Die trüben Machenschaften der Anti-Defamation League

Von Paul N. McCloskey junior

Was würde man davon halten, wenn die Holocaust-Revisionisten in Deutschland einen Kongreß veranstalteten, und als Festredner würde ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter auftreten? Undenkbar, müßte das Urteil lauten. Man mag viel Negatives über die USA sagen, aber zumindest war es im Jahr 2000 möglich, daß dort während der 13. IHR-Konferenz der ehemalige US-Kongreßabgeordnete Paul McCloskey eine Festrede hielt, in der er über seine Erfahrungen mit der Israel-Lobby in den USA berichtete und den Revisionisten viel Glück bei ihrer Arbeit wünschte. Nachfolgend die deutsche Übersetzung des leicht überarbeiteten Festvortrages.


Sie werden sich vielleicht wundern, weshalb jemand an einem wunderbaren Wochenende aus Nordkalifornien nach Südkalifornien fährt. Ich bin gekommen, weil ich die Grundthese der Organisation, welche diese Konferenz durchführt, respektiere, nämlich daß alles, was Regierungen, Politiker oder politische Institutionen sagen, kritisch überprüft werden soll. Ich war fünfzehn Jahre lang in der Politik tätig, und meiner Ansicht nach sollte man vom Prinzip ausgehen: Trau niemals einem Politiker!

1964 leistete ich in Camp Pendleton, nur wenige Meilen von hier, Aktivdienst im US-Marine-Corps. Ich unterwies damals eine Klasse Reserveoffiziere dieses Korps in Guerilla-Bekämpfung. Zu jener Zeit (am 7. August 1964) wurde vom Kongreß die Tonkin-Golf-Resolution verabschiedet, und Sie erinnern sich vielleicht, daß der Außenminister Dean Rusk sowie der Verteidigungsminister Robert McNamara vor dem Kongreß auftraten und behaupteten, nordvietnamesische Torpedoboote hätten zwei US-Zerstörer, die Maddox und die Turner Joy, angegriffen. Der Kongreß ermächtigte den Präsidenten fast einstimmig, in Vietnam Krieg zu führen, und beging damit einen der tragischsten Fehler unserer Geschichte. Die beiden Männer, unter denen ich in Korea gekämpft hatte, General McArthur und General Ridgeway, hatten gewarnt: Laßt euch nie wieder auf einen Landkrieg auf dem asiatischen Kontinent ein; das ist nichts für Amerikaner. Trotzdem zogen wir in den Krieg, und ein großer Amerikaner, Senator Fulbright, meinte, es sei die Verantwortung des Politikers, bei der Überprüfung sowohl der Politik als auch der historischen Fakten die Führungsrolle zu übernehmen. Genau dieselbe Ansicht vertritt ja die Organisation, vor der ich spreche. Denn wer politische Entscheidungen zu treffen hat, muß wissen, was die Tatsachen sind.

Paul McCloskey während seiner Festrede
anläßlich der 13. IHR-Konferenz im Sommer 2000

Sie mögen sich noch daran erinnern, daß Lyndon Johnson am 31. März 1968 bekanntgab, er werde sich nicht um eine zweite Amtszeit als Präsident bewerben. Jahrelang hatte er im Kongreß jedermann erzählt, wir täten in Vietnam das Richtige: Wir müßten dort punkten, denn wir könnten es uns nicht leisten, »ein mitleiderregender, hilfloser Riese zu sein«, wie sich Präsident Nixon später ausdrücken sollte. Wir müßten diesen Krieg gewinnen, beteuerte er, und lange Zeit war er, gestützt auf die ihm tagtäglich erstatteten Rapporte, überzeugt, wir befänden uns auf der Siegerstraße.

Einer meiner Freunde von der Juristischen Fakultät an der Universität Stanford und mein Kontrahent in den verschiedenen dortigen Debatten im Jahre 1950 war John Ehrlichmann. Jahre später, als er 1975 seine Haftstrafe antrat, fragte ich John, was einen wackeren, ehrlichen Anwalt dazu bewogen hatte, zum korrupten Diener Präsident Nixons zu werden und den Kongreß zu belügen. Und ich fragte ihn, warum Henry Kissinger die Außenpolitik der USA gestaltet hatte statt Außenminister William Rogers, der von Gesetzes wegen mit dieser Aufgabe betraut war. Er antwortete mir:

»Jeden Morgen um sieben Uhr erhält Präsident Nixon seine Berichte über das, was auf der Welt geschieht. Es gab Berichte vom Außenministerium, vom Verteidigungsministerium und von der CIA, doch wir konnten keiner dieser Institutionen trauen, weil sie sich bis aufs Messer bekämpften und ihre Abneigung gegeneinander größer war als der Wunsch, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Wahrheit zu sagen. Darum wurde Kissinger zum Zensor dieser drei Berichte. Er ließ sich die Berichte des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und der CIA geben und nahm dann eine Auswahl vor, so daß der Präsident einen einzigen Bericht von Henry Kissinger erhielt. Da du ja die politische Einstellung Kissingers kennst, kannst du dir vorstellen, welchen Einfluß dies auf die Politik der USA zu haben pflegte.«

Redefreiheit und Zivilcourage

Ich habe hier heute Vorträge über den Mut von Menschen in Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Neuseeland gehört, die sich gegen die gängige Vorstellung dessen ausgesprochen haben, was während des Zweiten Weltkriegs beim sogenannten Holocaust geschehen ist. Ich möchte Ihnen nun eine Geschichte erzählen, die meiner Auffassung nach jeder Amerikaner kennen sollte, weil wir in diesem Land Redefreiheit haben und ein Rechtssystem, das dem Angeklagten das Recht auf einen Geschworenenprozeß sichert. Man mag ja von den Fähigkeiten gewisser Richter oder gewisser Vertreter der Presse halten was man will, doch haben uns das unabhängige Rechtswesen sowie die unabhängige Presse vor jenen Dingen bewahrt, die, wie heute hier geschildert wurde, in Deutschland, England oder Kanada geschehen.

Ich erinnere mich daran, daß einmal ein Gast bei einer Radio-Talkshow in Neuseeland sagte, laut Statistik müßten vier Prozent der hundert Männer im neuseeländischen Parlament homosexuell sein, also vier Parlamentarier. Man zerrte ihn vor eine parlamentarische Kommission und drohte ihm wegen Mißachtung des Parlaments mit dem Gefängnis. Er jammerte und winselte und sagte:

»Ich habe nicht behauptet, vier Angehörige unseres Parlaments seien homosexuell, doch vier Prozent der Bevölkerung sind es, und wenn die Parlamentarier für diese repräsentativ sind, müßten vier von ihnen homosexuell sein.«

Nachdem er sich so unterwürfig entschuldigt hatte, ließ man ihn springen. Sechs Monate später gaben drei Mitglieder des neuseeländischen Parlaments zu, homosexuell zu sein.

Doch in Amerika ist es anders. Wieviele von Ihnen kennen die Geschichte von John Peter Zenger? Wenn sie sich in die Geschichtsbücher vertiefen und nachlesen, was zwischen 1733 und 1735 in New York geschah, werden Sie erfahren, daß der königliche Gouverneur dieser britischen Kolonie damals ein Mann namens William Cosby war. Und ein sehr beherzter Zeitungsherausgeber, John Peter Zenger – vielleicht der David McCalden oder Mark Weber seiner Zeit –, schrieb in seinem Blatt offen:

"Cosby ist korrupt. Er zweigt Geld aus dem königlichen Schatz für sich ab. Die Regierung ist korrupt, und der Gouverneur ist korrupt.«

Man zerrte ihn wegen Anstiftung zum Aufruhr vor Gericht. Gemäß englischem Recht hatte er Anspruch auf einen Geschworenenprozeß, und der Hauptrichter belehrte die Geschworenen, zwölf aufrechte Mannen sinngemäß: „Ihr müßt John Peter Zenger für schuldig erklären, weil er die Regierung kritisiert hat. Für die Erhaltung der Regierung ist es wichtig, ja entscheidend, daß das Volk eine gute Meinung von ihr hat. Darum müßt ihr ihn schuldig sprechen."

Zengers Anwalt, Andrew Hamilton, argumentierte, weil Zengers Aussagen wahr seien, müsse er freigesprochen werden. Nun, das Geschworenengericht brauchte ganze zwanzig Minuten, um Zenger freizusprechen. Als Ergebnis dieses Verfahrens verankerten wir später, 1791, als wir die Bill of Rights verabschiedeten, darin zwei Grundrechte: Das Recht auf freie Rede und eine freie Presse sowie das Recht auf einen Geschworenenprozeß. Und dies hat im großen ganzen die Menschen dieses Landes, wenn sie irgendwelche abweichende Meinungen äußerten, vor allem geschützt, außer vor der Verachtung ihrer Widersacher.

Ich mag ja nicht mit all dem einverstanden sein, was ich heute gehört habe oder was Sie denken, doch Ihr Recht, zu sagen, was Sie denken, und allgemein als wahr erachtete Dinge zu erforschen und zu widerlegen zu versuchen, ist vielleicht der wichtigste Teil unserer Demokratie.

Dies ist der Grund dafür, daß wir nun mit der Anti Defamation League (ADL, Anti-Diffamierungsliga, die mächtigste jüdische Organisation in den USA) auf Kriegsfuß stehen, und ich glaube, wir werden am Ende gewinnen. Wenn Sie über diese Rechte nachdenken – die man in Kanada, Großbritannien, Neuseeland, Frankreich oder Deutschland nicht besitzt, wo Menschen für die Äußerung unbequemer Meinungen ins Gefängnis kommen können –, dann danken Sie Gott dafür, daß wir Amerikaner sind.

Unterdrückte werden zu Unterdrückern

Ich will nun von der ADL reden – schließlich lautet der Titel meines Vortrags »Die trüben Machenschaften der ADL« – und Ihnen ein wenig von meinen Erfahrungen berichten. Ich bin Kalifornier der vierten Generation. Mein Vater und beide meine Großväter waren Anwälte hier in Südkalifornien. Ich wuchs in einer kleinen Stadt namens San Marino auf, die typisch für rein weiße Ortschaften war. Meinen Informationen zufolge gab es 9000 Wähler, davon 8700 eingeschriebene Republikaner. Es gab keine Neger in San Marino und keine Juden. Man hielt Juden von San Marino fern, indem man fragte: „Wie ist der Mädchenname Ihrer Mutter?" Die Grundstücksverkäufer steckten unter einer Decke. Es hieß, wenn in einem Viertel Juden wohnten, dann führe dies, genau wie bei Schwarzen, zu einem Fallen der Bodenpreise.

Mein Vater war Mitglied einer Anwaltsfirma namens Horwitz & McCloskey, mit Sitz in der Spring Street mitten in Los Angeles, die damals die meisten Anwaltsbüros der Stadt beherbergte. Ich kann mich noch daran erinnern, daß er, als ich noch ein Knabe war, zu mir sagte:

»Junge, wir Iren brauchen die Juden. Wir haben die Hälfte der guten Züge der Menschheit und die Hälfte der schlechten, und bei den Juden ist es genau umgekehrt. Sie sind dort gut, wo wir schwach sind, und dort schwach, wo wir gut sind.«

Diese Worte habe ich nie vergessen.

Wie dem auch sei, 1960 war ich Vorsitzender des Juristenvereins von Palo Alto. Im Jahr darauf wurde ich zum Präsidenten der California Conference of Barristers gewählt. (Als Barrister werden alle unter 36 Jahre alten Anwälte bezeichnet.) In jenem Jahr wurde in Kalifornien über den Gesetzesvorschlag 13 abgestimmt, an den sich der eine oder andere von Ihnen noch erinnern mag. Er lautete vereinfacht so: „Jeder hat das Recht, sein Haus jeder Person seiner freien Wahl zu verkaufen oder zu vermieten." Hört sich gut an. In der Praxis heißt dies freilich, daß jedermann die Freiheit besitzt, einen anderen, den er wegen seiner Rasse oder aus anderen Gründen nicht mag, zu diskriminieren. Der Juristenrat des Staates hatte niemals Stellung zu politischen Initiativen bezogen, aber in jenem Jahr schien uns, da wir der Verfassung verpflichtete Juristen waren und diese Initiative offenkundig der Verfassung widersprach, der Rat müsse sich zu Wort melden.

Drei von uns traten bei der Konferenz als Redner auf und argumentierten, der Rat müsse im Interesse der Verfassung eine Stellungnahme abgeben. Wir konnten einen fast 80 Jahre alten Juristen namens Herman Selvin, einen Steueranwalt bei einer berühmten jüdischen Firma in Los Angeles, Loeb & Loeb, als Schlußredner gewinnen. Am Ende seiner wundervollen, sehr überzeugenden Rede sagte er:

»Wir Juristen haben gezeigt, daß wir über einen großen Verstand verfügen und große Herzen haben. Nun wollen wir zeigen, daß wir auch Schneid haben.«

Und die Juristentagung, bei der 3000 Personen anwesend waren, stimmte im Verhältnis von zwei zu eins gegen den Gesetzesvorschlag 13. Doch erwies sich dies als fruchtlos, weil das Volk den Vorschlag im Verhältnis von zwei zu eins annahm, auch wenn er später vom Obersten Gericht für verfassungswidrig erklärt wurde.

Nachdem Herman Selvin seine Rede bei der Tagung gehalten hatte, luden wir ihn zu einem Bier ein und gratulierten ihm so, wie dies junge Juristen einem betagten Weisen gegenüber zu tun pflegen. Er sagte uns, der Antisemitismus treibe munter seine Sumpfblüten. Ein Freund von ihm, fuhr er fort, habe ihn in den schicken Montecito Country Club in Santa Barbara eingeladen, doch als er vor der Tür stand, habe ein Mann im Smoking eine Liste überflogen und gesagt: "Selvin. Wir lassen hier keine Juden herein." Das war im Jahre 1963! Seit ich lebe, hat dieser Staat eine lange Geschichte des Antisemitismus.

Und was tun Menschen, wenn sie diskriminiert werden? Sie bilden Netzwerke. Bis zum Juni 1967, als der Sechstagekrieg ausbrach, hatten die jüdischen Gemeinden in den USA ein umfangreiches Netzwerk von Helfergruppen in den Synagogen und jüdischen Gemeindezentren aufgebaut. Damals gab es 33 größere Judenorganisationen. Eine davon war die von der B’nai-Brith-Loge gelenkte Anti-Defamation League, die sich zur militantesten Stimme für Israel mauserte. Ein guter Jude sein hieß für sie Israel unterstützen. „Israel über alles" war anscheinend zur Losung der ADL geworden.

Die Unterdrückung des freien Wortes

Die ADL-Leute bauten eine Schnüfflerorganisation auf, um Informationen über ihre Feinde zu sammeln. Zu den Schnüfflern gehörten Leute wie Roy Bullock, der sich als eine Art Antiquitätenhändler tarnte, zuerst im Osten, dann im Mittleren Westen, ehe er nach Los Angeles und schließlich nach San Francisco umsiedelte. Er gab sich als Sympathisant jeder Gruppe aus, die nach Urteil der ADL israelfeindliches Gedankengut pflegte. In den achtziger Jahren war das Hauptziel der ADL nicht mehr der Kampf gegen Antisemitismus und Fanatismus, sondern die Diskreditierung jeder Stimme, die sich gegen Israels Politik erhob. Doch begnügte man sich nicht damit, solche Leute in Verruf zu bringen, sondern arbeitete darauf hin, sie ihrer Ausdrucksmöglichkeiten zu berauben.

Nun, ich selbst bin stets zum Dialog bereit gewesen. Ich habe in San Francisco vor zweitausend Juden mit Meir Kahane, einem ultraradikalen Zionisten, die Klingen gekreuzt. Ich habe mit Irv Rubin von der (militanten) Jewish Defense League debattiert. Doch kein ADL-Führer ist bereit, mit mir über Israel zu diskutieren. Wenn beispielsweise eine öffentliche Fernsehstation ein Streitgespräch über die Lage im Nahen Osten veranstalten will, ruft sie zuerst die ADL an, um einen jüdischen Gesprächsteilnehmer zu rekrutieren. Dann sucht sie jemanden von der Gegenseite, beispielsweise einen Vertreter des „Council for the National Interest" (Rat für das nationale Interesse), einer Gruppe, welche ich vor ein paar Jahren mit Paul Findley gegründet habe (einem ehemaligen Kongreßabgeordneten aus Illinois). Doch wenn sie sich dann nochmals mit der ADL in Verbindung setzt und fragt: „Sind Sie bereit, mit dem Kongreßabgeordneten McCloskey oder Senator Percy oder Senator Adlai Stevenson zu debattieren?", lautet die Antwort stets „nein, nein". Wenn die Gegenseite durch einen geschliffenen Redner vertreten ist, verweigern sie das Streitgespräch. Die ADL will nicht, daß die Tatsachen ans Licht kommen. Sie will alle Fakten, die für Israel ungünstig sind, unter den Teppich kehren. Sie müssen verstehen, daß dies ihr Ziel ist. Vor allem will sie das „spezielle Verhältnis" zwischen Israel und den Vereinigten Staaten aufrecht erhalten; dafür sorgen, daß die öffentliche Meinung in Amerika Israel unverändert günstig gesonnen ist, so daß das Geld weiter dorthin fließen kann. Sie will jede politische Persönlichkeit wie Paul Findley, Chuck Perry oder sogar Ed Zschau besiegen, dem hier in Kalifornien hauptsächlich durch jüdisches Geld der Weg zu einem Sitz im Senat versperrt worden ist.

Die ADL verfolgt das Ziel, jeden in Mißkredit zu bringen und ihm ein Forum zu verweigern, der das spezielle Verhältnis zwischen Israel und den USA gefährden könnte. Deshalb versteht es sich von selbst, daß das IHR zu seinen Hauptfeinden gehört. Angesichts des umfassenden Schnüffelsystems, das diese Leute errichtet haben, bin ich mir fast sicher, daß hier in diesem Saal ein ADL-Spitzel hockt. Roy Bullock beispielsweise ging zum American Arab Anti-Discrimination Committee und sagte dort: „Ich sympathisiere mit euch. Laßt mich eure Literatur verbreiten." Doch dies war lediglich eine Maskerade.

Meine Frau arbeitete einmal in San Francisco für die sogenannte „Proposition W", die dazu aufrief, die Hilfe an Israel um den Betrag zu kürzen, den der Judenstaat in die Siedlungen auf der Westbank und im Gazastreifen fließen ließ. Natürlich kam sie gleich auf eine schwarze Liste, denn schließlich war sie Israel feindlich gesonnen. Ich bekam einen Telefonanruf von einem Polizeihauptmann, der sagte:

»Herr McCloskey, in den Unterlagen der ADL von San Francisco ist vermerkt, daß Ihre Frau, als sie 1987 von Jordanien nach Israel einreiste, in einen Streit auf der Allenby-Brücke verwickelt war.«

Ich begleitete sie damals zusammen mit Jim Abourezk, dem arabisch-amerikanischen Senator aus South Dakota. Wir hatten Jordanien besucht, und meine Frau wollte die Grenze überqueren, um Jerusalem und Jericho zu sehen. Insgesamt überschritten fünf junge Frauen zwischen 20 und Anfang 30 die Brücke. Der jüdische Grenzwächter hielt sie an. Meine Frau, die McCloskey hieß – ein Name, der so unverdächtig ist wie Smith oder Jones – hatte keine Probleme. Doch eine der jungen Damen trug den arabischen Namen Azis. Sie hatte einen jungen Amerikaner arabischer Herkunft geheiratet. Alle fünf waren US-Bürger. Der israelische Grenzwächter befahl Frau Aziz: »Ziehen Sie sich aus.« Es war eine demütigende, erniedrigende Erfahrung. Meine Frau war schockiert und ließ ihren Gefühlen freien Lauf. Daß dieser Vorfall sechs Jahre später im Büro der ADL von San Francisco registriert war, bedeutet, daß die Information aus Israel in die USA gelangt sein mußte. Victor Ostrovsky, ein ehemaliger Mossad-Agent, hat in seinem Buch By Way of Deception (dt.: Der Mossad) über die Zusammenarbeit amerikanischer Juden mit der israelischen Regierung berichtet.

Die ADL pflegte sich bei der Polizei anzubiedern, um Informationen über antisemitische oder anti-israelische Aktivitäten zu erhalten. ADL-Schnüffler Roy Bullock tauchte regelmäßig bei Treffen wie dem heutigen auf und notierte sich später die Nummern aller dort geparkten Autos. Dann übergab er diese Tom Gerard vom Polizeidepartement San Francisco und fragte ihn: »Könnten Sie mir bitte die Namen dieser Leute besorgen?« Er bekam dann die Namen und Anschriften der Besitzer jener Autos, zusammen mit einer Notiz, daß diese Personen „anti-israelisch" oder „pro-palästinensisch" oder „Vietnam-Friedensaktivisten" waren. Die Information wurde anschließend an das ADL-Büro in Los Angeles, New York oder Washington weitergeleitet, oder sogar nach Portland in Oregon. Die 31 ADL-Büros in den größeren amerikanischen Städten sowie jene in Israel standen in ständiger Verbindung miteinander. Die ADL erstellte ausführliche Dossiers, so daß sie, wenn jemand herausfinden konnte, ob diese oder jene Person gegen Israel war oder je etwas gegen Israel gesagt hatte, sofort mit „Nein" oder „Ja" antworten konnte, wobei letzteres sich als tödlich erwies.

Ein gezeichneter Mann

Bis 1980, als ich erstmals meine Stimme gegen Israel erhob, galt ich als relativ israelfreundlich. In Sachfragen wie Vietnam oder Abtreibung teilte ich die Ansichten der meisten Juden. Doch nachdem ich erst einmal eine Position bezogen hatte, die als israelfeindlich eingestuft wurde, einschließlich meiner Opposition gegen Israels Libanon-Invasion im Jahre 1982 sowie seine Verwendung von Splitterbomben, war ich ein gezeichneter Mann. Ich will Ihnen berichten, was passierte, als ich, nach 15 Jahren im Repräsentantenhaus, 1982 nach Kalifornien zurückkehrte und für den Senat kandidieren wollte. Verantwortlich für meine Finanzen war ein hochrangiger Vertreter einer Bausparkasse. Er war ein sehr loyaler Mann. Er hatte meinen Vater gekannt und wollte mir helfen. Seiner Ansicht nach hatte ich das Zeug zu einem guten Senator. Sie erinnern sich möglicherweise noch, daß es 1982 eine Krise bei den Bausparkassen gab. Drei der größten jüdischen Aktionäre kamen zu ihm und sagten:

»Herr X, wir haben erfahren, daß Sie der Vorsitzende des Finanzkomitees von McCloskey sind. Entweder ziehen Sie sich daraus zurück, oder wir kündigen unsere Sparguthaben.«

Bei den Vorwahlen des Jahres 1982 verlor ich den Kampf um die Nominierung als republikanischer Senator gegen Pete Wilson. Er pilgerte ins San Fernando Valley und versprach den jüdischen Führern jener Gegend, in der die Juden sehr mächtig sind, er werde sich, falls er gewählt werde, für die israelische Annexion der Westbank und des Gazastreifens einsetzen. Dies wurde zwar bekannt, doch in den Medien totgeschwiegen, und man hat seither nie wieder etwas davon gehört. Die jüdische Gemeinschaft besitzt die Macht, durch Anzeigenboykott oder durch direkte Kontrolle über die Medien Nachrichten zu unterdrücken, die für Israel ungünstig sind, und sie hat die Macht, jeden in Verruf zu bringen, der den Mund aufmacht. Das ist auch ihr Ziel.

Ich führe nun ein paar Beispiele dafür an, was man Freunden oder Kunden von mir angetan hat, um den guten Ruf Israels zu schützen. 1983 stellten zwei junge Frauen, Carol Al Shahib und Audrey Shabbas, die mit arabischen Professoren an der San Jose State University bzw. der University of California verheiratet waren, ein kleines Erziehungsprogramm auf die Beine, um den Menschen die arabische und muslimische Kultur nahezubringen. Sie organisierten Seminare und hielten Vorträge über die Geschichte des Nahen Ostens. Schon bald gerieten sie als Feinde Israels ins Visier der ADL, weil sie Gerechtigkeit für die Palästinenser gefordert hatten. Als eine Kunstausstellung aus Saudi-Arabien nach San Jose kam, schlossen sie einen Vertrag mit dem Kunstmuseum von San Jose ab, damit dieses die Ausstellung beherbergen sollte. Die Stiftung wurde von 21 führenden Bürgern der Stadt geleitet. Der Vorsitzende war ein Jude. Carol und Audrey setzten auch zwei Redner aufs Programm; beim ersten handelte es sich um eine Dame aus Texas, die sich für die Rechte der Palästinenser ausgesprochen hatte.

Ein Mitglied der Stiftungsdirektion erkannte den Namen der Rednerin und rief den örtlichen ADL-Vertreter William Brinner an, einen bekannten Professor an der University of California (Berkeley). Brinner sagte: »Diese Leute sind gegen Israel.« Die beiden Frauen hatten etwa 5000 Dollar investiert, um die viertägige Ausstellung durchzuführen, und Briefe an alle lokalen Schullehrer gesandt. Man ließ sie vor der Direktion antreten und teilte ihnen mit, die Redner seien umstritten und die Ausstellung müsse abgesagt werden. Diese beiden Frauen hätten mir ihrem Seminar vielleicht 15.000 Dollar verdient, von denen wohl die Hälfte oder zwei Drittel zur Kostendeckung verwendet worden wären. Somit hat die ADL sie der Möglichkeit beraubt, ein Einkommen zu verdienen, indem sie den Menschen Kenntnisse über die arabische Welt vermitteln.

Israel leugnet seine Verantwortung für den Angriff auf die Liberty

Meine zweite Geschichte beginnt während des Sechstagekrieges von 1967. Ein Schiff der amerikanischen Marine namens USS Liberty kreuzte damals vor der Küste Ägyptens und des Gaza-Streifens, und zwar eindeutig außerhalb der Dreimeilenzone. Es war ein Funkschiff oder, wenn Sie so wollen, ein Spionageschiff. Die Besatzung bestand aus 294 Matrosen und Offizieren unter dem Kommando von Hauptmann William McGonagle. In den frühen Morgenstunden des 8. Juni 1967 hißte das Schiff eine große amerikanische Flagge. Ein Mann namens Jim Enes, Leutnant und diensthabender Offizier auf dem Deck, hatte eine US-Fahne am Mast aufziehen lassen, die so groß war, daß man sie meilenweit sehen konnte. Zweimal wurde das Schiff von israelischen Düsenfliegern beobachtet. Doch am frühen Nachmittag brausten israelische Düsenjäger heran und beschossen das Fahrzeug aus ihren Bordkanonen und Maschinenpistolen, wobei sie alle Antennen außer Gefecht setzten. Israelische Torpedoboote kamen herbeigefahren und jagten der Liberty einen Torpedo in die Flanke.

Der größte Teil der Besatzung wurde entweder getötet oder verwundet. Von 294 Mann starben 34, und 171 trugen Verletzungen davon. Es waren dies die größten Verluste, die ein US-Schiff seit Okinawa hinnehmen mußte. Das Fahrzeug begann zu sinken, und man ließ die Rettungsboote ins Wasser. Israelische Torpedoboote eröffneten das Feuer auf diese. Offenbar sollte es keine Überlebenden geben.

Es gelang Hauptmann McGonagle, die Liberty zu retten, und diese schlug sich nach Malta durch. Die Toten wurden begraben. McGonagle kümmerte sich um die Verwundeten. Die Marine erließ Anweisungen, wonach die Mannschaft zu trennen war. Keine zwei Matrosen sollten auf demselben Stützpunkt stationiert werden; statt dessen zerstreute die Marine sie über Schiffe und Stützpunkte überall in den USA. Der Mannschaft der Liberty wurde seitens des Präsidenten ehrenvoll erwähnt, erfuhr jedoch nie davon. Hauptmann McGonagle bekam später die Ehrenmedaille des Kongresses zugesprochen, weil er das Schiff gerettet hatte, doch als einziger mit dieser Medaille Geehrter erhielt er diese im Marinehafen von Washington überreicht und nicht bei einer Zeremonie im Weißen Haus.

Israel machte geltend, das Ganze sei ein schrecklicher Fehler gewesen, und seine Piloten hätten die amerikanische Fahne nicht gesehen. Doch seither haben sich Männer zu Wort gemeldet und gesagt: „Ich war an jenem Tag im Hauptquartier. Ich war Reserveoffizier der Marine. Jawohl, man wußte, daß es sich um die USS Liberty handelte. Sie segelte unter einer großen amerikanischen Fahne. Sie haben sie absichtlich bombardiert und beschossen."

Die Geschichte wurde jahrelang vertuscht. Jim Ennes hat ein Buch darüber geschrieben, das Assault on the Liberty heißt, doch die Exemplare davon verschwanden nach und nach aus den Bibliotheken. Ganz offensichtlich lag da ein Versuch vor, Jim Ennes’ Dokumentation des israelischen Angriffs totzuschweigen.

Die USS Liberty einige Tage nach dem verheerenden Angriff israelischer Kriegsflugzeuge und Torpedoboote vom 8. Juni 1967 während des Sechstagekrieges. Obgleich es eine große amerikanische Flagge gehißt hatte, wurde das US-Spionageschiff mehrfach von zionistischen Streitkräften attackiert, wobei es 34 Tote und 171 Verwundete gab. Das Fahrzeug wurde durch Napalm, eine Torpedoexplosion an der Wasserscheide, 3000 panzerbrechende Kugeln und 851 Raketen verheert. Israelisches MG-Feuer zerstörte die Rettungsboote. Später schrieb Admiral Thomas H. Moorer, Vorsitzender der vereinten amerikanischen Stabschefs: »Ich habe niemals geglaubt, daß der Angriff auf die USS Liberty das Ergebnis einer Verwechslung war. Das ist lächerlich… Was einem kalte Schauer den Rücken hinabjagt, ist natürlich, daß sie [die Israelis] so viele Amerikaner im Vertrauen darauf töten konnten, daß Washington bei der Unterdrückung jedes öffentlichen Unmuts mit ihnen zusammenarbeiten würde.« Unlängst veröffentlichte James Bamford ein Buch über die US National Security Agency mit dem Titel Body of Secrets; darin zitiert er lange geheimgehaltene Aufnahmen hebräischsprachiger Meldungen angreifender israelischer Flugzeuge und Schiffe, welche die Lügen widerlegen, mit denen Israel und seine Verteidiger dessen Verbrechen gegen die USA zu vertuschen versucht haben. Fotos: Links: Torpedoeinschlagstelle; Mitte: die gleiche Stelle auf dem Trockendock in Malta; Torpedoschaden im Schiffsinnern. Bildquelle: http://ussliberty.org

Feinde der Bibliothek

In Wisconsin gibt es eine kleine Stadt namens Grafton. Sie liegt nördlich von Milwaukee und zählt rund 10.000 Seelen. Zwei betagte Herren, Ted und Ben Grob, leiteten einen Maschinenwerkzeugladen, das erfolgreichste Geschäft in Grafton. Zur Zeit der großen Depression, als es den Menschen dort schlecht ging, konnte man sich stets auf die Grobs verlassen. Sie waren anständige und ruhige Leute. Sie waren Deutsche.

1993 beschlossen die führenden Bürger der Stadt, eine neue Bibliothek zu bauen. Sie zogen einen professionellen Berater zu Rate, der ihnen mitteilte: „Ihr braucht zweieinhalb Millionen. Zuerst müßt ihr zweihundertfünfzig Riesen locker machen, ein Zehntel der Summe. Diese solltet ihr möglichst von einer einzigen Person bekommen, damit die Leute hoffen, die zweieinhalb Millionen flüssig zu machen. Die erste Spende beträgt also 250.000 Dollar, und dann könnt ihr auf fünf Spenden von je 50.000 Dollar rechnen, worauf ihr dann an die Öffentlichkeit gelangt und ein großes Thermometer auf dem Marktplatz aufstellt. Und je näher ihr dem Ziel kommt, desto höher steigt das Thermometer. So etwas ermuntert die Leute, und zu guter Letzt kriegt ihr die Summe zusammen." Die guten Menschen von Grafton fragten: „Na gut, aber wie kriegen wir die ersten 250.000?" Die Profis erwiderten: „Das ist ganz einfach. Ihr benennt die Bibliothek nach dem, der euch die 250.000 schenkt."

So spendeten die Brüder Grob die erste Viertelmillion, und bald waren die zweieinhalb Millionen zusammen. Kurz vor der Eröffnungszeremonie machten die führenden Bürger der Stadt den Grobs ihre Aufwartung und fragten sie, wie man die Bibliothek denn taufen solle. Die beiden Brüder hatten Spotlight gelesen, das über die Geschichte der Liberty berichtet hatte. (Spotlight hat mich immer wieder an den Pranger gestellt. Seine Herausgeber waren mir nicht freundlich gesonnen.) Die Gebrüder Grob antworteten, sie wünschten der Bibliothek den Namen „USS Liberty Memorial Library" zu geben.

Nun war die Hölle los. Die ADL sah rot. Sie brachte es fertig, daß im Milwaukee Journal und den Zeitungen von Chicago Leitartikel zu diesem Thema erschienen. Großer Gott, hieß es da, eine Bibliothek zu Ehren eines von den Israelis beschossenen und torpedierten US-Schiffs zu benennen, würde dem Antisemitismus Auftrieb verleihen. Die ADL brachte etwa ein Drittel der Lehrer an der Hochschule von Grafton dazu, gegen den geplanten Namen Stellung zu beziehen. Sie erreichte es, daß jener Schüler, der an der Promotionsfeier eine Ansprache hielt, sich gegen die Benennung der Bibliothek nach der USS Liberty aussprach. All dies wurde von der ADL finanziert und gefördert, und zwar aus der panischen Furcht, allein schon die Erörterung des Angriffs auf dieses Schiff würde die Öffentlichkeit gegen Israel aufbringen. Einem solchen Gegner sehen Sie sich gegenüber.

Ich weiß nicht, ob Sie mit Ihren Auffassungen zum Holocaust recht haben oder nicht, doch immer wenn ein Historiker etwas gegen Israel sagt, bringt dies die ADL in Rage; sie läßt dann ihre Heerscharen aufmarschieren und ihre finanziellen Muskeln spielen.

Historische Genauigkeit

Lassen Sie mich eine weitere Geschichte erzählen, die eines meiner Freunde, Norman Davies, der weltweit als einer der führenden historischen Experten für Osteuropa anerkannt wird. Er ist einer der wenigen Geschichtsforscher, die lesbare Bücher zu schreiben vermögen. Eines davon ist Europe, a History, das zum Bestseller wurde. Geschichtsbücher findet man nicht häufig auf der Bestsellerliste.

Nun denn, ich hatte meine Stelle als Kongreßabgeordneter eben verloren und kehrte in meine Anwaltspraxis in Palo Alto zurück. (Dies war eine ländliche Stadt gewesen, als ich es verlassen hatte, und ist nun eine Art Hauptquartier von Silicon Valley.) Man hatte mich eingeladen, in Stanford als Gastprofessor Vorlesungen über Politologie zu halten. Ich bekam dieses Angebot, obgleich die jüdische Universitätsorganisation, Hillel, sowie die ADL eine wütende Kampagne gegen mich geführt hatten. Norman Davies war für einen prestigeträchtigen Professorenposten an der historischen Abteilung vorgesehen. Nach der in Stanford geltenden Gepflogenheit stimmt die Abteilung darüber ab, ob eine Berufung genehmigt wird oder nicht. Um zum Professor in Stanford ernannt zu werden, muß man auf seinem Gebiet zur Spitzenklasse gehören. Rund 25 Berater, die man „außenstehende Schiedsrichter" nannte, wurden nach ihrer Meinung zu Davies gefragt, und alle waren sich darin einig, daß er der beste oder zweitbeste Mann für diese Stelle war.

Die Leichen einiger der 34 Matrosen der USS Liberty, die 1967 beim israelischen Angriff getötet wurden, werden von Bord gebracht, während das Schiff in Malta ankert.

Rund zehn Tage vor der Abstimmung – soweit ich mich entsinne, war es im Dezember 1983 – setzte sich ein Geschichtslehrer in Stanford, der zugleich Mitglied der ADL war, mit dem ADL-Büro in San Francisco in Verbindung, und alle jüdischen Angehörigen der Fakultät wurden gefragt:

»Haben Sie gelesen, was Davies [in seinem Buch God’s Playground. A History of Poland] über Polen geschrieben hat?«

Man kann wohlgemerkt kein Buch über Polen schreiben, ohne die Juden zu erwähnen, weil diese einen großen und bedeutsamen Teil der Bevölkerung ausmachten. In seinem Buch hatte sich Davies erkühnt, darauf hinzuweisen, daß nicht alle Polen Antisemiten waren. Und dies widersprach der Auffassung Israels und der jüdischen Gemeinde in den USA, daß die Polen antisemitisch gesinnt waren und die Juden diskriminierten. Lucy Dawidowics, eine jüdische Historikerin, schrieb, Davies sei tatsächlich ein Revisionist, und seine Ansichten zur europäischen Geschichte schadeten der jüdischen Gemeinschaft weltweit. Ich habe im Verlauf der Jahre mit vielen Polen gesprochen, darunter mit solchen, die Juden nicht leiden mochten, und mit solchen, die Juden geholfen hatten. Während des Zweiten Weltkriegs sind Juden von den Nationalsozialisten wegen Judenbegünstigung erschossen worden, wenn man sie erwischte.

Jedenfalls war die ADL der Ansicht, das, was Davies geschrieben hatte, sei israelfeindlich, und zwar nur deshalb, weil er festgehalten hatte, daß nicht alle Polen Antisemiten sind. Wir reichten Klage gegen die ADL ein, verloren dann aber vor Gericht. Wir ließen einen bekannten Psychiater analysieren, was Davies geschrieben hatte. Unter 52 Hinweisen fand er 26, die man als polenfreundlich und judenkritisch, und weitere 26, die man als judenfreundlich und polenkritisch deuten konnte. Doch für die ADL war das nicht genug. Sie stellte den 13 jüdischen Geschichtsprofessoren eine Notiz zu: »Nehmt an der Abstimmung teil.« Nicht alle 38 Geschichtsprofessoren waren anwesend, als abgestimmt wurde, und es endete so, daß 13 Stimmen gegen und 12 für Davies abgegeben wurden. Die Juden frohlockten. Die ADL frohlockte. Sie hatten einer Stimme der Vernunft ein Forum verweigert, einer Stimme, die sich für ein differenziertes Geschichtsbild einsetzte.

Eine weitere schmutzige Operation der ADL war folgende: Meine Frau führte am Mills College ein Seminar über den Nahen Osten durch. Roy Bullock war als ADL-Schnüffler da, um jeden auszuspionieren, der gegen Israel sprach. Und wenn jemand ein gutes Wort für die Palästinenser einlegte oder Israel kritisierte, kamen sein Name und seine Autonummer flugs auf eine Liste. Die Information wurde weitergereicht, und Dossiers über jede der betreffenden Personen gingen an die ADL-Büros überall in den USA, nur für die ADL einsehbar.

Spionage für Südafrika

Wie erinnerlich, hatte Israel Ende der achtziger Jahre einen Bundesgenossen, einen anderen Paria in der internationalen Gemeinschaft, nämlich Südafrika. Dieses hielt sich nicht an die Resolutionen der Vereinten Nationen über Namibia, dessen Unabhängigkeit verlangt wurde. Dementsprechend ignorierte Israel die Resolutionen 242 aus dem Jahre 1967 sowie 338 aus dem Jahre 1973, welche die Schaffung eines palästinensischen Staates neben dem israelischen verlangten. Doch Israel wollte die eroberten Gebiete nicht aufgeben und setzte sich über diese Resolutionen hinweg. Es gibt recht solide Beweise dafür, daß israelische Nuklearwaffen von den Südafrikanern getestet wurden.

Bullock und die ADL nahmen Gruppen unter die Lupe, welche die Apartheid in Südafrika bekämpften. Nun gab es eine ganze Menge netter amerikanischer Damen, welche der Ansicht waren, es sei höchste Zeit, die Apartheid abzuschaffen. Viele dieser Damen lebten in der Gegend der Bucht von San Francisco und in Los Angeles. Bullock nahm immer öfter an ihren Versammlungen teil. Urplötzlich begann die ADL nicht nur israelfeindliche Gruppen auszuspionieren, sondern auch solche, die der Smuts-Botha-Regierung in Südafrika feindselig gegenüberstanden. Schon bald trafen sich Vertreter des südafrikanischen Geheimdienstes mit Bullock und Gerard, und beim Mittagessen schlugen sie ihnen vor: „Wir zahlen euch Geld, wenn ihr uns Nachrichten über Apartheidgegner in den Vereinigten Staaten zuspielt." Soweit ich weiß, kassierten Bullock und Gerald 16.000 Dollar ein. Sie schickten dem südafrikanischen Geheimdienst 27 Berichte über Amerikaner, die gegen die Apartheidregierung in Südafrika waren. Der Gedanke dahinter war folgender: Wenn sie gegen Südafrika sind, müssen sie auch gegen Israel sein, und wenn sie gegen den Judenstaat sind, sind sie gegen die Juden. Jedenfalls ist dies die neue Definition des Antisemitismus laut Nathan Perlmutter von der ADL (und laut den ADL-Funktionären Arnold Foster und Benjamin Epstein in ihrem Buch The New Antisemitism).

Ungefähr zu jener Zeit bekam das FBI Wind davon, daß Südafrikaner versuchten, sich Technologie aus Silicon Valley unter den Nagel zu reißen. Bald darauf ertappte das FBI Bullock auf frischer Tat beim Sammeln von Informationen und überwachte ihn; dann wurde er zum Verhör geladen und befragt. Bullock sagte: »Ja sicher, ich helfe der ADL. Natürlich. Wir haben uns die Anti-Apartheid-Leute etwas genauer angesehen.« Darauf wandte sich das FBI an die Polizei von San Francisco, die genau so ist, wie Polizisten vielerorts auf der Welt nun einmal sind. Sie zeichnen sich nicht durch ein Übermaß an Intelligenz aus. Sie sind Iren oder Italiener. Auf jeden Fall wußten diese irischen Polizisten nicht, daß die Juden in San Francisco so mächtig sind und fast jeden demokratischen Parteikandidaten vom Gouverneur bis zum Kongreßabgeordneten finanziert haben. Nun erfuhr die Polizei von San Francisco also, daß ihr Beamter Gerard illegal Informationen vom Kraftfahrzeugamt, der Post und anderen Institutionen erhalten und diese nicht nur dem israelischen Konsulat und den Judenorganisationen, sondern auch dem südafrikanischen Geheimdienst zur Verfügung gestellt hatte.

Was taten die irischen Polizisten nun? Sie stellten Durchsuchungsbefehle für die ADL-Büros in San Francisco und Los Angeles aus. Dabei entdeckten sie fürwahr Erstaunliches. Sie fanden heraus, daß die ADL schon seit etlichen Jahren zehn oder zwölf Polizeibeamte mit allerlei Aufmerksamkeiten bedacht hatte. Sie hatte ihnen zwei Wochen Ferien in Israel finanziert, wobei sämtliche Ausgaben bezahlt, sie zu Zechgelagen eingeladen und ihnen auch sonst jeder Wunsch von den Augen abgelesen wurde, zwei Wochen lang! Warum? Weil sie beim Polizeiamt schön Wetter machten, um Informationen über israelfeindliche Personen zu erhalten. Als Gegenleistung enthüllten die jüdischen Gruppen dem Polizeiamt die Namen all jener, die Synagogen entweiht hatten. Diese Beziehung zwischen dem Mossad, der ADL und der amerikanischen Polizei reichte bis auf die Stufe des FBI. Der FBI-Chef wurde zu Abendessen eingeladen, wo er dann jedermann aufforderte, mit der ADL zu kooperieren, denn diese, sagte er lobend, sei »wirklich eine tolle Gruppe, die gegen Fanatismus und Antisemitismus kämpft.«

So half die ADL beim Aufbau einer Organisation, welche die Karriere von Menschen ruinieren konnte, mochten diese nun Politiker sein oder jemand wie Audrey Shabbas, die Schullehrer weiterbilden wollte, oder Norman Davies, der Geschichtsprofessor, dem man einen prestigeträchtigen Lehrstuhl verweigerte, nur weil sie eigenständige Ansichten zu Israel und der jüdischen Geschichte verfochten. Diese Art von Macht existiert in diesem Land. Glücklicherweise schwingt das Pendel hin und zurück. Nun schwingt es wuchtig in eine Richtung, zugunsten von Israel und der jüdischen Gemeinschaft. Doch früher oder später wird es in die entgegengesetzte Richtung schwingen.

Es ist wichtig, niemals unkritisch zu akzeptieren, was irgend jemand zur Geschichte behauptet, mögen die betreffenden Ereignisse nun zehn oder dreißig oder fünfzig Jahre zurückliegen. Denn jene, welche ein Ereignis als erste schriftlich festhalten, sind Leute, die eine ihren politischen Anschauungen entsprechende Botschaft vermitteln wollen. Und wenn man zweitausend Jahre lang unter dem Antisemitismus gelitten hat, wird man praktisch alles rechtfertigen, um einen jüdischen Staat zu bewahren.

Splitterbomben auf den Libanon

Als Israel im Libanon einfiel, war ich empört. Nach dem Waffenkontrollgesetz von 1954 müssen die Vereinigten Staaten ein Land, das von ihnen Waffen erhält und diese dann zur Invasion eines fremden Staates verwendet, von weiterer Waffenhilfe ausschließen. Als die Türkei 1974 Zypern besetzte, verhängten wir ein Waffenembargo gegen sie, obgleich sie NATO-Mitglied war.

Als die Israelis im Juni 1982 den Libanon angriffen, setzten sie Splitterbomben ein. Dabei handelt es sich um eine furchtbare, verheerende Waffe. Man wirft sie aus ca. tausend Fuß Höhe aus einem Flugzeug ab. Dann explodiert ein großer, napalmähnlicher Kanister, und ungefähr zweihundert Bomben fliegen heraus und werden über eine Fläche von mehr als einem Hektar verstreut. Sie sind so präpariert, daß alle fünf Minuten eine Gruppe von ihnen explodiert. Die erste Gruppe detoniert beim Aufprallen auf den Boden, die zweite fünf Minuten später, und so weiter. Wenn die Flugzeuge längst weg sind, liegen die Dinger immer noch auf dem Boden. Soldaten wissen, daß man sie nicht anrühren darf, doch kleine Kinder wissen dies nicht und heben sie auf, worauf sie detonieren und ihnen die Hände abreißen.

Nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 lieferten wir Israel solche Bomben auf der Grundlage eines Vertrags, laut dem es diese nur in dem Fall einsetzen durfte, daß die Armeen mehr als eines Staates auf sein Territorium vordrangen. Sie durften ferner niemals in Städten oder im Partisanenkrieg gegen Freischärler verwendet werden. Somit war ihr Einsatz in zivilen Gebieten verboten und nur gegen reguläre Truppen gestattet.

Ein Journalist namens Nick Thimmesch, der 1985 unter rätselhaften Umständen den Tod fand, berichtete, daß Israel Splitterbomben einsetzte. Er kam in mein Büro in Washington und gab mir einige Fragmente solcher Bomben. Ich sagte öffentlich, daß Israel von dieser Waffe Gebrauch machte. Die israelische Regierung stritt dies sogleich ab, doch in dieser Welt gibt es überall Lecks, und die Leute vom Außenministerium wußten, daß Israel diese Bomben verwendete und sich damit über den Vertrag hinwegsetzte. Obwohl die israelische Lobby den Leuten vom Außenministerium das Leben schwer machen konnte, war sie nicht imstande, sie um ihre Stellen zu bringen. So bestätigten sie regelmäßig: »Sie haben recht, McCloskey. Sagen Sie es immer wieder.« Darauf hielt ich Reden über die illegale Verwendung dieser Bomben durch Israel. Schließlich gaben die Israelis zu, daß sie gelogen und im Libanon unter Verletzung des Vertrags Splitterbomben eingesetzt hatten.

Im Kongreß erregte dies alles so viel Besorgnis, daß sechs von uns 1982 in den Nahen Osten reisten. In Syrien trafen wir uns mit Präsident Assad und in Jordanien mit König Hussein. Wir begaben uns auch in den Libanon, wo wir Gespräche mit den christlichen Maroniten, den Schiiten und den Drusen führten. In Beirut mußten wir im Wohngebäude der US-Diplomaten untergebracht werden, weil die Botschaft selbst in die Luft gejagt worden war. Und wir trafen Yassir Arafat in seinem Bunker in Westbeirut. Ich erinnere mich an eine Begegnung mit Bashir Gemayel, dem Führer der maronitischen Christen, der zum Präsidenten seines Landes gewählt und später umgebracht wurde. Dies war im Juli, als die israelischen Flugzeuge Westbeirut bombardierten. Ich fragte ihn:

»Wie können Sie für die Präsidentschaft kandidieren, wenn Westbeirut und ein Sechstel Ihres Landes von den Israelis angegriffen wird?"

Er erwiderte:

»Das ist nicht mein Problem.«

Menachem Begin (1913-1992) war von 1943 bis 1948 Führer der zionistischen Untergrund- und Terrororganisation Irgun Zvai Leumi und leitete später, von 1977 bis 1983, Israels Regierung als Premierminister. Unter seinem Kommando sprengte die Irgun im Juli 1946 das King David Hotel in Jerusalem in die Luft, entführte und hängte im Juli 1947 zwei britische Soldaten und verübte am 9. April 1948 im Dorf Deir Yassin einen Massenmord an rund 250 Arabern, einschließlich 25 schwangeren Frauen und 52 Kindern. Als Premier ordnete Begin 1982 die verheerende Libanon-Invasion an, die zum Tod von etwa 20.000 Menschen – hauptsächlich Zivilisten – führte. Mit großzügiger militärischer und wirtschaftlicher Rückendeckung durch die USA konsolidierte Begins Regierung auch Israels brutale und gesetzwidrige Besetzung des palästinensischen Westufers sowie des Gazastreifens.
Hier am 30.8.1980 während einer Gedenkfeier für David Ben Gurion. http://147.237.72.31/topsrch/defaulte.htm

Tatsächlich betrachteten die Maroniten die Muslime und den größten Teil des Landes nicht als ihr Problem. Dies war einige Wochen vor den Massenmorden von Sabra und Shatila im September 1982, als die Israelis die christlichen Milizen in diese Lager eindringen ließen, wo sie ein Gemetzel unter den islamischen Frauen und Kindern anrichteten.

Zensur, israelischer Stil

Nach unseren Unterredungen mit verschiedenen arabischen Führern reisten wir nach Israel und Ägypten. In Jerusalem brachte man uns im King David Hotel unter, das der israelische Premierminister Menachem Begin und seine Gruppe, die Irgun, am 22. Juli 1946 in die Luft gejagt hatten, als sie mit den Briten um die Herrschaft über das Land kämpften.

In einem israelischen Fernsehstudio wurde ich von Tom Brokaw, der sich in New York befand, für den Kanal NBC interviewt. Ich werde nie vergessen, was nun geschah. Er fragte mich, was wir herausgefunden hätten, und erkundigte sich nach unseren Gesprächen mit Assad, Hussein und Arafat. Sie müssen sich vor Augen halten, daß diese Interviews dann auf fünf Minuten zusammengekürzt werden. Brokaw wollte wissen, was ich von Begin dachte. Ich erwiderte, er sei derselbe Kerl, der 1947 britische Soldaten aufgeknüpft habe. Er sei ein Terrorist. Sogar viele Juden hielten ihn für einen Terroristen. Die nächste Frage lautete, was ich von Ariel Sharon hielt, dem damaligen israelischen Verteidigungsminister. Ich antwortete:

»Na ja, er ist ein Schlächter. Er ist ein fieser Typ.«

Danach wurde ich nach Yitzhak Shamir gefragt, und ich bedachte ihn mit einem ähnlichen Kosenamen.

Schließlich stellte Brokaw mir die Frage, wie ich mich zu Yassir Arafat stelle. Ich entgegnete:

»Nun, er ist ein Mann des Friedens.«

Hier unterbrach der israelische Militärzensor das Interview und die Verbindung zu NB in den USA. Als ich das Studio verließ, hörte ich, wie der Mann, der die Sendung leitete, mit dem Militärzensor, einem Generalmajor oder Brigadier, stritt. Der Fernsehmann sagte:

Opfer der von Ariel Sharon initiierten und von „christlichen" Libanesen durchgeführten Massaker an den Einwohnern der Flüchtlingslager Sabra und Shatila 1982. Bildquelle: http://hermes.spaceports.com/~mrcash/pictures%201.htm

»Sie können einem Amerikaner, der zu einem amerikanischen Publikum spricht, doch nicht einfach das Wort abschneiden!«

Darauf der General:

»Es ist uns völlig schnuppe, was er über unsere Führer sagt. Vielleicht sind wir sogar mit ihm einverstanden. Doch niemand darf im israelischen Fernsehen sagen, Yassir Arafat sei kein Terrorist!«

Das war damals wohlverstanden die Position der ADL. Sie erinnern sich vielleicht noch daran, daß Paul Findley seinen Sitz im Kongreß verlor, weil er sich mit Arafat getroffen hatte, und daß Andrew Young als US-Botschafter bei der UNO gefeuert wurde, weil er Gespräche mit PLO-Funktionären geführt hatte.

Wir haben es also mit einer unglaublich mächtigen Organisation zu tun. Wenn man sich vorstellt, wieviele ADL-Leute in die Regierungsmannschaft Clintons berufen worden sind, reicht dies allein schon, um einem zum Republikaner zu machen. Nebenbei gesagt stimmt es, daß die Demokraten sich der Israellobby gegenüber bedeutend unterwürfiger verhalten als die Republikaner. Letztere bekommen ihr Geld meist vom Großkapital, und dieses ist manchmal korrupt. Doch wenn Sie Demokrat sind, können Sie in diesem Staat nicht ohne die Unterstützung durch das jüdische Geld gewählt werden. Diese Macht hat, so meine ich, ihren Höhepunkt erreicht.

Leidenschaftslosigkeit und Wahrheit

Ich hoffe, Sie werden auch weiterhin die Geschichte kritisch untersuchen. Dabei möchte ich Sie vor einer Schwäche warnen, die ich heute das eine oder andere Mal festgestellt habe. Ein Historiker sollte leidenschaftslos sein. Lassen Sie sich durch das Benehmen Ihrer Feinde nicht dazu verleiten, bei Ihren historischen Untersuchungen Ihre Nüchternheit aufzugeben. Ich mag das Wort „Propaganda" nicht. Ich habe mir, seit ich ein junger Mann war, bis zur Ermüdung mitanhören müssen, daß die Version der Gegenseite „Propaganda" sei. Meiner Ansicht nach ziemt es sich nicht, einen Standpunkt als „Propaganda" abzutun.

Die große amerikanische Verfassung trat wahrscheinlich dank einem 82-jährigen Amerikaner namens Benjamin Franklin in Kraft. Am letzten Tag der verfassungsgebenden Versammlung legten die Legislatoren nach viereinhalbmonatiger Arbeit in einem verschlossenen Raum in Philadelphia eine Verfassung vor. Wenn jemand behauptet, Sie seien zu alt, um im Kongreß zu sitzen, dann rufen Sie ihm einfach Franklins Rede in Erinnerung. Er war 82 Jahre alt, als er aufstand und sagte:

»Meine Herren, je älter ich werde, desto besseren Grund habe ich, meinem eigenen Urteil zu mißtrauen, sogar in Dingen, derer ich mir einst sicher war, denn wenn ich ausführlichere Informationen erhalte oder mir neue Argumente zur Verfügung stehen, entdecke ich immer wieder, daß meine früheren Meinungen falsch waren.«

Smedley Butler (1881-1940), einer der meistdekorierten Offiziere der U.S. Marines, zog sich 1931 nach 33 Jahren Aktivdienst im Rang eines Generalmajors ins Privatleben zurück. Er sagte später, er habe als »hochklassiger Muskelmann für das [amerikanische] Großkapital« gedient.

http://www.tun-tavern.com/noteworthy.php3

Ein Historiker sollte im Idealfall wie ein Geschworener in Kalifornien sein. Bevor er vereidigt wird, muß dort jeder Angehörige einer Jury dem Gericht versichern, daß er abwarten und alles Beweismaterial zur Kenntnis nehmen wird, ehe er ein Urteil über Schuld oder Unschuld fällt. Dies sollte, so denke ich, in besonderem Maße auch für einen Historiker gelten. Einige jener, durch die Sie mit Zähnen und Klauen bekämpft werden, mögen ja Werkzeuge des Staates Israel sein, doch die Worte des Historikers werden letzten Endes von der Gesellschaft gewürdigt. Denken Sie an die ersten Leute, die sich gegen den Vietnam-Krieg wandten. Die meisten Menschen in meinem Bezirk meinten, ich sei Kommunist. Ich konnte mir vieles erlauben, weil ich in Korea als Marinesoldat gedient hatte, und man konnte einem solchen nur schwer Mangel an Patriotismus vorwerfen. Aber als einige meiner Mitprofessoren am College sagten, sie seien gegen diesen Krieg, schalten manche meiner Kollegen im Kongreß sie Verräter.

Eine Hochburg der Forschung sollten die Universitäten sein. Das Denken der Studenten sollte von Lehrern geprägt werden, welche beide Seiten der Medaille präsentieren. Als ich in Stanford Student im ersten Semester war, wollten die Stehkragenproletarier und rechten Eiferer in Südkalifornien einen Wirtschaftsprofessor in die Wüste schicken, weil er Kommunist war.

Ein Mann, an den man sich im Marine-Corps immer noch mit Ehrfurcht erinnert, Smedley Butler, 1881-1940, nahm während dreißig Jahren an jedem wichtigen Feldzug teil. Nachdem er aus dem Aktivdienst ausgeschieden war, stellte man ihm Fragen zu seiner Karriere. Er sagte:

»Ich war 33 Jahre und vier Monate aktiver Soldat als Angehöriger der schlagkräftigsten Truppe dieses Landes, des US-Marine-Corps. Ich habe alle Offiziersränge vom Leutnant bis zum Generalmajor bekleidet. Während dieser Zeit war ich meist ein hochklassiger Muskelmann für das Großkapital, für die Wall Street und die Bankiers. […] Ich trug helfend dazu bei, Mexiko, insbesondere Tampico, im Jahre 1914 den amerikanischen Ölinteressen zu erschliessen. Ich half, Haiti und Kuba zu angenehmen Orten für die Jungs von der National City Bank zu machen, damit sie dort ihre Scherflein zusammentragen konnten. Ich half bei der Ausplünderung von einem halben Dutzend zentralamerikanischen Republiken mit, zum Nutzen und Frommen der Wall Street. […] Ich half dabei, Nicaragua in den Jahren 1909-1912 für das internationale Bankierhaus Brown Brother zu säubern. Ich brachte 1916 der Dominikanischen Republik das Licht, im Solde amerikanischer Zuckerinteressen. Ich half, Honduras 1903 zum Tummelplatz amerikanischer Fruchtimportfirmen zu machen. In China trug ich 1927 dazu bei, daß Standard Oil ungestört seinen Geschäften nachgehen konnte.«

Wenn die Menschen am Ende die Wahrheit erfahren, wenden sie sich gegen jene, die sie angelogen haben. Und ich denke, daß die Wahrheit letzten Endes obsiegen wird, wenn die Bewegung, deren Stoßtrupp Ihre Leute bilden, angesichts von skandalösen Ungerechtigkeiten, Rückschlägen und Demütigungen ihre Leidenschaftslosigkeit bewahren kann.

Sie tun etwas, was weit schlimmer ist, als die Regierung der USA zu kritisieren: Sie bedrohen die Sicherheit des Staates Israel! Und die jüdische Gemeinschaft ist grimmig entschlossen, diesen Staat zu bewahren und jene zu vernichten, die gegen diesen auftreten. Ich wünsche Ihnen viel Glück!


Paul „Pete" McCloskey wurde in Kalifornien geboren und wuchs dort auf. In Korea kämpfte er als Angehöriger des US-Marine-Corps und errang mehrere Auszeichnungen: das Kreuz der Marine, den Silbernen Stern sowie zwei Purpurherzen. Von 1967 bis 1983 saß er im amerikanischen Kongreß. McCloskey gehörte zu den ersten Gegnern der amerikanischen Einmischung in Vietnam und war der erste Republikaner, der 1972 zur Einleitung eines Verfahrens zwecks Amtsenthebung von Präsident Richard Nixon aufrief. 1972 kandidierte er erfolglos für den Posten eines republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Einzelheiten über McCloskeys Grabenkrieg mit der jüdisch-zionistischen Lobby kann man Paul Findleys Buch They dare to speak out entnehmen, das unter dem Titel Die Israel-Lobby erstmals 1992 bei der Verlagsgemeinschaft Berg auf Deutsch erschienen ist (Neuauflage 2000). Der vorliegende Text stellt eine überarbeitete Version des Vortrags dar, den McCloskey während der 13. IHR-Konferenz am 28. Mai 2000 gehalten hat. Entnommen dem Journal of Historical Review, 20(5/6) (2001), S. 13-24; übersetzt von Jürgen Graf.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(3) (2002), S. 322-331.


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