Bücherschau

Warum die USA den Golfkrieg führten

Von Robert H. Countess, Ph.D.

Stephen Pelletiere, Iraq and the International Oil System. Why American Went to War in the Gulf, Praeger, Westport, CN, 2001, 241 S. geb., $72.95

Stephen Pelletiere ist Professor für Nationale Sicherheitsfragen am U.S. Army War College in Carlisle, Pennsylvenia und Spezialist für Nahost-Politik, der etwa fünfzehn Jahre vorher auch für die CIA gearbeitet hat. Er hat an der University of California, Berkeley, promoviert. Im Dezember 2001 sah ich ihn in der Fernsehsendung von Fox News „O’Reilly Factor" und bemerkte sofort, daß seine Ansicht über den Irak und dessen Präsidenten Saddam Hussein ziemlich im Widerspruch zu der Ausrichtung der Massenmedien und der US-Regierung stand. Am 11. Mai 2002 besuchte ich ihn in seinem Haus und erörterte mit ihm kurz seine Ansichten, woraufhin ich das vorliegende Buch erhielt.

Die Pelletiere-These

Trotz einer Folge von fünf recht trockenen – aber notwendigen – Kapiteln, durch die sich der Leser durcharbeiten muß, gelangt Prof. Pelletiere schließlich zu Kapitel 6, »Iran-Kontra und der Irak – die Medienkampagne, die Amerika in den Krieg führte.«

Seine These ist, daß die Nahost-Politik der USA auf Saudi-Arabien als Hauptöllieferanten fixiert ist, und daß die USA daher eine Politik des doppelten „In-Schach-Haltens" verfolgen, um den Iran und den Irak zu hindern, an die Stelle Saudi-Arabiens zu treten. Sowohl der Iran als auch der Irak haben genügend Ölreserven, um die Führungsrolle Saudi-Arabiens herauszufordern. Nach Ansicht der US-Politik würde es eine Destabilisierung der Region bedeuten, wenn eine derartige Herausforderung erfolgreich wäre, und man setzt sich daher für eine Unterstützung Saudi-Arabiens und seiner königlichen Führung ein, trotz der totalitären sozialen und politischen Kontrolle und der relativ geringen Bevölkerungszahl dieser Nation (ca. 17 Millionen).

Die offensichtliche Gleichgültigkeit der Saudis gegenüber „demokratischen Prinzipien" scheint weder amerikanische Präsidenten, dem Kongreß, der akademischen Welt oder den Medien Sorgen zu bereiten, während man oft hört, daß der Iran und Irak repressive Regimes sind, wobei „Regime" ganz klar als negativer Begriff benutzt und als solcher nicht für den König der Saudis und die Tausende mit ihm verwandten Subregenten und Regierungsadministratoren verwendet wird.

So schreibt Pelletiere auf S. 223:

»Die USA weigern sich, gegenüber der Öffentlichkeit zuzugeben, daß sie aus rein ökonomischen Motiven handeln – Irak und der Iran müssen unten gehalten werden, wenn der Ölpreis niedrig bleiben soll. […] Als Folge dessen ist Washington gezwungen, diese monumentale Täuschung aufrecht zu erhalten – daß der gegenwärtige Stillstand, dessen Aufrechterhaltung enorme Mittel verschlingt, in Wirklichkeit zu besseren Verhältnissen für alle Menschen der Region führt, einschließlich – und besonders – derer, die gegenwärtig am meisten durch die amerikanische Politik unterdrückt werden, nämlich die Iraker und Iraner.«

Dann fügt er hinzu, daß die amerikanische Politik nicht nur den Iran und Irak unterdrückt, sondern auch andere erdölfördernde Länder, wie Algerien, Venezuela, Indonesien und Nigeria. Dies alles sind Länder mit einem hohen Konsumgüterverbrauch, während Saudi-Arabien aufgrund seiner geringen Bevölkerungszahl einen geringen Konsumgüterverbrauch hat.

Die Pelletiere-These analysiert Systeme, und der Verfasser schließt mit dieser wichtigen Beobachtung:

»Das internationale Ölsystem war anfangs eine Einrichtung zur Kontrolle über eine Ware, das Öl. Über die Jahre und vor allem in der letzten Zeit unter Führung der Vereinigten Staaten hat es sich zu einer Form der Kontrolle über Menschen verwandelt. […] Die Amerikaner denken offensichtlich, daß sie das doppelte In-Schach-Halten endlos betreiben können. Der Autor [Pelletiere] glaubt dies keine Minute lang.« (S. 224)

Zum Schluß widmet sich eine Seite dem Plan einer afrikanischen Pipeline und beschreibt kurz die amerikanische Unterstützung im Jahr 2001 für »eine 3,7 Mrd. $ Öl-Pipeline, die in Afrika vom Königreich Tschad bis zur Küste Kameruns verlaufen soll.«

Dieser von Clinton unterstützte Plan würde es der Weltbank ermöglichen, eine 1050 km lange Pipeline vom landumschlossenen zentralafrikanischen Tschad zu finanzieren, und Exxon-Mobil und Chevron könnten dann dort die Felder erschließen. Diesen Produzenten wäre damit ein billiges aber zuverlässiges Mittel garantiert, um das Öl an die Westküste Afrikas zu den wartenden Öltankern zu bringen.

»Washington will den Profit, den die afrikanischen Regierungen aus der Ölförderung machen würden, mit Auflagen versehen und bestimmen, wie das Geld verwendet werden soll, vermutlich nur für lohnende Projekte. […] Aber eine Regierung, die nicht über den Erlös aus ihren wichtigsten Rohstoffen bestimmen kann, ist ein Protektorat.« (S. 224)

Darum:

»Was gibt es für Washington besseres, um seinen Willen zu bekommen, als den Schwerpunkt der Ölindustrie noch ein weiteres Mal zu verlagern, weg vom unruhigen Persischen Golf zum anscheinend stabilen Zentralafrika?«

Da die Länder Zentralafrikas etwa den Entwicklungsstand des Nahen Ostens während der 30er Jahre aufweisen – als die letzte große Verlagerung des Öl-Schwerpunkts erfolgte –, sollten die zentralafrikanischen Regierungen leicht manipulierbar sein, und diese mögliche Interessensverlagerung verdient ein wachsames Auge durch außenstehende Beobachter.

Keine vereinfachte Verschwörungstheorie

Pelletiere bietet keine vereinfachten Ansichten über eine weltweite Verschwörung durch „das große Öl" oder Israel, aber er liefert Einzelheiten, die einen israelischen Eifer zeigen, die Unterdrückung des Iran und Irak zu unterstützen.

Nach der Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak zum Beispiel, der beiden Ländern Milliarden Dollar entzog, die sie für ihre Entwicklung gebraucht hätten, versuchte der irakische Präsident Saddam Hussein, seine durch den Krieg angehäuften Schulden umzufinanzieren.

Pelletier schreibt:

»Die furchteinflößenden Überschriften [in den US-Medien], die kritischen Leitartikel-Kommentare, die Fernseh-Größen, die Iraks angebliche Unverantwortlichkeit geißelten – all das bewirkte, daß die Banken eingeschüchtert wurden, mit anderen Worten: es gab keine Umfinanzierung. In dieser Lage zeigte Saddam, der während der ganzen Zeit unter enormen Druck gestanden hatte, Anzeichen echter Paranoia.« (Seite 215)

Diese Paranoia muß in den Zusammenhang der israelischen Ankündigung gestellt werden, einen Spionage-Satelliten zu starten, der es Israel ermöglichen sollte, wichtige aktuelle Geheimdaten zu erlangen, wobei israelische Beamte andeuteten, daß »Israel auf die Waffenfabriken des Irak aus sei.« Saddam kündigte daraufhin an, er werde halb Israel einäschern, wenn Israel den Irak erneut angreifen würde (Seite 229, Anm. 79).

Pelletiere hebt hervor, daß Saddams Paranoia letztendlich vielleicht gerechtfertigt war, da die Reagan-Regierung einem Neun-Punkte-Programm zugestimmt hatte, das auch die Forderung beinhaltete, der irakische Präsident müsse gestürzt werden (Seite 215). Und als Reaktion auf das amerikanische Beharren darauf, daß Saddam selbst an der enormen Sterblichkeit seines Volkes nach dem Golfkrieg schuld sei, schreibt Pelletiere:

»Die Behauptung der Führer Amerikas, daß dies Saddams Schuld sei, ist unanständig.« (Seite 223)

Präsident Clintons Außenministerin, die Jüdin Madeleine Albright, hat die Frage nach der irakischen Sterblichkeit während des von den USA verhängten Embargos mit der Erklärung beantwortet, daß 500.000 tote Kinder eine Zahl sei, welche die Amerikaner bereit seien zu akzeptieren (Seite 231, Anm. 103).

Die Geschichte über Menschenvergasungen

Besonders interessant war Professor Pelletieres Untersuchung der Behauptung der US-Regierung, Saddam Hussein habe Giftgas gegen seine eigenen Leute eingesetzt. Bei meinem persönlichen Besuch lag mir daran, mehr darüber zu erfahren, und er sagte, daß man Anfang der 90er Jahre in der Kriegsschule eigens eine Konferenz abgehalten hat, um diese Behauptung zu untersuchen. Verschiedene Fachleute und einige Iraker waren dabei anwesend. Man kam zu dem Schluß, daß der Irak tatsächlich und mit begrenztem Erfolg Senfgas gegen die endlosen Angriffswellen iranischer Soldaten eingesetzt hatte, andererseits aber waren die Behauptungen über massenhafte Vergasungen von Irakern und Kurden nicht haltbar. Die Schlußfolgerung war, daß der Irak nicht dazu Zuflucht nehmen würde, Giftgas gegen das eigene Volk einzusetzen, außer wenn die Regierung dies als letztmögliche Abwehr gegen einen Angriff ansehen würde – eine Haltung, die wohl der Notfallplanung der meisten Regierungen für das Überleben der Regierung entspricht.

Pelletiere schreibt:

»Die erste bekannte und einigermaßen glaubhaft gemachte Anwendung von Gas durch die Iraker war 1983 bei Haj Umran. Dort waren die Iraner unter Mithilfe der Barzani-Kurden in die nördlichen kurdischen Gebiete einmarschiert, und die Iraker benutzten Gas, um sie zu vertreiben. Der Versuch wurde zum Fiasko, da die Iraker das Gas auf die von den Kurden und Iranern gehaltenen Gipfel fallen ließen, aber es zog in die Täler hinunter, wo die irakischen Streitkräfte in Stellung waren, was den Angriff der Iraker durcheinander brachte.« (S. 226, Anm. 27)

Dann, in der nächsten Anmerkung:

»Der Irak gab die Verwendung von Gas am 2. Juli 1988 zu. Damals sagte Aziz, daß jede Nation das Recht habe, die Mittel für seine Verteidigung zu wählen. „Irak gibt die Verwendung von Gas zu, sagt aber, der Iran habe die Kriegführung damit begonnen", so schrieb die New York Times am 1. Juli 1998.« (Datum so im bei Pelletiere)

In den US-Medien und bei Radio-Sendungen mit Rush Limbaugh, Sean Hannity und Fox TVs „The O’Reilly Faktor", wo ich Pelletiere erstmals sah, lautet die Geschichte üblicherweise so, Saddam Hussein habe Hunderttausende seiner eigenen Leute mit Gas getötet. Als Reporter aber im März 1988 nach Halabj gebracht wurden, einer irakischen Kurdenstadt in der Nähe von Bagdad, wo sowohl der Iran wie auch der Irak Gas verwendet hatten, zeigten die Iraner höchstens einige hundert Tote, jedoch erhöhten sich später die Angaben auf die Größenordnung von 10.000 – eine Zahl, die Pelletiere für unmöglich hält. (Seite 206, 227, Anm. 33.)

Von enormer Bedeutung ist Pelletieres Expertenmeinung bezüglich der US-Politik gegenüber dem Irak:

»Zehn Jahre nach dem Ende des Golf-Krieges führt das US-Außenministerium weiterhin eine Politik gegen den Irak, als ob es sich um eine kriminelle Gesellschaft handeln würde, was, wie wir jetzt sehen können, nicht zutrifft. Es ist für die Vereinigten Staaten wirklich an der Zeit, Farbe zu bekennen. Wenn sie Beweise hat, daß Saddam Hussein sein eigenes Volk vergast hat, dann sollten diese der Welt vorgelegt werden. Wenn – wie der Verfasser glaubt – die berüchtigte Gasgeschichte ein großer Schwindel war – oder vielleicht sollten wir sagen, ein Nichtereignis –, dann sollte die Regierung das zugeben und die Sanktionen aufheben, weil es keine Rechtfertigung dafür gibt, diese grausame Strafe aufrechtzuerhalten.« (S. 222)

Seine letzte Anmerkung zum obigen Abschnitt ist für all jene bemerkenswert, die sich für Holocaust-Behauptungen bezüglich des Zweiten Weltkriegs interessieren:

»Die einzige befriedigende Vorgehensweise wäre, daß die USA entweder sagen, wo die 100.000 angeblichen Gasopfer ruhen (wozu sie angesichts all ihrer technischen Mittel wie Satelliten und Infrarot-Bildverfahren in der Lage sein sollten), oder eine überzeugende Erklärung abgeben, wie die Iraker 100.000 Menschen im Zeitraum von zwei Wochen vergasen und sie spurlos beseitigen konnten.« (Seite 230, Anm. 100)

Das möchte ich als die unabdingbare Haltung eines Historikers der wirklichen Geschichte fordern. Er akzeptiert nicht einfach die Propaganda-Geschichte einer Regierung über „den Feind", sondern sucht nach materiellen Beweisen, um die Behauptungen zu untermauern. In diesem Fall scheint es, daß die US-Regierung keine Beweise hat und daher die Geschichte weiterhin endlos wiederholt, in der Hoffnung, daß das naive Publikum nie peinliche Fragen stellt.

Angesichts der jüdischen Behauptungen über Menschengaskammern in vielen deutschen Kriegsgefangenen- und Internierungslagern 1941-1944 müssen die Geschichten der US-Regierung und Israels, daß Saddam Hussein Leute vergase, weite Aufmerksamkeit erlangen, und bei einem Publikum, das alles schluckt, den Eindruck erwecken, daß Saddam Hussein der heutige Hitler sei, bereit, Kurden, Iraker und natürlich Juden zu vergasen. Die Geschichte verkauft sich immer gut, wenn sie von jüdisch kontrollierten Medien und Talkshow-Wirten und den meisten ihrer Gästen propagiert wird, von denen wahrscheinlich keiner Pelletieres Buch gelesen hat, sondern lieber weiterhin proisraelischen „Denk-Fabriken" in Washington und sonstwo glauben schenkt.

Schlußbemerkungen

Professor Pelletiere zeigt mit tiefgehendem Verständnis die Geschichte der arabischen Zwietracht auf und der verderblichen Kriege im Irak, Iran, Saudi-Arabien und Kuwait. Seine Darstellung der Entwicklung des Öls in Pennsylvania von 1859 bis zum heutigen Tag ist mehr als passend, wenn auch im allgemeinen ermüdend und langweilig, aber das ist nicht seine Schuld. Der Leser tut wohl, das ganze Buch zu lesen und nicht nur mit dem Schlußkapitel zu beginnen, das vielleicht die meisten Leser interessiert. Die ersten fünf Kapitel ermöglichen ein besseres Verständnis des modernen Ölsystems, bei dem Profit vor Moral und den unabdingbaren Bedürfnissen der Länder geht, wo Öl durch die Produzenten gefördert wurde und wird.

Der Index des Buches ist ausreichend, aber es gibt keine Bibliographie, die Quellen sind weitgehend in den Kapiteln und Schlußnoten zu finden. Das Buch ist schrecklich teuer, aber es ist seinen Preis wert für jeden, der eine fachmännische Analyse sucht, die notwendigerweise nicht mit den Auguren der Medien und der Regierung übereinstimmt. Ein nebensächlicher Kritikpunkt betrifft Pelletieres regelmäßiger Gebrauch des Ausdrucks „Russen", wo „Sowjets" passender gewesen wäre.

Mit Bezug auf die US-Botschafterin April Glaspie und ihr wichtiges Treffen mit Saddam Hussein am 31. Juli 1990, bei dem interpretiert worden war, sie habe Irak „grünes Licht" für den Einmarsch nach Kuwait gegeben, bringt Pelletiere dies auf den Seiten 200-202 in einen vernünftigen Zusammenhang und mißt dem Treffen als solches keine übermäßige Bedeutung bei.

Der Golf-Krieg war ein amerikanisches Unternehmen, um die Ölversorgung zu kontrollieren. Auf der anderen Seite war Israel ein Anfeuerer, der Präsident George Herbert Walker Bush und seine Koalition gedrängt hat, einzumarschieren und den irakischen Präsidenten, seine Armee und Spezialstreitkräfte sowie seine Infrastruktur zu vernichten, vielleicht aufgrund einer israelischen Paranoia der „Die-Araber-sind-immer-gegen-uns"-Mentalität. Es ist ein Irrtum, den Golfkrieg auch nur in weitem Umfang israelischen Machenschaften zuzuschreiben. Andererseits macht Pelletiere klar, daß der Iran-Kontra-Skandal der Reagan-Regierung „Israel-Iran-Kontra"-Skandal hätte heißen müssen, da israelische Hände am Anfang, in der Mitte und am Ende mitspielten – abgesehen davon, daß es den amerikanischen Medien, die sich weitgehend in den Händen jüdischer Eigentümer befinden, gelang, Israels Schurkerein vor den Augen des Publikums zu verbergen.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(3) (2002), S. 359-362.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis