Bücherschau

Der Terror begann nicht erst unter Stalin

Von Thomas Dunskus

Johannes Rogalla von Bieberstein, Jüdischer Bolschewismus. Mythos und Realität, Edition Antaios, Dresden 2002, 312, €29.-

»Es gibt kaum einen wichtigeren und folgenreicheren Mythos als den von dem "jüdischen Bolschewismus"«

Prof. Dr. Ernst Nolte, Vorwort

Mit seinem Buch über die weltweite Verwicklung jüdischer Kreise in den Aufbau des Bolschewismus hat der Verfasser mutig ein sehr brisantes Thema behandelt, dem man allzu lange ausgewichen ist, insbesondere in Deutschland. Der Autor legt mit Gelassenheit und Akribie den Umfang dieser Verwicklung dar, sowie die Gründe, die eine große Zahl von Juden, insbesondere in Osteuropa, zu einem aktiven Engagement an Lenins Seite veranlaßt haben – häufig unter kompletter Aufgabe ihrer eigenen religiösen oder ethnischen Bindungen.

Die Forschungsarbeit des Verfassers stellt uns deutlich vor Augen, was für eine ungeheure Bedrohung der Bolschewismus von Anfang an für die traditionelle westliche Kultur (und nicht nur für diese) gewesen ist, und was für grauenhafte Taten den Aufbau des Sowjetkommunismus in den 20er und 30er Jahren begleitet haben. Man erkennt, warum die europäischen Völker in ihrer Mehrheit diese Entwicklungen als etwas Entsetzliches angesehen haben und aus der Angst heraus, solche Ereignisse könnten weiter um sich greifen, die von rechts kommenden Gegenbewegungen unterstützt haben.

Die im sog. Historikerstreit aufgeworfene Frage, ob Hitler ohne den Bolschewismus denkbar wäre, ist ohne Bedeutung für die Beurteilung der Entscheidung weiter Teile des deutschen Volkes (und anderer Völker), sich dem Bolschewismus entgegenzustellen – die Menschen hatten einfach Angst vor dieser roten Lawine, deren Komponenten der Verfasser sehr genau beschreibt.

Das Buch unterstreicht, daß die anfangs äußerst starke Beteiligung osteuropäischer Juden am Aufbau des Bolschewismus im wesentlichen auf die traumatischen Erlebnisse vieler von ihnen zurückzuführen ist, auf die Pogrome unter denen sie zu leiden hatten – in Kischinew waren, wie der Verfasser darlegt, 45 Juden erschlagen worden – und allgemein auf die Beschränkungen, unter denen sie, vor allem in Rußland, leben mußten. Diese Gründe sind durchaus verständlich, jedoch fragt sich der Leser, wie diese Aktivisten dann zum Zwecke der Vermeidung neuerlicher Pogrome die Ermordung von Millionen Menschen nicht nur als "collateral damage" billigend in Kauf nehmen, sondern solche Schreckenstaten ganz bewußt in ihr Programm einbauen und durchführen konnten. Fernziel solcher Verbrechen war die Einführung eines wirtschaftlichen Systems, das Salcia Landmann als »das dümmste ökonomische Konzept der Welt« bezeichnet hat; mit ihm sollten alle Übel der Welt gelöst werden.

Angesichts der vom Verfasser aufgezeigten starken jüdischen Präsenz in den wichtigen Gremien der bolschewistischen Bewegung von der Gründungszeit bis zu Stalins Richtungswechsel in den 30er Jahren muß man auch die Argumentation von sich weisen, daß die Verbrechen des Bolschewismus erst dem zunehmenden Einfluß Stalins zuzuschreiben sind. Die Ausführungen des Verfassers erwähnen keinen Versuch damaliger jüdischer Aktivisten, in irgendeiner Weise mäßigend auf die Politik der Bolschewisten einzuwirken, im Gegenteil: die messianischen Ideen, die sie offenbar als Restbestand ihres religiösen Hintergrunds in die Bewegung eingebracht hatten, lieferten ihnen die Rechtfertigung des von ihnen selbst ausgeübten Terrors.

Als Hitler 1933 Konzentrationslager für seine politischen Gegner einrichtete, brandete ihm aus aller Welt wütender Haß entgegen, obwohl sich die Ansicht vertreten läßt, daß jedenfalls bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs die Zahl seiner politischen Opfer nur ein verschwindend winziger Bruchteil der in den ersten Jahren nach der Oktoberrevolution ermordeten russischen Menschen betrug; mit den Morden in der Sowjetunion hatte man sich damals offenbar schon abgefunden. Man kann daraus nur schließen, daß für die moralische Beurteilung von politischen Mordaktionen die Zahl der Opfer keine Rolle zu spielen scheint und daß nur die Art der Opfer und die Gründe für ihre Tötung von Bedeutung sind.

Es ist immer wieder erstaunlich, in diesem Buch zu lesen, wie die Apostel einer bolschewistischen Weltordnung, ob sie nun Lukácz oder Bloch hießen, in ihren jüngeren Jahren eine "neue Weltordnung" nur durch Gewalt herbeiführen wollten (Lukácz) oder Deutschland 1918 als »eine einzige finstere Todesmaschine, in der der Satan haust« bezeichneten (Bloch), jedoch in späteren Jahren zu angesehenen Akademikern heranwuchsen, denen niemand aus solchen Äußerungen einen Vorwurf machen wollte. Auch der berühmte Lew Kopelew sagte später von seinem früheren Ziel, dem Weltkommunismus:

»um seinetwillen kann man und muß man lügen, rauben, Hunderttausende, ja Millionen von Menschen vernichten – die Begriffe Gut und Böse, Menschlichkeit und Unmenschlichkeit waren für uns hohle Abstraktionen.«

Die vom Autor geschilderten politischen Zustände in den 20er und 30er Jahren, die von sowjetischer Seite angezettelten Bürgerkriegsaktionen in den verschiedensten Teilen Europas und die Akteure jener Epoche sind heute aus unserer geschichtlichen Erinnerung verschwunden, obwohl sie für die Beurteilung der späteren Jahre von entscheidender Bedeutung sind. Das Buch von Johannes Rogalla von Bieberstein sollte uns helfen, unser historisches Verständnis der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts in ein besseres Gleichgewicht zu bringen.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(3&4) (2003), S. 450f.


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