Auch Kulturrevisionismus ist dringend erforderlich

Betrachtungen rund um das Lebenswerk des Dichters und Denkers Heinz Mahncke

Von Wilhelm Wesselburen

Wie bekannt, entstand der Revisionismus, der sich mit Geschichtslügen beschäftigte, daraus, daß die Sieger 1945 ein erlogenes Geschichtsbild verordneten, das in sehr vielen Bereichen, weil unwahr, der gründlichen Revision durch Geschichtsforscher in der ganzen Welt bedurfte. Die Fragen in diesem Bereich sind handfester und greifbarer als jene im Bereich der Kultur. Das darf aber nicht bedeuten zu übersehen, daß 1945 im Rahmen der verordneten Umerziehung auch alle kulturellen Werte, die bis zu diesem Zeitpunkt galten, ausgelöscht wurden. Für diese Bemühungen steht die Frankfurter Schule in nahezu allen Lebensbereichen, aber ebenso gehört in den Rahmen dieser Bemühungen die Verbotsliste der alliierten Mächte, die alles in allem 40.000 Buch- und Zeitschriftentitel enthielt und die in ihrer Wirkung einem nahezu vollständigen Kahlschlag nicht zuletzt auch der deutschen Literatur entsprach. Nur wer sich die Summe der Schreibverbote, der Literaturvernichtung und des Lizenzzwanges in den Medien einmal deutlich vor Augen hält, wird erkennen, welch ein Schaden auch an der kulturellen Lebenssubstanz des deutschen Volkes, aber auch anderer Völker Europas angerichtet worden ist.

In der Geschichte des Abendlandes hat es gewiß immer einmal wieder für Dichter und Philosophen Einschränkungen oder Verengungen der geistigen Freiheit gegeben. Es würde zu weit führen, alle Beispiele für solche Unterdrückungen im Laufe der abendländischen Geschichte anzuführen. Um dies gewissenhaft und gründlich darzustellen, wäre ein vielhundertseitiges Buch erforderlich. Alles in allem darf aber festgestellt werden, daß es nicht zuletzt auch als Folge der verschiedenartigen Herrschaftsverhältnisse in Europa immer wieder gleichsam Schlupflöcher für jene Dichter und Denker gab, die man heute Dissidenten nennen würde. So konnte die Unterdrückung des jüdischen Denkers Baruch Spinoza in Holland nicht vollständig gelingen, weil gleichzeitig deutsche Philosophen wie Leibniz, später Johann Wolfgang von Goethe und im vorigen Jahrhundert der deutsche Dichter und Philosoph Erwin Guido Kolbenheyer mit seinem Roman Amor Dei verhinderten, daß das Lebenswerk Spinozas unter dem Schweigetuch des Vergessens versteckt wurde. Es gab also immer Lücken im Bereich der Unterdrückung.

Drosselsang

Die Drossel singt den Abend ein
Und sitzt auf dem Antennenkreise,
Der Rosenbusch trinkt Sonnenschein,
Und alles Laute wird jetzt leise.

Die Drossel singt so manchen Tag
Und ihr Gesang ist bald verloren
Fragt nicht, ob ich es hören mag,
Lauscht nicht dem Beifall lauter Toren.

Die Drossel singt und hält nicht ein
Wirft unentwegtes helles Klingen
Hoch in das Himmelsblau hinein,
Möcht' es der Nacht zum Opfer bringen.

Nach 1945 war es jedoch so, daß es als Folge des Lizenzierungssystems und der sich daraus ergebenden vollständigen Beherrschung des Verlagswesens, der Medien und auch des Buchhandels für deutsche Autoren, die sich dem geistigen Terror der Nachkriegszeit nicht beugen wollten, kaum einen Weg in die Öffentlichkeit gab. Der bereits erwähnte deutsche Dichter und Denker Kolbenheyer, der Herkunft nach Sudetendeutscher, erreichte noch vor dem ersten Weltkrieg mit einigen ersten Arbeiten einen frühen Ruhm. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges, wurde er als Autor von seinem damaligen Wohnort Tübingen aus weithin bekannt. Er erhielt für seinen Paracelsus-Roman die Ehrendoktorwürde der Tübinger Universität. Sein Drama Heroische Leidenschaften wurde in Düsseldorf uraufgeführt. Hindenburg verlieh ihm die Goethe-Medaille. Dies wurde möglich, wiewohl gleichzeitig Teile des deutschen Theaterwesens, insbesondere in Berlin, in Hände geraten waren, die sich der Aufführung eines Kolbenheyer-Dramas mit Entsetzen entgegenstellten. Die Verhältnisse waren jedoch nicht einheitlich negativ. Der Schriftsteller Ernst von Salomon, lange Zeit mit dem namhaften Rowohlt-Verlag verbunden, schrieb einmal in seiner etwas ironischen Weise, daß er in den zwanziger Jahren die deutsche Literatur in die Gruppe der Dichter mit Auto und die Dichter mit Landhaus einteile. Die Dichter mit Auto waren für ihn die oft brillant schreibenden, meistens linksliberalen Autoren, eben auch jene, die manche großstädtische Bühne in der Weimarer Republik besetzt hielten. Die Dichter mit Landhaus waren selbst dann, wenn sie ein solches nicht besaßen, jene, die sich dem bodenständigen Volk, der volkstreuen Kultur, dem deutschen Familienleben und mehr oder weniger auch der Vaterlandstreue verbunden fühlten, also Männer wie Rudolf G. Binding, Hermann Burte, Werner Beumelburg und nicht zuletzt Hans Grimm. Nach 1945 gab es, wenn man bei dieser Bezeichnung einmal bleiben will, für die Dichter mit Landhaus keinerlei Freiraum mehr. Man kann ganz sicher behaupten, daß weder ein Kolbenheyer noch ein Hans Grimm in der Zeit der totalen Geistesunterdrückung seit 1945 auch nur ein einziges Buch in einem „normalen" Verlag hätten veröffentlichen können.

Wie sollte es da jenen deutschen Nachwuchsdichtern gehen, die in die Geistesunterdrückungszeit seit 1945 hineingeboren wurden und für die es noch nicht einmal einen Bekanntheits- und Ruhmesvorlaufsgrad geben konnte, von dem die nach 1945 allesamt Unterdrückten auf der Liste der 40.000 immerhin noch profitieren konnten. Es ist wohl kaum möglich, die oft mehr als tragischen Schicksale jener volkstreuen Nachkriegsdichter und -denker zu schildern, weil oft selbst Wohlgesonnene als Folge der Totalunterdrückungs- und Totschweigesituation von solchen Frauen und Männern nichts erfahren konnten.

Heldengedenktafel in Matrei/Osttirol

Unter dem Kreuze mahnen Namen,
schon hört man auch den schrillen Ton,
wie über uns Granaten kamen
und Todesschrei im roten Mohn.

Einst waren sie in uns’rer Mitte,
liebten das gleiche Vaterland,
marschierten sie vieltausend Schritte
durch Wälder hin, durch Sumpf und Sand.

Nun steht vor mir und meinem Kinde
das Kreuz an dunkler Felsenwand.
Es fragt in seinem Unverstand,
was mich mit jenem Mal verbinde:

Mein Kind, das deutsche Sehnsuchtsland,
das einmal uns’re Hände band.

Diese Gesamtdarstellung ist nötig, wenn jetzt von dem umfassenden Lebenswerk des mittlerweile 77jährigen deutschen Dichters und Denkers Heinz Mahncke berichtet werden soll. Zunächst von den theoretischen Schriften Gotthold Ephraim Lessings geschult und angetrieben von eigenen dichterisch-denkerischen Vorstellungen, veröffentlichte Heinz Mahncke alles in allem etwa zwanzig klassische Fabeln, die bereits lange in die Reihe hineingehörten, die mit dem Griechen Äsop begann. Nach dem Kriege schrieb Heinz Mahncke drei Dramen, die jedoch bei seiner geistigen Grundhaltung allesamt nicht in den Umerziehungsungeist eingefügt werden konnten. Da half es Heinz Mahncke wenig, daß er von einem Dichter aus Österreich als größter lebender Dramatiker bezeichnet wurde, nachdem dieser den Text eines seiner Dramen gelesen hatte. Auch frühe Anerkennungen einiger halb unabhängiger Nachkriegsbühnen konnten dem Autor nicht helfen, weil solche Anerkennung stets zugleich mit der Unmöglichkeitserklärung verbunden war, daß ein volkstreues Drama in der Nachkriegsliteratur nicht durchsetzbar sei. Ähnlich ging es bekanntlich noch Anfang 1960 dem immerhin nicht ganz unbekannten Hans Baumann mit seinem Drama Im Zeichen der Fische, das von der mutigen Hamburger Jungen Bühne aufgeführt wurde, dann aber unter dem sofort einsetzenden Trommelfeuer der Lizenzmedien nach wenigen Aufführungen wieder aus dem Programm genommen werden mußte.

Heinz Mahncke hat sich durch alle diese Schwierigkeiten nicht davon abhalten lassen, sein Lebenswerk unbeirrt fortzusetzen; ein Lebenswerk, das mittlerweile aus etwa 200 Gedichten, 20 Fabeln, einem Dutzend Erzählungen, sechs Romanen, dem Grundlagenbuch Liebe gegen sexuelle Revolution und vielen tausend politischen Grundsatzbeiträgen besteht. Auch in diesem Bereich stand der Ungeist der Unterdrückung dem entgegen, daß Heinz Mahncke einen größeren Bekanntheitsgrad gewann, weil wichtige kulturpolitische Aufsätze im Ostpreußenblatt aus Sorge vor Verboten nur unter dem Pseudonym Fritz Ragge erscheinen konnten. Einen leichten Anfangserfolg erzielte Heinz Mahncke mit seinem 1960 im Hamburger Holsten Verlag erschienenen Roman Der einsame Ruf. Dieser Roman behandelt, historisch mit akribischer Genauigkeit geschrieben, das Lebensschicksal des Nürnberger Buchhändlers Johann Philipp Palm. Seine Kampfschrift Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung, sowohl gegen die Eroberungssucht Napoleons als auch gegen die kriecherische Haltung insbesondere der deutschen Rheinbund-Fürsten gerichtet, erregte großes Aufsehen. Auch viele Spießbürger, wie immer ängstlich, rümpften über Palm die Nase. Bekanntlich (?) wurde Palm 1806 in Braunau auf Befehl Napoleons erschossen. Zu diesem Roman bekam Heinz Mahncke doch immerhin 50 Pressebesprechungen, sogar durch Axel Springer und das Hamburger Abendblatt. Der erste Adenauer-Preisträger Bernd von Heiseler bezeichnete den Mahncke-Roman Der einsame Ruf als ein Werk von ernster Kraft und Glaubwürdigkeit.

Aus dem Kreis der ebenfalls unterdrückten Dichter und Denker erhielt Mahncke bereits sehr früh Hilfe und Anerkennung. Er war seit 1950 ein regelmäßiger Mitarbeiter der Zeitschrift Nation Europa, ebenso schrieb er für die erste volkstreue Studentenzeitschrift Student im Volk. Die beiden in der Nachkriegszeit ebenfalls unterdrückten, aber aufgrund ihres vorherigen Ruhmes noch bekannten Dichter Hans Grimm und Herbert Böhme luden ihn zu öffentlichen Vorlesungen ein. Mit Fug und Recht konnte Heinz Mahncke insbesondere die Einladung zu dem von Hans Grimm begründeten Lippoldsberger Dichtertag als eine frühe Ehrung seiner dichterischen Arbeiten betrachten. Wir wissen von ihm, daß er 1953 zum ersten Mal in seinem Leben mit beträchtlichem Lampenfieber vor den seinerzeit noch sehr zahlreichen Lippoldsberg-Hörern vortragen durfte. Er stand als noch nicht Dreißigjähriger neben namhaften Geistesgrößen, wie Hans Grimm, Will Vesper, Moritz Jahn und Hermann Claudius am Vortragspult. Ähnlich ging es ihm nach Einladungen durch das Deutsche Kulturwerk des Professors Herbert Böhme in München, in Villingen im Sauerland und anderen Orten. So kam es, daß Heinz Mahncke sich in jener Zeit bereits in den Kranz der volkstreuen Dichter aufgenommen fühlen durfte. Er lernte dabei zahlreiche wichtige Frauen und Männer kennen. Dies war zeitweilig für Heinz Mahncke in mehr als einer Hinsicht eine tröstlich hilfreiche Periode, weil er mehr als einmal auch an geistig wichtigen Gesprächen mit bereits vor 1945 anerkannten Schriftstellern und Philosophen teilnehmen konnte. Diese hilfreichen Verbindungen reichten zeitweilig von dem Literaturhistoriker Professor Cysarz, der namhaften Musikerin Ilse Tilsen-Höger, dem Massenpsychologen Hans Domizlaff, Winifred Wagner bis zu der Frau des norwegischen Dichters Knut Hamsun. Nicht zuletzt diese Lebensumstände ermutigten Heinz Mahncke immer wieder, auch seinerseits mit eigenen Arbeiten hervorzutreten. Besonders bedeutsam dürften dabei folgende Romane sein: Gesa als erbbiologischer Entwicklungsroman einer Künstlerin, Das Mädchen in Berlin, eine dichterische Vertiefung der Teilung Berlins im Zusammenhang mit der Liebe einer Frau zu einem West- und einem Ostberliner, der Roman Volk in Not. Kürzlich veröffentlichte Heinz Mahncke, der sich entschlossen hat, sein Lebenswerk in insgesamt acht Bänden noch einmal gesammelt für die Nachwelt vorzulegen, im IV. Band seiner Gesammelten Werke den Roman Das Dorf als Welt oder Wie Heinrich versucht, ein Mann mit Eigenschaften zu werden. Dieser mit viel Ironie, aber auch mit Tiefenblick geschriebene Roman, bewirkte schon in wenigen Tagen nach der Veröffentlichung einerseits aus München die Bekundung, der Leser habe sich angesichts der treffenden Ironie über den sogenannten Antirassismus nahezu totgelacht, und von einer jungen Rechtsanwältin einen Brief, der hier in vollem Wortlaut eingeschaltet werden soll:

»Nun habe ich mich endlich daran gemacht, Ihre Gesammelten Werke - Band IV mit dem Roman „Das Dorf" zu lesen. Ich muß gestehen, daß ich mit den ersten 150 Seiten etwas Mühe hatte. Dann aber wurden die vielen Figuren so lebendig und deutlich, daß ich nicht mehr mit dem Lesen aufhören konnte und das Buch bis zum Ende verschlang.

Da ich die siebziger Jahre erlebt habe, habe ich sie in Ihrem Roman vollständig wiedererkannt. Verschiedene Personen in dem "Dorf" könnten meine Lehrerinnen, Eltern von Mitschülerinnen oder Bekannte gewesen sein, die Auseinandersetzungen der Personen über Lebensweise, Moral, Politik, Umweltschutz usw. habe ich so ähnlich auch selbst geführt oder erlebt. Ihr Roman ist daher ein sehr lebensgetreues Bild dieser Zeit.

Da Sie Personen und ihre Meinungen überwiegend kritisch darstellen, werden Ihnen diese Gruppen, also die Gewerkschaften, die Sozialdemokraten, die Emanzen, die Spießer, die Emporkömmlinge, die Stromlinienförmigen usw. Ihren Roman übelnehmen. Da Sie aber auch sehr locker über sexuelle Dinge schreiben und die Figur des Dr. Hirschfeld und seine Religionszugehörigkeit positiv darstellen, werden Ihnen dies manche rechtsgerichtete Personen ebenfalls übelnehmen. Sie haben sich mit diesem Roman also wieder einmal zwischen alle Stühle gesetzt. Dies ist aber eine Lage, die einem unabhängigen Denker und Künstler zu allen Zeiten und also auch heute gut ansteht.

Erschreckt hat mich, mit welchen grundsätzlichen und tiefgehenden Dingen Sie sich in dem Roman befassen, und ich erinnere mich, daß dies zur damaligen Zeit vielfach üblich war. Ich frage mich, wo es heute die Möglichkeit gibt, über die schnellebigen und eher oberflächlichen Tagesereignisse hinaus solche Fragen erörtern zu können? Erschreckt hat mich weiter, daß in Ihrem Roman deutlich wird, daß die in den siebziger Jahren maßgebenden, überwiegend „spießigen" Personen durchaus noch gewisse „normale" Verhaltensweisen und Moralvorstellungen hatten und lebten, die heute bereits als „unanständig" oder „faschistoid" gelten, weil die damals „armen" und in der Opposition stehenden „linken" Personen heute nicht mehr die Opposition bilden, sondern vielfach an den Hebeln der Macht sitzen. Wenn zwar glücklicherweise die Zonengrenze und der Ost-West-Gegensatz heute nicht mehr vorhanden sind, so ist doch dieser Wandel für unser Volk besonders gefährlich.

Ich wünsche Ihnen daher, daß Sie noch einen zweiten Band oder einen Anhang schreiben können, der die Verhältnisse heute aufzeigt. Sicherlich ist Ihr Roman für den heutigen oberflächlichen und auf die „Neuen Medien" ausgerichteten Menschen zu schwere Kost. Ich hoffe aber, daß wieder Zeiten kommen werden, in denen Menschen wieder mehr Muße haben werden, zu lesen. Dann wird Ihrem Roman der Erfolg beschieden sein, den er verdient.«

Fortschritt

„Jetzt bin ich wieder ganz neu", sagte die Schlange,
als sie mit verächtlicher Gebärde
den letzten Rest ihrer alten Haut abgestreift hatte,
und vergaß darüber ganz, daß ihr neues Kleid

nur unter dem Schutze des alten gewachsen war.
Aber so vergeßlich sind eben die Schlangen

ganz allein auf dieser Welt, nicht wahr?

Eine nationale Zeitschrift druckte eine Rezension mit folgendem Wortlaut:

»Deutsche Charakterbildung – Neuer Band von Heinz Mahncke erschienen.

Im vierten Band seiner Gesammelten Werke präsentiert der volkstreue Schriftsteller Heinz Mahncke insbesondere den Roman „Das Dorf als Welt oder Wie Heinrich versucht, ein Mann mit Eigenschaften zu werden". Im Untertitel wird bewußt an den Roman „Der Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musil angeknüpft, der einen Menschen als Möglichkeitsmenschen, aber ohne jeden tieferen Charakter und ohne wahre innere Haltung, entwirft.

Anders verhält es sich bei Mahncke, dessen Hauptfigur als Chefredakteur einer Heimatzeitung auch jahrelang im Chor der rückgratlosen Konformisten mitsingt, bis dieser Heinrich dann jedoch schmerzhaft den charakterlichen und geistigen Selbstverlust im Nichts der meinungslosen journalistischen Jonglierkünste erkennt. Dieses innere Ringen um eine neue Charakterbildung und die Rückkehr des Protagonisten zu seinen ursprünglich volkstreuen Einstellungen beschreibt der Autor mit Ironie und Untergründigkeit.

Unter den geschilderten Umständen bleibt es nicht aus, daß dieser Mann im Augenblick der inneren Umkehr als Chefredakteur entlassen und im Dorf plötzlich mißachtet und verhöhnt wird. Heinrich aber erkennt an sich selbst, wie glücklich ein Mensch werden kann, wenn er politischer Gesinnung und geistigem Anspruch auch in widriger Zeit treu bleibt.

Heinz Mahnckes Roman ist darüber hinaus eine geistreiche Abrechnung mit den zersetzenden Ideen der Frankfurter Schule und ihrem aufgemöbelten Klassenkampfdenken, dem Feminismus, der antiautoritären Erziehung sowie der sexuellen Revolution. Am Beispiel eines kleinen Industriedorfes und seiner Menschen wird der Einbruch dieser Irrlehren in die verstockte und altbürgerliche Welt der damaligen Deutschen geschildert und die geistige Veränderungsgewalt beispielhaft vorgeführt.«

Kurzum: Das Lebenswerk des deutschen Dichters und Denkers Heinz Mahncke wuchs im Laufe von 50 Jahren zu einem auch geistig bedeutsamen Umfang, so daß es eigentlich im Rahmen eines Zeitschriftenbeitrags überhaupt nicht ausreichend gewürdigt werden kann. Um so mehr muß endlich begriffen werden, daß auch ein literarisch kultureller Revisionismus der Verhältnisse seit 1945 dringend notwendig ist. Das sogenannte Volk der Dichter und Denker klammert heute auch in Kreisen, die dafür eigentlich zuständig wären, diese Aufgabe nahezu vollständig aus. Wissenden ist bekannt, daß neben Heinz Mahncke auch andere Dichter seit Jahrzehnten sehr einsam leben. Besonders tragisch ist das Schicksal des ursprünglich aus Schlesien stammenden Hans Venatier, der in den Freitod getrieben wurde, und der ebenfalls einsame Tod der Bregenzer Dichterin Gudrun Embacher. Dieser Beitrag möge deshalb auch als ein Ansporn gelesen werden, daß man sich in der weiteren Zukunft nicht nur mit Geschichtsrevisionismus, sondern auch mit einem weit gespannten Literatur-, Kunst- und Kultur-Revisionismus beschäftigen möge.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(3) (2002), S. 331-334.


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