Persönlichen Angriffe gegen Revisionisten

Von Prof. a.D. Dr. Robert Faurisson

In einem Gedankenwettbewerb kann ein Angriff auf die Person des Gesprächspartners manchmal gerechtfertigt sein, wenn dieser Art des Angriffs explizit oder implizit eine Beweisführung in der Substanz vorausgeht. Andererseits verrät ein purer und einfacher persönlicher Angriff, ohne daß noch etwas Handfestes hinzukommt, nur die absolute Unfähigkeit, die Beweisführung des Gegners zu widerlegen. Das ist der Fall bei all jenen, die den betreffenden Historiker der revisionistischen Schule der Geschichtsforschung selbst verbal angreifen, weil sie unfähig sind, die Erkenntnisse des historischen Revisionismus beweiskräftig zu widerlegen. Falls notwendig, so entnimmt diese Form des feigen Angriffs ihre Munition aus Gerüchten, Geschichten und böswilligem Geschwätz, deren Quellen, ob wahr oder falsch, nur selten genannt werden. Das reicht von Tatsachenverdrehung bis hin zur reinen Fälschung. Kein Revisionist, so scheint es mir, war Gegenstand von so vielen dümmlichen Gerüchten wie der Deutsch-Kanadier Ernst Zündel. In einer Anwandlung von Offenheit machte der jüdisch-amerikanische Anwalt Robert A. Kahn kürzlich so etwas wie ein Eingeständnis, wenn auch ein vorsichtiges. Er fragte in bezug auf die Strategie vor Gericht, die E. Zündels Gegner bei ihren Prozessen gegen diesen in Toronto (1984-1985 und 1988) an den Tag gelegt hatten, welche Verteidigungslinie die Juden angesichts des revisionistischen Ansturms verfolgen sollten: sollten sie versuchen, die Erklärungen der Revisionisten zu widerlegen, oder wäre es angebrachter, diese Männer zu entlarven, also darzulegen, daß es sich hier nur um Rassisten und Antisemiten handele? Er führt weiter aus:[1]

»Das Versäumnis, die spezifischen Tatsachenbehauptungen der Holocaust-Leugner aufzugreifen, setzt den Entlarvungsansatz der Beschuldigung aus, ein persönlicher Angriff zu sein.«

Zwei kürzlich erfolgte persönliche Angriffe

Mein eigenes Los ist nicht mit dem von E. Zündel zu vergleichen, denn alles in allem bin ich doch immer noch besser dran als er. Wie jeder, der in eine derart lebhafte Auseinandersetzung verwickelt ist, habe auch ich viel zu häufig erlebt, daß ein Gegner mir Gedankengänge, Worte oder Handlungen andichtet, die wenig oder überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Und dennoch sind mir bislang niederträchtige Gerüchte und Geschwätz zumindest in gedruckter Form erspart geblieben. Aber in diesen Tagen haben zwei Bücher diese Lücke sozusagen gefüllt, eines in englischer und eines in französischer Sprache, so daß jetzt auch Angriffe auf die Person aus niedrigen Beweggründen nicht mehr fehlen. Wenn ich mich nun dazu entschlossen habe, darüber zu berichten, dann nicht etwa, um mich zu beschweren, sondern um den Leser zu unterrichten - und zu unterhalten -, indem ich ihn über die Methoden aufkläre, auf welche die Gegner der Revisionisten nun glauben zurückgreifen zu müssen.

Ein BBC-Journalist: Nicholas Fraser

Im Dezember 1997 bat mich Nicholas Fraser, der sich als Journalist des Fernsehsenders BBC ausgab, um ein Treffen. Ich machte seine Bekanntschaft in der 17. Kammer des Pariser Strafgerichts, wo sich Roger Garaudy damals wegen einiger Schriften verantworten mußte, deren revisionistische Natur er auf Biegen und Brechen zu bestreiten versuchte; ich machte dem britischen Journalisten gegenüber keinen Hehl aus meiner Einstellung zu einem solchen Verhalten. Unser zweites Treffen fand am 13. Februar 1998 in meiner Heimatstadt Vichy statt. N. Fraser drehte damals einen Film, in dem ich seiner Ansicht nach unbedingt erscheinen sollte. Er gab an, ein unparteiischer Forscher zu sein. In seinem "Dokumentarfilm" wolle er keine revisionistischen Argumente vortragen, denn das berge das Risiko von Strafverfahren in sich, sondern er wolle ganz einfach darlegen, daß ein Revisionist auch menschliche Züge haben kann. Leider ging N. Fraser während seiner Schauspielerei ziemlich tolpatschig vor. Mir wurde klar, daß sich sein Film mit der äußersten Rechten in Europa befassen würde und daß ich darin nur eine Statistenrolle bekleiden sollte. Der Revisionismus, der eine Methode ist und keine Ideologie, würde auf diese Weise mit einer wohl abgewogenen Menge bestimmter politischer Gedanken vermengt. Nach seinem kurzen Aufenthalt in Vichy ließ ich ihn wissen, daß ich es ablehne, ihn noch einmal mit seinem BBC-Team in meinem Haus zu empfangen. Ich schrieb:

»In Ihrem Film würde ich im großen und ganzen so dargestellt werden, als verträte ich politische Meinungen, die nicht meine sind, und ohne die revisionistischen Überzeugungen, die ich in der Tat vertrete (die ich aber nicht vortragen konnte, ohne strafrechtliche Verfahren zu riskieren). Dies ähnelt meiner Meinung nach ein bißchen zu sehr der Geschichte von dem Messer-ohne-Griff-mit-zuvor-entfernter-Schneide.«

Als der "Dokumentarfilm" fertig war und ausgestrahlt wurde, erwies er sich tatsächlich als Hetzwerk, in dem Persönlichkeiten und Ansichten des rechten Flügels als Karikaturen verzeichnet werden, die zu hassen als angemessen unterstellt wird. Am 25. März 1999 strahlte der Fernsehsender Arte die Sendung »Voyage au bout de la droite« (Reise zum äußersten Rand der Rechten) aus, präsentiert als Produktion von Christian Poveda und N. Fraser. Von erbärmlicher Qualität mit fast nicht vorhandenem Inhalt, zeigte dieser selbsternannte »politische Dokumentarfilm« einen heuchelnden, gestikulierenden, gequälten N. Fraser, einen Mann hohler Worte. Der amüsanteste Gesichtspunkt war, daß sich der Journalist immer wieder von den von ihm interviewten Personen zurechtweisen lassen mußte: Von einem jungen dänischen Nationalsozialisten, dann von Jean-Marie Le Pen und schließlich von David Irving. Ohne Namen zu nennen, erklärte Fraser, er habe schon andere »Holocaust-Leugner« getroffen und setzte in bezug auf diese hinzu: »Sie sind verrückt! Sie sind verrückt!«.

Nach dem Film brachte er ein Buch heraus: The Voice of Modern Hatred / Encounters with Europe's New Right (Die Stimme des modernen Hasses / Begegnungen mit der Neuen Rechten Europas).[2] Die fünfzehn Seiten darin, die mir gewidmet sind (117-131), geben mir bezüglich des geistigen Zustandes und der psychischen Gesundheit dieses Herrn ein Rätsel auf. In Paris wie auch in Vichy war mir seine Unstetigkeit aufgefallen. Groß von Statur, glatzköpfig, 1998 etwa fünfzig Jahre alt, mit einer Jüdin verheiratet - wie er mir verriet - und selbst vielleicht auch Jude - wie er mir zu verstehen gab -, hatte dieser Sohn eines Engländers und einer Französin mir gegenüber den Eindruck eines Menschen erweckt, der mit sich selbst nicht im Frieden lebt. Beunruhigte ihn meine Anwesenheit? Stand er unter Drogen? In einem Fall ging ich gar so weit, ihn zu fragen, ob ihm schlecht sei. Wir werden weiter unten sehen, daß meine Frage berechtigt war.

Porträt eines Revisionisten

In zwei Passagen seines Buches beschreibt N. Fraser mich als Träger einer Baskenmütze. (S. 117, 127); er stellt auch fest, daß ich die Kriegsjahre in der tiefsten Ecke der verschlafenen französischen Provinz verbracht habe (119f.). Seltsam! Ich habe nie im Leben eine Baskenmütze getragen, und dieser BBC-Mensch kann mich nur mit einer blauen Burton-Mütze gesehen haben: Was meine Kriegsjahre anbelangt, so verbrachte ich diese in Angoulême, Marseille und Paris, in dieser Reihenfolge, und hielt mich nur in den Sommerferien auf dem Lande auf.

Er dichtet mir einen älteren Bruder an (S. 120), obwohl ich ihm auf seine Bitte hin genau geschildert hatte, daß ich das älteste von sieben Kindern bin.

In Vichy glaubt N. Fraser gesehen zu haben daß ich in einem Haus aus roten Ziegelsteinen wohne (S. 129), aber das besagte Haus ist in Wirklichkeit rauh verputzt und weiß, mit grünen Fensterläden.

Er führt aus, meine Studie enthalte »entweder Fotografien von toten, zu tötenden oder hungerleidenden Juden« (S. 130); tatsächlich ist kein derartiges Foto dort zu finden, außer in den Seiten von holocaustischen Produktionen, die meine Bücherregale füllen.

Er gibt auch an, daß meine Frau, die ein Talent fürs Malen hat, »kleine provinzielle Szenen von schaurigen leeren Straßen« malt (S. 129), wohingegen ihre Gemälde ziemlich lebhaft und hell sind.

Vichy wird als einer verlassene Stadt beschrieben, deren Bevölkerung in den 50er Jahren scheinbar von einer Neutronenbombe vernichtet worden sei (S. 121), doch gegen ein Uhr mittags, also zur Mittagszeit, und insbesondere an einem Februartag nehme ich an, daß viele französische Kleinstädte den gleichen Eindruck vermitteln können.

Ich erfahre aus diesem Buch, daß mein Verteidiger Éric Delcroix auch mein Schwiegersohn sei (S. 118), wohingegen wir weder direkt noch indirekt auch nur die geringste familiäre Beziehung zueinander haben. An zwei Stellen des Textes wird der gleiche Rechtsanwalt, der diesen Journalisten bereitwillig in seinem Pariser Büro empfing, mit dem Namen Delcourt angegeben (S. 324, F. 8, zweimal).

Pierre Guillaume wird als Drucker und als Trotzkist bezeichnet (S. 117f.), wohingegen er ein Verleger und Liberalist/Freisinniger ist.

Paul Rassinier wurde angeblich nach Ravensbrück deportiert (S. 122), doch Ravensbrück war im wesentlichen ein Frauenlager, und Rassinier wurde nach Buchenwald und Dora deportiert.

Als ich Auschwitz, Majdanek und Dachau besuchte, habe ich angeblich Proben entnommen (zur Analyse von Steinen, Ziegeln und Verputz im Labor, S. 121f); hier werde ich mit dem Amerikaner Fred Leuchter verwechselt.

Als ich unserem Journalisten etwas ins Ohr sagte, soll ich ein »zischendes Geräusch wie eine kleine Schlange« gemacht haben (S. 118); nun, es ist vielleicht zweckmäßig, den Leser darauf hinzuweisen, daß ich während des Prozesses gegen Roger Garaudy dem neben mir sitzenden Engländer, dem ich bestrebt war, die anarchische Entwicklung eines Prozesses auf französische Art zu erklären, lediglich beiläufig ein paar Worte ins Ohr geflüstert habe.

Laut Fraser soll ich mich auch über mein Schicksal beklagt und dabei geheult haben (S. 129); statt dessen erinnere ich mich daran, ihm meine Probleme und Sorgen mit einer gewissen Voltaireschen Fröhlichkeit beschrieben zu haben.

Ich soll ihm mit einfältigem Grinsen gesagt haben, daß mein Grabstein folgende Inschrift tragen werde: »Faurisson hat über etwas sehr Wichtiges die Wahrheit gesagt - und er starb daran« (S. 127); in Wirklichkeit bin ich sicher, ihm anvertraut zu haben, daß mein Nachname niemals auf meinem Grabstein eingeschrieben sein wird; dann setzte ich cum grano salis hinzu, daß die namenlose Inschrift den Wortlaut haben könnte: »Er sagte eine kleine exakte Sache - und er starb daran«.

Der Grund schließlich, warum ich den Gedanken fallen gelassen habe, in dem "Dokumentarfilm" aufzutreten, sei laut Fraser der gewesen, daß ich befürchtete, in der Öffentlichkeit erkannt und als Folge dessen körperlich angegriffen zu werden (S. 131). Das geht nun entschieden zu weit. Hier stellt N. Fraser mich als furchtsames Wesen dar, das ich nicht bin; laut ihm fürchtete eine rein imaginäre Gefahr, da er auf den fünfzehn Seiten, die er mir widmet, die zehn körperlichen Angriffe, denen ich ausgesetzt war, nicht ein einziges Mal erwähnt. Diese Angriffe sind ihm bekannt, und auch, wie schwerwiegend einige davon waren. Und dennoch läßt er in dieser Hinsicht kein Wort fallen, weil es sehr wahrscheinlich für seine Absichten besser ist, den Eindruck zu erwecken, daß ich lediglich ein Feigling bin.

Was den Rest dieses Kapitels betrifft, so ist fast alles darin mit mehr oder weniger gravierenden Irrtümern angefüllt. Abgesehen von zwei oder drei Ausnahmen sind alle mir zugeschriebenen Bemerkungen, einschließlich der Angaben von Daten, Orten oder Zahlen, entweder falsch oder schlichtweg erfunden. Um zu beweisen, daß ich nicht weiß, wie ein Dokument ausgelegt wird, und daß ich unfähig sei zu erkennen, daß der deutsche Begriff "Sonderaktion" nur, so will er es haben, Massenmord innerhalb einer "Gaskammer" bedeutet, unterläßt es unser Hobby-Historiker, eine Übersetzung des an den Begriff "Sonderaktion" angehängten deutschen Wortes »draußen« zu Papier zu bringen. Diese »Sonderaktion draußen« bezog sich unter den waltenden Umständen darauf, daß ein Lagerarzt eine Gruppe von Neuankömmlingen unter freiem Himmel empfing.

N. Fraser übergibt sich

N. Fraser hält mich für »ganz und gar pervers« oder »schlimmer als pervers« (S. 123, 124). Die besonnene Art, mit der ich meine Ansichten vortrug oder zu Dokumenten Stellung nahm, verursachte anscheinend, daß ihm schlecht wurde. Als ich ihm während eines Rundgangs das Vichy der Jahre 1940-1944 erläuterte und wir am Platz des Kriegsdenkmals vorbeikamen, brachte ich den Wunsch zum Ausdruck, den die Mehrheit der Franzosen Ende der 30er Jahren hegten, nämlich ein neues Gemetzel zwischen Franzosen und Deutschen zu vermeiden. Als Reaktion auf diesen Wunsch, so sagte ich ihm, bliesen jüdische Kreise die Fanfare zu einem deutschfeindlichem Kreuzzug; ich wagte es, die These zu äußern, daß die Juden während ihrer gesamten eigenen Geschichte unter dem Deckmantel rührseliger Redensarten, aber von der Rastlosigkeit eines Propheten besessen, die Rolle von Brandstiftern gespielt und ihr jeweiliges Wirtsvolk zu Kreuzzügen, Kriegen und Revolutionen aufgehetzt haben. Zu diesem Zeitpunkt stellte ich bei meinem Gast so etwas wie ein körperliches Unbehagen fest:

»[Faurisson] fragte mich besorgt ob es mir wohl ergehe. "Sie sehen nicht gut aus"« (S. 129)

Ich kann, glaube ich, ehrlich sagen, daß unser Engländer eine Stunde zuvor bei Tisch gut behandelt worden ist. Er hatte insbesondere einen Käseauflauf genossen, der in seinem Buch zum Gemüseauflauf wird, und beim Nachtisch trank er einen seltenen Sauternes-Wein mit. Als er nach dem Imbiß und dem Rundgang durch Vichy zu meinem Hause zurückgekehrt und ihm auf seinen Wunsch hin eine weitere Lektion über Revisionismus erteilt worden war, und als ihn nach dieser Sitzung ein Taxi zum Bahnhof bestellte, glaubte ich, die Sache sei erledigt. Aber dem war überhaupt nicht so. Auf Seite 130 seines Buches teilt mein Besucher uns mit, daß er im Laufe des Tages, mehr oder weniger angewidert durch meine Bemerkungen, ein ununterdrückbares Ekelgefühl in sich aufsteigen fühlte. Am Bahnhof angekommen, so läßt er uns wissen, sei er direkt zur Toilette geeilt, und er kann sich nicht zurückhalten, uns folgendes darzulegen:

»Ich stand auf Händen und Knien und übergab mich in die veraltete und malerische Stehtoilette hinein.«

Ein Freund von Vidal-Naquet: Adrien Le Bihan

Der Franzose Adrien le Bihan widmet mir ebenfalls einen kleinen Abschnitt in dem Büchlein, das er gerade über die in dem »Auschwitz-Besucherbuch« gefundenen handschriftlichen Eintragungen herausgebracht hatte. Oft mit einem überdrüssigen und langatmigen Unterton, greift er die Gedankengänge von Charles de Gaulle, Helmut Schmidt, Jacques Chaban-Delmas, François Mitterrand, des Dalai-Lama, Johannes-Paul II. und einer Vielzahl andere berühmter und unbekannter Besucher heraus und nimmt dazu Stellung. Da ich meine Unterschrift nicht in diesem »livre d'or« (Goldbuch) hinterlassen habe, ist die Frage wohl berechtigt, aus welchem Anlaß ich in seinem Buch erscheinen sollte. Darüber hinaus erscheint die mir gewidmete Passage lächerlicherweise zwischen den beiden Passagen, die Kurt Waldheim bzw. Valéry Giscard d'Estaing gewidmet sind. (Die Nähe zum letzteren, eine reine Aufschneiderei, verärgert mich ziemlich). Das Pamphlet trägt den Titel Auschwitz Graffiti und beinhaltet ein exaltiertes Vorwort von Pierre Vidal-Naquet.[3] A. Le Bihan, dessen Stil von fader klassischer Natur ist, soll ein Buch über "De Gaulle, Schriftsteller" verfaßt haben. Was er über mich erzählt, scheint das Ergebnis einer Untersuchung zu sein, die er offensichtlich über meinen zweiten Besuch in Krakau und Auschwitz im Jahre 1976 gemacht hat.

Mein Besuch in Krakau und Auschwitz 1976

In der Tat war ich 1975 in Majdanek und Auschwitz und kehrte im darauffolgenden Jahr nach Auschwitz zurück. Es war mir in dem Jahr gelungen, einer Einladung der Universität von Krakau zu folgen, um dort einige Vorlesungen und Gesprächsrunden über französische Literatur zu veranstalten. Die junge Polin, die vom kommunistischen Regime damit beauftragt worden war, mich zu begleiten, sprach ein köstliches Französisch voller Feinheiten; sie war mit einem Juden verheiratet. In ihrer Begleitung traf ich nach erheblichen Schwierigkeiten auf Stanislas Mucha, den ersten Fotografen, der das Lager Auschwitz nach dem Abzug der Deutschen und vor dem Einmarsch der Sowjets (»Alles Trunkenbolde«) erkundet hatte. Er teilte mir einige interessante Gedankengänge über die Möglichkeiten fotografischer Fälschungen und über die Umwandlung des Standorts durch die Kommunisten mit. Aus Vorsicht vermied ich es, irgend etwas über den Zweck meiner Forschung zu erwähnen, so daß weder S. Mucha noch meine charmante Dolmetscherin noch irgendwelche andere Personen (polnische oder französische), mit denen ich während der Zeit meines Lehrauftrags in Berührung kam, meine "bösen" revisionistischen Beweggründe erahnen konnten. Nachdem eine junge Kollegin an der Universität von Krakau erfahren hatte, daß ich Auschwitz besuchen wollte, bot sie mir an, mich dorthin mitzunehmen, und ihr Vater erklärte sich bereit, mir Unterkunft zu gewähren. Der gute Mann, ein Taxifahrer, hatte gerade seine Frau verloren. Er wirkte sehr niedergeschlagen. Er machte jedoch erhebliche Anstrengungen, sich auf die freundlichste Art und Weise um mich zu kümmern. Ich litt ein paar Tage lang unter einer bösen Erkältung: Ich wurde von einer Ärztin betreut. Eine liebenswürdige polnische Dame, deren Bekanntschaft ich im Auschwitz-Museum gemacht hatte und die dort arbeitete, bot mir an, mir alle Dokumente zu holen, die ich suchte. Mein Gastgeber hatte während des Krieges im Lager selbst gearbeitet; er zog es aber vor, mir darüber nichts mitzuteilen. Ich stellte ganz einfach fest, daß er aller Wahrscheinlichkeit nach nichts von den Schrecken gesehen hatte, die heutzutage mit dem Namen Auschwitz verbunden werden. Wie alle seine Mitbürger, so litt auch er unter Angstzuständen vor der Polizei, so daß ich mich entschied, ihm keine verfänglichen Fragen zu stellen. Wieder nach Frankreich zurückgekehrt, versuchte ich, ihm dadurch meine Dankbarkeit für seine Gastfreundschaft zu erweisen, daß ich ihm ein Geschenkpaket schickte, aber ich weiß nicht, ob er es jemals erhalten hat. Meine anschließenden Briefe blieben unbeantwortet. Ich mußte lange Zeit auf einige wertvolle Fotografien aus dem Museum warten, die ich im voraus bezahlt hatte; ich schrieb an meine Reisebegleiterin und bat sie, in meinem Namen einmal dort anzufragen, was sie, nehme ich an, auch wohl getan hat, denn schließlich erhielt ich meine Bestellung.

Wenn ich es für notwendig erachte, so ins Einzelne zu gehen, dann deswegen, damit der Leser sich vorstellen kann, wie sehr ich von der Entdeckung der Seiten 48-50 des Buches von A. Le Bihan enttäuscht war.

Seltsame und beunruhigende "Zeugenaussagen"

Laut Aussage der anonymen "Zeugen", die A. Le Bihan getroffen hat, soll ich mich in Polen wie ein teuflischer Charakter benommen haben, gefühllos und undankbar gegenüber meinem Gast und meiner Begleiterin, aber dubios galant gegenüber den Damen:

»[Eines] Abends überraschte der Taxifahrer Faurisson in einer merkwürdigen Pose in seinem Zimmer. Er hatte die elektrische Lampe ausgeschaltet und Kerzen angezündet. Welche Art von schwarzer Messe hielt der Professor bei Kerzenlicht? Welche Art von Papieren schaute er sich bei Kerzenlicht an? Das ist bislang ein Geheimnis geblieben.« (S. 48)

Ich hoffe, der Leser ist so gut, mir zu glauben, wenn ich sage, daß ich den Schlüssel zu diesem Geheimnis auch nicht besitze. Der Volksmund sagt: "Wo Rauch ist, da ist auch Feuer", aber ich muß zugeben, daß ich hier auch nicht den Schatten eines Feuers oder einer Flamme sehe. Welcher Geist kann einen derartigen Irrsinn versprühen? Soll den Menschen zu verstehen gegeben werden, daß ich, im erzkatholischen Polen, einem satanischem Ritus frönte, indem ich einige dämonische Kritzeleien entzifferte? Oder aber - und diese Hypothese wurde mir von jemandem mitgeteilt, der bestens mit dem Lande vertraut ist - war ich durch einen der Stromausfälle, die in allen "Volksrepubliken" so häufig vorkamen, dazu gezwungen worden, eine Kerze anzuzünden, um mit dem Durcharbeiten meiner Unterlagen fortzufahren? Zwanzig Jahre danach gestehe ich, daß ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Immer noch den "Zeugen" folgend, scheint es außerdem so zu sein, daß ich den Damen den Hof gemacht habe, zweifellos so wie Faust seiner Margarete, und daß ich ihnen ... Liebesgedichte schrieb. Dabei muß ich wohl, wie Goethes Held, verborgene dunkle Beweggründe gehabt haben. Aber lesen Sie selbst:

»Zeugen haben ausgesagt daß Faurisson in Krakau den Damen gern den Hof machte, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Er schrieb ihnen Liebesgedichte. Die Frau, die ihn in Krakau begleitete, erinnert sich daran, daß "seine Konversation brillant und intelligent war", obwohl durchsetzt mit judenfeindlichen Meinungen wie: "Die Juden haben eine dicke Intelligenz".« (ebenda)

Somit wußte ich, vergleichbar dem Mephistopheles, wie man mit den Damen spricht, sie sogar mit Zaubersprüchen der Muse betört, aber nicht, ohne einige gräßliche Bemerkungen über die Juden in ihrem Gemüt abzuladen. Ich muß hier die Wahrscheinlichkeit anerkennen, daß ich jene Bemerkungen über die Söhne und Töchter Zions tatsächlich gemacht habe und vielleicht sogar hinzugefügt habe, daß ich glaube, daß Lous-Ferdinand Céline recht hatte, der in ihnen natürlich viel Sensibilität sah, aber eine "blecherne Sensibilität" im Gegensatz zu einer bronzenen, die tiefgehend ist.

Angeblich soll ich nach meiner Rückkehr aus Auschwitz meinen Gastgeber als »primitiv, begriffsstutzig, grobschlächtig und vulgär« geschildert (S. 48) und mich daran gemacht haben, meine damalige Begleiterin mit endlosen Ersuchen zu »quälen«, sich an das Auschwitz-Museum zu wenden, um die zugesagten Dokumente zu bekommen (S. 49).

Der polnische Geheimdienst

Bihan weiß nicht, ob es mir damals gelang, an die fraglichen Dokumente heranzukommen. Er sollte aber dennoch wissen, daß sie mir in der Tat zugeschickt wurden und daß ich dank dieser Papiere der Erste war, der Reproduktionen der deutschen Baupläne veröffentlichte, aus denen hervorgeht, was die zu »Gaskammern« umgetauften Örtlichkeiten in Auschwitz und Birkenau in Wirklichkeit waren. Sein Unwissen zu diesem Punkt hindert ihn nicht daran, eine Theorie zusammenzubrauen: Faurisson sei durch den polnischen Geheimdienst zu judenfeindlichen Zwecken manipuliert worden:

»Erhielt Faurisson die Dokumente, die er gerne haben wollte? Wenn ja, dann könnte das bedeuten, daß der polnische Geheimdienst ein bestimmtes Ziel im Auge hatte, denn er war regelmäßig mit dem Diebstahl und der Beschlagnahmung von Dokumenten aller Art befaßt. Es ist nicht unplausibel, daß diese Agenten insgeheim die Theorie förderten, nach der die Gaskammern nicht vorhanden gewesen sind, während ihre politischen Herrscher die deutschen Revanchisten in Bausch und Bogen verdammten [...]« (S. 49)

Teuflisch bis in die Fingerspitzen, wie er nun mal ist, gelang es Faurisson auch, dem "Radar" des Kulturdienstes der französischen Botschaft zu entgehen. Beunruhigend, schätzen A. Le Bihan und P. Vidal-Naquet, beunruhigend und ungerecht:

»Wenn man sich ins Gedächtnis zurückruft, daß der Kulturdienst der französischen Botschaft in Belgrad etwa zehn Jahre nach dieser Reise [Faurissons ins kommunistische Polen] wünschte, daß Vidal-Naquet sich bei seinen Konferenzen in Jugoslawien an das Thema der antiken Mittelmeer-Welt halten und somit den algerische Krieg aus dem Programm heraushalten sollte, ist es beunruhigend, daß es einem Faurisson in Polen gelungen ist, dem Radar eines Kulturdienstes gleicher Art zu entgehen.« (S. 50)

Die derzeitige Betroffenheit der Antirevisionisten

Wie uns ein französischer Moralist versichert, ist es besser, etwas Schlechtes über sich selbst zu hören als gar nichts. In meinem eigenen Fall stören mich dieses "Schlechte", diese Beleidigungen und Verleumdungen nicht, denn sie erhellen nur die schiere Unfähigkeit unserer Gegner, irgendwelche handfesten Gegenargumente vorzutragen. Persönliche Angriffe, speziell auf dem Niveau, das heutzutage von einem N. Fraser, einem A. Le Bihan oder einem P. Vidal-Naquet praktiziert wird, untermauert unsere Ansicht, daß das Jahr 2000 in die Geschichte der Großen Lüge in der Tat als ein schlechter Jahrgang eingehen wird. Für P. Vidal-Naquet und Konsorten sehe ich in naher Zukunft noch dunklere Zeiten nahen. Die revisionistische Intifada wird weh tun.

Nota bene: Ein revisionistischer Freund, G.D., vertritt die Auffassung, daß ich gut daran täte, den Namen Nicholas Fraser, André Bihan und Pierre Vidal-Naquet auch noch den von Valérie Igounet hinzufügen, die im März 2000 eine Histoire du négationnisme en France veröffentlicht hat.[4] Darin sammelte die junge Dame pflichtgemäß beunruhigende Berichte über mich, so wie den nachstehenden des Pariser Buchhändlers Bela Elek:

»Ich traf Faurisson einmal [ca. 1979]. Er kam mit Pierre Guillaume in meinen Buchladen. Ich war sehr bestürzt, weil ich eine jüdische Enzyklopädie in hebräischer Sprache hatte. Sie lag auf dem Boden. Faurisson nahm sie in die Hand, aber mit der falschen Seite nach oben. Das war nicht so schlimm. Er begann aber, sie verkehrt herum zu lesen, und rief aus: "Oh, wie interessant!". Ich wunderte mich, wer dieser Kerl sei. Später sprachen wir über andere Dinge. Er verhielt sich dümmlich. Er wollte sich als großer Spezialist für die Judenfrage präsentieren. Es war lächerlich und außerdem wenig hilfreich. Ich sagte Guillaume, daß sein Freund ein wenig eigenartig sei. Guillaume war völlig überrascht. Er hatte eine interessante Erklärung gefunden.« (S. 343)

Was mich betrifft, so erinnere ich mich nicht an diese Episode. Ich habe P. Guillaume gefragt, und er sieht darin lediglich eine jener Halluzinationen »à la Bela Elek«, eines gequälten, wenn nicht gar verstörten Charakters.

Anmerkungen


© 30. Oktober 2000. Übersetzt von Hans Rudolf von der Heide.

[1]»Rebuttal versus Unmasking: Legal Strategy in Regina versus Zündel«, Patterns of Prejudice, Institute for Jewish Policy Research, London, Juli 2000, S. 3.
[2]MacMillan, Picador, 2000, 327 S.
[3]Librio, Flammarian, Juni 2000, 128 S.
[4]Seuil, 701 S.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(2) (2003), S. 194-198.


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