Stalins Säuberung der Roten Armee

Eine Neubewertung des Falles Tuchatschewski

Von Daniel D. Michaels

Viktor Suworow, der schon mit seiner revisionistischen Analyse des Ausbruchs des deutsch-russischen Krieges im Juni 1941 die russischen Historiker der nach-stalinistischen Ära aufgerüttelt hat, hat 1998 ein neues Buch des Titels Die Säuberung: Warum Stalin seine Armee enthauptete? veröffentlicht, in dem er eine neue Interpretation der Großen Säuberung der Roten Armee im Jahre 1937 liefert.[1] Demnach sei der von Stalin beabsichtigte Zweck gar nicht so irrational und die Konsequenzen nicht derart verheerend gewesen wie bisher geglaubt, einschließlich der Hinrichtung von Marschall Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski.


Mit überzeugenden Argumenten, die er, wie man es von ihm gewohnt ist, auf Primärquellen stützt, entlarvt Suworow die übliche Lehrmeinung bezüglich der schweren Verluste, die die Rote Armee beim Beginn des deutschen Rußlandfeldzuges erlitt.[2] Diese Lehrmeinung behauptet, daß Stalins Säuberung des Jahres 1937 die Rote Armee enthauptet und ihrer besten Kommandeuren beraubt habe. Falsch, behauptet Suworow - ganz im Gegenteil!

Die offizielle Fassung bezüglich der Konsequenzen von Stalins Säuberung, von den sowjetischen Beamten als Geschichte präsentiert, geht auf das Jahr 1956 zurück und wurde von Nikita Chruschtschow als Teil seines Entstalinisierungsprogramms veranlaßt, also seinem Versuch, sich selbst auf Stalins Kosten aufzubauen. Chruschtschow, zu Lebzeiten des Diktators noch ein Speichellecker Stalins, vertrat nach dessen Tode die Auffassung, daß Marschall Tuchatschewski ein großer Stratege war, der den deutschen Angriff voraussah und davor warnte, und der auf die Aufrüstung der Streitkräfte drängte, aber daran durch Stalins Dummheit und Kurzsichtigkeit gehindert wurde. Mehr noch: Chruschtschow beharrte darauf, daß der Marschall Wassily Konstantinowitsch Blücher, die Heereskommandeure ersten Ranges Jonas Emmanuelowitsch Jakir und Hieronim Petrowitsch Uberowitsch, der Corps-Kommandeur Vitovt Kazimirowitsch Putna, der Heereskommandeur zweiten Ranges Pavel Jefimowitsch Dybenko und die anderen Helden des Tages, die zusammen mit Tuchatschewski gesäubert wurden, alle Patrioten waren, die niemals gegen den Staat konspiriert hätten. Chruschtschow bürgte auch für die Zuverlässigkeit von General Andrej Wlassow.[3] Chruschtschow klagte Stalin an, er sei auf eine vom nationalsozialistischen Geheimdienst ausgekochte Intrige hereingefallen, die vorgab, hochrangige sowjetische Militärpersonen hätten mit ihren deutschen Gegenstücken konspiriert, um sowohl die deutschen wie die sowjetischen Führer zu beseitigen.[4]

Diese überfüllte Straße ist typisch für die Zustände, mit denen sich die auf Smolensk vorrückenden Deutschen herumschlagen mußten. Für diese massive Land-Invasion standen genau zwei fahrbare Straßen zu Verfügung, auf der die Deutschen etwa 87.000 Fahrzeuge nach Osten führten, zumindest im Fall des Generalleutnants Heinz Guderian. Andere Straßen wurden der Verteidigung halber absichtlich zerstört. Die Deutschen stießen in Stalins Rußland mit erstaunlicher Geschwindigkeit und Effektivität vor. Guderian wird als der Vater der Panzerkräfte und der "Blitzkrieg"-Taktik betrachtet.

Gemäß Chruschtschow und den meisten nachfolgenden Kreml-Fachleuten wirkte sich Stalins Säuberung katastrophal auf die Effektivität der Roten Armee aus. 40.000 Offiziere der Roten Armee wurden liquidiert, einschließlich drei der fünf Marschälle der Sowjetunion,[5] alle fünf Heereskommandeure ersten Ranges, beide Armeekommissare ersten Ranges sowie alle 12 Heereskommandeure zweiten Ranges. Chruschtschow behauptete, daß die Rote Armee 1941 als Ergebnis dieser Säuberung ihre fast verhängnisvolle Niederlage erlitt.

Als rhetorisches Stilmittel wendet sich Suworow mit seinen Argumenten an das kürzlich verstorbene leitende Mitglied des sowjetrussischen Establishments - ein Doktor der "historischen und philosophischen Wissenschaften" (Marxismus-Leninismus), Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, Abgeordneter der Duma (russ. Parlament), früherer stellvertretender Leiter der Politischen Hauptverwaltung, Leiter der Verwaltung für Sonderpropaganda, früherer Leiter des Instituts der Sowjetischen Militärgeschichte, Professor, Generalleutnant Dimitri Antonowitsch Wolkogonow, der die Aussagen des Autors mit der Behauptung abzutun versucht, daß nur er (Wolkogonow) Zugang zu allen Akten und Dokumenten habe und Suworow folglich nur spekulieren könne. Suworow wendet dagegen ein, daß er mit dem einfachen, gewöhnlichen, russischem Bauernverstand spreche.

Oben: der junge Tuchatschewski. Der Verhaftung von Marschall Tuchatschewski (1893-1937), der nach allgemeiner Auffassung die Verantwortung für die Entwicklung der Roten Armee zu einer effektiven Streitkraft trägt, und anderer hochrangiger militärischer Offiziere folgte im Mai und Juni 1937 die Verhaftung des vormaligen Chefs des NKWD, Jagoda, und 3.000 seiner treuesten NKWD-Gehilfen.

Erstens bezweifelt Suworow die Anzahl (40.000) der angeblich während Stalins Säuberung erschossenen Kommandeure der Roten Armee. Durch die Auffindung der für diese Zahl angegebenen Primärquelle, die 1993 erneut publiziert worden war, entdeckte er, daß dieses Dokument gar nicht behauptet, 40.000 seien liquidiert worden.[6] Das Dokument sagt aus, daß 1937 20.643 Mitglieder der Streitkräfte entlassen wurden - nicht liquidiert oder erschossen -, gefolgt von weiteren 16.118 im Jahr 1938, also insgesamt 36.761. Weiter fand Suworow, daß gemäß dem Originaldokument von jenen, die 1937 entlassen worden waren, nur 5.811 verhaftet wurden, und von denen, die 1938 entlassenen wurden, weitere 5.057. Es wurden also nicht 40.000 Kommandeure erschossen, so Suworow, sondern 10.868 verhaftet. Zudem seien nicht alle Verhafteten auch erschossen worden. Viele seien später tatsächlich wieder in die Streitkräfte aufgenommen worden. Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski ist ein gutes Beispiel für einen Kommandeur, der 1937 verhaftet wurde, später jedoch für seine Siege im Zweiten Weltkrieg zum Marschall der Sowjetunion aufgestiegen ist.

Anschließend klärt Suworow die Bedeutung der in der Säuberungs-Literatur verwendeten russischen Begriffe »polkovodets« und »komandir« auf, die gewöhnlich mit General bzw. Kommandeur der Roten Armee übersetzt werden. Da die Rote Armee 1937 etwa eine Million Mann stark war, ist offensichtlich, daß nicht jeder davon ein General oder Kommandeur im üblichen Sprachgebrauch sein konnte. Suworow fand heraus, daß der Anteil politischer Offiziere und Kommissare an den Festgenommenen sehr hoch war. In der Kategorie der Heereskommandeure zweiten Ranges zum Beispiel, die dem Heereskommissar zweiten Ranges und dem Militärrichter des Heeres entspricht, waren offiziell 26 erschossen worden, von denen aber nur 10, also 40%, Militär-Offiziere waren, während die restlichen 60% Parteikommissare waren, die Suworow als Ballast bezeichnet. Die Erschießung der Kommissare, die - nebenbei bemerkt - von gewissen deutschen Einheiten im Zweiten Weltkrieg fortgesetzt wurde, habe tatsächlich die Moral der Armee erhöht, da die Kommissare bei der Mannschaft der Roten Armee und bei der Bevölkerung allgemein verachtet waren. Bis zu dieser Zeit hatten die Kommissare die absolute Macht über das Militär, selbst wenn sie keine militärische Ausbildung besaßen; und diese Macht nutzten sie auch aus, indem sie jeden Widerstand abwürgten und das freie Denken unterdrückten. Die politischen Offiziere dagegen, die 1943 die Kommissare ersetzten, waren nicht mehr ermächtigt, sich in rein militärische Entscheidungen einzumischen.

Um Suworows zynische Einstellung zu verstehen, müssen wir uns in Erinnerung rufen, daß die Rote Armee von Leo Davidowitsch Trotzki (Bronstein), der im "Bürgerkrieg" von 1918-1925 Kriegskommissar und Leiter der Roten Armee gewesen war, gegründet und unter seiner Aufsicht in den höheren Rängen bemannt wurde. Zuerst gab es überhaupt keine Rangunterschieden in Trotzkis Armee. Später mußte aber doch eine Unterscheidung zwischen jenen gemacht werden, die Befehle erteilten, und jenen, die sie ausführten. Die Kommissare, die später mindestens so weit befördert wurden wie die professionellen Soldaten, waren im wesentlichen bewaffnete, mörderische Gangster, die sich auf das Abschlachten der alten russischen Elite und aller Russen und Ukrainer spezialisiert hatten, die sich gegen die Revolution stellten. Die Brutalitäten und willkürlichen Tötungen unter Trotzki und seinen Henkern sind durchaus jenen unter Stalin in den folgenden Jahren vergleichbar - Suworow meint sogar, daß sie schlimmer gewesen seien. Trotzkis Spielart des Kommunismus war noch gewaltsamer und revolutionärer als Stalins. 1935, auf der Höhe der Kollektivierungsorgie, wurde in die Rote Armee der stolze Rang des Marschalls eingeführt, um die leitenden Eintreiber der Parteiideologie zu belohnen.

Suworow betont, daß die meisten von jenen, die "gesäubert" wurden, gar keine Soldaten waren, sondern Tschekisten und Lagerkommandanten bzw. Lagerpersonal im Dienste des NKWD, der größten und mächtigsten Unterdrückungsorganisation im Dienste des Staates.[7] Der Autor zählt etliche dieser frühen Leiter der Roten Armee und ihre Dienststellungen auf: Divisionsquartiermeister Izrail Izrailowitsch Pliner, Chef des GULAG, NKWD; Divisionsquartiermeister Eduard Petrowitsch Bersin, Chef der Dalstroi (Zentralbauleitung des Hohen Nordens) - eine wichtige Komponente des GULAG-Systems, der z.B. den Bau von Rußlands Kanalsystem mit Sklavenarbeitern und Kriegsgefangenen überwachte; Rudolf Augustowitsch Peterson, Kommandant des Kremls, verantwortlich für die Sicherheit der Parteigrößen in der Zeit von Trotzkis Nachfolger; Heereskommandeur zweiten Ranges Pawel Jefimowitsch Dybenko, der über die Sklavenarbeitslager in den Wäldern Rußlands und Sibiriens herrschte; Lazar Josifowitsch Kogan, erster Chef der GULAG; und Salomon Rafailowitsch Milstein, der Dybenko in den Waldarbeitslagern ablöste. Die Gebildeteren unter den Kommissaren leiteten die Zeitungen und Propagandabüros der Armee und der Marine.

Die ideologische Spaltung zwischen Trotzkisten und Stalinisten in der Roten Armee, zwischen der Ersten Kavalleriearmee und den Roten Kosaken, war schon während des Bürgerkrieges offensichtlich geworden. Stalin war an allen Operationen der Ersten Kavalleriearmee beteiligt und kannte deren Führung. Unter ihren Befehlshabern befanden sich die Marschälle Budonni und Woroschilow, Timoschenko (der später zu Stalins Marschall gemacht wurde), Armeegeneral Josif Rodionowitsch Apanasenko und weitere Waffenbrüder des Diktators. Ebenso eng mit den Roten Kosaken verbunden waren dagegen der Genosse Trotzki, Marschall Tuchatschewski, Heereskommandeur Jakir[8] und andere, die Stalin später "entfernte".

Wenigen ist bekannt, daß Stalins Sohn, Jakov Dschugaschwili (zweiter von links) in den ersten Monaten der Invasion der UdSSR von der deutscher Armee gefangengenommen worden war. Die Deutschen glaubten anfangs, dies für Verhandlungen mit Stalin ausnutzen zu können. Stalin aber kümmerte sich nicht um seinen Sohn und weigerte sich, über seine Freilassung zu verhandeln.

Marschall Tuchatschewski war sowohl Lenins als auch Trotzkis besonderer Liebling und daher prädestiniert dafür, Stalins spezielles Ziel in seinem Kampf gegen die Trotzkisten zu werden. Suworow zieht eine interessante Analogie zwischen Hitlers Eliminierung von Ernst Röhms SA, dem mehr radikalen und unberechenbaren Element in der nationalsozialistischen Revolution in Deutschland, und Stalins Liquidation seiner Linksabweichler, den Trotzkisten.[9] Während in Deutschland die Ereignisse allerdings sehr früh erfolgten - Hitler wurde 1933 an die Macht gewählt, und schon ein Jahr später hatte er sich seiner Opposition entledigt (sowohl der Kommunisten als auch Röhms SA) - dauerte der gleiche Prozeß in Rußland viel länger. Zwar nicht für einen größeren Krieg, sehr wohl aber für kurze, begrenzte Konflikte besaß Hitler 1939 die beeidete Treue der Armee (mit Ausnahme einer kleinen Clique aristokratischer Offiziere, die sich nicht durchringen konnten, einen steil aufgestiegenen Obergefreiten zu akzeptieren). In enger Zusammenarbeit mit Marschall Boris Michailowitsch Schapownikow plante Stalin jedoch einen größeren Krieg, allerdings nicht vor der zweiten Hälfte des Jahres 1941. Stalins Streitkräfte waren daher viel besser auf den großen Krieg vorbereitet, der dann ja auch kam.

In einer weiteren Analogie mit den Richtlinien der deutschen Nationalsozialisten vergleicht Suworow den Heereskommandeur Jakir mit Erich Koch, dem Reichskommissar der Ukraine. Beide waren Okkupanten der Ukraine. Beide waren rücksichtslose Eintreiber mit völlig unmenschlichen Leitprinzipen. Es ist eine Ironie, oder vielleicht passend, daß Koch und sein Stab in Kiew für sich das gleiche Gebäude in Anspruch nahmen, das vorher Hauptquartier der NKWD war.[10] Sarkastisch kommentiert Suworow, wenn man jemals beabsichtigte, ein Denkmal zu Jakirs oder Tuchatschewskis Ehren zu errichten, so müsse man in aller Gerechtigkeit auch eines zu Kochs Ehren aufstellen.

Sodann deckt Suworow den Mythos auf, Tuchatschewski sei ein brillanter General gewesen, der ausländische Angriffe auf die UdSSR vorausgesehen, vor ihnen gewarnt und die Wiederbewaffnung der sowjetischen Kräfte vorangetrieben habe. Stalins Versäumnis, Tuchatschewski Gehör zu schenken, so die Lehrmeinung, resultierte in der Katastrophe des 22. Juni 1941.

Tatsächlich waren Tuchatschewskis Ausbildung und Kampferfahrung ziemlich begrenzt. Im Ersten Weltkrieg hatte er einen Kommandoposten ungefähr sechs Monate lang inne. Der "Bürgerkrieg", in dem er herausragend war, war weniger ein Krieg im üblichen Sinne, sondern eine Serie von Strafaktionen, einschließlich Brandschatzung von Dörfern, Geiselnahmen und Massenhinrichtungen sowohl von Zivilisten als auch von Soldaten. Tuchatschewski selbst sagte:

»Lokale feindliche Klassen müssen mit eiserner Faust kontrolliert werden.«

Tuchatschewski war auch Kommandeur der sowjetischen Streitkräfte in dem unglücklichen Feldzug gegen Polen anno 1920. Seine Truppen wurden vom polnischen Marschall Pilsudski vor den Toren Warschaus vertrieben und mußten sich nach Moskau zurückziehen.

Tuchatschewskis Unfähigkeit als Truppenführer, wie er auch in seinem Buch Campaign on the Vistula offen zutage tritt, wurde von Marschall Pilsudski wie folgt kommentiert:

»Die außerordentliche Abstraktheit des Buches zeigt uns das Bild eines Mannes, der nur zur Analyse seines eigenen Sinnes oder Herzens fähig ist. Er weigert sich entweder absichtlich oder ist unfähig, seine Gedanken mit den täglichen Aktivitäten seiner Truppen zu koordinieren, die seine Befehle und Absichten nicht nur immer ignorierten, sondern ihnen oft auch zuwider handelten. Viele Ereignisse während der Militäroperationen von 1920 sind genau wegen [...] Tuchatschewskis Tendenz, seine Armee in dieser abstrakten Manier zu führen, so vonstatten gegangen.«

Es überrascht nicht, daß sich Hollywoods führende Stars der Kriegszeit mit dem russischen Militärattaché während dessen Besuch in den USA unterhielten. Es war genau diese Art amoralischen Verhaltens, die dann zur unverblümten Verherrlichung Stalins und der UdSSR führte. Von links nach rechts: Cary Grant, Jean Arthur, der Militärattaché der UdSSR und Ronald Colman, in den Studios von Columbia Pictures, April 1942.

Tuchatschewskis gesammelte Werke analysierend, beobachtet Suworow, daß der Marschall nicht über Strategie, Taktik, Logistik, Waffensysteme, Fähigkeiten und andere Dinge schreibt, die ernsthafte militärische Denker interessieren, sondern daß er sich in Allgemeinheiten, Parolen und politischen Aufrufen ergeht, wobei er seinem Mentor Trotzki ähnelte. Details, wie Produktionskapazitäten oder Erfordernisse des Kräfteausgleichs, ignorierte er völlig. Um nur ein Beispiel anzuführen: Im Dezember 1927 forderte er Stalin auf, im Jahre 1928, als die Sowjetunion ihre industrielle Basis noch nicht gefestigt hatte, 50.000 bis 100.000 Panzer zu produzieren. Diese Zahl war vollkommen unrealistisch, wenn man bedenkt, daß kein Staat oder keine Kombination von Staaten auch nur annähernd diese Zahl in einem Jahr hätte produzieren können.

Ideologisch waren Trotzki und Tuchatschewski von ähnlicher Gesinnung. Trotzki gab einmal kund:[11]

»Die Parole, die die revolutionäre Vernichtung des nationalen Staates fordert, muß weiter verbreitet werden. Das Programm der Vereinigten Sozialistischen Staaten Europas als eine Stufe zu den Vereinigten Staaten der Welt muß dem Narrenhaus des kapitalistischen Europa entgegenstehen.«

Oder an anderer Stelle:[12]

»Vergiß den Nationalismus. Es gibt keine nationalen Interessen. Es gibt nur Klasseninteressen.«

Stalins Herrschaft in der Ukraine war so schlimm, daß die deutschen Blitzkrieg-Kämpfer von den Einwohnern als Befreier begrüßt wurden. Hier: ukrainische Mädchen überschütten siegesgewohnte deutsche Soldaten mit Blumen.

Tuchatschewskis Stil, vollgestopft mit blumigen Worten und rhetorischen Phrasen, war genau der Gegensatz von Stalins Stil. Alle, die jemals mit dem Diktator zu tun hatten - Suworow zählt viele Militärs und einige politische Führer auf, einschließlich Churchill -, führten aus, daß Stalin ein phänomenales Gedächtnis hatte, analytisches Denken besaß, außerordentliche Willenskraft und eine große Aufnahmefähigkeit für das, was andere sagten, sowie daß er seine Entscheidungen prägnant und klar ausdrückte.

Tuchatschewskis Unfähigkeit als Planer der sowjetischen Wiederaufrüstung kommentierend, kam Stalin zu einer sehr ähnlichen Folgerungen wie der polnische Marschall:

»Genosse Tuchatschewskis Plan resultiert zu sehr aus stilvollem Enthusiasmus für eine "linke" Phrase; er entstammt einer Leidenschaft für bürokratische Papierarbeit. Folglich spielt die Analyse mit Zahlen, und die marxistischen Perspektiven für die Entwicklung der Roten Armee, wie er sie präsentiert, sind phantastisch. Auch nur der Versuch, so einen "Plan" zu verwirklichen, wäre mit Sicherheit gleichbedeutend mit dem Ruin sowohl der Volkswirtschaft als auch der Armee.«

Tatsächlich schlug Tuchatschewski mehrmals Alarm bezüglich der Bedrohungen der Sowjetunion durch fremde Staaten. Suworow zeigt allerdings anhand der vom Marschall verfaßten Schriften,[13] daß er mit seinem Lagebericht falsch lag und zudem unaufrichtig gewesen ist. 1931 warnte er in Übereinstimmung mit der offiziellen Doktrin der kapitalistischen Einkreisung, daß Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten drohten, die UdSSR anzugreifen. Deutschland hat er nicht erwähnt.

Wie Suworow darstellt, war Tuchatschewski vielleicht die führende sowjetische militärische Gestalt, die mit ihren deutschen Entsprechungen bei der Ausbildung der deutschen Streitkräfte in Rußland zusammenarbeitete. So wurden zum Beispiel deutsche Panzerbesatzungen in Kasan ausgebildet, deutsche Flieger in Lipezk. Deutsche Panzer- und U-Boot Konstrukteure haben in Leningrad gearbeitet, deutsche Flugzeughersteller (z. B. Junkers) bauten und testeten neue Modelle in Filya bei Moskau. Als der Krieg dann aber ausbrach, stellte sich natürlich heraus, daß die USA und Frankreich alles in ihrer Macht stehende taten, um das bolschewistische Regime zu retten, während Deutschland das Land war, das die UdSSR zu zerstören trachtete.

Ohne Zweifel erließ Tuchatschewski 1935 noch eine Warnung, in der er Deutschland tatsächlich revanchistischer Absichten beschuldigte.[14] Zusätzlich zu seiner Übertreibung von Deutschlands militärischer Stärke - der Marschall hatte behauptet, Deutschland besäße 10 Schlachtschiffe und eine Panzerwaffe, was beides nicht stimmte, und außerdem war der Barbarossa-Plan noch nicht einmal angedacht - schrieb Tuchatschewski, daß Deutschlands Drohung gegen Frankreich, Belgien und Polen gerichtet sei.

Da Deutschland und die Sowjetunion keine gemeinsame Grenze hatten und noch durch Polen getrennt waren, drängte der Marschall die genannten Staaten, ihre Verteidigung aufzubauen. Zu dieser Zeit hatte Stalin aber bereits seine eigenen Pläne für Europa, die nicht auf Verteidigung basierten, sondern auf der Ergreifung der Initiative für eine größeren Offensive. Stalin beabsichtigte, Hitler als seinen "Eisbrecher" zu verwenden, um Europas kleinere Staaten zu besetzen, und anschließend seinerseits Deutschland und alle dessen Eroberungen einzunehmen.

DAS BLUTIGE ERBE DES
KOMMUNISMUS IN DER UdSSR

Ein gemeinsames italienisch-russisches Projekte, geleitet von Antonella Christiani, Vera M. Michalewa und Norma Tarchowa, hat 1996 Suworows Hauptargument bestätigt, daß die Rote Armee, speziell die Kommissare, in den 30er Jahren beim russischen und ukrainischen Volk wegen der Grausamkeiten, die sie im "Bürgerkrieg" und beim Kollektivierungsprogramm verübt hatte, verhaßt waren.

Um Wolfgang Strauß, einen prominenten deutschen Slawisten und politischen Analytiker, zu zitieren:

»Nicht ein einziger Kommandeur unter den Leitern im Bürgerkrieg hat Lenins, Trotzkis oder Stalins Massenhinrichtungsbefehle verweigert oder auch nur in Frage gestellt. Aus dem Haß der alten Bolschewiken gegen die rückständige Bauernschaft, aus dem Haß gegen Trotzki, Swerdlow und Sinowjew ist der Haß gegen die Rote Armee erwachsen.«

Sie waren wirklich "willige Vollstrecker" des Kommunismus. Die russischen Historiker und ihre italienischen Kollegen dokumentieren in dieser Studie die Brutalität der Roten Armee bei der Zerschlagung der Bauernaufstände, der Beschlagnahmung der Getreideernte für die Parteigrößen, den vielfältigen Verhaftungen, Hinrichtungen und Deportationen.

Ein General namens Jan Gamarnik, Chef des politischen Direktoriums der Armee, war 1932-33 für die Ausführung der Direktive von Lasar Kaganowitsch verantwortlich, mit der die Beschlagnahmung des Getreides im Kuban befohlen wurde. Als Stalin die Kommandeure der Alten Garde des Bürgerkrieges in der Lubljanka hinrichten ließ (Gamarnik beging 1996 Selbstmord), vergoß kein Bauer in der ganzen Sowjetunion auch nur eine Träne. Mit Ausnahme von Tuchatschewski, einem wirklichen Russen, waren alle Schlächter Nichtrussen, die das russische Volk in Wirklichkeit verachteten: Lowandowski, Kork, Eidemann, Schmid, Alksnin, Jakir, Putna, Uborewitsch und Feldmann (die meisten werden in Suworows Werk erwähnt).

Es wird oft vergessen, daß das russische Volk das erste Opfer des Kommunismus war, einer fremden Ideologie, die Rußland von Nichtrussen rücksichtslos aufgezwungen wurde.

Das Schwarzbuch des Kommunismus zitiert Beispiele von Tuchatschewskis "Pazifizierungsmethode" des russischen Bauerntums während des Bürgerkrieges, die eine Fortführung von Trotzkis Methode war. Im von Tuchatschewski unterzeichneten Befehl Nr. 171 vom 11. Juni 1921 heißt es z.B.:

»1) Erschieße auf Sicht jeden Bürger, der sich weigert, seinen Namen anzugeben; 2) die Politischen Ausschüsse sind ermächtigt, Strafen für jedes Dorf zu verkünden, in dem Waffen verborgen werden, und Geiseln zu nehmen, wenn die Aufbewahrungsorte der Waffen nicht angegeben werden; 3) wo immer Waffen gefunden werden, richte den ältesten Sohn der Familie umgehend hin; 4) jede Familie, die einem Banditen Unterschlupf gewährt, ist zu verhaften und aus der Provinz zu deportieren, und der älteste Sohn ist sofort hinzurichten; [...] 7) diese Befehle sind ohne Gnade auszuführen.«

Am Tag, nachdem Befehl Nr. 171 ausgesandt wurde, befahl Tuchatschewski alle Rebellen zu vergasen:[15]

»Die Reste der besiegten Rebellenbanden und ein paar isolierte Banditen halten sich noch in den Wäldern verborgen [...]. Diese Wälder sind durch Verwendung von Giftgas zu säubern. Das muß sorgfältig kalkuliert werden, so daß das Gas in die Wälder eindringt und alle tötet, die sich dort verborgen halten.«

Suworow widmet sich nur sehr kurz verschiedenen behaupteten internationalen Intrigen, wie z.B. jener berühmten, derzufolge ein deutscher Nachrichtendienst durch tschechische Mittelsmänner absichtlich Informationen zu Stalin habe durchsickern lassen bezüglich einer Verschwörung von Tuchatschewski und anderen sowjetischen Militärs zum Putsch gegen den sowjetischen Führer;[4] oder jene andere Intrige, derzufolge die Opfer der Säuberung herausgefunden hätten, daß Stalin in den früheren Jahren seiner Karriere Mitglied der zaristischen Ochrana gewesen sei, weshalb er eliminiert werden sollte. Suworow lehnt diese Theorien aus mehreren Gründen ab: 1) es gebe keinen soliden Beweis (d.h. Dokumente), daß solche Intrigen jemals stattgefunden haben; 2) derartige Gerüchte wurden bisweilen in den Vereinigten Staaten und anderswo von Stalins politischen Feinden, den Trotzkisten, verbreitet, um den Diktator zu diskreditieren; 3) es wäre von den Deutschen wirklich dumm gewesen zu versuchen, feindliche Militärführer zu entfernen, die inkompetent und von ihren eigenen Truppen verachtet waren.

Wie Suworow in seiner Trilogie über das Vorspiel zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges überzeugend gezeigt hat, hatte Stalin einen genauen Plan, die Sowjetunion nicht nur zu verteidigen, sondern territorial zu erweitern.[16] Aber zuerst mußte er die Wirtschaft auf Kriegsleistungen umstellen; dann eine enorme Panzer-, Flugzeug-, U-Boot- und Luftlandestreitmacht produzieren; sodann eine regelrecht gestaffelte Mobilisierung anordnen, und seine Streitmacht schließlich längs der westlichen Grenze in offensive Positionen aufmarschieren lassen. Stalin beabsichtigte, Deutschland in einer günstigen Zeit anzugreifen (Suworow glaubt im Juli 1941), also nachdem Hitler mit der Eroberung von ganz Westeuropa als sein "Eisbrecher" fungiert hatte. Stalins überlegene Streitkräfte würden dann Deutschland überrennen und anschließend jene Nationen besetzen, die Hitler schon unterjocht und entwaffnet hatte.

Bevor Stalin diesen Plan durchführen konnte, stellt Suworow fest, habe er alle politisch unzuverlässigen und professionell inkompetenten Elemente aus der bewaffneten Macht entfernen müssen. Er habe die Moral durch Entfernung aller tyrannischen Kommissare stärken, das beste aus Rußlands Vergangenheit wiederbeleben und die Liebe und Hingabebereitschaft für Mütterchen Rußland wiederherstellen müssen.

Am 22. Juni 1941 griff Deutschland mit seinem "Fall Barbarossa" Rußland an, woraus sich der größte und blutigste militärische Feldzug der Geschichte entwickelte. Laut Befehl Nr. 21 war die Masse der russischen Armee, die im westlichen Rußland stationiert war, »in kühnen Operationen durch tiefe Vorstöße der Panzerspitzen zu zerstören. [...] Der Rückzug kampffähiger Elemente in die rückliegenden russischen Landesteile ist zu verhindern. Mittels schneller Verfolgung soll dann eine Linie erreicht werden, von welcher die russische Luftwaffe nicht mehr in der Lage sein wird, deutsches Heimatgebiet anzugreifen.« Hier: deutsche Soldaten diskutieren ihre Pläne für den Feldzug.

Hitlers überraschender Angriff am 22. Juni 1941 war vollkommen unerwartet, weil er vollkommen unlogisch war. Durch seinen Nachrichtendienst wußte Stalin, daß Deutschland auf einen langen Zweifrontenkrieg (England war noch im Krieg) nicht vorbereitet war. Suworow beruft sich auf die Memoiren mehrerer deutscher Generale, die bescheinigen, daß es ihnen schon vor Kriegsausbruch an Treibstoff und Waffen mangelte. Als Hitler sich auf dieses verzweifelte Glücksspiel einließ,[17] wobei er hoffte, die Sowjetunion in etwa drei Monaten niederzuringen, war Stalin kurzfristig bestürzt, und zwar nicht so sehr, weil der Krieg begonnen hat, sondern weil seine minutiös geplante Offensive zur Sowjetisierung ganz Europas über den Haufen geworfen worden war. Suworow vergleicht Stalins Gemütszustand in den Tagen unmittelbar nach Hitlers Angriff mit jenem eines Schiffbaumeisters, dessen unsinkbares Schiff einen Eisberg rammt und sinkt, oder eines Raketenkonstrukteurs, dessen Geschöpf auf der Startrampe explodiert. Stalin war einstweilig zusammengebrochen, weil er nicht imstande war, Europa wie geplant zu überrennen.

Suworow drückt dies wie folgt aus:

»Am 22. Juni 1941 hat Hitler sich selbst einen selbstmörderischen Schlag und gleichzeitig dem Kommunismus einen tödlichen Hieb versetzt. Ohne Rücksicht darauf, wie sich die Ereignisse später entwickelten, war Stalin nicht länger imstande, die Welt für den Sozialismus zu erobern.«

Zum Schluß stellt Suworow folgende Frage:

»Hatte Stalin recht, als er die inkompetenten Militärs, die mörderischen Kommissare und die trotzkistischen Elemente aus den höheren Rängen des Militärs säuberte und seine eigenen Leute einsetzte, lange vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten?«

Suworows Antwort darauf lautet:

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»Wenn die Tatsache, daß Stalins Armee letztlich die deutschen Streitkräfte zerschmetterte und Berlin eroberte, ein unzureichender Beweis wäre, so lassen Sie mich aus einigen der letzten Eintragungen in Josef Goebbels Tagebuch zitieren: [rückübersetzt]

15. März 1945. Stalin hat allen Grund, seine sowjetischen Marschälle, die hervorragende militärische Fähigkeiten demonstrierten, wie Filmstars zu feiern.

16. März 1945. Der Generalstab hat mir ein Buch mit biographischen Daten und Bildern der sowjetischen Generale und Marschälle gegeben. Beim Durchschauen dieses Buches ist es nicht schwer, die Fehler zu sehen, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. Die sowjetischen Marschälle und Generale sind im Durchschnitt jung. Fast keiner ist älter als 50 Jahre. Sie scheinen sehr energische Leute zu sein, und ihre Gesichter verraten eine gute, gesunde Abstammung. [...] Kurz: ich bin gezwungen, die unangenehme Folgerung zu ziehen, daß die Leiter der Sowjetunion aus besseren Schichten der sowjetischen Gesellschaft entstammen als unsere eigenen.

28. März 1945. Ich habe dem Führer gesagt, daß wir 1943 leider die Notwendigkeit zur Reform der Wehrmacht nicht erkannten, als wir die Gelegenheit dazu hatten.«

Suworows Verteidigung von Stalins Entscheidung, die Rote Armee zu säubern, sollte in keiner Weise als eine Verteidigung oder Entschuldigung des gesamten Regimes des Tyrannen aufgefaßt werden. Suworow will nur zeigen, warum Stalin so handelte: um sich vor politischen Feinden zu schützen, um politische Fraktionen in der Armee zu eliminieren, um die Vorbereitung der Streitkräfte auf einen modernen Krieg zu verbessern und um seine eigenen Invasionspläne für die Bolschewisierung Europas auf geordnete und systematische Weise vorzubereiten. Stalin handelte jederzeit absichtlich, intelligent und logisch. Es war gerade wegen der logischen und methodischen Art des sowjetischen Diktators, daß Hitlers überraschender und scheinbar irrationaler Angriff den sowjetischen Führer auf dem falschen Fuß erwischte.

In völligem Gegensatz zu Stalin, dessen ganze Natur mehr auf logisches, kalkuliertes Verstehen der Geschehnisse und Kräfte gründete, als auf den Verstand, handelte Hitler oft aus instinktiven Impulsen heraus, auf Empfindung gründend. Der deutsche Diktator erahnte wahrscheinlich instinktiv - richtig, wie es sich herausstellte -, daß Stalin niemals seinen Angriff erwarten würde. England war schließlich noch im Krieg und bekam in aller möglichen Weise Unterstützung durch die Vereinigten Staaten. Überdies wußte Stalin durch den sowjetischen Nachrichtendienst, daß Deutschland in keiner Weise auf einen langen Krieg an zwei Fronten vorbereitet war. Aber genau weil ein deutscher Angriff auf die Sowjetunion von Stalins logischer Denkweise aus betrachtet als unlogisch und höchst unwahrscheinlich gelten mußte, hat Hitler wohl angenommen, daß dies die beste Aussicht auf Erfolg bietet. Hitler wußte auch, daß England nicht aufgeben würde, solange die Sowjetunion ein möglicher Verbündeter war.

Stalin, wie auch Trotzki, erwies sich als ein Weltrevolutionär, der sich der Zerstörung des Christentums und des Kapitalismus sowie der Bolschewisierung der Welt widmete. Sein verkündetes Ziel war die Weltherrschaft. In der christlichen Welt wurden damals die Führer des Kommunismus oft mit dem Antichrist verglichen. Hitler stellte sich als ein Retter des deutschen Volkes vor. Seine verkündeten Ziele waren: 1) jene Territorien und Volksdeutschen ins Vaterland zurückzuführen, die nach Versailles vom Vaterland abgetrennt worden waren, und 2) die bolschewistische Gefahr zu zerstören.


Daniel D. Michaels ist Übersetzer deutscher und russischer Texte für das US Verteidigungsministerium und für private Unternehmer. Herr Michaels war von 1972 bis 1993 beim Nachrichtendienst der US- Marine als Sprachspezialist angestellt. Er ist Verfasser verschiedener wissenschaftlicher Berichte und literarischer Werke in Geo- und Astrophysik. Der gebürtige New Yorker lebt jetzt in Washington, D.C. Entnommen der Barnes Review, 6(3) (2000), S. 48-55 (130 Third St., SE, Washington, D.C., 20003, USA), übersetzt von Zoltan Bruckner.


Bibliographie


Anmerkungen

[1]Ochishcheniye: Zachem Stalin obezglavil svoyu armiyu? (Die Säuberung. Warum enthauptete Stalin seine Armee?), Ast, Moskau 1998.
[2]Die Rote Armee wurde offiziell RKKA oder »Die Rote Armee der Arbeiter und Bauer« genannt.
[3]Vgl. John Kovacs , »Der rätselhafte General Andrei A. Wlassow«, VffG, 4(1) (2000), S. 76-80.
[4]Dies wird allerdings von Heinrich Müller bestätigt, Kopf der Gestapo, siehe Gregory Douglas (Hg.), The 1948 Interrogation of Gestapo Chief Heinrich Müller, Bd. 3, R.J. Bender, San Jose, Kalifornien, 1998, S. 14-23.
[5]Die ersten Marschälle der Sowjetunion waren M.N. Tuchatschewski, W.K. Blücher, A.I. Jegorow, K.J. Woroschilow und S.M. Budenni. Stalin entfernte die ersten drei in dieser Liste aufgezählten und ersetzte sie später durch S.M. Timoschenko, G.I. Kulik und B.M. Schaposchnikow, der des Diktators nächster Militärratgeber wurde.
[6]A.T. Ukolow und V.I. Ivkin, Militärgeschichtszeitschrift, Nr. 1, S. 56, 1993.
[7]Um eine Kostprobe der erstickenden Anwesenheit der Geheimpolizei in jedem Aspekt des militärischen Lebens zu geben, zählt Suworow nur einige der Unterabteilungen unter der GUGB (Hauptadministration der Staatssicherheit) und des NKWD (Volkskommissariat der Inneren Angelegenheiten) auf: GURKM - Miliz der Arbeiter und Bauer; GUPVO - Grenz- und Innere Sicherheit; GUPO - Brandschutz; GUSHosdor - Hauptadministration der Straßen (Häftlingsarbeit verwendend); die GULAG - Hauptadministration der Korrektiven Arbeitslager; GEU - Ökonomische Hauptadministration; GTU - Transport-Hauptadministration usw. Alle diese Unternehmen verwendeten natürlich Zwangsarbeit.
[8]Wenig bekannt ist die Tatsache, daß Jakir etwa 40.000 chinesische Söldner angeworben hatte, um sie gegen das russische Volk zu verwenden, und ein kleineres Kontingent als seine eigene Leibgarde.
[9]Sowohl von Röhm als auch von Jakir wurde berichtet, sie hätten kurz vor ihrer Hinrichtung ihre Hingabe für ihre jeweiligen Führer, Hitler und Stalin, beteuert.
[10]Das Gebäude, das nicht zerstört wurde, als die Sowjets Kiew evakuierten, obwohl sie genug Zeit hatten, die Klöster Kreschchatik und Petscherskaja Lavra zu demolieren, liegt in der Wladimirskaja Straße 33.
[11]Bulletin of the Opposition, Nr. 84, S. 14.
[12]M.N., Tuchatschewski, Nationale und Klassenstrategie und der Klassenkampf.
[13]M.N. Tuchatschewski, Izbrannye proizvedaniya, 2. Band, S. 165.
[14]M.N. Tuchatschewski, (Militärpläne des modernen Deutschland), Voyennyy vestnik, Nr. 4, 1935.
[15]Stéphane Courtois u.a., The Black Book of Communism, Crimes, Terror, Repression, Harvard University Press, Cambridge, MA, 1999, S. 116-117. Die zitierte Stelle ist auch ein gutes Beispiel für ein von der Regierung durchgesetztes frühes Waffenkontrollprogramm.
[16]Viktor Suworow, Der Einbrecher - Hitler in Stalins Kalkül, Klett-Cotta, Stuttgart 1989; ders.; Der Tag M, ebenda, 1995; Stalins verhinderter Erstschlag, Pour le Mérite, Selent 2000, letzteres rezensiert in VffG, 4(3&4) (2000), S. 438f.
[17]Hitler war überzeugt, daß die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich schon vor Ausbruch der Feindlichkeiten mit der Sowjetunion verbündet waren und schon damals alles taten, um die sowjetischen Kräfte zu stärken. Er folgerte, daß die gegen ihn antretenden Kräfte immer stärker, seine eigenen aber relativ gesehen immer schwächer würden, je länger er wartete. Da die Regierungen Englands und der U.S.A. auf Rußlands fast unbegrenzte Menschenstärke bauten, um Deutschland zu überwältigen, folgerte Hitler, daß seine einzige Überlebenschance in einem mutigen Versuch lag, die UdSSR in einem dreimonatigen Blitzkrieg zu überrumpeln. Es war unwahrscheinlich, daß England und die Vereinigten Staaten die eigene Menschenstärke für eine Invasion in Europa ohne russische Unterstützung verwendet haben würden.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(4) (2001), S. 431-437.


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