Eine Neubewertung Churchills - Teil 2

Von Prof. Dr. Ralph Raico

Wie Amerika nochmals in einen Krieg verwickelt wurde

Im September 1939 begann England mit Deutschland Krieg, gemäß der Garantie, die Chamberlain im März überstürzt an Polen gegeben hatte. Lloyd George hatte die Garantie »spatzenhirnig« genannt, während Churchill sie unterstützt hatte. Trotzdem schrieb Churchill in seiner Geschichte des Krieges:[1]

»Hier war endlich die Entscheidung - getroffen im schlechtesten Augenblick und auf der unbefriedigendsten Grundlage - was sicher zum Gemetzel von zig Millionen Leute führen muß.«

Als der Krieg losging, wurde Churchill wieder auf seinen alten Posten als Erster Lord der Admiralität berufen. Dann, im ersten Monat des Krieges, ereignete sich etwas Erstaunliches: der Präsident der Vereinigten Staaten begann einen persönlichen Briefwechsel - nicht mit dem Premierminister, sondern mit dem Chef der britischen Admiralität, und überging dabei alle üblichen diplomatischen Kanäle.[2]

Die Mitteilungen, die zwischen dem Präsidenten und dem Ersten Lord hin- und herströmten, wurden von einer krampfhaften Geheimhaltung umgeben, die in der Tyler-Kent-Affaire gipfelte. Der amerikanische Dechiffrier-Angestellte an der Londoner US-Botschaft wurde durch die britischen Behörden verurteilt und inhaftiert. Die Problematik bestand darin, daß einige der Nachrichten Hinweise enthielten, daß Roosevelt, sogar bevor der Krieg begann, einer eindeutig neutralitätswidrigen Zusammenarbeit mit dem kriegsführenden England zustimmte.[3]

Am 10. Juni 1939 besuchten George VI. und seine Frau Königin Mary die Roosevelts im Hyde Park. In privaten Gesprächen mit dem König versprach Roosevelt England volle Unterstützung im Falle des Krieges. Er beabsichtigte, im Atlantik eine Zone zu errichten, die von der US-Marine kontrolliert werden sollte, und der Präsident erklärte den Notizen des Königs zufolge:

»Wenn er ein U-Boot sähe, würde er es sofort versenken und auf die Folgen warten.«

Der Biograph Georges IV., Wheeler-Bennett, meinte, daß diese Unterhaltungen »den Kern des künftigen Handels "Basen-für-Zerstörer" enthielt, und auch des eigentlichen Leih-und-Pacht-Abkommens.«[4] Als Roosevelt mit dem Ersten Lord der Admiralität kommunizierte, war ihm klar, daß er mit dem Regierungsmitglied aus Chamberlains Kabinett in Verbindung war, dessen Kriegslüsternheit sich mit seiner eigenen messen konnte.

1940 wurde Churchill endlich Premierminister, ironischerweise als die Regierung Chamberlain wegen des norwegischen Fiaskos zurücktrat, das Churchill mehr als jeder andere herbeigeführt hatte.[5] So wie er nach dem Fall von Polen gegen einen Verhandlungsfrieden gekämpft hatte, so verschloß er sich weiterhin allen Vorschlägen, mit Hitler zu verhandeln. Viele der entscheidenden Dokumente sind auch nach all den Jahren noch unter Verschluß,[6] aber es ist erkennbar, daß es im Land und in der Regierung eine starke Friedenspartei gab. Dazu gehörte Lloyd George im Unterhaus, und im Kabinett Halifax, der Außenminister. Selbst nach dem Fall von Frankreich wies Churchill Hitlers erneute Friedensfühler zurück. Dies wird mehr als alles andere als der Ausgangspunkt seiner Größe angesehen. Der britische Historiker John Charmley entfachte einen wütenden Proteststurm, als er darauf hinwies, daß ein Verhandlungsfriede 1940 England und Europa zum Vorteil hätte gereichen können.[7] Ein Yale-Historiker, der in der New York Times Book Review schrieb, nannte Charmleys These »moralisch ekelhaft«.[8] Aber Charmleys wissenschaftliches und ausführliches Werk kommt zu der entscheidenden Schlußfolgerung, daß Churchills unnachgiebige Weigerung, den Friedensbedingungen von 1940 überhaupt ein Ohr zu leihen, zum Verhängnis für das wurde, was Churchill angeblich am teuersten war: das Empire und ein nicht-sozialistisches und in der Weltpolitik unabhängiges England. Man könnte hinzufügen, daß es auch dem europäischen Judentum zum Verhängnis wurde.[9] Es ist verwunderlich, daß es kritische Thesen über den Zweiten Weltkrieg gibt, die ein halbes Jahrhundert nach den Ereignissen einer historischen Debatte nicht zugänglich sind.

Lloyd George, Halifax und die anderen waren für einen Kompromiß-Frieden offen, weil ihnen klar war, daß England und die Dominions alleine Deutschland nicht besiegen konnten.[10] Nach dem Fall Frankreichs konnte Churchills Ziel eines totalen Sieges nur unter der Bedingung verwirklicht werden, daß die Vereinigten Staaten in einen weiteren Weltkrieg verwickelt würden. Kein Wunder, daß Churchill sein ganzes Herz daran setzte, um genau das zu erreichen.

Joseph Kennedy, der amerikanische Botschafter in England, bemerkte nach einem Gespräch mit Churchill:

»Die Briten werden jede Stunde mit Überlegungen verbringen, wie wir hineingezogen werden können.«

Als er Lissabon mit einem Schiff nach New York verließ, flehte er das Außenministerium an zu verkünden, daß die Vereinigten Staaten es nicht als Kriegsgrund mit Deutschland ansehen würden, wenn das Schiff auf geheimnisvolle Weise mitten im Atlantik explodieren sollte. In seinen unveröffentlichten Memoiren schrieb Kennedy:[11]

»Ich dachte, das würde mich davor schützen, daß Churchill eine Bombe auf dem Schiff anbringen ließ.«

Kennedys Befürchtungen waren vielleicht nicht übertrieben. Denn im Ersten Weltkrieg war es zwar wichtig für die britische Politik gewesen, Amerika in den Krieg zu verwickeln, für Churchills Politik im Zweiten Weltkrieg war es aber ganz und gar unabdingbar. In Franklin Roosevelt fand Churchill einen bereitwilligen Komplizen.

Daß Roosevelt durch seine Handlungen und privaten Äußerungen vor dem 7. Dezember 1941 einen klaren Kriegsplan bekundete, ist niemals wirklich in Frage gestellt worden. Um Fragen wie sein mögliches Vorauswissen des Angriffs auf Pearl Harbor wurde heftig debattiert. Schon 1948 formulierte Thomas A. Bailey, ein Historiker von Stanford, der sich mit Diplomatie befaßt, wie der pro-Rooseveltsche-Standpunkt in Wirklichkeit lauten muß:[12]

»Franklin Roosevelt hat das amerikanische Volk während der Zeit vor Pearl Harbor wiederholt getäuscht. [...] Er war wie ein Arzt, der dem Patienten zu dessen eigenem Wohl Lügen erzählen muß. [...] Das Land war bis zum Tag von Pearl Harbor überwältigend gegen eine Intervention, und ein offener Versuch, das Volk in den Krieg zu führen, hätte zu einem sicheren Fehlschlag geführt und der fast sicheren Entfernung Roosevelts aus seinem Amt 1940, und damit zu einem völligen Scheitern seiner grundlegenden Ziele.«

Churchill selbst machte sich nie die Mühe, Roosevelts Rolle als Mitverschwörer zu verheimlichen. Im Januar 1941 besuchte Harry Hopkins London. Churchill beschrieb ihn als »den zuverlässigsten und perfektesten Kommunikationskanal zwischen dem Präsidenten und mir [...] Hauptstütze und Antreiber auch für Roosevelt«:[13]

»Ich verstand schnell [Hopkins] persönliche Dynamik und die überragende Wichtigkeit seiner Mission. [...] Hier war ein Botschafter des Präsidenten von höchster Wichtigkeit für unser Leben. Mit glänzenden Augen und ruhiger, beherrschter Leidenschaft sagte er: "Der Präsident ist entschlossen, daß wir den Krieg zusammen gewinnen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Er hat mich hierher geschickt, um Ihnen zu sagen, daß er Ihnen durchhelfen wird, koste es, was es wolle, ganz egal, was mit ihm geschieht - es gibt nichts, was in menschlicher Macht steht, was er nicht tun wird." Hier saß er, dürr, gebrechlich, krank, aber glühend von tiefstem Verständnis der Sache. Es ging darum, Hitler zu besiegen, zu ruinieren und abzuschlachten - alle anderen Ziele, Loyalitäten und Zwecke waren nachrangig.«

1976 erfuhr die Öffentlichkeit schließlich die Geschichte von William Stephenson, dem britischen Agenten mit dem Decknamen »Intrepid«, der von Churchill 1940 in die Vereinigten Staaten geschickt worden war.[14] Stephenson errichtete sein Hauptquartier im Rockefeller Center, mit dem Befehl, jedes Mittel anzuwenden, das notwendig war, um dazu beizutragen, die Vereinigten Staaten in den Krieg zu bekommen. Mit vollem Wissen und Unterstützung Roosevelts, und auch der Zusammenarbeit mit Bundesbehörden, fingen Stephenson und seine etwa 300 Agenten »Post ab, zapften Leitungen an, knackten Panzerschränke, entführten Menschen [...] fabrizierten Gerüchte« und schwärzten unaufhörlich ihre Lieblings-Zielgruppe an: die "Isolationisten". Über Stephenson hatte Churchill de facto die Kontrolle über William Donovans Organisation, den gerade entstehenden US-Geheimdienst.[15]

Churchill hatte sogar bei der Flut probritischer und antideutscher Propaganda eine Hand im Spiel, die in den Jahren, bevor die USA in den Krieg eintraten, von Hollywood in Umlauf gesetzt wurde. Gore Vidal bemerkt scharfsichtig in Screening History, daß etwa ab 1937 die Amerikaner einem Film nach dem anderen ausgesetzt wurden, der England und die Kriegshelden, die das Empire aufbauten, verherrlichte. Wie die Zuschauer dieser Produktionen sagt Vidal:[16]

»Wird dienten weder Lincoln, noch Jefferson Davis. Wir dienten der Krone.«

Eine Schlüsselfigur, die in Hollywood diese Filme drehte, »die uns alle sonderbar englisch machten«, war der aus Ungarn emigrierte Freund Churchills, Alexander Korda.[17] Vidal schreibt sehr zutreffend:[18]

»Denen, die die heutige zionistische Propaganda unangenehm finden, kann ich nur sagen, daß das tapfere kleine Israel von heute eine Menge von den tapferen kleinen Engländern der 30er Jahre gelernt haben muß. Die Engländer unterhielten eine Propaganda-Flut, die schließlich unsere gesamte Kultur durchdrang. [...] Hollywood war mehr oder weniger subtil von britischen Propagandisten infiltriert.«

Während die Amerikaner bearbeitet wurden, berieten sich die zwei Verbündeten, wie sie direkte Feindseligkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland herbeiführen sollten. Im August 1941 trafen sich Roosevelt und Churchill bei der Atlantik-Konferenz. Hier erstellten sie die Atlantic Charta mit ihren "Vier Freiheiten", einschließlich "der Freiheit von Not", einem Blankoscheck, um angloamerikanische Sozialpolitik über den ganzen Erdball zu verbreiten. Als Churchill nach London zurückkam, informierte er das Kabinett, was er vereinbart hatte. Dreißig Jahre später wurden die britischen Dokumente freigegeben. Die New York Times berichtete so über die Enthüllungen:[19]

Winston Churchill mit F.D. Roosevelt und dem Ehepaar Chiang Kaitscheck in Kairo, 25.11.1943

»Ehemals streng geheime Unterlagen der britischen Regierung, die heute öffentlich zugänglich wurden, besagen, daß Präsident Franklin D. Roosevelt im August 1941 Premierminister Winston Churchill sagte, er suche einen Zwischenfall, der es rechtfertigen würde, die Feindseligkeiten gegen Nazi-Deutschland zu eröffnen. Am 19. August berichtete Churchill dem Kriegskabinett in London über andere Aspekte des Neufundland-Treffens [Atlantik Charta], die nicht veröffentlicht worden sind. [...] "Er [Roosevelt] war offensichtlich entschlossen, einzutreten. Wenn er die Frage über Krieg und Frieden dem Kongreß vorlegen sollte, würde der monatelang diskutieren", fügten die Kabinettsprotokolle hinzu. "Der Präsident hatte gesagt, er würde Krieg führen, aber ihn nicht erklären, und er würde immer provokativer auftreten. Wenn es den Deutschen nicht gefiele, könnten sie ja amerikanische Kräfte angreifen. [...] Alles sollte getan werden, um einen Zwischenfall zu erzwingen.«

Am 15. Juli 1941 schrieb Admiral Little von der britischen Marine-Delegation in Washington an Admiral Pound, den Ersten Lord der Admiralität:

»die größte Hoffnung, Amerika in den Krieg zu bekommen, besteht in den Geleitschutz-Maßnahmen nach Island. Laßt uns hoffen, daß die Deutschen nicht lange damit warten, sie anzugreifen.«

Little fügte, vielleicht im Spaß, hinzu:

»Sonst glaube ich, es wäre das beste für uns, einen Angriff durch unsere eigenen U-Boote zu organisieren - am liebsten auf die Eskorte!«

Ein paar Wochen früher schrieb Churchill, auf der Suche nach einer Gelegenheit, Amerika in den Krieg zu bekommen, an Pound bezüglich des deutschen Kriegsschiffes Prinz Eugen:[20]

»Es wäre z.B. besser, wenn es von einem US-Schiff geortet würde, denn das könnte es dazu verleiten, auf dieses Schiff zu feuern, und damit einen Vorfall liefern, für den die US-Regierung allzu dankbar wäre.«

Es gab zunehmend Zwischenfälle im Nordatlantik, als sich die USA einem Krieg mit Deutschland näherten.[21]

Aber Churchill vergaß nicht das Mittel der "Hintertür zum Krieg", also die Verwicklung der Vereinigten Staaten mit Japan, um Amerika in einen Konflikt mit Hitler zu bringen. Sir Robert Craigie, der britische Botschafter in Tokio, wie auch der amerikanische Botschafter Joseph Grew bemühten sich fieberhaft, den Krieg zu vermeiden. Churchill wies seinen Außenminister, Anthony Eden an, Craigie auf Linie zu bringen:[22]

»Ihm sollte sicherlich gerade heraus gesagt werden, daß der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten entweder gegen Deutschland und Italien oder gegen Japan mit britischen Interessen voll vereinbar ist. Nichts auf dem Rüstungssektor hat vergleichbare Bedeutung wie eine gemeinsame Kriegführung des britischen Weltreichs zusammen mit den Vereinigten Staaten.«

Churchill warf seinen Einfluß in die Waagschale, um die amerikanische Politik gegenüber Japan unnachgiebig zu machen, vor allem in den letzten Tagen vor dem Angriff auf Pearl Harbor.[23] Ein Churchill-freundlicher Kritiker, Richard Lamb, schrieb kürzlich:[24]

»War es gerechtfertigt, daß [Churchill] versuchte, die Japaner zu einem Angriff auf die Vereinigten Staaten zu provozieren? [...] 1941 hatte England keine Aussicht, Deutschland ohne die Hilfe der USA als aktivem Verbündeten zu besiegen. Churchill glaubte, daß der Kongreß niemals Roosevelt bevollmächtigen würde, Deutschland den Krieg zu erklären. [...] Im Krieg müssen die nationalen Führer Entscheidungen im Hinblick auf ihre Wirkung auf die Kriegsanstrengungen treffen. Es liegt Wahrheit in dem alten Sprichwort: In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt.«

Kein Wunder, daß Churchill am 15. Februar 1942 im Unterhaus bezüglich Amerikas Kriegseintritt erklärte:[25]

»Das ist, wovon ich geträumt habe, was ich angestrebt habe, wofür ich gearbeitet habe - und jetzt ist es geschehen.«

Churchills Verehrer werfen ihm in keiner Weise vor, wie er Amerika in den Zweiten Weltkrieg gebracht hat. Im Gegenteil, sie halten es ihm zugute. Harry Jaffa scheint in seiner uninformierten und verkrampften Apologie die letzte lebende Person zu sein, die sich weigert zu glauben, daß der Mann der vielen Jahrhunderte in irgendeinem Grad für Amerikas Kriegseintritt verantwortlich war. Waren es schließlich nicht die Japaner, die Pearl Harbor bombardiert hatten?[26]

Aber wie steht es mit der amerikanischen Republik? Was bedeutet es für die Amerikaner, daß einer ihrer Präsidenten mit einem ausländischen Regierungsoberhaupt kollaborierte, um sie in einen Weltkrieg zu verstricken? Die Frage hätte Churchill wenig interessiert. Ihm bedeuteten die Vereinigten Staaten nichts als souveräne, unabhängige Nation, mit ihrer eigenen Wesensart und ihrem Platz in der Ordnung der Dinge. Für ihn waren die Amerikaner eines der "englisch sprechenden Völker". Er erwartete eine gemeinsame Staatsbürgerschaft für Briten und Amerikaner, ein "Zusammenmischen" auf dem Weg zur angloamerikanischen Weltherrschaft.[27]

Aber man sollte meinen, daß die Churchill-Roosevelt-Intrige für Amerikaner wichtig sein müßte. Doch hier wird die Kritik gestoppt, bevor sie überhaupt beginnt. Es ist ein moralisches Postulat unserer Zeit, daß zur Vernichtung Hitlers alles erlaubt war. Aber warum ist es offenkundig, daß die Moral 1939 und 1940 einen Kreuzzug gegen Hitler notwendig machte, aber nicht gegen Stalin? Zu diesem Zeitpunkt hatte Hitler Tausende getötet, aber Stalin hatte bereits Millionen umgebracht. Tatsächlich verhielten sich die Sowjets bis zum Juni 1941 weit mörderischer gegenüber den Polen in ihrer Besatzungszone, als die Nationalsozialisten in der ihren. Etwa 1.500 000 Polen wurden in den Gulag deportiert, und etwa die Hälfte von ihnen starb innerhalb der ersten zwei Jahre. Norman Davies schreibt:[28]

»Stalin übertraf Hitler in seinem Wunsch, die Polen auf den Status einer Sklavennation herabzuwürdigen.«

Natürlich gab es Überlegungen bezüglich des Gleichgewichts der Kräfte, die eine Unterscheidung der zwei Diktatoren bewirkten. Aber es muß noch erklärt werden, warum es einen doppelten Maßstab geben soll, demzufolge ein Kompromiß mit dem einen Diktator moralisch ekelhaft« gewesen wäre, während Kollaboration mit dem anderen moralisch nicht zu beanstanden war.[29]

"Erst fängt man den Hasen"

Am Anfang des Krieges erklärte Churchill:[30]

»Ich habe nur ein Lebensziel: Hitler zu besiegen, und das macht die Sache für mich sehr einfach.«

»Sieg, Sieg um jeden Preis« wortwörtlich genommen - das war seine Politik praktisch bis zum Ende. Es zeigt Churchills grundsätzlichen und verheerenden Fehler im Zweiten Weltkrieg: daß er die operative Strategie von der politischen absonderte. Der operativen Strategie widmete er mit der Planung und Leitung militärischer Feldzüge all seine Zeit und Kraft, was er ja so außerordentlich liebte. Der politischen Strategie, nämlich dem Einpassen der militärischen Operationen in die größere und viel bedeutendere politische Zielsetzung, der sie doch dienen sollten, widmete er keinerlei Bemühungen.

Stalin verstand dagegen vollkommen, daß der ganze Zweck eines Krieges darin besteht, bestimmte politische Forderungen durchzusetzen. Das ist der Sinn des berühmten Ausspruchs von Clausewitz, der Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Bei Edens Besuch in Moskau im Dezember 1941 war Stalin, obwohl die Wehrmacht an den Außenbezirken Moskaus stand, mit seinen Forderungen schnell bei der Hand: britische Anerkennung der sowjetischen Herrschaft über die Baltischen Staaten und die Gebiete, die er soeben Finnland, Polen und Rumänien entrissen hatte (sie wurden ihm letztlich zugebilligt). Während des ganzen Krieges verlor er nie diese und andere wesentlichen Kriegsziele aus dem Auge. Churchill dagegen widmete seinen Kriegszielen - worin sie auch immer bestanden haben mögen - nie einen Gedanken, trotz häufiger Anmahnungen durch Eden.[31] Er erklärte, seine Art, die Sache anzugehen, sei gemäß dem Rezept für Hasenpfeffer: »Erst fängt man seinen Hasen[32] Erst Hitler schlagen, dann anfangen, über die Zukunft Englands und Europas nachzudenken. Churchill faßte es, wie bereits erwähnt, so zusammen:

»Hitler zu besiegen, zu ruinieren und abzuschlachten - alle anderen Ziele, Loyalitäten und Zwecke waren nachrangig.«

Tuvia Ben-Moshe hat die Ursache dieser grotesken Gleichgültigkeit scharfsinnig aufgezeigt:[33]

»Dreißig Jahre zuvor hatte Churchill zu Asquith gesagt, daß der Ehrgeiz seines Lebens war, "große siegreiche Armeen in der Schlacht zu befehligen." Während des Zweiten Weltkriegs war er entschlossen, die günstige Gelegenheit voll zu nutzen, die ihm die praktisch uneingeschränkte militärische Handhabung des großen Konflikts bot. Er neigte dazu, die Behandlung von Angelegenheiten, die ihn von diesem Vergnügen ablenken konnten, zu ignorieren oder zu verschieben. [...] Auf diese Weise schob er die Behandlung der Themen hinaus, mit denen er sich in seiner Eigenschaft als Ministerpräsident hätte befassen sollen, oder legte sie gar vollständig auf Eis.«

Churchills Politik der Rundum-Unterstützung von Stalin blockierte andere, möglicherweise günstigere Vorgehensweisen. Der Militärexperte Hanson Baldwin stellte zum Beispiel fest:[34]

»Es gibt keinerlei Zweifel, daß es im Interesse Englands, der Vereinigten Staaten und der Welt gewesen wäre, den beiden großen Diktaturen zu erlauben, sich gegenseitig bis zur Erschöpfung zu bekriegen, oder sie sogar dazu zu ermuntern. Ein solcher Kampf mit der sich daraus ergebenden Schwächung sowohl des Kommunismus wie des Nazismus hätte die Schaffung eines stabileren Friedens nur unterstützen können.«

Statt diesen Weg zu gehen oder z. B. den Sturz Hitlers durch NS-gegnerische Deutsche zu fördern, statt solche Überlegungen auch nur anzustellen, ließ Churchill von Anfang an Sowjetrußland seine ganze Unterstützung angedeihen.

Franklin Roosevelts Naivität gegenüber Joseph Stalin ist wohlbekannt. Er betrachtete Stalin als "progressiven" Genossen und unschätzbaren Mitarbeiter bei der Schaffung der künftigen Neuen Weltordnung.[35] Aber die Neokonservativen und andere, die Roosevelts diesbezüglichem Wahnsinn Churchills Alte-Welt-Schlauheit und Gerissenheit entgegenstellen wollen, sind ebenso schwer im Irrtum.

Roosevelts Übelkeit erregende Schmeicheleien gegenüber Stalin werden von denen Churchills leicht aufgewogen. Genau wie Roosevelt überhäufte Churchill den kommunistischen Mörder mit widerlichem Lob und war um Stalins persönliche Freundschaft besorgt. Außerdem gab es keinen Unterschied zwischen seinen privaten und seinen öffentlichen Lobhudeleien Stalins und dessen Version des Kommunismus, die so anders als die abstoßende "trotzkistische" Ausgabe sei.

Noch im Januar 1944 sprach er Eden gegenüber von den »tiefgreifenden Änderungen, die im Wesen des russischen Staates und seiner Regierung vor sich gegangen sind, dem neuen Vertrauen zu Stalin, das in unseren Herzen gewachsen ist.«[36] In einem Brief an seine Frau Clementine schrieb Churchill nach der Konferenz von Moskau im Oktober 1944:[37]

Churchill im Jahr 1943 in Kanada
während einer Radiosendung.

»Ich hatte einige sehr nette Gespräche mit dem alten Bären. Ich mag ihn jedesmal mehr. Jetzt respektieren sie uns und ich bin sicher, daß sie mit uns zusammenarbeiten wollen.«

Verfasser wie Isaiah Berlin, die den Eindruck vermitteln wollen, daß Churchill alle Diktatoren, einschließlich Stalin, haßte und verachtete, sind entweder unwissend oder unehrlich.[38]

Churchills Befürworter behaupten oft, daß der reife und listige britische Staatsmann im Gegensatz zu den Amerikanern die Gefahr durch die Sowjetunion voraussah und verbissen daran gearbeitet habe, sie abzuwenden. Churchills berühmte "Mittelmeer-Strategie", Europa an seinem "weichen Unterleib" anzugreifen, statt sich auf eine Invasion Nordfrankreichs zu konzentrieren, soll angeblich der Beweis dafür sein.[39] Aber diese Rechtfertigung hat Churchill im Nachhinein zusammengebraut, nachdem der Kalte Krieg begonnen hatte. Es gibt kaum, wenn überhaupt, zeitgenössische Beweise dafür, daß der Wunsch, die Russen nach Wien und Budapest zurückzuschlagen, irgendeine Rolle bei Churchills Befürwortung der "weichen Unterleib-Strategie" spielte. Churchill führte damals ausschließlich militärische Gründe an.[40] Ben-Moshe stellt fest:[41]

»Die offiziellen britischen Historiker haben versichert, daß Churchill nicht vor der zweiten Hälfte 1944 und der Überquerung des Kanals mit Überlegungen begann, den Russen in Südosteuropa mit militärischen Mitteln zuvorzukommen.«

Zu dem Zeitpunkt wäre eine solche Bewegung aber aus mehreren Gründen unmöglich gewesen. Dies war lediglich eine weitere von Churchills bizarren militärischen Ideen, wie etwa auch das Eindringen in die Festung Europa über Norwegen, oder die Invasion Nordfrankreichs bis 1945 hinauszuschieben. Zu dieser Zeit hätten die Russen den Rhein bereits erreicht gehabt.[42]

Außerdem beruhte die amerikanische Opposition zu Churchills Südstrategie nicht auf Blindheit gegenüber der kommunistischen Gefahr. General Albert C. Wedemeyer, einer der schärfsten Antikommunisten im amerikanischen Militär, schrieb:[43]

»Wenn wir durch die Ljubljana-Öffnung in den Balkan eingedrungen wären, hätten wir theoretisch die Russen nach Wien und Budapest treiben können. Aber dort wäre die Logistik gegen uns gewesen: es wäre dort nahezu unmöglich gewesen, mehr als zwei Divisionen durch die adriatischen Häfen zu versorgen. [...] Das Vorhaben, den Balkan vor dem Kommunismus zu retten, hätte niemals durch eine "Weiche-Unterleib-Invasion" bewerkstelligt werden können, denn Churchill selbst hatte für Tito den Weg zum Erfolg bereits gebahnt [...der] sich mit britischer Hilfe in Jugoslawien eingerichtet hatte, lange bevor Italien selbst erobert wurde.«

Wedemeyers Bemerkung über Jugoslawien treffen ins Schwarze. Churchill wies diesbezüglich den Rat seines eigenen Außenministeriums zurück, und verließ sich statt dessen auf Informationen, die ihm vor allem der Chef des Kairoer Büros des SOE, der Abteilung für Spezialoperationen, lieferte, die von einem kommunistischen Agenten namens James Klugman geleitet wurde. Churchill zog die britische Unterstützung für die Guerilla-Armee der Loyalisten des Generals Mihailovic zurück und ließ sie statt dessen dem kommunistischen Partisanenführer Tito zukommen.[44] Was ein Sieg für Tito bedeuten würde, war für Churchill kein Geheimnis.[45] Als Fitzroy Maclean von Churchill befragt wurde, bevor er als Verbindungsmann zu Tito geschickt wurde, bemerkte Maclean,[46] daß, unter kommunistischer Führung letztendlich das Ziel der Partisanen

August 1943: Während auf seinen Befehl hin in Europa Hunderttausende unschuldige Zivilisten seinem Bomben-Holocaust zum Opfer fallen, läßt es sich Winston Churchill in Kanada gut gehen...

»zweifellos die Errichtung eines kommunistischen Regimes in Jugoslawien sein würde, in engem Anschluß an Moskau. Wie schätzte die Regierung Seiner Majestät eine solche Möglichkeit ein? [...] Churchills Antwort ließ bei mir keinen Zweifel über die Lösung des Problems. Er sagte, solange die ganze westliche Zivilisation durch die Nazi-Gefahr bedroht sei, könnten wir es uns nicht leisten, unsere Aufmerksamkeit von der anstehenden Thematik durch Erwägungen über langfristige Politik ablenken zu lassen. [...] Politik kommt erst in zweiter Linie in Betracht.«

Man kann sich kaum eine leichtfertigere Einstellung zum Kriegführen denken, als Politik »in zweiter Linie in Betracht« zu ziehen. Was die "menschlichen Kosten" von Churchills Politik angeht: als ein Berater ausführte, daß Tito Jugoslawien in eine kommunistische Diktatur nach Sowjetmodell umwandeln wolle, erwiderte Churchill:[47]

»Haben Sie vor, dort zu leben?«

Churchills wohlwollende Haltung gegenüber Stalin und Rußland steht in scharfem Kontrast zu seiner Haltung Deutschland gegenüber. Bei Hitler entdeckte Churchill den alten Geist des Preußentums, das angeblich nicht nur zwei Weltkriege verursacht hatte, sondern auch den deutsch-französischen Krieg. Jetzt bekämpfte er »die Nazi-Tyrannei und den preußischen Militarismus«, die »zwei Hauptelemente im deutschen Leben, die absolut vernichtet werden müssen.«[48] Im Oktober 1944 war Churchill immer noch dabei, Stalin zu erklären:[49]

»Das Problem war, wie man Deutschland bis zu Lebzeiten unserer Enkel daran hindern könnte, wieder auf die Füße zu kommen.«

Donald C. Watt kommentierte dies wie folgt:[50]

»Churchill wohnte eine Geistesverwirrung inne bezüglich der preußischen Aristokratie, des Nazismus und der Quelle des deutschen Militärexpansionismus. [... Seine Ansicht] war der von Sir Robert Vansittart und Sir Warren Fisher bemerkenswert ähnlich, das heißt, sie setzte sich aus einer geradezu rassistischer Antipathie und Überlegungen in bezug auf das Gleichgewicht der Kräfte zusammen.«

Churchills Ziel war nicht einfach, die Weltzivilisation vor den Nationalsozialisten zu retten, sondern, mit seinen Worten, »auf unbegrenzte Zeit hin zu verhindern, daß sie [die Deutschen] wieder als eine bewaffnete Macht aufsteigen.«[51]

Da wundert es wenig, daß Churchill sich weigerte, den Appellen der gegen Hitler eingestellten deutschen Opposition auch nur Gehör zu schenken, die wiederholt versuchte, mit der britischen Regierung in Verbindung zu kommen. Anstatt alle Anstrengungen zu unternehmen, um zu einem Putsch gegen die Nationalsozialisten zu ermuntern und ihn zu unterstützen, antwortete Churchill auf die vom deutschen Widerstand ausgestreckten Fühler mit eisigem Schweigen.[52] Wiederholte Warnungen von Adam von Trott und anderen Widerstandsführern vor der drohenden "Bolschewisierung" Europas machten auf Churchill keinerlei Eindruck.[53]

Ein Historiker schrieb kürzlich:[54]

»Durch seine Unnachgiebigkeit und seine Weigerung, Gespräche mit oppositionellen Deutschen zu führen, schlug Churchill die Gelegenheit aus, den Krieg im Juli 1944 zu beenden.«

Zu der Dummheit kommt noch Niederträchtigkeit: Churchill und sein Haufen hatten nur verächtliche Worte für die putschenden deutschen Offiziere übrig, selbst als sie durch die Gestapo hingerichtet wurden.[55]

Churchill bot den Deutschen, die nach einem Weg suchten, den Krieg zu beenden, bevor die Rote Armee nach Mitteleuropa strömte, statt Hilfe nur das Schlagwort von der bedingungslosen Kapitulation. Hinterher log Churchill im Unterhaus über seine Rolle in Casablanca bezüglich Roosevelts Ankündigung über die Politik der bedingungslosen Kapitulation und wurde gezwungen, seine Erklärung zu widerrufen.[56] Eisenhower war einer von denen, die heftig und beharrlich gegen die Formel der bedingungslosen Kapitulation eintraten, weil sie die Kriegsanstrengungen beeinträchtigte, da sie die Kampfmoral der Wehrmacht anhob.[57] Tatsächlich wurde das Schlagwort von Goebbels aufgegriffen und trug dazu bei, daß die Deutschen bis zum bitteren Ende aushielten.

Die schädliche Wirkung dieser Politik wurde in unermeßlichem Grade vom Morgenthau-Plan erhöht, der den Deutschen ein erschreckendes Bild davon gab, was »bedingungslose Kapitulation« bedeuten würde.[58] Dieser Plan, der von Roosevelt und Churchill in Quebec unterzeichnet wurde, forderte, daß Deutschland in ein Acker- und Weideland umgewandelt werden sollte, sogar die Kohlengruben des Ruhrgebietes sollten zerstört werden. Die Tatsache, daß dies den Tod von zig Millionen Deutschen bedeutet hätte, gibt eine perfekte Analogie zu Hitlers angeblichen Plänen, wie mit Rußland und der Ukraine verfahren werden sollte.

Churchill war ursprünglich gegen den Plan. Er wurde aber von Professor Lindemann,[59] einem ebenso wahnsinnigen Deutschenhasser wie Morgenthau selbst, dafür gewonnen. Lindemann erklärte gegenüber Lord Moran, Churchills Leibarzt:[60]

»Ich erklärte Winston, daß der Plan England vor dem Bankrott retten würde, weil ein gefährlicher Konkurrent beseitigt würde... Winston hatte die Sache noch nicht aus dieser Perspektive betrachtet, und er hörte auf, von einer grausamen Bedrohung des deutschen Volkes zu sprechen.«

Morgenthau zufolge wurde der Entwurf des Planes allein von Churchill formuliert. Als Roosevelt nach Washington zurückkam, drückten Hull und Stimson ihr Entsetzen aus, und belehrten den Präsidenten schnell eines Besseren. Churchill dagegen war ohne Reue. Als er in seiner Geschichte des Krieges zum Morgenthau-Plan kam, verdrehte er dessen Vorgeschichte und log, indem er seine Rolle und seine Unterstützung dafür verschwieg.[61]

Abgesehen von der Thematik dieses Planes wunderte sich Lord Moran, wie Churchill auf der Konferenz von Quebec erscheinen konnte, »ohne sich Gedanken über die Zukunft Deutschlands gemacht zu haben, obwohl dessen Kapitulation abzusehen war.« Die Antwort war, daß »er so mit der Kriegführung beansprucht war, daß ihm wenig Zeit blieb, die Zukunft zu planen«:[62]

»Militärische Einzelheiten hatten ihn lange fasziniert, während ihn solche Probleme, die wahrscheinlich auf einer Friedenskonferenz abzuhandeln wären, deutlich anödeten. [...] Der Ministerpräsident verschwendete seine abnehmenden Kräfte für Dinge, für die eigentlich Soldaten zuständig sind. Mein Tagebuch vom Herbst 1942 berichtet, wie ich mit Sir Stafford Cripps sprach und herausfand, daß er meine Sorgen teilte. Er wollte, daß sich der Ministerpräsident auf die großangelegte Strategie des Krieges und die hohe Politik konzentriere. [...] Niemand konnte [Churchill] zur Einsicht in seine Fehler bringen.«

Sorgsam verschleierte Kriegsverbrechen

Einige Kriegsereignisse verdienen Erwähnung, die Churchills Charakter offenbaren. Ein verhältnismäßig unbedeutender Zwischenfall war der englische Angriff auf die französische Flotte bei Mers-el-Kebir (Oran) vor der Küste Algeriens. Nach dem Fall Frankreichs forderte Churchill, daß die Franzosen ihre Flotte an England auslieferten. Die Franzosen wiesen dies zurück und sicherten zu, eher ihre Schiffe zu versenken, als zuzulassen, daß sie in deutsche Hände fielen. Gegen den Rat seiner Marineoffiziere befahl Churchill den englischen Schiffen vor der algerischen Küste, das Feuer zu eröffnen. Etwa 1500 französische Seeleute wurden getötet. Das war offensichtlich nach jedermanns Definition ein Kriegsverbrechen: ein nicht herausgeforderter Angriff auf die Kräfte eines Verbündeten, ohne eine Kriegserklärung. In Nürnberg wurden deutsche Offiziere für weniger zu Haftstrafen verurteilt. Da Churchill dies klar war, log er in seinem Geschichtswerk über Mers-el-Kebir und unterschlug diesbezügliches Beweismaterial in der offiziellen britischen Kriegsgeschichte.[63] Mit dem Angriff auf die französische Flotte bestätigte Churchill in zwei Weltkriegen seine Rolle als der Hauptübeltäter gegen die Spielregeln der Kriegführung, die sich im Westen über Jahrhunderte herausgebildet hatten.

Aber das große Kriegsverbrechen, das für immer mit Churchills Namen verbunden sein wird, ist die Terror-Bombardierung der Städte Deutschlands, die alles in allem 600 000 Zivilisten das Leben kostete und 800 000 schwer verwundete.[64] (Man vergleiche das mit den grob geschätzt 70 000 Briten, die bei deutschen Luftangriffen das Leben verloren. Es ist eine Tatsache, daß beinahe so viele Franzosen durch alliierte Luftangriffe getötet wurden, wie Engländer von den Deutschen getötet wurden.[65]) Der Plan war hauptsächlich durch Professor Lindemann, Churchills Freund und Ratgeber, entwickelt und vom Befehlshaber des Bomberkommandos, Arthur Harris ("Bomber Harris") durchgeführt worden. Harris erklärte:[66]

»Wir haben beim Bomber-Kommando immer nach dem Grundsatz verfahren, daß es besser ist, irgend etwas in Deutschland zu bombardieren, als gar nichts.«

Harris und andere britischen Luftwaffen-Führer brüsteten sich, daß England bahnbrechend bei der massiven Anwendung von Flächenbombardierungen war. J.M. Spaight, ehemaliger Haupt-Unterstaatssekretär des Luftwaffenministeriums[67] bemerkte, daß die Deutschen (und die Franzosen) die Luftwaffe hauptsächlich als Erweiterung der Artillerie zwecks Unterstützung der Kampftruppen ansahen, während die Briten erkannten, daß sie damit die Heimatbase des Feindes zerstören konnten. Dementsprechend bauten sie ihre Bomber und rüsteten sie ihre Bomber-Geschwader aus.[68]

Churchill log schamlos vor dem Unterhaus und der Öffentlichkeit, als er behauptete, daß nur Militär- und Industrieanlagen bombardiert würden. In Wirklichkeit war das Ziel, so viele Zivilisten wie nur möglich zu töten, - daher "Flächen"-Bombardierung und Bomben-"Teppiche" - um auf diese Weise die Moral der Deutschen zu brechen und sie zur Kapitulation zu terrorisieren.[69]

Harris stand wenigstens zu seinen Überzeugungen. Er drängte die Regierung, öffentlich zu verkünden:[70]

»Als Ziel der vereinten Bomberoffensive sollte unzweideutig angegeben werden: die Zerstörung der deutschen Städte, das Töten der deutschen Arbeiter, und die Zerstörung des zivilisierten Lebens in ganz Deutschland.«

Der Mordfeldzug aus der Luft machte Deutschland dem Erdboden gleich. Eine tausend Jahre alte Stadtkultur wurde zunichte gemacht, als große Städte, die in den Annalen der Wissenschaft und Kunst berühmte waren, zu rauchenden Trümmerhaufen reduziert wurden. Es gab Höhepunkte: die Bombardierung Lübecks, als die alte Hansestadt »wie Zunder brannte«, der Luftangriff auf Köln mit 1000 Bombern, und die folgenden Luftangriffe, die auf irgendeine wunderbare Weise den großen Dom im wesentlichen verschonten, aber den Rest der Stadt zerstörten, einschließlich dreizehn romanischer Kirchen; der Feuersturm, der Hamburg verzehrte und etwa 42 000 Menschen tötete. Kein Wunder, daß sich ein zivilisierter Europäer wie Joseph Schumpeter in Harvard, als er davon erfuhr, veranlaßt sah, »einem jeden, der es hören will«, zu sagen, daß Churchill und Roosevelt mehr zerstörten als Dschingis Khan.[71]

Die schlimmste Tat war die Vernichtung von Dresden im Februar 1945. Laut der offiziellen Geschichte der RAF:[72]

Sinnlose Vernichtungswut: Das brennende Königesberg nach dem Überfall durch Churchills fliegende Massenmörderbande, kurz vor dem Eintreffen von Chruchills Freunden, den mordenden und brandschatzenden Sowjets.

»Die Vernichtung Deutschlands hatte bis dahin einen Umfang angenommen, der Attila oder Dschingis Khan erschreckt hätte.«

Dresden, die Hauptstadt des alten Königreichs Sachsen, war ein unverzichtbarer Halt auf einer Besichtigungsreise, ein Juwel des Barock in Europa. Der Krieg war praktisch vorbei, die Stadt mit Massen hilfloser Flüchtlinge gefüllt, die vor dem Vormarsch der Roten Armee flüchteten. Dennoch wurde Dresden drei Tage und drei Nächte lang, vom 13. bis zum 15. Februar, mit Bomben zertrümmert. Mindestens 30.000 Menschen wurden getötet, vielleicht auch 135 000 oder mehr. Der Zwinger, die Frauenkirche, die Brühler Terrasse, die die Elbe übersah, wo in Turgenjews Väter und Söhne Onkel Pawel seine letzten Jahre verbrachte; die Semper-Oper, wo Richard Strauss die Premiere des Rosenkavaliers dirigierte, und praktisch alles andere wurde eingeäschert. Churchill hatte dazu aufgehetzt. Aber er war von der Entrüstung, die darauf folgte, erschüttert. Während in Georgetown und Hollywood nur wenige jemals von Dresden gehört haben, bedeutete die Stadt etwas in Stockholm, Zürich und dem Vatikan, sogar in London. Was tat unser Held? Er schickte ein Memorandum an die Stabschefs:[73]

»Es scheint mir, daß der Augenblick gekommen ist, um die Frage zu überdenken, daß deutsche Städte bombardiert werden, nur um den Schrecken zu erhöhen, wenn auch mit anderen Vorwänden. Sonst erlangen wir die Herrschaft über ein völlig zerstörtes Land. [...] Die Zerstörung Dresdens hinterläßt ernste Zweifel über die Führung der alliierten Bombardierungen. [...] Ich halte es für notwendig, sich präziser auf militärische Ziele zu konzentrieren. [...] als auf reine Terrorakte und mutwillige Zerstörung, wie eindrucksvoll diese auch sein mögen.«

Die Militärchefs durchschauten Churchills schändliches Spiel: Da sie merkten, daß sie an den Pranger gestellt werden sollten, weigerten sie sich, das Memorandum entgegenzunehmen. Nach dem Krieg dementierte Churchill beiläufig, Kenntnis von der Bombardierung Dresdens gehabt zu haben, indem er sagte:[74]

»Ich glaubte, die Amerikaner hätten es getan.«

Und die Bombardierungen gingen weiter. Am 16. März wurde Würzburg im Laufe von 20 Minuten dem Erdboden gleichgemacht. Berlin und Potsdam wurden sogar noch bis Mitte April immer wieder bombardiert, und weitere 5000 Zivilisten wurden getötet. Endlich hörte es auf. Wie Bomber-Harris bemerkte, gab es letztlich in Deutschland keine Ziele mehr für weitere Bombardierungen.[75] Es dürfte kaum nötig sein zu berichten, daß Churchill den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki befürwortete, der den Tod von weiteren 100 000 Zivilisten oder mehr zur Folge hatte. Als sich Truman den Mythos von den "500 000 geretteten amerikanischen Leben" ausdachte, weil dadurch eine Invasion der japanischen Hauptinsel vermieden worden sei -die höchsten militärischen Schätzungen beliefen sich auf 46.000 - krönte Churchill seine Lüge: die Atombomben hätten 1 200 000 Leben gerettet, einschließlich 100 000 Amerikaner, phantasierte er.[76]

Der Eifer, mit dem Churchill die Städte-Zerstörung aus der Luft leitete oder ihr Beifall spendete, sollte bei denen Fragen aufwerfen, die ihn immer noch als den großen "Konservativen" seiner Zeit oder vielleicht aller Zeiten ansehen. Sie täten gut daran, die Beurteilung eines echten Konservativen wie Erik von Kuehnelt-Leddihn zu bedenken, der schrieb:[77]

"Nichtbriten bedeuteten Churchill nichts, der Menschenleben, ihr Wohlergehen, ihre Freiheit, mit der gleichen eleganten Verachtung opferte, wie sein Kollege im Weißen Haus.«

1945: die dunkle Seite

Und so kommen wir also zum Jahr 1945 und dem alles überstrahlenden Sieg des absolut Guten über das absolut Böse. Die Mystik dieses Jahres ist so mächtig, daß sich die faden Wohlfahrtsstaaten des heutigen Europas bei jeder Gelegenheit daran hochziehen, um ein bißchen vom stark benötigten Abglanz des Ruhmes zu erlangen.

Die schwarze Seite dieses Sieges ist aber durchaus nicht unterdrückt worden. Es ist die Geschichte der Verbrechen und Greueltaten der Sieger und ihrer Schützlinge. Da Winston Churchill beim alliierten Sieg eine zentrale Rolle gespielt hat, ist es auch die Geschichte der Verbrechen und Greueltaten, in die Churchill verwickelt war. Das schließt die erzwungene Repatriierung von etwa zwei Millionen sowjetischer Untertanen in die Sowjetunion ein. Darunter waren Zehntausende, die mit den Deutschen gegen Stalin gekämpft hatten, unter der Verantwortung von General Wlassow und seiner »Russischen Befreiungsarmee«. Alexander Solschenizyn schreibt im Archipel Gulag:[78]

»In ihrem eigenen Land wurden Roosevelt und Churchill als die Verkörperung staatsmännischer Weisheit verehrt. Uns erschien bei unseren Gesprächen in russischen Gefängnissen ihre fortgesetzte Dummheit und Kurzsichtigkeit erstaunlich offenkundig. [...] Worin lag der militärische oder politische Zweck, daß sie Hunderttausende bewaffneter Sowjetbürger, die entschlossen waren, sich nicht zu ergeben, der Vernichtung durch Stalins Hand preisgaben?«

Am schändlichsten war die Auslieferung der Kosaken. Sie waren nie Sowjetbürger gewesen, da sie im Bürgerkrieg gegen die Rote Armee gekämpft hatten und dann emigriert waren. Stalin war verständlicherweise besonders darauf aus, ihrer habhaft zu werden, und die Briten taten ihm den Gefallen. Solschenizyn schrieb über Winston Churchill:[79]

»Er lieferte das Kosakenkorps mit 90 000 Mann der sowjetischen Befehlsgewalt aus. Mit ihnen zusammen lieferte er auch viele Wagenladungen voll mit alten Leuten, Frauen und Kindern aus. [...] Dieser große Held, dem mit der Zeit überall in England Monumente errichtet werden, befahl, auch sie dem Tode preiszugeben.«

Die "Säuberung" von angeblichen Kollaborateuren in Frankreich war ein Blutbad, das mehr Opfer forderte als die Schreckensherrschaft der Großen Revolution, und beschränkte sich nicht auf diejenigen, die auf die eine oder andere Art den Deutschen geholfen hatten. Betroffen waren auch sämtliche Rechtsgerichteten, deren Liquidierung den kommunistischen Widerstandsgruppen ein Anliegen war.[80]

Die Massaker, die Churchills Schützling Tito durchführte, müssen der Liste hinzugefügt werden: Zehntausende Kroaten, nicht nur die Ustascha, sondern alle "Klassenfeinde" nach klassischem kommunistischen Stil. Dann war da noch der Mord an etwa 20.000 slowenischen antikommunistischen Kämpfern durch Tito und seine Mordschwadronen. Als Titos Partisanen in Triest randalierten, das er 1945 versuchte, an sich zu reißen, wurden weitere Tausende italienische Antikommunisten massakriert.[81]

Als die Truppen von Churchills sowjetischen Alliierten durch Mitteleuropa und den Balkan fegten, begannen die Massendeportationen. Manche in der englischen Regierung hatten Bedenken und fühlten etwas Verantwortlichkeit. Bei Churchill gab es nichts dergleichen. Im Januar 1945 äußerte er z. B. zum Außenministerium:[82]

»Warum machen wir so einen Wirbel wegen der russischen Deportationen von Deutschen und anderen aus Rumänien? Ich kann nicht sehen, was die Russen falsch machen, wenn sie 100 oder 150 Tausend von ihnen ihre Reise abarbeiten lassen. [...] Ich für mein Teil kann nicht sehen, was daran falsch sein sollte, wenn die Russen Rumänen beliebiger Herkunft nehmen, um sie in den russischen Kohlenfeldern arbeiten zu lassen.«

Um die 500 000 deutsche Zivilisten wurden zum Arbeiten in die Sowjetunion deportiert, in Übereinstimmung mit der Vereinbarung zwischen Churchill und Roosevelt auf Jalta, derzufolge solche Sklavenarbeit eine passende Form der "Wiedergutmachung" darstelle.[83]

Das schlimmste von allem war die Vertreibung von etwa 15 Millionen Deutschen aus ihrer angestammten Heimat in Ost- und Westpreußen, Schlesien, Pommern und dem Sudentenland. Dies erfolgte gemäß der Vereinbarung von Teheran, wo Churchill vorschlug, Polen "nach Westen zu verlegen", und dem Plan des tschechischen Führers Eduard Benesch bezüglich der "ethnischen Säuberung" von Böhmen und Mähren, dem Churchill stillschweigend zugestimmt hatte. Etwa anderthalb bis zwei Millionen deutsche Zivilisten starben dabei.[84] Der ungarische Liberale Gaspar Tamas schrieb, daß eine gesamte, althergebrachte Kultur ausgelöscht wurde, als die Deutschen, »deren Ahnen unsere Kathedralen, Klöster, Universitäten und Bahnhöfe gebaut haben«, aus Ostmitteleuropa vertrieben wurden.[85] Aber warum sollte das für Churchills Verehrer im heutigen Amerika, die sich selbst "Konservative" nennen, irgend etwas bedeuten?

Dann, als Gipfel des Ganzen, kamen die Nürnberger Prozesse, die vom großen Senator Robert Taft als Justizfarce verurteilt wurden, bei der Stalins Richter und Staatsanwälte, die altgedienten Mitstreiter der Säuberungen der 30er Jahre, an einem weiteren großen Schauprozeß mitmachten.[86]

Etwa 1946 klagte Churchill mit empörter Stimme über die Ereignisse in Osteuropa:

»Von Stettin an der Ostsee bis Triest an der Adria hat sich ein Eiserner Vorhang über Europa herabgesenkt.«

Goebbels hatte den Ausdruck »eiserner Vorhang« geprägt, aber er war trotzdem richtig.

Der europäische Kontinent enthielt nun eine einzige Hegemonialmacht. John Charmley schreibt:[87]

»Als die Scheuklappen des Krieges abgenommen wurden, begann Churchill, das Ausmaß des gemachten Fehlers zu erkennen.«

Tatsächlich paßt Churchills eigene Bekundung tiefster Selbstzweifel schlecht zu dem nachträglichen Triumphgeschrei seiner Bewunderer. Nach dem Krieg sagte Churchill zu Robert Boothby:[88]

»Historiker neigen dazu, Kriegsminister weniger nach den durch ihre Führung erreichten Siegen zu beurteilen, als nach den politischen Ergebnissen, die sich daraus ergaben. Wenn man mit diesem Maßstab mißt, weiß ich nicht, ob man glaubt, daß ich meine Sache besonders gut gemacht habe.«

Im Vorwort des ersten Bandes seiner Geschichte des Zweiten Weltkrieges erklärte Churchill, warum er so besorgt war:[89]

»Die menschliche Tragödie erreicht ihren Höhepunkt in der Tatsache, daß wir, nach all den Anstrengungen und Opfern, die von Hunderten Millionen Menschen erbracht wurden, und den Siegen der Gerechten Sache immer noch keinen Frieden und keine Sicherheit gefunden haben, und daß wir sogar schlimmeren Gefahren ausgesetzt sind, als jenen, die wir überwunden haben.«

Am Siegestag in Europa hatte er den Sieg »der Sache der Freiheit in jedem Land« verkündet. Aber vor seinem Privatsekretär grübelte er:[90]

»Was wird zwischen dem weißen Schnee Rußlands und den weißen Klippen von Dover liegen?«

Es war ein bißchen spät für diese Frage. Was sollen wir also mit einem Staatsmann machen, der über Jahre hinweg die Tatsache ignorierte, daß die Auslöschung Deutschlands als Macht in Europa ... gewisse Konsequenzen mit sich brachte? Haben wir es da mit einem zweiten Bismarck oder Metternich zu tun? Oder ist es der Fall eines weiteren Woodrow Wilson, eines neuen Prinz der Dummen?

Mit dem Gleichgewicht der Kräfte in Europa erlitt seine eigene Politik Schiffbruch, es gab für Churchill nur noch eine Hilfe: die Amerikaner für immer in Europa zu halten. Deshalb seine besorgten Reden vor den Amerikanern, einschließlich seiner "Eiserner-Vorhang"-Rede in Fulton, Missouri. Nachdem er Deutschland als das natürliche Gegengewicht zu Rußland auf dem Kontinent zerstört hatte, war er jetzt gezwungen, die Vereinigten Staaten in noch einen Krieg zu verwickeln, dieses Mal einen Kalten Krieg, der 45 Jahre dauern sollte, und der Amerika grundlegend und vielleicht unwiderruflich verändert hat.[91]

Der Triumph des Wohlfahrtsstaates

1945 wurden in Großbritannien allgemeine Wahlen abgehalten, und die Labour Partei gewann einen erdrutschartigen Sieg. Clement Attlee und seine Kollegen übernahmen die Macht und schufen einen sozialistischen Wohlfahrtsstaat. Aber angesichts des Krieges war die Sozialisierung Englands vielleicht unvermeidlich gewesen. Sie war ein natürliches Nebenprodukt des Solidaritätssinns und des kollektivistischen Bewußtseins der Kriegszeit, des Gefühls, daß das Kriegserlebnis irgendwie Klassenstruktur und Hierarchie - normale Züge jeder modernen Gesellschaft - überholt und anstößig gemacht hatten. Und es gab einen zweiten Faktor: die britische Gesellschaft war in den Kriegsjahren unter Churchill selbst bereits weitgehend sozialisiert worden. Ludwig von Mises schrieb dazu:[92]

»Erst übernahm Deutschland, dann Großbritannien und danach viele anderen europäischen Länder eine zentrale Planung, als sie auf dem Weg des Interventionismus immer weiter fortschritten, die Hindenburgsche Form des Sozialismus. Es ist bemerkenswert, daß in Deutschland die entscheidenden Maßnahmen nicht von den Nationalsozialisten ergriffen wurden, sondern einige Zeit vor Hitlers Machtergreifung durch Brüning [...] und in Großbritannien nicht von der Labour Partei, sondern vom konservativen Premierminister Churchill.«

Während Churchill Krieg führte, erlaubte er Attlee, bei verschiedenen Kabinettsausschüssen über Innenpolitik den Vorsitz zu führen und Gesetzentwürfe zur Gesundheitspolitik, Arbeitslosigkeit, Erziehung usw. auszuarbeiten.[93] Churchill selbst hatte bereits den Generalplan für den Wohlfahrtsstaat, den Beveridge-Bericht, akzeptiert. In einer Radio-Rede formulierte er es so:[94]

»Sie müssen mich und meine Kollegen als starke Befürworter staatlicher Zwangsversicherungen für alle Klassen und für alle Zwecke ansehen, von der Wiege bis ins Grab.«

Daß Mises mit seiner Beurteilung von Churchills Rolle recht hatte, wird durch die Schlußfolgerungen von W. H. Greenleaf in seiner monumentalen Studie über Individualismus und Kollektivismus im modernen England bezeugt. Greenleaf stellt fest,[95] daß es Churchill war, der

»in den Kriegsjahren R.A. Butler anwies, die Erziehung des Volkes zu verbessern, und der die Idee eines Vier-Jahresplans für nationale Entwicklung annahm und förderte, samt der Verpflichtung, Vollbeschäftigung in der Nachkriegszeit zu erlangen. Er billigte auch die Vorschläge, ein nationales Versicherungssystem, Wohn- und Gesundheitshilfen zu schaffen, und er akzeptierte, daß sich der Bereich staatlicher Unternehmungen ausweitete. Wegen dieser Koalitionspolitik sprach Enoch Powell von einer wahrhaftigen sozialen Revolution, die sich in den Jahren 1942-44 vollzog. Ziele dieser Art waren in der politischen Erklärung der Konservativen enthalten, die der Premier vor der Wahl von 1945 herausgab.«

Als die Konservativen 1951 wieder an die Macht kamen, »wählte Churchill eine Regierung, die in der ganzen Geschichte am wenigsten als konservativ erkennbar war.«[96] Es gab keinen Versuch, den Wohlfahrtsstaat umzukehren, und die einzige Branche, die wirklich privatisiert wurde, waren die Speditionen.[97] Churchill »ließ den Kern ihres Werkes [der Labour-Regierung] unangetastet.«[98] Der "konservative" Sieg hatte die gleiche Funktion wie Siege der Republikaner in den Vereinigten Staaten seit Eisenhower: den Sozialismus zu konsolidieren. Churchill nahm es sogar auf sich, "Unzulänglichkeiten" in den Fürsorgeprogrammen der vorigen Labour-Regierung in bezug auf Wohnungen und öffentlichen Arbeiten zu beheben.[99] Am hinterlistigsten war, daß er seinen linken Labour-Minister Walter Monckton anwies, die Gewerkschaften um jeden Preis zu beschwichtigen. Churchills Kapitulation vor den Gewerkschaften war »diktiert von reinem politischen Eigeninteresse«« und setzte den Rahmen für den Gewerkschaftsmorast, der in England während der nächsten zwei Jahrzehnte vorherrschte.[100]

Aber in Wirklichkeit kümmerte sich Churchill nie besonders um die Innenpolitik, auch nicht um das Prinzip der Wohlfahrt, außer als Mittel, um ins Amt zu kommen und dort zu verbleiben. Er liebte die Macht, und die Möglichkeiten, die die Macht gab, um ein Leben voller Dramatik und Kampf und endlosem Krieg zu führen.

Es gibt eine sehr verlockende Art, Winston Churchill zu sehen: daß er ein zutiefst fehlerhafter Mensch war, der in einem kritischen Augenblick aufgerufen wurde, den Kampf mit einem einmalig furchtbaren Bösen aufzunehmen, und dessen Fehler zu einem glorreichen Sieg beitrugen, so wie Merlin in C.S. Lewis' großem christlichen Roman That Hideous Strength.[101] Eine solche Beurteilung wäre meiner Ansicht nach oberflächlich. Ich dagegen lege nahe, daß eine ehrliche Prüfung seiner Laufbahn zu einer anderen Schlußfolgerung führt: wenn alles gesagt und getan ist, dann stellt sich heraus, daß Winston Churchill ein Mann voller Blut an den Händen, ein Politiker ohne Prinzipien war, dessen Verherrlichung dazu dient, jeden Begriff von Ehrlichkeit und Moral in der Politik und Geschichte zu korrumpieren.


Anmerkungen

Ralph Raico ist Professor für Geschichte am Buffalo State College und ehemaliger Absolvent des Ludwig von Mises Institute. Dieser Beitrag ist dem ehrenden Gedenken an Henry Regnery gewidmet, der freilich für diesen Beitrag nicht verantwortlich ist. Entnommen wurde er dem Buch von John V. Denson (Hg.), The Costs of War: America's Pyrrhic Victories, 2. Auflage, Transaction Publishers, New Brunswick/London 1999, S. 321-360, hier S. 330-360.

[1]Winston Churchill, The Gathering Storm, Bd. 1, The Second World War, Houghton Mifflin, Boston 1948, S. 347. Churchill kommentierte, die Garantie wurde einem Polen gegeben, »das nur sechs Monate vorher mit dem Appetit einer Hyäne an der Plünderung und Zerstörung des tschechoslowakischen Staates teilgenommen hatte.« Er bezog sich dabei auf die Annektierung des Teschener Gebietes, mit der Polen angebich ethnisch polnische besiedelte Gebiete von jenem bizarren Gebilde zurückgefordert hatte, das Churchill gerne hochtrabend »tschechoslowakischen Staat« nannte.
[2]David Irving, Churchill's War, Bd. 1, The Struggle for Power, Veritas, Bullsbrook, Western Australia, 1987, S. 193-196; vgl. auch Tyler Gatewood Kent, »Das Roosevelt-Vermächtnis und der Fall Kent«, VffG 5(1) (2001), S. 40-53 (vho.org/VffG/2001/1/Kent40-53.html).
[3]James Leutze, »The Secret of the Churchill-Rossevelt Correspondence: September 1939-May 1940«, Journal of Contemporary History, 10(3) (1975), S. 465-491; Leutze schlußfolgert, dies sei der wahre Grund, warum beide Regierungen insgeheim beschlossen, Tyler zum Schweigen zu bringen.
[4]John W. Wheller-Bennett, King George VI: His Life and Reign, St. Martin's Press, New York 1958, S. 390ff. Wheller Bennett fügt hinzu:
»Nach seiner Rückkehr nach London teilte der König das Wichtigste seiner Gespräche mit dem US-Präsidenten den entsprechenden Kreisen mit, und er hielt dieses Gespräch für so wichtig, daß er seine handschriftlichen Notizen darüber den ganzen Krieg hindurch in seinem Aktenkoffer mit sich herumtrug.«
[5]Basil Lidell Hart, »The Military Strategist«, in A.J.P. Taylor u.a., Churchill Revised: A Critical Assessment, Dial Press, New York 1969, S. 208.
[6]John Charmley, Churchill: The End of Glory, Hodder and Stoughton, London 1993, S. 423.
[7]Vgl. auch Charmleys Rezension von Clive Pontings Werk Churchill (Sinclair-Stevenson, London 1994) in Times Literary Supplement, 13.5.1994, S. 8.
[8]Gaddis Smith, »Whose Finest Hour?«, New York Book Review, 29.8.1993, S. 3.
[9]Am 27.3.1942 kommentierte Goebbels in seinem Tagebuch die Vernichtung der europäischen Juden, die damals vonstatten ging:
»Auch hier ist der Führer ein unerschrockener Verfechter einer radikalen Lösung, durch Bedingungen erzwungen und daher unerbittlich. Zum Glück stehen uns im Kriege eine ganze Reihe von Möglichkeiten offen, die uns in Friedesnzeiten verschlossen wären. Wir werden davon profitieren müssen.«
Und er fügte dem hinzu:
»Die Tatsache, daß die Vertreter des Judentums in England und Amerika heute den Krieg gegen Deutschland organisieren und finanzieren, wird von ihren Vertretern in Europa teuer bezahlt werden müssen - und das ist nur recht so.« Rückübersetzt aus Louis P. Lochner (Hg.), The Goebbels Diaries, 1942-1943, Doubleday, Garden City, NY, 1948, S. 148.
[10]Paul Addison, »Lloyd George and Compromise Peace in the Second World War«, in A.J.P. Taylor (Hg.), Lloyd George: Twelve Essays, Atheneum, New York 1971, S. 359-384. Churchill selbst teilte Stalin 1944 mit:
»Wir dachten niemals daran, einen Separatfrieden abzuschließen, noch nicht einmal in jenem Jahr, als wir ganz alleine waren und recht einfach einen Frieden hätten erreichen können, der das Britische Weltreich nicht ernsthaft etwas gekostet hätte, sondern auf Ihre Kosten gegangen wäre.«, ebenda, S. 383. Churchill bezieht sich hierbei auf Deutschlands Angebot: Frieden und Wiederherstellung der Grenzen im Westen als Gegenleistung für Englands Stillhalten im Falle eines deutsch-sowjetischen Krieges, Anm. d. Red.
[11]David Irving, aaO. (Anm. 2), S. 193, 207.
[12]Thomas A. Bailey, The Man in the Street: The Impact of American Public Opinion on Foreign Policy, Macmillan, New York 1948), S. 13. Jüngst kommentierte ein Autor Bailey's Ansicht wie folgt:
»Wenn Roosevelt und andere Präsidenten logen, taten sie dies in Wirklichkeit zu ihren eigenen Gunsten oder was sie dafür hielten. Aber sie lagen oft falsch, weil sie dazu neigten, zumindest so kurzsichtig zu sein wie die Massen. [...] Roosevelts Zerstörer-Handel markiert einen Wendepunkt im Gebrauch und Mißbrauch der Macht des Präsidenten, der eine Serie gefährlicher und oft katastrophaler ausländischer Abenteuer einleitete.«
Robert Shogan, Hard Bargain, Scribner's, New York 1995), pp. 271, 278. Der klassische revisionistische Standpunkt zu Roosevelts Kriegspolitik wurde u.a. von Charles A. Beard dargelegt, President Roosevelt and the Coming of War 1941, Yale University Press, New Haven, Conn., 1949, sowie in Harry Elmer Barnes (Hg.), Perpetual War for Perpetual Peace, Caxton, Caldwell, Idaho, 1953.
[13]Winston S. Churchill, The Grand Alliance, Bd. 3, The Second World War, Houghton Mifflin, Boston 1950, pp. 23-24.
[14]William Stevenson, A Man Called Intrepid, Harcourt Brace Jovanovich, New York 1976.
[15]Irving, aaO. (Anm. 2), S. 524-527.
[16]Gore Vidal, Screening History, Harvard University Press, Cambridge, Mass., 1992, S. 40.
[17]Ebenda, S. 47.
[18]Ebenda, S. 33. Vgl. auch Bill Kauffman, America First! Its History, Culture, and Politics, Prometheus Books, Amherst, N.Y., 1995, S. 85-99, über »The Merchants of Death of Sunset Boulevard.« (Die Händler des Todes am Sunset Boulevard).
[19]»War-Entry plans Laid to Roosevelt«, New York Times, 2.1.1972.
[20]Patrick Beesly, Room 40: British Naval Intelligence 1914-1918, Harcourt, Brace, Jovanovich, San Diego 1982, S. 121, FN 1.
[21]Vgl z.B. William Henry Chamberlin, America's Second Crusade, Henry Regnery, Chicago 1950, S. 124-47.
[22]Richard Lamb, Churchill as War Leader, Carroll and Graf, New York 1991, S. 149.
[23]Ebenda, S. 147-162.
[24]Ebenda, S. 162.
[25]Chamberlin, aaO. (Anm. 21), S. 177. Bezüglich Churchills Verwendung der "Hintertür zum Krieg" für die USA, siehe John Costello, Days of Infamy. MacArthur, Roosevelt, Churchill-The Shocking Truth Revealed, Pocket Books, New York 1994. Bezüglich der Pearl-Harbor-Frage ist interessant, was sogar ein "mainstream"-Historiker wie Warren F. Kimball, Herausgeber der Churchill-Roosevelt-Briefwechsel, schreibt:
»Zweifel bezüglich der immer noch unter Verschluß gehaltenen britischen Geheimdienstakten über den japanischen Angriff auf Pearl Harbor sind immer noch nicht beseitigt: Information, die Churchill womöglich in der Hoffnung nicht an die Amerikaner weiterleitete, daß ein solcher Angriff die USA in den Krieg hineinzögen.«
Vgl. auch Warren F. Kirnball, »Wheel Within a Wheel: Churchill, Roosevelt, and the Special Relationship«, in Robert Blake, William Roger Louis (Hg.), Churchill, Norton, New York 1993, S. 298, wo Kimball James Rusbridger und Eric Nave zitiert: Betrayal at Pearl Harbor: How Churchill Lured Roosevelt into World War II, Summit, New York 1991. Kimball beschwert sich, daß trotz schriftlicher Anfragen durch ihn und andere Historiker die britischen Regierungsunterlagen zu den Beziehungen mit Japan gegen Ende des Jahres 1941 unter Verschluß bleiben, Blake, ebenda, S. 546, FN. 29. Robert Smith Thompson, A Time for War: Franklin Delano Roosevelt and the Path to Pearl Harbor, Prentice Hall, New York 1991, präsentiert eine recht nützliche neuere Wiedergabe der Entstehung des Krieges mit Japan.
[26]Harry V. Jaffa, »In Defense of Churchill«, Modern Age, 34(3) (1992), S. 277.
[27]J. Charmley, aaO. (Anm. 6), S. 538.
[28]Norman Davies, God's Playground: A History of Poland, Bd. 2, 1795 to the Present, Columbia University Press, New York 1982, S. 447-453.
[29]Bezüglich einer Kritik der Ansicht, Hitlers Ziel sei gewesen, "die Welt zu erobern", vgl. Geoffrey Stoakes, Hitler and the Quest for World Domination, Berg, Leamington Spa, England, 1986.
[30]A.J.P. Taylor, »The Statesman« in ders. u.a., aaO. (Anm. 5), S. 43.
[31]Bezüglich der "Bolschewisierung des Balkans" protestierte Eden zum Beispiel im Mai 1944 gegenüber Churchill:
»Wir müssen über die Auswirkungen dieser Entwicklungen nachdenken, anstatt uns wie bisher auf die kurzfristige Frage zu beschränken, was uns während des Krieges und dafür am meisten abwirft.«
J. Charmley, aaO. (Anm. 6), S. 538.
[32]Tuvia Ben-Moshe, Churchill: Strategy and History, Lynne Rienner, Boulder, CO, 1992, S. 236f.
[33]Ebenda, S. 241.
[34]Hanson W. Baldwin, Great Mistakes of the War, Harper, New York 1949, S. 10.
[35]Roosevelts Einstellung wird in folgender Äußerung treffend ausgedrückt:
»Wenn ich ihm [Stalin] alles gebe, was ich nur irgend kann, und von ihm im Gegenzug nichts verlange, [dann], Adel verpflichtet, wird er nicht versuchen, irgend etwas zu annektieren, und wird mit mir zusammen für eine Welt des Friedens und der Demokratie arbeiten.«
Robert Nisbet, Roosevelt and Stalin: The Failed Courtship, Regnery, Washington, D.C., 1988, S. 6. Joseph Sobrans Anmerkungen in seinem kurzen Beitrag, »Pal Joey«, Sobran's 2(8) (August 1995), S. 5f., sind voller für ihn typischer Einsicht.
[36]T. Ben-Moshe, aaO. (Anm. 32), S. 305f.
[37]C. Pontings, aaO. (Anm. 7), S. 665.
[38]Isaiah Berlin, »Winston Churchill«, in Henry Hardy (Hg.), Personal Impressions, Viking, New York 1980, S. 16, worin Churchill zitiert wird, er habe über Stalin gesagt, er sei »zugleich ein abgebrühter, verschlagener aber auch schlecht informierter Riese«. Doch selbst dieses Zitat zeigt, daß Churchill Stalin in eine ganz andere Kategorie einordnete als den unaussprechlich bösen Hitler. Wie die Arbeiten von J. Charmley, C. Ponting und T. Ben-Moshe ausführlich darlegen, war Churchills typische Einstellung gegenüber Stalin bis zum Kriegsende von Freundschaft und Bewunderung geprägt. Berlins Beitrag mit seiner kitschigen Verliebtheit für den »größten Menschen unserer Zeit« muß man gelesen haben, um es zu glauben. Ein Indiz für die Ursache von Berlins Leidenschaft ist sein Hinweis aus Churchills Sympathie für »das Ringen der Juden für ihre Selbstbestimmung in Palästina«.
[39]Vgl. J. Charmley, aaO. (Anm. 6), S. 572f., bezüglich der "Operation Armpit" (Unternehmen Achselhöhle), der Ausweitung des Italien-Feldzuges mit einem Vorstoß nach Wien. Entgegen den Verteidigern Churchills aus der Zeit des Kalten Krieges schlußfolgert Charmley:
»Es gib kaum Beweise dafür, daß Churchills Unterstützung für "Operation Armpit" politische Motive hatte [...er unterstützte sie] aus einem Grund, den jeder Student nachfühlen kann: sie beflügelte seine Phantasie.«
[40]Vgl. A.J.P. Taylor, aaO. (Anm. 30), S. 56f:
»Einer Version folgend sei Churchill über das Anwachsen sowjetischer Machtfülle alarmiert gewesen und habe versucht, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn nicht schon 1942, so doch zumindest eine ganze Weile vor Kriegsende. [...] Es ist schwierig, diese Ansicht mit zeitgenössischen Unterlagen zu belegen. Churchill schwankte niemals in seiner Entschlossenheit, daß Nazi-Deutschland völlig vernichtet werden müsse. [...] Im weiteren Sinne hatte Churchill keinerlei europäische Politik. Seine Perspektive war rein negativ: die Niederlage Deutschlands. [...] Mit Churchill gab es immer nur eine Sache zur gegebenen Zeit.«
Siehe auch T. Ben-Moshe, aaO. (Anm. 32), S. 292-299, bezüglich der nicht gegen die sowjetischen Gewinne gerichteten südlichen Strategie.
[41]Ebenda, S. 287.
[42]Ein Beispiel für das Ausmaß der Unredlichkeit, zu der Churchills Apologeten Zuflucht nehmen, wird von John Keegan in »Churchills Strategy«, in R. Blake, W.R. Louis (Hg.), aaO. (Anm. 25), S. 328, geliefert, worin er über Churchill behauptet:
»Aber er trat weder jemals für einen wahrlich unweisen strategischen Kurs eine, noch hat er je einen solche erwogen. Sein Eintreten für einen Feldzug auf dem Balkan war verkehrt, aber ein solcher Feldzug wäre für den Gesamtsieg im Kriege kein Risiko gewesen.«
Zu riskieren, den Krieg zu verlieren, scheint ein mehr als zwingendes Kriterium zu sein für einen wahrlich unweisen strategischen Kurs.
[43]Albert C. Wedemeyer, Wedemeyer Reports!, Holt, New York 1958), p. 230. Alle anderen waren gegen Churchills Plan, einschließlich seiner eigenen militärischen Ratgeber. Brooke bemerkte seinem Vorgesetzten gegenüber, wenn sie seine Ideen verwirklichen würden, dann »sollen wir wohl einen Feldzug über die Alpen im Winter vorbereiten.« C. Pontings, aaO. (Anm. 7), S. 625.
[44]R. Lamb, aaO. (Anm. 22), S. 250-275.
[45]Churchills eigenes Auswärtiges Amt informierte ihn, daß
»wir mit einem kommunistischen Staat enden würden, der nach dem Krieg eng an die UdSSR angelehnt wäre und die üblichen terroristischen Methoden anwenden würde, um die Opposition zu unterdrücken
Ebenda, S. 256. Anthony Eden teilte dem Kabinett im Juni 1944 mit:
»Wenn irgend jemand an der gegenwärtigen Lage schuld ist, in der kommunistisch geführte Bewegungen die mächtigsten Elemente in Jugoslawien und Griechenland sind, so sind wir es
Eden zufolge hatten britische Agenten die Arbeit für die Russen erledigt. J. Charmley, aaO. (Anm. 6), S. 580.
[46]Fitzroy Maclean, Eastern Approaches, Jonathan Cape, London 1949, S. 281.
[47]R. Lamb, aaO. (Anm. 22), S. 259. Churchill glaubte Titos Versprechen, freie Wahlen und eine Volksabstimmung über die Monarchie abzuhalten; schließlich konzentrierte sich Churchill nur auf ein einziges Thema: Deutsche zu töten. Siehe auch J. Charmley, aaO. (Anm. 6), S. 558.
[48]Zum Beispiel führte Churchill am 21.9.1943 aus:
»Die Zwillingswurzel all unseren Übels, Nazi-Tyrannei und preußischer Militarismus, muß ausgerottet werden. Bis dies erreicht ist, gibt es kein Opfer, das wir nicht bringen werden, und keine Gewalt, zu der wir nicht greifen werden.«
Russell Grenfell, Unconditional Hatred, Devin-Adair, New York 1953, S. 92.
[49]C. Pontings, aaO. (Anm. 7), S. 675.
[50]Donald Cameron Watt, »Churchill and Appeasement«, in R. Blake, W. R. Louis (Hg.), aaO. (Anm. 25), S. 210.
[51]In einem Memorandum an Alexander Cadogan vom Foreign Office; Richard Lamb, The Ghosts of Peace, 1935-1945, Michael Russell, Salisbury, England, 1987, S. 233.
[52]Peter Hoffmann, German Resistance to Hitler, Harvard University Press, Cambridge, Mass., 1988, S. 95-105; ders., The History of the German Resistance, MIT Press, Cambridge, Mass., 1977, S. 205-248; und ders., »The Question of Western Allied Co-Operation with the German Anti-Nazi Conspiracy, 1938-1944«, The Historical Journal 34(2) (1991), S. 437-464.
[53]Giles MacDonogh, A Good German: Adam von Trott zu Solz, Overlook Press, Woodstock, N.Y., 1992, S. 236f.
[54]R. Lamb, aaO. (Anm. 22), S. 292. Lamb begründet diese These ausführlich und überzeugend in seinem Werk The Ghosts of Peace, aaO. (Anm. 51), S. 248-320. Zu einem weniger schlüssigen Urteil kommt Klemens von Klemperer, German Resistance Against Hitler: The Search for Allies Abroad 1938-1945, Clarendon, Oxford 1992, bes. S. 432-441, worin er die Schwierigkeiten einer jeden Vereinbarung zwischen der britischen Regierung und dem deutschen Widerstand hervorhebt. Dies lag insbesondere an der Loyalität der Briten gegenüber ihren sowjetischen Verbündeten und auf dem Bestehen der Deutschen, ein Nachkriegsdeutschland müsse alle deutsch besiedelten Gebiete umfassen, wie etwa Danzig und das Sudetenland.
[55]Marie Vassiltchikov, die den Verschwörern nahe stand, drückte in ihren Berlin Diaries, 1940-1945, Knopf, New York 1987, S. 218, ihre Verblüffung über die von den Briten eingenommene Haltung aus:
»Die alliierten Funksprüche ergeben für uns keinen Sinn: sie nennen weiterhin Namen von Leuten, die, so behaupten sie, an dem Putsch teilgenommen hatten. Aber einige von ihnen sind noch nicht einmal offiziell angeklagt worden. Ich erinnere mich, Adam Trott gewarnt zu haben, daß dies passieren werde. Er hoffte weiterhin auf die Unterstützung der Alliierten für ein "anständiges" Deutschland und ich sagte ihm immer wieder, zur Zeit seien sie darauf aus, Deutschland zu zerstören, jedes Deutschland, und daß sie nicht aufhören würden, die "guten" Deutschen zusammen mit den "bösen" zu vernichten.«
[56]T. Ben-Moshe, aaO. (Anm. 32), S. 307-316. Siehe auch Anne Armstrong, Unconditional Surrender, Greenwood, Westport, Conn., [1961] 1974; und R. Lamb, aaO. (Anm. 51), S. 215-35. Unter den heftigsten Kritikern der Politik der bedingungslosen Kapitulation zur Kriegszeit wie auch der Bombardierung der Zivilbevölkerung befand sich der Militärexperte Liddell Hart; siehe Brian Bond, Liddell Hart: A Study of his Military Thought, Rutgers University Press, New Brunswick, N.J., 1977, S. 119-63.
[57]R. Lamb, aaO. (Anm. 51), S. 232.
[58]Ebenda, S. 236-245.
[59]Lord Cherwell, als Friedrich Alexander Lindemann in Baden-Baden geboren, Professor an der Universität Oxford, Anm. d. Red.
[60]Lord Moran, Churchill: The Struggle for Survival, 1940-1965, Houghton Mifflin, Boston 1966, S. 190f. Churchills schnelles Aufgreifen dieses trügerischen Arguments weckt erhebliche Zweifel an Paul Addison Behauptung, Churchill sei in der Doktrin des Freihandels "geschult" gewesen, die in ihm tief verwurzelt gewesen sei: Churchill on the Home Front 1900-1955, Pimlico, London 1993, S. 437. Mehr in Übereinstimmung mit der Beweislage, einschließlich Churchills völliger Ablehnung des Freihandels in den 30er Jahren, ist, daß er die Wirtschaftstheorie der Marktwirtschaft benutzte oder verwarf, wie es ihm gerade ins politische Konzept paßte.
[61]Moran, aaO. (Anm. 60), S. 195f.
[62]Ebenda., S. 193. Daß der Geist zumindest des Morgenthau-Plans die alliierte Nachkriegspolitik in Deutschland weiterhin leitete, wird in Freda Utleys Werk The High Cost of Vengeance, Henry Regnery, Chicago 1949, gezeigt (dt.: Kostpielige Rache, Reprint, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1993).
[63]R. Lamb, aaO. (Anm. 22), S. 63-73. Siehe auch C. Ponting, aaO. (Anm. 7), S. 450-454; und B.L. Hart, aaO. (Anm. 5), S. 210-221.
[64]Die britische »Besessenheit mit schweren Bombern« hatte auch auf die Kriegsanstrengungen Auswirkungen. Sie führte zum Beispiel zu einem Mangel an Kampfflugzeugen in Singapur. A.J.P. Taylor, aaO. (Anm. 30), S. 54. Zum Gesamtthema siehe Stephen A. Garrett, Ethics and Airpower in World War II: The British Bombing of German Cities, St. Martin's Press, New York 1993. Siehe auch Max Hastings, Bomber Command, Dial Press, New York 1979; David Irving, Apocalypse 1945: The Destruction of Dresden, Veritas, London 1995; Eric Markusen und David Kopf, The Holocaust and Strategic Bombing. Genocide and Total War in the 20th Century, Westview, Boulder, Colo., 1995; und Benjamin Colby, 'Twas a Famous Victory, Arlington House, New Rochelle, N.Y., 1974, S. 173-202. Zur britischen Anwendung der Luftstreitkräfte zur "Befriedung" kolonisierter Völker siehe Charles Townsend, »Civilization and "Frightfulness": Air Control in the Middle East Between the Wars«, in Chris Wrigley (Hg.), Warfare, Diplomacy, and Politics: Essays in Honor of A.J.P. Taylor, Hamish Hamilton, London 1986, S. 142-162.
[65]C. Pontings, aaO. (Anm. 7), S. 620; vgl. Horst Boog, »The Luftwaffe and Indiscriminate Bombing up to 1942«, in Horst Boog (Hg.), The Conduct of the Air War in the Second World War, Berg, New York 1992, S. 373-404.
[66]M. Hastings, aaO. (Anm. 64), S. 339. 1945 schrieb Harris:
»Ich meine, die ganzen Überbleibsel aller deutschen Städte sind nicht die Knochen eines einzigen britischen Grenadiers wert.«
Ebenda, S. 344. Später schrieb Harris:
»Die Deutschen überließen es ihren Soldaten, die Politik der Luftwaffe vorzuschreiben, die ausdrücklich dazu entworfen war, das Heer bei schnellen Vorstößen zu unterstützen. [...] Viel zu spät erkannten sie den Vorteil einer strategischen Bomberflotte.«
Emrys Hughes, Winston Churchill: British Bulldog, Exposition, New York 1955, S. 189.
[67]Principal Assistant Secretary of the Air Ministry.
[68]J.M. Spaight, Bombing Vindicated, Geoffrey Bles, London 1944, S. 70-71. Spaight erklärte, die Briten sollten stolz darauf sein, daß
»wir damit begannen, Objekte im deutschen Hauptgebiet zu bombardieren, bevor die Deutschen damit begannen, Objekte im britischen Hauptgebiet zu bombardieren.«
Hitler war zwar bereit, gelegentlich zum Mittel des strategischen Bombardements zu greifen,
»jedoch wollte er nicht, daß es allgemeine Praxis wird. Er tat sein bestes, um es durch internationale Verträge zu verbieten.«
Ebenda, S. 68, 60. Da er während des Krieges schrieb, log Spaight seine Leser freilich an, indem er versicherte, deutsche Zivilisten würden nur zufällig durch britische Bombardements getötet.
[69]Am 14.2 1942 wurde dem Bomberkommando Befehl Nr. 22 überreicht, in dem angeordnet wurde, die Anstrengungen seien nun
»auf die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung und insbesondere auf die Industriearbeiter zu richten.«
Am nächsten Tag fügte der Stabschef hinzu:
»Bez. des neuen Bombardierungsbefehls: Ich nehme an, daß klar ist, daß die bebauten Gebiete das Zielgebiet sind und nicht beispielsweise die Hafengebiete oder Luftfahrtfabriken.«
S.A. Garrett, aaO. (Anm. 64), S. 11. Indem er nach dem Krieg über das Ziel der Bombardierungen log und es zu vertuschen versuchte, hat Churchill indirekt zugegeben, daß Großbritannien das Kriegsvölkerrecht gebrochen hatte. Ebenda, S. 36f.
[70]Ebenda, S. 32f.
[71]Richard Swedberg, Schumpeter: A Biography, Princeton University Press, Princeton, N.J., 1991, S. 141.
[72]S.A. Garrett, aaO. (Anm. 64), S. 202.
[73]M. Hastings, aaO. (Anm. 64), S. 343f. Im November 1942 schlug Churchill für den Italien-Feldzug vor:
»Alle Industriezentren sollten in intensiver Weise angegriffen und jede Anstrengung sollte unternommen werden, um sie unbewohnbar zu machen und um die Bevölkerung zu terrorisieren und zu paralysieren.«
C. Ponting, aaO. (Anm. 7), S. 614.
[74]Einem Historiker gegenüber, der einige Details überprüfen wollte, bemerkte Churchill:
»Ich kann mich da an gar nichts erinnern. Ich dachte, die Amerikaner taten das. Luftwaffenchef Marshall Harris wäre die Person, die zu befragen wäre.«
Norman Rose, Churchill: The Unruly Giant, Free Press, New York 1994, S. 338.
[75]S.A. Garrett, aaO. (Anm. 64), S. 21.
[76]Siehe Barton J. Bernstein, »A postwar myth: 500,000 U.S. lives saved«, Bulletin of the Atomic Scientists 42(6) (June/July 1986), S. 38-40; und ders., »Wrong Numbers«, The Independent Monthly (July 1995), S. 41-44. Siehe auch ders., »Seizing the Contested Terrain of Early Nuclear History: Stimson, Conant, and Their Allies Explain the Decision to Use the Atomic Bomb«, Diplomatic History 17(1) (1993), S. 35-72, wo darauf hingewiesen wird, ein wichtiges Motiv der politischen Elite für die frühe Propaganda-Kampagne zur Rechtfertigung des Atombombenabwurfs sei gewesen, einem befürchteten Rückzug des amerikanischen Volkes in den "Isolationismus" vorzubauen. Es ist interessant zu sehen, daß Richard Nixon, manchmal auch als "verrückter Bomber" von Indo-China bezeichnet, die »absichtlichen Angriffe auf Zivilisten« rechtfertigte, indem er auf die Atombombenabwürfe über japanische Städte sowie auf die Angriffe auf Hamburg und Dresden verwies. Richard M. Nixon, »Letters to the Editor«, New York Times, 15.5.1983.
[77]Erik von Kuehnelt-Leddihn, Leftism Revisited: From de Sade and Marx to Hitler and Pol Pot, Regnery, Washington, D.C., 1990, S. 281. Dieses Werk enthält eine Vielzahl scharfsichtiger Passagen über Churchill, z.B. auf S. 261-265, 273 und 280f, sowie über Roosevelt.
[78]Aleksandr I. Solzhenitsyn, The Gulag Archipelago, 1918-1956: An Experiment in Literary Investigation, Harper and Row, New York 1973,1-2, S. 259n.
[79]Ebenda, S. 259f.
[80]Philippe Bourdrel, L'Épuration sauvage 1944-1945, Perrin, Paris 1988/1991, Bd. 1 und 2; Maurice Bardèche (Hg.), L'Épuration, Sonderausgabe von Défense de I'Occident (Januar/Februar 1957) und Sisley Huddleston, France: The Tragic Years, 1939-1947, Devin-Adair, New York 1955, S. 285-324.
[81]Siehe z.B. Richard West, Tito and the Rise and Fall of Yugoslavia, Carroll and Graf, New York 1995, S. 192f.
[82]C. Ponting, aaO. (Anm. 7), S. 665.
[83]Herbert Mitzka, Zur Geschichte der Massendeportationen von Ostdeutschen in die Sowjetunion im Jahre 1945, Atelier Hübner, Einhausen 1986. Bezüglich weiterer Verbrechen an deutschen Zivilisten nach dem Kriege siehe u.a. Heinz Nawratil, Die deutschen Nachkriegsverluste unter Vertriebenen, Gefangenen, und Verschleppten, Herbig, München/Berlin 1986; John Sack, An Eye for an Eye, Basic Books, New York 1993; und James Bacque, Verschwiegene Schuld. Die alliierte Besatzungspolitik in Deutschland nach 1945, Ullstein, Berlin/Frankfurt a. M. 1995.
[84]Alfred de Zayas, Nemesis at Potsdam: The Anglo-Americans and the Expulsion of the Germans. Background, Execution, Consequences, Routledge and Kegan Paul, London 1977.
[85]Gaspar M. Tamas, »The Vanishing Germans«, The Spectator, 6.5.1989, S. 15.
[86]Zur Kritik an den Nürnberger Tribunalen vgl. Lord Hankey, Politics, Trials, and Errors, Henry Regnery, Chicago 1950, und F. J. P. Veale, Advance to Barbarism: The Development of Total Warfare from Serajevo to Hiroshima, Devin-Adair, New York 1968.
[87]J. Charmley, aaO. (Anm. 6), S. 622.
[88]Robert Boothy, Recollections of a Rebel, Hutchison, London 1978, S. 1834f.
[89]Churchill, aaO. (Anm. 1), S. iv-v.
[90]R. Nisbet, aaO. (Anm. 35), S. 106.
[91]Vgl. Robert Higgs, »The Cold War Economy: Opportunity Costs, Ideology, and the Politics of Crisis«, Explorations in Economic History, 31 (1994), S. 283-312.
[92]Ludwig von Mises, Human Action, Yale University Press, New Haven, Conn. 1949, S. 855.
[93]J. Charmley, aaO. (Anm. 6), S. 610, 618. Vgl. Peter Clarke, Liberals and Social Democrats, Cambridge University Press, Cambridge 1978, S. 281:
»Als die Churchill-Koalition im Mai 1940 gebildet wurde, teilte sie dem Sozialismus eine zentrale politische Rolle zu, die ihm seit 1914 nicht mehr zuteil geworden war. Der Volkskrieg hatte eine Volksführung zur Folge, in der gewöhnliche Sozialisten und gute Liberale die aufsteigenden Elemente waren. [...] Anti-Befriedung (anti-appeasement) war der dominierende Mythos. Er half, den Schuldigen von München zu verdrängen, und er half auch, den Chamberlain-Konsens in der Innenpolitik über den Haufen zu werfen. Keynes kam plötzlich zu einer Schlüsselstellung im Finanzministerium. Die patriotische Reaktion der Labour-Partei zur gemeinsamen Sache wurde durch die massive Präsenz von Ernest Bevin als Arbeitsminister symbolisiert.«
[94]Paul Addison, »Churchill and Social Reform«, in R. Blake, W.R. Louis (Hg.), aaO. (Anm. 25), S. 73. Addison führt aus:
»Bis zum Frühling 1945 hatte die Koalitionsregierung Gesetzentwürfe für eine umfassende Sozialversicherung, Familiennachlässe und einen nationalen Gesundheitsdienst vorbereitet.« Als Oppositionsführer der nächsten sechs Jahre »machte [Churchill] unveränderlich die Behauptung der Arbeiterpartei streitig, sie habe ein Monopol auf die soziale Frage, und bestand darauf, daß das Verdienst für die Verteilung der Nachkriegswohlfahrt der Kriegskoalition zustünde und nicht der Attlee-Regierung.«
Bezüglich einer Gegenmeinung vgl. Kevin Jeffreys, The Churchill Coalition and Wartime Politics, 1940-1945, Manchester University Press, Manchester 1991.
[95]W. H. Greenleaf, The British Political Tradition, Bd. 2, The Ideological Heritage, Methuen, London 1983, S. 254f.
[96]Andrew Roberts, Eminent Churchillians, Simon and Schuster, New York 1994, S. 258.
[97]Ebenda, S. 254. Roberts weist darauf hin:
»Als die Stahlindustrie 1953 privatisiert wurde, wurde sie dennoch im Prinzip weiterhin über den "Iron and Steel Board" geführt.«
[98]Roy Jenkins, »Churchill: The Government of 1951-1955«, in R. Blake, W.R. Louis (Hg.), aaO. (Anm. 25), S. 499.
[99]Paul Addison, aaO. (Anm. 94), S. 76
[100]A. Robert, aaO. (Anm. 96), S. 243-285.
[101]C.S. Lewis, That Hideous Strength: A Modern Fairy-Tale for Grown-Ups, Collier, New York [1946] 1965, S. 291.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(3) (2001), S. 293-305.


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