KL Sachsenhausen

Stärkemeldungen und »Vernichtungsaktionen« 1940 bis 1945

Von Carlo Mattogno

Das unweit von Berlin gelegene Konzentrationslager Sachsenhausen - gelegentlich auch Oranienburg genannt - spielt in der Diskussion um den "Holocaust" kaum eine Rolle. Wenn sich Carlo Mattogno in folgendem Beitrag mit diesem Lager befaßt, so hat dies zwei Gründe. Erstens ermöglichen die von ihm sowie Jürgen Graf im Staatlichen Archiv der Russischen Föderation, Moskau, aufgefundenen Dokumente aus Sachsenhausen eine äußerst genaue Bestimmung der Lagerstärke sowie der Sterblichkeit während der Kriegszeit. Die Veröffentlichung dieser Unterlagen ist ein Akt der positiven Geschichtsschreibung, die nicht lediglich Geschichtslügen und Mythen widerlegen, sondern so genau wie möglich ermitteln will, was wirklich geschehen ist. Zweitens ist der Fall Sachsenhausen ungemein aufschlußreich für die Methoden der alliierten, in diesem Fall spezifisch der sowjetischen Greuelpropaganda während der unmittelbaren Nachkriegszeit. Teilweise wird diese Greuelpropaganda bis zum heutigen Tage weitererzählt, denn in mehreren Standardwerken der "Holocaust"-Literatur wird nicht nur die Opferzahl von Sachsenhausen übertrieben, sondern auch behauptet, in jenem Lager seien zahlreiche Häftlinge mit Giftgas getötet worden; ferner hätten die Deutschen dort viele tausend sowjetische Kriegsgefangene in einer Erschießungsanlage ermordet. C. Mattogno weist nach, daß diese Behauptungen jeglicher historischen Grundlage entbehren, und zieht zum Schluß seiner Betrachtungen interessante Querverbindungen zum KL Mauthausen in Österreich.


1. Die Sowjetpropaganda

Während des Nürnberger Prozesses gab der sowjetische Oberjustizrat Smirnow bei der Verhandlung vom 19. Februar 1946 folgendes zum besten:[1]

»Ich lege nunmehr Beweismaterial für die Tatsache vor, daß neben den stationären Krematorien auch fahrbare Krematorien bestanden. Der Gerichtshof hat bereits Kenntnis von den fahrbaren Gaskammern. Aber auch fahrbare Krematorien wurden gebaut. Ein SS-Mann namens Paul Waldmann bezeugt ihr Bestehen. Er war einer der Mitverbrecher der deutschen Faschisten, die 840000 russische Kriegsgefangene in Sachsenhausen ermordeten.«

Paul Ludwig Gottlieb Waldmann war im Jahre 1934 der Allgemeinen SS beigetreten und wurde später in die Waffen-SS übernommen. Von 1936 bis Dezember 1941 diente er als Kraftfahrer im KL Sachsenhausen und kam anschließend an die Front. Am 2. Mai 1945 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

In einer mit der Erläuterung »selbst geschrieben und unterschrieben« versehenen Erklärung hatte Paul Waldmann das von Smirnow behauptete unfaßbare Verbrechen in der Tat "gestanden":[2]

»Im Spätsommer des Jahres 1941 wurden durch ein Sonderkommando der Sicherheitspolizei, das direkt der Reichskanzlei des Führers Adolf Hitler unterstand, im Lager Sachsenhausen insgesamt 840000 Kriegsgefangene-Russen [sic] exekutiert.«

Die Aberwitzigkeit dieser Aussage ist dermaßen augenscheinlich, daß man es sich im Grunde genommen schenken kann, auf sie einzugehen. Wenn ich dies dennoch tue, dann nur darum, um - einmal mehr - die Singularität der sowjetischen Anklageprozeduren zu erhellen. Verblüffend ist dabei nicht bloß die Dreistigkeit, mit der die Sowjets beim Nürnberger Prozeß einen so hanebüchenen Unsinn auftischten, sondern vor allem die Tatsache, daß sie sehr wohl über die totale Abwegigkeit der Erklärung Paul Waldmanns Bescheid wußten. Als die Sowjets das KL Sachsenhausen am 27. April 1945 besetzten, fanden sie nämlich die vollständigen Stärkemeldungen des Lagers für 1940 bis 1945 vor, die, wie wir in Absatz 3 darlegen werden, die von Waldmann in seinem Geständnis aufgestellten und später von Smirnow aufgegriffenen Behauptungen unzweideutig ins Reich der Legende verweisen.

2. Die »Ausrottungsaktionen« in Sachsenhausen

Am 9. Mai 1945 verfaßte ein gewisser Koehlen, »ehemaliger Schutzhäftling und Genosse der KPD«, einen vierseitigen Bericht mit dem Titel »Laufende Aktionen im Konzentrationslager Sachsenhausen von 1940 bis 1945«. Darin zählt er 12 »Aktionen« auf. Seine Aussagen zu den wichtigeren von diesen gebe ich vollständig wieder; bei den restlichen begnüge ich mich mit einer Zusammenfassung.

Abb. 1: Grundriß des vormaligen Hygienegebäudes des ehemaligen KL Sachsenhausen mit Greuelpropaganda-Beschriftung: Links oben die angebliche Genickschußanlage, rechts unten die angebliche "Gaskammer".

»1) Aktionen gegen Polen im Jahre 1940 (9. November): dabei 33 Polen erschossen, der dazu vorhandene Grund waren die Bromberger Ereignisse.«
»2) Aktion gegen russische Kriegsgefangene Mitte 1941 (September-Oktober): dabei wurden 16000 russ. Kriegsgefangene erschossen. Jeden Abend fuhr 4 bis 5mal ein Lastwagen vor das russ. Kriegsgefangenenlager und fuhr von dortselbst wieder vollbeladen zurück zum Industriehof.«
»3) Aktion gegen Genossen (Kommunisten) der Lagerzentrale (Schreibstube): Im Jahre 1942 am 1. Oktober wurden diese Genossen ihrer Lagerfunktionen enthoben und zum Zellenbau gebracht. Einige Tage später kamen durch diese Aktion 18 unserer Genossen auf Transport in das Straflager Flossenbürg.«

Dok. 1: Veränderungsmeldung - 1940 (Oben Anklicken)

»4) Aktion gegen Juden. Dieselben erstreckten sich über die ganze Dauer des Konzentrationslagers. Viele Tausende wurden dabei vernichtet. Zu einem Teil wurden sie im Lager (Industriehof) erschossen, zum Teil bei der Arbeit totgeschlagen. Bei der systematischen Vernichtung bei der Arbeit waren in der Hauptsache SS-Angehörige aber auch aus den Reihen der Häftlinge (Berufsverbrecher, asoziale Häftlinge und sonstige schlechte Elemente) beteiligt. Es wurden auch Judentransporte zusammengestellt nach verschiedenen Straflagern zur Vernichtung derselben, so z. B. Maudhausen [sic], Flossenbürk [sic], Bergenbelzen [sic] und Lublin. Auch auf dem zum Lager gehörigen Klinkerwerk fanden viele Juden durch Hunger und Kälte den Tod.«

»5) Aktion gegen Homosexuelle im Jahre 1943«: 100-200 Erschossene.
»6) Aktion gegen die Kranken (Körperschwachen und Tuberkuloseerkrankten): Gegen dieselben wurden ca. 3-4 solcher Aktionen durchgeführt, vor allem in den Jahren 1943 und 1944. Transport nach Bergenbelzen (sic) und Lublin. Ob dieselben kranken Häftlinge dort angekommen sind und was dortselbst aus ihnen geworden ist, ist uns nicht bekannt. Transport Kräutergarten und Sonnenberg waren fingierte Namen, deren Lager nicht vorhanden waren. Diese Häftlinge wurden wahrscheinlich erschossen oder in Gaszellen (sic) umgebracht. Auch wurde eine Reihe von schwerkranken Häftlingen direkt nach dem zum Lager gehörigen Krematorium gebracht. Die Zahl der dabei ums Leben gekommenen Häftlinge ging in die Tausende. 1945 Anfang Februar ca. 1000 Häftlinge erschossen und in Gaszellen vergiftet. War eine Reichsmaßnahme.«
»7) Aktion gegen Amtsanmaßung
«: 100 bis 200 Berufsverbrecher und Asoziale wurden Ende 1943 und Anfang 1944 getötet.
»8) Aktion gegen Genossen der Lagerzentrale«: 27 Häftlinge erschossen und 110 nach Mauthausen überstellt (gegen Mitte 1943)
»9) Aktion gegen das Lager im Jahre Anfang 1945«: 50 Häftlinge als gefährliche Elemente füsiliert.
»10) Aktionen im Kleinen von 1940 bis 1945": Bestrafungen und Überstellungen, kein Mord.
»11) Aktion gegen Zivilisten«: Zivilisten im Industriehof erschossen und dann in den Öfen verbrannt: »Die Zahl derer geht in die Tausende.«
»12) Aktion gegen Terroristen im Jahre Ende 1944 bis 1945·: 300-600 Partisanen erschossen.[3]

Mit den wesentlichsten Punkten dieser Darstellung - der behaupteten Massenerschießung sowjetischer Kriegsgefangener sowie der angeblichen Verwendung einer Gaskammer zur Menschentötung - setze ich mich in den folgenden Abschnitten auseinander; vorläufig beschränke ich mich auf einige Bemerkungen allgemeinen Charakters.

Dem Zeugen zufolge fand die erste Hinrichtung von Häftlingen in Sachsenhausen am 9. November 1940 statt. Dieser Umstand hilft uns, einen mehrdeutigen Ausdruck im folgenden Abschnitt unzweideutig zu definieren.

Es trifft durchaus zu, daß Transporte mit Kranken aus Sachsenhausen nach Lublin abgingen: Der erste - mit 3000 kranken Häftlingen - traf am 26. Januar 1944 dort ein, der zweite - mit 2.700 Kranken - am 16. März, der dritte - mit 500 Gefangenen - am 22. März. Diese Menschen wurden freilich in Lublin (Majdanek) nicht ermordet, sondern regulär registriert und im Lagerkrankenhaus untergebracht.[4] Daraus folgt, daß es in Sachsenhausen keinerlei Politik der Tötung erkrankter Häftlinge gab, so daß die Behauptung, Tausende solcher Kranken seien umgebracht worden, darunter 1000 Anfang 1945 »erschossene und in Gaszellen vergiftete«, ganz unglaubhaft ist.

Der Zeuge gibt an, die angebliche Menschentötungsgaskammer (er spricht von »Gaszellen« im Plural) sei zur Tötung dieser Kranken verwendet worden; vergaste Juden erwähnt er bemerkenswerterweise nicht. Ehe wir jedoch ausführlicher auf diese wichtigen Punkte eingehen, müssen wir die statistischen Daten bezüglich Lagerstärke und Sterblichkeit in Sachsenhausen präsentieren. Die von den Sowjets beschlagnahmten Veränderungsmeldungen ermöglichen es uns, die betreffenden Zahlen für den Zeitraum von 1940 bis 1945 lückenlos zu ermitteln. Die Einzelheiten gehen aus den im folgenden kommentarlos angeführten Tabellen hervor (siehe Dok. 1).


3. Die Veränderungsmeldungen des KL Sachsenhausen

Tabelle 1: Veränderungsmeldung - 1940[5]

Monat

Zugänge

Abgänge

Entlas-

sung

Über-

führung

Verstorben

Abgänge

ohne

Angabe

Ges. Stärke

Bemerkungen

Januar

974

1920

141

72

684

1023*

31.1

11.241

 

Februar

868

883

150

132

499

102**

29.2

11.226

 

März

1074

2073

106

1545

422

 

30.3

10.227

1.500 nach KL Dachau 4.3.40

April

3677

1927

306

1060

561

 

30.4

11.977

 

Mai

2066

943

121

413

409

 

29.5

13.100

345 nach KL Neuengamme 3.5.40

Juni

1525

996

102

571

323

 

29.6

11.797[6]

 

Juli

1874

804

81

531

192

 

31.7

12.867

 

August

2574

2221

204

1841

176

 

31.8

13.220

1.000 nach KL Dachau 27.8.40

September

2236

4212

73

4049

90

 

30.9

11.244

3.000 nach KL Dachau

Oktober

700

257

95

52

110

 

31.10

11.687

 

November

543

936

195

568

173

 

30.11

11.294

 

Dezember

444

1230

490

591

149

 

31.12

10.577[7]

14/15.12.1940 fehlt

Insgesamt

18555

18402

2064

11425

3788

1125

 

 

 

* 24.1.1940; ** 9.2.1940

Tabelle 2: Veränderungsmeldung - 1941[8]

Monat

Zugänge

Abgänge

Entlas-

sung

Über-

führung

Verstorben

Ges. Stärke

Bemerkungen

Januar

581

290

121

50

119

2.1.

31.1

10.560

10.868

 

Februar

900

284

124

50

110

28.2

11.584[9]

 

März

837

308

102

49

157

31.3

12.113

 

April

382

351

124

60

167

30.4

12.144

 

Mai

302

1314

138

1083

93

31.5

11.132

 

Juni

485

521

105

383

33

30.6

11.097[10]

*

Juli

642

230

132

62

36

31.7

11.509

 

August

404

674

99

537

38

31.8

11.239

 

September

479

1186

75

1076

35

30.9

10.532

 

Oktober

2777

3034

78

2814

142

31.10

10.175[11]

**

November

430

231

54

27

150

29.11

10.374

 

Dezember

443

108

1

/

107

31.12

10.709

 

Insgesamt

8662

8531

1153

6191

1187

 

 

 

* Am 3.6.41 95 Häftlinge ohne Angabe lt. Sonderliste überführt;
** Am 23.10.41 2.436 Russ. Kriegsgefangenen v. Lagerstärke abgesetzt d. h. im Krematorium liquidiert

Tabelle 3: Veränderungsmeldung - 1942[12]

Monat

Zugänge

Abgänge

Entlas-

sung

Über-führung

Verstorben

Abgesetzt ohne Angabe (liquidiert)

Ges. Stärke

Bemerkungen

Januar

329

702

484

79

139

 

31.1

10.336

 

Februar

400

355

78

63

214

 

28.2

10.381

 

März

313

1249

81

737

431

 

31.3

9.445

 

April

981

898

216

436

246

 

30.4

9.528

 

Mai

2010

547

75

155

221

96

31.5

10.991

(1)

Juni

1367

367

43

116

208

 

30.6

11.991

 

Juli

1793

520

51

52

405

12

31.7

13.264

(2)

August

1654

894

73

506

301

14

31.8

14.024

(3)

September

2549

960

180

274

497

9

30.9

15.613

(4)

Oktober

1961

1834

69

1200

557

8

31.10

15.740

(5)

November

1393

958

137

355

436

30

30.11

16.175

(6)

Dezember

1840

1463

176

728

520

39

31.12

16.552

(7)

Insgesamt

16590

10747

1663

4701

4175

208

 

 

 

(1) 96 Juden am 28. Mai 1942 auf Industriehof erschossen.
(2) Abgesetzt, d.h. liquidiert. (6.7.42: 2; 9.7.42: 3; 13.7.42: 1; 21.7.42: 5; 23.7.42: 1).
(3) Abgesetzt 14 (1.8.42: 2; 3.8.42: 1; 8.8.42: 7; 21.8.42: 1; 25.8.42: 3).
(4) Abgesetzt 9 (15.9.42: 7; 26.9.42: 1; 30.9.42: 1).
(5) Abgesetzt 8 (8.10.42: 1; 20.10.42: 2; 23.10.42: 1; 28.10.42: 2; 31.10.42: 2).
(6) Abgesetzt 30 (10.11.42: 1; 20.11,42: 7; 27.11.42: 18; 28.11.42: 4).
(7) Abgesetzt 39 (12.12.42: 38; 30.12.42: 1).

Tabelle 4: Veränderungsmeldung - 1943[13]

Monat

Zugänge

Abgänge

Entlas-

sung

Über-

führung

Verstorben

Abgesetzt

Ges. Stärke

Bemerkungen

Januar

5490

627

109

82

372

64

21.415

 

Februar

960

1458

48

846

559

5

20.917

 

März

1830

975

74

137

669

95

21.772

 

April

2497

846

78

78

593

97

23.423

 

Mai

1794

547

69

143

334

1

24.670

 

Juni

684

527

152

134

227

14

24.873[14]

 

Juli

1461

524

96

222

201

5

25.750

 

August

1559

475

100

183

182

10

26.834

 

September

810

412

85

190

125

12

27.232

 

Oktober

883

457

85

266

100

6

27.658

 

November

784

222

56

52

106

8

28.220

 

Dezember

1259

1264

112

1054

95

3

28.224[15]

 

Insgesamt

20011

8334

1064

3387

3563

320

 

 

Tabelle 5: Veränderungsmeldung - 1944[16]

Monat

Zugänge

Abgänge

Entlas-

sung

Über-

führung

(Verstorben)

Abge-setzt

Flüchtig

Vermißte

Ges. Stärke

Januar

601

736

90

541

105

/

/

 

28.089

Februar

486

287

99

99

78

9

2

 

28.288

März

881

798

96

588

104

3

7

 

28.371

April

2099

590

120

152

310

2

6

 

29.880

Mai

922

1329

85

1060

178

/

6

 

29.478[17]

Juni

4522

870

95

529

108

113

25

 

33.130

Juli

4720

3767

85

3568

105

6

3

 

34.083

August

6940

3320

103

2040

161

/

15

(1)

37.703

September

10496

3160

906

2030

183

2

16

(2)

45.039

Oktober

7771

6910

279

6430

193

/

8

 

45.900

November

5699

6857

194

6393

268

1

1

 

44.472

Dezember

5428

2476

197

1699

573

/

7

 

47.565[18]

Insgesamt

50565

31100

2349

25129

2366

136

96

 

 

(1) 1 ohne Angabe. 1000 (unleserlich) . Häftlg. herausgenommen (unleserlich) geführt.; (2) 23 bei Polizei Häftlinge umgestellt.

Tabelle 6: Veränderungsmeldung - 1945[19]

Monat

Zugänge

Abgänge

Entlas-

sung

Über-

führung

(Verstorben)

Abge-setzt

Flüchtig

Vermißte

Ges. Stärke

Januar

12489

3324

136

2025

1138

8

17

/

58.147

Februar

945

11708

42

8811

2832

1

22

/

37.883[20]

März

3539

6491

72

5885

359

1

160

14 vermißt

34.931[21]

April

840

1198

28

530

492

1

96

51 vermißt

36.654[22]

Insgesamt

17813

22721

278

17251

4821

11

295

65

 

Tabelle 7: Zusammenfassung 1940-1945

Jahr

Zugänge

Abgänge

Entlas-

sung

Über-

führung

Verstorben

Abge-setzt

Flüchtig

Vermißt

Abgänge ohne Angabe

1940

18555

18402

2064

11425

3788

/

/

 

1125

1941

8662

8531

1153

6191

1187

/

/

 

/

1942

16590

10747

1663

4701

4175

208

/

 

/

1943

20011

8334

1064

3387

3563

320

/

 

/

1944

50565

31100

2349

25129

2366

136

96

1024

/

1945

17813

22721

278

17251

4821

11

295

65

/

Summen

132196

99835

8571

68084

19900

675

391

1089

1125


4. Die Lebenden und die Toten

Die in den Veränderungsmeldungen aufgeführten Rubriken lassen sich ohne größere Schwierigkeiten deuten:

Am 1. Januar 1940 hielten sich im Lager (11.241 - 974 + 1.920 =) 12.187 Häftlinge auf.

Von Januar 1940 bis April 1945 wurden demnach (132.196 - 12.187 =) 120.009 Häftlinge in den Lagerbestand aufgenommen.

Während des gleichen Zeitraums wurden 8.571 Häftlinge entlassen, 69.084 überstellt, 19.900 starben eines natürlichen Todes, 675 wurden (mit oder ohne Urteil) hingerichtet bzw. liquidiert, 391 entflohen, 1.089 wurden aller Wahrscheinlichkeit nach von örtlichen Polizeibehörden aus dem Lager abkommandiert, während 1.125 »ohne Angabe« überstellt oder auf freien Fuß gesetzt wurden.

Auf die Frage nach dem Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen wird im folgenden Abschnitt eingegangen.

Abb. 2: Zeitgenössisches Foto des Hygienegebäudes des vormaligen KL Sachsenhausen.

Gemäß der Enzyklopädie des Holocaust[23] wies das KL Sachsenhausen Ende 1936 eine mittlere Stärke von 2.000 Häftlingen auf; Ende 1937 betrug die Lagerstärke laut derselben Quelle 2.523 und ein Jahr später 8.309 Häftlinge. Für 1939 liefert die Enzyklopädie des Holocaust keine diesbezüglichen Angaben. Ihr zufolge wurden 1938 450 jüdische Häftlinge getötet,[24] und 1939 sollen 800 Insassen verstorben sein. Wir halten diese Ziffern für überhöht und glauben vor allem nicht an die Tötung von 450 Juden im Jahre 1938, zumal Raul Hilberg in seinem Standardwerk über den "Holocaust" nichts von einer solch umfangreichen Tötungsaktion in der Vorkriegszeit weiß. Für glaubhafter halten wir die von Winfried Meyer unter Berufung auf (uns unzugängliche) Dokumente der Gedenkstätte Sachsenhausen in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft gelieferten Ziffern:[25]

1936: 6 Tote
1937: 38 Tote
1938: 229 Tote

Für 1939 gibt W. Meyer keine Opferzahl an.

Bezüglich der Gesamtopferzahl heißt es in der Enzyklopädie des Holocaust:[26]

»Abgesehen von den sofort exekutierten sowjetischen Kriegsgefangenen und den Opfern der Überstellungs- und "Evakuierungstransporte" sind in Sachsenhausen über 30.000 Menschen umgekommen.«

In Wirklichkeit starben von 1940 bis 1945, wie wir bereits festgehalten haben, 19.900 Häftlinge eines natürlichen Todes. Akzeptiert man die von der Enzyklopädie des Holocaust gelieferte Gesamtzahl von 1.250 in den Jahren 1938 und 1939 getöteten bzw. umgekommenen Häftlingen, so kommt man für den Zeitraum von 1938 bis 1945 also auf ca. 21.200 Tote. Übernimmt man hingegen die Zahlen W. Meyers, so beläuft sich die Opferzahl für den gesamten Zeitraum der Existenz des Lagers (außer 1939) auf (6 + 38 + 229 + 19.900 =) 20.263.

5. Die sowjetischen Kriegsgefangenen

Die Enzyklopädie des Holocaust vermeldet zum Thema der sowjetischen Kriegsgefangenen:[4]

»Wahrscheinlich Anfang August 1941 ließ die Lagerkommandantur eine als Untersuchungsraum getarnte Massenerschießungsanlage errichten, in der in den folgenden Monaten 13.000 bis 18.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden, die gar nicht erst im Lager registriert wurden.«

Diese Behauptung scheint auf den ersten Blick zumindest teilweise durch eine handschriftliche Anmerkung in der Veränderungsmeldung für das Jahr 1941 bekräftigt zu werden, die wie folgt lautet:

»Am 23.10.41 2.436 Russ. Kriegsgefangene v. Lagerstärke abgesetzt d. h. im Krematorium liquidiert.«

Doch ist die Erklärung »d.h. im Krematorium liquidiert« nachweislich unrichtig. Es existiert nämlich ein Dokument über die Schwankungen der Anzahl sowjetischer Kriegsgefangener im Zeitraum vom 18. Oktober (an jenem Tag traf der erste Transport mit solchen Gefangenen ein) bis zum 30. Dezember 1941 (vgl. Dok. 2). Beim Datum des 23. Oktober - damals hielten sich im Lager Sachsenhausen 2.436 sowjetische Kriegsgefangene auf - erscheint folgender, maschinengeschriebener Eintrag: »v. 23.10. 41 nicht mehr in der Lagerstärke«. Da das Dokument auch für die darauffolgende Periode die Veränderungen der Anzahl sowjetischer Kriegsgefangener vermerkt (2.423 am 24. Oktober, 1.360 am 30. Dezember), ist es klar, daß diese 2.436 angeblich Liquidierten nicht mehr im Stärkebuch geführt wurden. In der Tat gehören sie zu jenen 2.814 Häftlingen, die laut Veränderungsmeldung für den Oktober 1941 in der Rubrik »Überführung« registriert werden. Ab dem 24. Oktober wurden die sowjetischen Kriegsgefangenen nämlich in einem gesonderten Stärkebuch geführt, d.h. gesondert gezählt.

Die von der Enzyklopädie des Holocaust erzählte Geschichte ist also in doppelter Hinsicht unfundiert: Es trifft nicht zu, daß in Sachsenhausen sowjetische Kriegsgefangene unregistriert eingeliefert wurden, und es ist ebenso falsch, daß ab August dort »13.000 bis 18.000« solche Gefangene erschossen wurden.

6. Die Gaskammer zur Menschentötung

Laut der offiziellen Geschichtsschreibung[27] gab es in Sachsenhausen eine Gaskammer zur Menschentötung. Die Enzyklopädie des Holocaust äußert sich zu diesem Thema recht lapidar:[28]

»Nicht sicher datierbar ist der Bau einer Gaskammer innerhalb des Krematoriumskomplexes, wahrscheinlich wurde sie 1943 errichtet. Die Gaskammer wurde allerdings nur in speziell angeordneten Fällen benutzt, als die SS vor der "Evakuierung" des Lagers im Februar 1945 mehrere tausend körperlich geschwächte Häftlinge töten ließ.«

Weitere Angaben über die angebliche Menschentötungsgaskammer von Sachsenhausen macht ein anderer Klassiker der offiziellen Geschichtsschreibung, der Sammelband Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, in dem kurzen, diesem Lager gewidmeten Abschnitt:[29]

»Nach der Aussage des Sachsenhausener Kommandanten Kaindl, der vom August 1942 an das Lager bis zu dessen Auflösung 1945 leitete, regte der damalige Inspekteur der Konzentrationslager, Glücks, die Kommandanten an, nach dem Vorbild von Auschwitz auch in den anderen Konzentrationslagern Gaskammern einzurichten.«

Dok. 2: Veränderungsmeldung der sowjetischen Kriegsgefangenen (18.10-30.12.1941).[30]

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Anschließend wird in diesem Buch ein Auszug aus dem Protokoll des Sachsenhausen-Prozesses vor dem Militärgerichtshof der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland vom 23.10. bis 1.11.1947 zitiert, bei dem der angeklagte Sachsenhausen-Kommandant Anton Kaindl "gestanden" hatte:[31]

»Ich habe Mitte März 1943 die Gaskammern [sic] als Massenvernichtungsstätte eingeführt.«

Kaindl führte des weiteren aus:[32]

»Im Jahre 1942 wurden auf Befehl des Inspekteurs der SS KZ, Glücks, in den deutschen Lagern in weitem Ausmaße zur Tötung von Menschen sogenannte "Gaskammern" angewandt. Im Jahre 1943 faßte ich den Entschluß, bei mir eine Gaskammer zur Massentötung von Häftlingen zu bauen. Ich bekam vom SS-Hauptamt das Baupersonal, welches im Herbst 1943 die Einrichtung der Gaskammer auf den Gelände des Lagers im Krematoriumsgebäude fertigstellte.«

Dieses Geständnis ist aus einer ganzen Reihe von Gründen unglaubwürdig. Erstens spricht Kaindl von »Gaskammern« im Plural, obgleich in der offiziellen Geschichtsschreibung lediglich von einer Gaskammer die Rede ist. Zweitens wäre die angebliche Gaskammer, wie wir bald sehen werden, für eine Massenvernichtung viel zu klein gewesen. Drittens ist der Glücks-Befehl, auf den sich Kaindl beruft, eine reine Erfindung. Viertens wäre das Baupersonal für die Errichtung einer Menschengaskammer von der SS-Bauleitung Sachsenhausen gestellt worden und nicht vom SS-Hauptamt.[33]

Beim eben erwähnten Prozeß gegen Kaindl begingen die Ankläger die Unvorsichtigkeit, die Struktur der »Gaskammer« genau schildern zu lassen:[34]

»Während des Prozesses beschrieben sowohl Kaindl als auch der ehemalige Häftling Sakowski, der als Henker des Lagers im Krematoriumskomplex arbeitete und bei Vergasungen zugegen war, die Gaskammer, die eine Vorrichtung zur mechanischen Öffnung der Gasbehälter enthielt, den sogenannten Druckventilator. Er befand sich an einer Außenwand der Gaskammer. Der Gasbehälter wurde in ihn hineingestellt, mechanisch geöffnet, und der Ventilator trieb das Gas durch ein heizbares Rohrsystem in die Gaskammer. Die SS-Leute brauchten daher in Sachsenhausen im Gegensatz zu vielen anderen Lagern keine Gasmasken zu benutzen.«

Diese Beschreibung läßt bereits erkennen, worum es sich bei der vermeintlichen Menschentötungsgaskammer in Wirklichkeit gehandelt hat, doch verfügen wir über ein ungemein wichtiges Dokument, das jedweden Zweifel beseitigt. Ehe wir uns diesem Dokument zuwenden, wollen wir aber hervorheben, daß die offizielle Geschichtsschreibung über den Bau und die Verwendung dieser Kammer bezeichnenderweise nichts weiß. In Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas wird unumwunden eingeräumt:[35]

»Über den Zeitpunkt der Einrichtung der Gaskammer gibt es unterschiedliche Aussagen. [...] Beim gegenwärtigen Stand der Kenntnisse ist es nicht möglich, auch nur annähernd die Zahl derjenigen anzugeben, die durch Giftgas in Sachsenhausen ermordet worden sind.«

7. Die sowjetische Expertise über die Gaskammer

Zwischen dem 10. und dem 22. Juni 1945 untersuchte eine sowjetische Expertenkommission, bestehend aus Oberst Vlochin sowie den Ingenieuren Teljaner und Grigorev, das Krematorium des KL Sachsenhausen mitsamt den ihm angeblich angegliederten Tötungsanlagen (Gaskammer und Erschießungsraum). Anschließend erstellten die Experten ein mit Zeichnungen versehenes Gutachten. Bezüglich der angeblichen Menschentötungsgaskammer heißt es da:[36]

»Gaskammer.[37]

Es handelt sich um einen rechteckigen Raum von 2,75 x 3 m Größe, der zwei Eingänge aufweist: Einen von der Garage aus, den anderen vom Entkleidungsraum aus. 1,5 m über dem Fußboden befindet sich an der Nordwestwand ein Fensterchen von 75 x 100 cm Größe, welches eine Scheibe aus Panzerglas besitzt und durch ein Metallgitter geschützt ist. An der Nordostwand ist 2,20 m über dem Fußboden ein Ventilator zur Lüftung des Raumes installiert; dort gibt es auch ein Fensterchen mit Panzerglasscheiben und Metallgitter. Alle vier Wände sind bis in eine Höhe von anderthalb Metern mit feinen Kacheln bedeckt. An den Wänden sowie an der Decke ist eine Wasserleitung mit sechs Duschköpfen angebracht. Der Fußboden besteht aus Zement. Im Fußboden befindet sich eine Öffnung, die das Abfließen des Wassers ermöglicht.

Abb. 3: Überreste des 1952/53 abgerissenen Hygienegebäudes im vormaligen KL Sachsenhausen. Im Vordergrund: Duschraum, heute fälschlich als "Gaskammer" bezeichnet.

Anläßlich einer genauen Inspektion der an die Garage angrenzenden Wand der Gaskammer wurden die Spuren einer geschlossenen Öffnung gefunden, wo der Metallapparat zur Verflüchtigung des bei der technischen Ermittlung untersuchten Zyanwasserstoffgases installiert gewesen war. Dieser Apparat [vgl. Dok. 3] besteht aus einer hermetischen Kammer, einer elektrischen Vorrichtung zur Erhitzung der Luft, einem Ventilator zur Einführung von Heißluft sowie einem Verbindungsrohr. Die Einführung der Zyanwasserstoffdämpfe in die Gaskammer erfolgte auf folgende Art und Weise: Man stellte in der Kammer eine kleine Flasche mit Zyklon "A" auf, die zu 30% mit Zyanwasserstoffgas gefüllt war. Das Fassungsvermögen des Behälters betrug 150 Gramm.

Anmerkung. Sieben Behälter mit Zyanwasserstoffgas - dem Präparat Zyklon "A" - wurden im Gebäude des Krematoriums in einer Nische der Leichenkammer gefunden, in der Nähe der Erschießungsanlage. Am gleichen Ort wurde eine große Anzahl kaputter Behälter mit Zyklon "A" vorgefunden.

Ein solcher Behälter wurde mit Hilfe eines Flaschenöffners geöffnet, und mittels der Erhitzung der Luft in der elektrischen Vorrichtung wurden die Zyanwasserstoffdämpfe durch ein Metallgitter [...es folgt ein unleserliches Wort] in den Raum der Gaskammer geleitet.«

Die von den sowjetischen Experten beschriebene und gezeichnete Anlage war mit Sicherheit eine dem betreffenden Raum angepaßte Degesch-Kreislaufanlage für Entlausung mit Zyklon B. Ein Vergleich zwischen der sowjetischen Zeichnung (vgl. Dok. 3) und der Zeichnung einer Degesch-Kreislaufanlage räumt jeden Zweifel daran aus (vgl. Dok. 5).

Da die Installierung eines Ventilators in der Decke des beschriebenen Raum nicht möglich war, wurde die Degesch-Kreislaufanlage so modifiziert, daß die beiden essentiellen Funktionen des Ventilators von zwei Ventilatoren innerhalb des Raumes erfüllt wurden (siehe Dok. 4): der erste, ein Kreislaufventilator (7), wurde auf dem Fußboden montiert und mündete in eine offene Röhre zur Verbreitung der Luft (8); der zweite, ein Entlüftungsventilator (9), war an der Decke installiert und mit einem außerhalb des Raumes liegenden Kamin verbunden. Der Zyklon-B-Behälter wurde in die dafür bestimmte gasdichte Öffnungsvorrichtung eingeschoben, aus welcher die Zyklon-B-Granulate auf ein darunter befindliches Netz (4) fielen; unter diesem war ein Heizkörper (5) aufgestellt, der die Verdunstung des Zyanwasserstoffgases beschleunigte.

Der auf dem Fußboden angebrachte Ventilator (7) sog durch das Verbindungsrohr (6) das Gasgemisch ein und verbreitete es durch die entsprechende Röhre (8) im Raum. In der gegenüberliegenden Ecke des Raums befand sich die Öffnung (10) eines Saugrohrs (11), das mit der Öffnungsvorrichtung für die Zyklon-B-Büchsen verbunden war. Aufgrund des durch den Ventilator bewirkten Unterdrucks wurde das Gasgemisch durch die Öffnung sowie das Netz, auf dem die Zyklon-B-Granulate lagen, von dieser Apparatur eingesogen und trat durch das Rohr von neuem aus.

Bei jedem Durchgang erwärmte sich das Gasgemisch und beschleunigte die Verdampfung des Zyanwasserstoffgases. Dieses System gewährleistete eine Recyclierung des Gasgemisches, was das zentrale Prinzip des Degesch-Kreislaufsystems war. Nach Abschluß der Entwesungsoperation betätigte man die äußere Öffnungsvorrichtung (3), wodurch die Zyklon-B-Büchse herausgezogen wurde; anschließend verschloß man die Verbindung der vertikalen Saugröhre mit dieser Vorrichtung (12) und setzte beide Ventilatoren in Betrieb. Auf diese Weise sog der Kreislaufventilator frische Luft von außen ein, und der Entlüftungsventilator stieß sie aus dem Raum hinaus.

Theoretisch hätte man diese Entwesungsgaskammer - wie jede ähnliche Anlage in jedem beliebigen anderen Konzentrationslager - gewiß zur Tötung von Menschen benutzen können, doch ihre Größe (2,75 m × 3 m = 8,25 m²) führt die in Kaindls Geständnis aufgestellte Behauptung ad absurdum, sie sei »zur Massentötung von Häftlingen« eingesetzt worden.

Noch abstruser ist die von den sowjetischen Experten gemachte Angabe, die Gaskammer sei mit Zyklon-A-Behältern betrieben worden. Zyklon A (Cyankohlensäureester) wurde nämlich schon zu Beginn der dreißiger Jahre nicht mehr hergestellt und wurde außerdem gar nicht in »Behältern« aufbewahrt. Ein Entwesungsfachmann, Gerhard Peters, hatte hierzu im Jahre 1933 festgehalten:[38]

»Die Anwendungsweise des "Zyklon A" war außenordentlich einfach: es brauchte nur mit einem Pflanzenspritze ähnlichen Apparat unter 5-10 Atmosphären Druck mittels einer metallischen oder anderen Leitung (etwa durch das Schlüsselloch) in den zu entwesenden Raum eingeblasen und fein zerstäubt zu werden.«

Somit erforderte der Einsatz von Zyklon A eine Zerstäubung, die mit einem einfachen Ventilator gar nicht zu erreichen war. Es folgt daraus, daß die Verwendung dieses Mittels in der Entwesungskammer von Sachsenhausen technisch nicht möglich gewesen wäre.

8. Menschenvergasungen in Sachsenhausen: Eine falsche Zeugenaussage

Dok. 3: Sowjetische Zeichnung der Kreislaufanlage der angeblichen Menschengaskammer (Juni 1945).[39]

Die betrügerische sowjetische Expertise über die angebliche Menschentötungsgaskammer von Sachsenhausen diente als Grundlage beim Prozeß gegen den früheren Lagerkommandanten. Die Existenz dieser Gaskammer wurde als offenkundige Tatsache angenommen und vom Zeugen Sakowski bestätigt, so daß Kaindl nichts weiter übrig blieb, als zu "gestehen".

Ein Mißbrauch der Entwesungskammer zur Menschentötung mit Zyklon B wäre, wie bereits betont, grundsätzlich möglich gewesen, doch liegt hierzu keinerlei Dokument vor, und soweit wir wissen, gibt es lediglich eine einzige Schilderung einer solchen Menschenvergasung. Sie wurde im Urteil des sowjetischen Prozesses gegen Anton Kaindl zitiert. Angesichts der Tatsache, daß der Verfasser des etwas über drei Seiten langen Abschnitts über Sachsenhausen im Sammelband Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas ihr fast eine ganze Seite widmet, wird man wohl davon ausgehen dürfen, daß sie die einzige ihrer Art ist. Es geht dabei um acht oder neun Fremdarbeiter, die im Oktober oder November 1944 in Berlin bei der Plünderung bombengeschädigter Häuser ertappt und zum Tode verurteilt worden waren. Man schickte sie zur Exekution nach Sachsenhausen. Laut dem Zeugen Höhn, der die betreffende Episode beschrieben hat, wurden die Todgeweihten in die Gaskammer geführt. Danach sei folgendes geschehen:[41]

»Die Tür sei vom Umkleideraum aus, in welchem er, der Angeklagte, sich mit den genannten Teilnehmern an der Exekution befunden habe, verschlossen worden, Wessel habe den Druckventilator, der an den Wand zwischen dem Umkleideraum und dem Gasraum in Bodennähe eingebaut war, in Gang gesetzt, habe sich sodann - von wem wisse er nicht mehr - eine Kapsel geben lassen, die, wie er, der Angeklagte, gewußt habe, das verflüssigte Giftgas enthalten habe, und habe sie in der Mitte des Ventilators eingesetzt. Schon nach kurzer Zeit sei der Druckventilator wieder abgestellt und der in einer Außenwand des Gasraumes eingebaute Exhaustor in Betrieb gesetzt worden; als der Gasraum hinreichend entlüftet gewesen sei, sei die Tür geöffnet worden, und er, der Angeklagte, habe die durch das Gas getöteten Häftlinge gesehen. Der anwesende Arzt habe ihren Tod festgestellt.«

Dok. 5: Längsschnitt durch eine Entlausungskammer mit Kreislaufeinrichtung."[40]
(Zum Vergrößern anklicken)

Dok. 4: Nachzeichnung der sowjetischen Zeichnung aus Dok. 3 (Carlo Mattogno)
1) Vorrichtung zur Öffnung der Zyklon-B-Büchsen; 2) Büchsenöffner; 3) Deckel der Vorrichtung; 4) Netz zum Auffangen der Zyklon-B-Granulate; 5) Heizkörper; 6) Verbindungsrohr; 7) Kreislaufventilator; 8) Diffusionsrohr; 9)Entlüftungsventilator; 10) Mündung des Saugrohrs; 11) Saugrohr; 12)Verschlußklappe des Saugrohrs.

Man begreift nicht recht, weswegen die acht oder neun zum Tode Verurteilten nicht im angeblichen Hinrichtungsraum des Krematoriums oder in der Erschießungsanlage füsiliert worden sind. Sonnenklar ist hingegen, daß der Zeuge die von ihm geschilderten Geschehnisse niemals gesehen hat. Seine Beschreibung beruht nämlich auf der betrügerischen sowjetischen Expertise über Vergasungen mit Zyklon A, spricht er doch von einer »Kapsel«, die »verflüssigtes Giftgas« enthalten habe. Der Zeuge fügt hinzu, die Kapsel sei »in die Mitte des Ventilators eingesetzt« worden, was unsinnig ist, weil man sie in den dafür bestimmten Dosenöffner hätte einsetzen müssen. Schließlich konnte der Entlüftungsventilator (»Exhaustor«) seine Aufgabe, d.h. das Herauspumpen der Luft, nicht erfüllen, wenn der Kreislaufventilator (»Druckventilator«) ausgeschaltet war.

9. Die Beseitigung der "Beweise"

Als die Sowjets das Lager Sachsenhausen befreiten, war das Krematorium praktisch intakt. Selbst die Verbrennungsöfen waren noch vorhanden und wurden von den sowjetischen Experten mit großer Präzision gezeichnet.[42] (Vgl. Abb. 4.) Die Website der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen berichtet über die weitere Geschichte des Lagers folgendes:[43]

»Am 22./23. April 1945 wurde das Lager durch sowjetische und polnische Einheiten der Roten Armee befreit. Von August 1945 bis März 1950 dienten das ehemalige Schutzhaft- und das ehemalige Sonderlager des Konzentrationslagers dem sowjetischen Geheimdienst NKWD als Speziallager für kleine Nazis, aber auch für willkürlich Verhaftete und politisch Mißliebige. 60000 Menschen waren hier inhaftiert, mindestens 12000 von ihnen starben an Hunger und Krankheiten. Ein Gedenken an die KZ-Opfer am authentischen Ort war somit unmöglich. Folglich fanden Gedenkveranstaltungen außerhalb des Lagers, z.B. am Schloß Oranienburg, statt. 1950, mit der Übernahme des Geländes durch die Kasernierte Volkspolizei (KVP), begannen seine Verwahrlosung und Zerstörung. 1952/53 erfolgte die Sprengung der "Station Z" (Krematorium und Vernichtungsstätte) durch die KVP, die ausgerechnet in diesem Bereich einen "Schießgarten" plante. Der Bevölkerung dienten die Baracken als Bau- und Brennmaterial.«

Somit starben unter dem Sowjetregime in Friedenszeiten in Sachsenhausen 12.000 von 60.000 oder 20% der dort inhaftierten Deutschen. Während der nationalsozialistischen Herrschaft waren in siebeneinhalb Jahren - davon fünf Kriegsjahren - 21.200 Häftlinge umgekommen, was 16% der Internierten entspricht.

Abb. 4: Krematoriumsöfen des vormaligen KL Sachsenhausen

Die Zerstörung des Krematoriums seitens der Kasernierten Volkspolizei, die nicht ohne Befehl von oben erfolgen konnte, mutet mehr als befremdlich an, wenn man sich vor Augen hält, daß sich die DDR stets als Gralshüterin des "Antifaschismus" verstanden hat. Eine denkbare Erklärung wäre, daß im Krematorium von den NKWD-Agenten Gefangene ermordet worden waren und die DDR-Regierung später die Spuren dieser Missetaten verwischen wollte. 1961 wurde am Ort, wo das Krematorium gestanden hatte, ein Mahnmal errichtet, dessen Gedenktafel folgende Aufschrift trug (vgl. Abb. 5):

»"Station Z" Fundament des 1942 erbauten Krematoriums mit 4 Verbrennungsöfen, einer Gaskammer und Genickschußanlage.«

Nun ja, das Krematorium mitsamt seiner "Gaskammer" und seiner "Genickschußanlage" sind für immer verschwunden, aber schuld daran sind nicht die Nationalsozialisten!

10. Exkurs: Die Gaskammer von Mauthausen

In den vorhergehenden Abschnitten haben wir den Nachweis erbracht, daß die Gaskammer des KL Sachsenhausen eine Zyklon-B-Entwesungskammer mit angepaßter Degesch-Kreislaufanlage war. Daß sie sich im Krematorium befand, hatte keine sinistre Bedeutung, denn auch in Dachau wurden fünf Degesch-Kreislauf-Gaskammern des Standardmodells im gleichen Gebäude wie das Krematorium erbaut, und eine Vergasung von Häftlingen in diesen Kammern wird von niemandem geltend gemacht, vgl. Abb. 6.

Abb. 5: Gedenktafel in den Überresten des ehemaligen Hygienegebäudes des vormaligen KL Sachsenhausen.
(Oben Anklicken)

Abb. 6: 5 Degesch-Kreislauf-Entlausungskammern im
Hygienegebäude des vormaligen KL Dachau.

© Carlo Mattogno.

Die Sachsenhausener Entwesungskammer besaß zwei Türen, eine für die "unreine Seite", von der aus man das Begasungsgut hereinbrachte, sowie eine für die "reine Seite, von der man die entwesten Gegenstände herausholte.

Der im sowjetischen Bericht als Menschengaskammer bezeichnete Raum wies eine echte Wasserleitung mit sechs echten Duschen auf. Um ein Abfließen des Wassers zu ermöglichen, war auf dem Fußboden eine Rinne angebracht. Die Wände waren bis in eineinhalb Meter Höhe mit Kacheln bedeckt. Die Größe des Raums war recht gering: 2,75 m × 3 m = 8,25 m².

All dies findet sich mit verblüffender Ähnlichkeit in der angeblichen Menschentötungsgaskammer von Mauthausen wieder! Dieser Raum befindet sich neben dem Krematorium,[44] hat zwei gasdichte Türen, eine echte Wasserleitung mit sechzehn echten Duschen, eine Rinne zum Abfließen des Wassers, und die Wände sind bis in ca. anderthalb Meter Höhe mit Kacheln bedeckt. Auch dieser Raum ist ziemlich klein (3,59 m × 3,87 m = 13,98 m²); seine Höhe beträgt 2,42 m.[45] Ferner enthält er eine aus fünf horizontalen Röhren bestehende Heizungsvorrichtung (vgl. Abb. 7ff.).

Laut Hans Marsalek, dem offiziellen Mauthausen-Historiker, handelte es sich bei diesem Raum um eine Menschentötungsgaskammer, die auf ausgesprochen eigentümliche Weise funktionierte:[46]

»Am einer Wandseite, oberhalb der Fliesen, befand sich ein Heizkörper, weiters waren eine Beleuchtung, in einer der Plafonddecken eine elektrische Ventilation (5) und ein zirka 1 m langes emailliertes Rohr (6) vorhanden. Dieses Rohr hatte auf der Wandseite, nicht sichtbar, eine einen halben Zentimeter breite und 80 cm lange Schlitzöffnung und war mit dem in der Gaszelle (2) befindlichen Gaseinfüllungsgerät (3) verbunden. Alle Schalter (7) - für Licht, Wasserzufuhr und Ventilator - befanden sich außerhalb der Gaskammer (1). Auf einer Schaufel wurde der heiße Ziegelstein herangebracht und auf den Boden des Gaseinfüllungsgerätes gelegt. Nun schüttete der mit einer Gasmaske versehene SS-Mann aus der Dose das Zyklon-B-Gift auf den Ziegelstein. Sofort wurde der Behälter mit dem abgedichteten Deckel versehen und mittels zwei vorhandener Flügelschrauben luftdicht verschlossen. Die aufsteigende Wärme des erhitzten Ziegelsteines erwirkte die schnelle Entbindung des Giftes.«

Abb. 7-12: Detailaufnahmen des Duschraumes im KL Mauthausen, fälschlich als "Menschengaskammer" bezeichnet:
7: Eingang, 8, 10 & 11: Duschen & Heizung, 9: Abflußgully, 11: Entlüftungsöffnung, 12: Entlüftungskamin. (Zum Vergrößern anklicken) © Carlo Mattogno.

In einem anderen Buch schreibt derselbe Verfasser:[47]

»Befand sich genügend Gas in der Kammer, trat in etwa 10 bis 20 Minuten der Erstickungstod ein. [...]. Der gesamte Vorgang der Vergasung, von einer Gruppe mit etwa 30 Personen, beginnend mit der Entkleidung, der sogenannten ärztlichen Untersuchung, Ermordung, Entlüftung und Abtransport der Leichen, dauerte 1 1/2 bis 2 1/2 Stunden.«

Ein solches System wäre primitiv, gefährlich und ineffizient gewesen. Das Ausschütten einer Zyklon-B-Büchse auf einen erhitzten Ziegelstein im nahen Krematorium hätte sofort einen Schwaden von Zyanwasserstoffdämpfen erzeugt (so wie das Ausschütten von Wasser auf das heiße Gemäuer eines Ofens Dampfschwaden hervorruft), und die Dämpfe hätten sich im Keller des Krankenreviers verbreitet, wo es keine Ventilationsmöglichkeit gab.

Andererseits ist folgendes zu beachten: In den angeblichen Menschentötungsgaskammern der Krematorien von Birkenau sollen laut offizieller Geschichtsschreibung »nach einigen - höchstens 20 - Minuten, alle Opfer tot gewesen« sein.[48] Unter diesen Umständen begreift man nicht so richtig, warum in Mauthausen ein erhitzter Ziegelstein und ein Gaseinfüllgerät nötig waren, um so mehr, als der Raum heizbar war und die Heizung benutzt werden konnte, um die Verdampfung des Zyanwasserstoffgases zu beschleunigen.

Zu guter Letzt wäre zur wirksamen Lüftung der Gaskammer das Öffnen einer der beiden Türe oder gar beider erforderlich gewesen, weil die Entlüftung mittels Absaugen der Luft aus der »Gaszelle« durch das »Gaseinfüllungsgerät« und die 80 cm lange, aber nur einen halben Zentimeter breite »Schlitzöffnung« im Rohr viel zu lange gedauert hätte.

Und dieser ganze Aufwand soll betrieben worden sein, um dreißig Häftlinge zu vergasen, die man ungleich rascher und ohne jede Schwierigkeiten hätte erschießen können! Zudem begreift kein Mensch, weshalb man in einer Gaskammer eine funktionstüchtige Duschvorrichtung und eine Heizung hätte einrichten sollen. Die Geschichte ist oberfaul.

Schließlich ist noch folgender, scheinbar eigentümlicher Sachverhalt der Erwähnung wert: Auf keinem der offiziellen Pläne des KL Mauthausen erscheint eine Entwesungsanlage - kann man sich wirklich vorstellen, das Stammlager habe ohne eine dermaßen wichtige Einrichtung auskommen müssen und sei auf die entsprechende Anlage im Nebenlager Gusen angewiesen gewesen?[49]

Andererseits ist die Ähnlichkeit zwischen der Entwesungskammer von Sachsenhausen und der angeblichen Menschentötungsgaskammer von Mauthausen allzu frappierend, um bloßer Zufall sein zu können: Ganz offensichtlich handelte es sich in beiden Fällen um Räume, die vorher anderen Zwecken gedient hatten und dann in Räumlichkeiten mit Doppelfunktion als Entwesungskammer und Dusche umgewandelt worden waren. Die Kammer von Mauthausen war sicherlich mit einem modifizierten Degesch-Kreislaufsystem ausgestattet, das jenem von Sachsenhausen ähnelte. Die Vorrichtung zur Öffnung der Zyklon-B-Büchsen befand sich im angrenzenden Raum (heute »Gaszelle« genannt), und vor ihr, innerhalb des Raums, war auf dem Fußboden der Kreislaufventilator mit den entsprechenden Röhren installiert. Der Entlüftungsventilator befand sich in der gegenüberliegenden Ecke in der Decke, wo man noch heute seine durch einen runden Deckel verschlossene Öffnung erkennen kann, und war mit einem auf dem Dach des Raumes befindlichen Kamin verbunden, so daß das Cyanwasserstoffgas auf einer für Menschen ungefährlichen Höhe austraten (vgl. Abb. 11f.).

Es unterliegt somit keinem Zweifel, daß wir es auch hier mit einer Blausäure-Entwesungskammer samt Degesch-Kreislaufsystem zu tun haben.

Dies liefert eine einleuchtende Erklärung dafür, daß auf keinem bekannten Plan des KL Mauthausen eine Entwesungskammer verzeichnet ist und daß niemals ein Originalplan dieses Lagers veröffentlicht worden ist. Schließlich erklärt sich dadurch auch der Umstand, daß in den von Fred Leuchter entnommenen Mörtelproben aus diesem Lokal Zyanidkonzentrationen von maximal 32 mg/kg gemessen worden sind.[50] Dieser Wert ist genügend hoch, um zu belegen, daß in diesem Raum tatsächlich Blausäure zum Einsatz gelangt ist, doch liegt er weit unter den in den Bauwerken 5a und 5b von Birkenau ermittelten Werten, weil die Blausäure in Mauthausen mit Kreislaufsystem eingesetzt wurde.

Natürlich hätte auch diese Gaskammer zu Menschentötungszwecken mißbraucht werden können, doch wird in keiner Zeugenaussage das Kreislaufsystem beschrieben, das als einziges funktionstüchtig gewesen wäre.


Sachsenhausen - Workuta

Von Gerhart Schirmer

»Über den Bau einer Gaskammer und Erschießungs-Anlage [im KL Sachsenhausen] im Oktober/November 1945 durch acht Gefangene, unter denen auch ich war, liegt eine notariell beglaubigte Eidesstattliche Erklärung vor (Anlage 4). Kurz beschrieben war die »Gaskammer« eine Duschbaracke mit 25 Brauseköpfen an der Decke. Es sollte der Anschein erweckt werden, daß darin die Vergasung vorgenommen sei. Daran wurde von uns eine Extrakammer angebaut mit einem Durchbruch, vor dem der Deliquent saß mit dem Gesicht zur gegenüberliegenden Seite, um von hinten den Genickschuß zu empfangen. So jedenfalls mußte der Vorführer erzählen. Das war unser Fritz Dörrbeck, der als Dolmetscher dieses Theater spielen mußte, weil er - in Rußland geboren - perfekt russisch sprach. [...]

Nach der Rückkehr von Heimkehrern wurde ermittelt, daß gleichzeitig zu den Bauten von Vergasungs- bzw. Erschießungsanlagen in der Sowjetzone auch in den Westzonen nach Kriegsende solche Anlagen gebaut worden sind. Warum nun haben die Siegermächte diese Anlage etwa gleichzeitig in den von ihnen weitergeführten KZ einbauen lassen? Das mußte doch einen Sinn haben. Ich habe keinen anderen gefunden, als den, daß diese Siegermächte dem deutschen Volk eine weit überhöhte Zahl von Morden aufbürden wollten. Oder welche Erklärung gibt es sonst dafür? Hier will ich festhalten, unter welchen Mühen und Opfern diese oben genannten Zahlen festgehalten worden sind. [...]

Und warum ließen alliierte Sieger erst nach dem Kriege Gaskammern in den ehemaligen KLs einbauen? So unter anderem die Amerikaner in Dachau.

Hat dafür einer nur eine plausible Erklärung? Jedenfalls hatte ich persönlich das »Vergnügen«, im russischen Lager Oranienburg (Sachsenhausen) im November 1945 eine - bis dahin nicht vorhandene - Gaskammer und Erschießungsanlage mit anderen Häftlingen zusammen einzubauen (siehe Eidesstattliche Erklärung im Anhang 4).«


Das obige Zitat stammt von den Seiten 10, 13 und 37 der gleichnamigen, 1992 im Grabert Verlag, Tübingen, erschienenen Broschüre. Wegen dieser und ähnlicher Passagen wurde diese Veröffentlichung auf Beschluß des Amtsgerichts Tübingen (Az. 4 Gs 937/02) vom 21. 8. 2002 wegen »Volksverhetzung« eingezogen.

Dieser Akt behördlicher Willkür ist selbstverständlich schärfstens abzulehnen.

Es darf aber dennoch kritisch angemerkt werden, daß Schirmers Beschreibung bezüglich der Errichtung einer Gaskammer und Genickschußanlage im KL Sachsenhausen durch deutsche Kriegsgefangene nach Kriegsende sehr oberflächlich ist. Sie ähnelt in ihrer Flüchtigkeit den vielen Aussagen aus der Kriegszeit, die von der Errichtung solcher Anlagen durch die SS berichten, und ist daher aus den gleichen Gründen von ähnlicher Qualität und Glaubhaftigkeit. Schirmers auf seine angeblichen eigenen Erfahrungen aufbauende allgemeine Behauptung vom Bau ähnlicher Anlagen in anderen ehemaligen Lagern ist sodann ohne jeglichen Beleg und daher völlig wertlos. Am Ende dieser Broschüre druckte Schirmer einen Brief des seinerzeitigen Bundestagsabgeordneten Peter Petersen ab, der gut zusammenfaßt, was Schirmer hätte tun sollen, wenn seine Aussage irgendeinen Sinn ergeben sollte:

»Sie müssen bitte ausführlicher schildern, wie das war mit den Vergasungsanlagen, die Sie aufzubauen hatten. Ich würde vorschlagen, daß Sie das so wie einen Erlebnisbericht machen. Sie wurden also verhaftet, in ein von Hitler gebautes KZ nach Oranienburg gebracht und mußten dort so und soviel Stunden am Tag oder unter solchen und solchen Bedingungen arbeiten und dann mußten Sie offenbar irgendwelche Gestelle aufbauen. Woher wissen Sie, daß das Vergasungsanlagen waren? Haben Sie sich darüber mit Ihren Kameraden unterhalten? Sie merken, worauf ich hinaus will. Dann schildern Sie, daß Sie nach '56 "stellte ich fest..." Wie haben Sie das festgestellt, daß zur gleichen Zeit in allen KZs des Reichsgebietes diese Anlagen von deutschen Gefangenen eingebaut wurden? Wer hat Ihnen das erzählt?« (S. 63)

Schon mehrfach wurden Revisionisten durch Kriegsveteranen mit ähnlichen Aussagen konfrontiert. Die meisten berichteten vom Hörensagen, und wenn doch einmal einer aus angeblich eigenem Erleben berichtete, so war er entweder nicht in der Lage, genauere Angaben zu machen, oder die gemachten Angaben ließen sich oft durch dokumentarische Belege und sachliche Einwände widerlegen. Es geschieht sogar bisweilen, daß der Versuch, solche Aussagen kritisch zu hinterfragen, von den Zeitzeugen als Affront empfunden wird, da diese verlangen, man müsse ihnen unkritisch glauben. Insofern unterscheiden sich "entlastende" Aussagen deutscher Kriegsveteranen im Prinzip nicht von "belastenden" Aussagen: Sie sind in der Regel von äußerst geringem Beweiswert. So leider auch die von Gerhart Schirmer. Als Mitmensch bin ich zwar durchaus geneigt zu glauben, als Wissenschaftler aber muß ich auf Beweise bestehen. Anders kann man Ungläubige nicht überzeugen.

Germar Rudolf


Anmerkungen

Aus dem Italienischen übersetzt von Jürgen Graf.

[1]Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem internationalen Militärgerichtshof. Nürnberg 1947, Bd. VII, p. 644.
[2]Erklärung P. Waldmanns vom 20. Juni 1945. GARF (Gosudarstwenny Arkhiv Rossiskoi Federatsii, Staatliches Archiv der Russischen Föderation), Moskau, 7021-104-8, S. 24a (S. 6 der Erklärung).
[3]GARF, 7021-104-2, pp. 52-55.
[4]J. Graf und C. Mattogno, KL Majdanek. Eine historische und technische Studie. Castle Hill Publishers, Hastings 1998, S. 48. Z. Leszczyńska, »Transporty więźniów do obozu Majdanku«, in: Zeszyty Majdanka, IV, 1969, S. 207.
[5]GARF, 7021-104-4, S. 39.
[6]Gesamtzahl falsch errechnet: (13.100 + 1.525 - 996 =) 13.629.
[7]Gesamtzahl falsch errechnet: (11.294 + 444 - 1.230 =) 10.508.
[8]GARF, 7021-104-4, S. 50.
[9]Gesamtzahl falsch berechnet: (10.868 + 900 - 284 =) 11.484.
[10]Gesamtzahl falsch berechnet: (11.132 + 485 - 521 =) 11.096.
[11]Gesamtzahl falsch berechnet: (10.532 + 2.777 - 3.034 =) 10.275.
[12]GARF, 7021-104-4, S. 58.
[13]GARF, 7021-104-4, S. 65.
[14]Gesamtzahl falsch errechnet: (24.670 + 684 - 527 =) 24.827.
[15]Gesamtzahl falsch errechnet: (28.220 + 1.259 - 1.264 =) 28.215
[16]GARF, 7021-104-4, S. 73.
[17]Gesamtzahl falsch errechnet: (29.880 + 922 - 1.329 =) 29.473
[18]Gesamtzahl falsch errechnet: (44.742 + 5.428 - 2.476 =) 47.694
[19]GARF, 7021-104-4, S. 81.
[20]Gesamtzahl falsch errechnet: (58.147 + 945 - 11.708 =) 47.384
[21]Gesamtzahl falsch errechnet: (37.883 + 3.539 - 6.491 =) 34.931
[22]Gesamtzahl falsch errechnet: (34.873 + 840 - 1.198 =) 34.515.
[23]H. Jäckel, P. Longerich, J.H. Schoeps (Hg.), Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. Argon Verlag, Berlin 1993, Bd. 3, S. 1270-1271.
[24]Leni Yahil äußert sich vorsichtiger; er schreibt, 1938 seien 300 Juden umgekommen (»perished«). L. Yahil, Jews in Concentration Camps in Germany prior to World War II, in: The Nazi Concentration Camps. Yad Vashem , Jerusalem 1984, S. 94.
[25]Winfried Meyer, »Britischer oder sowjetischer Sachsenhausen-Prozeß?«, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Nr. 45 (1997), S. 987.
[26]Enzyklopädie des Holocaust, aaO. (Anm. 1), S. 1270.
[27]Genauer gesagt, laut einem Teil der orthodoxen "Holocaust"-Historiker. Raul Hilberg spricht in seinem Standardwerk Die Vernichtung der europäischen Juden nirgends von Menschenvergasungen in Sachsenhausen; Anmerkung des Übersetzers.
[28]Enzyklopädie des Holocaust, aaO. (Anm. 1), S, 1270.
[29]Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas. Eine Dokumentation. Herausgegeben von Eugen Kogon, Hermann Langbein, Adalbert Rückerl u.a., Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 1983, S. 254.
[30]GARF, 7021-104-4, S. 149f.
[31]Ebenda. S. 255.
[32]Ebenda, S. 322.
[33]Das KL Sachsenhausen unterstand der Bauinspektion der Waffen-SS und Polizei Reich Nord, die drei Zentralbauleitungen (Berlin, Ravensbrück und Goslar) sowie 11 Bauleitungen umfaßte, darunter eben jene von Sachsenhausen.
[34]Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, aaO. (Anm. 7), S. 255.
[35]Ebenda, S. 322, S. 257.
[36]GARF, 7021-104-3, S. 2-4.
[37]GARF, 7021-104-3, S. 7: Plan des Krematoriums von Sachsenhausen. Sowjetische Zeichnung (Juni 1945), dort Nr. 2. Dieses Dokument ist von so schlechter Qualität, daß wir es hier nicht reproduzieren können. Es wird im Internet ausgehängt werden.
[38]G. Peters, Blausäure zur Schädlingsbekämpfung. Sammlung chemischer und chemisch-technischer Vorträge. Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart, 1933, S. 57.
[39]GARF, 7021-104-3, S. 23.
[40]Ludwig Gaßner, »Verkehrshygiene und Schädlingsbekämpfung«, Gesundheits-Ingenieur, 66(15) (1943), S. 174ff.
[41]Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, aaO. (Anm. 7), S. 256.
[42]GARF, 7021-104-3, pp. 5-6.
[43]www.members.aol.com/PetGroth/Seite02htm
[44]Dieser Raum befindet sich wie der Topf-Zweimuffelofen im Keller des Krankenreviers.
[45]Vom Verfasser dieses Artikels an Ort und Stelle vorgenommene Messung.
[46]H. Marsalek, Die Vergasungsaktionen im Konzentrationslager Mauthausen. Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen, Wien 1988, S. 10.
[47]H. Marsalek, Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Dokumentation. Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen, Wien 1980, S. 211.
[48]F. Piper, Gas Chambers and Crematoria, in: Y. Gutman und M. Berenbaum Editors, Anatomy of the Auschwitz Death Camp. Indiana University Press, Bloomington and Indianapolis 1994, S. 170.
[49]In Gusen gab es eine Zyklon-B-Entwesungskammer mit Saugventilator.
[50]Der zweite Leuchter Report. Dachau, Mauthausen, Hartheim. Samisdat Pub., Hamilton, Ontario, 1989, S. 3

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(2) (2003), S. 173-185.


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