Aus der Forschung

Erpreßte Geständnisse: Warum Unschuldige einen Mord gestehen

Von Manfred Köhler

Über die vergangenen sieben Jahre haben die Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung in einer Reihe von Beiträgen die Frage behandelt, wie es erklärt werden kann, daß viele Zeugen des sogenannten "Holocaust" von Ereignissen berichten, die entweder nicht so wie beschrieben oder überhaupt nicht stattfanden.[1]

Vom psychologischen Standpunkt des Versuchs aus betrachtet, revisionistische Ansichten dem Mann auf der Straße verständlich zu machen, ist es aber weitaus wichtiger zu erklären, wie Angeklagte, denen vorgeworfen wurde - ob vor Gericht oder nur in den Medien -, an bestimmten Verbrechen teilgenommen bzw. ihnen gleichgültig gegenübergestanden zu haben, ihre Schuld zugeben konnten, obwohl gezeigt werden kann, daß diese Angeklagten unschuldig sind - und zwar mitunter im radikalsten Sinne, da die vorgeworfenen Verbrechen überhaupt nicht stattfanden.

In meiner Analyse »Der Wert von Zeugenaussagen und Geständnissen zum Holocaust«[2] beschrieb ich mehrere Faktoren, die einen Angeklagten entgegen seiner eigenen Erinnerung dazu bringen können zu glauben, daß er eines Verbrechens schuldig ist, welches er gar nicht beging bzw. das überhaupt gar nicht stattfand. Folterungen dritten Grades, also das Zufügen körperlicher Schmerzen, ist dabei nur eine mögliche Methode. Obwohl derartige Foltern mit Bestimmtheit bei Vernehmungen von Angeklagten in den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges angewandt wurden - Rudolf Höß[3] und die berüchtigten Dachauer Schauprozesse[4] sind hierunter die bekanntesten Beispiele -, ist der Auffassung von Arthur Butz'[5] zuzustimmen, daß physische Gewalt kaum in der Lage ist, die Ansichten und Einstellungen eines Angeklagten dauerhaft zu ändern. Er mag zwar unter dem Eindruck der Folter ein Geständnis unterzeichnen, allerdings ist es nicht wahrscheinlich, daß er es auch dann noch stützt, sobald er sich außerhalb der Reichweite seiner Folterer befindet.

Wesentlich effektiver sind verschiedene Gehirnwäsche-Techniken - oftmals auch als Folter zweiten Grades bezeichnet -, die das Gedächtnis und die Einstellung eines Angeklagten ändern. Falls einem derart Gefolterten keine psychologische Behandlung zugute kommt, kann eine solche Folter durchaus dramatische Langzeiteffekte aufzeigen. Das folgende, einem US-Medienbericht entnommene Beispiel macht deutlich, daß derartige Techniken recht häufig angewandt werden und recht wenig mit hochentwickelten psychologischen Techniken oder mit Psychopharmaka zu tun haben - ganz im Gegensatz zu herkömmlichen Ansichten. Um einen Angeklagten einer solchen Folter zweiten Grades zu unterziehen, muß man nichts weiter tun, als ihn für eine längere Zeit von der Umwelt zu isolieren, ihn unter starken emotionalen Streß zu setzen und ihn wiederholt mit jener Geschichte zu konfrontieren, die er als wahr zu bestätigen hat.

Wenn man sich die Lage aller Angeklagten vergegenwärtigt, die in Gerichtsverfahren wegen sogenannter nationalsozialistischer Gewalttaten verwickelt waren, dann erkennt man leicht, daß die Situation der Angeklagten in diesen Fällen so extrem war, wie sie überhaupt nur sein konnte, und zwar sowohl während der Verfahren in Dachau, Nürnberg, Krakau und anderswo in den Jahren 1945-1948 als auch in den nach 1949 durchgeführten Verfahren, sei es in West-Deutschland oder gegen Eichmann und Demjanjuk in Jerusalem: Alle Angeklagten wurden schon Jahre vor Beginn der Hauptverhandlung eingesperrt. Sie waren über mehrere Jahre hinweg massiven Anschuldigungen über ihre Verwicklung in die grausamsten Verbrechen ausgesetzt, hatten die Zerstörung ihres Lebens vor Augen, und zwar entweder im physischen Sinne durch die Todesstrafe oder doch im sozialen Sinne durch hohe Freiheitsstrafen, und sie hörten "Holocaust"-Geschichten von Staatsanwälten, Polizeibeamten, Zeugen, den Medien und manchmal sogar von ihren eigenen Strafverteidigern. Es hätte außerordentlich starker Willenskraft und psychologischer Widerstandskraft bedurft, um solch einem enormen bewußtseinsverformenden Druck standzuhalten.

Die meisten Angeklagten waren freilich nicht so stark. Eichmann zum Beispiel brach völlig zusammen. Andere, wie die meisten Angeklagten in den Verfahren um Auschwitz, Treblinka und Majdanek, wagten es nicht bzw. konnten sich nicht vorstellen, die allgemeine Geschichte infrage zu stellen, sondern versuchten lediglich, ihre eigene Haut so gut wie möglich zu retten, was ja auch objektiv gesehen die einzig realistische Verteidigungsstrategie war, da das Infragestellen der gesamten "Holocaust"-Geschichte den Zorn der gesamten Welt auf die Angeklagten und - was noch wichtig und auch effektiver ist - auf deren Strafverteidiger herniedergebracht hätte.[6]

Die Lektüre der nachfolgenden Geschichte aus dem alltäglichen Leben in den USA sollte jeden Leser nachdenklich machen, bevor er die Geständnisse von Angeklagten in "Nazi"-Verfahren unkritisch hinnimmt.

 

In einer Aprilnacht des Jahres 1993 schnitt irgend jemand die Kehlen von Gary Gaugers Eltern auf, die auf einem Bauernhof nahe der Stadt Richmond in Illinois lebten. Es war für Gauger schlimm genug, vom gewaltsamen Tod seiner Eltern zu erfahren, aber wie sich herausstellen sollte, war dies erst der Anfang seines allzu realen Alptraums.

Gauger teilte der Polizei mit, daß er auf dem Gut seiner Eltern schlief, als seine Eltern, Morris, 74, und Ruth, 70, ermordet wurden. Aber die Polizei kaufte ihm dies nicht ab und brachten in deshalb zum Verhör ins Revier. Nach 21 Stunden ununterbrochenen Verhörs brach Gauger zusammen und gestand eine Tat, die er nicht begangen hatte.

Obwohl die Polizei keine materiellen Beweise gegen ihn hatte, reichte den Schöffen das Geständnis, um ihn wegen Doppelmordes zu verurteilen. Er wurde zum Tode verurteilt.

Zwei Jahre später wurde in einem anderen Untersuchungsfall ein Telefongespräch aufgenommen, bei dem ein Mitglied einer Motorrad-Bande gegenüber einem anderen Mitglied mit dem Mord an den Gaugers prahlte. Die Bandenmitglieder wurden später wegen Mordes und anderer Verbrechen verurteilt, und Gauger wurde 1996 aus der Haft entlassen, nachdem er drei Jahre unschuldig hinter Gittern gesessen hatte.

Jedes Jahr werden Tausende von Kriminellen auf Grundlage von Geständnissen verurteilt, die sie während Polizeiverhören abgelegt haben. Laut Experten sind die Verhörmethoden der Untersuchungsbeamten so effektiv, daß sie auch den hartgesottensten Kriminellen kleinkriegen können - und sogar Menschen, die völlig unschuldig sind. Experten sind der Ansicht, daß es Hunderte von Fällen gibt, wo unschuldige Angeklagte bei Verhören zusammenbrachen und Verbrechen gestanden, die sie gar nicht begangen haben.

Rich Fallin, früher ein Polizeibeamter in Maryland mit Spezialisierung auf Verhöre, meint dazu:

»Man nimmt sich jemanden vor, der verletzlich ist, wie ein trauerndes Familienmitglied oder jemand, der nicht gewohnt ist, mit der Polizei umzugehen. Wenn man ihn lange genug verhört, so wird er wahrscheinlich gestehen.«

Im Glauben, daß die Polizei die Wahrheit sagt...

Während seines Verhörs sagte Gauger, er habe anfänglich jede Teilnahme an den Morden abgestritten. Aber die Polizei habe ihm suggeriert, sie habe Beweise gegen ihn. Er nahm irrtümlich an, daß die Polizei ihn nicht anlügen würde, eine Annahme, die laut Experten oft von Personen gemacht wird, die von der Polizei verhört werden. Gauger hat nie einen Anwalt gefordert, da er meinte, er habe nichts zu verbergen. Er führte aus:

»Sie sagten mir, sie hätten auf Kleidern in meinem Zimmer Blut gefunden; sie hätten ein blutverschmiertes Messer in meiner Tasche gefunden.«

Um etwa ein Uhr nachts, meinte Gauger, sei das Verhör ins Häßliche umgeschlagen. Die Polizei habe ihm grausame Tatortszenen mit Bildern seiner toten Eltern gezeigt, was ihn emotional in einen freien Fall versetzt habe. Der kombinierte Effekt des Verlusts seiner Eltern zusammen mit der wiederholten Anschuldigung durch die Polizei, daß er ein Lügner und Mörder sei, war schließlich zu viel für ihn. Er sagte:

»Ich war emotional ausgelaugt, wollte Hilfe von diesen Menschen bekommen. Sie hört nicht auf mich zu verhören. Ich war erschöpft. Ich gab auf.«

Obwohl sich Gauger nicht an ein Verbrechen erinnern konnte, glaubte er schließlich selbst, was ihm die Polizei erzählte. »Ich dachte, ich müßte es in einer At Blackout getan haben,« meinte er.

Nichts von dem, was Gauger beschreibt, überrascht Fallin. »Sie werden für ungezählte Stunden in einem Verhörzimmer festgehalten, in einem kalten Raum mit wenigen Kleidern an,« sagt er und fügt hinzu, daß den Verhörten oftmals weder etwas zu Trinken noch zu Essen angeboten wird oder gar erlaubt wird, während des Verhörs auf die Toilette zu gehen.

Die Kriminalbeamten, die Gauger verhört hatten, weigerten sich, sich einem Interview für die Nachrichtensendung des US-Fernsehsender ABC zu stellen, aber ihr Anwalt in der anhängigen Zivilklage Gaugers bestreitet, daß die Beamten gelogen hätten. »Ich glaube, daß die Umstände des Verhörs von Gary Gauger völlig angebracht gewesen sind,« sagte Jim Sotos, der Verteidiger der verhörenden Beamten, die immer noch versuchen, Zweifel an Gaugers Unschuld zu säen, obwohl inzwischen ein anderer Mann wegen dieses Verbrechens im Gefängnis sitzt.

Psychologische Kriegführung

Allen Chestnet meint, auch er sei Opfer eines "harten Verhörs" geworden. Im Mai 1998 schnitt sich der damals 16-jährige zurückgebliebene junge Mann in die Hand. Als er mit dieser Schnittwunde auf seiner Veranda saß, wurde er von einem Reporter gesehen, der gerade in Chestnets Nachbarschaft einen Mord recherchierte. Als er das Blut an Chestnets Hand bemerkte, benachrichtigte er die Polizei.

Chestnet, der kein Vorstrafenregister hat, wurde verhaftet und über Stunden verhört. Er führte aus, die Polizei habe während des Verhörs keinerlei Zweifel an seiner Schuld gehabt.

»Sie sprachen im Stil "Ich weiß, daß du es warst, warum lügst du mich also an?"« meint Chestnet. »Sie habe mich so aufgeregt, daß ich nicht mehr klar dachte.«

Stundenlang hätten ihm die Vernehmungsbeamten eingeredet, er sei ein Mörder, und meinten, sein Leugnen seien Lügen, die ihn nur noch tiefer hineinreiten würden. Er meint, er habe verzweifelt versucht, die Beamten milde zu stimmen, die ihm einen einfachen Ausweg zeigten: durch ein Geständnis.

Sogar nachdem die Behörden ermittelt hatten, daß Chestnets DNS nicht mit jener übereinstimmt, die am Tatort gefunden worden war, wurde er noch bis zum November 1998 in Haft gehalten, wo er, so führt er aus, mit Messern angegriffen und zweimal von Mithäftlingen vergewaltigt worden sei. Die Behörden behaupten, sie hätten Anlaß zu dem Verdacht gehabt, er sei in den Mord verwickelt gewesen.

Chestnet gibt an, bis heute Angst vor der Polizei zu haben. Er hat die Behörden wegen Freiheitsberaubung verklagt.

Sowohl im Fall Chestnet wie auch im Fall Gauger weigerte sich die Polizei anfänglich zuzugeben, daß sie die Geständnisse von den unschuldigen Angeklagten erzwungen hatte, und zwar trotz klarer Entlastungsbeweise. Diese Verhaltensweise ist laut Fallin unter Verhörern recht üblich:

»Einige der Polizisten sind Hitzköpfe. Einige von ihnen halten sich für so gut, daß sie von jedem ein Geständnis erhalten können. Keiner sagt ihnen, was sie zu tun haben oder wie sie es zu tun haben.«

»Sie haben mich kleingekriegt «

In Raymond Woods Fall hatten die Kriminalbeamten in Maine nicht mehr gegen ihn vorliegen als den Verdacht, er habe seine Freundin mit seinem Auto überfahren. Aber die Beamten setzten ihn massiv unter Druck, um ihn zu einem Geständnis zu verhelfen.

Während eines Streites mit seiner Freundin Bessie Selek war es Wood zu viel geworden, so daß er in sein Auto stieg und zu einem Geschäft fuhr. Laut Zeugen habe Bessie kurz danach mit einem Alkoholpegel von 2.8 Promille ihre Wohnung verlassen. Sie ging in die entgegengesetzte Richtung entlang einer langen, dunklen Straße. Dort wurde sie von einem Auto überfahren und getötet.

Raymond Woods Verhör
wurde aufgenommen

»Du hast keine Ahnung, wie viele Beweise wir gegen Dich haben, Raymond, hörst du mich?,« sagte einer der Polizisten während des Verhörs, das auf Video aufgenommen worden war.

Tatsächlich sahen Zeugen einen Lieferwagen mit einem zerstörten Scheinwerfer vom Tatort wegrasen. Die Scheinwerfer an Woods Lieferwagen waren jedoch intakt. Zudem paßte der am Tatort gefundene Insektenfänger nicht zu dem Lieferwagen, den Wood fuhr.

Wood bestritt wiederholt, am Tod seiner Freundin beteiligt gewesen zu sein, durch setzte in die Polizei so sehr unter Druck, daß es ihm zuviel wurde. Nach sechs Stunden Polizeigewahrsam gab er auf:

»Sie haben mich sprichwörtlich kleingekriegt. Ich wurde durch diese Leute einer emotionalen Folter unterzogen. Sie überzeugten mich, daß ich tat, was ich nicht getan hatte.«

Nachdem der Richter in diesem Fall das Video des Verhörs gesehen hatte, lehnte er Woods Geständnis als Beweis ab, und die Staatsanwaltschaft zog die Anklage zurück, allerdings erst, nachdem Wood bereits ein Jahr im Gefängnis verbracht hatte. Mit Bezug auf die laufenden Ermittlungen im Mordfall von Bessie Selek verweigerte die Polizei ein Interview. In einer Erklärung hieß es jedoch, man stehe zu seinen Beamten.

Obwohl Wood nun auf freiem Fuß ist, meint er, es sei so lange nicht vorbei, bis er von der Polizei eine Entschuldigung erhalten habe.

»Es würde sie von ihrem gottgleichen Podest herunterholen, daß sie keine Fehler machen können,« meint Wood, der eine Entschuldigung finanzieller Wiedergutmachung vorziehen würde.

»Das würde sie wieder menschlich machen.«

ABC News, 15.3.2003


Anmerkungen

[1]Vgl. VffG 1/97, S. 41f.; 2/97, S. 75; 3/97, S. 139; 3/98; S. 214; 2/01, S. 223; 3/01, S. 338.
[2]In Germar Rudolf (Hg.) Dissecting the Holocaust, Theses & Dissertations Press, Chicago, IL, 2003, S. 85-131.
[3]Ebd., S. 96
[4]Ebd., S. 92ff.
[5]Arthur R. Butz, The Hoax of the Twentieth Century, 3. Aufl., Theses & Dissertations Press, Chicago, IL, 2003, S. 235f.
[6]Der einzige Verteidiger, der je während der Verteidigung eines angeblichen "Täters" zumindest ein wenig in diese Richtung ging, indem er die Zeugenaussagen zumindest im allgemeinen hinterfrug, war der Strafverteidiger Ludwig Böck während des Majdanek-Verfahrens, und dafür bekam er anschließend den Zorn der Öffentlichkeit zu spüren, vgl. M. Köhler, aaO. (Anm. 1), S. 109f. Heute ist es in Deutschland sogar für Strafverteidiger verboten, den "Holocaust" als solches zu hinterfragen, vgl. ebd., S. 110.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(3&4) (2003), S. 461-463.


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