Charles A. Lindbergh: Prinzipien vor Privatleben

Von Michael Collins Piper

Die privaten Kriegstagebücher des berühmten Fliegers Charles A. Lindbergh vermitteln einen bemerkenswerten Einblick nicht nur in den großartigen Verstand dieses selbstlosen, mutigen, durch und durch gewissenhaften legendären Amerikaners, sondern auch in die damalige korrupte und gnadenlose Machtpolitik, welche die USA in den Zweiten Weltkrieg getrieben hat.


Während der Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg begann Oberst Charles Lindbergh erstmals in seinem Leben ausführliche Tagebücher seiner alltäglichen Aktivitäten zu führen, wobei er seine Ansichten zu den politischen Streitfragen und Persönlichkeiten seiner Zeit darlegte, insbesondere zu jenen Aspekten der US-Politik, die mit den wachsenden Spannungen in Europa zusammenhingen.

Lindbergh empfand die Notwendigkeit, den Marsch in den Krieg zu stoppen, dermaßen stark, daß er es für seine Pflicht hielt, sein selbstgewähltes Abseitsstehen vom öffentlichen Treiben zu beenden und das Gewicht seines Namens in die Waagschale zu werfen, um gegen die wachsende Kriegstreiberei zu kämpfen. Vor diesem Hintergrund schien es ihm äußerst wichtig, ein Tagebuch jener stürmischen Periode zu führen. Er bemerkte schon bald, daß seine wirklichen Ansichten zu vielen Fragen durch ihm feindlich gesinnte, kriegshetzerische Medien verzerrt dargestellt wurden. Wohl war er sich bewußt, daß sein Tagebuch nicht auf alle Probleme eingehen konnte, doch würde es, so meinte er, »die Falschheit zumindest einiger der Geschichten zeigen, die man erzählt

In späteren Jahren erwies es sich, daß Lindberghs Sorgen gerechtfertigt waren. Nachdem ihn der Verleger William Jovanovich gebeten hatte, er möge doch eine der mehr als 20 über ihn erschienenen Biographien korrigieren, gab er dieser Bitte statt und sandte ihm nicht weniger als 76 maschinengeschriebene Seiten mit Hinweisen auf Sachfehler in diesem Buch, dessen Quellen weitgehend aus Zeitungsartikeln bestanden. Ironischerweise war diese Lindbergh-Biographie laut Jovanovich noch eine der gemäßigtsten und fairsten, doch war auch sie von jener „Falschheit" geprägt, die Lindbergh mit berechtigter Besorgnis erfüllte.

1970 vermochte Jovanovich Lindbergh zur Veröffentlichung umfangreicher Auszüge aus seinen Tagebüchern zu bewegen. Der letzte veröffentlichte Band, der ungefähr 1000 Seiten umfaßt und die Zeit vom 11. März 1938 bis zum 15. Juni 1945 - damals neigte sich der Krieg seinem Ende zu - abdeckt, erschien unter dem Titel The Wartime Journals of Charles Lindbergh.

Vor der Veröffentlichung dieser Tagebücher schrieb Lindbergh seinem Verleger einen Brief, indem er seinen Gefühlen bei der Lektüre seiner Tagebücher nach so vielen Jahren und ihrer Vorbereitung zur Veröffentlichung Ausdruck verlieh. Darin führte er folgendes aus:

»Sie fragen, welche Schlußfolgerungen ich beim Wiederlesen meiner Tagebücher und beim Rückblick auf den Zweiten Weltkrieg nach einem Vierteljahrhundert ziehe. Wir haben den Krieg im militärischen Sinne gewonnen, doch in weiterem Sinn haben wir ihn verloren, denn die westliche Zivilisation wird weniger respektiert und ist weniger sicher als früher.

Um Deutschland und Japan zu besiegen, unterstützten wir Rußland und China, die noch größere Bedrohungen darstellten und uns nun im Zeitalter der Kernwaffen als Gegner gegenüberstehen. Polen wurde nicht gerettet. Das Britische Weltreich ist unter großen Leiden und unter viel Blutvergießen und Chaos zusammengebrochen. England ist zu einer wirtschaftlich angeschlagenen Macht zweiten Ranges herabgesunken. Frankreich mußte seine größeren Kolonien aufgegeben und ist selbst zu einer milden Diktatur geworden. Ein großer Teil unserer westlichen Welt wurde zerstört. Wir haben das genetische Erbe preisgegeben, das sich im Verlauf von Äonen herausgebildet hat. In der Zwischenzeit haben die Sowjets ihren Eisernen Vorhang heruntergelassen, um Osteuropa abzuschirmen, und eine uns feindlich gesinnte chinesische Regierung bedroht uns in Asien.

Mehr als eine Generation nach Kriegsende müssen unsere Besatzungsarmeen immer noch besetzen, und die Welt ist immer noch nicht sicher für Freiheit und Demokratie. Im Gegenteil: Unser eigenes System demokratischer Regierungsform wird von der größten Gefahr bedroht, der sich eine Regierung gegenübersehen kann: Innere Unzufriedenheit und Unruhe.

Es ist eine beunruhigende Möglichkeit, daß der Zweite Weltkrieg den Auftakt zum Zusammenbruch der westlichen Zivilisation bildete, so wie er bereits den Zusammenbruch des größten je vom Menschen geschaffenen Weltreichs eingeläutet hat. Sicherlich hängt das Überleben unserer Zivilisation davon ab, ob wir die Herausforderungen bewältigen, welche sich in beispielloser Größe auf fast jedem Gebiet des heutigen Lebens vor uns auftürmen. Viele von diesen Herausforderungen wurden durch den Zweiten Weltkrieg zumindest verschärft.

Charles August Lindbergh, oben auf einem selbstgemachten Floß auf dem Mississippi bei seiner Heimatstadt Little Falls, Minnesota; unten mit seinem Vater. Als Einzelkind, dessen Eltern getrennt lebten, hatte Charles eine einsame Kindheit.[1]

Treiben wir nun auf einen dritten und noch verheerenderen Krieg zwischen den Nationen der Welt zu? Oder können wir die menschlichen Beziehungen hinreichend verbessern, um einen solchen Holocaust zu vermeiden? Da das permanente Bestehen von Streitfragen zwischen den Menschen Bestandteil des Lebens ist, glaube ich, daß sich die menschlichen Beziehungen am besten verbessern lassen, indem man die bestehenden Streitfragen und Zustände klärt.

Ich hoffe, meine Tagebücher über den Zweiten Weltkrieg werden dazu beitragen, die Streitfragen und Zustände der Vergangenheit zu klären und somit einen Beitrag zum Verständnis der Streitfragen und Zustände der Gegenwart und Vergangenheit leisten.«

Obgleich die Veröffentlichung der Tagebücher eine neue Debatte über Lindberghs Vorkriegsansichten heraufbeschwor, wurde das Buch zum Bestseller und brachte es bis in das Halbfinale des National Book Award, der Auszeichnung für das beste Buch des Jahres. Unter der zahlreichen Fanpost Lindberghs befand sich auch ein Brief der früheren First Lady Jacqueline Kennedy Onassis, deren verstorbener Gatte John F. Kennedy ebenso wie sein Bruder Joseph R. Kennedy ein eifriger Anhänger des America First Movement gewesen war, zu dessen führenden Sprechern Lindbergh gehörte. In ihrem Brief kam Frau Onassis auf die Kennedys zu sprechen und bemerkte:[2]

»Diese Familie - und ich - bewundern Sie mehr als jeder andere.«

Lindberghs Betrachtungen in den veröffentlichen Kriegszeittagebüchern vermitteln einen faszinierenden Einblick in sein umfangreiches Privatleben und seine Reisen durch die USA und Europa sowie seine Bekanntschaften und Freundschaften mit einigen der prominentesten Persönlichkeiten jener Zeit. Wie die meisten Tagebücher bekannter Personen enthalten sie auch eine Menge persönlicher Eintragungen und anderen Materials, das lediglich für den Verfasser (und seine Familie) sowie hartgesottene Lindbergh-Verehrer von Interesse ist. Doch Lindberghs Ansichten zu einer breitgefächerten Palette von Themen wie Geschichte, Kunst, Religion, Recht sowie natürlich die Verwicklung Amerikas in ausländische Konflikte wurden in den Tagebüchern sehr ausführlich dargelegt, und die nun folgenden Auszüge sind die pointiertesten und für Lindberghs damalige Auffassungen kennzeichnendsten. Der Fliegerheld zeigt sich hier als gedankenreicher, in sich gerichteter Philosoph, dessen Darlegungen von gesundem Selbstbewußtsein, seinem Sinn für Humor sowie dem Wissen geprägt sind, daß er einen Kurs eingeschlagen hatte, der seinen Platz in der Geschichte sowie die Zukunft der Welt beeinflussen konnte (was dann auch tatsächlich eintraf).

Von besonderem Interesse sind für den heutigen Leser Lindberghs Kommentare über den Einfluß der Nachrichtenmedien und der Unterhaltungsindustrie seiner Zeit bei der Prägung der öffentlichen Meinung, sowohl gegenüber Lindbergh selbst als auch gegenüber den Ansichten, die er in der öffentlichen Arena äußerte. Lindbergh war sich dessen, was man zurückhaltend als „das neue Management" bezeichnen könnte, sehr wohl bewußt und fürchtete sich davor; das Problem bereitete ihm große Schwierigkeiten, als er versuchte, seinen Auffassungen Gehör zu verschaffen.

Wir zitieren nun bedeutungsvolle Auszüge aus Lindberghs Tagebüchern, die sich mit Fragen von öffentlichem Interesse auseinandersetzen sowie seine persönliche Philosophie widerspiegeln. Diese Auszüge sind chronologisch angeordnet, vom 27. August 1938 bis zum 8. Dezember 1941, dem Tag des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor, der zur sofortigen Kriegserklärung durch den Kongreß führte. Das Datum der betreffenden Eintragung steht in Klammern am Ende eines jeden Auszugs. Die Untertitel über den verschiedenen Auszügen stammen vom Autor dieses Artikels, um dem Leser eine rasche Orientierung über die jeweiligen Themen zu ermöglichen.

Die Realität Sowjetrußlands

Dies ist ein seltsames Land. Sie predigen die Lehre, man müsse das Vorhandene unter den Menschen entsprechend ihren Bedürfnissen verteilen. Es herrscht dort große Armut und manchmal wirklicher Hunger. Doch habe ich nie eine größere Verschwendung von Lebensmitteln miterlebt als bei den Mittag- und Abendessen, an denen wir teilnahmen. Die Besitzenden scheinen sich in Sowjetrußland nicht groß um die Besitzlosen zu scheren. Ich glaube nicht, daß die Idee der Verteilung, der Gleichheit und des Staatseigentums lange Bestand haben wird. Wenn man es ihnen ermöglicht, werden sich ganz ähnlich wie in der Vergangenheit gesellschaftliche Klassen herausbilden. Die Anzeichen dafür sieht man bei den Partys, den Abendessen, der Damenkleidung, dem Schmuck usw. Natürlich bestehen stets große Unterschiede zwischen den Löhnen und Privilegien verschiedener Menschen. (Samstag, 27. August 1938.)

Politiker und Staatsangelegenheiten

Mein hauptsächliches Interesse gilt dem Charakter eines Menschen und nicht der Frage, ob er Republikaner oder Demokrat ist. Ich könnte ebenso gut für den einen stimmen wie für den anderen. Die zwischen ihnen bestehenden Meinungsunterschiede sind diesmal recht oberflächlich. Doch denke ich, sie werden beginnen, sich zu klären und fortan fundamentaler werden. Ob künftige Streitfragen nach der Parteilinie entschieden werden, wird man noch sehen. Was mich persönlich betrifft, so fürchte ich mich nicht groß davor, lange als Republikaner eingestuft zu werden. Ich habe zu wenig Interesse an Politik oder Popularität.

Eines der mir teuersten Rechte besteht darin, daß ich sagen darf, was ich denke, und daß ich handeln kann, wie ich will. Ich beabsichtige dies zu tun, und ich weiß, daß dies zu Scherereien führen wird. Sobald diese beginnen, werden die Politiker mich fallen lassen wie eine heiße Kartoffel, und mir soll es recht sein. Mir wird bedeutend mehr an meinen eigenen Ideen liegen als an ihrer Unterstützung. Wenigstens werde ich meine Selbstachtung wahren und möglicherweise auch die einer Reihe anderer Menschen. Ich beabsichtige nicht, meine Ideen oder Ideale dem Programm einer der beiden Parteien unterzuordnen. Man muß im Leben zwar Kompromisse schließen - dies ist Teil unseres Zusammenlebens mit anderen Menschen -, doch ist ein Kompromiß nur dann gerechtfertigt, wenn das dadurch erreichte Ziel von größerer Bedeutung ist als das beim Kompromiß verlorene. (Sonntag, 7. Oktober 1939.)

Nicht alle Flüge von „Lucky Lindy" waren erfolgreich. Dieser Absturz ereignete sich im November 1926. Es war das zweite Mal, daß Lindberghs Flugzeug bei seiner Arbeit als Postflugzeugpilot auf der Strecke St. Louis-Chicago abstürzte. Doch blieb er stets unerschrocken und träumte vom Orteig-Preis in Höhe von 25.000 Dollar für den ersten Piloten, der die Strecke New York-Paris ohne Zwischenlandung zurücklegte.

Über die Kandidatur für das Amt des Präsidenten

Unter anderem genieße ich die Fähigkeit, zu tun und zu sagen, was ich will, allzu sehr, um je ein erfolgreicher Präsidentschaftskandidat zu werden. Ich ziehe intellektuelle und persönliche Freiheit den Ehren und Leistungen des politischen Amtes vor - sogar jenen des Präsidentenamtes. (Mittwoch, 11. Oktober 1939.)

Die falsche Art Pazifismus

Ich habe mir All quiet on the Western Front (Im Westen nichts Neues) angesehen, den blutigsten Film, den ich je zu Gesicht bekam. Ich wollte herausfinden, was für eine Art von Kriegsfilmen man in diesen Tagen zeigt. Es ist ein furchterregender Streifen und sehr wohl geeignet, jedermann gegen den Krieg einzustimmen, doch meine ich, daß es nicht konstruktiv ist, dem amerikanischen Volk heute solche Filme vorzuführen. Wir wollen keine Nation, die Angst vor dem Krieg hat, wenn es sich als notwendig erweisen sollte, einen zu führen. Und All quiet on the Western Front wird mehr Menschen durch Furcht als durch den Intellekt gegen den Krieg aufbringen. Er wird nichts zum Mut unseres Landes beitragen. (Donnerstag, 19. Oktober 1939.)

Henry Ford, ein amerikanisches Genie

Ich habe mit [Henry] Ford über den Krieg gesprochen, die Situation der Industrie in Amerika, seine Ideen über die Dezentralisierung etc. Er ist eine Verbindung von Genie und Weltfremdheit, wobei das Genie eindeutig an erster Stelle steht. Ford ist ein großer Mann und eine konstruktive Kraft in diesem Land. Man kann nicht mit ihm reden, ohne neue Ideen und starke geistige Anregungen zu erhalten. Seine Größe wird durch seine Vision, seinen industriellen Erfolg sowie seine Interessen und Aktivitäten auf manchen anderen Gebieten bewiesen. (Donnerstag, 28. Dezember 1939.)

Menschliche Gesetze versus Naturgesetze

Die juristische Terminologie ödet mich stets an, doch ganz ohne sie geht es unter den Verhältnissen nicht ab, zu denen es die Juristen haben kommen lassen. Sie sind durch die Tradition und die Komplizierung der rechtlichen Verhältnisse so gebunden, daß sie eine so einzigartige Sprache sprechen wie ein Kleinkind, das eben erst angefangen hat zu reden und nur von seiner Mutter sowie seiner Amme verstanden wird. Doch beim Rechtswesen handelt es sich um eine zweite Kindheit. Warum können Männer mit einer ausgezeichneten Ausbildung - langes Studium an einem College usw. - ihre Gedanken und Vereinbarungen nicht in gutem Englisch bekanntgeben?

Manchmal teile ich die Dinge, die der Mensch tut, in zwei Gruppen ein: Jene, die den Naturgesetzen entsprechen müssen (wie etwa der Bau eines Flugzeugs) und jene, die durch keinen anderen Zwang gebunden sind außer dem, der den Ideen und Argumenten des betreffenden Menschen selbst entspringt. Natürlich fügt sich jede Tätigkeit - auch das Gesetz - letzten Endes in den Plan der Natur ein. Nur in seinen Gedanken kann sich der Mensch wirklich über die Naturgesetze hinwegsetzen.

Wie interessant und erleuchtend ist es doch, die Stromlinienform eines Flugzeugs mit den schwerfälligen, komplizierten und widersprüchlichen Kapiteln eines Gesetzbuchs zu vergleichen. Der Erfolg des einen ist eindeutig von der Natur abhängig, während der Wert des anderen von parteiischen Menschen eingeschätzt wird. Wie schön und einfach das Leben doch wirklich ist, und wie kompliziert es der Mensch doch zu machen versucht. Einerseits verehrt er Gott; andererseits versucht er Ihn zu verbessern. Dieser Trugschluß wird nur selten erkannt. (Dienstag, 30. April 1940.)

Der Irrsinn des Krieges

Für mich ist der schlimmste Aspekt dieses Krieges der Verlust an Erbgut für die betroffenen Länder. Und die besten Männer fallen im Krieg zuerst. Was für Auswirkungen dies hat, sieht man heute in England. Die Führer, die es haben könnte, starben im letzten Krieg. (Sonntag, 12. Mai 1940.)

Das Problem mit den Filmnachrichten

Fahndungsplakat während der Entführung von Lindberghs Sohn. Die Kontroverse über die Entführung des Lindbergh-Sohns will nicht enden. Obgleich der Deutschamerikaner Richard Bruno Hauptmann für die Entführung und Ermordung des Lindbergh-Babys auf den elektrischen Stuhl kam, sind viele seriöse Forscher heute der Ansicht, Hauptmann sei unschuldig gewesen. Zumindest eine von einem unabhängigen Ermittler durchgeführte Untersuchung gelangte zum Schluß, die weitgehend verweste Leiche, die man als die des Entführungsopfers identifiziert hatte, sei nicht die von Lindberghs Kind gewesen. Die Kontroverse dauert bis zum heutigen Tage an. Manche behaupten, die Entführung und die anschließende Fabrizierung falschen Beweismaterials gegen Hauptmann habe dem Ziel gedient, in der amerikanischen Psyche Haß auf die deutschsprachigen Völker zu erzeugen. In der Tat fand die Entführung zu einem Zeitpunkt statt, wo Adolf Hitler in Deutschland rasch an Popularität gewann und gewisse Kreise in den USA fieberhaft versuchten, ihm den Aufstieg zur Macht mit allen Mitteln zu versperren. Zwar gibt es - genau wie beim Kennedy-Mord von 1963 - alle möglichen, mehr oder weniger plausiblen Theorien, doch wird die volle Wahrheit der breiten Öffentlichkeit wohl nie zugänglich gemacht werden, obwohl - wiederum wie beim Kennedy-Mord - mit dem umfassenden Material zur Lindbergh-Entführung vertraute Forscher zu ihren eigenen Schlußfolgerungen gelangt sind, Medien-Desinformation hin oder her.

Alles in allem betrachtet sind meine persönlichen Gefühle gegenüber den Filmemachern nicht eben freundlich. Gewiß, die gegenwärtige Lage betrifft das Wohl des Landes und sollte nicht aufgrund persönlicher Gefühle entschieden werden. Doch was für Vorteile und Nachteile ergäben sich, wenn ich heutzutage in Filmen aufträte? Der Vorteil wäre, daß dadurch zusätzliche Millionen von Menschen erreicht würden. Zu den Nachteilen gehört, daß nur ein kleiner Teil meiner Aussagen im Film gesendet würde und ich nicht in der Lage wäre, die Regie zu kontrollieren. Die Nachrichtenagenturen könnten mein Bild und meine Rede zwischen zerstörten Städten und verstümmelten Leichen von Flüchtlingen zeigen. Wenn sie einmal einen solchen Film haben, können sie ihn zurechtschneiden und so benutzen, wie es ihnen gerade in den Kram paßt. Ich habe mich entschieden, nicht in Tonfilmen aufzutreten. (Sonntag, 19. Mai 1940.)

Essentielle Fragen werden ignoriert

Ich bin immer stärker beunruhigt angesichts der Strömungen und Zustände in diesem Land - der Oberflächlichkeit, der Schlampigkeit, des Mangels an Verständnis für fundamentale Probleme oder an Interesse dafür. Die Staatsschulden wachsen; wir mischen uns unklugerweise und unnötigerweise in den europäischen Konflikt ein; und wir scheinen unsere eigenen Grenzen nicht zu verstehen. (Samstag, 17. August 1940.)

Die Kontrolle der öffentlichen Debatte

[R. Douglas] Stuart sagt, es bereite ihm große Schwierigkeiten, Radiosendezeit für das America First Committee zu kaufen. Einige Radiostationen vertreten den Standpunkt, das Komitee engagiere sich in einer „umstrittenen Frage" und falle deshalb unter den Kodex, den sie gegen den Verkauf von Sendezeit für umstrittene Fragen erlassen haben. Es ist ja ein feiner Zustand, wenn die Frage nach Krieg und Frieden vor dem amerikanischen Volk nicht debattiert werden darf, weil sie „umstritten" ist. (Dienstag, 1. Oktober 1940.)

Nachrichten-Management

Die Filmstudios haben mich wieder gebeten, einen Teil meiner Ansprache vor der Kamera vorzulesen, nachdem ich sie im Rundfunk gehalten hatte. In der Vergangenheit habe ich ihre Bitten abgelehnt - zunächst wegen der Schwierigkeiten, die sie mir oft eingebrockt hatten, und - weitaus wichtiger - wegen des jüdischen Einflusses in den Filmstudios und der Feindseligkeit der Juden mir gegenüber. ... Doch befinden wir uns in einer kritischen Periode, und ich glaube, ich sollte die Chance nutzen. (Montag, 14. Oktober 1940.)

Privatleben versus Prinzip

Die Ansprache [meiner Frau gegen den Krieg] wurde von den Zeitungen herabgespielt. Es steht in allen nur sehr wenig darüber... Daß wir in diesem Fall die Aufmerksamkeit der Zeitungen wünschen, ist seltsam. Viele Jahre lang haben wir versucht, die Aufmerksamkeit der Presse zu vermeiden. Jahrelang haben wir uns geweigert, am Rundfunk zu sprechen, Erklärungen abzugeben, Interviews zu gewähren, an politischen Versammlungen teilzunehmen. Nun, heute morgen, sind wir enttäuscht, weil Annes Ansprache von gestern abend in den Zeitungen, die auf unserem Frühstückstisch liegen, nicht erwähnt wird. Wie können wir diese Haltung, diesen scheinbaren Mangel an Konsequenz rechtfertigen? Es geht nicht darum, daß es uns Freude macht, unsere Namen in der Zeitung zu sehen oder mehr denn zuvor im Rampenlicht zu stehen. Dies ist so unangenehm, wie es immer war, und erschwert uns das Leben; wir können nicht in Theater oder Restaurants gehen oder zusammen auf der Straße spazieren, ohne daß man uns anstarrt, uns nachläuft oder sonstwie behelligt. Wenn ich es analysiere, denke ich, daß die scheinbare Veränderung unserer Einstellung der Intensität unserer Gefühle für die Sache zuzuschreiben ist, die wir unterstützen.

Früher standen wir im Mittelpunkt, und die Aufmerksamkeit richtete sich wie ein grelles, gleißendes, unbarmherziges Scheinwerferlicht auf uns. Nun steht eine heranrückende Gefahr im Rampenlicht: Krieg, Hunger, Seuchen und Revolution. Unsere Aufmerksamkeit gilt den Dingen, die der Scheinwerfer erhellt. Sie sind so wichtig, daß die wenigen Strahlen, die sie in anderem Lichte erscheinen lassen, kaum noch bemerkt werden. Wir sind nicht länger die Objekte, auf die sich der Lichtstrahl richtet, sondern stehen selbst hinter und neben ihm, wobei wir versuchen, ihn so zu lenken, daß wir und andere in dieser Krise besser sehen und intelligenter handeln mögen. (Mittwoch, 25. Dezember 1940.)

„Weihnachten" versus Christus versus Christentum

Mir scheint, Weihnachten hat sich so weit von der Geburt Christi entfernt wie das Christentum von Seinen Lehren. Das Leitmotiv bei der Geburt Christi war Schlichtheit. Das Leitmotiv des heutigen Weihnachtsfestes ist Luxus. Geburt und Leben Christi waren von mystischen Dingen umgeben. Das Weihnachtsfest und das Christentum von heute sind von materiellen Dingen umgeben. Manchmal wünsche ich mir, in unserem Heim ein Weihnachtsfest zu feiern, das dem wahren Geist und der wirklichen Bedeutung jenes Tages vor 2000 Jahren gerecht wird - ein Weihnachtsfest ohne Flitter, ohne Krimskrams, ohne bändergeschmückte Schachteln, gerösteten Truthahn und süße Kartoffeln; ein Weihnachtsfest, das in seiner Einfachheit rein ist wie der Himmel und die Sterne, ein Fest der Seele statt des Leibes. Es müßte fast das Gegenteil eines modernen Weihnachtsfestes sein. Man sollte zu wenig essen statt zu viel, niemanden treffen statt jedermann, das Fest schweigend begehen statt redend. Weihnachten sollte ein Tag sein, der uns Gott und der Philosophie Christi näher bringt. (Mittwoch, 25. Dezember 1940.)

Jagen, um zu überleben

Es macht mir nichts aus, ab und zu einen Vogel zu schießen und zu verzehren, besonders wenn ich auf einer Expedition bin, und ich habe großen Spaß am Scheibenschießen mit der Flinte oder dem Jagdgewehr. Doch das Vergnügen, das viele dabei empfinden, wenn sie etwas Glückliches und Schönes vom Himmel niedersinken und mit den Flügeln schlagen sehen, kann ich nicht begreifen. (Donnerstag, 26. Dezember 1940.)

Kulturelle Unterschiede

Ich beginne zu fühlen, daß die Welt in zwei Menschengruppen zerfällt (wie einfach ist es doch, um der Bequemlichkeit der momentanen Argumentation willen Probleme in zwei Teile aufzugliedern): Jene, die von Natur aus allem und jedem gegenüber mißtrauisch sind, und jene, die es nicht sind. Meiner Erfahrung nach macht es den Anschein, daß lateinisches (und asiatisches) Blut zum Mißtrauen neigt, während nordisches Blut dazu tendiert, sich von ihm fernzuhalten. Persönlich ziehe ich es vor, unter Menschen zu sein, die nicht allem im Leben mißtrauen. Und ich denke, daß die „mißtrauischen" Menschen tatsächlich öfter im Unrecht sind als die anderen. (Dienstag, 4. Februar 1941.)

Ein Flieger betrachtet den Mond

Oben: Lindbergh war seit seiner Kindheit nicht nur vom Fliegen fasziniert, sondern auch von der Raumfahrt. Dieses Bild zeigt ihn zusammen mit Wernher von Braun während eines Vortrages.

Rechts: Zu Beginn des US-Raketenprogramms posiert der Physiker Robert H. Goddard für ein Lichtbild, flankiert von zwei seiner stärksten Befürworter. Zu seiner Rechten Charles Lindbergh, mit den Händen in den Hosentaschen.

Ein riesiger, blutroter Mond ist heute abend aufgegangen. Er erinnerte mich an Europa und bombardierte Städte. Wenn immer ich den Mond sehe, denke ich nun an die Bombardierungen, die sich dort abspielen. Wenn der Mond hier aufgeht, steht er hoch über Europa, und Bomben fallen fast sicher auf englische und deutsche Städte. (Freitag, 11. April 1941.)

Überleben des Westens

Manchmal bin ich fast versucht zu sagen: „Bitteschön, treten wir in den Krieg ein, wenn ihr so erpicht darauf seid. Dann tragt ihr aber die Verantwortung dafür." Im Vergleich zu der Arbeit, die ich nun tue, wäre das Kämpfen ein Spaß. Doch mein Verstand sagt mir, daß wir besser unsere eigenen Probleme bewältigen und Europa die seinen lösen lassen, ohne uns in diesen Krieg einzumischen. Mir liegt die westliche Zivilisation am Herzen, und mir liegt meine Rasse oder Kultur oder wie man es auch immer nennen mag am Herzen, und es liegt mir am Herzen, in was für einer Welt meine Kinder leben werden. Darum werde ich wahrscheinlich zu den Pazifisten stehen, wenn nötig auf meine Kommission verzichten und niemals bereuen, so gehandelt zu haben. Dieser Krieg ist ein Fehler; wir werden nur ein Desaster heraufbeschwören, wenn wir uns in ihn verwickeln lassen; wir werden weder Europa noch uns selbst einen Gefallen tun, und deshalb werde ich mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, daß wir neutral bleiben.

Niemand, nicht einmal Deutschland, trug größere Verantwortung für die Zustände, die zu diesem Krieg geführt haben, als England und Frankreich. Sie haben den Krieg erklärt, ohne uns auch nur zu konsultieren. Wäre es möglich, ihnen zum Sieg zu verhelfen, so wäre das Ergebnis wahrscheinlich ein neues Versailles. Europa muß seine Familienangelegenheiten selbst in Ordnung bringen. Unsere Einmischung käme einfach einer weiteren Verschiebung gleich, so wie es im letzten Krieg der Fall war. Europa sieht sich Korrekturen gegenüber, die einfach unternommen werden müssen, und nur es kann herausfinden, welcher Art sie zu sein haben. (Freitag, 25. April 1941.)

Wer ist für den Krieg?

Die Kriegstreiberei schlägt immer höhere Wellen. Das Volk ist dagegen, doch die Regierung scheint hier „ein Eisen im Feuer" zu haben und arbeitet wie wild auf unseren Kriegseintritt hin. Die meisten jüdischen Interessen in diesem Land treten für den Krieg ein, und sie kontrollieren einen enorm großen Teil unserer Presse und unseres Rundfunks sowie die meisten unserer Filmstudios. Dann gibt es auch die „Intellektuellen", die „Anglophilen" und die britischen Agenten, die Narrenfreiheit genießen, die internationalen Finanzinteressen sowie viele andere. (Donnerstag, 1. Mai 1941.)

Knapp einem Skandal entronnen

Wir wurden am Flughafen von Minneapolis von verschiedenen Vertretern des örtlichen America First Committee abgeholt und zum La Salle Hotel gefahren, wo man mir die „Nordische Suite" zuwies. Was für Presseschlagzeilen das abgeben könnte! Doch „nordisch" heißt hier nicht dasselbe wie im Osten. In Minnesota hat das Wort „nordisch" keinen antisemitischen Beigeschmack. Die Situation läßt sich vermutlich unter Kontrolle halten, weil, wie ich bald nach meiner Ankunft erfuhr, Lord Halifax [ein britischer Diplomat] und seine Begleiter in derselben Suite untergebracht waren und erst gestern abgereist sind. (Samstag, 10. Mai 1941.)

Volk versus Presse

Wenn ich an diesen Versammlungen teilnehme, empfinde ich, daß, wenn das Land vom Volk regiert wird, wir uns fraglos nicht an diesem Krieg beteiligen werden. Ich habe immer dieses Gefühl, wenn eine unserer Versammlungen vorbei ist; doch ich weiß, daß ich morgen oder übermorgen, wenn ich die Falschinformationen und die Propaganda in unseren Zeitungen lese, mich fragen werde, ob das Volk einer solchen Gehirnwäsche endlos widerstehen kann. Und selbst wenn es dies fertigbringt - wird die Volksmeinung ausreichen, um uns aus dem Krieg herauszuhalten? Was ist stärker, das Geld und die Macht und die Propaganda, die uns in den Krieg treiben, oder der Wille des Volkes, neutral zu bleiben? (Samstag, 10. Mai 1941.)

Anbiederung bei Kindern

Es gibt nichts Schlimmeres, als einer Gruppe von Kindern gegenüberzustehen, wenn man keine Pläne für ihre Unterhaltung geschmiedet hat. Ich gehöre nicht zu jenen Politikern, die ihnen die Köpfe streicheln und erzählen, was für prächtige Jungens und Mädels sie doch sind. Ich erinnere mich, wie ich dies als Kind empfand, und ich habe zuviel Respekt vor ihnen und mir selbst, um dies zu tun. (Montag, 23. Juni 1941.)

Eine voreingenommene Presse

Die amerikanischen Presseberichte über den Krieg sind derart voreingenommen und wirr, daß es nahezu unmöglich ist, sich ein objektives Bild zu machen. Berichte aus Rußland kommen in die Schlagzeilen, während solche aus Deutschland heruntergespielt werden, obgleich sie bestimmt die wahrheitsgetreusten sind. Die Folgen der von der Royal Air Force geflogenen Bombenangriffe über dem [europäischen] Kontinent werden übertrieben, jene der deutschen Luftangriffe auf England untertrieben. Folglich gewinnt man den Eindruck, daß das von unseren Zeitungen gezeichnete Bild der Situation Englands weitaus günstiger ist als die Wirklichkeit. (Samstag, 28. Juni 1941.)

Medienlügen und Falschinformation

Die Zeitungen geben meine Ansprache auch weiterhin falsch wieder und reißen Sätze aus ihrem Zusammenhang. Manchmal ist das, was sie in Anführungs- und Schlußzeichen setzen, frei erfunden und weist noch nicht einmal eine entfernte Ähnlichkeit mit dem auf, was ich sage, ja nicht einmal mit dem, was ich glaube. (Donnerstag, 3. Juli 1941.)

Häufigkeit versus Präzision

Persönlich spreche ich lieber weniger oft und dafür besser vorbereitet. Die meisten meiner Freunde wollen, daß ich öfter und dafür weniger sorgfältig vorbereitet rede. (Sonntag, 6. Juli 1941.)

Abgehörte Telefone

Hauptmann Smith (vom America First Committee) kam um halb vier. Er hatte angerufen, um mir mitzuteilen, daß er eine dringende Botschaft habe, die er persönlich übermitteln müsse. Der Inhalt dieser Botschaft ist, daß das FBI letzten Samstag begonnen hat, unser Telefon anzuzapfen, und es permanent abhört. Die FBI-Männer sind uns laut Smith alles in allem freundlich gesinnt und befolgen einfach Befehle. Smith sagt, die Telefone der Leute vom America First Committee würden auch abgehört. Ich habe ihm gesagt, er möge allen Mitgliedern des Komitees mitteilen, wir hätten nichts zu verbergen, und wenn unsere Telefone abgehört würden, sollten wir künftig deutlicher sprechen und nicht weniger deutlich. Ich bat ihn, seinen Freunden im FBI mitzuteilen, wenn sie irgend etwas in meinen eigenen Ferngesprächen nicht verstünden, würde ich ihnen zusätzliche Informationen liefern. Hauptmann Smith behauptet, sicher zu sein, daß die Telefone angezapft worden sind; er habe diese Nachricht von Freunden im FBI erhalten, die mir gegenüber ebenfalls freundschaftliche Gefühle hegten. Persönlich halte ich es für wahrscheinlich, daß wir abgehört werden, bin mir aber nicht ganz sicher. Mich interessiert hauptsächlich, ob diese Taktik von der Regierung angewendet wird oder nicht. (Montag, 7. Juli 1941.)

Drei Gruppen hetzen zum Krieg

Als ich [in einer Rede in Des Moines] die drei wichtigsten Gruppen erwähnte, die zum Krieg hetzen - die Briten, die Juden und die Roosevelt-Regierung -, schien das ganze Publikum aufzustehen und zu applaudieren. In jenem Augenblick war jede möglicherweise vorhandene Opposition wie hinweggefegt. (Donnerstag, 11. September 1941.)

Das Thema, über das man nicht sprechen darf

Meine Rede in Des Moines hat so hohe Wellen geschlagen, daß General [Robert] Wood beschlossen hat, in Chicago eine Veranstaltung des America First National Committee durchzuführen. Ich muß natürlich daran teilnehmen. Mir schien es, daß ich den Text meiner Ansprache in Des Moines sorgfältig und gemäßigt formuliert hatte. Anscheinend kann man heute in Amerika über fast alles diskutieren außer über die Judenfrage. Allein schon die Erwähnung des Wortes „Jude" löst einen Wirbel aus. Persönlich bin ich der Ansicht, daß die einzige Hoffnung auf eine moderate Lösung in einer offenen und freimütigen Diskussion liegt. (Montag, 15. September 1941.)

Charles Lindbergh schreibt in einer Eingeborenenhütte
auf den Philippinen, 1970

Private Offenheit versus öffentliche Zurückhaltung

John Flynn [der Führer des America First Movement] kam um elf Uhr, und wir unterhielten uns eine Stunde über die Lage. Flynn meint, er bestreite die Wahrheit meiner in Des Moines gemachten Aussagen nicht, doch sei es seiner Ansicht nach nicht ratsam gewesen, das Judenproblem aufs Tapet zu bringen. Es fällt mir schwer, Flynns Einstellung zu begreifen. Er ist genau wie ich davon überzeugt, daß die Juden zu den einflußreichsten Kräften gehören, die unser Land in den Krieg verwickeln wollen. Er hat dies schon oft gesagt und wiederholt es jetzt. Er ist durchaus geneigt, privat vor einer kleinen Gruppe von Menschen darüber zu reden. Doch anscheinend nähme er lieber unseren Kriegseintritt hin, als öffentlich darauf hinzuweisen, was die Juden treiben, egal in wie tolerantem und moderatem Ton es gesagt wird. (Donnerstag, 18. September 1941.)

Katholische Führer gegen den Krieg

Nach dem Treffen sind wir ins Hotel zurückgekehrt. Bis 12.30 Uhr kamen Menschen in unser Zimmer. Pater [John] O'Brien [von der Notre Dame University] zeigte mir ein eben erhaltenes Telegramm, aus dem hervorging, daß laut einer Meinungsumfrage bei höheren katholischen Würdenträgern 90% von ihnen gegen den Kriegseintritt sind. (Freitag, 3. Oktober 1941.)

Öffentliche Meinung versus Kriegspropaganda

Stärke und Einfluß [der America First Movement] nehmen rasch zu, doch die Macht unserer Widersacher ist groß. Das Erstaunliche ist nicht, daß wir so nahe am Abgrund des Krieges stehen, sondern daß wir die Kriegsgurgeln so lange im Zaun halten konnten. Zu ihnen gehören die amerikanische Regierung, die britische Regierung, die Juden sowie der Hauptteil der Presse, des Rundfunks und der Filmindustrie in diesem Land. Auf unserer Seite stehen die Volksmassen, doch es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange die Menschen der Propagandaflut widerstehen können, welche das Land überströmt. Sie haben keine zuverlässige Informationsquelle, an die sie sich wenden könnten. Und ganz unabhängig von der Haltung unseres Volkes stellt sich die Frage, ob der Präsident uns in den Krieg hineinziehen wird, indem er Handlungen begeht und Zwischenfälle provoziert, die den Krieg unvermeidlich machen. Er befindet sich in einer Position, in der er uns den Krieg aufzwingen kann, ob wir ihn nun wünschen oder nicht. (Samstag, 4. Oktober 1941.)

Die Wahrheit sagen

[Ex-Präsident Herbert] Hoover sagte mir, seiner Ansicht nach sei meine Ansprache in Des Moines ein Fehler gewesen (die Erwähnung der Juden zusammen mit anderen kriegstreiberischen Gruppen). Ich erwiderte, nach meiner Meinung seien meine Bemerkungen sowohl gemäßigt als auch wahr gewesen. Er entgegnete, wenn man lange genug in der Politik gewesen sei, lerne man, Dinge nicht einfach deswegen auszusprechen, weil sie wahr seien. Doch schließlich bin ich kein Politiker, und dies ist einer der Gründe dafür, daß ich keiner sein will. Ich sage lieber, was ich denke, wenn ich es zu sagen wünsche, als jede Aussage, die ich von mir gebe, an ihrer wahrscheinlichen Popularität zu messen. (Montag, 6. Oktober 1941.)

Lindbergh posiert mit dem konservativen US-Präsident Richard M. Nixon, um für eines der Hauptanliegen Lindenberghs zu werben: Die „Konservierung" von Kultur und Natur.

Die Berichterstattung über den Krieg

[Paul] Palmer [ein Herausgeber von Reader's Digest] meint, einer der Gründe dafür, daß die Zeitungen ein derart schiefes Bild vom Krieg vermitteln, sei folgender: Die Herausgeber hätten bemerkt, daß immer, wenn sie in Schlagzeilen über die Erfolge der Achse berichten, die Verkaufszahlen an den Zeitungskiosken sinken. Deshalb versuchen sie nun ständig, irgendeinen alliierten Erfolg aufzustöbern, den sie in Schlagzeilen vermarkten können, mag er auch noch so unbedeutend sein. (Mittwoch, 8. Oktober 1941.)

Pearl Harbor

Der Rundfunk berichtet, daß Japan die Philippinen und die Hawaii-Inseln angegriffen hat und daß Pearl Harbor bombardiert worden ist. Ein Angriff auf den Philippinen war zu erwarten, obwohl ich nicht dachte, daß er schon so früh erfolgen würde. Aber Pearl Harbor! Wie konnten die „Japsen" bloß nahe genug herankommen, und wo ist unsere Flotte? Oder handelt es sich bloß um einen Überraschungsangriff einiger weniger Flugzeuge, der von den Radiokommentatoren zu einem gewaltigen Schlag aufgebauscht wird? Die Japaner sind natürlich in der Lage, Hawaii oder sogar die Westküste mit ihren Flugzeugträgern zu attackieren. Doch die Verluste an Flugzeugträgern und Flugzeugen werden fürchterlich hoch sein, außer wenn unsere Flotte schläft - oder sich im Atlantik herumtreibt. Mich beschäftigt die Frage: Ein wie großer Teil davon ist in den Atlantik geschickt worden, um Großbritannien zu helfen? (Sonntag, 7. Dezember 1941.)

Die Hintertür zum Krieg

Habe General [Robert] Wood in Boston angerufen. Seine ersten Worte waren: „Nun ja, [Präsident Roosevelt] hat uns durch die Hintertür hineingeführt." ... Der Präsident sprach um 12 Uhr. Verlangte eine Kriegserklärung. Der Senat erließ einstimmig eine Kriegserklärung. Die einzige Nein-Stimme wurde im Repräsentantenhaus abgegeben. Was hätte man denn sonst noch tun können? Wir haben seit Monaten den Krieg gewollt. Hätte der Präsident vorher eine Kriegserklärung gefordert, so denke ich, daß der Kongreß ihm diese mit großer Mehrheit verweigert hätte. Doch nun sind wir angegriffen worden, und zwar in unseren heimischen Gewässern. Wir haben es selbst heraufbeschworen, aber unter diesen Umständen sehe ich keine andere Möglichkeit, als zu kämpfen. Wäre ich im Kongreß gewesen, so hätte ich sicherlich für eine Kriegserklärung gestimmt. (Montag, 8. Dezember 1941.)


Michael Collins Piper ist der Verfasser von Final Judgement: The Missing Link in the JFK Assassination Conspiracy sowie Best Witness, einem Buch über die Mermelstein-Affäre. Er arbeitet heute als Korrespondent für die Zeitung American Free Press mit Sitz in Washington, D.C.

Mit freundlicher Genehmigung entnommen der Barnes Review, 8(1) 2002, S. 55-62. Übersetzt aus dem Englischen von Jürgen Graf

Anmerkungen

[1]Bildquellen: The Barnes Review; www.mnhs.org/places/sites/lh; www.charleslindbergh.com/kidnap/index.asp; .../pictures/index1.asp
[2]Entnommen der Biographie Lindbergh von A. Scott Berg, Putnam, New York 1998.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(3) (2002), S. 314-321.


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