Mobiltelefon-Experimente in Linienflugzeugen

Von Germar Rudolf

Zumal das im obigen Beitrag diskutierte Thema von äußerster Wichtigkeit ist, entschied ich mich, meine eigenen Experimente durchzuführen, während ich von Chicago, IL, nach Burlington, VT, flog zu einer Familienfeier eines Freundes.

Telefone

– Audiovox CDM 9000 mit Verizon Wireless Netzwerk.
– Nokia 8260 mit Cingular Wireless Netzwerk.

Reisedaten

1. Flug: Flugzeug: Airbus A320. United Airlines Flug 568. Start von Chicago O’Hare am Freitag, 18. Juli 2003, angesetzt für 18:05 Zentraler Sommerzeit. Wetter: sonnig, nur wenige Wolken sowohl bei Start als auch bei Landung in Burlington, VT, um 20:54 Ostzonen-Sommerzeit.

2. Flug: Flugzeug: Airbus A319. United Airlines Flug 397. Start von Burlington, VT, am Sonntag, 20. Juli 2003, um 17:40 Ostzonen-Sommerzeit. Wetter: sonnig, nur wenige Wolken sowohl bei Start als auch bei Landung. Ankunft in Chicago O’Hare um 19:00 Zentraler Sommerzeit.

Experimente

Beim Abflug wurde nur das Audiovox Telefon benutzt. Während das Flugzeug noch auf der Startbahn beschleunigte (18:23), wählte ich meine Nachrichtbox an und erhielt unmittelbar eine klare Verbindung gerade als das Flugzeug abhob. Ich legte sofort auf und wählte erneut (18:24). Während das Flugzeug schnell aufstieg, erhielt ich erneut schnell eine klare Verbindung, jedoch nach der Eingabe meiner PIN-Nummer zum Zugriff auf meine Nachrichtenbox ging die Verbindung verloren, und jeder Versuch, eine Verbindung herzustellen, schlug anschließend fehl. Nach einer weiteren Minute beschwerte sich das Telefon mit einem lauten Alarmton darüber, daß kein Signal mehr vorhanden sei. Nach der später erteilten Auskunft der Piloten erreichte das Flugzeug innerhalb von fünf Minuten eine Flughöhe von 15.000 Fuß über Grund (4.575 m) innerhalb von fünf Minuten.

Während des gesamten Fluges auf einer Reisehöhe von 37.000 Fuß (11.285 m) gab es nie ein Signal. Sobald das Flugzeug in den Sinkflug Richtung Burlington überging, wurden beide Telefone wieder eingeschaltet in dem Versuch, ein Signal zu erhalten. Sobald die Telefone ihre Suche nach einem Signal aufgaben, jeweils signalisiert durch einen lauten Alarmton, wurden sie umgehend aus und wieder eingeschaltet, wodurch sie ständig gezwungen wurden, erneut nach einem Signal zu suchen. Einige Minuten, bevor der Pilot um 20:49 Ostzonen-Sommerzeit das Fahrwerk zur Landung ausfuhr, zeigten beide Telefone an, daß sie nun ein Signal hätten, allerdings scheiterte jeder ununterbrochen durchgeführte Versuch beider Telefone, die Nachrichtenbox anzurufen. Um 20:51(20:49 acc. to bill), zwei Minuten, nachdem das Fahrwerk ausgefahren worden war, konnte erstmals eine klare und stabile Verbindung zur Nachrichtenbox durch beide Telefone hergestellt werden. Diese Verbindung konnte ab da zu jeder Zeit bis zur Landung um 20:54 unmittelbar wieder hergestellt werden. Um ihre Hilfe gebeten, erklärten die Piloten, daß sie das Fahrwerk bei einer Flughöhe von 2.000 Fuß über Grund (610 m) bei einer Geschwindigkeit von etwa 200 Knoten (371 km/h) ausgefahren hätten.

Da für den Zeitpunkt des Abbruchs der Verbindung beim Start keine exakte Informationen über Flughöhe und -geschwindigkeit in Erfahrung zu bringen waren – noch nicht einmal der exakte Zeitpunkt des Abbruchs der Verbindung ist bekannt – wurden bei dem zweiten Experiment beim Abflug von Burlington keine Versuche beim Start durchgeführt.

Beim Anflug auf Chicago konnte das Nokia/Cingular Telefon bis zum Zeitpunkt unmittelbar nach der Landung kein Signal registrieren. Das Audiovox/Verizon Telefon registrierte ein Signal zu dem Zeitpunkt, als sich das Flugzeug von Osten kommend gerade über dem Michigan See befand auf einer geschätzten Flughöhe von etwa 6.000 Fuß (1.830 m). Es konnte allerdings keine Verbindung aufgebaut werden. Das Signal wurde wieder verloren, als wir uns der Mitte des Sees näherten, und wurde wiedergefunden bei der Annäherung an die Westküste des Sees. Ununterbrochene Versuche zum Aufbau einer Verbindung schlugen ausnahmslos fehl bis zum Zeitpunkt von etwa einer Minute, nachdem der Pilot das Fahrwerk etwa 10-13 km westlich der Westküste des Michigan Sees um 18:56 Zentraler Sommerzeit ausgefahren hatte. Die erste erfolgreiche Verbindung erfolgte um 18:57(18:57). Die zweite konnte unmittelbar danach hergestellt werden und blieb bis zur Landung um 19:00 bestehen. Nach Angaben des Piloten muß das Fahrwerk spätestens in einer Höhe von 1.500 Fuß über Grund (457,5 m) ausgefahren werden. Er konnte sich nicht genau daran erinnern, wann er das Fahrwerk in diesem Fall ausfuhr, aber er meinte, dies sei gut vor dieser Marke erfolgt, wahrscheinlich in etwa 2.200 bis 2.500 Fuß Höhe (671-762,5 m) bei einer Geschwindigkeit von etwa 200 Knoten (371 km/h).

Während der Nokia-Benutzer in beiden Fällen eine Sitzreihe entfernt vom Fenster saß, saß der Audiovox-Benutzer zwei Sitzreihen entfernt vom Fenster während des ersten Fluges und unmittelbar am Fenster während des Anflugs auf Chicago. Tatsächlich wurde das Telefon im zweiten Fall nur etwa 10 cm vom Fenster entfernt gehalten, um den bestmöglichen Empfang zu gewährleisten.

Schlußfolgerungen

Burlington, VT, liegt in einer eher ländlichen Gegend, während Chicago, die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, eines der best-entwickelten Mobiltelefon-Netzwerke hat. Dessen ungeachtet waren die Ergebnisse in beiden Fällen ähnlich für das Verizon Wireless Netzwerk, das von sich selbst behauptet, daß bestentwickelte Netzwerk der USA zu sein. Es ist nicht klar, warum das zweite Telefon beim Anflug auf Chicago nicht in der Lage war, ein Signal zu lokalisieren.

Mobiltelefone in Linienflugzeugen können ein Signal bis zu einer Reisehöhe von etwa 6.000 Fuß (1830 m) empfangen, aber es ist nicht möglich, eine Verbindung herzustellen, zumindest nicht während der üblichen Reisegeschwindigkeit normaler Linienflugzeuge (800-880 km/h). Da – wenn überhaupt – erst dann eine Verbindung hergestellt werden konnte, nachdem der Pilot das Fahrwerk bei einer Flughöhe von etwa 610 Metern und einer Geschwindigkeit von 370 km/h oder weniger ausgefahren hatte, scheint die Schlußfolgerung gerechtfertigt zu sein, daß es im Sommer 2003 unmöglich war, eine Verbindung mit einem Mobiltelefon von einem in den USA fliegenden Linienflugzeug herzustellen, das in einer Höhe von über 610 m über Grund und mit einer Geschwindigkeit von 370 km/h oder schneller flog. Wenn man den schnellen Abstieg des Flugzeugs in Betracht zieht sowie die Tatsache, daß es beim Annähern an die Landebahn immer langsamer wird, so kann die tatsächliche Höhe, bei der eine Verbindung zustande kam, auch nur etwa 500 m und die Geschwindigkeit lediglich 320 km/h betragen haben.

Der Grund, warum eine Verbindung erst ab etwa 500 m zustande kam trotz der Tatsache, daß ein Signal ab etwa 2.000 m zur Verfügung stand, wird der sein, daß die Geschwindigkeit des Flugzeugs in größeren Höhen einfach zu hoch ist. Es kann daher mit Sicherheit geschlossen werden, daß es einer Geschwindigkeit von gut unter 370 km/h bedarf, um eine stabile Verbindung zum Bodennetzwerk aufzubauen. Dies ist allerdings eine Geschwindigkeit, die ein modernes Passagierflugzeug nur während des Landeanflugs erreichen kann, mit ausgefahrenem Fahrwerk und den Brems- und Landeklappen voll ausgefahren.

Man stimmt allgemein darüber ein, daß alle der am 11. September abgestürzten Flugzeuge mit voller Reisegeschwindigkeit von 800 km/h und mehr bis zu ihrem Absturz/Einschlag flogen. Es kann daher mit Sicherheit geschlußfolgert werden, daß unter solchen Umständen kein Mobiltelefon, welcher Art auch immer, eine stabile Verbindung zu welchem Netzwerk auch immer hätte aufbauen können, unabhängig davon, in welcher Höhe das betrachtete Flugzeug flog. Dies trifft insbesondere auf United Airlines Flug Nr. 93 zu, der nicht nur mit unvermindert hoher Geschwindigkeit flog, sondern zudem zu der Zeit, als die angeblichen Mobiltelefonanrufe getätigt wurden, auch in einer relativ hohen Flughöhe.

Aufruf an alle Leser

Jeder, der seine eigenen Erkenntnisse zu diesem Problem beitragen möchte, indem er die Fähigkeit seines Mobiltelefons testet, von Linienflugzeugen aus während des Landeanfluges Telefonanrufe zu machen, sei dazu herzlich aufgerufen. Wir werden die entsprechenden Ergebnisse je nach Wunsch entweder mit vollem Namen des Experimentierers oder unter Wahrung der Anonymität veröffentlichen. Bitte geben Sie folgende Daten an:

  1. Telefonmarke, benutztes Netzwerk;
  2. Flugzeugtyp, Fluglinie, Flugnummer, Datum und Zeit des Abflugs (planmäßig) und der Ankunft (tatsächlich);
  3. Wetterbedingungen bei der Landung;
  4. Exakte Zeiten, wann Sie was machten und wann Sie erfolgreich eine Verbindung herstellen konnten, und da der Zeitpunkt des Ausfahrens des Fahrwerks ein guter Bezugspunkt ist, notieren Sie sich dies bitte auch, und fragen Sie den Piloten während Sie von Bord gehen, bei welcher Höher er das Fahrwerk ausfuhr.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(3&4) (2003), S. 275-277.


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