Flammen und Rauch aus Krematoriumskaminen

Optische Erscheinungen laufender Kremierungen in Konzentrationslagern des 3. Reiches

Von Carlo Mattogno

1. Das Problem der flammenschlagenden Kamine

Etliche Zeugen berichten von Flammen, die aus den Mündungen von Krematoriumskaminen hervorgeschossen seien. Technisch gesehen läßt sich das Problem so formulieren: Konnte die in den Rauchleitungen stattfindende Verbrennung der noch unverbrannten Gase auch außerhalb des Kamins stattfinden und so das Phänomen der flammenschlagenden Kamine erzeugen? Untersuchen wir diese Frage im Zusammenhang mit den Krematorien II und III, wo die kürzesten Rauchkanäle jene des dritten sowie des vierten Ofens waren.

Diese Rauchkanäle hatten eine Querschnittsfläche von 0,42 m2 (0,6 × 0,7 m) und wiesen eine Länge von ca. 6,5 bzw. 10,5 m auf; beide mündeten in die Leitung des zentralen Sauggebläses, welches ca. 2 m lang und 0,8 m hoch war sowie eine Querschnittsfläche von 1,2 m2 aufwies. Die kürzere Leitung besaß somit eine mittlere Querschnittsfläche von 0,46 m2 und eine Gesamtlänge von 24 m, einschließlich des Heizzuges im Schornstein.

Die Geschwindigkeit der Verbrennungsgase in einem Kamin variiert je nach Quadratwurzel des Saugzugs; bei Krematorien mit koksgeheizten Öfen lag sie bei ungefähr 3 m/s;[1] bei industriellen Verbrennungsanlagen belief sich die Rauchgeschwindigkeit auf 3 bis 4 m/s.[2] Auch wenn man den höheren Wert ansetzt, ergibt sich, daß die Verbrennungsgase in der kürzeren Rauchleitung und dem entsprechenden Heizzug 24/4 = 6 Sekunden bleiben.

In den modernen Anlagen zur Verbrennung von städtischem Müll wird davon ausgegangen, daß die Verbrennungsgase wenigstens zwei Sekunden in einer auf 950°C erhitzten Nachverbrennungskammer bleiben;[3] in den von der Schweizer Firma Boveri Brown Cie. (BBC) erbauten zeitgenössischen Krematoriumsöfen mit elektrischer Heizung wird die Nachverbrennung der Verbrennungsgase durch Abgangskanäle gewährleistet, in denen die Verbrennungsgase 1,3 bis 2,3 Sekunden bleiben.[4] Folglich blieb der Rauch in den Krematorien II und III von Birkenau ungefähr dreimal länger in der kürzeren Rauchleitung und dem entsprechenden Heizzuge, als zu seiner vollständigen Verbrennung nötig war. Die Schlußfolgerung lautet, daß es dort keine flammenschlagenden Kamine geben konnte.

1.1. Experiment mit einem flammenschlagenden Kamin

Um die Richtigkeit dieser Schlußfolgerung zu überprüfen, habe ich einige Verbrennungsversuche mit Tierfett in einem Feldofen durchgeführt, bei denen Flammen aus dem Kamin schossen. Die Anlage war mit zwei Rosten versehen, einem unteren für das Holz und einem oberen für das Fett. Auf den oberen Rost stellte ich ein Aluminiumgefäß von 33 cm × 25 cm × 5 cm Größe mit 400 Gramm Schmalz (Schweinefett). Anschließend zündete ich das Holz auf dem unteren Rost an.[5]

Nachdem sich das Fett verflüssigt hatte, begann es zu sieden, und seine Dämpfe fingen sogleich Feuer. Die Flammen züngelten bald einige Zentimeter über dem siedenden Fett, das deutlich sichtbar blieb (siehe Fotos 1 und 2). Während der intensivsten Phase der Verbrennung schossen die Flammen aus dem Kamin und erreichten eine Höhe von ca. anderthalb Meter über der Öffnung des Kamins sowie von weiteren zwei Metern über dem Gefäß mit dem siedenden Fett (siehe Fotografien 3 und 4). Die Verbrennung nahm rund fünf Minuten in Anspruch.

Dieses Phänomen läßt sich wie folgt erklären: die Aufstiegsgeschwindigkeit der Verbrennungsgase, die sich aus der Zersetzung des Fetts entwickelten, wurde höher als ihre Verbrennungsgeschwindigkeit, so daß diese Gase weniger lang in der Brennkammer blieben, als zu ihrer vollkommenen Verbrennung notwendig gewesen wäre. Diese erfolgte dann außerhalb der Brennkammer, ja außerhalb des Kamins.

Zwecks experimenteller Überprüfung dieser Erklärung führte ich zwei weitere Experimente durch.

1.2. Verbrennungsexperiment mit Tierfett in einer Brennkammer mit kurzem Kamin (10. Januar 1995).

Das Experiment wurde in einem Feldofen aus Tuffsteinblöcken mit zwei Rosten durchgeführt, dem unteren für das Holz und dem oberen für das Fett. Die - ca. 0,05 m3 große - Brennkammer bestand aus einem Kamin von 0,54 cm Höhe sowie einer Querschnittsfläche von 0,27 m × 0,27 m, der den oberen Rost um etwa 10 cm überragte. Auf diesen Rost stellte ich ein Aluminiumgefäß von 22 cm × 17 cm Größe mit 200 Gramm Schmalz. Darauf belud ich den Rost und steckte das Holz in Brand. Nach wenigen Minuten geriet das siedende Fett in Brand, und aus dem Kamin schossen Flammen bis in eine Höhe von 70 cm über seiner Grundfläche (vgl. Fotos 5 & 6). Die Verbrennung des Fetts dauerte drei Minuten, wobei sie ungefähr 2 Minuten 45 Sekunden lang sehr intensiv war.

1.3. Verbrennungsexperiment mit Tierfett in einer Brennkammer mit langem Kamin (10. Januar 1995).

Hier nahm ich eine Reihe von Tuffblöcken aus dem Ofenkamin und brachte darauf ein gewöhnliches Rauchrohr von 2,10 m Länge und einer Querschnittsfläche von 0,40 m × 0,20 m an, womit das Gesamtvolumen der Brennkammer ca. 0,20 m3 betrug. Auf den oberen Rost stellte ich dann ein Aluminiumgefäß von der Art des im vorhergehenden Experiment benutzten, doch diesmal mit 300 Gramm Schmalz. Schließlich belud ich den Ofen und zündete das Holz an. Das Fett geriet auch in diesem Fall flugs in Brand, doch schossen weder Flammen noch vereinzelte Feuerzungen aus dem Kamin (siehe Foto 7). Die Verbrennung des Fetts dauerte 3 Minuten 45 Sekunden, wobei der Verbrennungsprozeß während ca. 3 Minuten 30 Sekunden sehr intensiv verlief.

1.4 Schlussfolgerungen

Die beiden Versuche wurden unter ähnlichen Bedingungen durchgeführt, natürlich abgesehen davon, daß beim zweiten ein Rauchrohr benutzt wurde. Obgleich beim zweiten Versuch mehr Fett verwendet wurde, schossen dabei keine Flammen aus der Kaminmündung, weil die bei der Zersetzung des Fetts entstandenen Gase, denen eine Brennkammer mit vierfachem Volumen zur Verfügung stand, im Inneren des Kamins vollständig verbrannten.

Da wir es hier mit chemisch-physikalischen Phänomenen zu tun haben, lassen sich die Ergebnisse dieser Experimente proportional auf die Krematorien von Birkenau übertragen.

Foto 1

Foto 2

Foto 3

Foto 4

1.4.1. Krematorien II und III

Volumen des kürzeren Rauchkanals (einschließlich Rauchrohr):

0.46 m² × 24 m = 11,04 m3 = ca. 11 m3.

Brennkammer: 1,5 m3 × 3 = 4,5 m3.

Gesamtvolumen: (11 m³ + 4,5 m³ =) 15,5 m3.

Aus dem ersten Experiment geht hervor:

0,2 kg Fett auf 0,05 m3 pro 3 Minuten =
(0,2 × 60) ÷ 3 = 4 kg auf 0,05 m3 pro Stunde =
(4 × 1) ÷ 0,05 = 80 kg pro m3 pro Stunde = 80 × 15,5 = 1.240 kg pro Stunde.

Das Schlagen von Flammen aus dem Kamin war bei einer Verbrennung von 1.240 kg Fett in den drei Muffeln des dritten Ofens möglich.

Aus dem zweiten Ergebnis ergibt sich:

0,3 kg Fett pro 0,2 m3 pro 4 Minuten =
(0,3 × 60) ÷ 4 = 4,5 kg pro 0,2 m3 pro Stunde=
(4,5 × 1) ÷ 0,2 = 22,5 kg pro m3 pro Stunde=
22,5 × 15,5 = ca. 350 kg Fett pro Stunde.

Somit hätten bei der Verbrennung von rund 350 kg Fett pro Stunde in den drei Muffeln des erwähnten Ofens keine Flammen aus der Kaminmündung geschlagen.

Hier ist die Rede von reinem Fett; folglich wäre das Phänomen der flammenschlagenden Kamine bei der Kremierung von drei Leichen pro Stunde in den drei Muffeln des genannten Ofens physikalisch unmöglich gewesen. Der Fettgehalt von drei jeweils 70 kg schweren Leichen beträgt ca. 25 kg, während 350 kg dem Fettgehalt von fast 42 Leichnamen entspräche.

Unberücksichtigt lasse ich den Proteingehalt der Leichen, weil die Proteine merklich langsamer verbrennen als das Fett.

1.4.2. Krematorien IV und V

Die Krematorien IV und V wiesen je zwei Kamine auf. Jeder Kamin diente für jeweils vier Muffeln. Das Gesamtvolumen, das den Verbrennungsgasen zur Verfügung stand (Brennkammern, Rauchkanal, Rauchrohr) belief sich auf ca. 18 m3.

Unter Anwendung der zuvor dargelegten Rechenmethode ergibt sich hier folgendes:

a) Beim ersten Experiment:

Foto 5

Foto 6

Foto 7

80 kg Fett pro 1 m3 Brennkammer pro Stunde =
80 × 18 = 1.440 kg Fett pro Stunde für vier Muffeln.

Das Schlagen von Flammen aus dem Kamin war möglich, wenn man in den vier Muffeln 1.440 kg Fett pro Stunde verbrannte.

b) Beim zweiten Experiment:

22,5 kg Fett pro 1 m3 Brennkammer pro Stunde =
22,5 × 18 = 405 kg Fett pro Stunde für vier Muffeln.

Aus dem Kamin wären keine Flammen geschossen, selbst wenn man in jeder der vier Muffeln über 100 kg reines Fett pro Stunde verbrannt hätte, den Gehalt von 12 Leichen.

1.5. Schlussbemerkungen

Bei den oben durchgeführten Berechnungen wurde als Zeiteinheit eine Stunde angesetzt, doch es ist klar, daß die Verbrennung des gesamten in den Leichen enthaltenen Fetts weit weniger als eine Stunde in Anspruch genommen hätte. Man muß freilich in Betracht ziehen, daß die Verbrennung des Fetts der Leichen nicht wie bei den hier geschilderten Experimenten geregelt werden konnte: das äußere und innere Fett hätte sich in unregelmäßigen zeitlichen Abständen verflüssigt, Gasform angenommen und wäre verbrannt. Somit hätte die Verbrennung des gesamten Fetts eines Leichnams nicht unter 30 Minuten gedauert. Dies beeinträchtigt die Ergebnisse jedoch nicht, da bei den Krematorien II und III die Höchstgrenze der Nichtverifizierbarkeit des Phänomens der flammenschlagenden Kamine bei 175 kg Fett in dreißig Minuten gelegen hätte, während in Wirklichkeit nur ca. 25 kg verbrannt wurden. Bei den Krematorien IV und V lauten die Werte so: Ungefähr 202 kg Fett in 30 Minuten gegenüber rund 34 kg tatsächlich verbranntem.

Das oben Dargelegte heißt nicht, daß das Phänomen der flammenschlagenden Kamine grundsätzlich unmöglich gewesen wäre, sondern lediglich, daß es nicht in direkter Beziehung mit der Kremierung, d.h. den eingeäscherten Leichen, stehen kann. Hingegen konnte es sehr wohl als indirekte Begleiterscheinung der Kremierung auftreten, d.h. als Ergebnis des in den Feuerungen der Öfen verbrannten Kokses.

Es ist bekannt, daß bei unvollständiger Verbrennung kohlenförmiger Brennstoffe Kohlenpartikelchen entstehen, die sich in Form von Ruß an den Rauchkanal des Kamins heften. Beim Vorliegen besonderer Umstände (genügend dichte Rußschicht und ausreichend hohe Entzündungstemperatur) entzündet sich der Ruß, und dann lodern in der Tat Flammen aus dem Kamin hoch.

In der Vorkriegszeit, als der durchschnittliche europäische Haushalt fast ausschließlich mit Holz, Koks oder Kohle beheizt wurde, trat dieses Phänomen dermaßen häufig auf, daß es bisweilen künstlich hervorgerufen wurde, um es vom wissenschaftlichen Standpunkt aus untersuchen zu können. Solche Experimente wurden beispielsweise Anfang 1933 in dem Rauchrohr eines vierstöckigen, halbleeren Gebäudes in Berlin durchgeführt.[6] Das Temperaturdiagramm des Experiments läßt erkennen, daß 95 Minuten nach Inbrandsteckung des Rußes im ersten Stock, einen Meter von der Grundfläche entfernt, die Verbrennungstemperatur des Rußes im Innern des Rauchrohrs 1060 Grad Celsius erreichte.

Dies ist nicht verwunderlich, denn Ruß besteht aus Kohlenstoff, der eine Zündtemperatur von ca. 700 Grad aufweist.

Natürlich kann das Phänomen keinesfalls kontinuierlich auftreten, sondern bloß periodisch, weil es im wesentlichen von der Bildung einer hinreichend dicken Rußschicht abhängt, und dazu bedarf es einer gewissen Zeit.

Freilich hat diese Erscheinung nichts mit den Erzählungen der Augenzeugen zu tun, bei denen die Flammen als direkte Folge der Leichenverbrennung aus den Kaminen schlagen. In diesem Zusammenhang ist die bezeichnendste Aussage jene Henryk Taubers, der in seiner Erklärung vom 24. Mai 1945 folgendes zum besten gab:[7]

»Es war möglich, bis zu acht "Muselmänner"[[8]in einer Muffel] unterzubringen. Solch große Ladungen wurden ohne Wissen des Krematoriumsleiters bei Fliegeralarm verbrannt, um die Aufmerksamkeit der Flieger durch ein größeres aus den Kaminen loderndes Feuer zu erwecken.«

Der Zweck solcher Falschaussagen war selbstverständlich, den Falschaussagen über die Massenverbrennung angeblich Vergaster Glaubwürdigkeit zu verleihen und den Eindruck zu erwecken, eine dermaßen gewaltige Verbrennungsaktion hätte ununterbrochen Flammen aus den Kaminen gen Himmel lodern lassen!

2. Das Problem rauchender Kamine

Das Phänomen der rauchenden Kamine ist eng mit dem im vorhergehenden Abschnitt behandelten verbunden: wenn die Durchgangsgeschwindigkeit eines brennbaren Gasgemischs in einer Brennkammer größer ist als seine Entzündungsgeschwindigkeit, gerät es nicht in der Brennkammer in Brand, sondern bei gleichbleibenden Bedingungen außerhalb derselben. Wenn die Bedingungen jedoch nicht gleich bleiben, d.h. wenn die Temperatur des Fuchses sowie des Kamins niedriger ist als die Zündtemperatur des Gasgemischs, verläßt dieses die Anlage unverbrannt in Form von Rauch.

Kein offizieller Auschwitz-Historiker hat dem Problem der rauchenden Kamine je seine Aufmerksamkeit geschenkt, doch hat sich Jean-Claude Pressac in einem anno 2000 publizierten Text dieser Frage zugewendet und nachdrücklich bestritten, daß überhaupt Rauch aus Kaminen strömen kann. In diesem Abschnitt wollen wir nun die technischen Argumente untersuchen, mit denen er diese Ansicht begründet.

Am 15. Juni 1995 gewährte Pressac einer Valérie Igounet ein langes Interview, dessen Wortlaut freilich vor seiner Veröffentlichung offensichtlich überarbeitet wurde. Pressac gab dabei folgendes zu Protokoll:[9]

»Beim ersten europäischen Kongreß über die Leichenverbrennung, der 1878 in Dresden stattfand,[[10]] wurden strenge Regeln für den Ablauf der Einäscherungen festgelegt. Jene Firmen, welche die Öfen bauten,[[11]] mußten sich diesen Regeln unterwerfen. Eine davon besagte, daß "die Einäscherungsprodukte die Nachbarschaft nicht verpesten dürfen".[[12]] Rauch und Gestank waren verboten. Die Firma Topf, deren Aktivität von Anfang an im Bau von Öfen aller Art bestand, fürchtete sich sehr vor Rauchentwicklung, da diese auf ein schlechtes Funktionieren des Rostes hinwies. Einer ihrer Prospekte warb mit folgender Warnung um ihre künftige Kunden: "Wenn Ihr Kamin raucht, verlieren Sie Geld." Die Topf-Einäscherungsöfen rauchten nicht, und jene der konkurrierenden Firmen ebensowenig. [...] Als er im Anschluß an seine Festnahme im März 1946 von den Sowjets über die Einäscherungsanlagen in den Konzentrationslagern befragt wurde, erklärte ihnen Kurt Prüfer deren Besonderheiten. Die Zivilöfen funktionierten mit vorgeheizter Luft, so daß die Leichen rascher und ohne Rauch verbrannten. Da die Öfen in den Lagern anders strukturiert waren, war die Anwendung dieser Prozedur unmöglich. Die Leichen verbrannten langsamer, und es entwickelten sich Dämpfe.

Um diese zu verhindern, reichte es, Luft in die Einäscherungskammer zu pumpen. In der Tat waren die drei Zweimuffelöfen des Krematorium I im Stammlager Auschwitz mit Sauggebläsen ausgestattet. Die im Krematorium von Buchenwald sowie in den Krematorien II und III von Birkenau aufgestellten besaßen ebenfalls solche. Prüfer erreichte eine gleich kurze Verbrennungsdauer wie in den Zivilöfen und vermochte die Rauchbildung zu verhüten. Hingegen besaßen die Achtmuffelöfen der Krematorien IV und V keine Sauggebläse, doch wurde dieser Mangel durch einen starken Saugzug wettgemacht, der durch zwei 16 m hohe Kamine bedingt war. Was die von der Firma Heinrich Kori in Berlin in den Konzentrationslagern aufgestellten Verbrennungsöfen anbelangt, so wurden diese mit Teer oder Koks geheizt und ohne Ventilatoren fabriziert oder gebaut.«

Es trifft zweifelsohne zu, daß die Krematoriumsöfen den hoffnungsvollen Erwartungen ihrer Erbauer zufolge nicht rauchen durften, doch Tatsache ist auch, daß in der Praxis alle Öfen, besonders die koksgeheizten, mehr oder weniger stark rauchten. Statt die Kremierungsdiagramme zu studieren, begnügte sich Pressac mit den »Regeln«. Beispielsweise rauchte der Ofen bei den von Ingenieur Richard Kessler 1926 und 1927 (fünfzig Jahre nach dem Kongreß von Dresden!) im Krematorium von Dessau durchgeführten wissenschaftlichen Kremierungsversuchen unweigerlich bei allen Verbrennungen, ob diese nun mit Koks, Gas oder Briketts durchgeführt wurden. Dabei war Kessler eine der namhaftesten deutschen Autoritäten seiner Zeit auf dem Feld der Kremierung, und bei seinen Versuchen gelangte ein Ofen des von den Gebrüdern Beck, Offenbach, entwickelten Systems zur Anwendung, welcher von Kessler selbst verbessert worden war und in keiner Hinsicht hinter den Topf-Öfen zurückstand. In den Diagrammen, die Aufschluß über die Bedienung des Ofens verleihen, war eine »Darstellung der Rauchentwicklung« vorgesehen, bei der drei Farben des Rauchs unterschieden wurden: »schwarz«, »dunkel« und »hell«. Die Angabe des Zugs des Rostes war doppelter Art und unterschied zwischen der Kraft des Zugs bei der »Normal-Verbrennung« sowie der »Rauch-Verbrennung«. Bei der ersten Verbrennung mit Gas (außer einem Gasgenerator besaß der Ofen auch einen Gasbrenner) bildete sich rund eine Stunde lang Rauch; bei der zweiten und der siebten Kremierung mit Koks dauerte die Rauchentwicklung ca. 20 Minuten.[13]

In den vierziger Jahren war das Problem des Rauchs noch ungelöst, so daß es ein anderer Spezialist auf dem Gebiet der Kremierung, der Schweizer Ingenieur Hans Keller, 1944 für geboten hielt, es auf wissenschaftlicher Grundlage zu erforschen. Er veröffentlichte seine Schlußfolgerungen in einem Artikel mit dem Titel »Ursache der Rauchbildung bei der Kremation«.[14] Seine Schlußfolgerung war, daß die Zivilverbrennungsöfen regelmäßig rauchten.

Gehen wir zum Verhör des Topf-Ingenieurs Kurt Prüfer durch Hauptmann Schatanowski und Major Moruschenko von der sowjetischen Antispionageorganisation Smersch über. Es fand am 5. März 1946 statt; Prüfer machte dabei folgende Aussage:[15]

»In den zivilen Krematorien wird mittels eines speziellen Blasebalgs bereits vorher erhitzte Luft eingeblasen, wodurch die Leiche rascher und ohne Rauch verbrennt. Die Konstruktion der Krematorien für die Konzentrationslager ist anders; sie ermöglicht es nicht, die Luft im voraus zu erhitzen, weshalb die Leiche langsamer und unter Rauchentwicklung verbrennt. Um den Rauch sowie den Geruch des verbrennenden Leichnams zu verringern, wird eine Ventilation [im Original: ventilatsia] eingesetzt.«

Demnach rauchten nach K. Prüfer die Kamine der in den Konzentrationslagern aufgestellten Topf-Öfen, und die Installation eines Druckluftgebläses (im russischen Text irrtümlicherweise als »ventilatsia«, Ventilation, übersetzt), reduzierte den Rauch zwar, eliminierte ihn jedoch nicht vollständig. Pressac meint hingegen, zur Eliminierung des Rauchs sei es ausreichend gewesen, »Luft in die Einäscherungskammer zu pumpen«, als ob das Phänomen nur auf einen banalen Mangel an Verbrennungsluft zurückzuführen sei. In Wirklichkeit funktionierten die Koksöfen mit enormem Luftüberschuß. Der Erfahrung nach zu schließen bildete sich der Rauch entweder, weil die Verbrennungsprodukte im Rekuperator sowie im Fuchs zu stark abkühlten, so daß keine Nachverbrennung erfolgte, weil der Kamin sie nicht auszustoßen vermochte (wie Ingenieur Keller ermittelte), oder weil der Kamin einen zu starken Zug aufwies, wodurch Kohlenpartikeln, welche den sichtbaren Rauch (und den Ruß) bilden, unverbrannt aus dem Kamin hervortraten (wie im ersten elektrischen Topf-Ofen im Erfurter Krematorium).

Foto 8: Rußablagerung außen am Kamin des Krematoriums II in Birkenau (rechts oben: Ausschnittsvergrößerung).[16]

Jedenfalls hätte die Einführung von kalter Luft (die Topf-Öfen von Auschwitz besaßen keine Einrichtungen zum Vorwärmen der Verbrennungsluft) in die Muffel die Lage bloß noch verschlechtert und die Rauchbildung verstärkt, so daß Prüfers Erklärung technisch unfundiert ist. Der von ihm erwähnte Lösungsversuch verminderte die Rauchbildung nicht, sondern verschlimmerte sie regelrecht. Was nun spezifisch die Topf-Öfen von Auschwitz-Birkenau betrifft, so wäre es technisch gesehen abwegig und widerspräche offenkundigen Tatsachen, würde man behaupten, daß sie nicht rauchten. Diese Öfen waren nämlich nicht mit jenen technischen Instrumenten ausgestattet, welche die Zivilöfen aufwiesen, um die Bildung von Rauch anzuzeigen (z.B. Rauchgasprüfer) und zu verhüten (wie die Vorrichtung zur Rezyklierung und Verbrennung des Rauchs in Dessau); ihre grobschlächtige Struktur führte unweigerlich zur Rauchbildung.

Es reicht der Hinweis darauf, daß beim Dreimuffelofen (der häufigste Ofentyp in Birkenau) das Sauggebläse, das den Muffeln Verbrennungsluft zuführte, nicht für jede Muffel einzeln regulierbar war; außerdem wurde die Verbrennung in den drei Muffeln durch einen einzigen Rauchkanalschieber reguliert. Somit war eine optimale Regulierung der Verbrennung in den drei Muffeln - welche eine Rauchbildung übrigens auch nicht völlig verhindert hätte - praktisch unmöglich. In den Krematorien IV und V war die Situation noch schlimmer, weil ein einziger Rauchkanalschieber die Verbrennung von vier Muffeln regelte!

Andererseits schreibt Pressac selbst in seinem ersten Werk im Zusammenhang mit einer Fotografie des Krematorium II von Birkenau im Sommer 1943:

»Das Krematorium war bereits in Betrieb gewesen, wie wir aus dem Ruß an der Kaminspitze ersehen können.«

In der Tat kann man in über 15 m Höhe an der Außenseite des Kamins deutlich Rußablagerungen erkennen (vgl. Foto 8). Daraus ist zu schließen, daß der Kamin, wenn die Öfen in Betrieb waren, rauchte, und zwar recht ordentlich. Unter diesen Umständen widerspricht Pressac nicht nur den technischen Fakten, sondern auch sich selbst.

Pressacs Behauptung, wonach die Achtmuffelöfen der Krematorien IV und V das Fehlen von Sauggebläsen durch »einen starken Zug wettmachten«, der durch zwei Kamine von 16 m Höhe möglich gewesen sei, ist eine grobe Absurdität, weil die Höhe der Kamine bei den Krematorien II/III und IV/V praktisch gleich (15,46 gegenüber 16 m) und ihre Querschnittsfläche proportional identisch war. Bei den Krematorien II/III besaß jede der drei Rauchkanäle, in die der Kamin aufgeteilt war, eine Querschnittsfläche von 0,96 m2 und bediente 6 Muffeln; jeder der beiden Kamine der Krematorien IV/V hatte eine Querschnittsfläche von 0,64 m2 und bediente 4 Muffeln; eine simple Rechnung zeigt, daß die relativen Querschnittsflächen pro Muffel für beide Krematoriumstypen identisch waren (0,64÷0,96 = 4÷6)!

Schließlich ist Pressacs Behauptung, in den Öfen von Auschwitz habe man dank den Sauggebläsen eine Verbrennungsdauer erreicht, die sich jener der Zivilöfen näherte (d.h. die Dauer verkürzt) bar jeder technischen Grundlage. In den Topf-Öfen von Auschwitz verlief das von dem Gebläse ausgehende Rohrwerk der Länge nach durch den hinteren oberen Teil ihrer Mauerstruktur; diesem Rohrwerk entsprangen senkrecht zu ihm die sekundären Rohre, die der Länge nach oberhalb dem Gipfelgewölbe der Muffeln gemauert und durch vier Öffnungen im Gipfelgewölbe verbunden waren.

Die Verbrennungsluft wurde demnach von oben nach unten in die Muffeln eingeführt. Ein ähnliches Luftzufuhrsystem war bereits zu Beginn der dreißiger Jahre in den Gasöfen I und II des Krematoriums von Zürich erprobt worden (1931-1932). Wie Prof. Schlepfer 1938 berichtete, zeigte die Erfahrung, daß dieses System ineffizient war:[17]

»Es kommt noch hinzu, daß die Luft oben in die Muffel eingeführt wird und dann längs der Muffelwandungen nach unten strömt und dort nochmals Wärme aufnimmt. Es erfolgt also auf der Innenseite der Muffel eine Abkühlung. Die Verbrennungsgase werden direkt nach unten geleitet, die in der ersten Periode der Einäscherung wertvolle Aufheizung der Muffel unterbleibt. [...]. Auch bei den Ofentypen I und II wirkt sich die Luftzufuhr von oben insofern ungünstig aus, als die Einäscherungsdauer sich [von einer Stunde] bis auf 1 1/2 Stunden erstreckt und nach erfolgter Einäscherung für kurze Zeit nachgeheizt werden muß.«

Pressac stützt sich auf Prüfer, den Erbauer der Drei- und Achtmuffelöfen von Birkenau, um seine Argumente zu untermauern, doch lösen sich diese in Rauch auf, und der französische Forscher verstrickt sich in einem Dickicht von Widersprüchen. In seinem zweiten Buch hatte er noch behauptet, die Kremierungskapazität der Krematorien II/III von Birkenau habe bei 1.000 Leichen in 24 Stunden gelegen.[18] Man vergleiche hiermit die Aussagen Prüfers bei seiner von Pressac zitierten Befragung vom 5. März 1946:[19]

»Frage: Welche Anzahl von Leichen konnte in Auschwitz pro Stunde in einem Krematorium verbrannt werden?

Antwort: In einem Krematorium, das fünf Öfen oder fünfzehn Muffel aufwies, verbrannte man in einer Stunde fünfzehn Leichen.«

Also konnte man in jedem der fünf Dreimuffelöfen der Krematorien II/III eine einzige Leiche pro Stunde verbrennen, was eine theoretische Höchstzahl von 360 in 24 Stunden ergibt.

Rekapitulieren wir:

Wenn die Öfen von Birkenau in Betrieb waren, rauchten die Kamine der Krematorien kontinuierlich. Dies war nicht zu vermeiden, weil:

Aus welchem Grund hat Pressac sogar einen eindeutigen Beweis in Gestalt einer Fotografie ignoriert? Die Antwort ist einfach: Die Kamine der Krematorien von Birkenau durften nicht rauchen, weil in den ihm bekannten Luftaufnahmen des Lagers die Kamine der Krematorien keinen Rauch ausstoßen, jedoch in einer Periode angeblicher Massenvergasungen und -verbrennungen unter keinen Umständen inaktiv sein konnten. Diese Frage soll in einem anderen Artikel aufgegriffen werden.


Anmerkungen

[1]W. Heepke, Die Leichenverbrennungs-Anstalten (Die Krematorien), Verlag von Carl Marhold, Halle a. S. 1905, S. 74.
[2]G. Salvi, La combustione. Tamburini Editore, Mailand 1972, S. 620.
[3]Manuale dell'ingegnere. Nuovo Colombo. Hoepli, Mailand 1990, S. E-740.
[4]BBC-Elektro-Kremationsöfen im Dienste der Feuerbestattung, undatierter Faltprospekt.
[5]Für eine nähere Beschreibung und für weitere Abbildungen des Ofens, siehe meinen Beitrag »Verbrennungsexperimente mit Tierfleisch und Tierfett« in VffG 7(2) (2003), S. 185-194.
[6]Ing. Kristen, »Ausbrennversuche an Schornsteinen«, in: Wärmewirtschaftliche Nachrichten für Hausbau, Haushalt und Kleingewerbe, 6(7) (April 1933), S. 83-85.
[7]Jean-Claude Pressac, Auschwitz: Technique and operation of the gas chambers. The Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, S. 489.
[8]Lagerjargon für "ausgezehrte Häftlinge".
[9]V. Igounet, Histoire du négationnisme en France. Éditions du Seuil, Paris 2000, S. 648f.
[10]Tatsächlich fand der Kongreß am 7. Juni 1876 statt.
[11]Zu jenem Zeitpunkt gab es noch gar keine Firma, die Verbrennungsöfen herstellte.
[12]Das Zitat ist eher eine Paraphrase; der genauer Text lautet: »Es dürfen keine übelriechenden Gase entstehen, die Verbrennung muß also geruchlos sein.«. M. Pauly, Die Feuerbestattung. Verlagsbuchhandlung von J.J. Weber, Leipzig 1904, S. 15.
[13]R. Kessler, »Rationelle Wärmewirtschaft in den Krematorien nach Maßgabe der Versuche im Dessauer Krematorium«, in Die Wärmewirtschaft, 4. Jg., 1927, Heft 8, S. 150, 154 und 156.
[14]H. Keller, Ursache der Rauchbildung bei der Kremation. Bieler Feuerbestattungs-Genossenschaft. Jahresbericht für 1944, Biel 1944.
[15]J. Graf, »Anatomie der sowjetischen Befragung der Topf-Ingenieure. Die Verhöre von Fritz Sander, Kurt Prüfer, Karl Schultze und Gustav Braun durch Offiziere der sowjetischen Antispionageorganisation Smersch (1946-1948)«, in: VffG, 6(4) (2002), S. 404.
[16]APMO, Neg. Nr. 20995/460.
[17]»Betrachtungen über den Betrieb von Einäscherungsöfen«, in: Schweiz. Verein von Gas- und Wasserfachmännern, Zürich 1938, S. 155f.
[18]J.-C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes. Piper Verlag, München-Zürich 1994, S. 200.
[19]J. Graf, Anatomie ..., aaO. (Anm. 15), S. 404.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(3&4) (2003), S. 386-391.


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