Vrba entlarvt Lanzmanns Film Shoah... und sich selbst

Von Ernst Bruun

Rudolf Vrba vor dem Kriege[1]

In seinem Buch Pietà,[2] berichtet Prof. Georg Klein, Stockholm,[3] von einem Gespräch, das er 1987 mit dem heute in Vancouver ansässigen Rudolf Vrba geführt hat. Vrba ist weithin dafür bekannt, der einzige der Hunderte aus dem Lager Auschwitz geflohenen Häftlinge zu sein,[4] der im Jahre 1944 einen später berühmt gewordenen Bericht[5] verfaßte und später auch ein Buch über das Lager schrieb.[6] Als Klein Vrba 1987 traf, sprachen sie natürlich über den Film Shoah, den Lanzmann wenige Jahre vorher gemacht hatte.[7] Vrba war einer der von Lanzmann in seinem Film interviewten Überlebenden. Im ersten Zündel-Prozeß in Toronto 1985 hatte Vrba eingeräumt, daß das, was er in seinem Buch geschrieben habe, unter dem Gesichtspunkt "dichterische Freiheit" betrachtet werden müsse.[8] In dem Buch behauptet der gleiche Vrba jedoch, sein Bericht über das Lager und die darin genannten Ziffern bezüglich der vergasten Juden seien richtig und der Bericht insgesamt sei eine peinlich genaue Darstellung.

Der Bericht, den Vrba nach seiner Flucht aus Auschwitz schrieb, ist datiert mit »Bari, 20. April 1945« und trägt den Titel »Zeugenaussagen von zwei Flüchtlingen aus den Auschwitz-Birkenau Vernichtungslagern in Oswiecim, Polen«. Es soll die Übersetzung eines ungarischen Originals sein. Am Schluß des Berichts von Vrba und seinem Kameraden befindet sich eine Tabelle mit der Überschrift:

»Eine vorsichtige Schätzung [der beiden Flüchtlinge] über die Anzahl der Juden, die von April 42 - April 44 in Birkenau vernichtet wurden -- bezogen auf ihre Staatsbürgerschaft«.

Die angeblich zurückhaltend geschätzte Summe aller getöteten Juden wird mit »ca. 1.765.000« angegeben. Man muß dabei berücksichtigen, daß diese Ziffer nicht die Hunderttausende von Juden enthält, die nach dem April 1944 aus Ungarn deportiert wurden. Kein ernsthafter Historiker war jedoch in der Lage, Beweise für eine Anzahl von Opfern vorzulegen, die eine Million übersteigt, einschließlich Nichtjuden und der Gruppe der ungarischen Juden. Laut Vrba wurden in Auschwitz 150.000 französische Juden getötet, was mit jenen 75.000 Juden zu vergleichen ist, die tatsächlich während des Krieges aus ganz Frankreich in alle möglichen Lager deportiert wurden und über die wir detaillierte Namenslisten besitzen, von denen aber auch ein bestimmter Anteil den Krieg überlebte.[10]

In dem Film-Interview sagt Vrba, er habe zwischen August 1942 und April 1944 etwa 200 Züge im Lager ankommen sehen, was bei den üblichen etwa 1.000 Personen pro Deportationszug rund 200.000 Deportierten entspricht. Auch habe er gewußt, daß innerhalb von zwei Stunden 90% dieser Menschen mit Giftgas getötet worden seien. Er sei einer derjenigen gewesen, die Leichen aus den Eisenbahnwaggons herausholten, die dann per Lkw zum zwei Kilometer entfernten Krematorium transportiert worden seien. Er fügte hinzu, daß alle zuvor genannten 1.750.000 Juden auf diesem alten, zwei Kilometer von den Krematorien entfernten Bahnsteig ausgeladen worden seien. Später sei ein neuer Bahnsteig zum Ausladen der auf eine Million bezifferten ungarischen Juden gebaut worden, die »blitzvernichtet« werden sollten. Jeder, der versuchte, die Neuankömmlinge von den Vergasungen in Kenntnis zu setzen, sei erschlagen oder erschossen worden.

Lügenpropaganda

Abgesehen von den Vergasten (dem "Hauptprodukt") stellte Auschwitz auch noch andere Produkte her. Vrba gab an, Krupp und Siemens hätten dort Anlagen gehabt (die IG-Farbenindustrie AG erwähnte er in diesem Zusammenhang nicht). Arische Häftlinge hätten einen gewissen Einfluß ausgeübt und eine systematische Verbesserung der Verhältnisse erreicht. Aber je niedriger die Todesrate gesunken sei, um so mehr Häftlinge seien statt dessen vergast worden, um den Personalbestand konstant zu halten.

Später in dem Film erwähnt Vrba die jüdischen Familien aus Theresienstadt, die ihr Haar und ihr Gepäck behalten durften. Sie seien mit »SB (Sonderbehandlung) mit einer Quarantäne von sechs Monaten« belegt worden. Er war der Auffassung, daß "Sonderbehandlung" "Vergasung" bedeutete, frug sich aber, warum man dies ein halbes Jahr hinausschob. Den Grund dafür konnte sich selbst dieser beinahe allwissende Mann nicht erklären. Als die sechs Monate vorüber waren, sei das Gerücht in Umlauf gebracht worden, daß die Theresienstadt-Gruppe zum Lager Heydebreck verlegt werden sollte. Vrba wußte es natürlich besser, und er versuchte, einen gewissen Freddy Hirsch dazu zu überreden, einen Aufstand anzuführen. Hirsch habe sich jedoch für das Wohlergehen der Kinder verantwortlich gefühlt und sich geweigert, auf Gewalt zurückzugreifen. Statt dessen nahm er sich das Leben. Die Lkws mit den SB-Juden fuhren nicht in Richtung Heydebreck (woher er das wohl weiß?), und daher kommt Vrba zu dem Schluß, daß die gesamte Gruppe vergast wurde. Da niemand rebellieren wollte, entschloß Vrba sich zur Flucht, was er dann am 7. April 1944 getan habe. Dies alles erzählt er uns in dem Film Shoah.

Vrbas Lagererlebnisse wurden selbstverständlich zum Gesprächsthema, da er nun einen anderen Überlebenden des Holocaust traf. Klein fragte Vrba, ob seine Kollegen wüßten, was er während des Kriegs erlebt habe. Anfangs beantwortete Vrba diese Frage nicht. Später jedoch erwähnte er mit höhnischem Lächeln, daß sich einer seiner Kollegen geradezu aufgeregt habe, als er Vrba unerwarteterweise in Lanzmanns Film sah. Der Kollege wollte wissen, ob alles das, was Vrba in dem Film erzählt, wirklich wahr ist. Vrba erwiderte daraufhin:

Dr. Rudolf Vrba[9]
Professor Emeritus
Department of Pharmacology & Therapeutics
Faculty of Medicine, University of British Columbia
2176 Health Sciences Mall
Vancouver, British Columbia
Canada V6T 1Z3
Tel: (604) 822-3852
Fax: (604) 822-6012
E-mail: [email protected]

Vrba im Jahr 2000:
Das Grinsen eines Lügners

»Ich weiß es nicht. Ich war nur ein Schauspieler und sagte meinen Text auf.«

Was von seinem Kollegen wie folgt kommentiert wurde:

»Höchst außergewöhnlich! Ich wußte gar nicht, daß Sie Schauspieler waren. Wenn dem so ist, warum wurde behauptet, der Film sei ohne Schauspieler gemacht worden?«

Nach dieser Offenbarung war Klein sprachlos und sah davon ab, weitere Fragen zu stellen. In seinem Buch schreibt er, er werde Vrbas höhnisches Grinsen niemals vergessen. Jeder gut unterrichtete Leser weiß, daß vieles von dem, was Vrba in Shoah sagt, im Widerspruch zu feststehenden Tatsachen steht. Um es klar und deutlich auszudrücken, Vrba ist ganz einfach ein verwegener Lügner. Aber hat er vielleicht doch einmal die Wahrheit gesagt, als er mitteilte, er sei nur ein Schauspieler gewesen und habe seinen Text aufgesagt? Das würde sicherlich sein höhnisches Lächeln erklären, das auf seinen leichtgläubigen Kollegen einen derartigen Eindruck gemacht hat.[11]


Anmerkungen

Übersetzt von Hans-Rudolf von der Heide.

[1]www.fiba.dircon.co.uk/fibaNEW-2000/text/fiba_00_kasztner.htm
[2]Stockholm 1989, S. 141.
[3]Klein ist ein aus Ungarn stammender Jude, der 1947 nach Schweden auswanderte, dort Medizin studierte und seither in der Krebsforschung tätig war. Er ist inzwischen im Ruhestand.
[4]Krystof Duni-Wascowicz, Resistance in the Nazi concentration camps 1933-1945, Warschau 1982, S. 213.
[5]Zusammen mit Alfred Wetzler; vgl. Heiner Lichtenstein, Warum Auschwitz nicht bombardiert wurde, Köln 1980, S. 133-181.
[6]Rudolf Vrba, I Cannot Forgive, London 1963.
[7]Claude Lanzmann, Shoah, Paris 1985.
[8]Vgl. Gerichtsprotokoll, Queen versus Zündel, Toronto, Ontario, Canada, ab 7.1.1985, S. 1244-1643, besonders S. 1447 und 1636; vgl. online www.vho.org/aaargh/engl/vrba1.html
[9]http://www.pharmacology.ubc.ca/vrba/RudolfVrba.html
[10]Vgl. C.O. Nordling, »Was geschah den 75.000 aus Frankreich deportierten Juden?«, VffG 1(4) (1997), S. 248-251.
[11]Anmerkung des Übersetzers: In der Woche zum 22. September sah ich in der Fußgängerzone von Bad Kissingen ein großes Plakat, das darauf hinwies, daß seitens des Kulturamts der Stadt Kissingen Lanzmanns Film Shoah vorgeführt werden sollte. In hervorgehobener Schriftart war auf diesem Poster folgendes zu lesen:
»Lanzmann: "Ich weiß sehr wohl, daß alle Zeugen lügen. [...] Es ist mir jedoch gelungen, die inzwischen schon fast vergessene Shoah wieder in das Bewußtsein der Menschen zurückzurufen." [...] "Bislang wurde mein Film nämlich nur von etwas mehr als zwei Prozent der Bevölkerung gesehen."«

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(4) (2002), S. 447f.


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