Bücherschau

Van Pelts Plädoyer gegen den gesunden Menschenverstand

Von Robert H. Countess, Ph.D.

Robert Jan van Pelt, The Case for Auschwitz. Evidence from the Irving Trial, Indiana University Press, Bloomington/Indianapolis 2002, 464 S., $45.-.

Einleitung

Ich kaufte van Pelts Buch, weil ich mich für die Zeichnungen und Einzelheiten der angeblichen Zyklon B-Einwurfsäulen der vermeintlichen Gaskammern von Auschwitz mit dreifachem Maschendraht interessiere, die auf den Seiten 194-208 »axonometrisch« rekonstruiert sind (der Begriff wird von van Pelt verwendet, aber ich bezweifle, daß irgend jemand weiß, was er damit meint). Ich hatte nämlich vor, sie genau in Augenschein zu nehmen, um ein „echtes" Modell zur Vorführung und praktischen Analyse herzustellen. Aber dann stellte ich fest, daß ich auch nach diesen überaus wichtigen und hypothetischen Metall-Apparaturen zur Menschenvergasung weiterlas, und ich beschloß, am Anfang zu beginnen und mich durch das ganze Buch zu arbeiten. Ich bin froh, daß ich das tat, denn van Pelt zu lesen - den hellsten Stern der gegenwärtigen Holocaust-Galaxie - bildet in der Tat weiter und ist eine Herausforderung für den Holocaust-Revisionismus. Da das dicke Buch erst im Januar erschien, wurde es noch nicht in weiten Kreisen gelesen oder besprochen, und ich glaube, wenn ich hier heute eine Einführung darüber gebe, könnte das Revisionisten helfen, in der Zukunft gewisse Fallen zu vermeiden.

The Case for Auschwitz ist durch seine Gesamterscheinung - breite Ränder, Schriftbild, Fotos, Zeichnungen, Index, Bibliographie, Einband und vor allem natürlich der Inhalt - ein überaus eindrucksvolles Buch. Van Pelt muß dazu gratuliert werden, daß er ausgiebig Abschnitte revisionistischer Schriften präsentiert, obwohl er sie überwiegend verzerrt oder sich schlichtweg zugunsten seiner eigenen Theorie irrt. Sogar für den Vorwurf direkter Unehrlichkeit läßt sich eine solide Rechtfertigung finden.

The Case for Auschwitz ist im Hinblick auf seine Zielsetzung und der Folgerichtigkeit, mit der diese angegangen wird, ein überwältigend überzeugendes Buch. Es ist für den Holocaust-Revisionismus ein vernichtender Schlag, sofern man von einem „Wenn" absieht, und dieses „Wenn" muß folgendermaßen plaziert werden: The Case for Auschwitz wäre für den Holocaust-Revisionismus ein vernichtender Schlag, wenn die angeblichen Augenzeugen und ihre „Geständnisse" verläßlich und in Übereinstimmung mit den naturwissenschaftlich-technischen Gegebenheiten von Physik, Chemie, Architektur, Hydrologie und Bautechnik wären.

Mehr als auf jeder anderen Beweisart beruht van Pelts Buch auf dem Zeugnis angeblicher Augenzeugen und ihrer „Geständnisse".[1]Und gerade Professor van Pelts Wunsch, gewissen angeblichen Augenzeugen zu glauben, macht sein Buch so überwältigend überzeugend für die breite Leserschaft, die Medien, Politiker, Richter, Anwälte und Akademiker und die Massen, auf denen der heutige soziale Konsens beruht. Van Pelts architektonische Zeichnungen sind exzellent und für die oben Genannten ebenfalls eindrucksvoll überzeugend. Ich tippe darauf, daß dieses Buch im kommenden Jahrzehnt das meistzitierte Holocaust-Werk sein wird und daß versucht wird, die meisten Diskussionen mit einer Versicherung „wie van Pelt sagt..." zu beenden.

Das Tennis-Spiel

Beide Spieler beginnen bei l'oeuf (= Null) und kommen dann über 15, 30, 40 zum Spielsieg. Da van Pelt in seinem Buch einige Punkte gegen die Angaben und Argumente der Revisionisten macht, muß ihm das entsprechend angerechnet werden, und die heutigen Revisionisten müssen, wie es scheint, „zum Zeichenbrett zurück" und alle Fehler ausbessern, die sie finden. Aber ich glaube, die Endwertung liegt irgendwo bei 15 Punkte für van Pelt, während die „Verneiner" bei Spiel, Satz und Sieg stehen.

Aber van Pelt hat das Spiel stark gespielt, hart gearbeitet, ausgiebig in den Schriften der „Verneiner" gelesen, ist sogar einem oder zweien persönlich begegnet, er hat auf eigene Faust eine enorme Forschung betrieben und Reisen gemacht, sorgfältig dagegensprechende Argumente abgewogen und sein bestes Können aufgeboten, um sie zu widerlegen - all das tat er natürlich für die hübsche Summe von Hunderttausenden Dollar oder Euros, und er hat dabei eine enorme Publizität zu seinen Gunsten von der Holocaust-Industrie erhalten, die den sozialen Konsens schafft und gedeihen läßt.

Ich schlußfolgere, daß sich van Pelt als würdiger Gegner erweist, der sich, wie Irving beim Londoner Gerichtsverfahren fand, geschickt auf die meisten Begegnungen vorbereitet hat, aber van Pelt kann sich erst dann als auf Herz und Nieren geprüft betrachten, wenn und falls er sich einverstanden erklärt, bei einer IHR-Konferenz oder einer ähnlich offenen Veranstaltung mit prominenten revisionistischen Gelehrten allumfassend und offen seine Auschwitz-Besessenheit zu diskutieren - die ich als seine A™ abkürze -, wobei kein Standpunkt ausgeschlossen wird.

Van Pelts zwei Brillen

Niemand schreibt normalerweise ein Buch über die Geschichte von Auschwitz oder Miami oder Paris, während er seine Objektivitätsbrille auf hat - denn es gibt keine völlige Loslösung vom eigenen Wertsystem. Objektivität ist ein Ziel, nach dem man streben kann, das aber von einem normalen Sterblichen nie völlig erreicht wird.

Van Pelt mag glauben, daß er objektiv schreibt, aber es ist seine andere Brille, die dieses Buch beherrscht - eine Brille, die wirklich seine gesamte Sichtweise prägt. Es ist, wie mir scheint, seine jüdische mystisch-religiöse Brille, und wenn er diese aufhat, zeigt er eine radikale Besessenheit mit den Juden und allem, was jüdisch ist. Ich wünschte, daß die Schrift in seinem Buch immer dann, wenn er diese Brille aufhat, farbig wäre - sagen wir gelb - und nur dort schwarz wäre, wo er lediglich Daten oder Sätze aus anderen Quellen präsentiert. Oder wenn er sich öffentlich äußert, daß er dann auch physisch eine schwarze oder gelbe Brille tragen würde, wenn er sich so mühelos, wie das bei ihm der Fall ist, von einem Gebiet ins andere begibt. Aber dann sollte ich auch empfehlen, daß wir alle das gleiche tun.

Sein zweites Kapitel, »Beweiszusammenstellung für Auschwitz« ist der Schlüssel zu seinem persönlichen mystisch-jüdischen Wertsystem und wie dieses den Rest des Buches färbt. In der Tat bergen die ersten Seiten dieses Kapitels wohl den wichtigsten Inhalt von The Case for Auschwitz, da sie zeigen, - so behaupte ich - daß sowohl seine persönliche wie auch seine berufliche Existenz unauflösbar mit seiner Religionsphilosophie von Gut und Böse verbunden ist, mit Auschwitz und den Nazis als dem absoluten Bösen, und den Juden als der Verkörperung ultimativer Gutheit.

Van Pelt macht klar, daß das »Böse« (S. 67) dunkel drohend über seiner Historiographie von A™ schwebt, und er sagt rundheraus, es habe ihn beunruhigt, als er 1985 feststellte, daß das „Böse" der Nazis bei architektonischen Forchungen keine allumfassende Rolle spielte.

Die Universität von Virginia in Charlottesville

Van Pelts ehrliche Bekundung seiner mystischen Gefühle kann am besten mit seinen eigenen Worten ausgedrückt werden:

»Meine Reise zum Gerichtssaal Nr. 73 im Königlichen Justizgebäude in London begann 1985 im Konferenzraum des Dekans der Architekturschule an der Universität von Virginia. Ich war soeben als Gast-Assistenzprofessor für Architekturgeschichte ernannt worden und wohnte einer Veranstaltung der Fakultät bei, um die 750 Gebäude zu erörtern, die Studenten der Architekturgeschichte für ihr Abschlußexamen kennen müssen. Meine Kollegen gaben mir Gelegenheit, die existierende Liste durchzusehen und Änderungen vorzuschlagen. Da ich im Jahr zuvor den Doktortitel mit einer Dissertation über die kosmischen Spekulationen über den Tempel Salomons erworben hatte, schlug ich vor, diesen in den Kanon der Universität von Virginia aufzunehmen. Es gab keine Einwände. Das Tabernakel des Moses und der Turm von Babel erwiesen sich auch als annehmbar. Dann benannte ich das Krematorium 2 von Auschwitz. Eine erstaunte Stille folgte, die von der scharfen Bemerkung eines Professors unterbrochen wurde, das könne doch offensichtlich nicht mein Ernst sein. Als ich dies aber versicherte, riet mir ein anderer Akademiker, daß ich vielleicht eine andere Laufbahn in Betracht ziehen sollte.« (S. 66)

Man muß sich ins Bewußtsein rufen, daß hier ein holländischer Jude, dessen Dissertation von 1984 an der Uni Leiden Ideengeschichte zum Thema hatte und nicht etwa Architektur, inmitten echter Architekten saß - noch dazu Professoren für Architektur - und vorschlug, ein häßliches, aber praktisches, betonverstärktes Krematorium (und, wenn Samuel Crowell recht hat, einen Hilfsluftschutzbunker) auf die Prüfungsliste bedeutender Bauwerke im Fach Architektur zu setzen. Man muß sich auch vergegenwärtigen, daß ich fälschlicherweise - bis zum Londoner Prozeß - angenommen hatte, daß van Pelt tatsächlich ein echter Architekt ist, was teilweise darauf beruhte, daß er in dem Buch Anatomy of the Auschwitz Death Camp 1994 als »Assistenzprofessor der Architektur an der Architektenschule der Universität Waterloo, Kanada« (S. xiv) bezeichnet wird.[2] Meine irrige Annahme ist kaum von Bedeutung, dagegen ist für die Einschätzung der geistigen Ausstattung eines Autors der mystische Nonsens durchaus von großer Bedeutung, mit dem van Pelt im letztgenannten Buch sein 6. Kapitel »A Site in Search of a Mission« beginnt (S. 93-156). Er beginnt in Bezug auf den Ortsnamen Auschwitz:

»Der Name erscheint unverdaulich. Bevor wir uns von seinem harten und abstoßenden Anfang (Ausch) erholt haben, werden wir von seinem gewalttätigen und sarkastischen Schluß (witz) getroffen.« (S. 93)[3]

Wie unglaublich lächerlich! Man könnte genauso gut den polnischen Namen geißeln, indem man mutatis mutandis Os von wiecim abtrennt und dann nach jedem Teil zischt. Und warum sollte man nicht das gleiche Spielchen mit Tel und A-viv treiben? Oder mit meiner eigenen Stadt: Hunts und ville? Ich war mir 1994 nicht darüber im klaren, daß ich einem Mystiker gegenüberstand, der von einem Ortsnamen, der auf einer Karte durch ein Koordinatennetz lokalisiert werden kann, so besessen war, daß er dogmatisieren konnte, daß die Auschwitzer »Gaskammern die ganze Bedeutung der Architektur veränderten.« (Case, S. 67). Das ist nicht nur mystisch, es ist absurd, so etwas in ein Buch mit ernsthafter Geschichtsschreibung einzubringen, obwohl es absolut passend für einen Schwatz in der Synagoge ist.

Van Pelts „kabbalistische" Architektur-Metaphysik

In Fortsetzung seiner Geschichte über die Universität von Virginia, wo es ihm gelang, drei Gebäude aufnehmen zu lassen, von denen es nur kaum noch feststellbare Überreste gibt - wenn überhaupt welche - schreibt van Pelt:

»Kurz nach meiner Ankunft in Virginia war ich zunehmend irritiert über die Art, wie meine Kollegen die durch die Lager[4] aufgeworfenen Fragen umgingen. Es hatte den Anschein, daß den meisten Historikern die Lager peinlich waren und sie es vorzogen, diese Orte als Irrwege anzusehen, die in eine Fußnote gehörten. Und die Architekturgeschichtler hatten die Lager überhaupt ignoriert. Auschwitz erschien in keiner Architekturgeschichte - nicht einmal in Spezialstudien über die Nazi-Architektur. Das machte mir Kummer, weil ich zu der Schlußfolgerung gekommen war, daß Geschichtsinterpretationen, die das Böse ignorieren, dazu verurteilt sind, seicht und letztlich bedeutungslos zu bleiben. Ich unterschätzte den Geschichtsschreibungstrend weg von systematischen Untersuchungen über die Existenz des Bösen in der Geschichte nicht: wie ich in meiner Dissertation schrieb, war mir das Ausmaß der künstlerischen Neigungen von Historikern absolut klar geworden, etwas zu konstruieren. Sie sammeln isolierte Stücke geschichtlicher Beweise zu einer zusammenhängenden Geschichte, das der konstruktiven Ideologie kausaler Denkweise gerecht wird. Diese Art der Geschichtsschreibung macht es unvermeidlich, daß sich Historiker wohl fühlen, wenn sie die konstruktiven Bemühungen vergangener Generationen beschreiben, - sei es in der Ökonomie, der Politik, bei spekulativen Gedanken, in Naturwissenschaft, Kunst oder Architektur, und daß sie sich verloren fühlen, wenn sie mit Bösem konfrontiert werden, weil das Böse in seiner negativen und rein zerstörerischen Art einen Sinn leugnet und damit dem geschichtlichen Erzählstil widerstrebt, der von der Form und Kausalstruktur her das Vorhandensein eines Sinnes fordert. Nachdem ich Erzählungen über die Zerstörung des Tempels von Jerusalem studiert hatte, wurde mir klar, daß die Manifestation des Bösen in einer fernen Vergangenheit in eine ästhetische Form gebracht werden kann. Aber wenn die Erinnerung der Opfer noch nicht gestorben ist, ist dies schwieriger.« (S. 67)

Als ich diese Zeilen las, merkte ich, daß sich van Pelts Mentalität fundamental von dem eines Naturwissenschaftlers unterscheidet. Die Architekturwissenschaft muß von Grund auf physikalisch und materialistisch und auf Exaktheit ausgerichtet sein, weil die Schönheit einer Struktur der Sicherheit, Dauerhaftigkeit und Zweckmäßigkeit folgen muß und diesen nicht vorausgehen kann. Ich habe festgestellt, daß van Pelts Besessenheit vom „Bösen" in der modernen Welt, die durch physikalische Beweise und mathematische Berechnungen charakterisiert wird, ein Fehler ist, der seine Fähigkeit zu forschen, zu analysieren und zu schreiben verkümmern läßt - ganz abgesehen davon, daß van Pelt keine Methode angibt, anhand derer seine Leser, Richter oder Architekten feststellen können, was van Pelts „Böses" ist. Dazu kommt, daß sich die moderne wissenschaftliche, ökonomische, akademische und politische Welt nicht offen mit der religiösen Ausrichtung eines Fachmanns befaßt, vor allem, wenn er ein metaphysisches Prinzip vom „Bösen" einführt, das klar jenseits aller tatsächlichen Wahrnehmung von z.B. dem durch eine Flut, einem Feuer, einem Erdbeben oder einem Verbrechen verursachten Übel ist.[5]

Wie bizarr, daß er Leichenkeller 1 von Krema 2 beim Londoner Gerichtsverfahren als „das Allerheiligste" bezeichnete und damit einen Leichenkeller zu einem religiösen Heiligtum auf der Ebene des Mosaischen Tabernakels machte, in dem der Gott aller Schöpfung symbolisch wohnte!

Auch wenn man nicht lieblos gegenüber van Pelt klingen möchte, muß man feststellen, daß für ihn die sog. „Auschwitz-Krankheit" nicht Dysenterie ist, sondern Holocaustomanie. Wie es scheint, kann Robert Jan van Pelt offenbar nicht an einer modernen westlichen Universität normal tätig sein, ohne Studenten und Kollegen mit seiner eigenen jüdischen Krankheit zu verpesten, durch die er metaphysisch „Böses" in einem häßlichen aber funktionalen, eisenverstärkten Betongebäude sieht, das zur Lebensrettung errichtet wurde, während sie ihn blind macht, wenn sein geliebter Premierminister Sharon mit dem Geld des US-Steuerzahlers häßliche Betonmauern der Apartheid errichtet, um die einheimischen Palästinenser zu ghettoisieren. Seine Denkart kann genausogut das „Loch Ness Monster", einen „Yeti" oder UFOs verdinglichen (d.h. einen Gegenstand aus dem Nichts entstehen lassen) und eines davon oder alle dazu benutzen, um verheerende Wettererscheinungen oder die Katastrophe des 11. September zu erklären.

Wenn er bekräftigt, daß „Böses keinen Sinn hat", mangelt ihm auch das epistemologische Selbstbewußtsein des philosophischen Fachmanns, der zumindest seine Leser darüber aufklären würde, 1) was „böse" bedeutet und 2) was „Sinn" in seiner eigenen Weltanschauung heißt. Van Pelt tut weder das eine noch das andere und macht damit seine Schriften kabbalistisch.[6]

Wenn van Pelt nur A New Critique of Theoretical Thought seines holländischen Landsmannes Herman Dooyeweerd[7] studiert hätte, wüßte er, daß Sinn ein hochkontroverser Begriff ist, eine Hauptprämisse theoretischen Denkens. Bei van Pelt finden wir dagegen ein klägliches Bemühen, jüdisches mystisches Religionsverständnis in das Fachgebiet von Geschichte und Architektur einzuschmuggeln.

Van Pelt schreibt:

»mein Vorschlag, das Krematorium 2 in die Schlüsselgebäude der Architekturgeschichte einzubeziehen, basierte auf der Annahme, daß sein Bau ein Ereignis von entscheidender Bedeutung in der Architekturgeschichte war. Die Gaskammern veränderten die ganze Bedeutung der Architektur. [Hervorhebung hinzugefügt...] Schon bevor ich meine Dissertation abschloß, fühlte ich, daß Tempel und Krematorium in einem Diptychon vereint waren, und daß ich, wenn ich die eine Seite studiert hatte, nicht den Blick von der anderen abwenden dürfe.« (S. 67)

Wir können jetzt van Pelts geistigen Rahmen analysieren: die Zwei-Tafel-Einheit (Diptychon) hier von Tempel und Krematorium umreißt seine grundlegende Auffassung der Architektur als Wissenschaft, und daher hat bereits der Ortsname „Auschwitz" seinen bösen zischenden Klang, und die vier Löcher müssen existieren, und die vier Vergasungsapparaturen mit dreifachem Maschendraht müssen real gewesen sein, und die Augenzeugen Henryk Tauber und Michael Kula und Shlomo Dragon und Stanislaw Jankowski müssen die Wahrheit gesagt haben, und der polnische kommunistische Richter Jan Sehn muß sorgfältig und fair gewesen sein, und die Geständnisse von Pery Broad und Johann Paul Kremer und Rudolf Höß müssen wahre Geständnisse der Realität gewesen sein.

Van Pelts A™ ist im Grunde genommen nicht so sehr ein Ort in Polen oder Oberschlesien, als vielmehr ein metaphysisches Konzept, bei dem das Böse der Nicht-Juden (= Antisemiten) ewig das „auserwählte Volk" bekriegt, das gut und anständig und liebevoll und schöpferisch ist.

Und daß David Irving eine grundlegende Kritik von A™ präsentierte, machte ihn zum „Geschichtsfälscher".[8]

Der „soziale Konsens" und das „Fruchtwasser"

Und in dieser Hinsicht stellte ich fest, daß man sich auf van Pelt verlassen kann. Er schreibt:[9]

»Als ich die Einladung annahm, mich dem Verteidigungs-Team anzuschließen, hatte ich angenommen, daß Irving und ich im Gerichtssaal das strittige Thema Auschwitz auf einem ebenen Spielfeld austragen würden. Jetzt wurde ich gewahr, daß dies nicht der Fall sein würde, und daß es ihm, wenn er einen sozialen Konsens herausforderte, an dem er paradoxerweise selbst partizipierte, fast unmöglich sein würde, nicht nur den Richter und die Geschworenen, sondern auch sich selbst davon zu überzeugen, daß die Beweise prinzipiell anders als üblich bewertet werden konnten. Mit anderen Worten: er würde Beweise verwenden, die sich erkennntistheoretisch gegen ihn wenden würden. Der Prozeß sollte zeigen, daß dies tatsächlich der Fall war. Jedes Mal, wenn Richter Gray versuchte, Irvings Schlußfolgerung über die fraglichen Beweise festzustellen, erhielt er verwirrte Antworten, die letztendlich bestätigten, daß die Beweise besagten, daß die angeblichen Gaskammern als Gaskammern entworfen und benutzt worden waren. Irving konnte nur dadurch einen Kompromiß seiner beiden Seiten erlangen - der einen, die dem Konsens den Krieg erklärt hatte, und der anderen, die ihm trotz allem weiterhin anhing - daß er behauptete, das seien Räume zur Vergasung von Leichen gewesen. Er tat mir manchmal leid, wenn ich beobachtete, wie er mit den Paradoxa focht, die er aufgeworfen hatte. Aber dann rief ich mir wieder in Erinnerung, was er über Auschwitz gesagt hatte: „Ich sehe keinen Grund, bezüglich Auschwitz pietätvoll zu sein. Es ist Quatsch. Es ist eine Legende.«

Irving sprach tatsächlich zügellos und zu verallgemeinernd über „Auschwitz", womit immerhin drei Dinge bezeichnet werden: ein Ort, ein deutsches Lager und ein höchst kontroverser „sozialer Konsens", der von Leuten geschaffen wurde, die ein begründetes Interesse daran haben, antideutschen Haß zu verewigen, samt einer Holocaust-Industrie, die viele Einzelpersonen und Organisationen reich gemacht und spezielle akademische Lehrstühle für mittelmäßige jüdische Professoren errichtet hat. Aber kann es wohl sein, daß Irving A™ - oder, wie er es formulierte, den „Holocaust™" - schließlich so satt hatte, daß er sich erlaubte, seinem Ärger Luft zu machen? Das ist ganz menschlich, kann aber später auf einen zurückschlagen; hier geschah dies im Gerichtssaal Ihrer Majestät.

Van Pelt macht seine treffende Einschätzung des sozialen Konsens über die geheiligten „sechs Millionen" in Menschengaskammern noch klarer, wenn er schreibt:

»[...] weil weder Richter noch Geschworene in der Lage wären, sich von unserer eigenen Kultur abzutrennen und den überlieferten Bericht von Auschwitz auf der Basis dokumentarischer Beweise zu bewerten.« (S. 104)

Die Verwendung des bestimmten Artikels »den« im Zusammenhang mit dem »überlieferten Bericht« ist keine zufällige Wahl. Mit »unsere eigene Kultur« meint van Pelt die jüdische Natur der heutigen Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs, der demnach ein Krieg gegen die Juden war und zentral auf diese abzielte. Ich nehme an, daß van Pelt, Lucy Dawidowicz,[10] Hilberg, Wiesel, Lipstadt, Berenbaum und all die anderen hellen Sterne am Himmel der Holo-Industrie tatsächlich glauben, was sie schreiben. Und es ist ihnen ganz wunderbar geglückt, jenen „sozialen Konsens" zu schaffen, durch den Richter Gray beim Prozeß Irving gegen Lipstadt im Jahr 2000 beeinflußt wurde. Ich habe nicht der geringste Zweifel, daß Richter Gray wirklich glaubte, richtig zu entscheiden, und daß er nicht einfach zugunsten einer Entscheidung kapitulierte, die seiner künftigen Karriere im britischen Rechtssystem förderlich sein würde. Analog dazu glaubte auch die Römisch-Katholische Kirche ihren besten Gelehrten der damaligen Zeit, als sie darauf beharrte, daß sich die Sonne um den Planeten Erde dreht. In den allermeisten Fällen handeln Menschen aufrichtig und basieren ihre Handlungen auf ehrliche Überzeugungen ihrer Kultur und ihrer Zeit.

Darum: so wie sich ein Baby im Fruchtwasser des Mutterleibs entwickelt und nichts anderes kennt als diese physische Umgebung, so liegt van Pelt enorm richtig in bezug auf das, was ich das „Holocaust-Fruchtwasser" des sozialen Konsens nach dem Zweiten Weltkrieg nenne.

Kein Wunder, daß in einem Zeitraum von mehr als 20 Jahren die meisten oder alle Zeitungen in Kanada gegen Ernst Zündel waren: sie „wußten", daß er bezüglich des Holocaust nicht recht hatte, denn sie waren ja alle vom „Holocaust-Fruchtwasser" ernährt worden.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt seiner Entwicklung kommt ein Baby dankbar hervor und gelangt in eine neue und andere Umgebung. Ein Aspekt dieser neuen Umgebung ist der Holocaust-Revisionismus, und manche - bis jetzt (2002) noch nicht viele - ändern ihre Auffassung über den Zweiten Weltkrieg und revidieren ihren „sozialen Kontext". Ich weiß, daß ich den meinen Mitte oder Ende der 80er Jahre änderte. Wenn mir jemand sagt, daß wir Revisionisten eine hoffnungslose Sache verfechten - „Niemand wird seine Ansicht ändern" usw. - dann erwidere ich, daß ich es getan habe, und daß weltweit viele Menschen ihre Auffassung geändert haben.

Galileos Lage im 17. Jahrhundert wurde als außergewöhnlich angesehen, aber die heutige ist notwendend. Es ist nicht das Hauptanliegen des Revisionismus, im Jahre 2002 zur herrschenden Meinung zu gehören, sondern vielmehr als Muster an Exaktheit von Forschung, Reden und Schriften im Rampenlicht zu stehen - nicht in der Politik oder Propaganda.

Van Pelts angebliche Methode: Konvergenz der Beweise

Auf S. 83 von The Case erwähnt van Pelt Dr. Michael Shermer, Herausgeber von Skeptic and Mitverfasser von Denying History. Who Says the Holocaust Never Happened and Why Do They Say It?[11] Dieser Verfasser, dessen Arbeitsgebiet die Geschichte der Naturwissenschaft ist, bietet eine Konvergenz der Beweise dar, als ob dadurch denkende Leser unausweichlich A™ wie gehabt akzeptieren müßten.

Was mich betrifft, so habe ich sowohl The Case als auch Denying History sorgfältig gelesen, und ich bin nicht davon überzeugt, daß die Beweise konvergieren, wie diese Verfasser schlußfolgern. Ich sehe, daß es immer noch eine enorme Kontroverse gibt, weil die Probleme mit dem, was man „Beweis" nennt, samt seiner Deutung, nicht von Fachleuten der jeweiligen Bereiche überzeugend gelöst worden sind.

Wenn die allgemeine Gelehrsamkeit feststellt, „alle Historiker sind sich einig, daß der Holocaust geschah", dann haben wir uns in den Bereich der Meinungsumfragen begeben. In Galileos Tagen „stimmten alle Gelehrten überein, daß sich die Sonne um die Erde drehte", außer natürlich dem Revisionisten Galileo.

Meinungsumfragen begründen keine exakte Geschichtsschreibung. Meinungsumfragen stellen fest, was die landläufige Meinung ist, wobei die Aussagen einer kleinen Gruppe auf die allgemeine Öffentlichkeit übertragen wird. Ist das nützlich? Sicher, aber als Methode nicht überzeugend.

Die Revisionisten stimmen natürlich der „Konvergenz der Beweise" als einer Methode zu, aber Revisionisten müssen auch auf der Divergenz von Beweisen beharren, als der anderen Seite der Münze. Wenn „Geständnisse" manipuliert, redigiert, korrigiert, geschaffen und verfälscht wurden, dann divergieren solche „Geständnisse" von der angestrebten Exaktheit und dürfen nicht, wie van Pelt es tut, als Bekräftigung seiner A™ akzeptiert werden. Ich fand das, was van Pelt in sein dickes Buch aufgenommen hat - d.h. „Geständnisse" -, sehr hilfreich, aber noch wichtiger fand ich das, was er aufgrund von Ignoranz oder Nichtwissen oder mit Absicht ausgelassen hat. Dies trifft zum Beispiel auf Dr. Johann Paul Kremer zu, den Arzt, der von September bis November 1942 im KL Auschwitz weilte.

Van Pelt ließ aus, was Dr. Wilhelm Stäglich in einer Fußnote enthüllt:[12]

»[...] rückte Kremer damals von seinen in Polen gemachten Aussagen wieder ab.«

Wenn ich also Stäglichs Buch nicht durchsucht hätte - und van Pelt ist unbarmherzig in seinem gehässigen Angriff auf Richter Stäglichs Wissenschaftlichkeit -, dann hätte ich das Kremer-„Geständnis" vielleicht als gewaltigen Baustein im Beweis-Konvergenz-Gebäude des A™ Holocaust angesehen. Kremer mag gut beweisen, daß van Pelt grob unehrlich ist.

Schlußfolgerung

Revisionisten sollten vielleicht versuchen, einer Auflistung von van Pelts Faux-Pas einige Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe eine solche Liste angefangen. Beispiele sind seine naive (oder unehrliche?) Akzeptanz der Geständnisse von Rudolf Höß, Pery Broad, Kremer, Filip Müller und anderer Berühmtheiten. Ein weiterer Punkt mag sein, daß er sich nicht dem Psychologen Dr. Gustave Gilbert gewidmet hat, der viel Zeit mit Rudolf Höß verbrachte, aber seine schriftlichen Notizen erst nach Abschluß seiner Sitzungen gemacht hat. Noch ein Punkt wäre van Pelts Akzeptanz der technischen Daten, die Michal Kula über die Vergasungssäulen mit dreifachem Maschendraht macht (auf S. 206, mit Zeichnungen davon auf S. 208).[13] Diese Zeichnungen sind exzellent, aber wie kann man sie ohne entsprechende Dokumente der Bauleitung ernst nehmen? Vor allem, wenn es die berühmten oder berüchtigten vier Löcher nicht gibt!

Faurisson brachte das Problem in eine Kurzform: »Keine Löcher - kein „Holocau$t"!« Dieser Vier-Worte-Spruch könnte sich zum Diptychon der Revisionisten mausern!

Ein weiterer Punkt, der von Revisionisten verfolgt werden sollte, ist, genau zu erwägen, ob van Pelt hier und da ein paar Punkte gegen ihre eigenen Werke gemacht hat - vor allem gegen Irving. Revisionisten müssen immer gewillt sein, Irrtümer bei ihrer Forschung, ihren Schriften, ihrer Analyse und ihrer Logik einzugestehen.

Da ich anfangs behauptete, van Pelt sei eine ernsthafte Herausforderung für revisionistisches Denken, will ich nun damit schließen, daß er mich von der Richtigkeit seiner A™-Theorie nicht überzeugt hat. Tatsächlich möchte ich folgende Schlußfolgerung machen: Wenn A™ eines Tages in der Zukunft zur überzeugendsten Interpretation des Schicksals von etwa sechs Millionen Juden unter deutscher Herrschaft würde, wäre dies nicht das Ergebnis eines oberflächigen Holocausters vom Schlage eines Robert Jan van Pelt.

Als Revisionist kann ich guten Gewissens annehmen, daß Deutsche und Juden, Russen und Araber, Amerikaner und Schwarze den Tod von Millionen Menschen herbeiführten, die im Maelstrom eines großen Krieges gefangen wurden, aber während die Zerstörung von Dresden, Hiroshima, Nagasaki, Darmstadt und Hamburg durch die Konvergenz der Beweise klar ist, fehlt diese Konvergenz jedoch bezüglich der absichtlichen physischen Ausrottung von etwa sechs Millionen Juden durch deutsche Hand - seien es nun SS, Wehrmacht, Einsatzgruppen oder Zivilisten gewesen. Aus meiner historiographischen Sicht muß ich diese Konvergenz einfordern.


Anmerkungen

[1]Ich bin davon überzeugt, daß man nur auf sicherem Grund ist, wenn man Geständnisse und Augenzeugen in Anführungszeichen setzt, und das basiert auf zahlreichen Erklärungen von Opfern wie Rudolf Höß und Dr. Johann Paul Kremer, die versuchten, hinterher einen Rückzieher zu machen. Van Pelts Unaufrichtigkeit liegt teilweise darin, daß er nicht gewillt ist, dem Einfluß voll Rechnung zu tragen, dem Folter sowie Bedrohungen und Verhaftungen von Familienangehörigen für die Erlangung dieser „Geständnisse" zukommen.
[2]Wenn ich lese, daß Dr. X. Assistenzprofessor in Physiologie an der medizinischen Hochschule der X Universität ist - darf ich dann nicht mit gutem Recht annehmen, daß Dr. X Physiologie studiert hat und darin einen Doktorgrad erlangt hat?
[3]Falls „Auschwitz" vom althochdeutschen Auwiesen abstammt - Auschwitz liegt in den Auenwiesen des Sola-Weichsel-Zusammenflusses -, und wenn beide Teile des Ortsnamens durch den Lauf der Jahrhunderte einen gewissen slawischen Einfluß aufweisen - was angesichts der Nachbarschaft von Deutschen und Polen in dem Gebiet erwartet werden kann - dann ist da überhaupt nichts „Unverdauliches" oder „Grobes" oder „Abstoßendes" oder „Gewalttätiges" oder „Sarkastisches" in diesem Eigennamen - abgesehen vom diesbezüglichen persönlichen Haß eines jüdischen Mystikers.
[4]Man bemerke, daß er nicht einmal Anführungszeichen benutzt, er also annimmt, daß »die Lager« eindeutig sind, d.h. eine einzige Bedeutung haben und in seinem A™-Rahmen des Holocaust-Dogmas zu verstehen sind.
[5]Oder gar Premierminister Sharons „Berliner Mauer" im Juni 2002 auf palästinensischem Gebiet.
[6]Kabbalistik war/ist eine rabbinische Erkenntnis, bei der das esoterische Wissen eines Textes auf eine begrenzte, eingeweihte Sondergruppe von Wissenden beschränkt wird. Mit diesem Hintergrund kann ich mir durchaus einige oder die meisten der Professoren der Universität von Virginia an diesem Tag vorstellen, die sich bei dieser einzigartigen Konferenz wunderten, ob dieser neue Assistenz-Professor (die unterste Stufe der akademischen Leiter) wirklich zu der angesehenen Architektenschule der von Thomas Jefferson gegründeten Universität gehörte.
[7]Dooyeweerd war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Professor für Jura an der Amsterdamer Freien Universität und ist weithin bekannt, weil er - ausgehend von seiner eigenen holländisch-calvinistischen Philosophie - darauf bestand, „Sinn ist das Sein des Seienden." [I,73] Für Dooyeweerd kann „Sein" als solches nur der christlichen Dreieinigkeit zugeschrieben werden. Alles, was Gott geschaffen hat, „hat" Sinn, „ist" aber nicht Sinn, und aller Sinn leitet sich aus der zweckgerichteten und schöpferischen Arbeit Gottes ab. Obwohl die meisten Philosophen nicht mit Dooyeweerd übereinstimmen, machte er zumindest seine epistemologischen Grundlagen für die Leser klar. Van Pelt war diesbezüglich nicht aufrichtig.
[8]Case, S. 106
[9]Ebenda, S. 104f.
[10]Siehe den bewußt gewählten Titel von Lucy Dawidowicz' Buch The War Against the Jews, 1933-1945, Holt, Rinehart and Winston, New York 1975.
[11]Mit Alex Grobman, University of California Press, Berkeley 2000. Shermer schrieb auf die Titelseite seines mir geschenkten Exemplars: »Robert: Der Suche nach einer wahren und sinnvollen Vergangenheit. Ich habe unsere Korrespondenz genossen.«
[12]Nr. 166, S. 327 von The Auschwitz Myth; S. 400 der dt. Ausgabe Der Auschwitz-Mythos.
[13]Über Kula fügt van Pelt hinzu, er sei römisch-katholisch, als ob ihn das glaubwürdiger machen würde.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(3) (2002), S. 349-354.


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