Entweder Weltherrscher oder das Nichts

Zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika

Von Andreas Wesserle

1638, inmitten der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges malt Peter-Paul Rubens eines seiner erschütterndsten Werke: Die Folgen des Krieges;[1] heute strahlt es als ein Höhepunkt der prunkvollen Gemäldesammlung im Pittipalais oberhalb der Stadt Florenz. Mit vollendeter Meisterschaft deutet er die allgemeinen Kriegsgreuel als ein allegorisches Drama, in welchem die liebende Venus einen die Künste und die Wissenschaft zertrampelnden Mars zurückzuhalten sucht, derweil dieser von der anfeuernden Furie Alekto in die Tiefen des Hungers und der Pest gezerrt wird. Weit abseits erhebt die Gestalt der Europa vor dem offenen Tor des Janustempels wehklagend die Hände zum Himmel.

Wie kein zweites erleuchtet das Kunstwerk blitzartig die jetzige Lage, nachdem der U.S.-Präsident G.W. Bush den Schlußakt im Äonendrama "Die Universalweltherrschaft" zu spielen begann - umwoben vom Wehgeschrei der zur Ohnmacht verdammten Staaten des "Alten Europa" (Pentagonminister Rumsfeld) - als er zur Endattacke auf das ölreiche Zwergland Irak blies. Als "Mesopotamien", Ur, Sumer, Babylon und Assyrien legte dieses vor satten 50 Jahrhunderten den Grund für unsere "Zivilisation" und ist wie keine andere Erdengegend als unser "Wurzelland" von leicht zerstörten Kulturschätzen übersät. Im 20. Jahrhundert, nach seiner Befreiung von der osmanischen und vor allem der englischen Knechtschaft, gestaltete der griechische Städteplaner Doxiadis Bagdad nach neuesten Gesichtspunkten - weit moderner als jede amerikanische Großstadt. Ebenso richtete der irakische Staat die allgemeine Krankenversicherung ein, einen Fortschritt, den das "reichste Land der Erde" bis morgen nicht erreicht. Doch was schert sich das Weiße Haus darum?

Was würde Rubens dazu sagen? Als Weltmann und gewiegter Diplomat würde er wohl auf sich überschneidende und sich vermischende historische Momente hinweisen. Etwa wie folgt:

Weltherrschaft

Die USA sind der erste Großstaat der Erde seit der letzten Eiszeit - soll Platos Gleichnis von Blüte und Untergang des poseidongesegneten Atlantis Glauben geschenkt werden -, der seinen Anspruch auf die alleinige Weltherrschaft erfolgreich zu vertreten scheint. Der kecke "Cowboystil" der Bushregierung bezeichnet in dieser Hinsicht keineswegs den Anfang, sondern die Ernte einer vor vielen Jahrhunderten ausgesäten Entwicklung. Begünstigt von seiner einzigartigen geopolitisch-historischen Lage (von Schwachen umgeben und bis heute nur Schwache unterjochend), von rasendem Raubbau der im jungfräulichen Schoß zweier neuer Kontinente schlummernden Natur- und Bodenschätze und vor a1lem vom unbeugsamen Sendungsbewußtsein, das alle andersgearteten Völker und Menschen lediglich als Mittel zum Zweck behandeln läßt, überflügelt "Amerika" scheint's spielend leicht seine gescheiterten Vorgänger und Konkurrenten: das portugiesische, spanische, französische, russische und englische Weltreich.

Peter-Paul Rubens, Die Folgen des Krieges

Die ihm seit 1917 nacheifernde Spielart des moskowitisch-byzantinischen Imperialismus - sein einziger ernstzunehmender staatlicher Gegner nach 1783 - strauchelt 1991 fatal vor Amerikas gesellschaftlich-wirtschaftlichem Totalitarismus (Prof. Noam Chomsky). Sein großes Vorbild, das ab 1775 als rückschrittlich angesehene englische Empire, liefert ihm den Leitspruch: "The Pen is Mightier Than the Sword" (Die Schreibfeder ist mächtiger als das Schwert). Damit, d.h. mittels seiner Propaganda und den ununterbrochen weltweit wabernden, 1917 in New York erfundenen Public Relations, weicht es außenpolitisch die Moral seiner vorgesehenen Opfer (d.h. alle Erdenstaaten) und vorhandenen Dependenzen auf und bricht ihren Widerstand. Andererseits gelingt es damit der führenden "Machtelite" (Prof. C. Wright Mills), historisch gepaart mit grausamsten Unterdrückungen (so der Sozialisten von 1865 bis 1921 und später der - die größte Volksgruppe ausmachenden - Deutschamerikaner, oder der großen, kriegsunlustigen Bevö1kerungsmehrheit zu Anfang des Ersten und des Zweiten Weltkrieges und nun des Irak-Abenteuers) innenpolitisch jegliche Zweifel und Bedenken zu entmachten.

Es wäre demnach ein schwerwiegender Fehler, die imposanten "Errungenschaften" ihrer wortwörtlich Oberen Zehntausend der amerikanischen Bevölkerung anzulasten. Diese Bevölkerung - d.h. die seit dem Ende der Populisten und der Progressiven von etwa 1900-1917 Entmündigten und jeglicher Macht Entfremdeten, mehr als 99,9% der 286 Millionen Einwohner - gehört den Lieblingsopfern der seit Generationen emporschießenden Haupt- und Herrscherkultur an. Im Gegensatz zu den im Macht-und Wirtschaftskampf unterlegenen Subkulturen des Gros der amerikanischen Bevölkerung (von der einst führenden Kultur Virginias, vom Norden im Sezessionskrieg total ausgemerzt, ganz zu schweigen), hat diese Hauptkultur mit althergebrachter Anmaßung und Zielstrebigkeit den machtlogischen Schluß aus den Ölkrisen der 1970er und 80er Jahre gezogen. Sie hat den von ihr inszenierten Untergang des Sowjetreiches dazu ausgenützt, ihre Monopolstellung über die Welt weiter auszubauen und zu festigen. Das Ziel war und ist, sämtliche Rohstofflieferanten wie auch die Drehscheiben der Kontinentalstrategie (darunter ganz Lateinamerika, Nigeria, den Kongo, Südafrika, Restafrika, ganz Vorder-, Mittel- und Südasien, den Pazifik und Europa) in verläßliche Protektorate zu verwandeln - sofern sie es, wie Deutschland, Italien und Japan, nicht schon sind. Diese Gebiete und das Potential seiner Menschen und Rohstoffe dienen hauptsächlich und letztendlich der Festigung und Verewigung der Macht der amerikanischen Weltelite und der mit ihr liierten weltpolitischen Bewegung.

Gegenseitige Interessen

Nicht Liebe und Zuneigung, sondern "gegenseitige Interessen" bestimmen das Verhalten. Eben diese Interessen führten im Dezember 1983 Donald Rumsfeld - nun der öffentlich bissigste Habicht im Washingtoner Tiergarten - als Abgesandten des Präsidenten Reagan nach Bagdad. Er läßt Saddam Hussein im Krieg gegen den Iran diplomatische und militärische Hilfe angedeihen, wie von der Washington Post am 1. Januar 1984 berichtet. Die USA liefern 45 Bell Angriffshubschrauber an den Irak; im Gegensatz zum amerikanischen Senat unterstützt das Weiße Haus Saddam Hussein. Man zuckt mit keiner Wimper, als dieser die iranischen Truppen und 1988 kurdische Zivilisten mit Giftgasen töten läßt. Freilich muß gegen 1990 Husseins zunehmender Einfluß am Persischen Golf Onkel Sam und Israel unbequem geworden sein. Denn Präsident Bush d.Ä. und sein Außenminister Baker (ein "Öl-Advokat") richten eine Depesche an die US-Botschafterin Glaspie im Irak, worin Kuwait als ein die amerikanischen Interessen nicht lebenswichtig berührendes Gebiet bezeichnet wird. Hussein schnappt nach dem Köder und marschiert ein. Die Falle schnappt zu. Hunderttausende irakische Soldaten und Zivilisten fallen dem entbrennenden "Vergeltungskrieg" zum Opfer. Nach Berichten des 1991 vom früheren amerikanischen Justizminister Ramsey Clark gegründeten "International Action Center"[2]und der UNICEF vom 12.8.1999 waren in den vorangegangenen neun Jahren 1,7 Millionen als direkte Folge der "UNO"-Sanktionen als auch des absichtlichen Bombardements der Trinkwasser-, Abwässer- und Kläranlagen im Irak gestorben. Die Mehrheit der Opfer sind Kinder. Da die Bushregierung ab Januar 2001 die Angriffe ihrer Vorgänger noch vervielfacht hat - schon Clinton ließ in den ersten acht Monaten d.J. 1999 mehr als 1100 Flugkörper auf 359 "Ziele" herabstürzen - halten Sachverständige wie die amerikanische Professorin Yvonne Haddad vom "Center for Muslim-Christian Understanding" der Georgetown Universität, Washington, eine Sterbeziffer von weiteren 250.000 Nichtkombattanten pro Jahr für wahrscheinlich. Fazit: Völkermord mitten im "Frieden".[3]

Ist von einem Regime, das über 400 seiner heiligsten, mit den Einheimischen (nicht: "Eingeborenen") Amerikas geschlossenen 500 Verträge gebrochen hat, etwas besseres zu erwarten?

Der Zweck der Sache ist einfach und wirksam. Der Irak und schließlich auch - laut Prof. Noam Chomsky vom berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) - der Iran und Saudi Arabien müssen "dran glauben" weil:

  1. es ihren gewaltigen Öl- und Gasvorkommen unter anderem nicht gestattet werden darf, in halbwegs autonomen  Händen zu verbleiben;
  2. ihre strategische Schlüssellage - im Spannungsfeld Eurasien-Afrikas und des indischen Subkontinents - nur von amerikahörigen, politisch repressiven Marionettenregimes verwaltet werden darf;
  3. der amerikanische Festlanddegen und die Medienbombe über Eurasien-Afrika - Israel - gefördert werden soll.[4]

Gewalttätige Raumpolitik

Eine Raum- und Gewaltpolitik, die sich sehen lassen kann, selbst im historischen Vergleich mit dem Inkastaat, dem chinesischen Kaiserreich, den Assyrern, dem Perserreich und Rom. Wir gratulieren!

Tatsächlich scheint es der Weltmachtelite, im weit kosmischerem Maßstab als selbst ihren englischen Vorgängern, gelungen zu sein, im endlichen Explosivstadium der faustischen Kultur (Oswald Spengler) die maßgeblichen außen- und innenpolitischen Elemente der Weltherrschaft in ihrer Hand zu vereinen. Der Welt-Machiavelli: endlich aus der Provinz der italienischen Stadtstaaten und dem Gestrüpp der europäischen Staatsräson befreit? Das Vierte und das Wahre Rom? Wohl kaum.

Der angriffslustige Überheld Amerikus zeigt uns gleich mehrere Achillesfersen. Aus Platzmangel naschen wir aus der Unzahl und dem Unteig der Plus- und Minusfaktoren nur wenige Leckerbissen heraus. Oft stellen sich diese Faktoren als (Zerr-)Spiegelbilder ein und desselben Gebildes heraus.

Das Letzte Rom?

Eine Idee mit einer großen kulturellen Vergangenheit in West und Ost. Die Vereinigten Staaten haben seit ihrer Gründerzeit auch davon gezehrt. Weltpolitisch interessant wird dies jedoch erst nach dem einigenden Ausgang des Sezessionskrieges (1861-65) und dem Ausbau eines transamerikanischen Kolonialreiches in Hawaii, Midway, Guam und den Philippinen, mit starker Ausstrahlung nach China und Japan: nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898. "Eins, zwei, drei im Sauseschritt läuft die Zeit - wir laufen mit!" rief schon Wilhelm Busch aus und wirklich findet sich Onkel Sam 1914 als die stärkste Industriemacht auf Erden (noch vor dem Deutschen Reich und Großbritannien) und als strebsamster Weltpolitiker mit gleich zwei "Cäsaren" unter den Achseln: Theodor Roosevelt und Woodrow Wilson. Die geballte Faust auf der Waage des außer Rand und Band geratenen europäischen Gleichgewichts. Was tun? 1917 "befreit" Amerika Frankreich und sieht sich weltanschaulich, politisch und wirtschaftlich als der Große Überlebende: das Neue Rom. Diese Lage stellt der amerikanische Schriftsteller Dos Passos fest; sie besteht tatsächlich, hält man sich die Mitglieder der Elite vor Augen, die den Ersten und Zweiten Weltkrieg bestimmten: darunter John Foster und Allen Dulles, Bernard Baruch, der Marinestaatsekretär Franklin Roosevelt. Nach 1991 wandte sich die Elite den Weltlorbeerkranz. Wird sie ihn behalten?

Wie in Rubens Meisterwerk dargestellt, steht wegen der ständigen Kriege das Tor zum altrömischen Janustempel stets offen. Dasselbe trifft symbolisch auf die USA zu. Auch wie das damalige Rom den Widerstand etwa der Kelten mit seiner Wein- und Genußkultur klug aufweichte, versteht die amerikanische Machtelite die Moral und die Moralität seiner "Nachbarn und Freunde" und die seiner Bevölkerung mit seinem "American way of life" zu untergraben - auf die massenproduzierten "Menschen"-scharen des Industriezeitalters zugeschnitten, versteht sich. Aber gleich zu Beginn der amerikanischen Revolution erteilte ihm die Geschichte eine weitere, wichtige Lektion. Mit der Billigung des Oberbefehlshabers General Washington führt der später berüchtigte Benedict Arnold einen Zangenangriff auf das sich in englischen Händen befindende Quebec (Kanada) aus: im Herbst und Winter 1775.

Knapp sechzehn Jahre vorher hatte der englische General Wolfe in einer welthistorischen Schlacht die Festung Quebec den Franzosen entrissen; er fand dabei den Heldentod. Ganz Nordamerika nördlich des schwächlichen spanischen Kolonialreiches in Mexiko (einschl. Texas, Colorado, Kalifornien) gehört den Briten! Eine Tatsache, die freilich erst durch die Siege von Englands Festlanddegen 1763 festgeschrieben wurde: Friedrich des Großen von Preußen in einem "Frieden von Paris" (Beendigung des Siebenjährigen Krieges). Doch die von den amerikanischen Aufständischen erhoffte Unterstützung von Seiten der französischen Quebecois blieb aus. Vor den Mauern Quebecs erleidet der General Montgomery den Heldentod. Die amerikanischen Revolutionäre unterliegen. Seither wird das frisch weiterrollende - besser gesagt: Salto springende - Expansionsprogramm schon vorher durch die zermürbende Propaganda und Public Relations angefeuert und berechnend vorwärtsgetragen. Die dabei zum Vorschein kommende Sicht umfaßt die Vorherrschaft über Kontinente. Mit Seward - Präsident Lincolns Außenminister ab 1861 - erstreckt sie sich über fünf der sieben Weltmeere. Theodor Roosevelt und Wilson tragen sie in alle sieben Kontinente. Ihr Testamentsvollstrecker F.D. Roosevelt kassiert die Strategie ein, indem er ab 1933 die Welt mit Stalin teilt. 1991 wird der Schlußstrich gezogen.

Im Laufe dieses atemberaubenden Rundum-Dranges betreibt die amerikanische Elite ihre "Aufklärung", indem sie ihre momentanen Gegner zu unverbesserlichen Todfeinden, zu Teufeln stempelt, deren Ausmerzung wie auch das Auslöschen der Freiheit ihrer Vö1ker als eine barmherzige Wohltat für die Menschheit gefeiert wird. Das kommtdem düster-ehrgeizigen Hang der nördlichen "Yankees" eben entgegen, die im Gegensatz zu den Anglikanern Virginias vom starren, kalvinistischen Puritanismus gezeichnet sind (fruchtbare Pflanzstätte des Kapitalismus! Sezessionskrieg! Prohibition! Fehde dem Tabak! usw.). Und der "Aggressor" ist immer "der Andere".

Das ist die höchste Ironie der Neuzeit: daß der Staat (bzw. ursprünglich der Staatenbund), der am 4. Juli 1776 mit seiner der europäischen Aufklärung entspringenden Unabhängigkeitserklärung (Jefferson!) den Startschuß zum Weltrennen der "völkischen Freiheitskriege" abfeuert, sich ein und zwei Jahrhunderte darauf als immer gründlicherer Feind der Völkerfreiheit entpuppt, um schließlich ihr prinzipieller Widersacher zu sein. Er vergißt, daß seine, in einem weiteren Frieden von Paris von 1783 verbriefte Freiheit einem diplomatischen Kompromißfrieden zu verdanken ist (hauptsächlich zwischen England, Frankreich und Spanien). Er behandelt alle auch ausländischen Konflikte als totale Welt-Bürgerkriege, vor allem nach dem vom Norden als eine totale Offensive gegen die Zivilbevölkerung des Südens geführten Sezessionskrieg. Kitcheners und Churchills England gibt ihm hierbei noch ein weiteres Vorbild.

Höhepunkte des Expansionismus

Lassen wir ohne weitere Umschweife die Höhepunkte der amerikanischen Expansionspolitik aus dieser Perspektive rasch an uns vorbeihuschen:

Im Frieden von Paris von 1783 zieht Großbritannien die Grenzen der USA am entlegenen Mississippi und im Süden etwa entlang des 31. Breitengrades (Groß-Florida bis zum Unterlauf des Mississippi wird Spanien zugesprochen), klug kalkulierend, daß der republikanische Sendungsdrang der Amerikaner diese bald in einen Konflikt mit Spanien und Frankreich stürzen würde. Es behält recht. 1796 veröffentlicht Präsident Washington seine Abschiedsbotschaft. Er warnt vor "bleibenden Bündnissen" mit dem Ausland und bevorzugt eine "achtungsgebietende defensive Haltung". Amerika soll sich aus Europas fast völlig verschiedenen Interessen herauszuhalten suchen und seinen eigenen geopolitischen "Kurs" einschlagen.[5]

Der selbstbewußte Ton des in jeder Hinsicht Ersten Gründervaters bestimmt zumindest oberflächlich belauscht den Tenor der amerikanischen Außenpolitik bis ins 21. Jahrhundert zweifach. Einerseits von den Warnungen des Präsidenten Jefferson und der Monroedoktrin von 1823 gestärkt, hält er die USA aus den verstrickenden europäischen (und afro-asiatischen) Händeln bis nach dem Ende des Sezessionskrieges 1865 militärisch heraus. Als der Amerika-Imperialismus schließlich noch vor 1898 in den fieberhaften Weltimperialismus umschlägt, behält er immer noch scheinheilig den Tarnanstrich des unschuldig Angegriffenen, der einst mehr oder minder berechtigt war.

Die große Wasserscheide wird 1803 erreicht, als der helle, doch widersprüchliche Chefideologe der Revolution, der damalige Präsident Jefferson, in einem machtpolitischen Handstreich Napoleon I. das riesige Louisianagebiet für ganze $15 Millionen abkauft. Dies stärkt die Macht der "Exekutive" gegenüber dem Kongreß (der dritte "Ast" der Verfassung, die Justizordnung mit dem Obersten Bundesgericht, ist ein heißblütiger Vorkämpfer für die Macht der Bundesregierung bis ins 21. Jahrhundert) und öffnet die Schleusen einer Flut von Neusiedlern und skrupellosen Schiebern/Politikern. Andrew Jackson, ein Freibeuter, Milizgeneral, Indianertöter, Massenmörder und bis heute beliebter, korrupter Demokratenpräsident, ist einer der bekanntesten. Nachdem amerikanische Neusiedler 1810 in Baton Rouge am Mississippi die spanische Herrschaft stürzen und eine "Republik" ausrufen und weitere amerikanische Übergriffe auf spanisches Gebiet unter dem Präsidenten Madison zur Annektierung des Großteils des spanischen Westflorida führen (bis zum Rio Perdido), holt General Jackson zum Hauptschlag aus. Unter dem Vorwand, plündernde Seminoleindianer verfolgen zu wollen, stößt er 1818 mit der stillschweigenden Billigung Präsident Monroes tief in die Halbinsel Florida hinein. Er wird der Seminolen zwar nicht habhaft, hinterläßt aber eine Blutspur der Willkür, die schließlich das Endprotokoll des (John Quincy) Adams-Onis Vertrages von 1819 beschleunigt herbeiführt: Onkel Sam säckelt ganz Florida ein, und die spanisch-amerikanische Westgrenze verläuft nun vom Sabinefluß (Westrain des heutigen Louisiana) in nordwestlicher Richtung stufenweise bis zum 42. Breitengrad im heutigen Wyoming und daher über 1600 km stracks zum Stillen Ozean. Dem Außenminister und späteren Präsidenten, Sohn des Präsidenten John Adams, Vater des bedeutenden Diplomaten, Sproß der berühmten Adamssippe aus Massachusetts John Quincy Adams schwillt die Brust: der Pazifik ist erreicht! Das Tor und der geopolitische Keil zur unbegrenzten Expansion nach Westen, Norden und Süden ist in Onkel Sams Hand. Die Taten folgen. Generale und Präsidenten wie Andrew Jackson vertreiben Hunderttausende von Indianern aus den östlichen USA in die unwirtlichen Gegenden westlich des Mississippi. Oft gehören diese Einheimischen kulturell hochstehenden Bauern- und Tempelkulturen an. Aus diesen Gebieten werden sie nach der Entdeckung von Gold und Silber wiederum in die Steppen des heutigen Oklahoma vertrieben. Auch Oklahoma fällt der Habgier der Bleichgesichter zum Opfer. Um 1900 überleben nur etwa 100.000 von einst 5 Millionen Indianern. Diese werden meistens in Reservate eingepfercht. Ein grausiges Vorspiel für die Vertreibung von 21 Millionen Deutschen, Finnen, Polen, Ungarn, Bulgaren und Griechen im 20. Jahrhundert und ein Vorgeschmack dessen, was sich heute - amerikanischen Zeugen zufolge - in Palästina, dem Irak und Vorderasien abspielt.

Unter hysterischen Kampfsprüchen (z.B. »Manifest Destiny« (offenbarte Vorsehung) oder »54º 40' or Fight!«, was die amerikanische Nordwestgrenze an den Südzipfel Alaskas herangebracht und das britische Nordamerika (Kanada) ganz vom Pazifik abgeriegelt hätte) werden die späteren Staaten Oregon und Washington bis zum 49. Breitengrad annektiert - die Vancouverinsel verbleibt in englischen Händen - und das geopolitische Kernland "Texas" (dessen amerikanische Siedler kurz vorher gegen Mexiko rebelliert hatten) 1845 vom Präsidenten Tyler rechtswidrig - mittels eines Kongreßbeschlusses - an die USA angeschlossen. Sein aggressiver Nachfolger Polk provoziert einen Krieg mit Mexiko; der amerikanische General Taylor blockiert die mexikanische Stadt Matamoros und übertölpelt den Kongreß, der nach dem Verfassungsrecht Krieg erklären muß, indem er die mexikanischen Verteidigungsmaßnahmen als "Angriffskrieg" hinstellt. Im Vertrag von Guadalupe Hidalgo 1848 verliert Mexiko beiläufig die Hälfte seines Hoheitsgebiets. Die USA gewinnen ihre heute reichsten Staaten: Groß-Texas vom Rio Grande bis nach Wyoming, Neu-Mexiko, Colorado; Utah, Nevada, Arizona und hauptsächlich Kalifornien. Polks List (die List der Exekutive und des Obersten Kriegsherren) wird seither mit Bombenerfolg immer wieder angewandt und verbessert: 1861 am Anfang des Sezessionskrieges, 1917 zu Beginn der amerikanischen Intervention im Ersten, 1939/41 als Ankurbelung des Zweiten Weltkrieges, 1950 zu Beginn des Koreakrieges, 1964 beim massiven Einschreiten im Indochinakrieg, 1990/91 im Golfkrieg und den darauf folgenden "UNO"-Sanktionen, und neuerdings, nach dem 11. September 2001, in der Weltoffensive gegen den sog. Terrorismus und für die fieberhafte amerikanisch-nukleare Wiederaufrüstung, die Streichung des Raketenabwehrvertrages mit Rußland, die beschleunigte Militarisierung des Weltraumes und den Angriffskrieg gegen den Irak.

Selbstverständlich zeigt das Verzeichnis lediglich einige Höhepunkte der Expansion an. Darüber hinaus hat das Weiße Haus seit dem 19. Jahrhundert sich in Hunderten und Tausenden "kleinerer" Operationen und Angriffe hervorgetan, mit Vorliebe in Nord- und Südamerika. Das Urteil des imperialen englischen Staatsmannes Lord Palmerston (englischer Außen- und Premierminister von 1830 bis 1865) anläßlich der allamerikanischen Umtriebe der Yankees scheint nicht völlig grundlos: diese »erfinderischen Schurken« seien »äußerst unangenehme Burschen«.[6] Clare Boothe Luce, Gattin des einstigen Medienlöwen Henry Luce (Time, Life, Fortune) und eine der hervorragenden amerikanischen Frauen des 20. Jahrhunderts, spricht da noch deutlicher: »F.D. Roosevelt, der Kerl, der uns in den Zweiten Weltkrieg log.«. Prof. Noam Chomsky hat wohl auch nicht ganz unrecht, wenn er die Bezeichnung "Schurkenstaaten" dem Weißen Haus entwendet und sie auf die Mächtigen anwendet, vor allem auf die USA, die sich seit dem Untergang des Sowjetreiches prinzipiell über zwischenstaatliche Rechtsnormen erhaben fühlen. Dies kam im ersten Irakkrieg und später zum Vorschein und wurde während der zweiten Kolonialexpedition gegen diesen Staat ja noch grausamer "gehandhabt".[7]

Aber noch mehr. Frau Clare Boothe Luce's Bemerkung deutet auf einen ständigen Mißstand hin, auf eine unvernarbte Wunde, da sich die "erfinderischen Schurken" mindestens seit den Tagen des Generals Andrew Jackson ergötzlicherweise stets als die unschuldig Angegriffenen darzubieten wissen. Geschickt wird die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, um (Schein-)Aggressionen "der Anderen" vorzutäuschen und in der eigenen Bevölkerung die Siedehitze des Sendungsbewußtseins aufwallen zu lassen. Von erneutem weltpolitischen Belang stellte sich 1898 die Explosion des amerikanischen Kriegsschiffes "Maine" im Hafen von Havanna vor, die zum Krieg mit Spanien führte. Untersuchungen gegen Ende des 20. Jahrhunderts ergeben, daß das Schiff einer inneren Detonation zum Opfer fiel, die höchstwahrscheinlich nicht durch eine Unglück verursacht worden war (etwa durch eine Kohlenstaubexplosion). Die "Maine" wurde also von amerikanischen Agenten versenkt. Mehr als 250 Matrosen fanden den Seemannstod. Der dafür Verantwortliche war wohl der schrill imperiale, aufgeweckte Staatssekretär im Marineministerium, Theodor Roosevelt, der spätere Präsident. Sein Vetter, F.D. Roosevelt und dessen Nachfolger sollten ihn später bis ins Jahr 2003 zu übertrumpfen suchen. Präsident Woodrow Wilson, dessen "rechte Hand" Colonel House und andere amerikanische Polit- und Finanzgrößen unterstützen ab 1914 Großbritannien und Frankreich. Wilson vergißt sich soweit, daß er sogar amerikanische Gesetze bricht, um englischen Schiffen in amerikanischen Häfen das Laden von Munition und weiterer Konterbande zu ermöglichen. Der progressiv-republikanische Senator Robert LaFollette von Wisconsin überführt Wilson des Gesetzesbruches. Er entgeht dem Ausschluß aus einem hysterischen Senat nur um ein Haar; LaFollette, William Jennings Bryan, Populist und Wilsons erster Außenminister, sowie die Sozialistenführer Eugene Debs und Dorothy Day sind die einzigen amerikanischen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Wilson und House sind auch im Komplott der englischen Herrscherklasse (einschließlich des Ersten Admiralitätslords W. Churchill und König Georg V.) eingeweiht, mit Hilfe des Unterganges der "Lusitania" 1915 die USA in den Krieg auf Seiten der Entente zu stürzen. Der Präsident gibt den autoritären europäischen Regimen ein Beispiel, indem er die ursprünglich kriegsunlustige Bevölkerungsmehrheit, vor allem die Deutsch-Amerikaner, die damals die mit Abstand größte Volksgruppe der USA ausmachten, sowie die damals zahlenmäßig bedeutenden Sozialisten unterwirft bzw. ausmerzt. Auf sein Geheiß sowie das Geheiß seiner Adjutanten, die fleißig "Patriotenkomitees" gründen, werden u.a. die Werke der "Klassiker" Luther, Goethe, Schiller usw. öffentlich verbrannt; das Lesen von Luthers deutscher Bibelübersetzung wird unter Gefängnisstrafe gestellt. In Milwaukee, dem "Deutsch-Athen am Michigansee", wird das Goethedenkmal vor der Hauptbibliothek zerstört und 100 Bühnen und Vereine ausgemerzt. Wilsons Nachfolger, vor allem F.D.R. nach 1933, eifern ihm nach. Nach 1920 rücken Wilsons republikanische Nachfolger von seiner cäsaropapistischen Weltbekehrungspolitik ab. Sie stützen sich auf die mächtige Dollardiplomatie, den diplomatischen Überdruck (Washingtoner Flottenkonferenz von 1921/22 hauptsächlich zwischen USA, England, Japan, Frankreich, Italien) und - darin Wilson und Teddy Roosevelt nacheifernd - auf Militär- und Wirtschaftsexpeditionen nach Lateinamerika. Hoover (Huber) mahnt seinen Außenminister, daß eine Friedenspolitik nicht "mit den Hunden des Krieges" erreicht werden kann - eine bemerkenswerte Haltung, die nach ihm nur noch der demokratische Präsident und Nobelpreisträger Jimmy Carter anzunehmen versucht. F.D. Roosevelt ist da aus ganz anderem, opportunistisch-weltunterjochendem Holz geschnitzt. Ein Sproß der Brahmanen-Oberkaste der amerikanischen Ostküste ("Old Money"), verfolgt er neben einer jonglierenden Wirtschaftspolitik (Weltwirtschaftskatastrophe) folgende Ziele:

  1. ab Wahl 1932 ein Bündnis mit dem Bolschewisten Stalin aus weltanschaulichen, weltenteilenden und "persönlichen" Gründen;
  2. eine fieberhafte Aufrüstung von Marine und strategischer Luftwaffen;
  3. die viermalige Wahl - die "lebende Verfassung" brutal brechend - zum lebenslänglichen Cäsaropapisten.

Persönlich und durch seine Diplomaten (Bullitt in Paris!) jagt er Großbritannien unter Chamberlain, Polen, Frankreich und Deutschland in den europäischen Krieg, den er ab 1933/36 zielbewußt auf einen Weltkrieg auszudehnen bestrebt ist. Da der deutsche Diktator auf Roosevelts Provozierungen nicht hereinfällt, etwa Roosevelts "unerklärten" Krieg gegen Deutschland im Atlantik, treiben letzterer, sein Freund Harry Hopkins, Finanzminister Morgenthau, Kriegsminister Stimson usw. das kompromißbereite Japanische Reich in die Falle "Pearl Harbor". Japans diplomatische und Marine-Geheimkodes sind geknackt. Der Präsident und seine Clique sind schon im voraus genauestens unterrichtet. Mittels ihrer Weltintrigen jagen sie die sehr zögernde Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung, darunter den Flieger Lindbergh und den Architekten Frank Lloyd Wright, in die Kriegshysterie. Roosevelt betreibt ab Anfang 1940 - Ermächtigungsgesetz im Kongreß! - ein ruchloses Terrorregime, worin er unter anderem einer englischen Nachrichtenzentrale in Manhattan gestattet, amerikanische Privatbürger zu bespitzeln und zu verfolgen. Eine Methode, die 1981, nach Reagans Amtseinführung, von Seiten der mächtigen weltpolitischen Bewegung verstärkt wiederaufgenommen wird.

Churchill, ab Mai 1940 englischer Premier, schlägt als Repräsentant des 1917 zu Grabe getragenen englischen Weltreiches die wiederholten Friedensangebote des Deutschen Reiches ab und verkauft sein Volk an Roosevelt, der es und das ganze Empire in Teheran und Jalta an Stalin weiterverkauft (vgl. den englischen Historiker John Charmley).[8] Anfangs klappt es. Roosevelt mißachtet Washingtons und Jeffersons Mahnungen wie auch Monroes Gelöbnis, sich in Europa nicht einzumischen. Er zieht die Bilanz seiner Vorläufer seit Andrew Jackson und ist seinerseits ein leuchtendes Fanal für alle seiner demokratischen wie republikanischen Nacheiferer bis 2004 - mit der möglichen Ausnahme des Präsidenten Carter. Die von Roosevelt nach allen Regeln der Kunst hochgepäppelte Sowjetunion beißt nach der Ferse Onkel Sams, doch schließlich ins Gras. Der Weg zur Unendlichkeit steht offen! Oder?

Mit Ihrer Erlaubnis...

Das Urteil des Wiener Weltwirtschaftlers Joseph Alois Schumpeter (Universitäten Bonn und Harvard), Roosevelt und Churchill hätten mehr Unheil angerichtet als Dschingis Khan - tatsächlich unvergleichlich mehr materielles, insbesondere aber geistig-moralisches, sittliches Unheil - macht stutzig. Steht den Völkern der Erde das unendliche Unheil bevor?[9]

Das offizielle Pentagonverzeichnis umfaßt "mindestens" 66 amerikanische Stützpunkte oder besetzte Territorien rund um den Erdball (Jahr 2000). Eine stolze Zahl. Offensichtlich ist auch nach Roosevelt ein rasanter Fortschritt in der Ausdehnung des Weltreiches erreicht worden. Die unternommenen Schritte werden als bekannt vorausgesetzt. Ein kurzer Kommentar folgt.

Anläßlich der Konferenz von Potsdam (Juli-Aug. 1945) versucht Präsident Truman Stalin mit der Atombombe zu imponieren; zum selben Behufe läßt er über 200.000 Menschen in Hiroschima und Nagasaki töten. Er sträubt sich auch nicht dagegen, im Potsdamer Plünderungsvertrag Deutschlands unermeßliche wissenschaftlichen, menschlichen und kulturellen Schätze mit dem Roten Zaren zu teilen. Nur sichert er sich den Löwenanteil. 15 Millionen Deutsche und Millionen Anderer werden aus Ostdeutschland und Osteuropa vertrieben, was der Tscheche Benesch, Roosevelt und Stalin schon vorher ausgeheckt hatten.[10] Die unter der Leitung General Dornbergers und Prof. Wernher von Brauns nach den USA verfrachteten Raketenspezialisten verhindern das Auslöschen Amerikas durch Stalin und legen den Grundstein zur amerikanischen Weltraumeroberung. Als im Juni 1950 etwa 75.000(!) nordkoreanische Truppen Südkorea angreifen, welches den Norden um die 400 Mal provoziert hatte, bricht Truman im gewohnten Cäsarenstil die Verfassungspflicht des Kongresses, Krieg zu erklären, und erwidert mit einer Großkampf-"Polizeiaktion". Über drei Millionen "Feinde" werden getötet, in der Mehrheit koreanische Zivilisten.

Eine noch umfangreichere Todesernte wird im Vietnam- bzw. Indochinakrieg eingebracht. Ein weiterer Cäsar, diesmal der mit allen Wässerchen gewaschene Lyndon B. Johnson, täuscht nach althergebrachter Art einen Angriff der Nordvietnamesen auf provozierend die nordkoreanischen Gewässer durchkreuzenden amerikanischen Kriegsschiffe vor. Am 7. August 1964 reagiert der Kongreß wie gehabt mit einem Ermächtigungsgesetz ("Tonkin Gulf Resolution"), das Johnsons bereits angeordnete Massenbombardierung des Nordens gutheißt. Der Präsident möchte gern "Kanonen mit Butter". Aber ach - es gelingt ihm nicht. Obgleich er Südvietnam und Südostasien mit amerikanischen Truppen und Material überschwemmt und die Zivilbevölkerung völkerrechtsbrechend dezimiert (KZs, Chemiekrieg), zwingen seine überhohen Ausgaben für innen- und außenpolitische Ziele die amerikanische Wirtschaft auf Jahre hinaus in die Knie ("Stagflation" - Flaute mit Teuerung). Die Neger und die Studenten revoltieren.

Es bedarf keiner überreichen Phantasie, ähnliche, aber ernstere Ergebnisse nach 2001 auch den Abenteuern des Präsidenten Bush vorauszusagen. Doch ist die Geschichte, mit den Worten des großen Sozialwissenschaftlers Max Weber, kein Wiener Fiaker, aus dem man nach Belieben aus- und wieder einsteigen kann. Gegen jene, die mit erhobenem Zeigefinger gerne schulmeistern möchten, gibt es tatsächlich geopolitische, wirtschaftliche aber auch weltanschauliche Zwänge, denen ein Staat nicht ungestraft entrinnen kann. Freilich darf ein Gebilde von der Größenordnung, der eingeklemmten Lage und geistigen Verwundbarkeit etwa Frankreichs, Deutschlands oder auch Österreich-Ungarns vor 1914 keineswegs mit den USA verglichen werden, die nach 1945 das einzig überlebende Weltreich darstellen. Dem aus seiner über zwei Großkontinenten aufsteigenden Zitadelle und schon damals über die sieben Weltmeere und fünf der sechs bewohnten Festländer gebietenden Amerika steht da ein ganz anderer Spielraum offen als selbst dem einstigen britischen Empire. Allerdings sind auch ihm in einer Welt der zur Freiheit aufstrebenden Völker deutliche Grenzen gesetzt. Deswegen bemühte sich Amerika schon vor dem Sowjetuntergang,

  1. außenpolitisch die Völker zu verdumpfen und in einem "Weltendorf" zu vermassen ("Fellachinismus", Oswald Spengler);
  2. die auch nur potentiell Mißliebigen mit ungeheurer Waffenübermacht auszurotten; und
  3. innenpolitisch widersprüchlich den Sendungsdrang seiner Bevölkerung zu mobilisieren, sie aber wirtschaftlich und politisch zu entmachten.

Trotz aller Freiheits-Fanfarenstöße (und mit Hilfe derselben die Übermacht der Oberen Zehntausend absolut gestaltend) ist es das Ziel des amerikanischen Staates, die Menschen der Erde endgültig dem Frondienst zu unterjochen - dergestalt seine Zukunft vernichtend. Der Staat ist zugleich auch Weltwirtschafts- und Finanzzentrum ("Wallstreet"). Denn Politik ist Geschäft und Geschäft Politik. Ja, es darf so gar ein "Spiegelgesetz der Weltherrschaft" aufgestellt werden:

  1. ein Imperium verliert in dem Maße seinen Freiheitsspielraum, als es seine Herrschaft über sämtliche Zipfel der Erde einseitig auszudehnen bestrebt ist;
  2. es ist gezwungen, die ganze Erde zu unterwerfen, um jeglichen, auch nur potentiellen Freiheitshort schon im voraus zu tilgen.

Es befindet sich also in einem ständigen Kriegszustand, was seiner Wirtschaft schlecht bekommt. Andererseits führt die ungezähmte Welt-Industriewirtschaft, der Raubbau an Mensch und Natur zum unzeitigen Siechtum und frühen Tod ihrer selbst.

Der gescheite, persönlich sympathische Präsident und Nobellaureat Carter bekommt manche dieser Widersprüche und Zwänge ab 1976 am eigenen Leibe zu spüren. Er versucht, im Zuge seiner das "Menschenrecht" betonenden Außenpolitik Panama eine beträchtliche Mitbestimmung am Panamakanal einzuräumen (Panama wurde unter der militärischen und finanziellen Geburtshilfe Präsident T. Roosevelts 1903 aus Kolumbien herausseziert). Wegen der von R. Reagan angeführten innenpolitischen Opposition muß Carter "zurückstecken". Panamas Omar Torrijos, ein Trabant der USA, plant, sein Land in eine "amerikanische Schweiz" zu verwandeln, was durch seinen rätselhaften Tod verhindert wird. Miami übernimmt die Wirtschaftsführung über ganz Lateinamerika. Im Dezember 1989 überfällt Präsident Bush d.Ä. Panama und installiert ein Marionettenregime. Das Land fällt in eine drückende Armut zurück. Die "Camp David-Vereinbarungen" zwischen Carter, Ägyptens Präsident Anwar al-Salat und Israels Menachem Begin bezeichnen seither den Höhepunkt der Versuche, einen Ausgleich zwischen Israel (dem Degen Amerikas über dem Nahen Osten) und den Arabern, vor allem den Palästinensern zu schaffen. Mit Carters Worten sind die Bestimmungen, wonach Israel sich verpflichtete, aus dem Westjordanland u. Gaza sich zurückzuziehen und seine Wehrsiedlungen aufzulösen ("Land um Frieden") bis heute nicht erfüllt - von den Madrid- und Oslo-Übereinkommen ganz zu schweigen.[11] Freilich muß auch Präsident Carter sein "Pfund Fleisch" zum Opfer bringen: er ist gezwungen, seinen UNO-Botschafter Andrew Young (dem Mitstreiter Dr. Martin Luther Kings) zu entlassen, weil dieser sich Unterredungen mit den Palästinensern zuschuldenkommen ließ.

Was auch die - machtpolitisch begründeten - Unterlassungen Carters in Palästina gewesen sein mögen, sein Schicksal ereilt ihn im Iran. Dort hatten die USA die alteingeführten Imperialisten England und Rußland unsanft ausgebootet. Kurz nachdem Roosevelt und Churchill im August 1941 durch die Atlantikcharta das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Unverletzbarkeit der Grenzen verkündet hatten, überfielen England und die Sowjetunion den Iran und zogen ihre Besatzungszonen. US-Präsident Truman sorgte dafür, daß Stalin auch aus dem Nordiran (einschließlich Aserbeidschan und Kurdistan) entfernt wurde. Die Briten blieben mit ihrer "Anglo-Iranian Oil Company". Als Premierminister Mossadegh diese aber 1953 nationalisierte, stach er in ein Wespennest. In einem ihrer berühmten Unternehmen (Operation Ajax) bemächtigte sich die CIA gewisser königstreuer Generale und trieb unter der Führung von Kermit Roosevelt Mossadegh aus Parlament (Madschlis) und Land. Schah Reza II. wurde wieder eingesetzt und baute die berüchtigte Geheimpolizei Savak auf - mit Rat und Tat der CIA. Und siehe da, unter Washingtons sanftem Druck erobert ein amerikanisches Ölkartell im Handstreich die strategische Lage in der iranischen Wirtschaft (British Petroleum Co., Royal Dutch Shell und die "Compagnie Francaise des Petroles" bleiben Minderheitsteilnehmer). 1978 erntet Carter die Früchte dieser Interventionen: Krawalle, Streikwellen und Ajatollah Khomeinis Revolution. Der von Carter unterstützte Schah muß fliehen. Als er endlich in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert wird, stürmen iranische Studenten die US-Botschaft in Teheran und halten 52 Amerikaner 444 Tage lang als Geiseln gefangen. An einem Glückstag, dem 20.1.1981, kurz nach Reagans Amtseinführung, kehren sie heim. Das Geheimnis hinter diesen Zauberzahlen lüftet sich mit der Zeit etwas: Reagan und seine Adjutanten (darunter der Vizepräsident in spe Georg Bush d.Ä.) hatten in Paris und Madrid mit Khomeinis Abgesandten Geheimverhandlungen betrieben - während sie öffentlich den Ajatollah als den düstersten Ausbund der Bosheit verteufelten. Schließlich schickt der Präsident dem Ajatollah noch eine Bibel mit seiner Widmung...

Solche Bocksprünge hat Carter sich nicht geleistet. Und doch, zwischen den aufeinanderprallenden Ratschlägen von Außenminister Vance und Staatssicherheitsberater Zbigniew Brzezinski hin- und hergerissen, scheint das Herz Carters sich endlich jener Sekte der Machtelite zugeneigt zu haben, der nach dem Vietnamfiasko wieder die Hörner wuchsen (und die mit Reagan bis heute die endgültige Vorherrschaft in Staat, Welt und Wirtschaft errungen hat).[12] Wenn Dr. Brzezinskis öffentlichen Ausführungen Glauben geschenkt werden darf (er hieß sich den ersten Polen, der nach 300 Jahren endlich in der Lage sei, es den Russen heimzuzahlen), wurden die Sowjets mit amerikanischen "Aufmarschplänen" in das strategische Schlüsselland Afghanistan in die Falle gelockt. Wieder einmal ein Streich der CIA.

Alles in allem: obgleich auch in seinem Wesen die Predigerallüren seiner Vorgänger und Nachfahren zu irrlichtern scheinen, war Carter trotz aller Zwänge meilenweit von deren zynischen Gewalt- und Weltaneignungspolitik entfernt. Er ist ein Mensch. Eigenartig, daß gerade er und Präsident Hoover - in der Politik die Gegenpole der Cäsaropapen - den "weniger wirkungsvollen" Führern (Laudatio Gunnar Berges, Vorstand des norwegischen Nobelkomitees) zugerechnet werden. Daß Carter in seiner Dankesrede im Rathaus von Oslo 2002 u.a. (a) "mächtige Staaten" wegen des ansteckenden Beispieles vor Aggressionskriegen warnt (er heißt sie "Präventivkriege") und (b) drei Atommächte erwähnt, die in Gegenden "hoher internationaler Spannung" lägen und ihre Nachbarn bedrohten (Indien? Pakistan? Israel?), wird ihm in den USA sehr übel angekreidet. Doch es spricht für den Mann.

Carters Nachfolger machen sich's da leichter. Obschon sie an das blasiert-bornierte Auftreten ihres aristokratischen Vorbildes F.D. Roosevelt persönlich nicht heranzureichen vermögen, eifern sie seinem skrupellosen, modernen Cäsaropapismus weltweit mit verdoppelter Frische nach. Es stimmt zwar, das Reagans fieberhafte Rüstungsausgaben - und sein Bündnis mit dem polnischen Papst - dem Sowjetreich (das Roosevelt seit 1933 mit allen Schlichen zu fördern versucht hatte), dem "Reich des Bösen', das Licht ausbliesen. Zugleich aber beschleunigten sie die ernsthafte Teuerung in den USA und stürzten die Mehrheit der US-Bevö1kerung in Armut und tiefe Verschuldung, während eine Handvoll Plutokraten, die Freunde Reagans, Bush seniors, Clintons und Bush juniors sich über alle Maßen bereicherte. Sie alle haben dies gemein:

  1. Ihr Bündnis mit der weltpolitisch mächtigsten Bewegung gestattet es ihnen, die Schlünde der totalitären Nachrichtenfabriken New Yorks und Hollywoods zum Schleudern nie abreißender Bannflüche gegen jeden auch nur potentiell Mißliebigen aufzureißen.
  2. Um Exempel zu statuieren und Milliarden- bzw. Billionenverdienste einzustreichen, greifen sie strategisch günstig gelegene Schwache an, so z.B. Grenada, Nikaragua, Panama (und intervenieren in sämtlichen Nachbarstaaten: Kolumbien, Haiti, Honduras, El Salvador, Guatemala), Libyen, dem Sudan, Afghanistan und knüpfen so an die imperialen Traditionen Nixons, Johnsons wie auch deren Vorgänger bis ins frühe 19.Jh. an.
  3. Sie geben vor, die "Demokratie" zu fördern, errichten tatsächlich eine seit den Hoch-Zeiten des Feudalismus (besser gesagt: seit den Endzeiten des römischen Reiches) unerreichte, hauchdünne Minderheitspolitik: eine Oligarchie. Dies hat wie gewöhnlich mehrere Seiten. Verfassungsrechtlich (nach der heutigen, 1787 angenommenen "Constitution") sind die USA bis jetzt keine "reine", plebiszitäre Demokratie. Die viele Gründerväter beseelenden Gefühle kommen im Ausbruch Hamiltons (der "rechten Hand" des herausragenden Generals Washington) zum Vorschein:

»Das Volk, mein Herr, ist eine große Bestie.«

Das Prinzip ist nicht, wie oft fälschlicherweise behauptet wird: "Ein Mensch, eine Stimme" (und deshalb denselben Einfluß in der Politik!). Gerade deswegen unterlag in den Präsidentschaftswahlen von 2000 der Kandidat Gore, der eine Mehrheit von einer halben Million über seinen Gegner Bush erzielt hat, mit Hilfe des republikanisch geneigten Obersten Bundesgerichtshofes. Die so "optisch" entstehende Blöße versucht Bush - nach dem Urteil realistischer Beobachter - dadurch zu verdecken, daß er das ihm bekannte Attentatskomplott vom 11. September nicht verhindert oder es durch amerikanische Agenten provoziert (in den Fußstapfen seiner Vorgänger ab 1818, 1846, 1861, 1898, 1915, 1939-41, 1963, 1964 usw.).[13] "Schaun 'mer mal..."

Die politischere Seite: im Jahre 2000 geben nur 52% der Stimmberechtigten ihre Stimme ab. 1996 sind es weniger als 49%. Landtags- und Lokalwahlen sind noch weit weniger beliebt. Grund: die Entfremdung der Massenwähler vom "System", ausgelöst durch die Unterdrückung und die blutige Ausrottung der zahlenmäßig starken, nicht-oligarchischen sozialpolitischen Bewegungen von Seiten des plutokratischen Zweiparteiensystems seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis jüngst. Die Bessergestellten und Betuchten ziehen den Nutzen daraus. Daß die Republikanische Partei durch den Erfolg der Nixon-Strategie "für die Südstaaten" und der Väterchenrolle des Plutokratenfreundes Ronnie Reagan die weltanschaulich und weltpolitisch stärkste geworden ist und die Demokraten lahmgeschossen hinterherhinken, ist ein Ergebnis. Ein zweites: das Aufblühen der schon im 18. Jahrhundert ausgesäten Idee, daß "wir in einem Paradies leben", analog dem "Paradies der Werktätigen" unter den Väterchen Lenin, Stalin und Breschnjew.[14] Es keimt die logische Absurdität auf, daß sich laut Umfragen 19% der US-Bürger einbilden, Mitglied der obersten Gesellschaftsklasse, der oberen "ein Prozent" zu sein und daß etwa weitere 20% der US-Bürger erwarten, bald dazuzugehören... Der Atombombenerfolg der Unterdrückungs- und expansiven Imperialpolitik der Machtelite! Bushs Berater (vor allem der bekannte Karl Rove) schüren diese Gefühle und die seit dem 11.9.2001 kursierende hysterische Angst, um die Schraube der Entmachtung und der Aggression hurtig weiterzudrehen.

Die wirtschafts- und sozialpolitische Seite: Dabei klafft die Kluft in der Wirtschaftsmacht nun (im letzten Jahrzehnt) zwischen den wenigen Reichen einerseits und dem Gros der Bevölkerung andererseits erschreckender auseinander als selbst in der rasenden Bereicherungszeit vor und nach dem Sezessionskrieg von 1861-65, im "güldenen Zeitalter". Wer sich ein köstlich-ergötzliches Bild der damaligen - und der jetzigen - Zustände machen möchte, lese den Klassiker: Gustavus Myers, Die großen amerikanische Vermögen.[15] Nur daß eben im heutigen Alter des einseitigen Weltimperialismus die Praktiken der Korruption, der Bestechung und der Eroberung des Staatsapparates noch allgegenwärtiger sind. Selbst einstige deutsche Kanzler ziehen es vor, kein Liedlein davon zu singen. Wie der baptistische Geistliche und ehemalige Assistent von US-Präsident Johnson, Bill Moyers, am öffentlichen Fernsehen (PBS) klarlegte, wird "Einfluß" im Weißen Haus, dem Kongreß und den Gerichtsverfahren gekauft...

Persönlich und geschäftlich mit der Öl-, Kohlen- u. Rüstungsindustrie verbunden, unterlassen US-Präsident Bush und sein Vize Cheney keine Gelegenheit, die Großindustrie zu schützen und zu stützen, damit sie die Umwelt und die Menschen wirksamer "beeinflussen" können, und räumen ihnen unbegrenzte Möglichkeiten im Irak, Iran, Mittelasien, am Kaspischen Meer, in Afghanistan ein. Clinton war selbstverständlich ebenso geschäftstüchtig. Seit dem Sommer 2002 wird aus Washington berichtet, daß die "carpetbaggers" (Kriegsprofitgeier) vor dem Oval Office im Weißen Haus Schlange stehen, um ihre Ölmilliarden und -billionen im Irak usw. zu sichern.

Im Inneren Amerikas aber sieht das Bild etwas düsterer aus. 40 Millionen Amerikaner "erfreuen sich" gar keiner Krankenversicherung; bei mehr als 80 Millionen anderen, die ihre Krankenkasse am Arbeitsplatz vermittelt erhielten (bei 129 bis ca. 140 Millionen Beschäftigten, wovon laut dem "U.S. Bureau of Labor Statistics" 29,5% Teilzeitarbeiter sind), wird sie laufend und drastisch gekürzt. Nach den Angaben des demokratischen Senators Kerry hungern jährlich 13 Millionen Kinder; die Mehrzahl der Viertklässler in den öffentlichen Grundschulen ist des Lesens unkundig; die meisten Schüler der achten Klasse an öffentlichen Schulen sehen sich außerstande, eine einfache praktische Rechenaufgabe zu lösen. Immerhin hatte sich der Kandidat und Frühpräsident Bush als den "Erziehungspräsidenten" gelobt. Das hindert ihn nicht daran, die Erziehungszuwendungen an die Staaten um 1 Milliarde Dollar zu kürzen. Weiter gekürzt werden die Arbeitslosenunterstützung, die Unterstützung für die Sicherheit am Arbeitsplatz, für das Kinderimpfprogramm und die Verhütung von Geburtsfehlern, usw. Dem Bericht des Direktors vom berühmten "Woods Hole Forschungszentrum", Massachusetts zufolge überschattet und verdrängt der "Krieg gegen den Terrorismus" den lebenswichtigen Natur- und Umweltschutz. Sehr bezeichnend ist, daß Bush junior der destabilisierenden Finanzpolitik Reagans nacheifert, indem er hauptsächlich den oberen 2% in der Einkommensskala eine Steuerreduktion von $1,35 Billionen (US-Trillionen) beschert und das so entstehende gähnende Loch im Staatshaushalt damit zu stopfen versucht, daß er den gesetzlich unantastbaren Rentenfonds (Social Security Fund) über 10 Jahre $1,5 Billionen entwendet. Ohne diesen politisch motivierten Diebstahl beliefe sich den Angaben des "Congressional Budget Office" zufolge das Washingtoner Staatsdefizit in 10 Jahren auf $2,8 Billionen. 42 der 50 Bundesstaaten sind um weitere Hunderte Milliarden verschuldet, allein Kalifornien um die $40 Milliarden. Das gibt zu einschneidenden Kürzungen im Bildungswesen und den lebenswichtigsten Gesundheits- und Dienstleistungen Anlaß. Des ungeachtet spendiert der Oberbefehlshaber und Präsident Bush täglich(!) eine Milliarde Dollar für die Rüstung. Er gibt seinem Finanzminister O'Neil und dem Wirtschaftsberater Lindsey den Laufpaß, weil diese die unmittelbaren Kosten des Irakabenteuers auf $200 Milliarden bezifferten und weil sie die vorgesehenen weiteren Steuerkürzungen um die $730 Milliarden, die hauptsächlich den Wohlhabendsten zugute kämen, wegen des inflationären Drucks ablehnten. Der Präsident des "Federal Reserve Board" (US-Zentralbank) Greenspan, der derselben Meinung ist, wird offiziell geknebelt. Die Verlautbarungen selbst der stattlichen Wallstreetfirma "Goldmau, Sachs &Co." mahnen den Präsidenten, wenn schon, dann nur einen Blitzstich der "Anspornung" vorzunehmen, um baldigst zu den Gefilden der gesunden Finanzpolitik zurückzukehren. Allzusehr liegen noch die ungesunden Konsequenzen der "Stagflation"-Krise unter Johnson und dessen Nachfolgern vor Augen.

Kurze Hinweise: während der Aktienbaisse der Jahre 2000-2003 verliert die US-Wirtschaft mindestens $7 Billionen Dollar; der Vorgang ist lange noch nicht abgeschlossen (Spekulierseifenblase der 90er Jahre!); wenige Bonzen streichen Billionengewinne ein, während das Heer der Kleininvestoren auch noch den letzten sauer zusammengesparten Kreuzer verliert. Diese dreijährige Vertrauenskrise (gigantische Betrügereien der Großkonzerne!) stellt die längste seit 1940 dar, dem letzten Jahr der US-Wirtschaftskatastrophe.

Da Präsident Clinton mit viel Tamm-Tamm die Armenfürsorge "reformierte", ist im heutigen Notstand der Andrang zu den karitativen Anstalten der überwältigendste seit 1940; wohlgemerkt das Gros der Amerikaner ist stark verschuldet; seit der Kreditkartenmode rast die Privatverschuldung um weitere Trillionen Dollar hoch, die Wirtschaft beschleunigt destabilisierend. Es herrscht also die schlimmste Not seit 63 Jahren. Ergo: Bushs Aufrüstung und seine Förderung des Großkapitals werden buchstäblich aus dem Fleisch der Bürger herausgeschnitten. Typisch für ein Entwicklungsland. Wie lange noch?

Typisch auch die auf Andrew Jackson und dessen Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts zurückreichende Plündermentalität - gegenüber den eigenen Staatsangehörigen und gegenüber sämtlichen Außenstaaten -, die nach dem Vietnamfiasko und der aufgeklärteren Herrschaft Carters seit Reagan fröhliche Urständ' feiert. Sie entspringt dem Ehebund des Kolonialkapitalismus mit dem Welteroberungsdrang und der Industrialisierung des Massenmenschen (ménage à trois). Nicht, daß daheim wenig oder nichts zu verbessern wäre. Ganz im Gegenteil harren da gewaltige Aufgaben jener, die sich noch einen Rest des menschlichen Bewußtseins bewahrt haben. Die Infrastruktur z.B. ist in wüstem Zustand: zwei Drittel aller Brücken, einschließlich der Autobahnbrücken, sind baufällig; der Güter- und der Personenverkehr der Eisenbahn ist in desolatem Zustand; der öffentliche Nahverkehr in den meisten Ballungsräumen ist völlig unzureichend. Der Mißstand deutet auf ein größeres Übel hin: die funktionell, geographisch und rassisch unausgewogene Sozialstruktur. Mehrere großflächige Elendsräume durchfurchen das Land. Der berüchtigste, "Appalachia", zieht sich in einem 2500 km weit ausholenden Bogen von den Toren der Hauptstadt Washington bis über den Mississippi nach Arkansas und Texas hin. Der buntschillernde Präsident Johnson war der letzte, der dieses Gebiet menschlicher zu gestalten suchte. Er rannte sich in Vietnam fest. Die Städte selber sind von Elendsvierteln und Elendsstätten durchzogen und umlagert, wie: Bronx, Brooklyn, Harlem, Hoboken, Jersey City, Newark, Camden, East St. Louis, ganz Detroit, wo Dutzende von Millionen dahinvegetieren. Der bekannte Thomas Wolfe schildert die Lage in seinem Roman Es führt kein Weg zurück wie folgt:

"Die blinde Ungerechtigkeit dieses Kontrastes war für ihn das Brutalste: nur wenige Blocks von diesem Abgrund menschlicher Verkommenheit und menschlichen Elends entfernt, erstrahlten ringsum im kalten Mondlicht die Hochburgen der Macht, in deren Riesentresoren ein Großteil des Reichtums der ganzen Welt verschlossen lag."

Die menschliche Verkommenheit? Sie umzieht am düstersten die Gipfel der Macht. Wenn ein Firmenvorstand (CEO) typisch 40 mal mehr "verdient" als sein Arbeitnehmer (der im Jahr 2001 je nach Kurs $29.000 bis 31.000 brutto jährlich verdiente) und wenn, laut dem Finanzblatt Forbes, die 400 reichsten Amerikaner ein Vermögen besitzen, das die Habe der 30 Millionen ärmsten um das dreifache übertrifft, dann darf kein ausgesprochenes Verständnis der Reichen für die Nicht-Reichen angenommen werden. Wenn das Vermögen eines mehrfachen Milliardärs das Sozialprodukt von 50 UNO-Staaten übertrifft, wird das Klassenverständnis seiner Mitreichen für die "Entwicklungsländer" - einschließlich der USA - die reine Profitrechnung selten übersteigen. Von dem aufgestauten revolutionären Zorn der Massen Afrikas und Asiens ganz zu schweigen. Dieser Zorn wird von dem Verhalten der US-Elite gegenüber Staaten wie Haiti, Kuba, Nicaragua, Panama, Kolumbien, Brasilien, Argentinien, Chile, Nigeria, dem Kongo, dem Irak, Iran, Pakistan, Indochina, Indonesien usw. wohl kaum gemildert.-

Die Werke Samuel Huntingtons (Harvard Univ.) wie The Clash of Civilizations (1996), die einen Welt-Zusammenprall zwischen dem Häuflein technisierter, einst abendländischer Völker und der Überzahl der nicht-europäischen Völker voraussagen und feststellen, geben zu denken. Ja, vielleicht noch erregender wäre die Möglichkeit eines Krieges zwischen den "Vereinigten Staaten von Europa" und dem "Kaiser Nordamerikas", welche der 1827 früh verstorbene schwäbische Dichter Hauff und der bedeutende Poet Lord Tennyson schon im 19. Jahrhundert voraussahen. Wenn sich die Entwicklung weiterhin so beschleunigt wie seit der Französischen Revolution von 1789, gehören solche Hypothesen nicht unbedingt mehr nur ins Reich der Phantasie.[16]

Ein Streiflicht auf diese vorrevolutionäre und Vorkriegslage (nach außen und innen) werfen die spöttischen Kommentare der leider viel zu seltenen satirischen Blätter Amerikas. Die "ernsten" Zeitungen, samt ihrer Fernseh-, Radio- und anderer Zweige, sitzen viel zu tief im Schraubstock der "Aufklärungspolitik" des Staates und dessen "Großen Bruders", um noch glaubhafte Randglossen zu den imperialen Gesten der Oberen abgeben zu können. Während es früher Tausende autonomer Verleger, Radionetze und Filmproduzenten gab, gehört der Äther Amerikas und der Welt heute sechs Medienriesen. Ob sie nun proklamiert: "Bush möchte UNO-Unterstützung für den Plan, daß die USA alles tun dürfen, was ihnen paßt" (3. Okt. 2002) oder: "Alle 42 Präsidenten von Washington bis Bush sind der Lüge in wichtigen Staatssachen überführt" (5. Dez. 2002) oder gar: "Saddam Husseins volle Einwilligung in die Entwaffnungsforderungen der USA und der UNO erbost Bush" (13. Feb. 2003), gehört die Wochenzeitung The Onion (Die Zwiebel) zu den ergötzlichsten satirischen und bluternsten Zeugen unserer Zeit. Was sie mit Humor zu verstehen gibt, wird zum Entsetzen des Weißen Hauses und der "No. 10 Downing Street" von einem zunehmenden Demonstrantenheer in den USA und rund um den Erdball wahrhaft und standhaft verkündet: "Kein Krieg im Irak", "Friede der Welt!"

Mehr als 36 US-Großstädte verabschieden schon vor dem 18. Jan. 2003 Friedensresolutionen. Chicago schließt sich ihnen an. In Milwaukee führt der 90-jährige sozialdemokratische Altbürgermeister Zeidler eine starke Friedenskundgebung im Rathaus an. Am 18. Januar marschieren Hunderttausende für den Frieden, mehrere Hunderttausend allein in der Hauptstadt Washington. Am folgenden 15. Februar versammeln sich mindestens eine halbe Million Friedensdemonstranten vor dem UNO-Gebäude in New York, etwa 750.000 im England des Tony Blair und überwältigende 11 Millionen um die Welt. Tatsächlich sind diese Kundgebungen überzeugender als die im Früh- und Mittelstadium des Vietnamkrieges. Das Weiße Haus zeigt sich "nicht beeindruckt"; seine Herrschaft beruht schließlich nicht auf demokratischer Legitimation. Doch bedeuten sie zweifellos eine ernste Herausforderung der Scheinheiligkeit seiner Gewaltpolitik. Die große Mehrheit der US-Bevö1kerung lehnte das Irakabenteuer ohne UNO-Vollmacht ab. Es wäre ein explosiver Schlag gegen ihr Sendungsbewußtsein, "Die Freiheit" in der Welt zu verbreiten, wenn die lange unterdrückte Wahrheit herauskäme, daß wieder einmal ein einseitiger Eroberungskrieg eingeleitet wurde.

Wenn ein solcher Krieg von andauernden Wirtschafts- und Militärkrisen begleitet wäre - was durchaus im Rahmen des Möglichen liegt -, dann würde die Bevölkerung wahrheitsgemäß den "Obersten Kriegsherrn" Bush dafür verantwortlich halten, die zischende Lunte in das Pulverfaß Vorder-, Mittel-und Südasien geworfen zu haben. Dann wäre der Präsident der bestgehaßte Mann im Land. Wie vom republikanischen Strategen Pat Buchanan im Buch A Republic, Not an Empire wohl erkannt,[17] dreht sich dann der Auserwähltheitsfimmel gegen die Elite und ihr Weißes Haus. Der dumpfe Schmerz und die seit der Vernichtung der demokratischen Bewegungen durch die Plutokratie von 1880 bis 1920 ausgelöste Entfremdung der Massen von sich selbst wechselt in den lodernden Freiheitsdrang um und bahnt sich im Kampf mit den Trägern des Imperialismus das Strombett zur Anarchie. Von den 200 Jahren Raubbau an Mensch und Umwelt und seinen Naturkatastrophen ganz zu schweigen. Dann, in der prekären Lage und "ganz natürlich" steigt ein Großer Diktator auf, der sich als den Heiland und Herrn über sämtliche Welt- und Amerikakrisen anbietet.

Die Mahnungen Washingtons und Jeffersons in den Sturmwind schlagend, doch tief in den Fußstapfen seiner diktatorischen Vorbilder und Ausstandsführer Lincoln, Wilson und Roosevelt hat das Bush'sche Weiße Haus die Gelegenheit schon im voraus beim Schopf erwischt. Es hat sich ganz vorsorglich vorbereitet, nach außen und innen. Als ob im Spiel der Weltpolitik das militärische und das "Hochdruck"-Moment das Überwiegende wäre - ja, als ob es seit 1991 gar kein Spiel der Weltpolitik mehr gäbe, im Gegensatz zu Präsident Hoovers Mahnung, daß solide Diplomatie nicht mit den "Hunden des Krieges" bewerkstelligt werden kann - hat es, kurz ausgeführt, folgende Schritte nach außen unternommen oder erweitert:

am Feindbild gegenüber Rußland hat sich wenig geändert; trotz aller russisch-amerikanischer "Zusammenarbeit" gegen den sogenannten Terrorismus bleibt der Finger am Abzug; wie der Sheriff und seine Gegner im Wildwestfilm beäugen sich Amerika und Rußland über die Läufe von je 2000 Sprengköpfen, die in zwei Minuten hochgeschickt die Sprengkraft von 80.000 Hiroschimabomben in sich vereinen. Auch die US-Strategie hat sich nicht gemäßigt. Weiterhin "beschatten" US-U-Boote (mit Kernraketen bestückt) die russischen Küsten; US-Raumsatelliten spähen in die dunkelsten Ecken. Am Kaspischen Meer, in Mittelasien, Afghanistan und Pakistan schwingt Onkel Sam sein Szepter und baut seine Öl- und Erdgasleitungen. Im Balkan, auch auf der Fährte reicher Bodenschätze, mischt er sich in einem traditionellen russischen Interessenbereich ein. Im Irak betritt er den Vorhof Rußlands und versucht, dieses mit der Drohung zu erpressen, daß es für den Fall, daß es nicht "pariert", seine Ölkonzessionen in einem US-besetzten Irak verliert (dasselbe gilt übrigens auch für Frankreich). Soll Rußland also das Wenige retten, was ihm von seiner Unabhängigkeit noch übriggeblieben ist und was es notgedrungen zu einer "unanfechtbaren" eurasischen Kontinentalmacht auszubauen bestrebt ist, so muß es den USA gegenüber seinen Hauptnachteil bereinigen: seine geopolitische Klemmlage (wieder einmal eine Tschistka). Das heißt, daß es auf irgendeine Weise zu den Halbinseln Mittel- und Westeuropas vorstößt und den durch Bushs Säbelrasseln provozierten, vielleicht vorübergehenden Bruch der NATO (Amerikas "dicker Knüppel" in Europa) ausnützt und verschlimmert. Möglich würde dies erst zur Zeit einer tiefgreifenden, internen Krise der USA. Dann erfüllte sich Donoso Cortez' Wort aus dem 19. Jahrhundert, daß Rußland Gewehr bei Fuß ganz Europa durchmesse.[18] Daß die US-"Sandkastenangriffspläne" auf Rußland, China, Nordkorea, den Iran, Irak, Syrien usw. usf. erstaunlicherweise im Jahre 2002 aufgedeckt wurden, erhellt die Lage weitgehend. Wie schon seit 1861 und 1917 mehrmals, so deklamiert das Weiße Haus auch jetzt düster, daß Neutralität vom Bösen ist. "Du bist entweder mit oder gegen uns". Basta. Den Neutralen oder den Zaudernden erwartet der überwältigende "präventive Gegenschlag".

Es überrascht also nicht, daß Bush & Pentagon folgenschwere Schritte in die Wege geleitet haben: die Weiterentwicklung des "Sternenkriegsprogramms", einst Reagans krankes Lieblingskind; trotz des russischen Protestes wird deswegen der "Anti-Ballistic Missile"-(Raketenabwehr-)Vertrag außer Kraft gesetzt; die vom Weißen Haus und Rumsfeld vorgegebene Begründung, ihnen lägen ausschließlich die "Schurkenstaaten" im Sinn, ist wirklichkeitsfern;[19] die totale militärische Vorherrschaft der USA über den Weltenraum; den Einsatz "taktischer" Kernwaffen ("Bunkerknacker") auch gegen nicht-nukleare Staaten, wie dem Irak oder Iran; die vorgetäuschte "Zerstörung" des eigenen Kernwaffenarsenals (um dem "Nicht-Vermehrungsabkommen" vorgeblich Genüge zu tun), indem Waffenteile zeitweilig demontiert werden, um jederzeit wieder zusammengebaut werden zu können; den Bau einer neuen Nuklearfabrik mit dem Auftrag, die Kerne von bis zu 500 Atombomben jährlich herzustellen; die Wiederaufnahme der "Nukleartests"; das Weiterverfolgen der "B und C-Dimensionen" der A,B,C-Waffensysteme (atomar, biologisch, chemisch);[20] die Anwendung nicht-nuklearer "Massenvernichtungswaffen" von höchster Brisanz; damit zusammenhängend die Anwendung eines zermürbenden "Shock and Awe"-(Schrecken und Furcht)-Erstschlages gegen angegriffene Großziele und Großstädte, etwa Bagdad, Basra, Teheran oder die Ballungsräume anderer, nicht genehmer Staaten; die Ernte an toten Nichtkombattanten dürfte pro Ziel mehrere Tausend nicht unterschreiten; die Bereitschaft, jenseits aller Genfer, Haager oder ähnlicher Konventionen die Soldaten und die Zivilbevölkerung der angegriffenen Staaten als Versuchskaninchen "zukunftsträchtiger" Vernichtungswaffen zu mißbrauchen.[21]

Selbstverständlich stellen manche dieser "undichten" Meldungen einen Teil des "Schröcklichkeitsspektrums" der psychologischen Kriegführung dar, womit das Weiße Haus schon vor der Eröffnung der offiziellen Feindseligkeiten die Kampfmoral seiner in- und ausländischen Opponenten und Todfeinde zu untergraben beabsichtigt. Dessen ungeachtet ist es eine Zumutung sondergleichen - besonders auch an die Intelligenz seiner Bürger - daß eine vor Tötungsinstrumenten und Todesmethoden strotzende Weltübermacht andere drittklassige Staaten bezichtigt, "Massenvernichtungswaffen" zu verbergen oder entwerfen zu wollen. Schließlich scheint heutzutage nur der Besitz von glaubwürdigen Vergeltungswaffen die Unabhängigkeit und Selbständigkeit eines Staates zu gewährleisten.

Die zynische Selbstverständlichkeit, mit der sich die Machthaber weltweit fader Klischees und dreister Erpressungen bedienen, erinnert an den Aufschrei des Deutsch-Schweizer Historikers und Diplomaten Burckhardt: »Les terribles simplificateurs!« (Die furchtbaren Vereinfacher). Uralter Praxis entstammend, wurden Kampfrufe vor und während der Französischen Revolution von 1789 systematisiert. Sie wurden während des Ersten Weltkrieges von der Entente und von Woodrow Wilson, auch von Lenin und seinen Bolschewisten in einem Wettbewerb der Welterlöser erfolgreichst angewendet. Unter F.D. Roosevelt und seinen Nachfolgern, vor allem dem republikanischen Außenminister J. Foster Dulles und den Präsidenten Kennedy, Johnson, Carter, Reagan, Bush sen., Clinton und Bush jun. erreichen Schlagworte ("slogans") den Zenit der weltweiten und unablässigen, kombinierten militärischen, wirtschaftlichen und psychischen Gesamtfeldzüge, deren sich die genannten Cäsaropapen unter der unaufhörlichen Begleitmusik der Massen-"Neuigkeits"-Fabriken New Yorks und Hollywoods souverän bedienen.

Freilich scheinen Bush jun. und seine Machtelite zum Schluß gekommen zu sein, daß angesichts der wehrtechnischen Übermacht der USA nicht lange herumgefackelt werden muß. Ungeachtet der heiligen Eide, die die USA verfassungsrechtlich an die Normen der UNO-Charta binden (zwischenstaatliche Verträge erklärt die Verfassung zum "höchsten Staatsrecht"), werden diese und die UNO-Beschlüsse forsch übergangen wie z.B. Kap. 1, Art. 2, §4 der UNO Charta, der die Gewaltandrohung und -anwendung zwischen Mitgliedstaaten untersagt, oder wie Art. 33, der Verhandlungen, Unterredungen, Vermittlung, Schlichtung, juristische Entscheidungen und andere friedliche Wege zur Beilegung "internationaler Konflikte" vorsieht.

Andererseits bemächtigt sich das Weiße Haus flugs der durch seine Imperialpolitik heraufbeschworenen und provozierten "Ausnahmelage", um die bürgerlichen Rechte und Freiheiten und die Mündigkeit seiner Zivilbevö1kerung bis zur Wurzel zu beschneiden. Wie der Republikaner Buchanan und der linke Noam Chomsky übereinstimmend klarlegen, harrt der Staatstotalitarismus - die potenzierte Vervollkommnung des schon vorhandenen, wirtschaftlich-gesellschaftlichen Totalitarismus Amerikas - nur des "Terroristen-Endangriffs" auf die USA, um voll verwirklicht zu werden.

Es sei noch kurz erwähnt, daß trotz aller bibel- und ideologieschwingenden Kampfrufe, mit Hilfe totaler Kriege "die Welt für die Demokratie sicher zu machen" (Woodrow Wilson), die USA sich selber erst in den 1960er und 70er Jahren ernstlich in die Richtung einer Demokratie zu bewegen anfingen, was ihre Innenpolitik anbelangt. Die Bürgerrechtsgesetze von 1964/65 erweiterten das Wahlrecht für alle in einer Weise, wie sie Bismarck schon 1866 und 1871 im Norddeutschen Bund und im Zweiten Deutschen Reich allgemein einführte. Gebeutelt von der Niederlage in Indochina und vom Negeraufstand wachgerüttelt, erließ der Kongreß richtungsweisende Gesetze wie das "Freiheit der Information"-Gesetz, das Nationale Umweltpolitikgesetz (NEPA) und mehrere weitreichende Umweltschutzgesetze ("Reine Luft", "Reines Wasser", "Gefährdete Tier- und Pflanzenarten", "Umweltsäuberung"). Im Gegensatz zu den macht- und geldschwingenden Eliten hatte nun der kleine Bürger bzw. seine Vereine (wie der Sierraklub) zum ersten Mal in der Geschichte Amerikas die Gelegenheit, seine Meinung und die von Abermillionen von Mitbürgern in die Tat umzusetzen. Eine goldene demokratische Zeit schien anzubrechen.

Denkste. Die unter Reagans Demagogie wieder hochgepäppelte Plutokratie schreitet wie gehabt unter Bush und Cheney von Sieg zu Sieg.[22]

Nun wurden die Fenster, die in den 1960er und 70er Jahren das demokratische und plutokratiefreie Sonnenlicht hereinlassen sollten, von den Reagan- und Clintonregierungen mit verdreifachtem Eifer wieder versiegelt. Manche, wie der Direktor der Umweltschutzgemeinschaft "Sierraklub", werden an das aristokratische Gehabe der Kaufmannselite zu Anfang des 19. Jahrhunderts erinnert. Die klassischen Manchesterliberalen der US-"Rechten" andererseits beschleicht angesichts der gewaltigen Machtballung im Weißen Haus, welche die längst totgeglaubten Geister der demokratischen Cäsaropapen Wilson, Roosevelt, Truman und Johnson wiedererweckt, ein beklemmendes Gefühl der Ohnmacht.[23] Aber die kleine Schar an verantwortungsbewußten Politikern, die sich vom Welteroberernimbus der Cäsaropapen nicht ins Bockshorn jagen läßt, wie der Senator Russ Feingold von Wisconsin (der sich auch mit einer Gesetzesvorlage, die rooseveltschen Verbrechen an den Deutsch-Amerikanern, Italo-Amerikaner usw. zu untersuchen, einen Namen erworben hat), lehnt diese neueste Ausgabe des "Ehernen Geizes der Oligarchie" ab. Feingold ist der einzige Senator, der gegen die sogenannte Antiterrorismus-Gesetzesvorlage stimmte (H.R. 3162; auch äußerst vielversprechend als "USA-Patriotengesetz" bekannt), die kurz nach dem "11.9." im Kongreß durchgepeitscht wurde. Sie enthält weitestgehende Kürzungen und Beschneidungen der Bürgerrechte. Er und einige wackere Mitstreiter wenden sich auch gegen die Schaffung des neuen "Superministeriums" für die Sicherheit des Heimatlandes (!! Es fehlt nur noch ein "Komitee für die öffentliche Sicherheit" = KGB). Am 11. Oktober 2002 erteilen der Senat (77 gegen 23 Stimmen) und das Repräsentantenhaus (296:133) dem Obersten Kriegsherrn Bush die Angriffserlaubnis gegen den Irak. Doch schon wenige Monate nach diesem Skandal führen die Wisconsiner Kongreßmitglieder Jerry Kleczka (Milwaukee)[24] und Tammy Baldwin eine Aufhebungsantrag im Repräsentantenhaus ein - leider ohne Erfolg, wie wir heute wissen. Bereitet sich der Schlachtenlenker auf seine größere Rolle des Weltenherrn vor? Daß der mehrfach vorbestrafte Admiral Poindexter (der zugunsten seines Herrchens Reagan meineidig wurde) damit betraut ist, im Pentagon(!) eine Nachrichtenzentrale zur totalen "Erfassung" sämtlicher US-Bürger aufzubauen, deutet in jene Richtung. Anfang 2003 hat das Weiße Haus die Vorlage zu einem "verbesserten" USA-Patriotengesetz No. 2 in der Tasche, welche - falls angenommen - der stolzen wenn auch öfters rein theoretischen Tradition des anglo-amerikanischen Liberalismus (sie reicht zurück auf die englische Bill of Rights von 1689 und auf die ein Jahrhundert jüngere amerikanische Freiheitsurkunde) vollends das Licht ausblasen würde. Bushs Irakkrieg wird dann zum Vorwand und Hysteriedynamo, um die Vorlage durchzupauken.[25]

Nicht, daß der Staat vorher (und vor Roosevelt, Wilson, Lincoln) schwächlich oder gar ohnmächtig gewesen wäre. Mitnichten. Sachkennern fällt auf, daß spätestens mit der Amtsperiode W. Wilsons und wahrscheinlich der Lincolns in den aufschießenden Ballungsräumen engmaschige Spitzelnetze angelegt wurden. Noch zur Zeit Carters kam heraus, daß etwa 23% aller Universitätspedells Informanten der Bundesgeheimpolizei sind (diese haben wahrlich lebenswichtige Geheimnisse mit dem Einsatz von Blut und Ehre gehütet). Unter Bush junior muß deren Zahl noch weit höher liegen. Also stimmt es wahrscheinlich nicht, daß Lenin, Stalin und Mao die politische Jungfräulichkeit Onkel Sams besudelten, sondern eher, daß Lincoln, Wilson & Co. dem Staatstotalitarismus das Vorbild abgaben.

Doch es kommt noch besser: seit dem "Auslandsnachrichten-Untersuchungsgesetz" (FISA) von 1978 darf die Exekutive (Geheimpolizei) unter dem Vorwand, die US-Diplomatie zu unterstützen, ohne größere richterliche Kontrolle Telefone abhören, Korrespondenz, Computer Email usf. hochnotpeinlich untersuchen. Kein Wunder also, daß die Briefkorrespondenz mit Europa so lange unterwegs ist... Jetzt, mit dem Antiterrorismus-Gesetz vom Oktober 2001, sind auch die letzten Hindernisse beseitigt. Ganz zu schweigen von der Kontroll- und Untersuchungsmacht der mächtigsten weltpolitischen Bewegung, deren Kompetenzen und "Schwarze Listen" denen der offiziellen Geheimpolizei zumindest gleichstehen. Die Bühne für den Auftritt des Großen Weltbruders ist also nach menschlichem Ermessen perfekt staffiert.

Das eingangs erwähnte Rubens'sche Gemälde zeigt, daß gerade Religions- und Weltanschauungskriege oft in Massakern und Völkermord ausarten. Die Versuchung dazu ist um so größer, wenn eine kriegstreibende und kriegsbetreibende Seite die überwältigende wehrtechnische Macht in ihren Fäusten zusammenballt. Nirgends kommen sowohl die konfessionelle und weltanschauliche Blindheit einerseits als auch die Arroganz der Übermacht mit derartig erstickender Direktheit zum Ausdruck als in den Äußerungen des US-Präsidenten Bush junior. In seiner Rede vom 17. März 2003, in der Ansprache vor dem American Enterprise Institute (?!) und der Pressekonferenz von Anfang März klöppelte er, politisch geschickt, menschlich ermüdend und moralisch verwerflich die Spitzen seiner endlos vorgebeteten Litanei zusammen von den angeblichen Massenvernichtungswaffen Husseins, den behaupteten "zwölf Jahre Nichtstun", der kämpferische "Weltkoalition" und vom zu verdammenden Versagen der UNO. Daß er sich dabei in Widersprüchen verwickelt, Tatsachen auf den Kopf stellt und die düstersten Abgründe der eigenen Politik mit frommen Augenaufschlag rasch verdeckt - z.B. daß die Öl- und Gasvorkommen nicht "dem irakischen Volk" übergeben, sondern schon vor Kriegsanfang an den Meistbietenden verkauft wurden -, das alles gehört zum Repertoire des erfolgreichen US-Politikers. Daß ihm ein Teil der US-Bevölkerung dabei Glauben schenkt, gehört zur politischen Kultur Amerikas, in welcher der Auserwähltheitsfimmel und die Scheinreligion ein starke Rolle spielen: Sie gehören zusammen. Bush der Schlachtenlenker, getragen von seinen "Beratern" Richard Perle und dem "zweiten Mann" im Kriegsministerium, Wolfowitz - hat die Lunte zu den aufeinandergestapelten Pulverfässern in Nahost gezündet und stößt dazu scheinchristliche Phrasen aus. Die resultierende Explosion könnte die furchtbarste der Menschengeschichte werden. Aufstände und Erhebungen vielerorts führen zur fortschreitenden Destabilisierung der Weltwirtschaft; dies und der Religionskrieg zur Weltrevolution, und diese in vier bis sechs 6 Jahren nach der nächsten US-"Präsidentenwahl" von 2004 zum Endkrieg.

Was Wunder, daß republikanische, dem Irakkrieg abholde Realpolitiker wie der frühere Außenminister Baker (ein Öl-Advokat) und der frühere Staatssicherheitsberater General Brent Scowcroft in ihren Artikeln in der New York Times und dem Wallstreet Journal im Jahr 2002 das Gespenst des Armageddon an die Wand malten. Dies bzw. Al-Medschiddo ist bekanntlich der Ort im nördlichen Palästina, an dem laut der "Johannes-Offenbarung" die Endschlacht zwischen den bösen und den guten Mächten der Welt geschlagen wird, kurz vor (oder nach?) der Wiederkehr Christi.

Den Erläuterungen der Zeitschrift The Progressive (Madison, Wis.) und anderen zufolge, beabsichtigt der Gewaltmann, Weltenpolitiker und Ölspekulant Bush, sich und Israel an die Spitze der Heerkolonnen des Guten zu stellen oder zumindest den Anschein dazu zu erwecken. Na also! Der wiedergeborene Welterlöser: Alexander der Große, Julius Cäsar, Jesus und Dschingis Khan, alles in einem.

Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß bei den "Präsidentenwahlen" der USA höchstens die Hälfte der Wählerschaft tatsächlich wählt. Die Vor- und Nachwehen der Wahlen von 2004, die schon 2002 anfingen, werden selbstverständlich souverän von der Plutokratie gehandhabt.[26] Doch in dem das Weiße Haus umwabernde und es in die Gefilde des "Gesalbten des Herren" emporhebenden Abglanz der Scheinlegitimität ist es immerhin noch wichtig, den Schein der "Demokratie" zu wahren - schon deswegen, um die Hörner der Anarchie rechtzeitig wegzubiegen. Dann sind "Stimmenblöcke" wichtig. Einer dieser Stimmblöcke umfast die 60 Millionen "evangelistischen" oder "wiedergeborenen" Christen, die seit 1991 unter der Führung wortgewaltiger und geschäftstüchtiger Fernsehprediger in die Reihen der fanatischsten Parteigänger Israels eingeschwenkt sind. Der Islam ist für sie grundsätzlich vom Teufel. Je geschwinder und je gründlicher also ihrer Meinung nach die einflußreichsten islamischen Staaten von Nordafrika über Vorderasien bis Pakistan und Indonesien eingeäschert und der israelischen Machtsphäre eingegliedert werden, desto schleuniger ereignet sich die Wiederkunft des Herren. Daß diese "Politik" in den genannten Staaten nicht auf Gegenliebe stößt, andererseits aber vom rechten Flügel der israelischen Regierungskoalition lebhaft unterstützt wird, liegt auf der Hand. Es ist beachtenswert, daß Noam Chomsky in seiner Rede vom 1.11.2002 vor der überfüllten Aula der MATC (Technischen Fachhochschule Milwaukee) - die allermeisten Studenten waren "links" und zionistenfeindlich - eben diesen Punkt berührte.[27] Die öffentlich bekanntesten und mächtigsten Schöpfer der Bush'schen Außenpolitik sind nicht Außenminister Powell und sein Stab, sondern Richard Perle und Wolfowitz, die Chomsky ulkigerweise »rechts von [Premierminister] Sharon« sieht. Perle versah unter Reagan das Amt des Vize-"Verteidigungs"-Ministers, hatte enge Beziehungen zu Admiral Nitze, Außenminister Acheson und Senator Jackson. Heute ist er ein betuchtes Mitglied des American Enterprise Institute mit bester Protektion. Laut Chomsky und dem letzten amerikanischen Abgesandten im Irak, John Wilson[28] schrieb jener um 1995 - just zu der Zeit, als der verantwortungsbewußte israelische Premier Rabin von Rechtsgerichteten niedergeschossen wurde - die Bibel des Likud und der Bush'schen Außenpolitik: im US-Interesse müßten Syrien, der Irak und der Iran als Einflußfaktoren ausgelöscht und Saudi-Arabien mittels einer Volkserhebung "demokratisch" werden. Wolfowitz, der seit 1992 auch öffentlich in die Jerichoposaune der radikalen Blut-und-Boden-Politik stößt, war unter Bush senior und dem damaligen "Verteidigungs"-Minister Cheney von 1989 bis 1993 ein stellvertretender Verteidigungsminister. Heute bekleidet er das Amt des Stellvertretenden Verteidigungsministers und ist somit die Graue Eminenz hinter dem granitenen Kriegsminister Rumsfeld, der oft als der zweitmächtigste Mann im Weltall angesehen wird. Das von Perle, Wolfowitz und deren Kollegen und Vorgängern von langer Hand entworfene USraelische Expansionsvorhaben deckt sich nahtlos mit den mythischen Vorstellungen der "rechtswinkligen" Christen und Hebräer, die sich auf die Wiederkunft des Davidischen Reiches und den Bau des Dritten Tempels freuen. Freilich scheint es auch anderer Eigenschaften nicht zu entbehren. Finanziell sieht es wie ein glänzendes Geschäft aus, weil die der Region entsprudelnden Öl- und Gasbillionen direkt in die Taschen einer winzigen Machtelite fließen. Vom imperialen Standpunkt aus erscheint es tadellos, weil der neue Kolonialraum Vorderasiens geopolitisch im Süden vom Indischen Ozean (einem amerikanischen Teich), im Osten von Afghanistan und Pakistan (US-Schutzgebieten im Norden von den ergiebigen Öl- und Erdgasquellen am Kaspischen Meer) und in Mittelasien (US-Interessengebiete) und im Westen von der Türkei, Ägypten und dem Mittelmeer (US-Bastionen) umrahmt sind. Es kann also nichts schief gehen... Deshalb werden jetzt schon US-Prokonsuln (Militärgouverneure) ernannt, um die frisch "befreiten" Staaten Irak, Iran, Syrien, Libyen usw. usf. auf Jahrzehnte hinaus zu "verwalten". Deutschland, Japan und Italien geben das gute Beispiel.

Freilich löst das Vorhaben mancherorts auch Unbehagen aus. Da gibt es den ehemaligen Republikaner Patrick Buchanan, dessen erwähntes Buch A Republic Not an Empire schon 1999 die Gefahren der imperialen Aufblähung, der Vergeltungsschläge gegen das Staatsgebiet der USA, des jahrelangen die Weltwirtschaft zerrüttenden Weltbürgerkrieges und schließlich der Machtkonsolidierung der imperialen Elite, die unerreichbar hoch über den ausgelaugten Massen thront (wie seiner Zeit Kaiser Diokletians um 290 n.Chr.), realistisch heraufbeschwört. Sein Artikel in der Zeitschrift American Conservative vom März 2003 gibt das Gefühl der Mehrzahl aller Amerikaner wieder, sich zu weit und zu tief mit Israel, vor allem mit dem Wüterich Sharon eingelassen zu haben. Dürfen es sich die mächtigsten Beamten des Staates leisten, mit "geteilter Treue" in der Kolonialpolitik zu schalten und zu walten? Die Konsequenzen dieser machtpolitischen Frage, deren Lösung heute mit allen machtpolitischen Mitteln unterdrückt wird, werden die US-Öffentlichkeit künftig immer stärker engagieren.

Die universalistische Sicht des Papstes verleiht diesem als vielleicht dem einzigen Weltpolitiker eine mit der Scheinlegitimität der US-Weltpräsidenten konkurrierende Autorität (das ist der Weltelite nicht entgangen; sie strengt sich an, nach dem Ableben des jetzigen einen ihr genehmen Kandidaten zum Oberhirten wählen zu lassen). Der Papst ist gegen den Irakkrieg: aus all' den oben angeführten und angedeuteten Gründen, aus Sorge um seine östlich-orthodoxen Schäfchen und insbesondere wegen der Feindschaft des Islam gegen den "Westen", die das Irakabenteuer Bushs vollends zum Lodern bringen wird.

Nicht zuletzt hält der Papst Bushs Angriffskrieg für rechtswidrig, da mit den Normen der UNO-Charta und der US-Verfassung unvereinbar. Glänzender unterrichtet als jeder amerikanische Oberste Kriegsherr, entfaltete er im Februar/März 2003 eine beachtliche diplomatische Offensive. Er empfing den irakischen stellvertretenden Premier Tariq Aziz, einen chaldäischen Christen, und entsandte seinen Diplomaten Etchegaray nach Bagdad. Allerdings verlief ein Treffen zwischen Kardinal Laghi und Bush im Sande. Der letztere empfing Laghi mit einem säuerlichen Lächeln (er dachte sich wohl, wie einst Stalin: "Wie viele Divisionen hat der Papst?"). Bush torpedierte eine geplante UNO-Ansprache des Papstes. Selbstverständlich konnte er es sich nicht leisten, alle seine außenpolitischen Taten, Gefühle und Äußerungen vor dem Menschengericht als rechtsbrüchig und verbrecherisch entlarvt zu sehen. In einer Pressekonferenz streifte der Kardinal noch einma1 einige dem Papst vernünftig scheinende Themen: die Illegalität des Irakabenteuers; das Risiko der Destabilisierung der Weltpolitik und Weltwirtschaft; das der endgültigen Feindschaft des Islam; das Leiden der irakischen Bevölkerung (die seit 1991 in einem von den USA ausgelösten Völkermord mehr als zwei Millionen Todesopfer zu beklagen hat); die Leiden des dem israelischen Staatsterror ausgelieferten Volkes Palästinas, das der Verwirklichung der Verträge von Oslo harrt.[29]

Befreiung auf amerikanisch:
Die Innenstadt von Münster/Westfalen bei Kriegsende
(zum Vergrößern anklicken)

Macht nichts. Bush und seine "Berater" kalkulieren, daß die koloniale Frage auf allen Kontinenten wie gehabt mit Zuckerbrot und Peitsche gründlich gelenkt werden kann. Zuhause greift er gleich auf eine ganze Palette von Machtinstrumenten zurück. Die mit Bush verbündete mächtigste weltpolitische Bewegung mit ihrem Monopol über die Nachrichtenfabriken schottet die Massen Amerikas und der Welt gründlichst von der Wirklichkeit ab (sogar winzigste Veröffentlichungen wie The Plough der pietistischen Bruderhofgemeinde sind vor ihren Nachstellungen nicht sicher, wenn sie Artikel wie: "The Boy Who Kissed the Soldier, Report from Balata Camp" bringen: reale Schilderungen des "Lebens" in Palästina, von amerikanischen Jüdinnen verfaßt). Die neu erlassenen Ermächtigungsgesetze des Staatstotalitarismus gestatten es Bush und seiner Elite, jeder auch nur potentiellen Opposition oder Aufwallung der Anarchie mehr als vollauf zu begegnen. Vielleicht am wichtigsten ist das schon erwähnte Sendungsbewußtsein, der Hauptdynamo des US-gesellschaftlichen (deswegen um so mächtigeren) Totalitarismus. Im heutigen Europa findet sich kaum ein Gegenbeispiel. Als Synthese der republikanischen Berufung ("Der Hort der Freiheit") und des kalvinistischen Auserwähltheitsglaubens konzentriert es sich vornehmlich auf die Vater-, Führer- und Feldherrngestalt des Präsidenten.

Eine kurze Erläuterung. Anfang September 1901 fand die Pan-Amerikanische Ausstellung in Buffalo statt. Als US-Präsident McKinley diese mit seinem Besuche beehrt und der US-Staats- und Regierungschef kanadisches, d.h. ausländisches Gebiet betritt, durchläuft ein Aufschrei des Entsetzens das Land: "Der Gesalbte des Herren hat die Gefilde des Gelobten Landes verlassen!" Eine 300 m kurze, doch trotzdem Dante'sche Reise, sozusagen: vom Paradies ins Inferno (kurz darauf wird der Präsident von einem Anarchisten erschossen). Die zukunftsschwere Umorientierung erfolgt sofort. Washington und Jefferson hatten es klug verstanden, den Auserwähltheitsglauben auf inner- und panamerikanische Bereiche zu beschränken. Nun wird dieser unter dem aktivistischen Präsidenten Theodore Roosevelt und mehr noch vermittels der Intrigen, Erpressungen und Verschwörungen Woodrow Wilsons, F.D. Roosevelts und deren Nachfolger fest mit dem expansiven Weltherrschaftsdrang verkettet.

Bush junior ist der Lachende Sieger. Nach ihm kommt kein geographisch Größerer. Seine Machtfülle umhüllt den Erdball. Mittels seiner Heere und Geldpioniere entfließt sie der US-Ostküste und bedeckt Afrika, Europa und Vorderasien. Sie entsprudelt der US-Westküste und überschwemmt den Pazifik, Japan, Australien, China, Nord- und Südasien. Die Ströme prallen im indischen Ozean (einem amerikanischen Binnensee) aufeinander und verdoppeln anscheinend ihre Maelstrom-Energie.

Doch letztendlich wenden sich die Energien auf den Urheber zurück. Rein tagespolitisch betrachtet thront der jetzige Cäsaropape auf der Schulterpyramide seiner Vorherrscher. Sein "Job" ist es, vermittels der ihm und seinem Bundesgenossen Israel zur Verfügung stehenden A-B-C-Waffen x-beliebige, mißliebige Staaten mit dem Völkermord zu drohen und diesen auch ohne mit der Wimper zu zucken und mit frömmelnden Sprüchen auf den Lippen an Milliarden Menschen auf Erden durchzuführen - wobei er Billionen und Trillionen an Dollarrenditen für sich und seine Gesellen einsäckelt, versteht sich. Denn er versteht sich als der Gesalbte des Herrn.

Wie naiv auch immer dies sich ausnehmen mag, der "kleine" Auserwähltheitsgläubige mißt seine Welt mit einem ähnlichen Maßstab. Die Verluste der "Todfeinde", wie ungeheuer diese auch menschlich gesehen sein mögen, gelten nichts im Vergleich zu den geringfügigen Verlusten der "Streiter des Herrn". Millionen Ziviltote im Koreakrieg und weitere Millionen im Indochinakrieg - großenteils auf Onkel Sams technisiertes Wüten zurückzuführen - werden nie erwähnt. Doch der etwas über 40.000 tatsächlich gefallener GI's in Vietnam wird mit narzißtischer Übertreibung gedacht. Nur der frühere Kriegsminister McNamara unter Kennedy und Johnson erinnert sich heute schaudernd der (tatsächlich weit über 100.000) Ziviltoten der US-Terrorangriffe auf Tokio/Jokahama, Kobe, Osaka, Toyama; dabei fanden 1,4 bis 1,5 Millionen japanischer Nichtkombattanten den Tod[30] (etwa 1,2 Millionen Soldaten fielen an der Front oder starben als Verschleppte in Sibirien). Wer erwähnt im Rahmen der von den Nachrichtenfabriken jetzt hochgepeitschten Kriegshetze die Opfer der anglo-amerikanischen Bombenkampagne - Anfang 1940 begonnen von Churchill und seinem "Berater" Dr. Lindemann - von Monte Casino über Castelgandolfo, Rom, Padua, die norditalienischen Großstädte, Bozen, Matrei am Brenner, Innsbruck, Salzburg, Wiener Neustadt, München, Nürnberg, Rothenburg o.d. Tauber? Wer erinnert sich der etwa 50.000 Ziviltoten im Feuersturm von Hamburg, der 25.000 bis 30.000 von Leipzig, der ca. 300.000 von Elbflorenz (davon 202.000 vom Polizeipräsidium gezählt)?[31] Die Hekatombenernte der "Befreier': Nur wer selbstmordend den von der "Kakokratie" (Herrschaft des Schlechten - Prof. Hermann Oberth) emsig verbreiteten Märchen Glauben schenkt, gibt sich hin, die hier angedeutete Wahrheit zu bagatellisieren. Überblickt man die Entwicklungsgeschichte der US-Machtelite vom Anfang des 19. bis ins 21. Jahrhundert, so ist man versucht, in Umkehr des Goethewortes auszurufen:

"Die Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft."

Es sei nochmals auf Schumpeters Urteil verwiesen, daß Roosevelt und Churchill (und die ihnen nacheifern) weit schlimmeres Unheil anrichteten als Dschingis Khah.

Zweifellos, rein physisch gesehen haben jene eiskalten Analytiker recht, denen im Gegensatz dazu die von einem Staat ausgeübte Weltherrschaft "als ein naturgeschichtliches Phänomen" nichts ausmacht. Sie übersehen aber die moralische und sittlich-rechtliche Grundlage jeder andauernden Machtstruktur. Und diese heißt seit 1776 und 1848 mehr denn je: die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der Völker! Wer gegen diese Grundlage frevelt - wie materiell und nachrichtentechnisch mächtig er auch sei - wird vom Ausbruch des Völkerrechts hinweggefegt. Der große schwäbische Denker G.W.F. Hegel spricht vom qualitativen Umschlag des hochgestapelt Handgreiflichen. Dieser wird zum Weltumsturz. Denn der Koloß - die Herrschaftskultur der Machtelite - ruht auf tönernen Füßen.[32]

Knüpfen wir die Fäden rasch zusammen

  1. Der Sendungsglaube der US-amerikanischen Massen ist ein zweischneidiges Schwert. Sollten sie einmal, vielleicht schon bald vom Dornröschenschlaf der Kafka'schen Ohnmachtsexistenz erwachen - wohl von wirtschaftlichen und außenpolitischen Krisen wachgerüttelt - und erkennen, daß sie in jeder Hinsicht von den Weltmachenschaften einer zynischen Elite (deren Mitglieder der "Regierung" oft gar nicht angehören) ausgebeutet und zerfleischt werden, wird das Gericht furchtbar sein. Dann bricht die knapp unter der Oberfläche des Freiheitsdranges schlummernde Anarchie durch. Denn die Freiheit ist das höchste Gut, wie schon unsere Vorkämpfer in der Schlacht am Teutoburger Wald erkannten.
  2. Es ist zu erhoffen, daß die wackeren Streiter für Natur und Umwelt - eine jetzige Subkultur - dann bald die Oberhand erringen. Allerdings muß der US-Staat völlig umgebaut, die diktatorische Präsidentschaft abgeschafft und der "Vorsitz" auf ein Kollegium von sieben bis 50 Häuptern verteilt werden (nach dem Schweizer Muster).
  3. Mit der Erkenntnis, daß die Gründerväter der heutigen Verfassung (1787 ratifiziert) die Einführung stehender Heere verboten (zweijährige Begrenzung), die Verteidigung des Landes und das Unterdrücken von Aufruhr einer Miliz überließen und daß die größten Präsidenten (Washington, Jefferson und Monroe) strengstens vor außeramerikanischen Abenteuern mahnten und gelobten, die USA aus europäischen Händeln heraushalten zu wollen,[33] daß aber seit der Amtszeit der Präsidenten Theodore Roosevelt und vor allem Woodrow Wilson dieses heiligste Grundrecht gebrochen und die übermächtigste Militärmacht der Menschengeschichte fieberhaft aufgebaut wird, kommt auch die Einsicht, die Absurdität zu sanieren, das Unrecht zu stürzen und einen Rechtsstaat aufzubauen. Die inneren Krisen der USA stellen gigantische Aufgaben, die der jahrhundertelangen geduldigen Arbeit heischen.
  4. Der Aggressionskrieg gegen den Irak heizt auch die schwelenden (welt-)wirtschaftlichen, militärischen und außenpolitischen Fragen weiter auf. Daß am 24.3.03 der Dow-Jones Index an der Wallstreet um über 300 Punkte stürzte - der hysterischste Sturz seit den Nachwehen des "11.9." -weil die Aktionäre einen Endsieg innerhalb von fünf Tagen erwarteten, zeigt die institutionelle und moralische Labilität eines Großteils des "führenden Amerika" grell auf. Die Kurse dürften sich wieder erholen. Ob die schwer angeknackste Weltwirtschaft dies tut, ist eine andere Frage. Von den durch die Weltmachtelite ausgebeuteten Volkswirtschaften Lateinamerikas (darunter Argentiniens, Brasiliens, Venezuelas, Kolumbiens, Mexikos) über die zweitstärkste Kapitalistenzitadelle Japan[34] bis Deutschland und Europa laufen die einst glänzendsten Linienschiffe des Kapitalismus bestenfalls mit starker Schlagseite daher. Ganz abgesehen von Onkel Sams "Blockhütte", deren Vor- und Hinterhöfe sich bekanntlich über alle Kontinente bis zum Mond und Mars erstrecken. Präsident Bush jun. scheint darauf erpicht, die Teuerung/Flaute der Johnson-Nixon-Ford-Carter-Reagan-Bush-sen.-Jahre ins Ungeheuerliche zu steigern, indem er für die Aufrüstung täglich eine Milliarde Dollar ausgibt, daneben mindestens $200 Milliarden für das Irakabenteuer vergeudet und schließlich hauptsächlich den oberen 2% auf der Einkommensskala eine Steuerkürzung von insgesamt $2,1 Billionen schenkt - was alles aus der Haut und den Knochen der US-Bevölkerung, der Säuglinge, der Schulkinder, der Arbeitnehmer und der Senioren gestanzt wird. Wenn Perles und Wolfowitz' Pläne weiter verwirklicht werden - und warum auch nicht? - (Perle besitzt eine Villa an der Côte d'Azure), folgt auf die jahrzehntelange Besetzung des Irak diejenige Irans, Syriens und wohl auch Saudi-Arabiens. Diese Vorhaben dürften drei Hauptkonsequenzen zeitigen:
    1. Die zu erwartenden Steuererhebungen erdrücken die US-Bevölkerung, dieweil eine winzige Weltelite sich die Taschen mit Milliarden- und Billionengewinnen vollstopft.
    2. Unvorhergesehene Rückschläge im Irak und um den Erdball herum lassen den Weltbefreier zu Kernwaffen greifen. Vergeltungsschläge gegen das Hoheitsgebiet der USA sind zu erwarten. Die Weltlage verschlechtert sich schlagartig.
    3. Daß die dergestalt durchgeführte "Demokratisierung", nebst der Spaltung der NATO (die baldigst von einem EU-Gremium abgelöst werden sollte) und der Vernichtung der UNO allenthalben auf Gegenliebe stößt, ist nicht wahrscheinlich. Die vorauszusehenden, jahrelangen Welt-Kriege und Interventionen - die auch zu erwartenden bürgerkriegsähnlichen Aufstände in den USA und Europa nicht zu vergessen - stürzen die Weltwirtschaft vollends in die letzte Absturzspirale. Das Aus ist da. Durchaus möglich, daß das Chaos absichtlich heraufbeschworen wird, frei nach dem Shakespeare'schen Motto: "Seine Tollheit hat Methode", um nach 2004 den Enderlöser und den Endlösungsheld der in jeder Hinsicht widerstrebenden Menschheit aufzuzwingen.
  5. Wäre es nicht klüger, dem Rat der "Peace Action Wisconsin" (Friedenstätigkeit-Wiskonsin)[35] und der Tat der Kongreßabgeordneten Kleczka, Baldwin (Dem., Wis.), Ron Paul (Republ., Texas) zu folgen, nämlich gegen den Aggressionskrieg zu arbeiten und folgendes anzustreben: das Ende der illegalen israelischen Besetzung Palästinas, dann die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates; die Kürzung der US-Unterstützung für die Marionettenregime in Ägypten, Jordanien, Kuwait, Qatar usw.; den Abzug der US-Besatzungstruppen aus Saudi-Arabien mit seinen islamischen Weihestätten; die Reform bzw. Umkehr der expansiven amerikanischen McDonald- und Coca Cola-"Kultur".

Fürwahr ein Jahrhundertprogramm. Inzwischen scheinen sich im Gefolge der US-Kolonialabenteuer weitere Konflikte zusammenzubrauen. Falls die US-Welt-Gewaltpolitik fortgesetzt wird, dürften anfängliche Regional-, dann Raumkriege unter anderem an den folgenden Nahtstellen ausbrechen: Türkei-Kurdistan-Syrien-Iran-Israel; schließlich Rußland; Indien-Pakistan-China; Nord- und Südkorea; Japan-China; China-Rußland; Mittelamerika-Panama-Kolumbien-Venezuela; usw. Wird es dem jetzt muskelprotzenden Onkel Sam gelingen, auch nur wenige dieser von ihm gesetzten Flächenbrände einzudämmen? Wohl kaum. In der Umkehr liegt das Heil. Halten sich die Menschheit und Amerika die weltweit zu erwartenden Milliarden Todesopfer der künftigen Kriege und Naturkatastrophen vor Augen, so sieht selbst das Maximalprogramm der Friedensaktionäre sehr gemäßigt und realistisch aus. Das bedeutet aber auch, wie überall in dieser kreisrund geschaffenen Welt, die Verwirklichung eines zutiefst widersprüchlichen Programms:

  1. Die Völker und Konfessionen sollen sich der Illusion entledigen, es hätte jemals nur ein "auserwähltes Volk" gegeben; es gibt derer viele. Ein jedes in dieser Vielfalt ist von seinen Nachbarn schöpferisch verschieden. Durch göttlichen Ruf aneinandergepflanzt, erwachsen sie jenseits von Raum und Zeit zum strahlend-schillernden Lebenswald der göttlichen Vorsehung.
  2. Das Weltall und die Menschheit jagen der Auflösung entgegen (Entropie). Doch die heute vorherrschende, von leiblich und geistig Verkrüppelten gezeichnete Karikatur der faustischen Kultur (Oswald Spengler) beschleunigt den Verfall nur noch. Deshalb sind die Völker je einzeln und in ihrer Welt-Einheit gefordert, auch den letzten Fetzen der kolonialen Gewaltpolitik von sich zu werfen und die spezifische und Dauerkrise in einer geistigen, politischen und Arbeitssynthese zu überwinden.

Andere Schriften des Autors zum Thema


Anmerkungen

[1]www.diemystikerin.de/hauptseite/europa.html; www.onlinekunst.de/frieden/eingang_d.html;
[2]Erklärung vom 12.8.1999; Adresse: 39 West 14th Street, Rom 206, New York, NY 10011.
[3]Yvonne Haddad, »The Islamic World And The United States«, World Affairs Institute, University of Wisconsin-Milwaukee, 8.2.2002; Professorin der Geschichte, Center for Muslim-Christian Understanding, Georgetown University , Washington. D.C.
[4]Vgl. Z.B. »Israel again launches airstrikes«, The Milwaukee Journal Sentinel, 20.5.2001
[5]James D. Richardson (Hg.), A Compilation of the Messages and the Papers of the Presidents, 1789-1901, Government Printing Office, Washington.
[6]Kenneth Bourne, The Foreign Policy of Victorian England 1830-1902, Oxford, Clarendon Press, 1970.
[7]Noam Chomsky, In a League of Its Own, Harvard International Review, Sommer 2000.
[8]John Charmley, »Churchill - The End of Glory«, The Council Chronicle, The Chicago Council on Foreign Relations, November 1993.
[9]Vgl. Harry Elmer Barnes (Hg.), Perpetual War for Perpetual Peace, Greenwood Press Publishers, New York 1953/1969; die Werke John Costellos; John V. Denson (Hg.), The Costs of War, Transaction Publishers, New Brunswick, N.J., 2. Auflage 1999; Naval History; United States Naval Institute; Mai/Juni 1999: Daryl S. Borgquist, The Red Cross Connection, Naval History, U.S. Naval Institute, Annapolis, MD, Mai/Juni 1999; Robert B. Stinnett, Day of Deceit; the Free Press, New York, 2000.
[10]Vgl. Wenzel Jaksch, Europas Weg nach Potsdam, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, 1958.
[11]The Carter Center, Atlanta, Georgia, »President Carter Is Awarded the Nobel Peace Prize«, President Carter's Acceptance Speech for the 2002 Nobel Peace Prize.
[12]Vgl. »St. Jimmy The Lesser. Jimmy Carter is Not Worthy of the Nobel Peace Prize«, The Progressive, Dezember 2002.
[13]Vgl. Orville V. Webster, The Book of Presidents, JBG Publishing Los Angeles 1991.
[14]Vgl. D.H. Lawrence, Studies in Classic American Literature, T. Seltzer Publishers, New York 1923.
[15]The History of Great American Fortunes; übersetzt im S. Fischer Verlag 1916; Neuausgabe, Money, Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1979.
[16]Vgl. Dave Berkman, Why We're Not Loved, Shepherd Express, Milwaukee 2002.
[17]Regnery, Washington 1999.
[18]Vgl. Herbert Leiner, ...und das dritte Rom wird Moskau sein, Zeitgeschichte Bastei-Lübbe, 1984.
[19]Vgl. Noam Chomsky, Ramsey Clark, Edward W. Said, Acts of Aggression, Policing "Rogue" States, Seven Stories Press, New York 1999.
[20]Vgl. »So Much for the Plan to Scrap Old Weapons«, The New York Times, 22.2.02; »White House opposes germ weapons treaty«, The Milwaukee Journal Sentinel, 20.5.2001.
[21]Vgl. Center for Defense Information,1779 Massachusetts Av NW., Washington, D.C. 20036-2109; November 2002; »The Nuclear Nightmare Returns«, The Mobilizer, Peace Action, Wisconsin, April 2002.
[22]Kevin Phillips, Wealth And Democracy, Broadway Books, NY 2002.
[23]Carl Pope, »Forward Into the Past«, Sierra, März/April 2003; »Some fear Governments growth in size, power«, Milwaukee Journal Sentinel 16. Dezember 2001; »Bush builds White House's clout«: ebd., Sonntag, 22. Dez. 2002.
[24]Jerry Kleczka, Democrat, Wisconsin; Congress of the United States, Brief, 12.2.2003; http://www.house.gov/kleczka/108_1pr_02_12.htm
[25]»Statement of U.S. Senator Russ Feingold On The Anti-Terrorism Bill, From The Senate Floor«, 25. Oktober 2001; Russell D. Feingold, Wisconsin, United States Senate, 21. Okt. 2002; ders., 10. Dez. 2002; Russ Feingold, United States Senator, Wisconsin, März 2003; Bill Moyers, PBS-Television, Feb./März 2003.
[26]Kevin Phillips, The Progressive (Madison, Wisconsin), September 2002.
[27]Noam Chomsky, »U.S. Foreign Policy: What Went Wrong«, 15th Annual Pledge of Resistance, MATC, 1. November 2002.
[28]Interview mit Bill Moyers am PBS-TV, Februar 2003.
[29]Vgl. »"Grave responsibility before God" Vatican warns«, »War is not the answer, says Racine Dominican«, Catholic Herald, 20.3.2003.
[30]Vgl. Martin Caidin, A Torch To The Enemy, Ballantine Books, New York 1960.
[31]Vgl. Maximilian Czesany, Europa im Bombekrieg 1939-1945, Leopold Stocker Verlag, Graz-Stuttgart, 1986/1998; Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Hg.), Der Luftkrieg über Deutschland 1939-1945, Deutscher Taschenbuchverlag, November 1963.
[32]Vgl. Richard Bernstein, »Hyper Power«; The New York Times, 23.3.2003; Maureen Dowd, »Perle's Plunder Blunder«, »Week in Review« ebd.
[33]Constitution of the United States, Art. I., Section 8, 12-16.
[34]Vgl. James Brooke, »Japan Fears Its Weakened Economy Is Becoming America's Prey«, The New York Times International, 3. Nov. 2002.
[35]The Mobilizer, Monthly Newsletter of Peace Action-Wisconsin; 2001-1. März 2003.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(3&4) (2003), S. 313-328.


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