Bücherschau

Pearl Harbor: Fall abgeschlossen?

Von Theodor O’Keefe

Robert B. Stinnett, Day of Deceit: The Truth about FDR and Pearl Harbor, Simon and Schuster, Touchstone, New York 2000, 399 S. Pb., $16,00.

Michael V. Gannon, Pearl Harbor Betrayed: The True Story of a Man and a Nation under Attack, Henryk Holt, New York 2001, 340 S. geb., $27,50.

Der sechzigste Jahrestag dessen, was Präsident Franklin D. Roosevelt als »ein Datum, das in Infamie weiterleben wird« bezeichnet hat (und wer wäre zu einem solchen Urteil befugter gewesen als er?), ist nun verstrichen, doch will die Kontroverse um Pearl Harbor nicht abflauen. Auf keinem anderen Gebiet des Zweiten Weltkriegs haben Revisionisten einen breiten Teil der Öffentlichkeit dermaßen erfolgreich davon zu überzeugen vermocht, daß die offizielle Version nicht stimmt: Die Verantwortung für den verheerenden japanischen Angriff lag bei Präsident Franklin Roosevelt und nicht bei den örtlichen Kommandanten, General Walter Short und Admiral Husband Kimmel.

In zwei unlängst erschienenen Büchern wird die Meinung verfochten, insbesondere Admiral Kimmel sei von seinen Vorgesetzten bitteres Unrecht angetan worden, nicht nur nach dem 7. Dezember 1941, sondern auch in den Wochen und Monaten zuvor. Das eine der beiden Werke, Robert Stinnets Day of Deceit, ist radikal revisionistisch und erhebt den Anspruch, zahlreiche neue Beweise für eine Verschwörung zu erbringen, an welcher neben vielen anderen Personen und Instanzen der Präsident, das Kriegs- und das Marineministerium, der Armeestabschef sowie der Chef der Marineoperationen beteiligt gewesen sein sollen. Das zweite Buch, Michael Gannors Pearl Harbor Betrayed, spricht nicht ausdrücklich von einer Verschwörung und hat auch nichts Gravierendes an der amerikanischen Konfrontationspolitik gegenüber Japan in den Jahren vor dem Angriff auszusetzen. Es mag ja seltsam erscheinen, doch dem Rezensenten gefällt das zweite Werk besser.

Stinnett hat sich viele Jahre lang mit der Frage beschäftigt, ob amerikanische Führer – zivile und militärische – im voraus über den japanischen Überfall auf die Armee- und Flottenstützpunkte der Vereinigten Staaten auf Oahu Bescheid wußten. Sein Überblick über die von Diplomatenseite stammenden Belege bestätigt lediglich, was Charles Beard, George Morgenstern, Harry Elmer Barnes, Charles Callan Tansill, Percy Greaves, James Martin sowie andere Revisionisten bereits hieb- und stichfest nachgewiesen hatten: Roosevelt, Außenminister Cordell Hull und Kriegsminister Henry Stimson wollten und provozierten den Krieg mit Japan und waren mit Sicherheit darüber informiert, daß Japan in der Zeit um die dann erfolgten Angriffen vom 7. Dezember 1941 herum in den Krieg ziehen würde.

Stinnetts Versuche, nachzuweisen, daß die zivile und militärische Führung der USA dank der Entzifferung des japanischen Marinecodes über die Pläne zum Überfall auf Pearl Harbor unterrichtet war oder hätte sein müssen, fällt weniger überzeugend aus. Seine Argumentation fußt in beträchtlichem Umfang auf einer größeren Anzahl von Funksprüchen japanischer Schiffe und Schiffseinheiten, die Stinnett dank bemerkenswerter Fleißarbeit und der Freigabe neuen Materials unter dem Freedom of Information Act erstmals der Öffentlichkeit bekanntgemacht hat. Freilich ist es für einen Laien schwierig, die Bedeutung dieser Dokumente zu beurteilen, denn Stinnett versäumt es oft, dem Leser entscheidende Einzelheiten mitzuteilen, beispielsweise an wen die Meldungen gerichtet waren und wann sie gelesen wurden. Viele der japanischen Funksprüche aus der Zeit vor Pearl Harbor wurden nämlich erst nach dem Krieg ausgewertet.

Eine zentrale Behauptung von Day of Deceit besteht darin, amerikanische Kodebrecher hätten den wichtigsten Operationscode der japanischen Flotte (von den Codebrechern wegen seiner fünfstelligen Zahlengruppen als „5-Num-Code" bezeichnet) lange vor dem von den meisten Historikern anerkannten Datum von Pearl Harbor geknackt. Auf S. 71 schreibt Stinnett, nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Briten, die Holländer sowie die nationalchinesische Regierung Tschiang Kai Tschecks hätten schon im Herbst 1941 das Rätsel des 5-Num Code gelöst. Doch erwähnt er auf derselben Seite noch drei andere Codes, so daß der Leser bis auf S. 23 zurückgehen muß, um zu entdecken, daß »die Entdeckung [des 5-Num Codes seitens der USA] vor dem April 1941 erfolgt war.«.

Was versteht Stinnett unter „Entdeckung"? An vielen Stellen deutet er an, der Code sei an dem von ihm genannten Datum vollständig geknackt und lesbar gewesen, und ein unaufmerksamer Leser der Seiten 73-81, jenem Abschnitt von Day of Deceit, wo er am ausführlichsten auf die Entzifferung des 5-Num Code eingeht, wird wahrscheinlich davon ausgehen, daß dies der Fall war. Doch liefert Stinnett nur magere Hinweise darauf, wieviel von diesem entscheidend wichtigen japanischen Flottencode, dessen Entzifferung der Schlüssel für die erstaunlichen amerikanischen Siege bei Midway im Juni 1942 war, vor Pearl Harbor verstanden werden konnte. Seine Gewohnheit, Tatsachen unter einer apodiktischen Behauptung zusammenzufassen, die sich nicht auf alle Tatsachen bezieht, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß das, was er auf S. 73 »ein Beispiel der Dechiffrierung von Num-5 und SM« (ship movement, Schiffsbewegung) nennt, sich als bloßes Beispiel für die Entzifferung eines Schiffsbewegungscodes entpuppt. Stinnett hätte seinen Lesern eine Menge Verwirrung und Frustration ersparen können, hätte er eine – am Ende einer langen Fußnote versteckte – Aussage sichtbarer hervorgehoben, bei der es sich anscheinend um seine klarste und unzweideutigste Stellungnahme in dieser Frage handelt:

»Der Verfasser hat keine sicheren Unterlagen darüber entdeckt, wieviel vom 5-Num Text 1941 von Flottenkryptographen entziffert, übersetzt und gelesen werden konnte.« (S. 334, Fußnote 18)

Stinnett macht die Dinge für seine Leser durch seine oft wirren Darstellungen nicht leichter. Obgleich Journalist im Ruhestand, neigt er dazu, seine Geschichte unnötig kompliziert zu erzählen. Seine Darlegungen sind vor allem in den ersten paar Kapiteln schwerfällig und bisweilen geradezu alptraumhaft, denn er hüpft thematisch und chronologisch wild hin und her. Ob dieser Mangel an Systematik nun auf eine Verwirrungstaktik des Autors oder auf unachtsames Lektorieren zurückzuführen ist, sei dahingestellt, doch jedenfalls erschwert es dem Leser die Konzentration auf die Fakten ungemein. Das endlose Hin- und Herspringen macht ständige Wiederholungen nötig, was den Fluß der Argumentation zusätzlich stört. Nicht minder ärgerlich ist, daß der Verfasser die von ihm aufgebaute Spannung selbst zerstört: Day of Deceit beginnt mit einer aufregenden Schilderung, wie Edward R. Murrows Behauptung, er habe bei seinem Treffen mit FDR am Abend des 7. Dezember die größte Nachrichtengeschichte seines Lebens mitbekommen, die sich in nichts auflöst:

»Am Ende blieb Murrows Geschichte ungeschrieben und ungesendet.«

Stinnett macht viel Aufhebens um ein Memorandum, das er in den National Archives gefunden hat und das seiner Meinung nach die US-Politik gegenüber Japan ab Oktober 1940 erklärt. Das achtteilige Memorandum stammte aus der Feder von Lieutenant Commander Arthur McCollum, dem Leiter der Ostasienabteilung im Amt für Marineaufklärung, und stellte die Forderung auf, die Vereinigten Staaten sollten zusammen mit britischen und niederländischen Streitkräften im Südpazifik diplomatische und militärische Schritte ergreifen, um die Japaner in die Enge zu treiben. Zu diesen Schritten gehörten ein Totalembargo gegen Japan, Hilfe für Tschiang Kai Tscheck, die Verschiebung von US-Truppen nach Westen, einschließlich ihrer Stationierung auf Basen in Singapur und Niederländisch-Ostindien (Indonesien), sowie schließlich die Konzentration des Hauptteils der US-Marine in der Nähe des Hawaii-Archipels. Gewiß liefen diese Vorschläge auf eine offene Konfrontation hinaus, doch kann Stinnett keinen Beleg dafür erbringen, daß Roosevelt oder irgendein anderer hochrangiger Beamter sie je zu Gesicht bekommen hat. Mehrere davon, z.B. die erwogenen Stützpunkte in den britischen und holländischen Kolonien, wurden nicht verwirklicht; einer oder zwei davon waren bereits vor der Abfassung des Memorandums realisiert worden. In einem Fall setzte der Verfasser ein paar Streifzüge amerikanischer Kreuzer in japanischen Gewässern und deren Nähe (meist unweit japanischer Mandatsgebiete im Pazifik) der Stationierung eines Geschwaders schwerer Kreuzer im Fernen Osten gleich. Jedenfalls macht es den Anschein, als habe das McCollum-Memorandum bestenfalls eine nebensächliche Rolle für Roosevelt und den für seine rabiat antijapanische Einstellung bekannten Stimson gespielt.

Generalleutnant Walter C. Short, Befehlshaber der auf Hawaii stationierten US-Truppen.

Viele der von Stinnett aufgestellten Behauptungen sind ausgeprägt technischen Charakters und können nur von einem in der Materie bewanderten Fachmann richtig beurteilt werden, doch wird jeder Leser die Stirn runzeln, wenn er von der riesigen Verschwörung liest, die angeblich angezettelt wurde, um General Short und Admiral Kimmel über den bevorstehenden Angriff im dunkeln zu halten. Angefangen bei Roosevelt, Stimson, Hull, Marinesekretär Frank Knox, Marineoperationsleiter Harold Stark und Stabschef George C. Marshall reicht die Liste bis hin zu einer größeren Anzahl von Spitzenoffizieren, einschließlich General Douglas McArthur. Zu Stinnetts Buhmännern gehören insbesondere Offiziere aus dem Marinenachrichtendienst und dem Funkentzifferungsdienst, darunter Commander Joseph Rochefort, der Hauptkryptograph in Hawaii, Lieutenant Commander Edward Layton (Admiral Kimmels Flottennachrichtenoffizier und in späteren Jahren sein glühender Verteidiger) sowie Commander Laureance Safford, der Hauptcodebrecher der US-Marine und ein Mann, der, schenkt man Stinnett Glauben, viele revisionistische Historiker an der Nase herumgeführt haben muß, mit denen er in der Pearl-Harbor-Frage jahrzehntelang engstens zusammengearbeitet hat. Einige der Anschuldigungen Stinnetts hinterlassen einen schalen Nachgeschmack, beispielsweise seine wiederholte Unterstellung, Admiral Walter Anderson, ehemaliger Chef des Flottennachrichtendienstes und Schlachtschiffkommandant in Pearl Harbor am 7. Dezember, habe sich an jenem Tage nicht dort aufgehalten, da er vom bevorstehenden Angriff gewußt habe.

Wohl mag ein – vielleicht sogar großer – Teil des Materials, dessen Freigabe Stinnett erreicht hat, Revisionisten von Nutzen sein, doch für den Verfasser der vorliegenden Rezension wirft Day of Deceit mehr Fragen auf, als es befriedigend beantwortet. Bis die Antworten vorliegen, ist Stinnetts Buch potentiell gefährlich, und zwar weit mehr für Revisionisten als für Anhänger der offiziellen Pearl-Harbor-Version.

Im Gegensatz zur Studie Stinnetts ist Michael Gannons Pearl Harbor Betrayed ein Musterwerk eines geschichtswissenschaftlichen Buches: Es ist gut aufgebaut, reichhaltig dokumentiert, und seine Schilderung der an sich altbekannten Geschichte vom japanischen Angriff ist erfrischend inhaltsreich und dramatisch.

Wie Stinnett verteidigt auch Gannon Admiral Kimmels Antwort auf den Angriff, und zwar wesentlich engagierter. Ebenso wie Kimmels Familienangehörige und Mitoffiziere mag er sich in seiner unverbrüchlichen Loyalität gegenüber dem Admiral bisweilen wie ein Claqueur gebärden, doch ist dies durchaus verzeihlich, wenn man sich vor Augen hält, wie schmählich und ungerecht man mit diesem Mann umgesprungen ist: Man entzog ihm das Kommando und schalt ihn einen pflichtvergessenen Wicht, um Roosevelt, Stimson, Marshall, Stark und ihre Laufburschen davon reinzuwaschen, daß sie es versäumt hatten, die Pazifische Flotte sowie den Kommandanten der auf Hawaii stationierten Streitkräfte, General Short, mit den zur Verteidigung ihrer Positionen erforderlichen Männern, Waffen und Informationen auszustatten.

Admiral Husband E. Kimmel, Befehlshaber der Pazifik-Flotte

Besonders scharf geißelt Gannon Washingtons Unterlassung, Kimmel (und Short) die zum Schutz von Pearl Harbor und der anderen Basen auf Oahu notwendigen Schiffe, Flugzeuge und Kanonen zur Verfügung zu stellen. Kimmels Vorgänger, Admiral Richardson, hatte übrigens heftig gegen die Verlegung des Flottenhauptquartiers an jene Orte protestiert. Gannon unterstreicht, daß die Roosevelt-Regierung, die auf Amerikas Eintritt in einen Krieg mit Deutschland aus war, nicht nur Pearl Harbor die nötigen Mittel zu seiner Verteidigung vorenthielt, sondern Hawaii systematisch von seinen Abwehrmöglichkeiten entblößte, indem sie zur Durchführung ihrer antideutschen Politik Schiffe aus dem Pazifik in den Atlantik schickte sowie in Hawaii dringend benötigte Aufklärungsflugzeuge und moderne Jäger Großbritannien und der Sowjetunion zur Verfügung stellte. Gannon beschreibt eingehend und lebhaft Kimmels Bemühungen, seine Flotte schlachtbereit zu machen. Wie er hervorhebt, waren die Luftabwehrkanonen der Flotte bereits vier Minuten nach Eröffnung der Attacke bemannt und feuerten die ersten Schüsse ab, doch waren sie veraltet und konnten gegen rasche Tiefflieger nicht viel ausrichten.

Gannons Darstellung der japanischen Politik, die einseitig aggressiv gewesen sein soll, wird manchem überzeichnet vorkommen, doch weist er gewissenhaft auf die immer gröbere Verletzung der amerikanischen Neutralität durch FDR sowie dessen unerklärten Seekrieg im Atlantik an Englands Seite hin. Hier stützt er sich bei seinen Forschungen teilweise auf Operation Drumbeat, seine vielgerühmte Studie des Auftakts des deutschen U-Boot-Krieges gegen die US-Schiffahrt, sowie andere Bücher zu diesem Thema und leistet dabei ausgezeichnete Arbeit. Er hat sogar Befehle von Admiral King, dem Kommandanten der Atlantikflotte, an die Kapitäne der Begleitschiffe ausfindig gemacht, die letztere im Juli 1941 dazu ermächtigten, auf bloße Sicht deutscher Schiffe hin das Feuer zu eröffnen. Dieses Datum lag vor Roosevelts im Anschluß an den Greer-Zwischenfall im September desselben Jahres erlassene diesbezügliche Anweisung. Gannon macht kein Hehl aus seiner Mißbilligung mancher Entschlüsse Roosevelts wie derjenigen, die westliche Hemisphäre durch Dekret bis östlich der Azoren auszudehnen oder die Besetzung Islands anzuordnen (die Gannon mit der japanischen Okkupation Indochinas vergleicht).

Pearl Harbor Betrayed bietet eine detaillierte und sorgfältige Schilderung aller wichtigen Fragen im Fall Kimmel. In fast jedem Punkt stellt sich der Verfasser hinter den Admiral und gegen dessen politische und militärische Vorgesetzte in Washington. Gannon legt methodisch dar, daß Kimmel mit den zu seiner Verfügung stehenden Flugzeugen keine bessere Luftaufklärung hätte betreiben können, und daß man ihm zentrale Informationen vorenthielt, einschließlich des Zugangs zum streng geheimen diplomatischen Code der Japaner (dem „Purpur") sowie zu Meldungen eines japanischen Spionageschiffs in Honolulu, die klar auf einen bevorstehenden Angriff auf Pearl Harbor hinwiesen. (Alle diese Informationen wurden US-Kommandanten auf den Philippinen zugänglich gemacht!) Besonders stark wirkt Gannons Darstellung der Schlüsselbefehle, die Kimmel von Admiral Richmond Kelly Turner, dem Befehlshaber der Marineoperationen Harold Stark sowie Kriegsminister Henry Stimson in den letzten Wochen und Tagen vor dem Angriff erhielt: Der Verfasser, der gut über die bei der Marine geltenden Verfahrensweisen Bescheid weiß, zeigt auf, daß Kimmel, nachdem ihn seine Vorgesetzten in Unwissenheit gehalten hatten, ungenaue, irreführende und kopflose Anweisungen erhielt, die ihn und seine Flotte förmlich festnagelten. Seine Verteidigung Admiral Kimmels verleiht der 1995 abgegebenen Erklärung des Vizeverteidigungsministers Edwin Dorn, wonach Kimmel und Short nicht die Alleinschuld an dem Fiasko trügen, sowie der unlängst vom Kongreß erlassenen Empfehlung, Kimmel seinen höchsten in Kriegszeiten eingenommenen Rang wiederzugeben, zusätzliches Gewicht.

Für Revisionisten mag dies wenig Neues bieten, doch auch ihnen werden Gannons Detailkenntnis und sein Instinkt bei der Aufspürung neuer Quellen Respekt abnötigen. Zu Recht bemängeln werden sie freilich, daß Gannon allzu zimperlich mit Stark, Turner usw. sowie erst recht mit Franklin Roosevelt umspringt, den er in einer Fußnote zu Gore Vidals (unverblümt die Verschwörungsthese verfechtendem) Roman Golden Age wie folgt entlastet:

»Wünscht man Kimmel und Short zu rehabilitieren, so braucht man die Schuld nicht auf FDR zu schieben. Es reicht völlig, die Treulosigkeit und Unfähigkeit des Kriegs- sowie des Flottenministeriums hervorzuheben, auf die wir ausführlich eingegangen sind.« (S. 363, Fußnote 62.)

Dies allein wäre schon schlimm genug, doch Stinnetts Lobhudeleien auf Roosevelt sind noch ärger, denn er will uns weismachen, keine der vielen Verratshandlungen des Präsidenten, die er in Day of Deceit auflistet, verringere »Franklin Roosevelts großartige Verdienste um das amerikanische Volk«. Was Gannon – und Stinnett – damit meint, ist nur zu offenkundig: Die Holocaust-Manie treibt ihre Sumpfblüten nach wie vor, und jede Infragestellung des amerikanischen Eintritts in den großen antifaschistischen Kreuzzug kommt schon fast einer Mittäterschaft bei den bei Kriegsende „entdeckten" „Holocaust"-Greueln gleich.

Das wichtigere dieser beiden Bücher, Day of Deceit, mag den Anspruch erheben, neues Beweismaterial für eine Verschwörung zu liefern, an der FDR und seine Gefolgsleute beteiligt gewesen sein sollen, wirkt in diesem Punkt jedoch unzuverlässig. Pearl Harbor Betrayed ist sehr lesenswert, da es alle Schlüsselfragen im Licht der neusten Erkenntnisse erörtert und die bereits erwähnten Vorzüge aufweist, schreckt jedoch vor jeglichem Versuch der Aufdeckung einer Verschwörung zurück. Freilich bleibt das Buch, welches das Rätsel Pearl Harbor löst, auch weiterhin ungeschrieben.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(3) (2002), S. 346-349.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis