Aus der Forschung

Neues von den Sterbebüchern von Auschwitz

Von Carlo Mattogno und Jürgen Graf

Als die Sowjettruppen am 27. Januar 1945 in Auschwitz einrückten, fanden sie dort eine Unmenge von Urkunden vor, die anschließend nach Moskau überstellt wurden. Diese riesenhafte Dokumentation blieb bis zum Zusammenbruch des Kommunismus jahrzehntelang mit dem Vermerk »Geheim« in Moskauer Archiven liegen.

Unter den von den Sowjets erbeuteten Urkunden befanden sich auch jene 46 Sterbebücher, welche im Fond 504-2/2-47 des Archivs an der Ulitsa Viborgskaja (Viborgstraße) enthalten sind. Zwei der Register stammen aus dem Jahr 1941, 25 aus dem Jahr 1942 und 19 aus dem Jahr 1943. Die Existenz dieser Register wurde 1988 beim zweiten Zündel-Prozeß in Toronto vom IKRK-Delegierten Charles Biedermann bekanntgegeben. Alle Register wurden später dem Auschwitz-Museum zur Verfügung gestellt, das davon Photokopien anfertigte und diese dem Moskauer Archiv zusandte.

Die revisionistischen Historiker haben wiederholt die Frage aufgeworfen, wie vollständig die gegenwärtig in Moskauer Archiven zugängliche Dokumentation über Auschwitz ist. Zwei während unseres letzten Moskau-Aufenthalts zufällig entdeckte Urkunden beweisen, wie berechtigt die Skepsis der Revisionisten war. Die Dokumente, welche wir hier im Original sowie in einer Übersetzung präsentieren, haben eben die Sterbebücher zum Gegenstand.

Beim ersten Dokument handelt es sich um einen Brief des sowjetischen Außenministeriums vom 19. Februar 1948.[1]

Das zweite Dokument stellt die Antwort des Genossen Kosyrev zum selben Thema dar.[2]


Dokument 1:


Geheim.

UdSSR

AUSSENMINISTERIUM

Abteilung: 1- Europäische Abteilung

19. Februar 1948

An den verantwortlichen Sekretär der Außerordentlichen Staatlichen Kommission, den Genossen P.V. Bogojavlenski.

Betrifft Ihren Brief Nr. 26-c vom 27.1.1948.

Zu Ihrer Information teilen wir mit, daß das Außenministerium der UdSSR der Holländischen Botschaft mitgeteilt hat, daß sie sich mit dem Inhalt der 80 Bücher mit Listen im Lager Auschwitz Getöteter vertraut machen kann und sich in dieser Sache direkt an die Außerordentliche Staatliche Kommission wenden soll.

Der Leiter der 1. Europäischer Abteilung des Außenministeriums der UdSSR.

S. Kosyrev.

UdSSR

AUSSENMINISTERIUM

Abteilung: 1- Europäische Abteilung

19. Februar 1948

An den verantwortlichen Sekretär der Außerordentlichen Staatlichen Kommission, den Genossen P.V. Bogojavlenski.

Betrifft Ihren Brief Nr. 26-c vom 27.1.1948.

Zu Ihrer Information teilen wir mit, daß das Außenministerium der UdSSR der Holländischen Botschaft mitgeteilt hat, daß sie sich mit dem Inhalt der 80 Bücher mit Listen im Lager Auschwitz Getöteter vertraut machen kann und sich in dieser Sache direkt an die Außerordentliche Staatliche Kommission wenden soll.

Der Leiter der 1. Europäischer Abteilung des Außenministeriums der UdSSR.

S. Kosyrev.


Dokument 2:


Geheim.

An den Leiter der 1. Europäischen Abteilung des Außenministeriums der UdSSR, den Genossen S. Kosyrev.

Betrifft Ihren Brief Nr. 22-1 vom 15. Januar 1948.

Die Außerordentliche Staatliche Kommission besitzt 80 Bücher mit Listen getöteter und gequälter Kriegsgefangener verschiedener Nationalitäten und Karten getöteter sowie von der Roten Armee aus dem Lager Auschwitz befreiter holländischer Bürger.

Falls das Außenministerium der UdSSR es für nötig hält, kann die Außerordentliche Staatliche Kommission diese Materialien Vertretern Hollands zur Einsicht zur Verfügung stellen.

Verantwortlicher Sekretär der

Außerordentlicher Staatlicher Kommission P. Bogojavlenski.


Aus einem Kosyrev-Brief vom 15. Januar 1948 geht hervor, daß die 80 Bücher mit den Namen von in Auschwitz "Getöteten" im KL Groß-Rosen vorgefunden worden waren.

Es besteht kein Zweifel daran, daß es sich bei den erwähnten Büchern um die Auschwitzer Sterbebücher handelt. Ebensowenig ist zu bezweifeln, daß sich die noch nicht zugänglichen 34 Register ganz oder größtenteils auf das Jahr 1944 beziehen. Wo befinden sich diese Register? Warum werden sie der Forschung nicht zugänglich gemacht? Und wieviele andere wichtige, von den Sowjets erbeutete Urkunden gibt es noch, von denen man nichts weiß?

© Juni 2001


Anmerkungen

[1]GARF (Gosudarstvenni Archiv Rossiiskoi Federatsii), 7021-149-189, p. 40.
[2]GARF, 7021-149-189, p. 36.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(2) (2001), S. 222.


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