Der Fall Gamlich

Oder: Wie leicht man zum Verbrecher wird

Von Mag. Alfons Bauer

Der Inhaber einer kleinen Wiener Realkanzlei Mag. Hans Gamlich wurde am 1.2.2001 vom Geschworenengericht beim Landesgericht für Strafsachen Wien von acht Geschworenen unter dem Vorsitz des Richters Dr. Karlheinz Seewald mit 8:0, also einstimmig, für schuldig erkannt und zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt (30e Vr 5520/99 HV 5471/00). Da der Delinquent nicht vorbestraft war, wurde die Strafe unter Setzung einer Probezeit von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt.

Hatte Gamlich Klienten betrogen? Hatte er Treuhandgelder unterschlagen? Hatte er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Immobilien überteuert verkauft oder vermittelt? Man hört und liest ja soviel über kriminelle Machenschaften in der Immobilienbranche.

Nein! Er hatte bloß für die Wochenzeitung Zur Zeit (dem antifaschistischen Zeitgeist zufolge ein "rechtsextremes" Blatt!) eine wohlwollende Buchbesprechung verfaßt.

Er hatte dem Buch Das Ende der Tabus von Rudolf Graf Czernin nach umfangreichen Zitaten daraus, deren Aussage im Widerspruch zur veröffentlichten Meinung (notorisch und offenkundig) standen, eine rege Beachtung gewünscht. Das Buch, so Gamlich, solle zur Läuterung der Geschichtsauffassung der Leser beitragen, dies vor allem bei Politikern und Lehrern. (In VffG 2/99, S. 227, findet sich eine Besprechung dieses Buches.)

Mehr brauchte Gamlich nicht zu tun! Auf die Anzeige nach dem menschenrechts- und verfassungswidrigen österreichischen Verbotsgesetz folgte das Strafverfahren wie das Amen im Gebet. Der Zeitung passierte nichts, dem Autor des Buches passierte auch nichts, dabei war das Buch inzwischen in der vierten Auflage erschienen.

Der Staatsanwalt nahm das mit der Bemerkung hin, daß ja das Lesen nicht verboten sei. Aber das Loben! Das sich mit dem Inhalt Identifizieren! Die Aufforderung zur "Läuterung". Das alles war strafbar. Inkriminiert wurden erstens »Der Mythos der 6 Millionen«, zweitens die Feststellung, daß die bezeugten Massenvergasungen mit Zyklon B so nicht stattgefunden haben konnten, und drittens, daß die lange Liste der deutschen Kriegsverbrechen ständig kürzer wird, und zwar im Gegensatz zur Liste der Alliierten.

Diese Meinungsäußerungen reichten für ein Jahr Freiheitsstrafe. Ein Totschlag eines Türken an einem Deutschen wird bekanntlich in Deutschland wesentlich milder bestraft.

Hatte Gamlich etwas "geleugnet"? Hatte er den Nationalsozialismus "verherrlicht"? Nein, er hatte bloß die Wahrheit geschrieben. Aber gerade das ist heutzutage strafbar.

Daß die sechs Millionen ein Mythos sind, hat ja bekanntlich schon Martin Broszat (gewiß kein Revisionist!) als Gerichtssachverständiger im Prozeß gegen Ulf Meinolf ausgesagt. Das war also notorisch. Aber egal, was die Rechnung ergibt, da steht eben Offenkundigkeit gegen Offenkundigkeit, und die Offenkundigkeit der sechs Millionen ist eben höherrangiges Gut. Basta.

Daß aufgrund der Naturgesetze die bezeugten Massenvergasungen so (also wie von Zeugen geschildert und angeblichen Täter (freiwillig!?!) gestanden) nicht stattgefunden haben können, bedarf längst keiner Erörterung mehr. Schon 1991 hatte der damalige Präsident der Österreichischen Bundesingenieurkammer und gerichtlich beeidete Sachverständige Dipl.-Ing. Walter Lüftl in seinem Gutachten Holocaust, Glaube und Fakten festgestellt, daß Naturgesetze gleichermaßen für Faschisten und Antifaschisten gelten. Eine Binsenwahrheit. Die bezeugten Massenvergasungen erfordern aber eine selektive Anwendung der Naturgesetze. So geht es eben nicht. Man muß gelegentlich auch mit Betonung lesen.

»Jeder jüdische Mensch
kann von unserer Parscha ableiten
und mit dieser Erkenntnis leben,
dass das jüdische Volk den Begrenzungen der Naturgesetze nicht unterworfen ist.«

(Jüdische Rundschau Maccabi,
Basel, 11. November 1993)

Und daß die Liste der deutschen Kriegsverbrechen ständig kürzer wird, zeigt so schön der Fall Jedwabne. Als die Deutschen nach dem Überfall auf die "friedliebende Sowjetunion" (wer lacht da? Vortreten und selbst die Anzeige wegen Volksverhetzung zum österreichischen Denunziationszentrum tragen. Selbstanzeigepflicht wird demnächst Gesetz, nachdem das Verbotsgesetz jetzt schon die Denunziationspflicht enthält!) am 22.6.41 das Dorf Jedwabne erobert hatten, brachten sie am 10.7.1941 1600 Juden um. Später fand ein polnischer Professor heraus, daß die polnischen Nachbarn die Täter waren. Da reduzierte sich die Opferzahl ganz schnell auf 200, jedenfalls sagt das der polnische Justizminister. Dann behauptete man, die Deutschen hätten "angestiftet". Aber die polnischen Nachbarn sagten, die Deutschen haben uns befreit. Die Ermordung der Juden war patriotische Pflicht als Strafe für die Kollaboration mit den Bolschewisten. (Nachzulesen im Spiegel, und der ist bekanntlich kein revisionistisches Organ, da wird das schon stimmen!) Da bedurfte es keiner Anstiftung durch die Deutschen mehr. Die Polen brauchten auch nach dem Krieg keine deutschen Anstifter für Judenpogrome.

Gamlich hat also nur die Wahrheit gesagt. Aber nicht die "volkspädagogisch erwünschte", sondern die "sozialethisch verwirrende". Und das ist strafbar.

So sitzt jetzt Hans Gamlich brav in seiner Kanzlei und denkt darüber nach, wie viele Wahrheiten es gibt, und ob die Naturgesetze für bestimmte Zeitgenossen doch nicht gelten.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(3) (2001), S. 329f.


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