Anatomie der sowjetischen Befragung der Topf-Ingenieure

Die Verhöre von Fritz Sander, Kurt Prüfer, Karl Schultze und Gustav Braun durch
Offiziere der sowjetischen Antispionageorganisation Smersch (1946/1948)
(Der Volltext der Verhöre ist hier einzusehen)

Von Jürgen Graf

1. Die historische Ausgangslage

Anno 1942, besonders in der zweiten Jahreshälfte, herrschten im Konzentrationslager Auschwitz grauenvolle Zustände. Eine mörderische Fleckfieberepidemie raffte einen großen Teil der Lagerinsassen dahin; im August lag die durchschnittliche Sterberate bei 270 pro Tag. Ungeachtet dessen wurden entgegen allen Geboten der Vernunft und Menschlichkeit laufend neue Häftlingstransporte in das Lager eingeliefert, mit dem Ergebnis, daß ein großer Teil der Neuankömmlinge binnen kürzester Zeit dem Wüten der Seuche zum Opfer fiel.

Damals bestand im Lagerkomplex Auschwitz lediglich ein Krematorium, jenes des Stammlagers, dessen drei Verbrennungsöfen insgesamt sechs Muffeln aufwiesen und pro Tag eine theoretische Höchstzahl von 126 Leichen einzuäschern vermochten.[1] Auch wenn die Öfen stets reibungslos funktioniert hätten - was in der Praxis durchaus nicht der Fall war -, wäre die Verbrennung der durch die Fleckfieberseuche anfallenden Leichen nicht mehr möglich gewesen. Deswegen wurde in Birkenau außerhalb der Lagergrenzen eine Reihe von Massengräbern ausgehoben, in denen man die Toten begrub. Wegen des hohen Grundwasserstandes[2] war dies mit beträchtlichen Risiken verbunden, weil jederzeit mit einer Verseuchung des im Lager benötigten Wassers durch das Leichengift gerechnet werden mußte. Ein Teil der Leichen wurde später unter freiem Himmel verbrannt, doch drängte sich als wirksamere Lösung die Errichtung zusätzlicher Krematorien auf. Mit dieser Aufgabe wurde die in Erfurt ansässige Maschinenbaufirma Topf & Söhne beauftragt, die auf eine langjährige Erfahrung beim Bau ziviler Krematorien zurückblicken konnte und nach Kriegsbeginn auch Krematorien für Konzentrationslager errichtet hatte.

Die für Konstruktion und Bau dieser Verbrennungsanlagen verantwortlichen Ingenieure haben durch ihre Tätigkeit kein einziges Menschenleben ausgelöscht, sondern im Gegenteil Menschen gerettet: Ohne die Birkenauer Krematorien wären durch Verpestung des Grundwassers früher oder später fast mit Sicherheit weitere Seuchen ausgebrochen, und in Auschwitz wären noch mehr Häftlinge gestorben als jene rund 150.000, die dort von 1940 bis 1945 den Tod fanden. Die Verhütung von Epidemien war übrigens der Hauptgrund dafür gewesen, daß die Kremierung ab dem 19. Jahrhundert zur Konkurrentin der Erdbestattung wurde. Bezeichnenderweise trug eine 1875 erschienene Schrift zu diesem Thema den Titel Die Feuerbestattung. Unter allen zur Zeit ausführbaren Bestattungsarten die beste Sanitätspolizei des Bodens und der sicherste Cordon gegen Epidemien.[3]

Unter normalen Umständen wäre es also niemandem eingefallen, die Männer, welche in Auschwitz solche hygienisch-sanitären Installationen geschaffen hatten, gerichtlich zu belangen. Doch die Umstände waren nach Kriegsende eben nicht normal. Mit beispiellosem Propagandaaufwand hämmerten die östlichen und westlichen Überwinder des nationalsozialistischen Deutschland der Welt ab 1945 ein, daß die Besiegten einen ungeheuerlichen Völkermord in "Vernichtungslagern" begangen hätten: Millionen von Menschen, vor allem Juden, seien in diesen Lagern fließbandmäßig umgebracht worden.

Ins Zentrum der Greuelpropaganda rückte schon bald das oberschlesische KL Auschwitz. Dies hatte einleuchtende Gründe. Auschwitz war das mit Abstand größte Lager; es hatte - vor allem aufgrund der Fleckfieberepidemien - zeitweise eine enorm hohe Sterblichkeit aufgewiesen, und zudem hatte es als Durchgangslager für an andere Orte überstellte Häftlinge gedient. Ein mächtiger Lagerkomplex, hohe Todesraten, eine große Zahl von Häftlingen, die nach Auschwitz deportiert worden, doch schon nach kurzer Zeit scheinbar spurlos verschwunden waren: idealere Voraussetzungen konnten sich die Architekten der Greuelpropaganda gar nicht wünschen.

Beim Nürnberger Prozeß behaupteten die Sowjets, in Auschwitz seien nicht weniger als vier Millionen Menschen ermordet worden.[4] Unter diesen Umständen galt jeder Deutsche, der am Aufbau dieses Lagers mitgewirkt oder irgendwann dort Dienst getan hatte, automatisch als der Mittäterschaft am Massenmord verdächtig, und dies traf in besonderem Maße auf jene zu, welche die Krematorien errichtet hatten.

In der Anfangsphase der Auschwitz-Propaganda kursierte parallel zur Behauptung, die Opfer seien mit elektrischem Strom getötet worden,[5] auch die Version, man habe sie bei lebendigem Leib in den Krematorien verbrannt,[6] doch wurden diese Varianten der Ausrottungslegende wegen ihrer allzu offenkundigen Unglaubwürdigkeit schon bald fallengelassen, und man einigte sich darauf, daß die Massentötungen in Gaskammern begangen worden seien, von denen sich die meisten innerhalb der Krematorien befunden hätten. Dementsprechend hatten diese Gebäude laut der von den Siegermächten festgelegten Geschichtsversion eine doppelte Funktion erfüllt: Die Opfer wurden in den Gaskammern ermordet, ihre Leichen in den Öfen verbrannt.

Es lag also in der Logik der Dinge, daß der Eigentümer der Firma Topf & Söhne sowie die für Bau und Ausrüstung der Krematorien verantwortlichen Ingenieure auf die Fahndungsliste der Okkupanten gerieten. Ludwig Topf, Besitzer und Geschäftsführer der Firma, entzog sich kurz nach Kriegsende im amerikanisch besetzten Erfurt der drohenden Verhaftung durch Selbstmord, während vier seiner führenden Mitarbeiter Anfang März 1946 in Erfurt von den Sowjets, welche inzwischen die Amerikaner als Besatzungsmacht abgelöst hatten, festgenommen wurden. Diese Männer waren:

Die vier Ingenieure wurden nach ihrer Verhaftung mehrfach von Offizieren der Antispionageorganisation Smersch (Kürzel für »Smert schpionam«, Tod den Spionen), über ihre Rolle beim Bau sowie der Ausstattung der Krematorien und angeblichen "Gaskammern" von Auschwitz vernommen. Der bereits siebzigjährige Fritz Sander starb nach drei Verhören am 26. März als Folge starker Erschöpfung. Seine drei Kollegen wurden - zu einem mir nicht bekannten Zeitpunkt - nach Moskau überstellt, wo sie erst zwei Jahre später, im Februar/März 1948, weiteren Verhören unterzogen wurden.[7]

Am 3. April 1948 wurden Kurt Prüfer, Karl Schultze und Gustav Braun zu je 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Während Prüfer am 24. Oktober 1952 im Alter von 61 Jahren in einem sowjetischen Lager starb, kamen der inzwischen 67-jährige Braun sowie der 56-jährige Schultze im Herbst 1955 zusammen mit zahlreichen anderen deutschen Kriegsverurteilten in den Genuß einer Amnestie; sie wurden auf freien Fuß gesetzt und in die DDR überstellt.[8] Über ihr weiteres Schicksal wissen wir nichts, doch liegen uns keine Hinweise darauf vor, daß sie wegen ihrer Tätigkeit während des Krieges von der DDR-Justiz behelligt worden wären.

Damals, Mitte der fünfziger Jahre, war der Name Auschwitz als Symbol für die "Nazibarbarei" zwar längst in aller Munde, doch von der Firma Topf und ihren Ingenieuren sprach niemand mehr. Der Vergessenheit entrissen wurden sie erst im Jahre 1993.

2. »Protokolle des Todes«

1993 war für den Revisionismus ein wichtiges Jahr. Damals erschien Germar Rudolfs Gutachten über die "Gaskammern" von Auschwitz, welches in seiner wissenschaftlichen Tiefe weit über den fünf Jahre zuvor entstandenen Leuchter-Bericht hinausging, jedoch dessen Schlußfolgerungen bestätigte: Aus bautechnischen und chemischen Gründen hatten die angeblichen Menschentötungsgaskammern von Auschwitz I und Birkenau nicht als solche dienen können. Das Gutachten fand rasch erhebliche Verbreitung und bereitete den an der Aufrechterhaltung der herkömmlichen "Holocaust"-Geschichte interessierten Kreisen arges Bauchgrimmen.

Die Gegenoffensive begann im September 1993 in Frankreich, wo Jean-Claude Pressacs Buch Les crématoires d'Auschwitz,[9] das die Menschenvergasungen in Auschwitz anhand »krimineller Indizien« zu beweisen versuchte, mit wohlorchestriertem Mediengetöse lanciert wurde. Bis zum Erscheinen der deutschen Pressac-Ausgabe[10] mußte man sich noch ein halbes Jährchen gedulden, doch schon zwei Wochen nach dem Erscheinen der französischen Version eröffnete die Bildzeitung für Intellektuelle, der Spiegel, in Deutschland das Trommelfeuer. Unter der reißerischen Überschrift »Protokolle des Todes« schrieb das Hamburger Nachrichtenmagazin am 4. Oktober 1993:[11]

»Wie war der Massenmord an den Juden und den anderen NS-Opfern in den Konzentrationslagern technisch möglich? Neue Dokumente aus Moskau belegen die Tatbeteiligung deutscher Ingenieure in Auschwitz. Beim Bau der Gaskammern und Krematorien erwiesen sich die zivilen Helfer als willige Werkzeuge der SS.«

»Der millionenfache Genozid«, meinte der Spiegel, könne nun genauer beschrieben werden. Zu verdanken sei dies:[12]

»einem Fund des britischen Historikers Gerald Fleming, Autor des vielbeachteten Buches "Hitler und die Endlösung". Bei Recherchen im Zentralen Staatsarchiv in Moskau stieß Fleming vor einigen Monaten auf ein sowjetisches Aktenbündel aus den frühen Nachkriegsjahren, darin eine Mappe mit der Signatur 17/9: die Verhöre der Auschwitz-Ingenieure Kurt Prüfer, Fritz Sander und Karl Schultze, Mitarbeiter der Erfurter Brennofenfirma[13] J. A. Topf & Söhne, durch Offiziere der Roten Armee.«

Das deutsche Desinformationsorgan Nummer eins fuhr fort:[14]

»Nach diesen Protokollen des Todes, welche die erschütternde Kälte der "Endlösungs"-Technokraten bezeugen, steht fest: Die Täter, die ihr "Spezialwissen" (Sander) einem verbrecherischen Regime anboten, wußten genau, was sie taten. [...] Daß die Bekenntnisse unter Druck zustande gekommen sind, ist unwahrscheinlich. Womöglich hofften die durch schriftliche Belege ohnehin Überführten, sie könnten mit ihren freimütigen Geständnissen das Urteil beeinflussen. Sander starb am 26. März 1946 an Herzversagen. Seine drei Kollegen entgingen der Todesstrafe, die in der Sowjetunion vorübergehend abgeschafft worden war. Sie wurden zu 25 Jahren Straflager verurteilt. Im Herbst 1955, Prüfer hatte die Haft nicht überlebt, kamen Braun und Schultze wieder frei - elf Jahre nach Auschwitz.«

Im Anschluß an diese Einleitung veröffentlichte der Spiegel Auszüge aus den Verhörprotokollen Prüfers, Sanders und Schultzes.[15] Um bei seinen Lesern politisch korrektes Gruseln hervorzurufen, illustrierte das Blatt die Texte mit einer Zeichnung des ehemaligen jüdischen Auschwitz-Häftlings David Olère, welche angeblich den Ausrottungsvorgang im Krematorium III von Birkenau zeigt;[16] auf ihr ist zu sehen, wie Häftlinge die Leichen ermordeter Leidensgenossen aus der Gaskammer zum Verbrennungsofen schleppen und in diesen hineinstoßen. Der Schönheitsfehler an dieser Zeichnung ist nur, daß Gaskammer und Ofen im gleichen Raum liegen, während sich die angebliche "Gaskammer" (in Wirklichkeit ein Leichenkeller) im Krematorium III, genau wie im spiegelsymmetrisch konstruierten Krematorium II, unterhalb des Ofenraums befand und mit diesem durch einen Aufzug verbunden war. Daraus läßt sich schließen, daß "Holocaust-Augenzeuge" Olère das Krematorium III niemals von innen gesehen hat.

Ferner bildet der Spiegel eine anläßlich von Heinrich Himmlers Besuch in Auschwitz Mitte Juli 1942 aufgenommene Fotografie des Reichsführers SS sowie anderer SS-Offiziere ab mit der Bildlegende »Holocaust-Vollstrecker Himmler als Zeuge bei Gasdemonstration in Auschwitz (Juli 1942)«, obwohl auf der Aufnahme von einer »Gasdemonstration« rein gar nichts zu sehen ist. Mit solchen Suggestivmethoden arbeiten die Lügner.

3. »Dossier 17/9, Topf und Söhne, Erfurt, Russisches Zentrales Staatsarchiv, Moskau«

Der vom Spiegel als Entdecker der Verhörprotokolle genannte Dr. Gerald Fleming, britischer Staatsbürger deutsch-jüdischer Abstammung und pensionierter Lektor für Germanistik, hatte 1982 das Buch Hitler und die Endlösung veröffentlicht,[17] ein Buch von äußerst geringer Qualität, das zwei Jahre später unter dem Titel Hitler and the Final Solution auch auf Englisch erschien. In der 1994 erschienenen Neuauflage der englischen Fassung[18] publizierte Fleming längere Auszüge aus den Befragungen der Topf-Ingenieure, wobei er als Quelle »File 17/9, Topf and Söhne, Erfurt, Russian Central State Archive, Moscow« (Dossier 17/9, Topf & Söhne, Erfurt, Russisches Zentrales Staatsarchiv, Moskau) angab,[19] und schloß das betreffende Kapitel mit folgender tiefschürfender Betrachtung ab:[20]

»Wenn wir über die historischen Implikationen der Vergasung einer Million Menschenwesen in Auschwitz-Birkenau während des Zweiten Weltkriegs nachdenken, müssen wir uns fragen, ob die Führer des Dritten Reichs, indem sie die Vernichtung von Leben in modernen Todesfabriken während des Krieges zuließen, einen entscheidenden und irreversiblen Schritt zur Entmenschlichung unternahmen, oder ob die Menschheit die Lehren aus dieser letzten Obszönität ziehen wird, in der Furcht, eine noch größere Hölle auf Erden zu schaffen, in der wir durch unsere eigene Bosheit vernichtet werden könnten.«

Da der vollständige Text der Verhöre von erheblichem historischem Interesse ist, versuchten Carlo Mattogno und ich die Dokumente anläßlich dreier Moskau-Aufenthalte (1995, 2000 und 2001) aufzustöbern, jedoch ohne jeden Erfolg: Ein »Russian Central State Archive« existiert nämlich nicht. Wohl gibt es in der russischen Hauptstadt ein »Staatliches Archiv der Russischen Föderation« (Gosudarstvenny Archiv Rossiskoi Federatsii), in dem zahlreiche Dokumente aus Auschwitz sowie anderen NS-Konzentrationslagern aufbewahrt werden, aber ein »Dossier 17/9« ist dort auch nicht vorhanden, und auf den Unterschriftsbögen, auf denen sich jeder Benutzer der Dossiers eintragen muß, fehlte Flemings Signatur, woraus ersichtlich war, daß er dieses Archiv nie aufgesucht oder zumindest die Unterlagen über die Konzentrationslager nicht eingesehen hatte. Im vormaligen »Aufbewahrungszentrum historisch-dokumentarischer Sammlungen« (Tsentr Chranenia Istoriko-Dokumentalnich Kollektsii), das vor kurzem in »Staatliches Russisches Kriegsarchiv« (Rossiskij Gosudarstvenny Vojenny Archiv) umbenannt wurde und in dem sich die Urkunden der SS-Zentralbauleitung von Auschwitz befinden, war Fleming freilich gewesen, doch auch dort gibt es kein »Dossier 17/9«. Da die Vermutung nahe lag, die Dokumente könnten im Archiv des russischen Geheimdienstes aufbewahrt werden, bemühten Mattogno und ich uns bereits 1995, Zutritt zu diesem Archiv zu erlangen, jedoch zunächst vergeblich: Um zugelassen zu werden, bedurfte es einer Sondergenehmigung, die wir nicht besaßen.

Dies änderte sich sechs Jahre später. Anläßlich unserer im Frühling 2001 in Moskau unternommenen Recherchen reichten wir beim Archiv des »Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation« (Federalnaja Sluschba Besopasnosti Rossiskoj Federatsii) einen Antrag auf Einsicht in die Verhörprotokolle ein, der ein halbes Jahr später genehmigt wurde. Im Februar 2002 konnte ich das Archiv aufsuchen und die Akten kopieren. Sie befinden sich dort im Dossier N-19262; bei der von Fleming angegebenen Referenznummer 17/9 handelte es sich um eine unkorrekte Wiedergabe des Aktenzeichens des Verfahrens gegen Sander, Prüfer, Schultze und Braun (Strafsache 1719).

Ob der falsche Archivname sowie die falsche Referenznummer bloße Versehen waren, oder ob Fleming absichtlich fiktive Quellen angegeben hat, um Revisionisten die Auffindung der Urkunden zu erschweren, sei dahingestellt.

4. Die Texte der Protokolle

Die Verhörprotokolle sind in russischer Sprache abgefaßt und größtenteils handgeschrieben. Da keiner der Angeklagten des Russischen mächtig war, erfolgten die Vernehmungen jeweils über einen Dolmetscher, der die Aussagen der Befragten übersetzte, worauf sie vom Protokollführer niedergeschrieben wurden.

Dies bedeutet, daß kein deutscher Protokolltext existiert. Wir wissen nicht, ob die Dolmetscher die Aussagen der vier Ingenieure immer richtig übersetzt haben und ob die von ihnen gelieferten Übersetzungen stets korrekt festgehalten wurden. Einen Hinweis darauf, daß dies gelegentlich nicht der Fall war, liefern die Verhöre Gustav Brauns vom 5. und 20. März 1946 sowie vom 10. März 1948.

Braun, der als Produktionsleiter der Firma in ständigem Kontakt zu den Werkstattchefs und Arbeitern stand, hatte als Stellvertreter des Abwehrbeauftragten (diese Rolle erfüllte Firmenchef Ludwig Topf persönlich) Berichte über die Stimmungslage unter den Beschäftigten und ihre Einstellung zur Arbeit verfassen müssen, die dann an den SD sowie die Gestapo weitergeleitet wurden. Am 5. März 1946 forderte der verhörende Smersch-Offizier Major Moruschenko Braun auf, über seine praktische Tätigkeit in der Fabrik für die Gestapo zu berichten. Laut Protokoll gab der Ingenieur folgende Antwort:[21]

»Als Ergebnis meiner Beziehungen zur Gestapo wurden in der Fabrik ein Arbeiter deutscher Nationalität - an seinen Familiennamen erinnere ich mich nicht - sowie zwei ausländische Arbeiter wegen Sabotage festgenommen.«

Am 20. März 1946 legte Smersch-Hauptmann Morskoi Braun die Anklage vor, in der es unter anderem hieß:

»Bei der Tätigkeit in dieser Funktion [d.h. als Bevollmächtigter der Abwehr] haben Sie die politische Stimmung der Arbeiter sowie Personen, die bei der Arbeit Sabotageakte verübt hatten und subversiver Tätigkeiten verdächtig wurden, ausgekundschaftet. Als Ergebnis Ihrer Denunziationen wurden von der Gestapo ein deutscher und zwei ausländische Arbeiter wegen Sabotage bei der Arbeit festgenommen.«

Auf Morskois Frage, wessen er sich schuldig bekenne, entgegnete Braun laut Protokoll u.a.:

»Ich habe ab 1941 in erwähnter Fabrik [d.h. der Fabrik der Firma Topf] als Vertreter des Bevollmächtigten der Antispionageorganisation Abwehr die politische Stimmung unter den deutschen und ausländischen Arbeitern sowie Personen, die bei der Arbeit Sabotage verübten und der Subversion verdächtigt wurden, ausgekundschaftet. [...] Als Ergebnis meiner Tätigkeit als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehrstelle wurden von der Gestapo ein deutscher sowie zwei ausländische Arbeiter festgenommen.«

Zwei Jahre später, beim Verhör vom 10. März 1948, gab Braun an, in den industriellen Betrieben der Firma Topf & Söhne seien nie Fälle von Sabotage oder Subversion aufgetreten. Auf den Vorbehalt des Smersch-Oberleutnants Novikov:

»Warum wurden dann auf Ihre Denunziation hin ein deutscher und zwei ausländische Arbeiter verhaftet, die in der Firma Topf tätig waren?«

erwiderte Braun:

»Auf meine Denunziation hin ist kein Arbeiter der Firma Topf verhaftet worden.«

Novikov wandte ein:

»Bei den Verhören vom 5. und 20. März 1946 haben Sie erklärt, als Ergebnis Ihrer Arbeit als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehr seien von den deutschen Behörden ein deutscher und zwei ausländische Arbeiter festgenommen worden. Warum versuchen Sie diese Tatsachen nun zu vertuschen?«

Braun entgegnete:

»Bei den Verhören vom 5. und 20. März 1946 habe ich dargelegt, unter den ausländischen Arbeitern in der Fabrik der Firma Topf seien zwei verhaftet worden. Einer, dessen Familiennamen Kusmenko lautete, wurde auf Anweisung des Firmenchefs festgenommen, weil er bei der Arbeit mit einem deutschen Arbeiter gestritten und diesen verprügelt hatte. Der zweite Arbeiter, der Nationalität nach Russe (an seinen Familiennamen erinnere ich mich nicht), wurde nachts von der Gestapo verhaftet, dem Vernehmen nach wegen Teilnahme an der Vorbereitung zur Verbreitung antifaschistischer Flugblätter. Ferner habe ich berichtet, daß ein deutscher Arbeiter, der als Wächter angestellt war, wegen Bummelei entlassen wurde. Es mag sein, daß der Dolmetscher oder der Beamte, der mich verhörte, meine Ausführungen nicht richtig verstanden und nicht richtig niedergeschrieben haben. Daß die erwähnten Verhaftungen als Ergebnis meiner Denunziationen als stellvertretender Bevollmächtigter der Abwehr erfolgt seien, habe ich bei der Untersuchung nicht ausgesagt, weil ich in Wirklichkeit nichts mit diesen Verhaftungen zu tun hatte.«

Wir neigen der Ansicht zu, daß Brauns Ausführungen bei den Vernehmungen vom 5. und 20. März 1946 in der Tat entstellt niedergeschrieben worden sind, denn hätte er sie wirklich in dieser Form gemacht, wäre es äußerst töricht von ihm gewesen, dies später zu leugnen.

Einen weitaus deutlicheren Hinweis darauf, daß die Verhörprotokolle die Aussagen der Angeklagten nicht immer wörtlich wiedergeben, liefern aber die unterwürfigen, stark an die Moskauer Schauprozesse gemahnenden rituellen Schuldbekenntnisse der Ingenieure. Am 19. März 1946 eröffnete Hauptmann Morskoi Kurt Prüfer die gegen ihn vorliegenden Beschuldigungen:

Topf Patent-Anmeldung eines kontinuierlich arbeitenden Einäscherungsofens.[22] (Zum Vergrößern anklicken)

»Gegen Sie wird die Anklage erhoben, daß Sie in der Firma Topf als Chefingenieur der Abteilung Krematorienbau Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager konstruiert und hergestellt haben, in denen die Leichen der von den Deutschen in den Konzentrationslagern zu Tode gequälten, ganz unschuldigen Menschen verschiedener Nationalitäten verbrannt wurden. Sie haben die Funktionsweise der Krematoriumsöfen in den Konzentrationslagern überprüft. [...]«

Prüfer antwortete laut Protokoll:

»[...] Ich bekenne mich voll schuldig, als Chefingenieur der Abteilung Krematorienbau im Betrieb der Firma Topf in Erfurt gearbeitet zu haben. Ich habe persönlich Krematoriumsöfen konstruiert, von denen während der gesamten Tätigkeit auf diesem Gebiet 150 Stück hergestellt wurden. Zur Zeit des Krieges, den Deutschland gegen die Länder Europas führte, wurden von der erwähnten Anzahl Krematoriumsöfen auf Bestellung der SS-Führung für die Konzentrationslager Buchenwald, Auschwitz, Dachau, Mauthausen und Groß-Rosen unter meiner direkten Beteiligung bis zu 20 Stück erbaut, in denen die Leichen ganz unschuldiger Menschen verschiedener Nationalitäten verbrannt wurden, welche von den Deutschen in besagten Konzentrationslagern zu Tode gequält worden waren. Ich befaßte mich mit dem Entwurf und der Konstruktion von Krematoriumsöfen sowie mit deren Aufstellung in den Konzentrationslagern, und zu diesem Zweck reiste ich in die Konzentrationslager. Unter meiner Beteiligung, sowie der Beteiligung von Ingenieur Schultze, der die Lüftungseinrichtungen und Saugzuggebläse für die Krematoriumsöfen konstruierte und installierte, wurden, als wir uns im Frühling 1943 im Konzentrationslager Auschwitz befanden, wo wir die Krematoriumsöfen sowie die Funktion der Lüftungseinrichtungen überprüften, die Leichen von den Deutschen gequälter, ganz unschuldiger Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Nationalitäten verbrannt.«

Welcher Angeklagte äußert sich spontan in solchen Schachtelsätzen? Welcher deutsche Ingenieur, der während des Krieges eine verantwortliche Position in einem großen Unternehmen innehatte und dem deutschen Staat loyal diente, spricht aus freien Stücken von einem »Krieg, den Deutschland gegen die Länder Europas führte«, und von Menschen, welche »die Deutschen« zu Tode gequält hätten?

Entweder haben der Verhörleiter und der Protokollführer Prüfer bei der Formulierung seines Schuldbekenntnisses »geholfen«, oder er hat dessen Text vor der Aufnahme des Protokolls auswendig lernen müssen. Daß Schultze und Braun ihre Geständnisse in fast identischen Formulierungen ablegten, räumt letzte allfällige Zweifel daran aus, daß das gesamte Verfahren nach bewährtem stalinistischem Strickmuster abgelaufen ist.

Wie schrieb der Spiegel vom 4. Oktober 1993 doch noch?

Anfang August 2002 zeigte das Friedrichshafener Zeppelin-Museum Luis Camnitzers Documenta-Exponat »Patentanmeldung«, die in eine Glasplatte geätzte Querschnittszeichnung von Sanders Massenkremierungsofen.

Eine nie umgesetzte technische Idee wird so zur Betroffenheits-Reliquie des religiösen Holocaust-Kults.

»Daß die Bekenntnisse unter Druck zustande gekommen sind, ist unwahrscheinlich. Womöglich hofften die durch schriftliche Belege [welche schriftlichen Belege???] ohnehin Überführten, sie könnten mit ihren freimütigen Geständnissen das Urteil beeinflussen.«

Hier muß man sich ernstlich fragen, wie dumm einer eigentlich sein muß, um für den Spiegel schreiben zu dürfen, oder aber, für wie dumm der Spiegel seine Leser hält...

Sämtliche im folgenden angeführten Zitate aus den Verhörprotokollen sind also mit Vorsicht aufzunehmen. Eine vollständige Wiedergabe der Protokolle verbietet sich an dieser Stelle einerseits wegen ihres Umfangs, andererseits aber auch deshalb, weil sie zahllose Wiederholungen enthalten (bei verschiedenen Befragungen wurden von verschiedenen Smersch-Offizieren mehrfach die gleichen Fragen gestellt), und weil manche Passagen nicht von historischem Interesse sind.[23] Wir begnügen uns also mit den uns am wesentlichsten erscheinenden Auszügen, die insgesamt rund einem Viertel der Protokolle entsprechen dürften.

5. Die Verhöre Fritz Sanders

Der 1876 in Leipzig geborene Ingenieur Sander war bereits 1910 in den Dienst der Firma Topf & Söhne getreten und bis zu seiner Anfang März 1946 erfolgten Festnahme dort trotz seines vorgerückten Alters als Leiter der Abteilung Krematorienbau tätig gewesen. Sein erstes Verhör erfolgte am 7. März 1946 durch den Smersch-Hauptmann Schatanowski; hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

»Frage: Erzählen Sie über Ihre Erfindung des Krematoriums für Massenverbrennung!

Antwort: Als führender Ingenieur der Firma Topf war ich verantwortlich für die Abteilung Krematorienbau, an deren Spitze Prüfer stand. Letzterer sagte mir gegenüber im Jahre 1942, an den genauen Zeitpunkt erinnere ich mich nicht, bei einem Gespräch über die Kapazität der im Konzentrationslager Auschwitz errichteten Krematorien [Plural; in Auschwitz existierte damals freilich erst ein Krematorium, jenes des Stammlagers], sie könnten die Anzahl der zu verbrennenden Leichen nicht bewältigen. Dabei führte er als Beispiel an, daß man dort zwei oder drei Leichen in die Einführungsöffnungen einschiebe, das Krematorium [Singular] aber dennoch mit der in den Konzentrationslagern [Plural] anfallenden Arbeitslast nicht fertig werden könne.

Damals beschloß ich als Spezialist auf dem Gebiet der Heizung aus eigener Initiative, ein Krematorium zu bauen, welches eine höhere Kapazität bei der Leichenverbrennung aufwies.

Im November 1942 war ich mit meinem Projekt eines Krematoriums zur Massenverbrennung von Leichen fertig und reichte dieses Projekt beim Reichspatentamt in Berlin ein. Das Krematorium sollte nach dem Grundsatz des Fließbandsystems entworfen werden, und in den Ofen sollten auf mechanischem Wege unaufhörlich Leichen zur Einäscherung eingeschoben werden. Die Leichen sollten unter der Last ihres eigenen Gewichts in den Ofen gelangen, indem sie auf einer feuerfesten Fläche, die eine Neigung von 40 Grad aufwies, von selbst auf den Rost fielen und unter der Einwirkung des Feuers verbrannten. Dabei sollten die Leichen selbst als zusätzlicher Brennstoff dienen.

Dieses Patent konnte nicht offiziell beim staatlichen Patentamt angemeldet werden, da es wegen des Krieges geheimen Charakter aufwies, doch meine Erfindung wurde aktiviert, und mir wurde die [Patent-]Nummer mitgeteilt.«

Der von Sander geschilderte Verbrennungsofen stützte sich auf das Vorbild früher entworfener Öfen zur Massenverbrennung von Leichen im Krieg oder bei Epidemien, bei denen - im Gegensatz zu den herkömmlichen Krematorien - nicht jeder Leichnam getrennt in einer Muffel eingeäschert wurde. Obgleich Sander angab, seine Erfindung sei »aktiviert« worden (so die Rückübersetzung aus dem Russischen; wir wissen nicht, welchen deutschen Ausdruck er wirklich verwendet hat), ist ein solcher Ofen allem Anschein nach nie verwirklicht worden.[24]

Auf die von Sander angetönte Frage der gleichzeitigen Verbrennung von zwei oder gar drei Leichen in einer Muffel kommen wir später zu sprechen.

»Frage: Wer entwarf und genehmigte den Bau der Krematorien für die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald?

Antwort: Mit dem Entwurf und Bau der Krematorien befaßte sich Prüfer, mit den Lüftungseinrichtungen für die Krematorien Schultze. Ich habe diese Projekte überprüft, und nachdem ich dies getan hatte, genehmigte die Firma Topf sie.

Frage: Was war die von Ihnen angestrebte Kapazität des Krematoriums für die Massenverbrennung von Leichen?

Antwort: Meine Idee bei der Konstruktion des Krematoriums für die Massenverbrennung von Leichen besteht darin, daß die Leichen ununterbrochen in den Ofen gelangen. Die Anzahl der Leichname, die man in einer Stunde verbrennen kann, ist in dem von mir entworfenen Krematorium bedeutend höher als jene, die in einem [herkömmlichen] Krematoriumsofen verbrannt wurden.«

Obgleich Sander die Frage nach der angestrebten Kapazität des geplanten Krematoriums nicht konkret beantwortet hatte, unterließ es der Vernehmer, hier nachzuhaken.

»Frage: Was erzählten Ihnen Prüfer und Schultze nach ihrer Dienstreise nach Auschwitz?

Antwort: Im Sommer 1942 berichteten mir Prüfer und Schultze,[25] in den Konzentrationslagern [Plural] von Auschwitz vernichte man in Gaskammern viele Menschen und verbrenne ihre Leichen in Krematorien [Plural], wobei die Belastung der Krematorien [Plural] so groß sei, daß man in eine Ofenöffnung drei Leichen [zugleich] einführe.«

Wieder spricht Sander von Krematorien, wo es nur ein Krematorium gab.

»Frage: Dies heißt, Sie wußten darüber Bescheid, daß man in den Konzentrationslagern [Plural] in Auschwitz vollkommen unschuldige Menschen vernichtete?

Antwort: Ja, ab Sommer 1942 wußte ich darüber Bescheid, daß man in den Konzentrationslagern [Plural] in Auschwitz ganz unschuldige Menschen vernichtete und darauf ihre Leichen in Krematorien verbrannte. Prüfer hat mir von kolossalen Transporten von Menschen berichtet, die aus Polen, Griechenland und anderen Ländern in die Konzentrationslager in Auschwitz gelangten und dort vernichtet wurden.«

Die Deportation griechischer Juden nach Auschwitz begann im März und April 1943,[26] so daß Prüfer »im Sommer 1942« ganz unmöglich von »kolossalen Transporten« aus Griechenland berichtet haben konnte.

Sanders Aussage enthält also zwei Anachronismen: Er spricht von Krematorien, obgleich 1942 in Auschwitz erst ein Krematorium bestand, und unterstellt Prüfer, in jenem Jahr Transporte griechischer Juden nach Auschwitz erwähnt zu haben, obschon diese erst 1943 stattfanden.

Vermutlich um diese Anachronismen aus der Welt zu schaffen, hat G. Fleming bei der Wiedergabe dieser Aussagen das Jahr falsch angegeben (und außerdem statt »vernichtet« das Wort »vergast« verwendet). Fleming zitiert Sander wie folgt:[27]

»"Im Sommer 1943 berichteten mir Prüfer und Schultze, in Auschwitz würden viele Menschen vergast und ihre Leichen in Krematorien verbrannt (...)." "Ja, seit Sommer 1943 wußte ich darüber Bescheid, daß man in Auschwitz unschuldige Menschen vergaste und dann in den Krematorien einäscherte."«

Da die Jahreszahl 1942 im Protokolltext gleich zweimal vorkommt, scheint mir ein simpler Abschreibe- oder Druckfehler weniger wahrscheinlich als eine bewußte Verfälschung. Die falsche Jahreszahl steht auch im Spiegel,[28] der sich auf Fleming stützt.

»Frage: Wie kam es, daß Sie, obschon Sie wußten, daß die Krematorien in den Konzentrationslagern zur Vernichtung unschuldiger Menschen dienten, sich trotzdem auf eigene Initiative an die Planung eines noch größeren Krematoriums für eine noch größere Massenvernichtung machten?

Antwort: Ich als deutscher Ingenieur und Angestellter der Firma Topf hielt es für meine Pflicht, mein ganzes Wissen aufzuwenden, um zum Sieg Hitlerdeutschlands beizutragen, genau wie dies jeder beliebige Flugzeugkonstruktionsingenieur tut, selbst wenn dies die Vernichtung von Menschen bedeutet.«

Welcher Deutsche sprach 1946 spontan von »Hitlerdeutschland«? Sander hatte sich dem Sprachgebrauch seiner Kerkermeister offenbar schon frühzeitig angepaßt oder anpassen müssen - immer vorausgesetzt, die im Protokoll stehende Formulierung stammt überhaupt von ihm.

Auf die in Auschwitz wütenden Seuchen, die den Hauptgrund für die hohe Sterblichkeit und die dadurch bedingte Errichtung von Krematorien bildeten, wurde bei diesem Verhör weder vom Smersch-Offizier noch von Sander auch nur mit einem Wort eingegangen. Daran sollte sich auch bei sämtlichen folgenden Verhören aller vier Topf-Ingenieure nichts ändern: Die Vernehmer gingen stets axiomatisch davon aus, daß die in den Krematorien eingeäscherten Leichen jene von Ermordeten waren, und die Befragten erhoben keinen Einspruch dagegen.

Am 13. März wurde Sander zum zweiten Mal verhört, diesmal von Hauptmann Morskoi. Dieser stellte ihm zunächst einige Fragen zu seinem beruflichen Werdegang und seiner Mitgliedschaft in Parteien und Organisationen (Sander war parteilos, doch Angehöriger zweier NS-Organisationen gewesen), und ließ sich - wie eine Woche zuvor Hauptmann Schatanowski - bestätigen, daß Sander 1942 seitens Prüfers von Massenmorden in den "Gaskammern" von Auschwitz erfahren habe. Sander legte dar, daß Prüfer in die Konzentrationslager gefahren sei, um die Montage der Krematorien zu überwachen und die Funktion letzterer nach ihrer Inbetriebnahme zu überprüfen; er sei zum Schluß gelangt, sie seien zu wenig leistungsfähig, um die anfallenden Leichen zu bewältigen.

Am 21. März wurde Fritz Sander - wiederum von Hauptmann Morskoi - ein drittes Mal vernommen, jedoch nur kurz. Abermals schilderte er auf Verlangen des Vernehmers den von ihm angefertigten Entwurf eines Krematoriums für Massenverbrennung, welchen er dem Berliner Patentamt im November 1942 vorgelegt habe. Sein drittes Verhör war auch sein letztes; eine Woche danach, am 28. März, wurde in einem Smersch-Dokument folgendes vermeldet:[29]

»Ins Amt der Antispionageorganisation "Smersch" in Deutschland wurde am 25. März 1946 der Inhaftierte Sander Fritz in kritischem Gesundheitszustand eingeliefert, mit Anzeichen schwindender Herztätigkeit und Symptomen einer Anschwellung der Lungen sowie der unteren Extremitäten als Folge starker Erschöpfung. Dem Kranken wurde ärztliche Hilfe zuteil, doch ungeachtet der ergriffenen Maßnahmen verstarb der Inhaftierte Fritz Sander am 26. März 1946 um 15. Uhr. [...] Aufgrund des hier Ausgeführten wird nach Artikel 4 Absatz 1 des Strafgesetzes der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik beschlossen, die Ermittlungen gegen den Inhaftierten Sander Fritz, Sohn des Karl, wegen des Ablebens des Inhaftierten einzustellen.«

Man wird wohl nicht fehl in der Annahme gehen, daß die »starke Erschöpfung«, die zum Tod Sanders führte, Folge der Verhöre war, bei denen er gezwungen wurde, sich und seine langjährigen Mitarbeiter Prüfer und Schultze wahrheitswidrig zu belasten.

6. Die Verhöre Kurt Prüfers

Ingenieur Kurt Prüfer, der den größten unmittelbaren Anteil an der Errichtung der Krematorien von Auschwitz hatte, wurde erstmals am 5. März 1946 vernommen. Die Befragung leiteten Hauptmann Schatanowski und Major Moruschenko. Wir geben den Text dieses Verhörs vollständig wieder.

»Frage: Ab welchem Jahr waren Sie Mitglied der nationalsozialistischen Partei?

Antwort: Mitglied der nationalsozialistischen Partei wurde ich schon bald nach der Machtergreifung Hitlers, im Mai 1933.

Frage: Seit wann und in welcher Funktion sind Sie bei der Firma Topf tätig?

Antwort: Ich arbeite seit 1920 bei der Firma Topf im Betrieb zu Erfurt. Bis 1923 war ich Techniker; von 1923 bis vor kurzem war ich als leitender Ingenieur für Krematorienbau und Heizung tätig.

Frage: Wieviele Krematorien wurden von der Firma Topf im Verlauf der Jahre errichtet?

Antwort: Von 1912 bis 1933 erbaute sie 110 Krematorien, oder 110 Verbrennungsöfen. Von 1933 bis 1945 wurden bis zu 50 Verbrennungsöfen errichtet. Von 1942 bis 1945 wurden bis zu 25 Verbrennungsöfen gebaut.

Frage: Ab welchem Jahr, wo und in welcher Zahl wurden Krematorien für die Konzentrationslager Deutschlands errichtet?

Antwort: Man begann in der Firma Topf ab 1940 mit dem Bau von Krematorien für die Konzentrationslager, und sie wurden in folgenden Konzentrationslagern erbaut:[30]

In Buchenwald: Ein Krematorium mit zwei Öfen im Jahre 1941.

In Dachau: Ein Krematorium mit einem Ofen im Jahre 1940.

In Mauthausen: Ein Krematorium mit einem Ofen im Jahre 1943.

In Auschwitz: Vier Krematorien mit zwölf Öfen[31] in den Jahren 1943 und 1944.[32]

Frage: Inwiefern unterschieden sich die Krematorien für die Konzentrationslager von den zivilen?

Antwort: In den Zivilkrematorien gab es eine Einführungsöffnung (Muffel) zur Verbrennung der Leiche, in seltenen Fällen zwei. In den Krematorien für die Konzentrationslager gab es drei Einführungsöffnungen. Die Größe der Einführungsöffnung ist in den Krematorien für die Konzentrationslager geringer - 70 x 70 cm -, die Länge zwei Meter, gegenüber zwei Meter dreißig bei den Zivilkrematorien. Anstelle eines Rollwagens auf Schienen, auf denen man die in einem Sarg befindliche Leiche in die Einführungsöffnung fährt, wird in den Krematorien für die Konzentrationslager der Leichnam auf einer von Hand getragenen Bahre ohne Sarg in den Ofen eingeschoben. In den zivilen Krematorien wird mittels eines speziellen Blasebalgs bereits vorher erhitzte Luft eingeblasen, wodurch die Leiche rascher und ohne Rauch verbrennt. Die Konstruktion der Krematorien für die Konzentrationslager ist anders; sie ermöglicht es nicht, die Luft im voraus zu erhitzen, weshalb die Leiche langsamer und unter Rauchentwicklung verbrennt. Um den Rauch sowie den Geruch des verbrennenden Leichnams zu verringern, wird eine Ventilation eingesetzt.

Frage: Welche Anzahl von Leichen konnte in Auschwitz pro Stunde in einem Krematorium verbrannt werden?

Antwort: In einem Krematorium, das fünf Öfen oder fünfzehn Muffeln aufwies, verbrannte man in einer Stunde fünfzehn Leichen.«

Interessanterweise wurde diese - den Fakten entsprechende - Antwort von den beiden Vernehmern kommentarlos akzeptiert, obwohl sie der von verschiedenen Augenzeugen sowie in einer sowjetischen Expertise aus dem Vorjahr behaupteten phantastischen Kapazität der Krematorien flagrant widersprach. Laut jener Expertise hatten die Krematorien II und III innerhalb von 24 Stunden jeweils 5000, die Krematorien IV und V im gleichen Zeitraum jeweils 3000 Leichen einzuäschern vermocht.[33] Eine solch schwindelerregende Kapazität mußten die Verbrennungsanlagen von Auschwitz-Birkenau notwendigerweise besessen haben, wenn in ihnen - wie von den Sowjets behauptet - der größte Teil der angeblich vier Millionen Auschwitz-Opfer zu Asche verwandelt worden war.

»Frage: Seit wann erhielten Sie persönlich den Auftrag, Krematorien für die Konzentrationslager zu bauen?

Antwort: Im Jahre 1940 ließ mich Firmenchef Ludwig Topf zu sich kommen und schlug mir vor, Krematorien zu errichten, in denen jeder Ofen drei Einführungsöffnungen (Muffeln) besitzen sollte. Er wies mich darauf hin, daß die Bestellung von der SS-Führung stammte. Ich machte mich unverzüglich an die Konstruktion eines Krematoriumsofens mit drei Muffeln. Es gilt darauf hinzuweisen, daß ich schon 1939 zusammen mit Ludwig Topf solche Öfen mit drei Muffeln konstruiert und meine Projekte dem Kriegsministerium Deutschlands vorgelegt hatte. Im Jahre 1940 akzeptierte die SS das Krematorium mit den von mir konstruierten Öfen. Ein paar Wochen später erfuhr ich, daß diese von mir entworfenen Öfen von der SS-Führung für den Bau von Krematorien in Konzentrationslagern akzeptiert worden war.

Frage: Wie oft und zu welchen Zwecken reisten Sie ins Konzentrationslager Auschwitz?

Antwort: Nach Auschwitz fuhr ich als Konstrukteur und Leiter der Abteilung für Krematorienbau fünfmal. Das erste Mal Anfang 1943, um von der SS Anweisungen zu erhalten, wo man das Krematorium aufstellen solle. Das zweite Mal im Frühjahr 1943, um den Platz zu besichtigen und den Grund zur Errichtung des Krematoriumskamins zu untersuchen. Das dritte Mal im Herbst 1943; ich wurde von der SS-Führung bestellt, weil beim Bau des Krematoriumskamins Fehler aufgetreten waren. Das vierte Mal Anfang 1944, um den Krematoriumskamin zu untersuchen, dessen inneres feuerfestes Ziegelwerk zu zerbröckeln begann. Das fünfte Mal im September/Oktober 1944; ich wurde von der SS-Führung bestellt, um die Krematorien des Lagers Auschwitz auseinanderzunehmen und die Einrichtungsgegenstände sowie das Ziegelwerk sorgfältig zusammenzupacken, damit sie an einen anderen Ort überführt werden konnten. Meiner Meinung nach hing dies damit zusammen, daß die Front näher rückte. Zwar tat ich bei allen Reisen das Notwendige, um die Anweisungen der SS-Führung des Konzentrationslagers zu erfüllen, aber letzteres konnte ich nicht ausführen, weil es keine Arbeitskräfte gab, und deswegen wurden die Krematorien nicht auseinandergenommen.«

In Wirklichkeit ist Prüfer öfter als die erwähnten fünf Male in Auschwitz gewesen. Den Dokumenten der Zentralbauleitung läßt sich nämlich entnehmen, daß er sich am 21. und 22. Oktober 1941[34] sowie am 19. August 1942[35] in jenem Lager aufhielt.

»Frage: Waren Sie zusammen mit Schultze auf einer Dienstreise im Konzentrationslager Auschwitz?

Antwort: Ja, ich war auf der Dienstreise im Frühling 1943 zusammen mit Schultze im Konzentrationslager Auschwitz.

Frage: Was beobachteten Sie zusammen mit Schultze im Lager Auschwitz?

Zwei Seiten der russischen Originale der Verhörprotokolle. (Zum Vergrößern anklicken)
Der Volltext der Verhöre ist hier einzusehen.

Antwort: Ich sah persönlich, wie eine SS-Frau mit Hunden weibliche Häftlinge in die Baracken trieb. Ich sah auch Juden, die unter Bewachung der SS mit den Händen Erde ausgruben und von einem Ort zum anderen trugen.

Als ich im Krematorium war, sah ich selbst, ungefähr um 10 Uhr morgens, daß auf dem Boden bis zu 60 Leichen von Männern und Frauen verschiedenen Alters lagen, die zur Einäscherung im Krematorium vorbereitet waren. In meiner Gegenwart wurden sechs Leichen verbrannt, und ich kam zum Schluß, daß die Öfen gut arbeiteten.

Frage: Sahen sie neben den Krematorien[36] eine Gaskammer?

Antwort: Ja, ich sah eine Gaskammer von außen; es verlief eine hölzerne Baracke [sic]; von ihr gab es eine Verbindung mit der Gaskammer; von der Gaskammer gab es eine Verbindung mit dem Krematorium«[37]

Diese Antwort Prüfers stimmt hinten und vorne nicht mit der damals im Entstehen begriffenen und später kodifizierten, ausschließlich auf Augenzeugenberichten fußenden Version der angeblichen Gaskammermorde überein. Laut dieser gab es zum angegebenen Zeitpunkt (Frühjahr 1943) Menschentötungsgaskammern in den Kellerräumen der Krematorien von Birkenau; zwei zuvor außerhalb des Lagers gelegene Bauernhäuser, das sogenannte "Rote Haus" und das "Weiße Haus", auch "Bunker 1" und "Bunker 2" genannt, sollen bis zur Inbetriebnahme der Krematorien als Vergasungsstätten gedient haben. (Darüber, daß diese Bauernhäuser von der SS auch nur als Gebäude genutzt, geschweige denn zur Vergasung von Menschen eingesetzt wurden, fehlt in den stoßweise erhaltenen Akten der SS-Zentralbauleitung freilich jeder Hinweis.)

Der Beschreibung Prüfers zufolge befand sich die Gaskammer außerhalb des Krematoriums, genau wie es der Smersch-Offizier mit seiner Frage suggeriert hatte (»neben den Krematorien«). Demnach kann es sich um keine der angeblich in den Krematorien eingerichteten Gaskammern gehandelt haben. Laut Prüfer gab es eine »Verbindung« zwischen der Gaskammer und dem Krematorium sowie zwischen der Gaskammer und einer Holzbaracke. Sprach Prüfer also von einem der beiden "Bunker", in denen freilich laut offizieller Geschichtsversion im Frühling 1943 nicht vergast wurde? Die Bauernhäuser sollen angeblich 550 bzw. 900 m (Luftlinie) von den Krematorien II und III entfernt gewesen sein! Um was für eine »Verbindung« konnte es sich also handeln? Prüfer liefert keinen Hinweis darauf, und die Verhörleiter unterließen es, nachzufragen.

»Frage: Wußten Sie, daß in den Gaskammern und Krematorien eine Vernichtung völlig unschuldiger Menschen durchgeführt wurde?

Antwort: Ab Frühling 1943 wußte ich, daß im Konzentrationslager Auschwitz völlig unschuldige Menschen vernichtet und ihre Leichen dann in den Krematorien verbrannt wurden.

Frage: Was erzählte Ihnen Schultze Karl von den Leichen, die Sie beim Krematorium liegen sahen?

Antwort: Schultze sagte mir damals im Frühling 1943 morgens im Krematorium zu den dort liegenden Leichen von bis zu sechzig Männern, Frauen und Kindern, daß man sie in Gaskammern ermordet habe.

Frage: Welche Ausstattung für die Gaskammern entwarf die Firma Topf?

Antwort: Die Gaskammer nannte man anfangs im Betrieb "Raum für Leichen" [so die Rückübersetzung aus dem Russischen; vermutlich wird Prüfer von einer Leichenhalle oder einem Leichenkeller gesprochen haben], wo von der Firma Topf eine Lüftung eingerichtet wurde, doch später wurde klar, daß dies eine Gaskammer zur Tötung von Menschen war.«

Diese Aussage entspricht dem später in die offizielle Geschichtsschreibung eingegangenen Mythos, daß die in deutschen Dokumenten der Kriegszeit enthaltenen Bezeichnungen »Leichenhalle« und »Leichenkeller« nur Tarnausdrücke für "Gaskammer" gewesen seien.

»Frage: Wer war der Konstrukteur der Lüftungseinrichtungen in den Gaskammern?

Antwort: Der Konstrukteur der Lüftungseinrichtungen in den Gaskammern war Schultze; er richtete sie ein.

Frage: Erklären Sie wahrheitsgemäß, warum in den Kaminen der Krematorien des Lagers Auschwitz die innere Schamottverkleidung so oft zerbröckelte!

Antwort: Die innere Schamottverkleidung der Krematoriumskamine in Auschwitz begann bereits nach einem halben Jahr als Folge der kolossalen Belastung zu zerbröckeln, welcher diese Krematorien im Konzentrationslager ausgesetzt waren.

Frage: Somit haben Sie, obwohl Sie schon im Frühling 1943 darüber Bescheid wußten, daß die von Ihnen konstruierten Krematoriumsöfen zur Vernichtung unschuldiger Menschen dienten, trotzdem auf diesem Gebiet weitergearbeitet?

Antwort: Ja, das stimmt. Obgleich ich darüber Bescheid wußte, daß die von mir konstruierten und gebauten Krematoriumsöfen in den Konzentrationslagern zur Vernichtung unschuldiger Menschen bestimmt waren, habe ich dennoch auf diesem Gebiet weitergearbeitet und war in Auschwitz noch zweimal in den Lagern [Plural]

Mit apathischer Stumpfsinnigkeit wiederholt Prüfer hier fast wörtlich, was ihm sein Verhörer vorkaut. Schon beim ersten Verhör mußte Prüfer also dem Leitmotiv der Anklage zustimmen, daß die Krematorien zur Vernichtung unschuldiger Menschen, sprich zum Massenmord, gebaut worden seien - als ob die vor allem aufgrund der Fleckfieberseuche im Frühling 1943 täglich anfallenden hundert und mehr Leichen nicht existiert hätten.

»Frage: Sprach Willi Wimoli mit Ihnen darüber, daß in den Öfen des Krematoriums lebende Menschen verbrannt wurden?

Antwort: Ja, ein solches Gespräch gab es in letzter Zeit, wann genau weiß ich nicht mehr, doch ich erinnere mich, daß ich ihm damals sagte, dies könne nicht wahr sein, weil die Öfen dafür zu klein seien.«

Bei Willi Wimoli (Name aus dem Russischen transkribiert) könnte es sich um einen Mitarbeiter der Firma Topf gehandelt haben, der Prüfer mit seinen Aussagen belastet hatte. In der Tat wäre es schwierig gewesen, einen lebenden Menschen, der sich natürlich wütend gewehrt hätte, in eine 70 × 70 cm große Muffel einzuführen, und auf die Idee, diese Methode hätte gar bei einem Massenmord Anwendung finden können, konnte nur ein krankes Hirn verfallen. Die Vernehmer akzeptierten Prüfers Antwort, und in der Folge war nicht mehr von Verbrennungen bei lebendigem Leibe die Rede.

»Frage: Was bewog Sie, auch nachdem Sie erfahren hatten, daß die von Ihnen konstruierten Krematoriumsöfen zur Vernichtung von Menschen bestimmt waren, dazu, bei der Firma Topf zu bleiben und auch weiterhin als Konstrukteur beim Bau dieser Krematorien zu arbeiten?

Antwort: Ich hatte einen Vertrag mit der Firma Topf und begriff, daß meine Arbeit sehr wichtig für den nationalsozialistischen Staat war, und daß ich, falls ich diese Arbeit aufgeben sollte, von der Gestapo vernichtet würde. Davor fürchtete ich mich, und ich arbeitete weiterhin als Konstrukteur und Leiter der Abteilung für Krematorienbau.

Meine Antworten sind richtig niedergeschrieben worden; sie wurden mir in deutscher Übersetzung vorgelesen, und ich unterschreibe in dieser Sprache.«

Da Prüfer die ihm zur Last gelegten Verbrechen unter den obwaltenden Umständen nicht bestreiten durfte, mußte er notgedrungen Befehlsnotstand und Furcht vor Repressalien als mildernde Umstände geltend machen. Derselben Taktik haben sich nach ihm unzählige Angeklagte bei NS-Prozessen bedient.

Nach einem sehr kurzen Verhör am 7. März 1946, bei dem Prüfer lediglich nach dem Wohnort seiner Familie sowie seiner Funktion in der NSDAP gefragt wurde, fand am 15. März eine etwas längere Befragung statt, bei der kaum grundsätzlich Neues zur Sprache kam. Prüfer sagte aus, sowohl stationäre als auch mobile Krematorien konstruiert zu haben, beantwortete abermals die - wie schon beim Verhör vom 5. März - gestellte Frage nach den Unterschieden zwischen zivilen Krematorien und jenen in den Konzentrationslagern und gab zu Protokoll, bei der Firma Topf & Söhne habe jeweils Chefingenieur Sander die von ihm entworfenen Projekte überprüft, wonach sie Firmenchef Ludwig Topf zur Genehmigung vorgelegt worden seien. Zusammen mit ihm hätten an der Konstruktion der Verbrennungsanlagen der Techniker Keller sowie der Ingenieur Schultze teilgenommen; Keller habe die Öfen gezeichnet, und Schultze habe das Saugzuggebläse sowie die Ventilation entworfen.

Vier Tage danach, also am 19. März, wurde Prüfer von Hauptmann Morskoi abermals vernommen. Er legte dar, daß die Firma Topf keine Gaskammern gebaut, sondern lediglich Lüftungseinrichtungen für solche (d.h. für die Leichenkeller) installiert habe. Er selbst habe die Lager Buchenwald, Auschwitz und Groß-Rosen aufgesucht; in Auschwitz sei er sechsmal gewesen,[38] und zwar zur Installierung und Aufstellung der Öfen in den Krematorien, aber auch zur Installierung der Öfen in der Entwesungskammer (»v desinfekzionnoi kamere«).

»Frage: Wurden während Ihrer Anwesenheit im Konzentrationslager Auschwitz die Krematorien erprobt?

Antwort: Von den sechs Malen, als ich das Konzentrationslager Auschwitz aufsuchte, wurde nur einmal, Anfang 1943, in meiner Anwesenheit eine Erprobung zweier der von mir im neuerbauten Krematorium aufgestellten fünf Öfen durchgeführt. In allen [Öfen] wurden sechs Leichen von Männern verschiedenen Alters verbrannt, und dort im Krematorium lagen auch Leichen von Frauen und Kindern, die in den Gaskammern ermordet worden waren und im Krematorium verbrannt werden sollten. Die Gesamtzahl der Leichen betrug ungefähr sechzig.

Frage: Wie haben Sie bei der Verbrennung der Leichen ermordeter, unschuldiger Menschen mitgewirkt?

Antwort: Ich überprüfte, ob die von mir installierten Öfen im Krematorium funktionierten.

Frage: Welche Schlußfolgerung zogen Sie?

Antwort: Ich zog die Schlußfolgerung, daß die von mir erbauten Öfen im Krematorium gut und störungsfrei funktionierten.

Frage: Wer von den Ingenieuren und Technikern bei der Firma Topf nahm außer Ihnen an der Installierung der Krematorien teil?

Antwort: Bei der Installierung der Krematorien im Frühling 1943 war außer mir auch Ingenieur Schultze zugegen.«

Im folgenden wiederholte Prüfer, daß er im Frühjahr 1943, als er sich zwecks Erprobung der Öfen in Auschwitz aufhielt, von der Ermordung unschuldiger Menschen in jenem Lager erfahren habe; anschließend habe er sich mit Ludwig Topf sowie Fritz Sander über seine Erfahrungen unterhalten.

»Frage: Was berichteten Sie Sander über Ihre Reise nach Auschwitz?

Antwort: Ich berichtete Sander, daß ich bei der Erprobung der Öfen im Krematorium des Konzentrationslagers Auschwitz zugegen gewesen und zum Schluß gelangt sei, die Krematorien könnten eine solche Anzahl von Leichen nicht bewältigen, da die Verbrennungsöfen zu wenig leistungsfähig waren. Dabei führte ich Sander gegenüber als Beispiel an, daß in Auschwitz in meiner Gegenwart jeweils zwei Leichname in eine Muffel eingeschoben wurden statt eines einzigen, und daß die Öfen des Krematoriums dann diese Belastung nicht aushielten, weil es sehr viele Leichen zu verbrennen gab. Damals sagte ich Sander auch, daß die Leichen, die ich gesehen hatte, von Menschen stammten, die man zuvor in Gaskammern ermordet hatte.«

Von vielen "Holocaust-Augenzeugen" wird behauptet, in den Krematorien von Auschwitz seien jeweils zwei oder gar drei Leichen zugleich in einer Muffel eingeäschert worden. Wir erinnern uns, daß Fritz Sander bei seinem Verhör vom 7. März Prüfer eine entsprechende Aussage zugeschrieben hatte. Nun bestätigte Prüfer diesen Sachverhalt, betonte jedoch gleichzeitig, die Öfen hätten die Belastung nicht ausgehalten. In der Tat hätte ein solches Vorgehen keinen Nutzen gebracht, weil die gleichzeitige Verbrennung von zwei oder drei Leichen entsprechend zwei- bis dreimal länger dauert und zwei- bis dreimal mehr Brennstoff erfordert als jene eines einzigen Leichnams.

»Frage: Wenn Sie doch wußten, daß in den von Ihnen konstruierten Krematorien unschuldige Menschen vernichtet wurden, warum haben Sie denn trotzdem auf diesem Gebiet weitergearbeitet?

Antwort: Erstens war ich durch einen Vertrag mit der Firma Topf als Bauingenieur gebunden. Zweitens begriff ich, daß meine Arbeit auf dem Gebiet der Konstruktion und des Baus von Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager für das faschistische Deutschland sehr wichtig war. Drittens fürchtete ich mich davor, diese Arbeit aufzugeben, weil ich dann von der Gestapo hätte vernichtet werden können; deshalb fuhr ich fort, Krematorien zu konstruieren und die Abteilung Krematorienbau zu leiten.«

Daß Prüfer vom »faschistischen Deutschland« sprach, beweist, daß er - wie Sander - den Sprachgebrauch seiner Kerkermeister übernommen hatte bzw. hatte übernehmen müssen, sprich, daß man ihn mental zumindest gebrochen, wenn nicht gar gehirngewaschen hatte.

Kurt Prüfer, links auf einem Foto aus der Zeit zwischen 1935 und 1940,[39] rechts nach seinem Verhör in russischer Gefangenschaft.[40]

Bemerkenswert ist, daß die Vernehmer immer nur die in Auschwitz vernichteten unschuldigen Menschen beschworen, Prüfer jedoch niemals nach deren Nationalität sowie dem Grund für ihre Tötung fragten. Weder bei diesem Verhör noch bei den folgenden Befragungen Prüfers und Schultzes wurde auch nur mit einem Wort angedeutet, daß es sich bei den Ermordeten um Juden gehandelt habe, die ihm Rahmen eines rassistisch motivierten Völkermords ausgerottet worden seien.

Am 19. März 1946 wurde Kurt Prüfer die Anklage vorgelegt, und er bekannte sich vorbehaltlos schuldig. Die betreffenden Aussagen haben wir bereits in Absatz 4 wiedergegeben.

Acht Tage später, am 27. März, war die nächste Befragung fällig, bei der Prüfer Auskunft über seinen persönlichen Werdegang sowie die Geschichte der Firma Topf erteilte. Diese war 1878 gegründet und bis 1945 von den Gebrüdern Ludwig und Ernst Topf geleitet worden. Während Ludwig Topf nach der Kapitulation Deutschlands Selbstmord begangen hatte, lebte sein Bruder Ernst unbehelligt in der amerikanischen Besatzungszone. Die Firma Topf & Söhne stellte neben Krematorien u.a. Kräne, Entwesungskammern, Tierkadaververbrennungsanlagen, Maschinen zur Benzinreinigung sowie Einzelteile von Flugzeugen her. Damals, also im März 1946, erfüllte sie Bestellungen der sowjetischen Verwaltung zur Herstellung von Flugzeugteilen, zur Entschärfung von Bomben sowie zum Bau von Entwesungskammern.

Dies war Prüfers letztes Verhör auf deutschem Boden; das nächste fand erst knapp zwei Jahre später, am 11. Februar 1948, nach seiner Überstellung in die Sowjetunion in Moskau statt. Hier wurde Prüfer von Smersch-Oberstleutnant Dopertschuk vernommen, wobei in vielen Fällen dieselben Fragen wie schon zwei Jahre zuvor in Erfurt gestellt wurden, aber auch einige neue.

»Frage: Wer von der Firma Topf leitete persönlich die Verhandlungen mit den SS-Organen bezüglich des Baus von Öfen für die Konzentrationslager sowie der Einrichtung von Gaskammern in die Konzentrationslager?

Antwort: [...] Zuerst wandte sich in dieser Frage der Chef der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Buchenwald, ein gewisser Grosch, an uns. Auf Anweisung des Firmenchefs Ludwig Topf führte ich die Verhandlungen mit Grosch über den Bau zweier Krematoriumsöfen in Buchenwald. Bald darauf suchte ein Vertreter der Reichsführung SS,[41] dessen Namen mir nicht mehr erinnerlich ist, die Firma Topf in Erfurt auf, der Verhandlungen mit Ludwig Topf bezüglich des Baus von Krematorien in anderen Konzentrationslagern führte; in welchen genau, gab er damals nicht an. Auf Einladung des Firmenchefs nahmen auch ich sowie der Chef der Planungsabteilung Mersch [Transkription] teil. Mit den Vertretern der Reichsführung SS wurde damals vertraglich vereinbart, daß die Firma Topf die Verantwortung für den Bau von Krematoriumsöfen in den Konzentrationslagern übernehmen würde, doch wurde auch abgemacht, daß in jedem konkreten Fall briefliche Übereinkommen oder Kontrakte direkt mit der SS-Bauleitung des betreffenden Konzentrationslagers abgeschlossen werden sollten, d.h. mit den Auftraggebern. Dies wurde in der Folge auch so gehandhabt.

Außer in diesen beiden Fällen führte ich auch mit der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz Verhandlungen über den Bau von Krematoriumsöfen sowie Lüftungseinrichtungen für die Gaskammern. In der Regel wurden alle brieflichen Übereinkommen oder Verträgen zu diesen Fragen vom Firmenchef Ludwig Topf unterzeichnet.

Zum eben Gesagten möchte ich noch hinzufügen, daß bei diesen Verhandlungen die Frage der Gaskammern von der SS-Bauleitung der Konzentrationslager nicht zur Sprache gebracht wurden.

Frage: War Ihnen persönlich bekannt, zu welchen Zwecken die Firma in den Konzentrationslagern Gaskammern baute?

Antwort: Bis 1943 war ich nicht über die tatsächlichen Ziele und Bestimmungen der in den Konzentrationslagern errichteten Krematorien unterrichtet; mir wurden diese erst bekannt, als ich das Konzentrationslager Auschwitz aufsuchte. Vorher erklärten die Vertreter der SS-Bauleitungen, welche die Verhandlungen mit der Firma Topf leiteten, die Krematorien würden in den Konzentrationslagern zur Verbrennung der Leichen von Häftlingen erbaut, die infolge von Seuchen eines natürlichen Todes gestorben seien. [...]«

Genau dies war selbstverständlich der Grund für die Errichtung der Krematorien gewesen! Prüfer gab wie zwei Jahre zuvor an, er habe anläßlich seines Besuchs in Auschwitz im Jahre 1943 erfahren, daß »in diesem Lager eine Massenvernichtung von Gefangenen vor sich ging, darunter auch Frauen, Kindern und Greisen, die von den Hitleristen[!] in ganzen Transporten aus den von Deutschland okkupierten Ländern Europas nach Auschwitz gesandt« worden seien.

Auf die bereits zum dritten Mal bei einem Verhör gestellte Frage, warum er trotzdem weiterhin Öfen für die Lager gebaut habe, erwiderte Prüfer:

»Nachdem mir die tatsächliche Bestimmung der Krematorien im Konzentrationslager Auschwitz bekannt geworden war, beschloß ich, auf die Teilnahme an ihrem Bau zu verzichten, und setzte Firmenchef Ludwig Topf davon in Kenntnis. Als Antwort darauf erklärte mir Topf, der Bau der Krematorien in den Konzentrationslagern werde von der Firma im Auftrag des Reichsamtes der SS durchgeführt, und wenn ich mich weigere, an diesen Arbeiten teilzunehmen, könne ich als Saboteur verhaftet und in einem Konzentrationslager inhaftiert werden. Deswegen ließ ich aus Furcht, meine Arbeit zu verlieren und Repressalien ausgesetzt zu werden, mein ursprüngliches Vorhaben fallen und erfüllte auch weiterhin alle Aufträge der Firma zum Bau von Krematorien in den Konzentrationslagern. Andere Motive dazu besaß ich nicht.«

Obgleich diese Erklärung von der zwei Jahre früher abgegebenen abwich - damals hatte Prüfer nichts von einem diesbezüglichen Gespräch mit Ludwig Topf und einem Gesuch um Entbindung von der Teilnahme am Bau von Krematorien für die Konzentrationslager berichtet -, wurde sie vom Vernehmer kommentarlos akzeptiert. Daß Prüfer dem verstorbenen Firmenchef den Schwarzen Peter zuschob, ist in seiner Lage natürlich nachvollziehbar, da von einem Toten kein Dementi zu erwarten war.

»Frage: Hat die Tatsache, daß Sie seit 1933 der nazistischen Partei angehörten, Ihren Entscheid etwa nicht beeinflußt?

Antwort: Natürlich verpflichtete mich meine Zugehörigkeit zur nazistischen Partei, deren Ideen ich teilte, alle Maßnahmen, die von den Regierungsorganen Deutschlands - darunter dem SS-Reichsamt - getroffen wurden, loyal zu unterstützen, und bei der Durchführung dieser Maßnahmen kräftig mitzuhelfen. Doch im vorliegenden Fall habe ich den Entscheid, die Arbeiten an der Konstruktion und dem Bau der Krematorien weiterzuführen, aus Furcht vor Repressalien gefällt und nicht aus anderen Gründen. Im entgegengesetzten Fall hätte ich Ludwig Topf nicht um Freistellung von diesen Arbeiten ersucht.«

Beim nächsten Verhör - es fand am 13. Februar 1948 statt und wurde von Oberstleutnant Dejertschun geleitet - mußte Prüfer zunächst ausführlich über Stellung und Aufgaben Gustav Brauns in der Firma Bericht erstatten. Braun als Produktionschef leitete die Firmenfabrik in Erfurt. Er war für die Anheuerung und Entlassung von Arbeitskräften zuständig und entwarf in Zusammenarbeit mit dem Produktionsbüro die Produktionspläne des Unternehmens. Braun wußte über alle Aufträge der SS-Bauleitungen in den Konzentrationslagern Bescheid und beteiligte sich direkt an deren Erfüllung. Persönlich war er jedoch nie in Konzentrationslagern gewesen.

Zwei Tage später, am 15. Februar 1948, waltete abermals Oberstleutnant Dejertschun als Vernehmer.

»Frage: Welche Ausrüstungsgegenstände wurden in der Fabrik der Firma Topf zum Bau der Krematorien und Gaskammern in den Konzentrationslagern hergestellt?

Antwort: Bei der Erfüllung der von den SS-Organen erteilten Aufträge zum Bau und zur Ausstattung von Krematorien und Gaskammern in den Konzentrationslagern (letztere, d.h. die Ausstattung der Gaskammern, fand nur im Konzentrationslager Auschwitz statt), kaufte die Firma die Materialien und Ausrüstungsgegenstände teils bei anderen Firmen, teils stellte sie sie in ihrer Fabrik in Erfurt her. Insbesondere wurden in der Fabrik angefertigt: Kleine Türen aus Gußeisen, Ofenklappen, Feuerungen sowie die ganze eiserne Armatur für die Verbrennungsöfen, aber auch alle Einzelteile, mit Ausnahme der Elektromotoren und Lüftungseinrichtungen, die in den Krematorien (bei den Öfen) sowie in den Gaskammern montiert wurden. Schamott, Ziegel, Isolationsmaterial, Elektromotoren, elektrische Aufzüge und andere elektrische Ausrüstungsgegenstände wurden von der Firma in den Betrieben anderer deutscher Firmen gekauft.«

Erneut mußte Prüfer seinen früheren Mitarbeiter Gustav Braun belasten, indem er unterstrich, daß dieser »über alle Bestellungen seitens der SS-Organe auf dem laufenden« war und sich direkt an deren Erfüllung beteiligte.

Beim wiederum von Oberstleutnant Dejertschun geführten Verhör vom 21. Februar 1948 wurde Prüfer das Produktionsschema der Firma Topf vorgelegt, das die Beziehungen zwischen den einzelnen Abteilungen des Unternehmens erhellte. Er zählte von neuem die in der Erfurter Fabrik angefertigten Ausrüstungsgegenstände für die Krematorien auf.

Vier Tage darauf, am 25. Februar, fand eine Gegenüberstellung der Angeklagten Prüfer und Braun statt. Die Verhandlung wurde von Oberstleutnant Kusmischin sowie Oberstleutnant Dopertschuk geleitet. Prüfer mußte sich ein weiteres Mal über die dienstliche Tätigkeit Brauns auslassen und wiederholen, daß dieser »stets auf dem laufenden darüber war, von welchen SS-Organen und zur Ausführung welcher Arbeiten von der Firma Bestellungen entgegengenommen wurden.« Braun machte geltend, er habe als Produktionschef zwar gewußt, daß die Firma Topf und Söhne Verbrennungsöfen herstellte, doch wo und zu welchen Zielen, sei ihm unbekannt gewesen, da er sich nicht für diese Frage interessiert habe. Darauf legte Prüfer dar, daß fast alle Arbeiten für den Bau der Verbrennungsöfen in den Konzentrationslagern mit Brauns Wissen ausgeführt worden seien, und führte zur Erhärtung dieser Behauptung sechs Punkte an.

Dieses Verhalten Prüfers hinterläßt sicherlich keinen günstigen Eindruck, doch haben wir kein Recht, ihn zu verurteilen, weil wir nicht wissen, unter welchem Druck er stand und wie wir uns in seiner Situation verhalten hätten.

Das gegenseitige Ausspielen von Angeklagten ist übrigens eine typische Methode von Schauprozessen und wird insbesondere deshalb angewandt, um denjenigen Angeklagten, deren Wille noch nicht gebrochen war, angesichts der Belastung durch ihre früheren Kollegen und Freunde die Aussichtslosigkeit ihres "Leugnens" deutlich zu machen.

»Frage an den Angeklagten Braun: Durch die Aussagen des Häftlings Prüfer Kurt, die hier angesichts einer direkten Gegenüberstellung abgegeben wurden, ist einwandfrei nachgewiesen, daß die Arbeiten der Firma Topf zum Bau und zur Ausrüstung von Krematorien in den Konzentrationslagern nicht nur mit Ihrem Wissen, sondern auch unter Ihrer direkten Teilnahme erfolgt sind. Hören Sie doch auf, hartnäckig zu leugnen, und machen Sie wahrheitsgemäße Angaben.

Antwort Brauns: Die Aussagen des Häftlings Prüfer Kurt, die hier angesichts einer direkten Gegenüberstellung gemacht werden, entsprechen nicht der Wirklichkeit, und ich kann sie nicht bestätigen. Ich erkläre gegenüber der ermittelnden Instanz nochmals, daß ich zwar über den Bau von Krematoriumsöfen durch die Firma Topf und Söhne Bescheid wußte, nicht jedoch darüber, für wen und auf welche Bestellung er erfolgte, und daß ich mich nicht dafür interessiert habe.«

Während Braun keine Fragen an Prüfer hatte, stellte Prüfer seinem Mithäftling zwei Fragen. Er wollte von ihm wissen, ob er sich an bestimmte Ereignisse in der Firma erinnere, bei denen Braun mit Vertretern der SS-Bauleitung von Auschwitz zusammengekommen sei. Braun erklärte, sich nicht an diese Vorkommnisse zu erinnern.

Von erheblich größerer Bedeutung war die Vernehmung Prüfers vom 4. März 1948, die wir hier mit nur geringen Kürzungen wiedergeben. Die Befragung wurde von Oberstleutnant Dopertschuk sowie Oberstleutnant Novikov durchgeführt.

»Frage: Welche Arbeiten wurden von der Firma Topf im Konzentrationslager Auschwitz durchgeführt, und welchen Anteil an der Durchführung dieser Arbeiten hatten Sie selbst?

Antwort: In Erfüllung der Aufträge, die sie von der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz erhalten hatte, führte die Firma Topf & Söhne im Verlauf der Jahre 1940 bis 1944[42] in besagtem Lager Arbeiten beim Bau von Krematoriumsöfen, Entwesungsanlagen, aber auch bei der Montage von Ventilationseinrichtungen für die Krematoriumsöfen und Gaskammern durch. All diese Arbeiten wurden von der Firma unter meiner direkten Beteiligung durchgeführt und liefen in folgender Reihenfolge ab:

Das erste Krematorium im Lager Auschwitz wurde in der zweiten Hälfte 1940 in der Lagerabteilung Auschwitz errichtet. Als Krematorium wurde ein alter, halbunterirdischer Raum aus Eisenbeton von 80 m2 Fläche benutzt, der noch von den Polen als Artilleriedepot oder Luftschutzkeller gebaut worden war. Anfangs wurde in besagtem Krematorium von der Firma Topf & Söhne ein Zweimuffelverbrennungsofen erbaut, und dann - Anfang 1941 - warf die SS-Bauleitung von Auschwitz gegenüber der Firma die Frage nach einer Erhöhung der Kapazität dieses Krematoriums auf, wonach auf meinen Vorschlag dort noch ein Zweimuffelofen montiert wurde.

Daneben wurde auf meinen persönlichen Vorschlag hin für diese beiden Öfen ein Saugzuggebläse errichtet, dank dem die Zugkraft in den Öfen verstärkt und die Verbrennung beschleunigt wurde, was die Kapazität der Verbrennungsöfen ebenfalls steigerte.

Die Zeichnungen und technischen Pläne für dieses Saugzuggebläse wurden von Chefingenieur Schultze erstellt, und die Montagearbeiten für ihre Installierung wurden auf Anweisung Schultzes von einem Monteur der Firma erledigt, der zu diesem Zweck eigens ins Lager Auschwitz gereist war.

Ich erstellte persönlich technische Pläne und Zeichnungen für die erwähnten Krematoriumsöfen und führte auch die technische Kontrolle der Arbeiten an ihrem Bau durch.

Im Frühjahr oder Sommer 1942 beschleunigte die SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz die Arbeiten am Bau von vier neuen, großen Krematorien im Lagersektor Birkenau, welche die Nummern 2, 3, 4 und 5 zugeteilt bekamen. Als Nummer 1 wurde das alte, im Lagersektor Auschwitz befindliche Krematorium geführt. Die Krematorien in Birkenau wurden zwischen Februar und März 1943 fertiggebaut und in Betrieb genommen. Dabei wurden sie nach dem neusten Stand der Technik ausgestattet und erwiesen sich ihrer Bestimmung im Lager nach buchstäblich als Todesfabriken. Dies galt besonders für das zweite und das dritte Krematorium, die in Übereinstimmung mit den Forderungen der Zentralbauleitung von der Firma Topf ausgerüstet wurden. In den Gebäuden dieser Krematorien wurden Gaskammern eingerichtet, die wie Duscheinrichtungen und Bäder aussahen und in denen die SS-Männer Häftlinge gruppenweise ermordeten; danach wurden die Leichen mit speziellen elektrischen Aufzügen (Liften) zu den Krematoriumsöfen geschafft und verbrannt.

Außerdem wurden dort spezielle Räume für das aus den Reihen der Häftlinge rekrutierte Bedienungspersonal eingerichtet; ferner ärztliche Kabinette, wo die Autopsie der Leichen stattfand, sowie Leichenräume, in denen die Leichname der in den Gaskammern zu Tode Gequälten aufgestapelt wurden, denn obwohl die Krematorien 24 Stunden pro Tag in Betrieb waren, vermochten sie sie [die Leichen] nicht zu verbrennen.

Im zweiten sowie dritten Krematorium von Birkenau wurden von der Firma Topf jeweils fünf Dreimuffelöfen errichtet (eine Muffel ist eine Öffnung zur Einführung der Leichen in den Ofen); es wurden elektrische Aufzüge (Lifte) zum Transport der Leichen zu den Öfen gebaut, und es wurden auch Lüftungseinrichtungen in den Gaskammern, den Ofenräumen sowie den Leichenräumen angefertigt und montiert.

Im vierten und fünften Krematorium wurden von der Firma Topf nur Krematoriumsöfen gebaut, je vier Zweimuffelöfen in jedem Krematorium.

In[43] diesen Krematorien gab es auch Gaskammern, doch mit ihrer Ausrüstung befaßte sich die Firma Topf nicht, und soweit ich weiß, besaßen sie keine Lüftungseinrichtungen.

Ende 1943 wurde von der Firma Topf ca. 100 m von der Zone, wo die Gaskammern lagen, eine große Desinfektionsanlage erbaut, in der die Desinfizierung der Kleidung sowie der Wäsche der im Lager eintreffenden Häftlinge durchgeführt wurde.[44]

Außerdem wurden bei den Krematorien 2 und 3 von der Firma spezielle Öfen zur Verbrennung von Müll errichtet. [...[45]

All diese Arbeiten, ausgenommen die Montage der Lüftungseinrichtungen, wurden im Lager von Monteuren der Firma unter meiner unmittelbaren Führung und Kontrolle durchgeführt. Dabei überprüfte ich als Spezialist für Kremierungsvorrichtungen sowie als Vertrauensperson des Firmenchefs die Richtigkeit der Zeichnungen der Krematorien, welche der Firma von der SS-Bauleitung zwecks Durchsicht und technischer Beratung vorgelegt worden waren; ich erstellte Zeichnungen und technische Pläne der in diesen Krematorien errichteten Verbrennungsöfen, reiste von Zeit zu Zeit auch ins Konzentrationslager Auschwitz und führte dort mit der Führung der Bauleitung Verhandlungen über sämtliche Fragen, welche den Bau der Verbrennungsöfen sowie die Ausstattung der Krematorien betrafen, darunter auch über die Ausrüstung der Gaskammern mit Lüftungseinrichtungen.

Die praktischen Arbeiten bei der Erstellung der technischen Pläne und Zeichnungen dieser Einrichtungen, jedoch auch deren Montage an Ort und Stelle - im Lager -, wurden unter der Leitung sowie der direkten Beteiligung des Oberingenieurs des Konstruktionsbüros der Firma Topf, Karl Schultze, durchgeführt.«

Man vergleiche diese episch lange und recht detaillierte Aussage mit den kargen Informationen, die Prüfer zwei Jahre zuvor über den Vernichtungsprozeß geliefert hatte!

Der Grund für seine plötzliche Gesprächigkeit ist nur allzu klar. Zwischen März 1946 und März 1948 hatte das anfangs verschwommene Bild von Auschwitz als "Todesfabrik" klare Konturen angenommen. In Polen hatten die Prozesse gegen den ersten Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß sowie gegen die Wachmannschaft des Lagers stattgefunden, und zahlreiche ehemalige Auschwitz-Insassen hatten die angeblichen Menschenvergasungen beschrieben.

Erinnern wir uns an Prüfers Aussagen bei den Befragungen in Deutschland: Am 5. März 1946 hatte er von einer Gaskammer gesprochen, die mit einer hölzernen Baracke sowie dem Krematorium (er gab nicht an, mit welchem) »verbunden« gewesen sei. Weitere Auskünfte hierzu erteilte er weder bei jenem Verhör noch bei den folgenden, und er wurde von den Smersch-Offizieren auch nicht danach gefragt, offenbar, weil letztere nur äußerst nebelhafte Vorstellungen vom "Vernichtungsvorgang" in Auschwitz besaßen.

Im März 1948 hingegen machte Kurt Prüfer Angaben, die mit der inzwischen festgelegten und bis heute gültigen Auschwitz-Version in Übereinklang standen: Die vier Anfang 1943 in Birkenau in Betrieb genommenen Krematorien »erwiesen sich ihrer Bestimmung im Lager nach buchstäblich als Todesfabriken«, besonders Krema II und Krema III. In diesen wurden die Leichen der Vergasten mittels Aufzügen zum Ofenraum geschafft. Die Öfen waren dort »24 Stunden pro Tag in Betrieb«. Als Spezialist für Krematorien wußte Prüfer natürlich, daß ein Verbrennungsofen vom Typ der in Auschwitz erstellten regelmäßig gereinigt und zu diesem Zweck abgekühlt werden mußte, so daß ein ununterbrochener Betrieb unmöglich war. Er hätte also nie aus freien Stücken einen solchen Unsinn von sich gegeben. Es besteht nicht der leiseste Zweifel daran, daß Prüfer vor dieser Befragung ausgiebig mit den jüngsten "Erkenntnissen" zum Lager Auschwitz vertraut gemacht wurde und diese gebührend verinnerlichen mußte.

»Frage: Sie haben vorher ausgesagt, im Krematorium I im Lagersektor Auschwitz seien von der Firma Topf zwei Zweimuffel-Verbrennungsöfen gebaut worden, während in einem offiziellen Bericht der SS-Bauleitung von Auschwitz vom 28. 6. 1943, deren Fotokopie Ihnen vorliegt, festgehalten wird, in jenem Krematorium seien drei Zweimuffelöfen montiert worden. Geben Sie dazu eine Erklärung ab!

Antwort: Jetzt erinnere ich mich, daß im Krematorium Nr. 1, welches sich im Lagersektor Auschwitz befand, von der Firma Topf unter meiner Beteiligung drei und nicht zwei Krematoriumsöfen errichtet worden sind, d.h. es verhält sich so, wie es in dem mir vorgelegten Bericht der Bauleitung dargestellt wird. Im Zusammenhang damit möchte ich verdeutlichen, daß von der Firma Topf insgesamt in fünf Krematorien des Konzentrationslagers Auschwitz nicht 20, sondern 21 Verbrennungsöfen gebaut worden sind.

Nebenbei möchte ich folgenden Sachverhalt klarstellen:

Auf der mir vorgelegten Fotokopie des Berichts der SS-Bauleitung heißt es, in den Krematorien 4 und 5 von Birkenau hätten sich Achtmuffel-Krematoriumsöfen befunden. In Wirklichkeit wurden in jedem dieser Krematorien von der Firma Topf je vier Zweimuffelöfen gebaut, doch da sie auf meinen Vorschlag zu einem quadratförmigen Block vereint worden waren, galten sie in der Praxis als Achtmuffelöfen. Die Notwendigkeit, diese Öfen zu einem Block zu vereinen, ergab sich dadurch, daß in den Krematorien Nr. 4 und Nr. 5 die Ofenräume wesentlich kleiner waren als in den anderen Krematorien und es in ihnen nicht möglich war, vier Öfen einzeln aufzustellen.«

Bei dem Prüfer vorgelegten Bericht der SS-Zentralbauleitung vom 28. Juni 1943[46] handelt es sich um eine Aufstellung über die Kapazität der Krematorien, welche dieser Urkunde zufolge 4.756 Leichen pro Tag einäschern konnten. Die tatsächliche theoretische Maximalkapazität betrug etwa ein Viertel davon.[47] Während Ingenieur M. Gerner die These verfochten hat, es handle sich bei diesem Dokument um eine Fälschung,[48] hat Carlo Mattogno eine alternative Deutung geliefert.[49]

Unverständlicherweise stellten die Smersch-Offiziere Prüfer keine Fragen zur in dem betreffenden Bericht angegebenen Kapazität der Krematorien, die in völligem Widerspruch zu Prüfers am 5. März 1946 gemachten Aussage stand, wonach man in fünf Öfen mit 15 Muffeln innerhalb einer Stunde 15 Leichen einäschern konnte, sondern begnügten sich mit einer Frage zur Anzahl der Öfen im Krema I. Daß Prüfer deren Zahl absichtlich falsch angegeben hatte, ist unwahrscheinlich; wahrscheinlicher ist, daß er sich über sechs Jahre nach der Installierung der Öfen nicht mehr an ihre Zahl erinnerte.

»Frage: Gab es im[50] Krematorium Nr. 1 im Lagersektor Auschwitz eine Gaskammer?

Antwort: Ja, es gab eine.«

Von einer Gaskammer im Krematorium I war zwei Jahre zuvor nie die Rede gewesen.

»Frage: Von wem wurde diese Gaskammer eingerichtet?

Antwort: Genau weiß ich es nicht, doch nehme ich an, daß die Gaskammer im ersten Krematorium in Auschwitz von der Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz selbst eingerichtet wurde.

Frage: Wann und auf welche Weise wurde Ihnen bekannt, daß es beim ersten Krematorium in Auschwitz eine Gaskammer gab?

Antwort: Ich erfuhr davon zufällig im Jahre 1942 unter folgenden Umständen: Im Frühling 1942[51] fuhr ich auf Ersuchen der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz nach Auschwitz, um das Projekt zum geplanten Bau eines neuen Krematoriums im Lagersektor Auschwitz zu überprüfen, meine Schlußfolgerungen darzulegen und auch den Ort zu besichtigen, wo der Bau dieses Krematoriums vorgesehen war.

Den vorgesehenen Bauort besichtigte ich in Begleitung eines SS-Mannes.

Als wir beim ersten Krematorium vorbeigingen, sah ich durch die halbgeöffnete Tür in einem der Räume des Krematoriumsgebäudes Menschenleichen, die in verschiedenen Stellungen auf dem Boden lagen. Es waren mehr als zehn. Als ich mich diesem Raum näherte, schlug jemand von innen rasch die Tür zu. Da der Zweck dieses Raums im Krematorium I mir nicht bekannt war, fragte ich den mich begleitenden SS-Mann danach. Letzterer erwiderte mir, in diesem Raum sei eine Gaskammer eingerichtet worden, und man vergifte in ihr Häftlinge mit Gas.

Auf meine anschließende Frage, auf welche Art diese Gaskammer funktioniere, antwortete der SS-Mann ausweichend, er wisse nicht genau darüber Bescheid, jedoch berichtete er mir, ihm sei bekannt, daß es in der Stadt Lodz Gaskammern gebe, in denen die SS-Männer Häftlinge mit Auspuffgasen aus den Motoren von Autos umgebracht hätten; später hätten sie aber zur Beschleunigung des Tötungsprozesses Verbesserungen durchgeführt und begonnen, irgendein Gas zu verwenden.

Wie der SS-Mann erklärte, sei der Tötungsprozeß als Ergebnis der Anwendung von Gasen in den Gaskammern auf eine bis zwei Minuten verkürzt worden.

Der Tötungsprozeß in den Gaskammern der Stadt Lodz verlief nach den Worten des SS-Manns so: Man jagte die Häftlinge in die Gaskammern, schloß die Türen hermetisch und warf dann durch spezielle Öffnungen offene Flaschen mit Gas.[52] Anhand dieser Schilderung folgerte ich, daß man die Häftlinge auch in der von den SS-Männern im Krematorium Nr. 1 in Auschwitz errichteten Gaskammer auf dieselbe Weise ermordete.«

Prüfer gibt hier also folgendes zu Protokoll:

- Der ihn begleitende SS-Mann wußte eigentümlicherweise »nicht genau darüber Bescheid«, wie die Gaskammer im Krematorium I von Auschwitz funktionierte, doch die Funktionsweise der Gaskammern im 200 km von Auschwitz entfernten Lodz konnte er sehr wohl beschreiben!

- In Lodz wurden Häftlinge zunächst mit Auspuffgasen von Autos in Gaskammern umgebracht. Von solchen Gaskammern in der Stadt Lodz weiß die heutige "Holocaust"-Geschichtsschreibung nichts, wohl aber von Gaswagen im nordwestlich von Lodz gelegenen Lager Chelmno (Kulmhof). Dieses Beispiel zeigt sehr prägnant, wie sich die "Holocaust"-Geschichte in den Nachkriegsjahren gewandelt und ihre heutige Form erst nach und nach gewonnen hat.

- Zur Beschleunigung des Tötungsprozesses stellte man in Lodz von Auspuffgasen auf »irgendein Gas« um, wobei durch spezielle Öffnungen »offene Flaschen mit Gas« eingeworfen wurden; nun trat der Tod der Insassen nicht erst nach 15, sondern nach einer bis zwei Minuten ein. Prüfer schloß aus dieser Beschreibung, daß die Morde im Krematorium I auf dieselbe Weise verübt wurden. Obgleich Prüfer nicht von dem Entwesungsmittel Zyklon B spricht, mit dem die angeblichen Massenmorde in den Krematorien von Auschwitz I und Birkenau begangen worden sein sollen, erinnert die von ihm - beziehungsweise dem »ihn begleitenden SS-Mann« - geschilderte Methode entfernt an das in der "Holocaust"-Literatur beschriebene Vorgehen: Bekanntlich soll Zyklon B durch Öffnungen in der Gaskammerdecke eingeführt worden sein, allerdings nicht mittels Flaschen hineingeworfen, sondern aus Blechbüchsen ausgeschüttet. Die angegebene Zeit von ein bis zwei Minuten wäre bei einer Tötung mittels Zyklon B übrigens nicht möglich gewesen, weil das Gift den Granulaten nur langsam entweicht.

Es macht also ganz den Anschein, als seien jene Leute, die Prüfer während der Vorbereitung auf dieses Verhör über die abzugebenden Aussagen instruierten, nur ungenügend mit der inzwischen kodifizierten Auschwitz-Version vertraut gewesen; ansonsten hätten sie ihn von Zyklon B-Granulat in Büchsen statt von »offenen Flaschen« sprechen lassen.

»Frage: Somit waren Sie ab Frühling 1942 über das Vorhandensein von Gaskammern [Plural] bei den Krematorien [Plural] des Lagers Auschwitz auf dem laufenden?

Antwort: Völlig richtig. Wie ich bereits vorher darlegte, wurde mir erstmals im Frühling 1942 bekannt, daß es im Krematorium Nr. 1 im Konzentrationslager Auschwitz eine Gaskammer [Singular] gab und daß dort von den SS-Männern auf gewaltsame Weise Häftlinge ermordet wurden.

Frage: Wieso haben Sie dann bei den früheren Verhören erklärt, Sie hätten zum ersten Mal 1943 von der wirklichen Bestimmung der im Konzentrationslager Auschwitz befindlichen Krematorien und Gaskammern erfahren?

Antwort: Bei meinen Aussagen in den früheren Verhören habe ich mich einfach im Datum geirrt. In Wirklichkeit wurde mir dies, wie vorher gesagt, im Frühling 1942 bekannt.«

Diese "Korrektur" ergab sich logischerweise aus der zwischen März 1946 und März 1948 erfolgten Entwicklung der offiziellen Auschwitz-Version. Sie war nötig, weil die angeblichen Morde in der "Gaskammer" des Stammlagers - von der Prüfer bei seinen früheren Verhören noch nichts gewußt hatte - 1942 und nicht 1943 stattgefunden haben sollen.

Prüfer wiederholte anschließend, daß er seit »Anfang 1942« über die Massenausrottung von Gefangenen in Auschwitz Bescheid gewußt und trotzdem bis 1944 am Bau und der Ausstattung neuer Krematorien mitgewirkt habe.

»Frage: Ihnen wird die Fotokopie eines Briefs mit Ihrer Unterschrift vom 2.3. 1943 vorgelegt, der an die Adresse der SS-Bauleitung von Auschwitz gerichtet ist und in dem es um zehn Gasprüfer geht. Erklären Sie, zu welchem Zweck Sie diese Gasprüfer im Auftrag der SS-Organe gesucht haben!

Antwort: Die Gasprüfer, um die es auf der mir hier vorgelegten Fotokopie meines Briefs vom 2. März 1943 geht, habe ich auf Bitte des Chefs besagter Bauleitung von Bischoff [richtig: Bischoff] gesucht, um mit ihnen die Gaskammern in den Lagerkrematorien auszurüsten. Als sich von Bischoff mit der einschlägigen Bitte an mich wandte, erklärte er mir, nach der Vergiftung von Häftlingen in den Gaskammern träten oft Fälle auf, wo selbst nach deren Durchlüftung in ihnen Blausäuredämpfe verblieben, was zur Vergiftung des in diesen Kammern arbeitenden Bedienungspersonals führe.

Deswegen bat mich von Bischoff, herauszufinden, welche Firmen Gasprüfer herstellten, mittels denen man die Konzentration von Blausäuredämpfen in den Gaskammern messen könne, um die Arbeit des Bedienungspersonals gefahrenfrei zu machen. Ich konnte von Bischoffs Bitte nicht erfüllen, weil ich keine Firma ausfindig machen konnte, welche solche Gasprüfer hergestellt hätte.«

Der hier zur Sprache gebrachte Brief vom 2. März 1943 hat folgenden Wortlaut:[53]

»Wir bestätigen den Eingang Ihres Telegramms, lautend:

"Absendet sofort 10 Gasprüfer wie besprochen.

Kostenangebot später nachreichen."

Hierzu teilen wir Ihnen mit, daß wir bereits vor 2 Wochen bei 5 verschiedenen Firmen die von Ihnen gewünschten Anzeigegeräte für Blausäure-Reste angefragt haben. Von 3 Firmen haben wir Absagen bekommen und von 2 weiteren steht eine Antwort noch aus.

Wenn wir in dieser Angelegenheit Mitteilung erhalten, kommen wir Ihnen sofort näher, damit Sie sich mit der Firma, die diese Geräte baut, in Verbindung setzen können.

Heil Hitler!

i.V. Prüfer«

Dieses bereits 1993 von J.-C. Pressac als Beweis für die Existenz von Menschentötungsgaskammern in Auschwitz angeführte Schreiben ist von Carlo Mattogno[54] sowie von Werner Rademacher[55] ausführlich analysiert worden; wir fassen ihre Schlußfolgerungen zusammen:

Unter »Gasprüfern« verstand und versteht man Geräte zur Messung des CO- oder CO2-Gehalts in Verbrennungsgasen. In Anbetracht der Tatsache, daß die Muffeln in den Krematorien II und III von Birkenau insgesamt zehn Rauchgasausgänge besaßen, liegt die Vermutung nahe, daß die Gasprüfer für diese bestellt worden sind.[56] Geräte zum Nachweis von Blausäureresten hießen nicht »Gasprüfer«, sondern »Blausäurerestnachweisgeräte«. Deren Einsatz war in Blausäure-Entwesungskammern vorgeschrieben. Da in Auschwitz seit 1941 mit Blausäure entwest wurde, ist es vollkommen unwahrscheinlich, daß man noch 1943 weder über solchen Geräte verfügte noch wußte, wo man sie bekommen konnte. Ferner gab es keinen Grund, sie bei der Firma Topf zu bestellen, die sie nicht anfertigte; wenn Bedarf an Blausäurerestnachweisgeräte bestand, konnte man sich mit der Firma Degesch in Verbindung setzen, die sie - so wie auch das Entwesungsmittel Zyklon-B - lieferte. Die SS-Bauleitung sowie insbesondere der Standortarzt von Auschwitz, der für die Beschaffung von Zyklon B und allen dazugehörigen Utensilien verantwortlich war, mußten darüber Bescheid wissen und hätten sich bei einem Bedarf an Blausäurerestnachweisgeräten gewiß nicht an die Firma Topf gewandt.

W. Rademacher folgert daraus:[57]

»Es ist recht verwunderlich, das dieses Dokument, das in der Presse als unwiderleglicher Beweis für die Existenz von [Menschentötungs-]Gaskammern gefeiert wurde, erst 1993 entdeckt wurde, und dann erst noch im ach so glaubwürdigen KGB-Archiv. Darum ist das angeblich neue Dokument vermutlich eine Fälschung. Dies muß durch eine von einem Experten vorgenommene Untersuchung des angeblichen Originaldokuments bestätigt werden. Aber selbst wenn es sich als echt herausstellen sollte, würde das Dokument keinen Beweis für die Existenz von Gaskammern zur Menschentötung darstellen.«

Wie aus dem Prüfer-Verhör vom 4. März 1948 ersichtlich ist, irrt W. Rademacher mit seiner Behauptung, der Brief sei »erst 1993« entdeckt worden. Falls es sich um eine Fälschung handelt, muß diese also in der unmittelbaren Nachkriegszeit entstanden sein. Mit diesem Dokument hat sich auch Samuel Crowell auseinandergesetzt,[58] und Carlo Mattogno hat 1998 zusätzliche Gesichtspunkte ins Feld geführt.[59]

Am Ende des Verhörs vom 4. März 1948 sagte Prüfer aus, er habe sich zwar nicht an den Arbeiten zur Montage der Lüftungseinrichtungen in den Gaskammern beteiligt, bestreite jedoch keineswegs, an der Ausrüstung dieser Kammern mit anderen Gegenständen, insbesondere Gasprüfern, teilgenommen zu haben.

Beim folgenden Verhör, man schrieb inzwischen den 9. März 1948, wurde Prüfer abermals von Oberstleutnant Dopertschuk vernommen. Er äußerte sich zu den seitens der Firma Topf an die Konzentrationslager Elrich (ein Nebenlager von Buchenwald), Sachsenhausen, Lublin (Majdanek) und Stutthof gesandten Materialien, mit denen er persönlich nichts zu tun gehabt hatte, erwähnte, daß er 1941/1942 zweimal ins KL Groß-Rosen gefahren war, wo unter seiner Leitung zwei Dreimuffelöfen erbaut worden waren,[60] und hielt - unwidersprochen - fest, daß es in jenem Lager zumindest zur Zeit seiner dortigen Aufenthalte keine Gaskammern (zur Menschentötung) gegeben habe. Nachdem ihm seitens der Vernehmer Zeichnungen der Krematorien II und III von Birkenau vorgelegt worden waren, bestätigte er, daß die auf diesen Zeichnungen dargestellten Arbeiten von ihm sowie Schultze ausgeführt worden waren. Schließlich gab er an, im Frühling 1943 seien er und Schultze nach Auschwitz gefahren, um zu ermitteln, weswegen die Saugzuggebläse bei den Öfen des Krematorium II nicht funktionierten. Es sei Schultze nicht gelungen, die Saugzuggebläse zu reparieren, und man habe sie demontieren müssen. Als darauf die Funktion der Verbrennungsöfen ohne Saugzuggebläse erprobt worden sei, habe man in seiner sowie Schultzes Anwesenheit die Leichen von 25 Häftlingen verbrannt, die, wie ihm Schultze mitgeteilt habe, in der Gaskammer vergiftet worden seien. Er, Prüfer, habe nie persönlich einer Vergasung beigewohnt.

Das letzte, recht kurze Verhör Kurt Prüfers fand am 13. März 1948 statt, auch diesmal mit Oberstleutnant Dopertschuk als Vernehmer.

»Frage: Welche Tarnbezeichnung trugen die Gaskammern auf den Zeichnungen und Dokumenten der Korrespondenz, die zwischen der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz und Ihrer Firma geführt wurde?

Antwort: Auf den Zeichnungen der Krematorien und in der offiziellen Korrespondenz zwischen der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz und der Firma Topf & Söhne trugen die Gaskammern die Tarnbezeichnungen "Leichenkammern",[61] "Sonderkeller",[62] "Bäder mit Sonderbestimmung"[63] etc.«

Mit diesen Aussagen trug Prüfer sein Scherflein zur Verankerung des Mythos von der "Tarnsprache" bei, die von der SS angeblich zur Verschleierung von Massenmorden verwendet worden sein soll.

»Frage: Auf einer Sitzung der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz, die am 19.8. 1942 stattfand, wurde mit Ihnen die Frage der Aufstellung von zwei Dreimuffelöfen bei den "Bädern mit Sonderbestimmung" erörtert. Erklären Sie, um welche "Bäder mit Sonderbestimmung" es damals auf dieser Sitzung ging!

Antwort: Auf dieser Sitzung ging es um die Aufstellung von zwei Dreimuffelöfen bei den Gaskammern, die von den SS-Männern in Birkenau errichtet worden waren, vollkommen getrennt von den in besagtem Lagersektor gebauten Krematorien. Wo genau sich diese Gaskammern befanden, weiß ich nicht, weil ich nie in dem Gebiet war, wo sie lagen, und sie nicht gesehen habe.

Aufgrund der Ausführungen eines Häftlings, der als Chefheizer der Krematorien in Auschwitz arbeitete, weiß ich, daß diese Gaskammern drei Kilometer von den Birkenauer Krematorien entfernt waren, und daß die Leichen der in ihnen mit Gas ermordeten Häftlinge auf Scheiterhaufen eingeäschert wurden. Ich möchte diese Darlegungen dahingehend ergänzen, daß bei diesen Gaskammern keine Krematoriumsöfen erbaut worden sind.«

Mit den »Gaskammern, die von den SS-Männern in Birkenau errichtet worden waren, vollkommen getrennt von den in besagtem Lagersektor gebauten Krematorien«, deren genaue Lage Prüfer nicht kannte und die er niemals zu Gesicht bekommen hatte, muß es sich um die angeblichen "Bunker" gehandelt haben, in denen der Legende zufolge vor der Fertigstellung der Birkenauer Krematorien Massenvergasungen stattfanden. Freilich lagen die Bunker keine drei Kilometer von den Birkenauer Kremas entfernt, sondern nach heutiger Ansicht ca. 900 bzw. 550 Meter (Luftlinie).

Des weiteren sagte Prüfer aus, die Firma Topf habe in der ersten Hälfte 1942 einen Auftrag zum Bau von vier Achtmuffel-Verbrennungsöfen für das weißrussische Mogilev erhalten, doch seien diese dann nicht nach Mogilev, sondern nach Auschwitz gesandt worden. Zwei davon seien - nachdem anfangs erwogen worden sei, sie bei den »Bädern mit Sonderbestimmung« aufzustellen - schließlich in den neu errichteten Krematorien 4 und 5 installiert worden; der dritte sei auf Anweisung der SS zur Eisenbahnstation Krakau geschickt worden, der vierte bis Kriegsende im Lager der Firma Topf geblieben.

»Frage: Zu welchem Zweck und in wessen Auftrag haben Sie im Januar 1943 einen Bericht über den Bauzustand der Krematorien im Konzentrationslager Auschwitz erstellt? Eine Kopie dieses Berichts wird Ihnen vorgelegt.

Antwort: Der betreffende Plan wurde von mir auf Bitte des Chefs der SS-Bauleitung des Lagers Auschwitz, von Bischoff, erstellt, und zwar für einen Rechenschaftsbericht zu Händen der SS Reichsführung, die sich außerordentlich für das Tempo des Krematorienbaus in Auschwitz interessierte und eine Beschleunigung der Arbeiten zu ihrer Ausrüstung und Inbetriebnahme verlangte. Aufgrund der Ausführungen von Bischoffs weiß ich, daß Himmler im April 1943 das Todeslager Auschwitz besuchen sollte. Deswegen tat man alles, um bis zu diesem Zeitpunkt den Bau der Krematorien abzuschließen und sie in Betrieb zu nehmen.«

Ob ein Besuch Himmlers im »Todeslager Auschwitz« (abermals hatte sich Prüfer dem Sprachgebrauch seiner Kerkermeister "angepaßt") für den April 1943 tatsächlich geplant war, sei dahingestellt. Jedenfalls hat ein solcher Besuch nicht stattgefunden; Himmler war unbestrittenermaßen das letzte Mal im Juli 1942 in Auschwitz.

7. Die Verhöre Karl Schultzes

Ingenieur Karl Schultze, Spezialist für Ventilation, hatte an der Ausstattung der Krematorien von Auschwitz-Birkenau wesentlich geringeren Anteil als Kurt Prüfer, war er doch lediglich für den Einbau von Lüftungseinrichtungen und Gebläsen verantwortlich. Dementsprechend wurde er weniger häufig und ausführlich verhört als Prüfer. Seine erste Vernehmung fand am 4. März 1946 durch Hauptmann Schatanowski und Major Moruschenko statt.

»Frage: Seit wann und in welcher Position arbeiten Sie bei der Firma Topf?

Antwort: Ich arbeite seit 1928 als Bauingenieur für Lüftungseinrichtungen im Erfurter Betrieb der Firma Topf.

Frage: Berichten Sie, was Sie über die Konstruktion und den Bau von Krematorien für die Konzentrationslager wissen!

Antwort: 1940 legte die SS-Leitung des Konzentrationslagers Buchenwald dar, daß das Krematorium der Stadt Weimar für das Lager nicht ausreiche; die Leichen aus Buchenwald mußten nach Weimar gebracht werden, und deshalb wurde die Forderung laut, ein Krematorium direkt auf dem Territorium des Konzentrationslagers zu errichten. Die Konstruktion und der Bau dieses Krematoriums wurde der Firma Topf seitens des Reichsführers SS/Abteilung Bau aufgetragen.

Unmittelbar durchgeführt hat diese Arbeit sowohl bezüglich der Konstruktion und des Baus der Chefingenieur der Firma Topf, Prüfer Kurt. Ich als Ingenieur für Lüftungswesen wurde von Prüfer herangezogen, um die Lüftungseinrichtungen für die Krematoriumsöfen zu konstruieren und einzurichten.

Auf diese Weise habe ich, zusammen mit Prüfer, 1942/1943 auch die Krematorien im Konzentrationslager Auschwitz konstruiert und erbaut. Dabei habe ich lediglich den Teil des Krematoriums errichtet, der zur Lüftung gehörte.

In diesem Lager wurden während des erwähnten Zeitraums vier Krematorien gebaut. In zwei Krematorien gab es je fünf Öfen, und in jedem Ofen wurden jeweils drei Leichen [eine in jede der drei Muffeln] eingeschoben, d.h. es gab jeweils drei Öffnungen (Muffeln) in einem Ofen. Innerhalb einer Stunde konnte man in einem Krematorium mit fünf Öfen [und fünfzehn Muffeln] fünfzehn Leichen verbrennen.«

Diese - realistischen - Angaben zur Kapazität der Krematorien II und III entsprachen den von Kurt Prüfer bei dessen erstem Verhör vom 5. März 1946 gemachten und wurden von den Vernehmern nicht beanstandet. Als nächstes erläuterte Schultze - wie am Tag danach Prüfer - die Unterschiede zwischen den zivilen Krematorien und jenen in den Konzentrationslagern.

»Frage: Welche Vorrichtungen haben Sie außer Lüftungseinrichtungen für die Krematorien in den Konzentrationslagern noch installiert?

Antwort: Auf Anordnung der SS-Bauleitung des Konzentrationslagers Auschwitz habe ich 1942/1943 in diesen Lagern [Plural] Lüftungseinrichtungen in den sogenannten "Brausebädern" installiert. In Wirklichkeit wurde diese Lüftung von mir in den Gaskammern konstruiert und eingerichtet.

Frage: Wann sind Sie persönlich ins Lager Auschwitz gefahren, um die Krematorien und Gaskammern auszurüsten?

Antwort: Ins Konzentrationslager Auschwitz fuhr ich zweimal. Einmal im Zusammenhang mit einem Berechnungsfehler in der Lüftung - dies war im Frühling 1943 -, und das zweite Mal ungefähr zwei Monate später, um die Lüftung in einem neu erbauten Krematorium in Betrieb zu nehmen.

Frage: Was haben Sie zur Zeit Ihres Aufenthaltes im Konzentrationslager Auschwitz bemerkt, während Sie sich unmittelbar beim Krematorium und den Gaskammern befanden?

Antwort: Als ich mich im Konzentrationslager Auschwitz befand, habe ich persönlich zwanzig Schritt von mir entfernt gesehen, wie SS-Männer aus dem Lager bis zu dreihundert Menschen vor sich herjagten - Männer, Frauen und Kinder; welcher Nationalität sie waren, konnte man nur schwer bestimmen, doch dem äußeren Anschein nach zu urteilen ahnten sie nicht, wohin man sie führte. Man trieb sie alle in eine große Holzbaracke ohne Fenster, die innen elektrisch beleuchtet war.

Von außen war diese Baracke durch einen geschlossenen Gang mit der Gaskammer verbunden, wo von mir die Lüftung installiert wurde. Dies beobachtete ich ungefähr um 16 Uhr. Am folgenden Tag um zehn Uhr morgens war ich im Krematorium und sah dort sechzig Leichen von Männern, Frauen und Kindern verschiedenen Alters. Sie lagen entkleidet auf dem Boden, um in den Krematoriumsofen eingeschoben zu werden. Ihrem Aussehen nach waren sie in der Gaskammer ermordet worden.

Frage: Berichten Sie über die innere Einrichtung der Gaskammer!

Antwort: Dieses Gebäude war acht Meter breit und dreißig Meter lang. Innen war es vollkommen leer. Die Höhe des Gebäudes betrug innen 2,6 Meter. In der Decke gab es vier quadratische Öffnungen von 25 x 25 cm Größe. Die Lüftungseinrichtung sorgte für einen zehnmaligen Luftumtausch; sie diente dazu, das Gas, das sich innen angesammelt hatte, abzusaugen und Frischluft hineinzupumpen.

Die Rohre der Lüftung, die ich persönlich für die Gaskammer konstruierte, wurden in die Wände der Kammer eingemauert.«

Während Prüfer laut seinen Aussagen vom 5. März lediglich die Leichen der Ermordeten gesehen hatte, wohnte Schultze also auch dem Vorspiel zum Massenmord selbst bei und lieferte einige konkrete Angaben über die Gaskammer:

- Wie bei Prüfer lag die Gaskammer offenbar außerhalb des Krematoriums.

- Wie bei Prüfer war sie mit einer Holzbaracke verbunden. Im Gegensatz zu Prüfer präzisiert Schultze, daß diese Verbindung die Gestalt eines »geschlossenen Gangs« hatte.

- Von einer Verbindung zwischen der Gaskammer und dem Krematorium spricht Schultze, anders als Prüfer, hingegen nicht.

- Die Gaskammer war 8 m breit, 30 m lang und 2,6 m hoch, besaß keine Fenster, aber eine elektrische Beleuchtung, wies in der Decke vier Einwurfluken von 25 x 25 cm Größe auf und war von Schultze mit einer Ventilation ausgestattet worden.

In mancher Hinsicht entspricht diese Schilderung der von den Augenzeugen gelieferten Beschreibung der angeblichen "Bunker", die freilich laut den Zeugen 1943 nicht mehr benutzt wurden.

Die Aussage Schultzes belegt sehr anschaulich, daß die Einzelheiten des Bilds vom "Vernichtungslager Auschwitz 1946 eben erst im Entstehen begriffen waren.

»Frage: Mit wem haben Sie darüber gesprochen, daß die konstruierten und erbauten Krematorien und Gaskammern zur Vernichtung völlig unschuldiger Menschen dienten?

Antwort: Ich will dies deutlich darlegen. Auf der Dienstreise nach Auschwitz war der Konstrukteur der Krematoriumsöfen, Prüfer, dabei. Als er am Morgen ankam, sah er die am Boden liegenden sechzig Leichen von Männern, Frauen und Kindern ebenfalls.

Ich erzählte ihm alles, was geschehen war: wie man diese Menschen herangeführt, in die Gaskammern [Plural] gejagt und umgebracht hatte, und wie man ihre Leichen im Krematorium verbrannte. Prüfer hat mir nichts darauf geantwortet.

Frage: Nachdem Sie persönlich und Prüfer die Ermordung unschuldiger Menschen mitangesehen hatten, wieviele Krematorium und Gaskammern für die Konzentrationslager haben Sie dann noch gebaut?

Antwort: Nachdem ich im Konzentrationslager Auschwitz beobachtet hatte, wie man in den Gaskammern und Krematorien unschuldige Menschen vernichtete, habe ich zusammen mit Prüfer dort, in Auschwitz, noch fünf Krematoriumsöfen aufgestellt und eine Gaskammer mit einer Lüftungseinrichtung ausgestattet.

Frage: Was bewog Sie dazu, sich bei dieser Dienstreise sieben Tage lang in Auschwitz aufzuhalten?

Antwort: Ich blieb dort fünf Tage, weil es keinen Transport mit zur Vernichtung bestimmten Menschen gab, ich jedoch die Funktion des Krematoriumsofens praktisch erproben mußte. Diese Überprüfung konnte ich erst vornehmen, als die zuvor erwähnten bis zu dreihundert Menschen eintrafen, die man dann in den Gaskammern [Plural] ermordete.«

Daß die Smersch-Vernehmer Schultze dazu brachten, einen dermaßen hanebüchenen Unfug von sich zu geben, beweist, daß sie von den Verhältnissen in Auschwitz keine Ahnung hatten. Im März 1943 - in jenem Monat wurde das erste der Birkenauer Krematorien in Betrieb genommen - starben im Lager rund 4400 Menschen, so daß statistisch gesehen täglich über 130 Leichen anfielen und Schultze nicht auf den Phantom-Massenmord in der "Gaskammer" angewiesen gewesen war, um die Öfen zu erproben.

»Frage: Wann und von wem wurden die mobilen Krematorien konstruiert, und zu welchem Zweck?

Antwort: Die mobilen Krematorien sind wie folgt konstruiert: Derselbe Typ wie in Buchenwald, doch wurden sie von Prüfer so modifiziert, daß sie auf einem Lastwagen montiert werden konnten, und als Brennstoff verwendeten sie Öl. Ihr Zweck ist mir nicht bekannt. Ein von Prüfer konstruierter derartiger Ofen wurde nach Berlin geschickt; an welche Organisation, weiß ich nicht, darüber weiß Prüfer Bescheid.

Frage: Ab wann haben Sie mit Prüfer wissentlich Krematorien und Gaskammern zur Vernichtung von Menschen konstruiert, vervollkommnet und gebaut?

Antwort: Ich habe zusammen mit Chefingenieur Prüfer ab 1943 wissentlich Krematorien gebaut, konstruiert und vervollkommnet und Gaskammern ausgerüstet, d.h. ab jenem Zeitpunkt, wo ich persönlich die Ermordung von Menschen in den Gaskammern und Krematorien im Konzentrationslager Auschwitz beobachtet habe.

Frage: Was bewog Sie dazu, nachdem Sie mit Prüfer den Zweck Ihrer Konstruktionen in Auschwitz gesehen hatten, weiterhin solche zu bauen?

Antwort: Mit dem Bau von Krematorien und Gaskammern fuhren ich und Prüfer deshalb fort, weil wir uns der SS gegenüber 1942 durch unsere Unterschrift gebunden hatten und der Firma Topf sowie dem nationalsozialistischen Staat verpflichtet waren.«

Das (von Hauptmann Morskoi geleitete) Verhör vom 14. März 1946 fassen wir nur kurz zusammen, da es teils aus Wiederholungen seiner früher gemachten Aussagen bestand, teils uns bereits Bekanntes über die Struktur der Firma Topf enthielt und wenig neue Informationen lieferte. Abermals schilderte Schultze - auf dieselbe Weise wie zehn Tage zuvor - die angebliche Vergasung von »bis zu 300 Menschen« in einer "Gaskammer", die durch einen geschlossenen Gang mit einer Baracke verbunden gewesen sei, und gestand in voreilendem Gehorsam pflichtschuldig, sich »direkt an der Vernichtung von Menschen beteiligt« zu haben, da er »das Lüftungssystem im Krematorium gerade zu dem Zeitpunkt in Gang setzte, als man dort Menschen verbrannte«, was natürlich bedeutet hätte, daß er - wie jeder Erbauer von Krematorien - an der Vernichtung von Leichen mitwirkte, nicht jedoch zum Tod der Opfer beigetragen hatte. Wiederum mußte Schultze zum besten geben, er habe in Auschwitz sechs Tage verbringen müssen, »bis man einen Transport von Menschen verschiedener Nationalität und unterschiedlichen Alters herbeiführte«, und habe nach der Ermordung dieser Menschen die Funktion der Öfen erprobt. Dies bewog den Smersch-Offizier zu folgendem Einwand:

»Frage: Sie haben vorher ausgesagt, Sie hätten erst erfahren, daß in den von Prüfer gemeinsam mit Ihnen gebauten Krematorien unschuldige Menschen vernichtet wurden, als Sie im Krematorium sechzig Leichen gesehen hätten, und jetzt geben Sie an, Sie hätten im Konzentrationslager sechs Tage auf einen Transport zur Vernichtung bestimmter Menschen gewartet. Folglich haben Sie doch schon vorher gewußt, daß in den Krematorien unschuldige Menschen vernichtet wurden?

Antwort: Ja, ich sehe mich gezwungen einzuräumen, daß ich, schon bevor ich die vorhin erwähnten sechzig Leichen sah, Bescheid darüber wußte, daß man in den von mir zusammen mit Prüfer erbauten Krematorien unschuldige Menschen vernichtete; darum saß ich im Konzentrationslager Auschwitz und wartete, bis ein Transport von zur Vernichtung bestimmten Menschen eintraf, um die Funktion des Krematoriums sowie des Lüftungssystems während der Verbrennung der Leichen der zuvor in den Gaskammern [Plural] ermordeten unschuldigen Menschen erproben zu können.«

Am 20. März verlas Hauptmann Morskoi Schultze die Anklageschrift, worauf er sich im gleichen unterwürfigen Stil wie Prüfer der ihm zur Last gelegten Untaten bezichtigen mußte:

»[...] Ich bekenne mich voll schuldig, als Ingenieur und Konstrukteur von Lüftungseinrichtungen in der Fabrik der Firma Topf in Erfurt gemeinsam mit dem Chefingenieur der Abteilung Krematorienbau, Prüfer, Krematoriumsöfen konstruiert und gebaut zu haben, d.h. ich konstruierte und baute für diese Öfen im Auftrag der SS-Führung Lüftungseinrichtungen und Saugzuggebläse für die Konzentrationslager Buchenwald, Auschwitz, Dachau sowie andere. Wieviele Krematoriumsöfen insgesamt unter meiner direkten Beteiligung erbaut worden sind, ist mir nicht mehr erinnerlich. In den Krematoriumsöfen wurden die Leichen von in den Konzentrationslagern zu Tode gequälten Menschen verschiedener Nationalität verbrannt.

Außerdem habe ich persönlich im Jahre 1943 zwei Lüftungseinrichtungen für zwei Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz konstruiert, in denen vollkommen unschuldige Menschen, welche aus verschiedenen Ländern Westeuropas dorthin verschleppt worden waren, von den Deutschen viehisch erstickt wurden. Im Frühjahr 1943, an den genauen Monat erinnere ich mich nicht mehr, bin ich eigens nach Auschwitz gefahren, um die von mir gebaute Lüftungseinrichtung für die Krematoriumsöfen zu erproben. Ich wartete damals sechs Tage, bis im Konzentrationslager ein Transport mit zur Vernichtung bestimmten Menschen eintraf. Damals wurden unter meiner Beteiligung die Leichen von in den Gaskammern zu Tode gequälten Menschen verbrannt.«

Auch dieses "freimütige Geständnis" in der Sprache sowjetischer Propagandisten ist selbstverständlich ohne jeden Druck zustande gekommen, nicht wahr, Ihr Damen und Herren vom Spiegel?

Bei der folgenden Befragung - sie fand unter Leitung von Leutnant Tereschtschenko am 28. März 1946 statt - gab Schultze nähere Auskunft über seinen beruflichen Werdegang sowie die von seiner Firma hergestellten Produkte. Er sagte aus, bis 1941 seien bei Topf & Söhne 600 bis 700 Arbeiter angestellt gewesen, während der Kriegsjahre wesentlich mehr. Gegenwärtig erfülle das Unternehmen Bestellungen für die UdSSR, beispielsweise für Siloeinrichtungen. Seine weiteren Darlegungen bestanden aus der Wiederholung von bereits Bekanntem.

Nach seiner Überstellung in die Sowjetunion wurde Karl Schultze nur einmal verhört, und zwar durch Oberleutnant Dopertschuk am 18. März 1948. Auf Dopertschuks Frage, ob er bei seiner Arbeit Kurt Prüfer unterstellt gewesen sei, erwiderte er, Prüfer und er hätten in der Firma auf gleicher Stufe gestanden. Er selbst habe die Gruppe B - Konstruktion und Bau von Lüftungseinrichtungen - geleitet, Prüfer die Gruppe D-IV (Konstruktion und Bau von Verbrennungsöfen und Heizungseinrichtungen). Das Lager Auschwitz habe er 1943 dreimal aufgesucht.[64] Auch in Buchenwald sei er gewesen; ob es dort Gaskammern gegeben habe, wisse er nicht.

Der Vernehmer legte Schultze Formulare dreier Bestellungen vor, aus denen hervorging, daß die Firma Topf Ventilationseinrichtungen ins KL Buchenwald geliefert hatte, und fragte ihn, wozu diese Einrichtungen gedient hätten. Schultzes Antwort, zwei der Lüftungsinstallationen seien für eine Schießanlage und die dritte für die Kesselanlage der Zentralheizung der Kaserne von Buchenwald bestimmt gewesen, wurde ohne weiteres akzeptiert, ebenso wie seine zuvor gemachte Aussage, er wisse nicht, ob in jenem Lager Gaskammern bestanden hätten. Obwohl zu jener Zeit - im Jahre 1948 - noch allerlei Geschichten über Menschenvergasungen in Buchenwald kursierten,[65] legten die Sowjets offenbar keinen besonderen Wert auf die Bestätigung dieses Schwindels.

8. Die Verhöre Gustav Brauns

Ingenieur Gustav Braun, Produktionsleiter in der Erfurter Fabrik der Firma Topf & Söhne, war nie in Auschwitz oder einem anderen Konzentrationslager gewesen und konnte deshalb auch kein "Vergasungszeuge" sein. Um ihn - ebenso wie seine Kollegen - zur Höchststrafe von 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilen zu können (die Todesstrafe war in der UdSSR zeitweilig abgeschafft worden), wurde ihm neben seiner Beteiligung am Bau von Krematorien für die Lager zur Last gelegt, daß er als Stellvertreter des Firmenchefs Ludwig Topf ab 1941 die Rolle eines Abwehrbeauftragten der Firma übernommen hatte. Ein großer Teil der Befragungen Brauns bezieht sich auf diese Tätigkeit und ist für das Thema Auschwitz nicht von Belang.

Beim ersten, am 4. März 1946 von Major Moruschenko geleiteten Verhör gab Gustav Braun an, seit 1936 als Produktionsleiter der Firma Topf tätig gewesen zu sein. Er machte einige Angaben über die von dem Unternehmen hergestellten Produkte sowie über die Tätigkeit Prüfers und Schultzes, worauf der Vernehmer das Thema wechselte.

»Frage: Wann und durch wen wurden Sie für die Arbeit als stellvertretender Abwehrbeauftragter in der Firma Topf, Erfurt, angeworben?

Antwort: 1941 rief mich Firmenchef Ludwig Topf, der Abwehrbeauftragte der Firma, zu sich in sein Büro und schlug mir vor, in der Fabrik die Tätigkeit eines stellvertretenden Abwehrbeauftragten zu übernehmen und dafür zu sorgen, daß in der Firma keine Subversions- und Sabotageakte vorkämen; insbesondere hob er hervor, man dürfe keine Zerstörung von Maschinen zulassen.

Frage: Wie haben Sie als stellvertretender Abwehrbeauftragter die Beziehungen zur Gestapo gestaltet?

Antwort: Ich wurde durch den Abwehrbeauftragten Topf mit der Abwehrstelle Weimar in Kontakt gebracht, und durch den Prokuristen Max Machemel [Name aus dem Russischen transkribiert] wurde ich mit dem SS-Obersturmbannführer Wolf, dem Gestapo-Verbindungsmann in Erfurt, verbunden. Schriftliche Dokumente, die aus der Firma an die Abwehrstelle und die Gestapo gelangten, wurden regulär per Post abgeschickt oder Max Machemel/Wolf direkt übergeben.

Frage: Welche Forderungen wurden an Sie persönlich von der Gestapo gestellt?

Antwort: Max Machemel erhielt via Wolf von der Gestapo Briefe, auf denen stand, daß sie an ihn persönlich adressiert waren. In diesen Briefen verlangte Wolf Berichte über die politische Stimmungslage, sowohl seitens der deutschen Arbeiter als auch seitens der in der Fabrik tätigen ausländischen Arbeiter: Ihre Einstellung zur Arbeit, von ihnen verübte Subversions- und Sabotageakte, aber auch der Bedarf der Fabrik an Geld und neuen Maschinen.

Frage: Wie wurden diese Forderungen der Gestapo von Ihnen erfüllt?

Antwort: Prokurist Max Machemel, welcher in direktem Kontakt mit Wolf stand, wandte sich an mich als stellvertretenden Abwehrbeauftragten, der als Leiter der gesamten Produktion in der Fabrik die Möglichkeit besaß, die politische und produktionsmäßige Situation in der Fabrik voll zu überblicken. Um Machemel ausführlich über die politische Stimmung sowie über Fälle von Sabotage unterrichten zu können, zog ich im Auftrag Topfs die Werkstattchefs zur Unterstützung der Arbeit des Abwehrbeauftragten hinzu. Folgende Werkstattchefs wurden von mir eingesetzt: Der Chef der Schlosserei, Begel Heinrich, 48-50 Jahre alt, parteilos; der Chef der Schreinerei, Liebeskind Hugo, 60 Jahre alt, parteilos; der Chef der Abteilung für Flugzeugteile, Breitruck Willi, 42 Jahre alt, parteilos. [Alle Namen aus dem Russischen transkribiert.] Als ich sie zur Arbeit des Abwehrbeauftragten heranzog, wies ich sie darauf hin, daß diese Arbeit für die Gestapo durchgeführt und in deren Interesse ausgeführt wurde.«

All dies ist nicht sonderlich aufregend. Daß ein an allen Fronten kämpfender Staat in einem kriegswirtschaftlich wichtigen Betrieb wie der Firma Topf keine Subversions- und Sabotagehandlungen brauchen konnte, leuchtet ein, und daß die Gestapo regelmäßige Informationen über die Stimmungslage unter den Arbeitern anforderte, war damals ebenfalls normal, zumal es sich bei einem guten Teil dieser Arbeiter um zwangsverpflichtete Ausländer handelte, von denen eine positive Einstellung zum nationalsozialistischen Deutschland naturgemäß nicht zu erwarten war. Jeder beliebige andere Staat hätte in Kriegszeiten ähnliche Maßnahmen getroffen.

Im folgenden sagte Braun laut Protokoll aus, als Ergebnis seiner Beziehungen zur Gestapo seien ein deutscher sowie zwei ausländische Arbeiter wegen Sabotage verhaftet worden (wir haben die betreffenden Angaben bereits in Absatz 4 zitiert).

Am 11. März 1946 gab Braun bei der Befragung durch Hauptmann Morskoi zu Protokoll, parteilos, jedoch Mitglied der »nazistischen Organisation Arbeitsfront« gewesen zu sein. Als Produktionschef habe er die Konstruktion und den Bau der Krematorien geleitet und dafür gesorgt, daß die Aufträge qualitativ einwandfrei und fristgemäß ausgeführt wurden.

»Frage: Wußten Sie, zu welchem Zweck die Firma Topf, deren Produktionschef Sie waren, Krematorien für die Konzentrationslager errichtete?

Antwort: Mir war nur bekannt, daß wir Krematorien für die Konzentrationslager zur Verbrennung von Leichen errichteten.

Frage: Wußten Sie davon, daß in den von Ihnen errichteten Krematorien in den Konzentrationslagern unschuldige Menschen vernichtet und bei lebendigem Leib verbrannt wurden?

Antwort: Davon habe ich erst nach der Kapitulation Deutschlands durch den Rundfunk und die Zeitungen erfahren.«

In der Tat hatte die alliierte Propaganda unmittelbar nach Kriegsende gelegentlich mit diesem Greuelmärchen hausiert, so daß Brauns Aussage durchaus zutreffen kann.

»Frage: Wußten Prüfer und Schultze von dem oben Erwähnten?

Antwort: Ich vermute, daß Prüfer und Schultze, die sich ja in den Konzentrationslagern aufhielten, wußten, daß in den von ihnen konstruierten Krematorien der Konzentrationslager Menschen vernichtet und bei lebendigem Leib verbrannt wurden.«

Auch Braun wurde somit frühzeitig dazu gebracht, seine ehemaligen Kollegen zu belasten.

Am 20. März wurde dem Produktionsleiter der Firma Topf & Söhne von Hauptmann Morskoi die Anklage verlesen:

»Frage: Sie werden angeklagt, als Produktionsleiter der Firma Topf unmittelbar an der Konstruktion und dem Bau von Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager beteiligt gewesen zu sein, in denen die Leichen der dort zu Tode gequälten, ganz unschuldigen Menschen verschiedener Nationalität verbrannt wurden. Außerdem waren Sie ab 1941 in besagter Fabrik Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehrstelle. Bei der Tätigkeit in dieser Funktion haben Sie die politische Stimmung der Arbeiter sowie Personen, die bei der Arbeit Sabotageakte verübt hatten und subversiver Tätigkeiten verdächtigt wurden, ausgekundschaftet. Als Ergebnis Ihrer Denunziationen wurden von der Gestapo ein deutscher und zwei ausländische Arbeiter wegen Sabotage bei der Arbeit festgenommen.

Die von Ihnen begangenen Verbrechen fallen unter Artikel 58-2 des Strafgesetzes der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik. Ist Ihnen die gegen Sie erhobene Anklage verständlich, und wessen bekennen Sie sich schuldig?«

Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Offiziere einer Organisation, deren Name »Tod den Spionen« lautete, bezichtigten Braun des "Verbrechens", Subversion und Sabotage verhütet zu haben! Braun wurde dazu gebracht, das übliche papageienhafte Schuldbekenntnis abzulegen:

»Antwort: [...] Ich bekenne mich voll schuldig, bei meiner Arbeit als Produktionschef in der Fabrik der Firma Topf in Erfurt unmittelbar an der Konstruktion und dem Bau der Krematoriumsöfen für die Konzentrationslager Buchenwald, Auschwitz, Dachau, Mauthausen und andere beteiligt gewesen zu sein, in denen die Leichen der in besagten Konzentrationslagern zu Tode gequälten, ganz unschuldigen Menschen unterschiedlicher Nationalität aus verschiedenen Ländern Westeuropas sowie der UdSSR verbrannt worden sind. [...]«

Auch der Tätigkeit als stellvertretender Abwehrbeauftragter sowie der zur Verhaftung dreier Arbeiter führenden Denunziation bekannte sich Braun schuldig.

Beim von Hauptmann Kabanujev durchgeführten Verhör vom 27. März 1946 trat wenig Neues zutage. Braun legte dar, daß er von 1926 bis 1936 in New York und Chicago bei der Errichtung von Brücken und Wolkenkratzern als Bauingenieur tätig gewesen und dann nach Deutschland zurückgekehrt war. Er hielt fest, daß während seiner gesamten Tätigkeit für die Firma Topf keine Fälle von Sabotage und Subversion registriert worden seien; die Arbeiter hätten sich stets diszipliniert verhalten.

Nach seiner Überstellung in die Sowjetunion wurde Braun am 28. Februar 1948 von Oberstleutnant Dopertschuk vernommen und abermals mit den gegen ihn erhobenen Anschuldigungen konfrontiert. Wiederum legte er das verlangte umfassende Schuldbekenntnis ab.

Zwei Wochen darauf, am 10. März 1948, leitete Oberstleutnant Novikov die Vernehmung. Wie bereits in Absatz 4 dargelegt, bestritt Braun die ihm bei den Verhören vom 5. und 20. März 1946 zugeschriebenen Aussagen über Denunziationen, die zur Festnahme von drei Arbeitern geführt hätten, obwohl er erst wenige Tage zuvor ein entsprechendes Schuldeingeständnis gemacht hatte. Anschließend ging es um die bei der Firma Topf angestellten Fremdarbeiter. Obwohl dies nicht mit Auschwitz zu tun hat, geben wir Novikovs diesbezügliche Fragen sowie Brauns Antworten teilweise wieder, da das Thema von gewissem historischem Interesse ist.

»Frage: Ab wann und in welcher Anzahl wurden ausländische Arbeiter zur Arbeit in der Firma Topf und Söhne herangezogen?

Antwort: In der Fabrik der Firma Topf arbeiteten ungefähr 270 ausländische Arbeiter. Die ersten davon kamen in kleinen Gruppen von 20 bis 30 Mann im Jahre 1941 zu uns.

Frage: Welchen Nationalitäten gehörten diese Arbeiter an, und auf welche Art und Weise wurden sie der Firma zur Verfügung gestellt?

Antwort: Der Firma Topf wurden die ausländischen Arbeiter durch das Arbeitsamt zugeteilt. Die erste Gruppe ausländischer Arbeiter, die der Firma zur Verfügung standen, bestand ausschließlich aus französischen Kriegsgefangenen. Es handelte sich um dreißig Mann. Dies war im Jahre 1941. Später kamen zu uns in kleinen Gruppen Arbeiter aus Belgien, Holland, Rußland und Italien. Bis Ende 1942 waren es ungefähr 270 Personen. Sie alle arbeiteten bis zur Kapitulation Deutschlands in der Firmenfabrik. Unter diesen Arbeitern gab es ungefähr 70 Russen. [...] Der Hauptteil dieser Arbeiter wurde von mir zur Verrichtung von Hilfsarbeiten auf die Werkstätten der Fabrik verteilt. Einige von ihnen wurden als Schlosser, Dreher etc. eingesetzt.

Frage: Wo und unter welchen Bedingungen wurden diese Arbeiter untergebracht?

Antwort: Die in den Betrieben der Firma Topf und Söhne angestellten ausländischen Arbeiter wurden in einem eigens dafür errichteten Fabriklager in sechs Holzbaracken untergebracht und von der Polizei bewacht. Sie wurden schlecht ernährt.

All diese Arbeiter wurden von mir in Gruppen von jeweils zwei bis drei Mann deutschen Facharbeitern der Firma zugeteilt, die ihnen auf meine Anweisungen hin bestimmte Aufgaben zuwiesen und ihre Arbeit kontrollierten.

Anfangs war für die ausländischen Arbeiter genau wie für die deutschen die Achtundvierzigstundenwoche festgelegt, aber später, ab Ende 1942, wurde auf Geheiß der deutschen Behörden für sie die Sechsundfünfzigstundenwoche eingeführt. Sie bekamen 25 bis 30% weniger Lohn als die festangestellten Arbeiter der Firma. Davon erhielten sie lediglich einen geringen Teil ausbezahlt, denn fast ihr ganzer Lohn wurde für ihre Verpflegung und andere Leistungen aufgewendet.

Frage: Gab es Konflikte zwischen diesen Arbeitern und der Verwaltung der Firma Topf?

Antwort: Während der ganzen Zeit kam es zwischen den ausländischen Arbeitern und der Verwaltung der Firma Topf lediglich einmal zu einem Konflikt, und zwar 1943. Damals geschah folgendes: Wegen der schlechten Ernährung weigerten sich die ausländischen Arbeiter geschlossen, zur Arbeit anzutreten. Als man mir Meldung darüber erstattete, ging ich persönlich zu den Lagerbaracken und überzeugte mich, daß die Nahrung für die Arbeiter sehr schlecht zubereitet war, worauf ich der Lagerverwaltung die Anweisung erteilte, sie besser zu ernähren. Darauf verhandelte ich mit den Arbeitern und überredete sie, zur Arbeit anzutreten. Auf diese Weise wurde der Konflikt von mir ohne jede Gewaltanwendung beigelegt.

Frage: Haben Sie der Gestapo über diesen Konflikt berichtet?

Antwort: Nein, ich habe Firmenchef Ludwig Topf persönlich darüber berichtet. Ob er der Gestapo dann Meldung über diesen Konflikt erstattet hat, weiß ich nicht.

Frage: Wurden Repressionsmaßnahmen gegen die Teilnehmer an dieser Hungerrevolte getroffen?

Antwort: Nein, es gab keine. [...[66]

Frage: Gab es unter den in den Betrieben der Firma Topf tätigen ausländischen Arbeitern Halbwüchsige?

Antwort: Unter den in der Fabrik der Firma Topf tätigen ausländischen Arbeitern gab es 12 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahre, durchwegs Russen. Körperlich wirkten sie alle kräftig und erwachsen, weshalb sie unter gleichen Bedingungen wie die erwachsenen Arbeiter eingesetzt wurden. Dabei arbeiteten zwei Halbwüchsige von 14 und 15 Jahren acht Stunden täglich, weil sie der Lehrlingswerkstatt zugeteilt waren, wo sie auch das Schlosser- und Dreherhandwerk lernten.«

Braun führte aus, er habe von den Arbeitern eine positive Einstellung zu ihrer Tätigkeit sowie eine qualitativ zufriedenstellende und fristgemäße Erfüllung ihrer Aufgaben verlangt. Wegen negativer Einstellung sowie Fernbleiben von der Arbeit hätten er selbst sowie die Werkstattleiter gelegentlich ausländische Arbeiter gerügt und in Einzelfällen bestraft. Es habe auch Fälle gegeben, wo der Kommandant des Fabriklagers Buchrewer sowie der Aufseher Wittermann (Namen aus dem Russischen transkribiert) Arbeiter geschlagen hätten. Beide seien nach dem Einrücken der Roten Armee in Erfurt verhaftet worden.

Der Vernehmer konfrontierte Braun mit den Aussagen von fünf Zeugen, die ihm eine schlechte Behandlung der Fremdarbeiter vorgeworfen hatten. Braun bezeichnete diese Vorwürfe als ungerechtfertigt. In der Tat war es für die sowjetischen Besatzer ein Leichtes gewesen, belastende Zeugenaussagen gegen jeden beliebigen Deutschen zu sammeln, mochten die Beschuldigungen nun berechtigt sein oder nicht.

9. Das aus den Verhörprotokollen resultierende Auschwitz-Bild

Nach der heutigen offiziellen Geschichtsschreibung erfüllte das Lager Auschwitz eine doppelte Funktion. Einerseits diente es dieser Version zufolge als Arbeitslager für Häftlinge verschiedener Nationen, andererseits war es ein Vernichtungslager für Juden, von denen eine ungeheure Zahl in "Gaskammern" ermordet worden sein soll. Abgesehen von Sonderfällen wie der angeblichen Vergasung sowjetischer Kriegsgefangener in Auschwitz I im September (laut Pressac Dezember) 1941[67] sowie der angeblichen Vergasung des Zigeunerlagers in Birkenau am 2. August 1944[68] wird die Vergasung nichtjüdischer Häftlinge von der heutigen Geschichtsschreibung nicht behauptet.

Betrachtet man nun die Verhörprotokolle der vier Topf-Ingenieure, so stellt man fest, daß das Wort "Jude" in ihnen nur ein einziges Mal auftaucht: Bei seiner Befragung vom 5. März 1946 hatte Kurt Prüfer ausgesagt, er habe in Auschwitz Juden gesehen, die unter Bewachung der SS Erde ausgegraben hätten. Die Smersch-Offiziere sprachen stereotyp von »völlig unschuldigen Menschen verschiedener Nationalität«, die in Auschwitz vernichtet worden seien, fragten die Beschuldigten jedoch nie nach dem Grund für deren Ermordung und tönten niemals auch nur mit einem Wort an, daß es sich um Juden gehandelt habe. Prüfer und Schultze sagten zwar aus, die Leichen Vergaster gesehen zu haben (Schultze wollte zusätzlich noch Zeuge gewesen sein, wie die SS die Opfer vor der Vergasung in eine Baracke trieb), behaupteten aber nicht, die Ermordeten seien Juden gewesen.

In der Tat hatte die sowjetische Propaganda, welche damals von vier Millionen Auschwitz-Toten sprach, es stets vermieden, den Anteil der Juden unter diesen angeblichen vier Millionen zu beziffern, und die Juden immer nur als eine von mehreren Opfergruppen erwähnt. Die Verhörprotokolle der Topf-Ingenieure spiegeln diese damalige Linie wider. Nebenbei sei bemerkt, daß bei den Befragungen überhaupt nie auf die Opferzahl des Lagers eingegangen wurde.

Wie bereits hervorgehoben, lassen die ersten, 1946 in Deutschland erfolgten Vernehmungen erkennen, daß das Bild von der "Todesfabrik" Auschwitz damals erst im Entstehen begriffen war; was Schultze und Prüfer über die "Vergasung" einer Häftlingsgruppe berichteten, ist äußerst verschwommen und stimmt nicht mit dem heutigen Auschwitz-Bild überein. Dieses kristallisierte sich erst anschließend heraus und fand vor allem im Prüfer-Verhör vom 4. März 1948 seinen Widerhall, bei dem der Ingenieur recht genaue Angaben über den "Vernichtungsprozeß" machte und die Krematorien II und III von Birkenau als Zentren des angeblichen Massenmordes lokalisierte.

10. Anklage und Urteil

Am 15. März 1948 wurde das Ermittlungsverfahren gegen Kurt Prüfer, Karl Schultze und Gustav Braun (Strafsache 1719) abgeschlossen und formell Anklage gegen die drei Männer erhoben. Der Schlußteil der Anklageschrift lautete wie folgt:[69]

»[...] Aufgrund des Dargelegten werden angeklagt:

1. Prüfer Kurt, geboren 1891 in Erfurt (Deutschland), deutscher Staatsbürger, Angestellter, seit 1933 Mitglied der nazistischen Partei, Bauingenieur, verheiratet, bis zur Verhaftung wohnhaft im Dorf Bischliben [Transkription] bei Erfurt und angestellt bei der Maschinenfabrik Topf & Söhne als Chef der Abteilung Konstruktion und Bau von Heiz- und Kremierungseinrichtungen.

Ihm wird zur Last gelegt, daß er:

In Erfüllung der Aufträge der SS-Organe von 1940 bis 1944 direkt die Arbeiten am Bau und der Ausstattung der Krematorien und Gaskammern leitete, in denen eine Massenvernichtung von durch das faschistische Deutschland versklavten Bürgern der UdSSR, Polens und anderer Länder betrieben wurde, d.h. daß er Verbrechen beging, die durch den ersten Teil des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR erfaßt werden.

2. Schultze Karl, geboren 1900 in Berlin, deutscher Staatsbürger, Angestellter, parteilos, Bauingenieur, verheiratet, bis zur Verhaftung wohnhaft in Erfurt und angestellt in der Konstruktionsabteilung der Firma Topf & Söhne als Chef der Abteilung für Lüftungseinrichtungen.

Ihm wird zur Last gelegt, daß er:

Von 1940 bis 1944 in der Fabrik der Firma Topf und Söhne spezielle Lüftungseinrichtung für Krematoriumsöfen konstruiert hat, mit dem Ziel der Erhöhung der Kapazität der Krematorien, die von der Firma Topf & Söhne in Konzentrationslagern errichtet wurden, und daß er auch persönlich im Todeslager Auschwitz an der Ausstattung der Gaskammern mitgewirkt hat, in denen Häftlinge mit Gas ermordet wurden, d.h. daß er Verbrechen beging, die durch den ersten Teil des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR erfaßt werden.

3. Braun Gustav, geboren 1889 in Heilbronn (Deutschland), Deutscher, deutscher Staatsbürger, Angestellter, Bauingenieur, verheiratet, bis zur Verhaftung wohnhaft in Erfurt und angestellt als Produktionsleiter bei der Maschinenfirma Topf &Söhne.

Ihm wird zur Last gelegt, daß er:

Von 1940 bis 1944 in der Fabrik der Firma Topf & Söhne die Erfüllung der von den SS-Organen erteilten Aufträge zur Herstellung von Ausrüstungsgegenständen für die Krematorien und Gaskammern sicherstellte, die von besagter Firma in Konzentrationslagern errichtet worden waren. Er schikanierte sowjetische Bürger, die von den Deutschen aus den besetzten Gebieten der UdSSR zur Zwangsarbeit in die Firma Topf & Söhne verschleppt worden waren.

1941 leitete er als Stellvertreter des Bevollmächtigten der Abwehr in der Fabrik der Firma Topf & Söhne die Antispionagetätigkeit zur Bekämpfung antifaschistischer Aktivitäten seitens der Arbeiter und Angestellten, über welche er die SD-Organe informierte, d.h. daß er Verbrechen beging, die durch den ersten Teil des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR sowie Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik erfaßt werden.

Nach Paragraph 208 des Strafgesetzes der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik wird Strafsache 1719 - die Anklage gegen Prüfer Kurt, Schultze Karl und Braun Gustav - zur Beurteilung an die Sonderkommission beim Ministerium für Staatssicherheit der UdSSR überwiesen. Als Strafmaß für die Angeklagten Prüfer Kurt, Schultze Karl und Braun Gustav werden jeweils 25 Jahre Straflager empfohlen.

Der Urteilsantrag wurde am 15. März 1948 in Moskau erstellt.

Oberstleutnant Dopertschuk

Oberst Kartaschow

Generalleutnant Korolew.«

Das Urteil wurde am 3. April 1948 gefällt, ohne daß ein Prozeß stattgefunden hätte. Prüfer, Schultze und Braun wurden gemäß dem Antrag der Untersuchungsbehörde zu jeweils 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.[70]

11. Ausklang

Bei einem in klassischem stalinistischem Stil geführten Verfahren wurden die Ingenieure der Firma Topf & Söhne zu Aussagen gebracht, deren Unglaubwürdigkeit auf der Hand liegt. Daß die Profiteure der "Holocaust"-Geschichte auf dermaßen absurde Geständnisse angewiesen sind, um die Fata Morgana eines gigantischen Völkermordes in chemischen Schlachthäusern zu "beweisen", von dem nicht die geringsten dokumentarischen und materiellen Spuren zurückgeblieben sind, läßt erkennen, in welch verzweifeltem Argumentationsnotstand sie sich befinden.

Fritz Sander, Kurt Prüfer, Karl Schultze und Gustav Braun waren nur vier unter Zehntausenden von schuldlosen Bürgern Deutschlands und der mit ihm verbündeten Staaten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Mühlen einer rachsüchtigen und skrupellosen Siegerjustiz geraten sind. Ihre Teilnahme am Bau von Krematorien, deren Zweck sich in nichts von dem der entsprechenden zivilen Leichenverbrennungseinrichtungen unterschied, wurde von den Siegermächten sowie deren deutschen Laufburschen zur Mittäterschaft an einem Massenmord umgelogen. Sander starb schon drei Wochen nach seiner Festnahme, Prüfer nach zwei Jahren Untersuchungshaft und viereinhalb Jahren Gulag, Schultze und Braun kamen nach neuneinhalb Jahren Gefängnis und Lager frei.

Seit dem Ende der kommunistischen Herrschaft in Rußland sind zahlreiche Opfer der stalinistischen Willkürjustiz rehabilitiert worden. Unter ihnen befanden sich auch Deutsche, beispielsweise jene Wehrmachtssoldaten, die wegen angeblicher Beteiligung an dem (in Wirklichkeit von den Bolschewisten selbst begangenen) Massaker an polnischen Offizieren in Katyn gehängt wurden. Im Fall der Topf-Ingenieure sind bisher keine entsprechenden Schritte erfolgt. Am 30. Juni 1992 entschied die Staatsanwaltschaft der Russischen Föderation, von einer Rehabilitierung Prüfers, Schultzes und Brauns Abstand zu nehmen, und zwar aus folgenden Gründen:[71]

»[...] Prüfer, Schultze und Braun bekannten sich schuldig. Ihre Schuld an der Konstruktion sowie dem Bau der Instrumente zur Massenvernichtung von Menschen in den Konzentrationslagern wird durch die Aussagen der Mitangeklagten Sander [...], Koch [...], Erdman [...] u.a., die technische Dokumentation, die Korrespondenz mit den Organen der SS, aber auch durch die Materialien der Außerordentlichen Staatlichen Kommission zur Ermittlung und Verfolgung der Untaten der deutsch-faschistischen Eindringlinge belegt. [...] Maßgeblich für diese Strafsache sind auch die Aussagen des ehemaligen Auschwitz-Kommandanten R. Höß, der den Mechanismus der Ausrottung Hunderttausender von Menschen mittels Gaskammern und Krematorien genau geschildert hat. [...]

Aufgrund des Dargelegten und in Übereinstimmung mit den Paragraphen 4 und 8 des Gesetzes der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik 'Über die Rehabilitierung der Opfer politischer Repression' vom 18. Oktober 1991 schlage ich vor:

Anzuerkennen, daß Prüfer Kurt, Schultze Karl und Braun Gustav in der einschlägigen Strafsache zu Recht verurteilt wurden und der Rehabilitierung nicht unterliegen. [...]

Der Staatsanwalt der Abteilung Rehabilitierung der Allgemeinen Staatsanwaltschaft der Russischen Föderation

A.I. Iodadis.«

Zweifellos hat der russische Staatsanwalt in gutem Glauben entschieden. Wie hätte er auch auf den Gedanken verfallen können, die wegen angeblicher Mittäterschaft bei einem industriellen Massenmord verurteilten Ingenieure zu rehabilitieren, wo doch die "deutsche" Regierung mit fanatischer Verbissenheit auf der historischen Realität dieses industriellen Massenmordes beharrt und sämtliche wissenschaftlichen Erkenntnisse, die in gegenteiliger Richtung weisen, mit polizeistaatlichem Terror unterdrückt? Weswegen sollte er die Aussagen des ehemaligen Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß nicht als »maßgeblich für diese Strafsache« einstufen, wenn das monströse, durch Folter erzwungene Höß-Geständnis[72] deutschen Schulkindern bis zum heutigen Tage als Beweis Nummer eins für den "Holocaust vorgestellt wird? Warum sollte er nicht »anerkennen, daß Prüfer Kurt, Schultze Karl und Braun Gustav in der einschlägigen Strafsache zu Recht verurteilt wurden«, wenn das Andenken an diese Männer 45 Jahre nach ihrer unrechtmäßigen Verurteilung von einem drittklassigen Propagandisten namens Gerald Fleming sowie von Spiegel-Schmierfinken straflos in den Schmutz gezogen werden darf?

Wenn das Lügen dereinst nicht mehr staatlich befohlene Pflicht ist, wird auch das Dossier der Topf-Ingenieure neu aufgerollt werden müssen. Die einzig mögliche Folge wird die Wiederherstellung ihres guten Rufes sein.


Anmerkungen

Für mehrere wertvolle technische und historische Hinweise sowie die Korrektur einiger Irrtümer in diesem Artikel danke ich meinem Freund Carlo Mattogno, Italien.

[1]Zur Kapazität der Krematorien von Auschwitz siehe Carlo Mattogno und Franco Deana, Die Krematoriumsöfen von Auschwitz-Birkenau, in: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert Verlag, Tübingen 1994, S. 281-320.
[2]Vgl. Michael Gärtner und Werner Rademacher, »Grundwasser im Gelände des KGL Birkenau«, VffG 2(1) (1998), S. 2-12, sowie Carlo Mattogno, »"Verbrennungsgruben" und Grundwasserstand in Birkenau«, in der vorliegenden Ausgabe der VffG.
[3]Verfaßt von F. Küchenmeister, Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart 1875.
[4]URSS-008.
[5]Der sowjetisch-jüdische Kriegskorrespondent Boris Polevoi schrieb ab 2. Februar 1945 in der Prawda, die Deutschen hätten in Auschwitz mittels eines »elektrischen Fließbands« jeweils Hunderte von Menschen auf einmal umgebracht.
[6]Diese Behauptung wurde u.a. von den sowjetischen Befragern des Topf-Ingenieurs Gustav Braun bei dessen Verhör vom 11. März 1946 aufgestellt (siehe die diesbezüglichen Ausführungen in diesem Artikel).
[7]Zumindest findet sich im betreffenden Dossier kein Hinweis auf irgendwelche Verhöre in der Zwischenzeit.
[8]"Wie aus den Unterlagen der Strafverbüßungsstelle ersichtlich ist, starb Prüfer am 24. Oktober 1952 an Atemparalyse und Lähmung der Herztätigkeit. Schultze und Braun wurden aufgrund des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. September 1955 vorzeitig freigelassen und in die Heimat zurückgeführt (Vertretern der DDR übergeben)." Dokument der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Republik vom 30. Juni 1992. Archiv des Sicherheitsdienstes der russischen Föderation, N-19261, S. 463.
[9]Erschienen bei CNRS, Paris 1993.
[10]Jean-Claude Pressac, Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes. Piper Verlag, München/Zürich 1994.
[11]Protokolle des Todes, in: Spiegel (40/1993), 4. Oktober 1993, S. 151; der Artikel basiert auf dem Beitrag Gerald Flemings »Engineers of Death«, New York Times, 18.7.1993, S. E19; vgl. dazu auch Fredrick Toben, »Ein KGB-Novellist: Gerald Fleming«, VffG, 1(2) (1997), S. 87-91.
[12]Protokolle des Todes, Ebenda, S. 154.
[13]Korrekter wäre "Maschinenbaufirma", da Topf & Söhne neben Brennöfen auch zahlreiche andere Geräte herstellte.
[14]Protokolle des Todes, aaO. (Anm. 11), S. 158.
[15]Ebenda, S. 158-162.
[16]Entnommen Pressacs Buch Les Crématoires d'Auschwitz. La Machinerie du meurtre de masse, Éditions du CNRS, Paris 1993.
[17]Erschienen bei Limes, Wiesbaden.
[18]Gerald Fleming, Hitler and the Final Solution, University of California Press, Berkeley, Los Angeles 1994.
[19]Ebenda, S. 195.
[20]Ebenda, S. 215.
[21]Alle Zitate aus den Protokollen entstammen dem Dossier N-19262 im Archiv des Föderativen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation (Federativnaja Sluschba Besopasnosti Rossiskoj Federatsii, künftig FSBRF abgekürzt) in Moskau. Aus praktischen Gründen verzichten wir auf die jeweilige Angabe der Seitenzahl und begnügen uns mit der Nennung des Datums, an dem die betreffende Befragung stattfand.
[22]J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, S. 101f.
[23]Die vollständigen Texte werden im Internet ausgehängt werden.
[24]Den Hinweis auf diese Fakten verdanke ich Carlo Mattogno.
[25]Soweit wir wissen, ist ein Besuch Schultzes in Auschwitz im Jahre 1942 nicht nachweisbar.
[26]E. Jäckel, P. Longerich, J. Schoeps u.a., Enzyklopädie des Holocaust, Band I, S. 561.
[27]G. Fleming, Hitler and the Final Solution, aaO. (Anm. 18), S. 205.
[28]Protokolle des Todes, aaO. (Anm. 11), S. 160, 162.
[29]FSBRF, N-10262. S. 117, 118.
[30]Bei der folgenden Aufzählung fehlt das KL Groß-Rosen, in welchem die Firma Topf ebenfalls ein Krematorium errichtet hatte.
[31]Je fünf Dreimuffelöfen in den Krematorien II und III, je ein Achtmuffelofen in den Krematorien IV und V von Birkenau.
[32]Der Bau der Krematorien von Auschwitz-Birkenau war 1943 abgeschlossen. Vermutlich bezog sich Prüfer bei der Nennung der Jahreszahl 1944 auf Reparaturen an den Krematorien.
[33]Dawidowski-Expertise vom 26. September 1945, vorgelegt beim Höß-Prozeß in Krakau 1947 (Band 11, S. 47, 48).
[34]»Wir nehmen Bezug auf die Unterredung, die zwischen Ihrem Herrn Bauleiter Bischoff und unserem Herrn Oberingenieur Prüfer am 21. und 22. stattfand.« Brief der Firma Topf vom 31. Oktober 1941. Rossiskij Gosudarstvenny Voyenny Archiv (künftig RGVA), 502-1-312, S. 103. Am 14. Oktober 1941 hatte die Firma Topf Prüfers Reise nach Auschwitz angekündigt. RGVA, 502-1-313, S. 178.
[35]Ein »Aktenvermerk« vom 21. August 1942 erwähnt die »Anwesenheit von Obering. Prüfer« in Auschwitz am 19. August 1942. RGVA, 502-1-313, S. 159.
[36]»vosle krematoriev«
[37]Im Original: »schol derevjannyj barak, ot nego bylo soobschtchenie s gaskameroi, ot gaskamery bylo soobschtschenie s krematoriem«
[38]Am 5. März hatte Prüfer von fünf Fahrten nach Auschwitz gesprochen. In Wirklichkeit war er mindestens siebenmal in jenem Lager.
[39]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 22), S. 94.
[40]Der Spiegel, 40/1993, S. 160.
[41]»imperskogo upravlenia SS«
[42]Im Text steht »1946«, was ein offensichtlicher Schreibfehler ist.
[43]Im Russischen steht die unscharfe Präposition »pri«, die sowohl bei als auch in bedeuten kann.
[44]Diese Desinfektionsanlage gehörte zur sogenannten Zentralsauna.
[45]In den folgenden Sätzen resümiert Prüfer einfach das vorher Gesagte.
[46]Archiwum Państwowego Muzeum w Oświęcimiu (Archiv des Staatlichen Auschwitz-Museums), BW 30/42, S. 3.
[47]Carlo Mattogno und Franco Deana, aaO. (Anm. 1), S. 399.
[48]M. Gerner, »"Schlüsseldokument" ist Fälschung«, VffG 2(3) (1997), S. 166-174.
[49]Carlo Mattogno, »"Schlüsseldokument" - eine alternative Interpretation«, VffG 4(1)/2000, S. 50-56.
[50]Wiederum verwendeten die Befrager die verschwommene Präposition »pri«, die sowohl bei als auch in bedeuten kann.
[51]Ein Besuch Prüfers in Auschwitz im Frühjahr 1942 ist unseres Wissens nicht dokumentiert.
[52]»tscheres spezialnye otverstvija sabrasyvali tuda otkrytie bolony s gasom«
[53]Eine Ablichtung des Schreibens findet sich u.a. bei Werner Rademacher, »Der Fall Walter Lüftl«, in: Ernst Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 1), S. 56; vgl. auch ders., »The Case of Walter Lüftl«, in: Ernst Gauss (Hg.), Dissecting the Holocaust, Theses & Dissertation Press, Capshaw/Alabama 2000, S. 79.
[54]Carlo Mattogno, Auschwitz: Fine di una leggenda, Edizioni di Ar, Padua 1994, S. 59-60 sowie 89-96; dt.: ders.., »Auschwitz: Das Ende einer Legende«, in: H. Verbeke (Hg.), Auschwitz: Nackte Fakten, VHO, Berchem 1995, S. 146-152.
[55]Werner Rademacher, »Der Fall Lüftl«, aaO. (Anm. 53), S. 55-57 (engl.: S. 78-80).
[56]Auf diese Tatsache hat zuerst C. Mattogno hingewiesen.
[57]Werner Rademacher, »The Case of Walter Lüftl«, aaO. (Anm. 53), S. 80 (dt. ähnlich S. 57).
[58]S. Crowell, »Technik und Arbeitsweise deutscher Gasschutzbunker im Zweiten Weltkrieg«, VffG 1(4) (1997), S. 226-244.
[59]C. Mattogno, »Die "Gasprüfer" von Auschwitz«, VffG 2(1) (1998), S. 13-22.
[60]Zunächst sprach Prüfer von nur einem in Groß-Rosen errichteten Ofen, berichtigte seine Aussage jedoch, als ihm ein Dokument vorgelegt wurde, aus dem hervorging, daß es zwei waren.
[61]»kamery dlja trupov«
[62]»spezialnye podvaly«
[63]»bani spezialnogo nasnatschenia«
[64]Bei den Verhören vom 4. sowie vom 14. März 1946 hatte Schultze angegeben, zweimal in Auschwitz gewesen zu sein.
[65]Ein Beispiel dafür liefert die von einem Georges Hénocques stammende, 1947 in Frankreich erschienene Schrift Les antres de la bête (Die Höhlen der Bestie), in denen die Gaskammern von Buchenwald phantasievoll beschrieben werden. Der betreffende Auszug wird von Robert Faurisson in seinem Buch Mémoire en defense zitiert (La Vieille Taupe, Paris 1980, S. 192 ff.).
[66]Es folgt hier die bereits in Absatz 4 zitierte Passage über die Verhaftung zweier sowjetischer Arbeiter.
[67]Vgl. dazu Carlo Mattogno, Auschwitz: La prima gasazione, Edizioni di Ar, Padua 1992.
[68]Vgl. dazu Carlo Mattogno, »Die "Vergasung" der Zigeuner in Auschwitz am 2. August 1944«, VffG 7(1) (2003), in Vorbereitung.
[69]FSBRF, N-19262, S. 448, 449.
[70]Ebenda, S. 451-456.
[71]Beschluß zur Nichtrehabilitierung in der Strafsache Archivnummer N-19262 in Sachen Prüfer u.a., FSBRF, N-19262, S. 463-464.
[72]Zur Folterung von Rudolf Höß siehe Ruprecht Butler, Legions of Death, Arrow Books, London 1986, S. 235 ff.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(4) (2002), S. 398-421.


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