Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Teil 5

Von Germar Rudolf

Lügnerisches Allerlei

Filip Müller ist wohl einer der am besten bekannten Zeugen, die ausgiebig über Massenvernichtungen im Lager Birkenau berichtet haben.[1] Zusammen mit zwei anderen Zeugen wurde Müller von Hermann Langbein vom Internationalen Auschwitz-Komitee aufgetrieben und seine Aussage der Staatsanwaltschaft Stuttgart am 19.2.59 zugeleitet. Dort liest man:

»In den Jahren 1943/1944 wurde mit[sic] die Arbeit in den Krematorien in Birkenau als Heizer aufgezwungen. [...]

Ich habe beobachtet, dass Boger oft in den Krematorien anwesend war. Er kam meist mit dem Fahrrad angefahren, wenn die Exekutionen kleinerer politischer Häftlinge[sic. gemeint wohl: Häftlingsgruppen] in dem Hinrichtungsraum des Krematoriums II und III vorbereitet wurden.

Boger übermittelte dem Kommandanten der Krematorien verschiedene Akten und Listen der zum Tode verurteilten Häftlinge. Er hat mit ihm die Art der Hinrichtung besprochen und selbst organisiert.

Kurz nach Bogers Erscheinen im Krematorium kam ein geschlossenes Polizeiauto mit den zum Tode verurteilten Häftlingen angefahren. Boger verlas aus der Exekutionsliste deren Namen und führte die Häftlinge der Exekution durch Erschießen oder durch Injektionen zu. Es waren meistens Gruppen von 10-30 Häftlingen, darunter sehr oft auch Frauen. Boger bestätigte in der Liste die Vollendung der Exekutionen. Ich schätze, dass in den Jahren 1943/1944 Boger ungefähr 40 Mal solchen Exekutionen der Häftlinge in den Krematorien von Birkenau aussistiert[sic] hat. Boger hat auch die Häftlinge misshandelt.« (S. 496[2])

Müllers Aussage ist nicht nur erstaunlich kurz, sondern zudem völlig auf das begrenzt, was er über Boger zu wissen vorgibt. Er muß also von Hermann Langbein instruiert worden sein, worüber er auszusagen hat, denn wenn man Müllers damalige Aussage mit dem vergleicht, was er während des Prozesses aussagte und was er in seinem 1979 erschienenen Buch niederschrieb, so ergibt sich, daß Boger in den letzten beiden Fällen praktisch keine Rolle spielt, während die Greuel, die er ansonsten erlebt haben will, in dieser ersten Aussage überhaupt nicht auftauchen. Auch die Wortwahl Müllers in dieser Aussage ist merkwürdig, denn abgesehen von den behaupteten und immer als solche bezeichneten Gaskammern gab es gar keinen »Hinrichtungsraum« in den Krematorien, schon gar nicht einen solchen, in dem regelmäßig Erschießungen stattfanden.[3]

Die mit gleicher Post von Langbein eingereichte Aussage eines Jozef Piwko ist da schon besser auf die allgemeinen Greuelgeschichten ausgerichtet, in deren Mittelpunkt er Boger gesehen haben will: Zuerst bei der gewaltsamen Räumung des Zigeunerlagers - Boger soll die Zigeuner höchstpersönlich mit einigen SS-Männern in die Gaskammern getrieben haben - und dann bei der wenig später erfolgten Räumung des Tschechenlagers, in dem Piwo selbst inhaftiert war:

»Eines Tages kam plötzlich Boger mit SS-Männern ins Lager hereingefallen und es vollzog sich genau dasselbe, als wie früher im Zigeunerlager, nur mit grösserem Ausmass.«

Da Piwko selbst in diesem Lager war, stellt sich freilich die Frage, wie er dieser Ausrottung des Tschechenlagers entging. Aber da weiß der Zeuge Rat:

»Auf[sic] mich haben sie wahrscheinlich vergessen. Als ich am Abend zum Appell zurückgekommen bin, haben sie mich gefragt, wo ich den[sic] gewesen bin. Ich sagte, dass ich krank geworden bin und alles verschlafen hätte.« (S. 498)

Sie haben ihn vergessen? Doch zu welchem Appell will er gekommen sein, wenn doch alle anderen in seinem Lagerteil umgebracht worden waren? Und wie kann er von einem Ereignis berichten, das er verschlafen hat? Und warum werden gerade Kranke und Arbeitsunfähige von der Ausrottung verschont?

Karl Seefeld ist ein weiterer Zeuge, der sich mit seiner eigenen Aussage der Lüge überführt. Der letzte Satz im vorletzten Absatz seiner am 17.2.1959 in Ludwigsburg ablegten Aussage lautet wie folgt:

»Mindestens zweimal habe ich gesehen, wie Boger das Gas für die Duschräume, in denen Häftlinge vergast wurden, eingestellt hat und einströmen ließ.« (S. 499R)

Nur Pech, daß nach herkömmlicher Auffassung das Giftgasprodukt Zyklon B verwendet worden sein soll - auf Gipskörnchen absorbierte Blausäure. Das von diesen Körnchen verdunstende Gas konnte man weder einstellen noch irgendwo einströmen lassen. Das Granulat soll durch Öffnungen eingeworfen worden sein.

Als nächstes finden wir einen handschriftlichen Brief Richard Böcks, über dessen Geschichten ich bereits zuvor ausführlich berichtete.[4] Die hier zu findenden Anmerkungen Böcks bestechen vor allem durch die von ihm gewählten Namen der Darsteller: Rosa aus Rosenheim, die von einem SS-Mann geschwängert worden war, wird von diesem erschossen, als sie ihn eines Morgens freudig begrüßen will (501aR), und die Häftlinge Rudi und Ludi, die ihre Flucht geplant hatten, wurden deswegen aufgehängt (501b). Rosa aus Rosenheim, und Rudi und Ludi. Böcks Namensgebungs-Phantasie war nicht die beste.

Der nette Herr Boger

Die damals in Krakau ansässige Maryla Rosenthal wurde 1942 verhaftet und ins Lager Birkenau eingewiesen.[5] Aufgrund ihrer deutsch-polnischen Zweisprachigkeit meldete sie sich freiwillig als Dolmetscherin und diente in der politischen Abteilung als Sekretärin und Dolmetscherin zunächst für den SS-Mann Kamphues, »der zu uns gut war« und dann ab Anfang 1943 bis zur Räumung des Lagers im Januar 1945 für Boger selbst. Sie übersetzte für ihn die Aussagen polnischer Häftlinge, die zu Boger zum Verhör gebracht wurden, sowie alle möglichen Schreibarbeiten.

»Auch seine [Bogers] Vernehmungen, welche er in meinem Beisein durchführte, wurden von mir in die Maschine geschrieben.«

Bei Räumung des Lagers wurde sie in westliche Lager verlegt, über deren katastrophale Bedingungen sie wahrheitsgemäß berichtet, diese seien die Folge von Überbelegung und kriegsbedingter Mangelversorgung gewesen. Später wanderte sie nach Israel aus, kam jedoch 1957 mit ihrem Mann nach Deutschland zurück und lebte seither in Berlin.

Hier haben wir unzweifelhaft die bestmögliche Zeugin über die Aktivitäten von Wilhelm Boger. Frau Rosenthal schreibt:

»Boger war zu mir nett und kann mich über ihn was meine Person betrifft nicht beschweren. Er ging sogar soweit, daß er mir ziemlich regelmäßig Teile seines ihm zugeteilten Essens im Kochgeschirr zukommen ließ, unter dem Vorwand, ich solle es reinigen. Außerdem besorgte er für mich Garderobe vom Lager Birkenau.«

Doch um dem Eindruck Vorschub zu leisten, dies sei eine normale Verhaltensweise gewesen, schob sie gleich nach:

»Diese Dinge habe ich noch gut in Erinnerung und es war für Boger die Gefahr mit verbunden, daß er sich einer Bestrafung aussetzt, wenn er dabei entdeckt worden wäre.«

Fragt sich nur, wer ihn wohl dafür bestraft hätte - etwa der gefürchtete Gestapo-Beamte Boger? Frau Rosenthal fährt fort:

»Er war auch zu den anderen jüdischen weiblichen Häftlingen, welche in der politischen Abteilung beschäftigt wurden, sehr nett und wir Jüdinnen hatten ihn sehr gut leiden können. Ich erinnere mich auch noch, daß Boger keinen ausgesprochenen Hass gegen Juden hatte. [...] Zusammenfassend kann ich also beim besten Willen nichts Schlechtes über Boger hinsichtlich meiner Person und der anderen weiblichen Häftlinge in der politischen Abteilung sagen.«

Bezüglich Ereignissen, die sich nicht in ihrer unmittelbaren Umgebung abspielten, sollte sie zumindest insoweit Kenntnisse haben, als sie immerhin Bogers Sekretärin war und wohl mit einem Großteil von Bogers Schriftverkehr vertraut war. In dieser Hinsicht führt sie aus:

»Über Erschießungen von Häftlingen durch Angehörige der politischen Abteilung, auch Broad gehörte der politischen Abteilung an, kann ich persönlich aus eigenem Augenschein nichts sagen. Ich hörte wohl, daß Exekutionen an Häftlingen vorgenommen wurden. In wie weit hierbei die Angehörigen der politischen Abteilung beteiligt waren, habe ich nie erfahren.«

Darauf hingewiesen, daß sie kaum etwas "relevantes" aussagen könne - als ob all ihre entlastenden Aussagen irrelevant wären -, fallen ihr dann doch einige Klischees ein, die sie jedoch ihren eigenen gegensätzlichen Beobachtungen gegenüberstellt:

»Obwohl ich persönlich über Boger nur Gutes sagen kann, war er im Lager bei den Häftlingen [außer denen, die mit ihm arbeiteten, versteht sich] sehr gefürchtet. Er und Lachmann waren die gefürchtetsten Männer im Lager. Erwähnen möchte ich noch, daß mir Boger einmal andeutete, daß seine Frau früher bei Juden gearbeitet habe und er mit den Juden immer gut ausgekommen sei.«

Sie berichtet, wie andere Frauen in der politischen Abteilung auf dem Klo getratscht und den letzten Lagerklatsch ausgetauscht hätten, daß sie sich allerdings von solchem Tratsch ferngehalten habe. Den Inhalt dieses Tratsches kennt sie gleichwohl:

»Unter uns Häftlingen wurde gesprochen, daß wenn Boger ins Männerlager kam, es dort regelmäßig zu Massakern komme. Genaues habe ich hierüber nie erfahren. Auch mir gegenüber hat sich Boger hierüber nicht ausgelassen. Irgendwelche Gemütserregungen stellte ich bei Boger nie fest. Ich kann daher auch beim besten Willen nichts sagen, wann und wo Boger Häftlinge erschossen hat. Außer seiner Dienstpistole, die Boger am Koppel trug, sah ich nie eine andere Waffe bei ihm. Irgendein Gewehr oder Maschinenpistole habe ich im Büro nicht gesehen. Auch konnte ich nicht feststellen, daß eine Uniform Flecken aufwies, welche etwa auf Erschießungen hingewiesen hätten.«

Über die berüchtigte Bogerschaukel, auf der Boger Häftlinge zum sprechen gebracht haben soll, weiß Frau Rosenthal nicht viel zu berichten. Sie bestätigt, daß der Begriff "Schaukel" damals benutzt wurden, nicht jedoch "Boger-Schaukel". Boger habe das Gerät "Sprechmaschine" genannt. Diese Maschine habe sie nie gesehen, da sie sich nicht in Bogers Büro befand, sondern womöglich in einer Baracke außerhalb des Bürogebäudes. Frau Rosenthal berichtet lediglich von drei Fällen, wo ihr erinnerlich ist, daß Häftlinge nach einer Folter zu ihr zur Aufnahme weiterer Vernehmungen ins Büro gebracht wurden. In einem Fall erinnert sie sich, daß sie angesichts des übel zugerichteten Häftlings aufgeschrien habe, daß Boger sie aber ermahnt habe:

»daß ich die persönlichen Gefühle hier ausschalten müßte, und er vom Reichssicherheitshauptamt beauftragt sei, zu seinem Ziel zu kommen, ganz gleich welche Methoden er dabei anwende. Ich hatte das Empfinden, daß Boger mir gegenüber sich entschuldigen wollte.«

Schreie gefolterter Häftlinge hingegen will sie des öfteren vernommen haben. Zumal Frau Rosenthal als Bogers Sekretärin diejenige ist, die am besten über den Umfang derartiger Mißhandlungen Bescheid wissen müßte, scheint es, daß die "Bogerschaukel" so häufig nicht angewendet wurde.

Frau Rosenthals Aussage bezüglich der Autorisierung von Häftlings-Erschießungen ist deutlich und in Übereinstimmung mit dem, was aus damaligen Dokumenten hervorgeht:

»Ich werde gefragt, ob ich wisse, daß Boger selbständig Erschießungen von Häftlingen durchführte und anordnete. Ob er Erschießungen durchführte, kann ich nicht mit Gewißheit sagen. Hinsichtlich der Anordnung von Erschießungen bin ich auf Grund meiner damaligen Feststellungen noch der Meinung, daß auch Boger und die anderen SS-Männer der politischen Abteilung nicht selbständig Erschießungen anordnen konnten. Ich glaube es war so, daß die Erschießungen vom Reichssicherheitshauptamt angeordnet wurden.«

Nur an einer Stelle berichtet Frau Rosenthal über die sonst üblicherweise verbreiteten Greuelgeschichten: zu Anfang ihrer Tätigkeit im Jahr 1942 war sie damit beauftragt, so ihr Original-Ton, »die Todesfälle im Lager, welche durch natürlichen Tod bzw. in weit höherem Maße durch Vergasungen entstanden, zu registrieren.« Da die Toten von den Massenvergasungen aber eben laut offizieller Geschichtsschreibung nirgends registriert wurden, kann dies nicht stimmen. Somit fällt der einzige Aspekt von Frau Rosenthals Aussage, der die Massenmordbehauptungen zu stützen scheint, in sich zusammen.

Man kann sich vorstellen, daß eine derart massive entlastende Aussage bei der Staatsanwaltschaft nicht gerade auf Begeisterung stieß. Noch weniger begeistert dürften allerdings die einflußreichen Häftlingsorganisationen sowie bestimmte jüdische Lobbygruppen gewesen sein, wenn sie Frau Rosenthals Aussage in aller Öffentlichkeit vernommen hätten. Und tatsächlich: In einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft Stuttgart bat der Siegfried Rosenthal, Marylas Ehemann, davon abzusehen, seine kränkelnde Frau als Zeugin im laufenden Verfahren zu verwenden, um so mehr, als der vernehmende Beamte Weida bereits erklärt habe, daß seine »Frau nach Lage der Dinge nicht als eine wichtige Belastungszeugin angesehen werden kann.« Dies weist wieder einmal darauf hin, daß die Staatsanwaltschaft entgegen dem Wortlaut deutscher Gesetze nur nach Belastungszeugen suchte. Herr Rosenthal führte auch aus, daß ihm versichert worden sei, der Name seiner Frau werde in keiner Weise an die Öffentlichkeit gelangen. Als Grund gibt er an, er fürchte »Verunglimpfungen seitens der zweifellos noch bestehenden SS Organisation« sowie Nachteile für seinen Betrieb für den Fall, daß seine Frau in der Sensationspresse erscheine (S. 516f.). Tatsache ist, daß es damals keine "SS Organisationen" mehr gab. Die einzigen Organisationen, die sich um das Schicksal ehemaliger SS-ler kümmerten, konnten lediglich unauffällig im Hintergrund und auf individueller Ebene wirken und nur sehr begrenzte rechtliche und finanzielle Hilfe leisten, niemals jedoch öffentlich wirksam werden. Die damals tatsächlich öffentlichkeitswirksamen Organisationen, Vereine ehemaliger Häftlinge (VVN, Auschwitz-Komitee) und jüdische Gruppen, die als Quelle möglicher Verunglimpfungen weitaus wahrscheinlicher waren und sind, kamen Herrn Rosenthal nicht in den Sinn - oder er wagte es nicht, darauf in seinem Schreiben anzuspielen.

Trotz Herrn Rosenthals Bitte wurde Frau Rosenthal ein zweites Mal vernommen, und sie erschien auch als Zeugin während des Hauptverfahrens. Während ihrer zweiten Vernehmung am 10.12.1959 durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt wurde Frau Rosenthal mit dem offensichtlichen Widerspruch ihrer entlastenden Aussage zu den belastenden Aussagen anderer Häftlinge konfrontiert. Sie versucht dies damit zu erklären, daß ihr Gedächtnis einfach nicht gut genug sei und daß ihr das, was sie damals in Auschwitz[6]

»erleben mußte, einfach zu viel war. Ich habe das, was ich dort gesehen und gehört habe, nicht fassen und nicht verarbeiten können. Dies mag mit ein Grund sein, dass ich heute nicht mehr in der Lage bin, besondere Einzelheiten, die mir damals vielleicht bekannt geworden sind, wiederzugeben. Ich bin jetzt in Frankfurt/Main mit ehemaligen Kolleginnen aus Auschwitz zusammengekommen und wir haben natürlich auch über die damalige Zeit gesprochen. Ich muss sagen, dass ich immer wieder darüber erstaunt war, was meine Kolleginnen noch an Einzelheiten bekannt ist. Ich kann mich, wie gesagt, nicht mehr daran erinnern. Ich möchte betonen, dass ich nicht das geringste Interesse daran habe, irgend jemand zu schützen Andererseits kann ich aber auch nicht sagen, was ich nicht weiß.«

Immer wieder gedrängt, warum sie sich nicht an Einzelheiten von Greueln und der Identität der Übeltäter erinnern könne, tischt sie die Geschichte auf, sie habe damals angesichts des Schreckens wie in Trance gelebt und sich geweigert, irgend etwas um sich herum zur Kenntnis zu nehmen.[7]

Die Anormalität von Frau Rosenthals Aussage - der einzigen massive entlastenden unter den Aussagen der ehemaligen Sekretärinnen der politischen Abteilung in Auschwitz - wird in der herkömmlichen Literatur allgemein anerkannt. Hinwegerklärt wird dies von den etablierten Holocaust-Historikern sowie auch vom Frankfurter Schwurgericht damit, daß Frau Rosenthal die schrecklichen Aspekte ihrer Erlebnisse völlig aus ihrem Bewußtsein ausgeklammert habe, es quasi ins Unterbewußtsein verdrängt habe, wie sie es ja selbst in ihrer zweiten Vernehmung erläuterte.[8]

Schauen wir aber einmal etwas näher hin. Frau Rosenthal war die erste der Sekretärinnen, ja die erste Frau überhaupt, die zum Thema aussagte. Während ihres ersten Verhörs kann sie sich an viele Details erinnern, wie der nette Herr Boger sie vorzüglichst behandelt hat. Durch die vernehmenden Beamten hört sie zum ersten Mal (bewußt) von den Greueln, bei denen sie doch zugegen gewesen sein muß. Die Beamten sind »taktvoll« und kompetent und wirken daher überzeugen auf die Zeugin. Die ihr vorgeworfenen Erinnerungslücken über die ihr dargelegten Greuel entschuldigt sie mit einem schlechten Gedächtnis und ihrer damaligen Weigerung, sich dem Tratschen der anderen Häftlinge anzuschließen.

Bevor sie ein zweites Mal verhört wird, trifft sie sich mit ihren damaligen »Kolleginnen«. Diese Wortwahl alleine zeigt schon, daß sie mit dem damaligen Geschehen in Auschwitz eher eine normale Angestelltentätigkeit verbindet als eine Sklavenarbeit in einem Vernichtungslager. Diese Kolleginnen (und womöglich andere "Überlebende") berichten ihr Greuelgeschichten, was sie überrascht, da sie sich daran gar nicht erinnern kann. Da diese Geschichten jedoch mit dem übereinstimmen, was die vernehmenden Beamten ihr erzählen und von ihr bestätigt sehen wollen, und da sie die einzige zu sein scheint, die eine andere Erinnerung hat, schließt sie messerscharf, daß ihr Gedächtnis falsch sein muß. Nach einer Erklärung suchend, liegt jene tatsächlich nahe, sie habe den Schrecken der Vergangenheit einfach nur ins Unterbewußtsein verdrängt. Sie bleibt allerdings standhaft bei ihrer Aussage, daß sie sich nicht erinnern kann.

Nebenbei bemerkt stellt sich die Frage, wie es kam, daß Frau Rosenthal vor ihrer zweiten Vernehmung mit mehreren ihrer damaligen Kolleginnen zusammentreffen konnte, um ihre Geschichten auszutauschen. Wer organisierte diese Zusammenkünfte? In der Literatur finden sich Hinweise, daß Häftlingsvereine derartige Zusammenkünfte organisierten mit dem oft kritisierten Effekt, dadurch Aussagen beeinflußt zu haben.[9]

Die etablierte These dessen, was mit Frau Rosenthals Erinnerungen - und wahrscheinlich mit denen vieler anderer Häftlinge - passiert sein soll, wird seit etwa 15 Jahren massiv als der "Mythos unterdrückter Erinnerungen" kritisiert. Obwohl der Zusammenhang ein anderer ist - die behauptete Unterdrückung angeblicher traumatischer Kindheitserinnerungen an sexuelle Mißhandlungen - so ist die Struktur jedoch die gleiche.

Ich habe selbst einmal eine Person gekannt, die Opfer von Gedächtnismanipulationen geworden war. Die Dynamik solcher Prozesse zu studieren ist sehr aufschlußreich:

Die Betroffene litt seit ihrer frühen Jugend an Magersucht. Ihre Eltern schickten sie daher in psychiatrische Behandlung. Leider geriet sie in die Hände eines Psychiaters, der gewissen Freudschen Theorien anhing, wonach die meisten psychischen Probleme auf sexuelle Probleme zurückzuführen seien. Besagter "Experte" redete der Patientin durch geschickte suggestive Fragetechniken ein, sie sei in ihrer Kindheit von Kollegen ihres Vaters und mit dessen Beihilfe sexuell mißhandelt worden. Das Ergebnis dieser psychiatrischen Behandlung war, daß die Patientin nun nicht nur magersüchtig war, sondern zudem ihren Eltern tief mißtraute und anfing, sich selbst zu verstümmeln; sie wurde für einige Jahre in ein Sanatorium eingewiesen; das Sorgerecht für ihre Kinder wurde ihr zeitweise genommen; einige andere Patienten dieses psychiatrischen "Experten" wurden ebenso "behandelt", eine davon beging daraufhin sogar Selbstmord.

Als ich von den angeblichen grausamen Kindheitserinnerungen erfuhr, wußte ich zunächst nicht, ob ich dem Glauben schenken sollte, oder ob die Behauptung der Eltern zutraf, daß dies alles eine üble Manipulation des Psychiaters sei. Nun hatte besagte Dame eine Zwillingsschwester, die meiner Bekannten zufolge die gleichen grausamen Ereignisse erlebt haben soll, allerdings wurde sie weder magersüchtig noch bedurfte sei je einer psychiatrischen Behandlung. Diese Zwillingsschwester konnte als neutrale Person das Rätsel lösen: Es handelte sich um einen klassischen Fall von "False Memory Syndrom", wie er von Elisabeth Loftus und anderen Experten wiederholt beschrieben worden war.[10] Nichts von dem, was meiner Bekannten von jenem inkompetenten Psychiater eingeredet worden war, entsprach der Wahrheit, aber ihre engste Familie konnte ihr das trotz 6-jährigen intensiven Bemühens nicht vermitteln.

Aufgrund meiner Kenntnisse über falsche, eingepflanzte Erinnerungen konnte ich sie in nur wenigen Tagen davon überzeugen, daß man ihr Gedächtnis manipuliert hatte, und nach einem über ein Jahrzehnt währenden Drama folgte eine seelische Heilung und eine versöhnliche Familien-Wiedervereinigung.

Die Behauptungen von Maryla Rosenthal, sie könne sich nicht bewußt an die Greuel erinnern, erkläre dies aber damit, daß sie damals wie in Trance gelebt haben muß, gekoppelt mit der Tatsache, daß sie sehr wohl detaillierte Erinnerungen an die Vergangenheit hat, die in ihrer positiven Natur aber überhaupt nicht zu dem passen, was sie ins Unterbewußtsein verdrängt haben will bzw. soll, ist exakt das gleiche Erklärungsmuster, daß die Dame im soeben beschriebenen Fall verwandte, um sich selbst über das Paradoxon hinwegzuhelfen, daß ihre bewußten Erinnerungen im Gegensatz zu dem stehen, was ihr von anderen "Experten" eingeredet worden war. Denn tatsächlich hatte sie ein positive Beziehung zu ihrem Vater, ihre Berichte über ihre Kindheit waren durchweg positiv, und sie zeigte zudem ein völlig normales sexuelles Verhalten. All dies wies klar darauf hin, daß sie in ihrer Kindheit nie (mit oder ohne Beihilfe ihres Vater) sexuell traumatisiert worden war.

Auch die Verhaltensweisen von Frau Rosenthal - positive Beschreibung Bogers, Rückkehr nach Deutschland, Verwendung des Begriffs "Kolleginnen" - weisen darauf hin, daß sie durch die Erlebnisse in Auschwitz nicht traumatisiert worden war.

Es kann daher geschlossen werden, daß nicht die Erlebnisse in Auschwitz Frau Rosenthal traumatisierten, sondern daß sie durch die erinnerungsmanipulierenden Einflüsse von Häftlingsorganisationen, ehemaligen Mithäftlingen, Medienberichten und den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und später des Richters eingeschüchtert wurde. Dies wird auch dadurch bestätigt, daß Frau Rosenthals Trauma-Entschuldigungsstrategie für den Mangel an Erinnerungen um so intensiver wurde, je öfter sie Vernehmungen ausgesetzt war.

Antifa-Hysteriographie

Fritz Hirsch war 1946 bis Anfang 1947 hauptamtlicher Sekretär des Vereins der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN), einer Organisation, die damals als kommunistische Tarnorganisation eingestuft war. Hirsch wurde am 13.2.1959 in Stuttgart vernommen. Seine Vernehmungsniederschrift umfaßt volle 49 Seiten (S. 520-568). Seine Aussage ist ein Sammelsurium von tatsächlich Erlebtem und Angelesenem sowie von Gerüchten und perverser Phantasie.

Es beginnt damit, daß er erwähnt, laut Rudolf Höß seien in Auschwitz 3 Mio. Menschen vergast worden (S. 523), was darauf hinweist, daß er nicht aus eigenem Erleben berichtet. Während er anfangs ausführt, niemals mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie Boger Häftlinge erschossen hat, (S. 526), berichtet er wenig später im Detail über solche Hinrichtungen (S. 531).

Positiv weiß er zu berichten, ihm sei ermöglicht worden, in Auschwitz erfolgreich einen Schachtmeisterkurs abzulegen, daß bei der Ermordung von Häftlingen strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet wurden (S. 529) und daß ein Freund von ihm in Auschwitz heiraten durfte (S. 551).

Ohne auf Details einzugehen, sei darauf hingewiesen, daß Hirsch immer wieder erwähnt, er berichte nur, »was zum Teil hinreichend bekannt ist« (S. 540), was »allgemeines Lagergespräch« (S. 546) bzw. »Tagesgespräch« war (S. 553), »dem Hörensagen nach« (S. 543) und was andere Häftlinge ihm erzählten (S. 560). So tief verwickelt in die Propagandatätigkeit der VNN, wie Hirsch war, darf es nicht wundern, daß seine Aussage zum großen Teil nichts mit dem zu tun hat, was er selbst erlebte bzw. woran er sich selbst erinnern kann.

Inhaltlich betrachtet macht sich Hirsch an einigen Stellen massiv unglaubwürdig, etwa wenn er Boger in den Mund legt, er habe ausgerufen:

»"Kennst mich, ich bin der Teifi (Teufel)".«

Ist das noch komisch, so wird Hirsch theatralisch, wenn er behauptet, er habe gesehen, wie Boger und Broad oft zu Erschießungen gingen, was er daran erkannt habe, daß Blut aus den geschlossenen Kisten tropfte, in denen je zwei Leichen transportiert worden seien (S. 536). Woher er bloß weiß, was in den Kisten war? Auf S. 536f gibt Hirsch die ergreifende Geschichte zum Besten, wie die Einwohner der Stadt Lidice - Männer, Frauen und Kinder - nach dem Attentat auf Heydrich nach Auschwitz eingeliefert und dort vor allem von Boger und Broad erschossen wurden, so daß das Blut der Leichen »die Lagerstrasse regelrecht durchtränkte«. Das Problem ist bloß, daß kein Einwohner der Stadt Lidice je nach Auschwitz deportiert wurde. Die Männer wurden noch in Lidice hingerichtet, die Frauen wurden nach Ravensbrück verbracht, und die Kinder wurden zur Adoption freigegeben.[11] Aber Hirsch will sogar "Sachbeweise" gefunden haben:

»Ich selbst habe nach den Erschießungen einmal einen Kinderstrumpf gefunden, der von einem LKW. herabgefallen war.«

Fritz Hirsch ist daher nichts weiter als ein vulgärer Lügner. Da hilft auch nicht, daß er ausdrücklich meint versichern zu müssen, dies sei »aber tatsächlich passiert, so wie alle Vorgänge, die ich erwähnt habe, auch Tatsachen sind [...]«. Ich erspare mir daher eine nähere Analyse seiner nicht enden wollenden Erzählungen über wilde Schießereien der SS (534, 538, 548, 560 - wie war das noch mit den strafrechtlichen Ermittlungen bei Häftlingsmorden, Herr Hirsch?); über Knochenstampfen, Haarescheren, Goldzahnziehen, Leichenasche als Dünger (S. 539); über das Auseinanderhacken der zusammengefrorenen Leichen der angeblich von Boger durchgeführten ersten Vergasung im Nov./Dez. 1942 (S. 549, vom Hörensagen); über das Schamhaarrasieren nackter Frauen (S. 563); über einen Juden, der als Schreiber bei Frauenversuchen dienen sollte und deshalb kastriert worden sei, woraufhin er breite Hüften und einen Busen bekommen habe; sowie über Experimente von Häftlingen bei erzwungenem Geschlechtsverkehr miteinander (S. 562). Sex sells.

Interessanterweise weiß Hirsch über Mengele, den er nur vom Namen und in seiner Funktion als Arzt kennt, nichts zu berichten (S. 554). Er meint zudem, die Zahlen der Vergasten seien dem RSHA gemeldet worden (S. 556), was im Gegensatz zur These der unregistrierten und ungezählten Vernichtung steht.

Jakob Gorzelezyk, früher Trainer von Max Schmeling, war ebenfalls in Auschwitz inhaftiert und war im Lager allgemein bekannt. Er wurde häufig mit Häftlingshinrichtungen in Zusammenhang gebracht, bei denen er assistiert haben soll. In einer eidesstattlichen Erklärung vom 15.1.1946 bestätigte er Fritz Hirsch, daß sich Hirsch als Häftlings-Kapo seinen Mithäftlingen gegenüber anständig verhalten haben soll (S. 569). Offenbar wurde Hirsch von anderen Häftlingen vorgeworfen, er habe sich an diesen vergriffen, wie dies bei vielen Kapos damals der Fall war. Obwohl Gorzelezyk Hirsch nicht persönlich kannte, nimmt er ihn vor solchen Verdächtigungen in Schutz, die laut Gorzelezyk damals dazu hätten führen können, daß ihm die Häftlingsorganisationen nicht nur rechtlichen Ärger bereiten, sondern ihm auch Lebensmittelzuteilungen verweigern konnte. Wess' Brot ich eß, dess' Lied ich sing. Kurz nach Gorzelezyks Schreiben wurde Hirsch bei der VVN als Schreiber angestellt.

Anständigkeit

Alfred Korn wurde zunächst im Lager Plazow festgehalten, in dem er zunächst viele Freiheiten genoß, da Plazow erst ab 1943 ein geschlossenes Lager war. Er meldete sich Ende 1943 freiwillig nach Auschwitz, wo er von den SS-Aufsehern anständig behandelt wurde. Er sei einmal verhört worden, was jedoch keine Konsequenzen hatte. Er wisse zwar allgemein von Grausamkeiten aus Lagergesprächen, könne jedoch keine näheren Angaben machen. Die einzige konkrete Erinnerung, die der Zeuge an Greuel haben will, beziehen sich auf eine angebliche Vergasung im November 1944, zu einem Zeitpunkt also, als nach offizieller Geschichtsschreibung sämtliche Vernichtungseinrichtungen bereits abgebaut wurden.[12]

Der Zeuge Otto Locke berichtet, wie er von Boger auf der "Schaukel" mißhandelt worden sei - seiner Angabe nach ein einfacher Stab, der auf zwei Schreibtischen in Bogers Büro aufgelegt wurde. Interessant an seiner Aussage ist, daß er viele Wochen im Häftlingslazarett verbrachte, einerseits wegen eines Leidens, daß er sich im Strafbunker zugezogen hatte, andererseits wegen Fleckfiebers.[13] Locke berichtet auch, daß sich Boger ab Frühjahr 1943 auf Anordnung des Lagerkommandanten Liebehenschel hin anständig verhalten habe, denn es sei angeordnet worden, daß Häftlinge nicht geschlagen werden dürften. Den schlechten Ruf Bogers führt er auf die zeitweise Anwendung der "Schaukel" zurück. Locke weigerte sich, gegen Boger Strafanzeige zu erstatten.

Chefpropagandisten

Hermann Langbein und Dr. Franz Danimann vom Auschwitz-Komitee wurden am 27. bzw. 9.1.1959 vernommen.[14] Angesichts der breiten Kenntnisse, die beide aufgrund ihrer Nachkriegstätigkeit erworben haben, würde man von beiden ausführliche Angaben erwarten, jedoch sind beide Aussagen recht kurz. Danimann beschreibt sich als Mitglied der Lager-Untergrundgruppe »Kampfgruppe Auschwitz«, deren Tätigkeit wohl weniger im Kämpfen lag als vielmehr im Verbreiten von Propaganda, wie der ehemalige Auschwitz-Häftling Bruno Baum auszuführen wußte.[15] Beide Aussagen entstanden anläßlich einer Anzeige durch das Auschwitz-Komitee gegen den Unterscharführers Lachmann, dem Langbein und Danimann ähnlich Untaten vorwarfen wie sie Boger vorgeworfen wurden. Es handelt sich also um eine Maßnahme zur Ausweitung der Ermittlungen auf weitere Verdächtige. Langbein berichtet, daß er selbst einmal von Lachmann verhört wurde, jedoch anständig behandelt worden sei.

Die niederländische Zeugin Spora Stark war ähnlich wie Frau Rosenthal als Sekretärin in der politischen Abteilung eingesetzt. Dort will sie des öfteren Häftlinge, die unter schrecklichen Schreien auf der "Schaukel" in einem Nebenraum mißhandelt worden waren, in üblem Zustand gesehen haben.[16] Die Sekretärinnen selbst seien aber anständig behandelt worden; auch sei sie nie Augenzeugin einer Tötung geworden, und über den angeblichen Tod der mit ihr ins Lager eingelieferten Juden »in den Gaskammern« weiß sie nur vom Hörensagen (»wie ich vernommen habe«). Sie kennt zudem Namen und Adressen von einer ganzen Reihe weiterer damaliger Sekretärs-Kolleginnen.

Ab den Seiten 616 bis zum Ende des 4. Bandes finden sich die Aussagen diverser polnischer Zeugen, die ihrer Struktur nach alle einem ähnlichen Schema folgen, nämlich so vielen SS-Männern wie möglich auf die Schnelle irgend etwas anzuhängen. Die meisten dieser Aussagen sind weder datiert noch mit Ortsangabe versehen. Eine längere Aussage von Feliks Mylyk jedoch wurde am 28.8.1947 in Auschwitz vor Untersuchungsrichter Jan Sehn abgelegt, einem der wichtigsten stalinistischen Holocaust-Propagandisten im unmittelbaren Nachkriegspolen. Es sind dies also wahrscheinlich lediglich Übersetzungen von Aussagen, die von Zeugen bei den stalinistischen Schauprozessen in den ersten Nachkriegsjahren gemacht worden waren. Da die Aussagen alle recht oberflächlich und allgemein gehalten sind, erspare ich mir eine nähere Analyse.


Anmerkungen

[1]Filip Müller, Sonderbehandlung, Steinhausen, 1979. Vgl. J. Graf Aussagenkritik in Auschwitz: Tätergeständnisse und Augenzeugen des Holocaust, Neue Visionen GmbH, Würenlos, 1994, S. 139-154.
[2]Falls nicht anders angegeben, beziehen sich sämtliche Band- und Seitenangaben auf: Staatsanwaltschaft beim LG Frankfurt (Main), Strafsache beim Schwurgericht Frankfurt (Main) gegen Baer und Andere wegen Mordes, Az. 4 Js 444/59; Bd. 4, S. 495-650.
[3]Wenngleich Müller in seinem Buch auch von Erschießungen im Krematorium berichtete, und zwar an jener berühmten Stelle, wo bei ihm das noch »warme Fleisch aus den Schenkeln und Waden« der Erschossenen herausgeschnitten und in Eimer geworfen wurde, wo die »Muskeln der gerade Erschossenen« so sehr zuckten, daß sie die Eimer »in ruckartige Bewegungen« versetzten. Da faktisch unmöglich, ein Lügner, für wahr!
[4]Vgl. VffG 7(2) (2003), S. 224-229.
[5]Die nachfolgenden Ausführungen wurden dem Vernehmungsprotokoll der Maryla Rosenthal vom 21. und 22.2.1959, S. 507-515, entnommen.
[6]AaO. (Anm. 2), Band 20, S. 3183.
[7]Ebd., S. 3184f.
[8]Rebecca Elizabeth Wittmann, »Resistance Reconsidered: The Women of the Political Department at Auschwitz Birkenau«, Ergebnisbericht des Arbeitskreises »Jewish Resistance at the Concentration Camps«, Center for Advanced Holocaust Studies, United States Holocaust Memorial Museum, 1999, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Museen Auschwitz-Birkenau, Madjanek und Theresienstadt; http://www.interlog.com/~mighty/essays/wittmann.htm
[9]A. Rückerl, NS-Verbrechen vor Gericht, C. F. Müller, Heidelberg 1984, S.. 256; U.-D. Oppitz, Strafverfahren und Strafvollstreckung bei NS-Gewaltverbrechen, Selbstverlag, Ulm 1979, S. 113f., 239; H. Laternser, Die andere Seite im Auschwitzprozeß 1963/65, Seewald, Stuttgart 1966.
[10]Als weiterführende Literatur lese man:
  • David F. Bjorklund (Hg.), False-Memory Creation in Children and Adults: Theory, Research, and Implications, Lawrence Erlbaum Ass., Mahwah, NJ, 2000
  • Terence W. Campbell, Smoke and Mirrors: The Devastating Effect of False Sexual Abuse Claims, Insight Books, New York 1998
  • Tana Dineen, Manufacturing Victims: What the Psychology Industry Is Doing to People, R. Davies, Montréal 1996
  • Hans Jürgen Eysenck, Decline and fall of the Freudian empire, Penguin Books, Harmondsworth 1986
  • Eleanor Goldstein, Kevin Farmer (Hg.), True Stories of False Memories, Social Issues Resources, Boca Raton, FL, 1993
  • Elizabeth F. Loftus, James M. Doyle, Eyewitness testimony: civil and criminal, 3rd ed., Lexis Law Pub., Charlottesville, VA, 1997
  • Elizabeth Loftus, Katherine Ketcham, The Myth of Repressed Memory: False Memories and Allegations of Sexual Abuse, St. Martin's Press, New York, 1994
  • Richard Ofshe, Making Monsters: False Memories, Psychotherapy, and Sexual Hysteria, 3rd ed., University of California Press, Berkeley, CA, 1996
  • Mark Pendergrast, Melody Gavigan, Victims of Memory: Sex Abuse Accusations and Shattered Lives, 2nd ed., Upper Access, Hinesburg, VT, 1996
  • Gary L. Wells, Elizabeth F. Loftus (eds.), Eyewitness testimony: psychological perspectives, Cambridge University Press, New York 1984

 

[11]Die offizielle Geschichtsschreibung behauptet, daß größere Kinder in Chelmno vergast wurden, vgl. http://www.lidice-memorial.cz/index_uk.htm; zu Chelmno vgl. I. Weckerts Beitrag »Wie war das in Kulmhof/Chelmno?« 3(4) (1999), S. 425-437.
[12]Vernehmung vom 5.3.1959 in Stuttgart, aaO. (Anm. 2), S. 571-576.
[13]Vernehmung vom 6.3.1959, ebd., S. 578-584
[14]Ebd., S. 588-589R (Danimann), 590-592 (Langbein). Die Vernehmung erfolgte in Wien.
[15]»Wir funken aus der Hölle«, Deutsche Volkszeitung , 31.7.1945; vgl. auch Baums Bericht »Bericht über die Tätigkeit der KP im Konzentrationslager Auschwitz« vom Juni 1945 in Wien, Langbein Nachlaß im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien; Bruno Baum, Widerstand in Auschwitz, Kongress-Verlag, Ost-Berlin, 1949, p. 34f.
[16]Vernommen am 4.2.1959, Antwerpen, aaO. (Anm. 2), S. 603-611.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(3&4) (2003), S. 465-470.


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