Meine Erinnerungen an Jean-Claude Pressac

Von Carlo Mattogno

Im Frühling 1987 erschien in Frankreich die erste Ausgabe der Zeitschrift Annales d'Histoire Révisionniste, die unter anderem einen langen Artikel aus meiner Feder enthielt, »Le mythe de l'extermination des Juifs. Introduction historico-bibliographique à l'historiographie révisionniste«. Andere von mir stammende Beiträge erschienen in den Nummern 3 und 5.[1] In letztgenannter Nummer erschien auch eine Übersetzung des Leuchter-Gutachtens.[2]

Im März 1989 sandte mir Jean-Claude Pressac einen kurzen Brief, in dem er schrieb, er habe die erwähnten Artikel »mit Interesse« gelesen und wolle mir seine Antwort auf das Leuchter-Gutachten zeigen. Dem Schreiben beigelegt war seine kurz zuvor in der Zeitschrift Jour J veröffentlichte Studie, die den Titel »Les carences et incohérences du "Rapport Leuchter"« trug. Der Untertitel hatte ursprünglich »Eine wissenschaftliche Untersuchung gegen die Gaskammerleugner« gelautet, war aber mit Bleistift in »Eine wissenschaftliche Untersuchung angesichts der Gaskammerleugner« abgeändert worden. Diese Korrektur bewies - wie ich später begriff - Pressacs aufrichtigen Wunsch, mit den (oder einigen) Revisionisten zu diskutieren und die Argumente hüben und drüben aufeinanderprallen zu lassen.

In seinem Brief erwähnte Pressac ein Werk über Auschwitz-Birkenau, das er 1988 abgeschlossen hatte, und lud mich zu einem Treffen in Camaiore ein, einem prächtigen Touristenort, wo er für den August eine Villa gemietet hatte.

Zu jenem Zeitpunkt hatte Pressac bereits einen Artikel mit dem Titel »Les Krematorien IV et V de Birkenau et leurs chambres à gaz« verfaßt.[3] Eine Zusammenfassung davon war unter dem Titel »Etude et réalisation des Krematorien IV et V d'Auschwitz-Birkenau« im Sammelband L'Allemagne nazie et le génocide juif erschienen.[4] Außerdem hatte Pressac das Album von Auschwitz[5] mit Anhängen über die Krematorien von Birkenau sowie Erklärungen und Kommentaren ergänzt.

Jean-Claude Pressac: In Memoriam

Von Robert H. Countess, PhD

Am Nachmittag des 17. Februar 2001, einem schönen sonnigen Tag, fuhr ich mit meinem Leihwagen von Le Vesinet, wo ich Freunde besucht hatte, runter nach La Ville du Bois, um bei Jean-Claude Pressacs Apotheke vorbeizuschauen, wo ich hoffte, ihn kurz vor Ladenschluß antreffen zu können. Es war Samstag, und ich dachte mir, es sei besser, mich nicht im voraus anzukündigen. Es klappte wunderbar.

Er schloß seine Apotheke gegen sieben Uhr abends, und ich kam dort etwa fünf Minuten vor sieben an, wo ich mich einer Bedienung vorstellte, die mich sodann zu Herrn Pressac führte. Ich begann auf Englisch, aber er bevorzugte Deutsch, zumal mein Französisch praktisch nicht existent ist. Ich wies ihn darauf hin, daß ihn mein Freund David Cole vor einem Jahr besucht hatte und frug, ob ich ihn, wenn möglich, für ein paar Minuten sprechen könnte.

Dann zeigte ich ihm ein Exemplar unseres von Theses & Dissertations Press herausgegebenen Buches Dissecting the Holocaust (engl. Fassung von Grundlagen zur Zeitgeschichte), schlug aber rasch das Personenverzeichnis auf, wo ich ihn auf die vielen Bezüge auf "Jean-Claude Pressac" hinwies, zumal ich mir dachte, daß er, wie wir alle, durch sein Ego-Interesse positiv beeinflußt sein würde - und dem war in der Tat so!

Ich sagte ihm, daß ich ein Extra-Exemplar hätte, daß er mir vielleicht abkaufen wolle, und er bezahlte mich dann mit französischen Francs. Ich frug ihn, ob er mir seine Apotheke zeigen könnte, worauf er mich herumführte. Er entschuldigte sich dann, um seine Freundin anzurufen, und lud mich anschließend zu meiner angenehmen Überraschung zum Abendessen ein.

Seine Freundin trug einen kurzen Pelzmantel, und er selbst trug bereits einen dunklen Anzug. Ich folgte ihnen einige Kilometer zu ihrem Haus, parkte mein Auto dort, und fuhr anschließend mit in ihrem Auto. Ich dachte, wir würden zu einem Restaurant fahren, jedoch hielten wir 15 Minuten später an einem schönen, doch bescheidenen Haus eines pensionierten französischen

Militärprofessors, wo uns ein volles fünfgängiges französisches Mahl - sehr aufwendig und höchst exquisit - während der nächsten zwei Stunden serviert wurde. Der größte Teil der Gespräche fand auf Französisch statt, wobei Pressac mir gelegentlich etwas auf Deutsch erklärte. Anschließend besichtigten wir Männer den Weinkeller des Gastgebers, wo sich eine enorme Sammlung gediegener und feiner Weine befand.

Während des Mahls zeigte Pressac einmal dem Gastgeber das Buch Dissecting the Holocaust und wies insbesondere auf die Verzeichniseinträge seines Namens hin.

Ich muß sagen, daß der gesamte Abend sehr angenehm war und daß Pressac und seine Freunde mir gegenüber höchst gastfreundlich waren und dafür sorgten, daß ich mich so angenehm wie möglich fühlte. Ich verabschiedete mich gegen Mitternacht von ihrem Zuhause und fuhr nach Le Vesinet zurück mit der Absicht, ihn in naher Zukunft wieder einmal zu besuchen, um mit ihm über unser Buch zu sprechen.

Selbstverständlich war Jean-Claude Pressac wegen seiner Forschungen und Veröffentlichungen eine umstrittene Person, insbesondere für sein "dickes Buch", wie Professor Faurisson es nennt. Ich selbst ergatterte ein Exemplar dieses "dicken Buches" und arbeitete es in zwei Monaten durch und stellte fest, daß Pressac offenbar ein wichtiges Werk geschaffen hatte, welches seine Sponsoren - die Klarsfelds - anscheinend nicht gelesen hatten - zumindest nicht sorgsam genug - da Pressacs "dickes Buch" enorm wichtige Dokumente und Fotos enthält, die der überkommenen jüdischen "Holocaust"-Geschichte enorme Probleme bereiten.

Ich bin Pressac und seinen Freunden für ihre warmherzige französische Gastfreundschaft dankbar, die sie mir erwiesen, einem völlig Fremden, der an diesem Samstagabend im Februar 2001 einfach unangekündigt aufgetaucht war. Ich bin davon überzeugt, daß sein Beitrag zur Revision der jüdischen "Holocaust"-Geschichte auch in zukünftigen Jahrzehnten zu spüren sein wird.

Obgleich ich seine Schlußfolgerungen nicht gutheißen konnte, war mir klar, daß es sich bei Pressac um einen der gründlichsten Kenner des Themas Auschwitz handelte. Deshalb nahm ich seine Einladung gerne an, und im August 1989 hatte ich schließlich das Vergnügen - um nicht zu sagen die Ehre -, ihn persönlich kennenzulernen.

Pressac und seine Familie empfingen mich freundlich und ließen mich in den Genuß ihrer Gastfreundschaft kommen, an die ich bis heute schöne Erinnerungen bewahrt habe.

Unsere Diskussionen verliefen in einer äußerst entspannten Atmosphäre. Sie drehten sich hauptsächlich um sein damals im Druck befindliches Buch Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers.[6] Pressac zeigte mir mit großem Enthusiasmus die wichtigsten Stellen seines Werks. Er hatte den Text in französischer Sprache auf riesigen, 50 cm × 66 cm großen Blättern niedergeschrieben, auf denen sich auch großformatige Fotokopien der im Buch enthaltenen Dokumente befanden. Pressac schenkte mir alles, bat mich jedoch, vor dem Erscheinen des Buchs nicht öffentlich darüber zu reden.

Die von Pressac erstellte Dokumentation war fürwahr beeindruckend, und ich machte mich eifrig daran, sie zu studieren. Pressac war ehrlich an einer konstruktiven Kritik seines Buchs interessiert, und kurz nach dessen Publikation, im März 1990, lud er mich zu sich nach Hause ein, nach La Ville du Bois, eine kleine Ortschaft unweit von Paris. Er und seine Familie empfingen mich nicht minder herzlich als zuvor in Camaiore.

Pressac wies mir als Unterkunft die Wohnung über seiner Apotheke zu, wo er sein Studienzimmer eingerichtet hatte, und ich konnte völlig allein die vielen tausend Dokumente untersuchen, die sich in seinem Besitz befanden. Das Vertrauen, das mir Pressac dadurch erwies, habe ich stets als ehrend empfunden. Er bedachte mich mit einem Exemplar seines Werks mit der handschriftlichen Widmung »Pour M. Carlo Mattogno. Le 8 Mars 1990. Jean-Claude Pressac

Bei unseren langen Diskussionen empfand ich wachsendes Erstaunen über seine Haltung: Er schien kaum Wert darauf zu legen, mich zu überzeugen, und empfahl mir mehr als einmal, Revisionist zu bleiben. Seine Aufrichtigkeit stand außer Zweifel, und mir schien, er sei mehr an freien Geistern interessiert, die zu einer nüchternen Kritik fähig waren, als an unkritischen Gefolgsleuten. Andererseits war er selbst - im Vergleich zu den offiziellen Historikern, die immer noch an der verkrusteten Auschwitz-Version von 1945 festhielten - zweifelsohne ein freier Geist, vielleicht ein allzu freier. Er berichtete mir, der jüdische Übersetzer, der sein Buch aus dem Französischen ins Englische übertrug, habe seine Arbeit mehrmals unterbrochen und mit der Ablehnung des Auftrags gedroht, weil ihm einige zu "revisionistische" Ansichten Pressacs sauer aufgestoßen waren.

Der ehrliche Wunsch nach einem Dialog mit jenen Revisionisten, die er für respektabel hielt, lag auch seiner Freundschaft mit Michel Sergent zugrunde, einem pensionierten Lehrer, der Ende der achtziger Jahre eine »Vereinigung zur Verteidigung der freien Geschichtsforschung« aus der Taufe gehoben hatte und sich für einen Dialog zwischen den Revisionisten und den Vertretern der offiziellen Geschichtsversion einsetzte. Ich hatte das Vergnügen, Michel Sergent in Pressacs Haus kennenzulernen; Pressac hatte ihn eingeladen, um mit ihm ein kleines logistisches Problem zu lösen. Einige Tage lang war ich bei Sergent zu Besuch; er behandelte mich mit ausgesuchter Höflichkeit und ließ mir jede gewünschte Hilfe zukommen. Unter anderem begleitete er mich bei einem aufschlußreichen Besuch der Krematoriumsöfen auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Ich erinnere mich an Michel Sergent als einen Menschen, der aufrichtig für die Belange seiner Vereinigung focht.

1991 kündigte mir Pressac an, er werde sich nach Moskau begeben, um die von der Roten Armee anno 1945 in Auschwitz erbeuteten Dokumente auszuwerten. Seine Recherchen in der russischen Hauptstadt gaben dann den Anstoß zu seinem Buch Les crématoires d'Auschwitz. La machinerie du meurtre de masse, das im Jahre 1993 erschien[7] und von dem er mir ein Exemplar mit Widmung zustellte. Vermutlich wähnte er, mit diesem Buch die Existenz der Gaskammern von Auschwitz endgültig nachgewiesen zu haben, und meine gnadenlose Antwort darauf, Auschwitz. Fine di una leggenda,[8] von dem ich ihm noch vor seinem Erscheinen Anfang März 1994 eine Kopie zustellte - das Buch erschien später als Bestandteil des Sammelbandes Auschwitz: Nackte Fakten[9] auch auf deutsch - war aller Wahrscheinlichkeit nach der Grund für die nun einsetzende jähe Verschlechterung unserer Beziehungen. Pressac antwortete nicht auf meine Kritik, weder öffentlich noch privat. In einem Interview, das er der Journalistin Valérie Igounet am 15. Juni 1995 gewährte (und dessen Text er nachträglich abänderte), fällte er ein ebenso bitteres wie ungerechtes Urteil über mich:[10]

»Ich habe Carlo Mattogno mehrmals getroffen. Unsere Diskussionen waren interessant und lehrreich. Ich habe jeglichen Dialog mit ihm abgebrochen, nachdem ich bemerkte, daß er, anstatt die von mir publizierten, unbestreitbaren, da von den Ingenieuren der Firma Topf erstellten Dokumente zur Kenntnis zu nehmen, zu unehrlichen Argumenten Zuflucht genommen hatte, um sie in Abrede zu stellen.«

Hätte ich mich tatsächlich hinter »unehrlichen Argumenten« verschanzt, so wäre es für Pressac ein wahres Kinderspiel gewesen, diese öffentlich zu zerpflücken. Doch war ich - und bin es immer noch - vollkommen davon überzeugt, eine technische Kritik verfaßt zu haben, welche sämtliche wesentlichen von Pressac ins Feld geführten Argumente objektiv untersuchte und auf dem objektiven Feld der Technik widerlegte. Beispielsweise legte ich dar, daß die angeblichen Gaskammern in den Krematorien II und III von Birkenau mit einem Lüftungssystem ausgestattet waren, das eine mit jener der normalen Leichenkammern praktisch identischen Anzahl von Luftumwälzungen gewährleistete, und - was die Sache endgültig klärte - daß die Anzahl Luftumwälzungen bei der Ventilation des angeblichen Auskleidekellers größer war als jene bei der Ventilation der vermeintlichen Gaskammer. Ferner wies ich nach, daß die berühmten »Gasprüfer« nichts anderes waren als ganz normale Instrumente zur Messung von Verbrennungsgasen, und daß der Apparat zur Messung von Blausäurerückständen in Wirklichkeit »Gasrestnachweisgerät für Zyklon« hieß.

Alle von mir dargelegten Argumente fußten - von der technischen Literatur abgesehen - auf eben jenen Dokumenten der Firma Topf, die Pressac als »unbestreitbar« bezeichnet hatte, doch was er für »unbestreitbar« hielt, war schlicht und einfach seine Deutung dieser Urkunden. Angesichts einer so wohlfundierten und wohldokumentierten Kritik wie der meinen ließ sich Pressacs Verbitterung also verstehen, wenn auch nicht rechtfertigen.

Zu seiner Verbitterung mag auch die Tatsache beigetragen haben, daß sein zweites Buch in noch höherem Grad als sein erstes das offizielle Auschwitz-Bild bis in die Grundfesten erschütterte und die Gralshüter des Holocaust sich nun gegen Pressac zu wenden begannen. Nachdem der anfängliche Jubel, der das Erscheinen des Buches begleitet hatte, verklungen war, wurde Pressac in Acht und Bann getan. Er war für die Wächter der Holocaust-Orthodoxie zu einer leeren Goldgrube geworden und galt ihnen mehr und mehr als rebellischer und unkontrollierbarer Goy, welcher der offiziellen Geschichtsschreibung mit jeder seiner Publikationen neue Schläge versetzte. Ein italienischer Shoa-Pharisäer hat ihm das Etikett »Reduktionist« verpaßt, das fatal an den Ausdruck »Negationist« erinnert, mit welchem die dümmsten unter den Polemikern jeden revisionistischen Forscher schmähen. Somit wurde Pressac in eine Art Fegefeuer der Geschichtsschreiber verbannt, das in der Mitte zwischen der revisionistischen Hölle und dem Holocaust-Paradies liegt.

Aus diesem Grund wurde die eben noch von Pressac besetzte Position des "weltweit führenden Auschwitz-Fachmanns" nun von einem vertrauenswürdigen Yehudi eingenommen, der die - von revisionistischen Abfallprodukten gereinigten - Thesen Pressacs in eine neue, unveränderliche und definitive Vision von Auschwitz einbetten sollte.

Der aufsteigende Stern am Holocaust-Firmament war Robert Jan van Pelt, ein Gelehrter, der Pressac sowohl intellektuell als auch in bezug auf kritischen Geist klar unterlegen ist, jedoch die notwendigen Voraussetzungen für die ihm zugedachte Rolle mitbrachte. Ich kann mich erinnern, mit welcher Enttäuschung, ja Verärgerung ich das von ihm und Deborah Dwork verfaßte Buch Auschwitz 1270 to the Present gelesen habe.[11] Van Pelt besaß die Unverfrorenheit, die zentralen Argumente Pressacs aufzugreifen, als seien sie ihm selbst eingefallen, sowie bereits von Pressac publizierte Pläne abzulichten, als habe er sie selbst entdeckt, Pressac jedoch auf 403 Seiten nur ein einziges Mal (auf S. 304) zu erwähnen, und dies erst noch in praktisch bedeutungslosem Zusammenhang!

In dem 1994 erschienenen, von Y. Gutman und M. Berenbaum herausgegebenen Sammelband Anatomy of the Auschwitz Death Camp[12] befand sich ein Artikel mit dem Titel »The Machinery of Mass Murder at Auschwitz«, als dessen Verfasser Pressac und van Pelt genannt wurden, obgleich es sich im wesentlich bloß um eine Zusammenfassung von Les crématoires d'Auschwitz handelte. Worin der Beitrag van Pelts bestand und warum sich Pressac mit diesem Vorgehen einverstanden erklärt hat, ist für mich stets ein Rätsel gewesen.

Der positivste Aspekt der Persönlichkeit Pressacs war sicherlich seine Liebe zur Forschung. Diese Liebe war durch und durch echt und bewog ihn dazu, neue Dokumente zu erwerben und neue Entdeckungen zu machen, zuletzt in den Archiven der Firma Topf in Erfurt.

Der Pressac der achtziger Jahre war kritisch und bereit zu einer Debatte mit Andersdenkenden. Diese Bereitschaft fand ihren klarsten Ausdruck in Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers. Sein zweites, nur vier Jahre später erschienenes Buch zeigte hingegen einen verkrampften und dogmatischen Pressac, von dessen kritischem Geist nur wenig übrig geblieben war und der mit den Dokumenten weit sorgloser umging als der Pressac von 1989. In der Einleitung zu Auschwitz: Das Ende einer Legende schrieb ich denn auch:[13]

»Tatsächlich jedoch bemerkt man in diesem Werk [im Vergleich zum vorherigen] eine beunruhigende Entwicklung in der umgekehrten Richtung. J.-C. Pressac kehrt zu den ärgsten Klischees der traditionellen, exterminationistischen Geschichtsschreibung in ihrer schlimmsten Form zurück.«

Der Verfasser war von einer kritischen Geschichte des Lagers Auschwitz zu einer romanhaften Geschichte übergegangen.

Pressacs schwerwiegendster Fehler war meiner Ansicht nach, daß er die Struktur und Funktion der Krematoriumsöfen im allgemeinen sowie der von der Firma Topf in Auschwitz-Birkenau erstellten im besonderen nie ernsthaft studiert hat. Dieser Umstand hat seinen Forschungen stets ungeheure Fesseln angelegt und sein Urteil über Zeugenaussagen und Dokumente wie ein Zerrspiegel beeinträchtigt. Ich erinnere mich, wie schwer es mir bei ihm zu Hause gefallen ist, ihn davon zu überzeugen, daß bei koksbeheizten Öfen die Verbrennung der Leiche nicht etwa direkt durch die vom Brennstoff ausgehende Flamme erfolgt, sondern durch das Gas (hauptsächlich Luftgas), welches durch die Vergasung des Koks im Gasgenerator erzeugt wird. Hätte sich Pressac die nötigen Kenntnisse über die Verbrennungsöfen von Auschwitz-Birkenau angeeignet, so wäre seine Deutung der Dokumente und seine Beurteilung der Zeugenaussagen vollkommen anders ausgefallen.

Die Rolle, die Pressac in der Geschichtsschreibung über das Lager Auschwitz spielt, ist wohlbekannt, und ich sehe keinen Anlaß, hier nochmals ausführlich darauf einzugehen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, wird man aber darauf hinweisen müssen, daß der zentrale Aspekt seiner Forschung (die sogenannten "kriminellen Indizien", die seiner Ansicht nach für die Existenz der Menschentötungsgaskammern von Auschwitz sprechen) im wesentlichen noch auf den Roman Dawidowski zurückgeht, der in einer am 26. September 1946 abgeschlossenen Expertise für den Höß-Prozeß viele dieser "Indizien" angeführt und auch etliche später von Pressac abgelichtete Dokumente zitiert hat.

Doch hat Pressac auch auf die revisionistischen Forscher einen gewissen Einfluß ausgeübt.

Was mich persönlich betrifft, so hat mich Pressac dazu angeregt, den Horizont meiner Studien zu erweitern, der zum Zeitpunkt unserer persönlichen Begegnung noch verhältnismäßig eng war. Er hat in mir die Liebe für die Forschungsarbeit im Archiv erweckt und erwies sich auf diesem Gebiet als Wegbereiter. Mein erster Besuch im Archiv des Auschwitz-Museums fand im Sommer 1990 statt, nach meinem zweiten Treffen mit Pressac, und sein mit einer Widmung versehenes Buch hat mir dort manche Tür geöffnet.

1995, als ich zusammen mit Jürgen Graf und Russell Granata zum ersten Mal nach Moskau fuhr, wandelte ich noch auf den Spuren Pressacs, doch dann begannen Graf und ich bei den Forschungen die Initiative zu übernehmen. Wir haben viele Archive aufgesucht, die Pressac niemals betreten hat: in Rußland, Polen, Litauen, der Tschechei, der Slowakei, in Ungarn, Weißrußland, der Ukraine und Holland, und dabei eine Fülle ihm unbekannter Dokumente aufgestöbert.

Die offizielle Auschwitz-Geschichtsschreibung verdankt Pressac viele belebende Impulse, die sie eine Zeitlang zumindest notdürftig über Wasser gehalten haben, die sie nun aber nicht mehr von jener Fossilierung und inneren Zerbröckelung bewahren können, zu der sie der stumpfsinnige Dogmatismus ihrer Bannerträger verurteilt hat. 


Anmerkungen

[1]»Comment on falsifie l'histoire. Reponse à Jean-Amrie Braitenberg«, AHR, 3 (Herbst/Winter 1987), S. 89-95; 96-101; »Auschwitz: Un cas de plagiat«, »Auschwitz : Deux faux témoignages«, AHR, 5 (Sommer-Herbst 1988), S. 119-140, 141-165.
[2]»Fred A. Leuchter. Rapport technique«, AHR 5(1988), S. 51-102.
[3]Le Monde Juif, Nr. 107.
[4]Gallimard-Seuil 1985.
[5]L'album d'Auschwitz, Seuil, 1983.
[6]Beate-Klarsfeld-Foundation, New York 1989.
[7]CNRS, Paris. Dt.: Die Krematorien von Auschwitz, Piper, München 1994.
[8]Edizione di Ar, Padua 1994.
[9]Herbert Verbeke (Hg.), Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1995.
[10]V. Igounet, Histoire du négationnisme en France, Seuil 2000, S. 645f.
[11]W. W. Norton & Company, New York-London 1996.
[12]Indiana University Press, Bloomington 1994.
[13]H. Verbeke, aaO. (Anm. 9), S. 102.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(3&4) (2003), S. 412-415.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis