance hat, zu fliehen oder befreit bzw. freigekauft zu werden.

Und warum nutzte die kluge jüdische Jungfrau die Einfalt des Kosaken nicht aus, um ihr Leben zu retten? Uns wird das Bild einer schlauen jüdischen Jungfrau geboten, die jüngst mit einem Kosaken verheiratet wurde, dessen offensichtliche Einfalt an geistige Zurückgebliebenheit grenzt. Sie schmiedet einen Plan, um ihre Entehrung zu verhindern, indem sie sich töten läßt. Aber wenn der Kosak so leichtgläubig war, wie sie feststellte, dann hätte ihm die jüdische Jungfrau eine andere Geschichte erzählen können, die ihr erlaubt hätte, zu entkommen, oder die zumindest den befürchteten Vollzug der Ehe aufgeschoben hätte. Zum Beispiel hätte sie dem Kosaken sagen können, daß sie seinen Penis schrumpfen und abfallen lassen könnte, wenn er den Vollzug der Ehe nicht um eine Woche hinausschob. Wenn er die erste Geschichte glaubte, dann hätte er auch diese Geschichte geglaubt. Wenn die jüdische Jungfrau ihre Geschichte überzeugend ausgemalt hätte, und der Kosak so dumm war, wie uns weisgemacht wird, dann hätte sie nicht nur eine Woche Aufschub gewinnen können, sondern einen Monat, und während dieser Zeit weitere Möglichkeiten gehabt, die Leichtgläubigkeit des Kosaken zu ihrem künftigen Vorteil zu mißbrauchen.

Und um sich selbst zu retten, hätte die jüdische Jungfrau keine fantastische Geschichte erfinden müssen und wäre nicht davon abhängig gewesen, den Kosaken zu heiraten, der einfältig genug war, ihre Geschichte zu glauben. Es hätte genügt, daß sie den Kosaken ihren hohen Wert für den Fall eines Rückkaufs gemäß der Tataren-Tradition klargemacht hätte, daß ihr Wert aber zunichte wäre, wenn sie ihrer Jungfräulichkeit beraubt würde.

Die Geschichte des Kosaken, der die jüdische Jungfrau tötet, könnte durchaus eine Testaufgabe aus einem Intelligenz-Test sein, wobei alle, die diese Unstimmigkeiten nicht sehen können, eine geringe Punktzahl erlangen. Für Kinder zeigt der Standford-Binet-IQ-Test das Bild eines Mannes, dessen Schatten in Richtung auf die untergehende Sonne hin fällt. Was ist an diesem Bild verkehrt?

Die Kinder mit höherer Intelligenz sind in der Lage, die Unstimmigkeiten zu erkennen. Die Kinder mit der niederen Intelligenz können nichts Verkehrtes feststellen. Gleichermaßen können Leser mit hoher Intelligenz die Unstimmigkeiten der Geschichte der kugelfesten Jungfrau erkennen. Wer diese Geschichte für wahr hält, kann entweder nicht denken oder zieht es vor, nicht zu denken, wenn ihm eine weitere Rechtfertigung für einen liebgewonnenen Haß geboten wird.

Die Schlußfolgerung, die wir aus der Geschichte der kugelsicheren Jungfrau ziehen können, ist also, daß sich die Geschichte an weniger intelligente Juden wendet und versucht, ihre Angst und ihren Haß gegen die Ukrainer zu verstärken, und damit die Juden zu bewegen, etwas von ihrem Geld abzugeben. Hanover erzählte die Geschichte vor dreihundert Jahren den einfältigen Juden, um den Absatz seines Buches Abgrund der Verzweiflung zu erhöhen. Gladstone erzählt die Geschichte heute den einfältigen Juden, um den Verkauf seiner Zeitschrift The Wanderer zu fördern. Zwei Krämerseelen machen ein Geschäft, und die Leute, denen sie das Geld am einfachsten aus der Tasche ziehen können, sind die Einfältigen ihres eigenen Volkes. Gladstone enthüllt sich also als Schwindelkünstler, der die schwächsten seines eigenen Volkes ausnutzt. Gladstone versucht, seine eigenen Taschen auf Kosten des Wohlergehens seiner Mitjuden zu füllen. Das ist die einzige Erklärung, die ich dafür finden kann, daß Gladstone diese lächerliche Geschichte von der kugelfesten Jungfrau auf die Seiten seines Traditions- und Reisemagazins bringt.

11. Der Retter der Juden war ein Ukrainer.

Gladstone fördert die einfältige Betrachtungsweise, daß die Trennungslinie von Gut und Böse deutlich den ethnischen Trennungslinien folgt - Ukrainer greifen zusammen mit den Tataren die Juden mit den Polen an. In Wirklichkeit nahmen Menschen aller Nationalitäten auf beiden Seiten teil. Das bemerkenswerteste Beispiel ist das des polonisierten ukrainischen Grafen Jeremi Wisniowiecki aus der ukrainischen Familie Vyshnevetsky:[11]

»Hanovers Bericht über Graf Jeremi Wisniowieckis damalige Aktivitäten müssen eine Übertreibung gewesen sein, denn er erweckt den Eindruck, daß für Wisniowiecki das Hauptbemühen in der Rettung der jüdischen Bevölkerung lag:

"Graf Jeremi Wisniowiecki war ein Freund Israels... mit ihm entkamen etwa fünfhundert Juden. Er trug sie wie auf Adlerschwingen, bis sie an ihrem Ziel angekommen waren (wird berichtet, als Wisniowiecki nach Litauen wegzog.)

Später wird uns erzählt, daß Wisniowiecki nach dem Nemyriv-Überfall mit 3.000 Männern auszog, um für die Juden Rache zu nehmen. Hanover betrachtet Wisniowiecki offenbar als den größten aller Heerführer, einer, dem das Kommando über die polnische Armee anvertraut werden sollte.«

Die Erkenntnis, daß geschichtliche Ereignisse durch gemischte Loyalitäten und gemischte Beteiligung gekennzeichnet sind, schwächt die Rechtfertigung für Haßgefühle und wird daher in der Haßliteratur ausgelassen, so auch bei Gladstone.

12. Gladstone misslingt es, die Kultur der Juden zu vermitteln, die die polnische Unterdrückung der Ukrainer durchführten

Welcher Art war die jüdische Kultur in Polen zur Zeit Chmielnickis? Die Frage ist von Interesse, weil sie für die Provokation bedeutsam ist, die den Chmielnicki-Aufstand entzündete, und damit für die Rechtmäßigkeit des Aufstands. Die unten gegebene Feststellung deutet darauf hin, daß die jüdische Kultur zur Zeit Chmielnickis am besten durch Worte wie abergläubisch, fanatisch, stickig, ausbeuterisch und unterdrückend beschrieben wird:[12]

»In der Periode von 1500 bis 1795 - einer der am stärksten von Aberglauben durchsetzten in der Geschichte des Judentums - war das polnische Judentum die abergläubigste und fanatischste aller jüdischen Gemeinden. Die beträchtliche Macht der jüdischen Autonomie wurde zunehmend dazu benutzt, alle eigenständigen und kreativen Gedanken abzuwürgen, im Bund mit den Rabbinern die schamloseste Ausbeutung der jüdischen Armen durch die jüdischen Reichen zu fördern, und die Rolle der Juden bei der Ausbeutung der im Dienst der Adligen stehenden Bauern zu rechtfertigen.«

Die Begründung, warum eine so harte Beschreibung gerechtfertigt erscheint, lese man ausführlich bei Israel Shahak nach.

Wahrlich jüdische Haß-Literatur!

Da der Gladstone-Artikel jüdischen Ursprungs zu sein scheint, und da er anscheinend eine negative Einschätzung der Ukrainer und negative Gefühle gegen die Ukrainern hervorruft, und da er zahlreiche eindeutige Unwahrheiten enthält, folgt daraus also, daß er als jüdische Haßliteratur eingestuft werden kann. Man sieht ganz nebenbei auch das Ungemach, das Haßliteratur einem jeden auferlegt, der sich die Zeit nimmt, sie zu widerlegen - eine kleine Widerlegung zu schreiben, kostet zehnmal so viel Zeit, wie ein aalglattes, gedankenlosen Zerrbild im Stile Gladstones zu verfassen.

Haß auf Ukrainer als Teil der jüdischen Kultur

Das ukrainische Internet-Archiv www-ukar.org widmet sich der Widerlegung anti-ukrainischer Verleumdungen, und nebenbei zeigt sich, daß anti-ukrainische Verleumdung hauptsächlich auf Juden zurückgeht.[13] Oben haben wir Beipiele gesehen, wie Juden anti-ukrainischen Haß und eine Prädisposition für anti-ukrainische Verleumdungen einimpfen. Die Wiederholung der Hanoverschen Verleumdungen ist ein Beispiel, und Bill Gladstones Leitartikel mit seinen eigenen zusätzlichen Verdrehungen ist eine weitere Veranschaulichung dessen. Aber Gladstone berichtet uns auch, daß die Hanoversche Verleumdung nicht etwa nur alle dreihundert Jahre verkündet wird, sondern daß sie in manchen Gemeinden jeden Sommer vorgelesen wird, und zwar nicht weniger als drei Wochen lang, und auch bei besonderen Anlässen:

»Yeven Metzulah wurde laut dem Historiker William Helmreich so beliebt, daß es in manchen Gemeinden Osteuropas Gepflogenheit war, ihn jährlich während der traditionellen "drei Wochen" im Sommer zu lesen. Neue Auflagen pflegten nach jeder neuen Verfolgungswelle zu erscheinen, einschließlich der ukrainischen Pogrome, die während und nach dem 2. Weltkrieg erfolgten.«

Und zur Krönung besteht Rabbi Yaakov Dov Bleich darauf, daß ein Chmielnicki-Gebet an jedem Sonnabend aufgesagt wird, nicht nur in den Synagogen rund um die Welt, sondern vor allem mitten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Da ich prüfen wollte, ob dieses Chmielnicki-Gebet in Wirklichkeit nicht ein Fluch auf Chmielnicki war, bat ich Rabbi Bleich um eine Kopie, aber er hat es bisher nicht für Wert gehalten, meiner Bitte zu entsprechen, oder auch nur eine der Fragen, die ich ihm in meinen Briefen gestellt habe, zu beantworten.[14]

Der Eindruck, den all das hinterläßt, ist der eines jahrhundertealten, unermüdlichen Einbleuens von jüdischem Haß gegen die Ukrainer, hauptsächlich durch die Wiederholung der Hanoverschen Verleumdungen, aber in jüngster Zeit dadurch, daß die Juden die Ukrainer zum Symbol antijüdischer Aktivitäten während des Zweiten Weltkrieges machten.[15] Der Gladstone-Hetzartikel muß also nicht nur als isoliertes Ereignis betrachtet werden, sondern eher als ein roter Faden in einem fortlaufenden Gespinnst jüdischer Kultur.

Angesichts dessen, daß diese anti-ukrainische Tradition in formalen Riten jeden Sonnabend erneuert wird, und in jedem Sommer noch einen dreiwöchigen Schub erhält, ist es kein Wunder, daß manche Juden, wenn sie mit einem Ukrainer ins Gespräch kommen, als erstes das Bedürfnis haben, den Ukrainer wegen der mutmaßlichen Sünden Bogdan Chmielnickis zu geißeln, so wenig Bezug ein derartiger Tadel auch zur jeweiligen Sache hat. In diesem Zusammenhang müssen auch die verhetzten Tiraden des stellvertretenden Sprechers der israelischen Knesseth, Dov Ben-Meir, gesehen werden, als er dem Präsidenten der Vereinigung "Amerikaner für Menschenrechte in der Ukraine", Bozhena Olshaniwsky, schrieb.[16]

Und das ist eine so durchdringende Einbleuung von Haß, daß es kein Wunder ist, wenn ein Jude, der eine Zeitschrift für Traditionen und Reise einleitet, als erstes die makaberen Torturen wiedererzählt, die seiner Vorstellung zufolge sadistische medizinische Experimentierer Chmielnickis an unschuldigen jüdischen Gefangenen durchführten.

Darf das Recht pervertiert werden, um ukrainische Selbstverteidigung zu verbieten?

Angesichts der Tatsache, daß jüdische Haßliteratur veröffentlicht wird und trotzdem nie in die Forderung einbezogen wird, Haßliteratur zu unterdrücken, besteht die Gefahr, daß es das Ziel der jüdischen Gruppen ist, weiterhin ihre eigene Haßliteratur zu veröffentlichen, und zugleich jedes Opfer ihres Hasses, das versucht, sich selbst zu verteidigen, der Hetze zu beschuldigen, die unterdrückt werden müsse. Wenn die Ukrainer nicht das zunichte machen, was ein jüdischer Versuch sein könnte, die ukrainische Stimme abzuwürgen, dann könnten sie eines morgens aufwachen und feststellen, daß das Gesetz jüdische Verleumdungen der Ukrainer schützt, während zugleich Ukrainer, die sich selbst verteidigen, bestraft werden. Wenn es nach dem Willen der Juden geht, könnte der Tag kommen, wo das kanadische Recht Bill Gladstones Artikel »The Holocaust of 1648« schützt und die vorliegende Erwiderung bestraft.[17]

Nun aber zum Gladstone-Artikel selbst. Er wird von einem Leitartikel eingeleitet, der nachfolgend wiedergegeben wird:

The Wanderer

MAGAZINE
OF JEWISH HERITAGE & TRAVEL

WINTER 1998/99

Leitartikel

Aus der Dunkelheit ins Licht

Rabbi Nathan Hanover, der berühmte jüdische Reisende dieser Ausgabe, war kein Reisender im üblichen Sinn. Als Flüchtling, der vor antisemitischem Schrecken floh, kam er von Ort zu Ort mit einer selbstgewählten Mission: die Tragödie anhand von Augenzeugenberichten von Überlebenden zu dokumentieren. Sein Buch Yeven Metzulah umfaßt schrecklichere Bilder, als wir unseren Lesern darbringen wollten, daher sei jeder, der mehr über diese Sachen erfahren will, auf den Originaltext verwiesen.

- Barbara Kingstone
& Bill Gladstone

[Zum Artikel]


Anmerkung der Redaktion

Prytulaks Beitrag wurde aus der Sicht eines Ukrainers geschrieben, der offenbar ein Interesse daran hat, den Verunglimpfungen seiner Landsleute durch die fortdauernde jüdische Hetze entgegenzutreten, ohne dabei die Probleme des modernen "Holocaust" zu hinterfragen. Dementsprechend unterstellt der Autor, daß alle jüdischen Berichte über den "modernen" Holocaust korrekt sind, etwa wenn er unkritisch auf das angebliche Ungeheuer Dr. Mengele und dessen vermeintliche medizinische Versuche verweist. Prytulak versucht auch, die Ukrainer dadurch zu schützen, daß er seine Landsleute auf Kosten der Deutschen als "besser" darzustellen versucht, ein Vorgang, der freilich zum Scheitern verurteilt ist. Man kann nicht die eine Lüge aufdecken, und jeden, der sie verbreitet oder glaubt, als entweder bösartig, haßerfüllt oder dumm bezeichnen, im Gegenzug aber die gegen andere gerichteten Lügen kritiklos hinnehmen und sich mit ihnen auf Kosten anderer zu profilieren versuchen. So gut der Ansatz der Aufdeckung eines 350-jährigen "Holocaust"-Business auch ist, so kläglich scheitert Prytulak im Angesicht der modernen jüdischen Propaganda. Ein wenig deutsch-ukrainische Solidarität wäre wohl angebracht, denn schließlich sitzen wir alle im selben Boot.

Zugleich sieht sich die Redaktion veranlaßt, dem in diesem Artikel entstehenden Eindruck entgegenzutreten, die Zensur von Haßliteratur könne ein zulässiges Mittel in der geistigen Auseinandersetzung sein. Zensur kann niemals ein probates Mittel der Auseinandersetzung sein, weder eine gegen Juden, Christen, Kommunisten noch Nationalsozialisten gerichtete.


Quellenverweise

Entnommen der Webseite http://www.ukar.org/gladst01.shtml; übersetzt von Leborah Dipstadt.

[1]Israel Shahak, Jewish History, Jewish Religion: The Weight of Three Thousand Years, Pluto Press, London 1994, S. 61.
[2]Bernard D. Weinryb, »The Hebrew Chronicles on Bohdan Khmel'nyts'kyi and the Cossack-Polish War«, Journal of the Harvard Ukrainian Research Institute, 1(2) (1977), S. 158f.; vgl. http://www.ukar.org/weinry01.shtml
[3]Ebenda, S. 170f.
[4]Gemeint ist hier das übliche Medienbild Hitlers. Anm. d. Redaktion.
[5]Bernard D. Weinryb, aaO. (Anm. 2), S. 165f.
[6]Ebenda, S. 175.
[7]Jaroslaw Pelenski, »The Cossack Insurrections in Jewish-Ukrainian Relations« in: Howard Aster und Peter J. Potichnyj (Hg.), Ukrainian-Jewish Relations in Historical Perspective, Canadian Institute of Ukrainian Studies, University of Alberta, 1990, S. 36; vgl. http://www.ukar.org/pelens01.shtml
[8]Hanover, Hebräisch, S. 16f.; English, S. 25, zitiert nach Bernard D. Weinryb, aaO. (Anm. 2), S. 166.
[9]Israel Shahak, aaO. (Anm. 1), S. 64f.
[10]Die ausufernden Ausführungen des Autors über das, was der Kosak getan und gedacht hätte, wäre er tatsächlich einer solchen Jungfrau begegnet, lassen wir hier aus, da dies ähnlich spekulativ ist wie Grimms Märchen.
[11]Bernard D. Weinryb, , aaO. (Anm. 2), S. 168
[12]Israel Shahak, aaO. (Anm. 1), S. 63.
[13]Vgl. http://www.ukar.org/kosins.shtml
[14]Vgl. http://www.ukar.org/bleich.shtml
[15]Vgl. http://www.ukar.org/60minart.shtml
[16]Vgl. http://www.ukar.org/knesset.htm
[17]Unter dem herrschenden Recht der kanadischen Menschenrechtskommission dürfte dies bereits der Fall sein, Anm. d. Redaktion.

 


Der Holocaust von 1648 · Eine Tragödie neu betrachtet

Rabbi Nathan Hanover aus Ostrog hinterließ einen gründlichen ergreifenden Bericht über die Katastrophe von 1648, aus jüdischen Augen betrachtet.

Von Bill Gladstone

Der etwa 1620 in Ostrog geborene Rabbi Nathan Hanover und seine Familie gehörten zu den zahllosen Juden in der Ukraine und Ostpolen, deren Leben durch das Chmielnicki-Massaker von 1648 und die weiterhin mehrere Jahre lang in Abständen sich wiederholenden Angriffe unterbrochen wurde.

Hanover reiste ausgiebig in dem verwüsteten Gebiet herum, sprach mit vielen Betroffenen und zeichnete ihre Geschichten mit dem feinfühligen Ohr des Historikers auf. Er ist Autor mehrerer Bücher, sein weitaus berühmtestes Werk ist Yeven Metzulah (Der Abgrund der Verzweiflung), eine Chronik der Greueltaten, die insgesamt als ein Vorläufer der Shoah im 17. Jahrhundert gelten können.

Yeven Metzulah gibt als einer der klassischen Texte des jüdischen Märtyrertums einen bildhaften und ergreifenden Bericht der Schrecken, die sich in der Ukraine und Ostpolen ereigneten, als Bogdan Chmielnicki die Kosaken zum Angriff führte.

Tataren aus der Kaukasus-Region schlossen sich den Ukrainern bei ihrem nationalistischen Aufstand gegen den polnischen Adel und ihre weitgehend jüdischen Gutsherren an. Nach konservativen Schätzungen wurden mindestens 100.000 Juden ermordet; Hanover zufolge sind die Verluste viel höher. Auch viele Polen wurden ermordet.

Als Absolvent der Ostroger Yeshive nahm sich Hanover eine Frau aus der naheliegenden Stadt Zaslaw und zog dorthin, um sein religiöses Studium fortzusetzen. Zaslaw war eine der ersten Städte, die angegriffen wurde; Hanover und seine Familie flohen, aber die meisten Juden der Stadt, einschließlich seinem Schwiegervater, wurden getötet. Während der Flucht erfuhr Hanover, daß sein eigener Vater bei einem Kosaken-Überfall auf Ostrog getötet worden war.

Hanover, ein begabter Reder, unterhielt seine Familie als Wanderprediger. Indem er durch das Land zog, sprach er mit Flüchtlingen aus vielen verwüsteten Gemeinden, zeichnete Beschreibungen einzelner Greueltaten auf, die in fast allem dem glichen, was die Nazis später aufwiesen. Die Kosaken frönten den bestialischsten Formen des Sadismus und führten grausame und quälende "medizinische Experimente" an schwangeren Frauen und anderen durch, als ob sie eine Seite aus einem Buch über Mengele übernommen hätten. "Es gab keine grausame Todesart der ganzen Welt, die nicht von den Feinden verübt wurde", schreibt Hanover.

Mit einer Rachsucht, die von über Generationen empfundener Unterdrückung herrührte, führten die Kosaken und Tataren militärische Belagerungen befestigter Städte durch, und kämpften manchmal tagelang. In manchen Fällen freundeten sich die polnischen Bauern mit den Angreifern an und ließen sie in die Stadtmauer hinein, um die Juden zu besiegen; aber gewöhnlich wurden die Polen, vor allem die Priester und Bischöfe, zusammen mit den Juden angegriffen. Wie die Nazis zündeten die wütenden Horden die Synagogen an und warfen die heilige Torah und andere Zeichen des Judaismus in den Müll. "Gesetzesrollen wurden in Stücke gerissen, und zu Stiefel und Schuhe für ihre Füße gemacht. Die Gebetsriemen dienten als Schuhbänder an ihren Füßen. Die Lederbehälter der Gebetsriemen wurden auf die Straße geworfen. Andere geheiligten Bücher dienten dazu, die Straße zu pflastern. Manche wurden zum Feueranzünden verwendet, und andere um die Läufe ihrer Gewehre zu stopfen."

In Ostropol ermahnte Rabbi Samson die Gemeinde, ihre Sünden zu bereuen, damit die Stadt vor einem Angriff verschont würde; die Gemeinde folgte seinem Rat, aber "das vernichtende Urteil war schon gefällt." In Polannoe kamen Tausende um wie Lämmer, ohne zurückzuschlagen. "Ein einzelner Ukrainer, der eine Siedlung angriff, die mehrere hundert jüdische Personen behauste, tötete sie alle und traf auf keinen Widerstand." Hanover berichtet viele Fälle jüdischen Heldentums und hoher Ideale im Angesicht von unnennbarer physischer und psychologischer Torturen. In Tulczyn sammelten die Ukrainer die Juden in einem umzäunten Garten, wo mehrere Rabbis die Gemeinde ermahnten, trotz der Todesdrohung nicht ihren Glauben im Stich zu lassen. Dreimal sagten die Kosaken zu den Juden: "Jeder, der seinen Glauben aufgeben und am Leben bleiben will, möge unter dieses Banner sitzen" Nicht ein Jude rührte sich. Schließlich griffen die Kosaken an und "ungefähr 1.500 Seelen kamen um durch alle möglichen schrecklichen Todesarten."

In manchen Städten entgingen die Frauen der sicheren Vergewaltigung, indem sie sich in den die Befestigungsmauern umgebenden Stadtgraben stürzten; viele ertranken oder wurden im Wasser erschossen oder erdolcht. Hanover erzählt von einem schönen Mädchen aus reicher Familie, die ein Kosak zwang, seine Frau zu werden. "Aber bevor sie zusammenlebten, sagte sie ihm voller List, daß sie einen bestimmten Zauber besäße und daß keine Waffe sie verletzen könne. ‚Wenn du mir nicht glaubst, probier' es aus', sagte sie. ‚Schieße auf mich mit dem Gewehr, und du wirst sehen, daß ich nicht verletzt werde.' Der Kosak, ihr Ehemann, dachte in seiner Einfalt, sie sage die Wahrheit. Er schoß mit seinem Gewehr auf sie und sie fiel und starb für die Heiligung des Namens um zu verhindern, von ihm geschändet zu werden - möge Gott ihr Blut rächen."

Als die Angreifer ein Dorf nach dem anderen belagerten (insgesamt mehr als 700), flohen die Dorfbewohner. "Jeder, der ein Pferd und Wagen hatte, fuhr damit los. Wer kein Pferd und Wagen besaß, auch wenn er genug Geld hatte, einen zu kaufen, pflegte nicht zu warten, sondern nahm Frau und Kinder an der Hand und floh zu Fuß, und warf all seine Habe weg."

Hanover beschreibt Straßen, die viele Meilen weit mit Pferden und Wagen und Flüchtlingen zu Fuß blockiert waren, die Athmosphäre voll wilder Gerüchte und Panik. "Jeder warf Silber und Gold von seinem Wagen, Gefäße, Bücher, Kissen und Bettdecken, um schneller entfliehen zu können, um das Leben seiner Familie zu retten. Das Feld war mit Gold, Silber und Kleidern bestreut, und kein Jude hielt an, um sie zu nehmen."

Vor 1648 waren die Juden über Jahrhunderte hinweg aus Spanien, dem Elsaß und dem Rheinland ostwärts nach Polen und in die Türkei gezogen. Nach 1648 kehrte sich der Ost-Trend um. Viele Historiker haben darauf hingewiesen, daß der Abgrund der Verzweiflung, in den die Juden in dieser Zeit fielen, das Auftreten des falschen Messias Shabbetai Tsvi um 1666 vorbereitete und die revolutionäre Hassidische Bewegung des nächsten Jahrhunderts. Um einen Sinn in der Tragödie zu sehen, sahen viele gebildeten Juden den Namen Chmiel (wie Chmielnicki auf russisch hieß), als hebräisches Acronym an für Chevle Mashiach Yavi L'Olam (er wird in die Schmerzen des Messias einführen)."

Anfang 1650 ging Hanover nach Berlin und Amsterdam und sorgte für die Veröffentlichung seiner gesammelten Predigten und vielleicht auch von Yeven Metzulah. Das Datum seiner ersten Veröffentlichung ist ungewiß. Um die Schrecken der Vergangenheit zu vergessen, wandte er sich dem Mystizismus zu. Er schloß sich einem wichtigen kabbalistischen Kreis in Italien an und wurde 1653 Rabbi von Leghorn. Er zog später in die Wallachei und wurde Rabbi in Iasi und dann in Facsani. Um 1670 ging er nach Ungarisch-Brod, in Moravien, wo er weiterhin schrieb und publizierte, und wo seine Töchter heirateten.

Obwohl Hanover unversehrt den Kosaken-Pogromen entging, entkam er nicht einem gewaltsamen Tod. In den 1680er Jahren, nachdem die Türken gegen das Habsburger Reich in den Krieg zogen, griff eine ungarische, mit den Türken verbündete Armee die Synagoge von Brod während des Morgengebets an. Hanover wurde getötet. Ein zu seinem Gedächtnis errichteter Grabstein soll noch am Anfang dieses Jahrhunderts in Brod gestanden haben, und anscheinend wurde ihm auch in Focsani ein Denkmal gesetzt.

Das andauerndste Denkmal für sowohl Hanover als auch die vielen Gemeinden, deren Zerstörung er aufgezeichnet hat, ist der literarische Meilenstein, den er hinterlassen hat. Yeven Metzulah wurde dem Historiker William Helmreich zufolge so beliebt, daß es in manchen Gemeinden Osteuropas Brauch war, es jedes Jahr während der traditionellen "Drei Wochen" im Sommer zu lesen. Neue Ausgaben pflegten nach jeder neuen Verfolgungswelle zu erscheinen, einschließlich der Ukrainischen Pogrome, die während und nach dem 2. Weltkrieg erfolgten.

Und manche Historiker versichern, daß Yeven Metzulah neue Bedeutung erlangt hat, als Ergebnis der Shoah. "Die Brutalität Chmielnickis machte das Werk der Nazis umso leichter", schreibt Helmreich. "Wenn wir Hanovers Beschreibung der von Chmielnicki und seinen Horden begangenen Grausamkeiten lesen, wird klar, daß Hilters Forterkammern nur eine technologische Verfeinerung waren - der Präzedenzfall hatte sich bereits früher ereignet."


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(1) (2001), S. 69-77.


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