Aus der Forschung

Aspekte biologischer Kriegführung während des Zweiten Weltkriegs

Von Germar Rudolf

Massenvernichtungswaffen, ein Begriff, der bei vielen Leuten heutzutage Pawlowsche Reflexe auslöst, da die US-Regierung die Angst ihrer Bürger ausnutzt, um ihre imperialistische Politik durchzusetzen, werden seit dem Ersten Weltkrieg eingesetzt. Der Einsatz von Giftgas an der Westfront während des Ersten Weltkrieges ist hinreichend beschrieben worden, und jeder weiß Bescheid über die zwei Atombomben, die Hiroshima und Nagasaki verwüsteten. Es ist auch bekannt, daß die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges die Möglichkeit gehabt hätten, neuartige, verheerende Chemiewaffen einzusetzen - Sarin and Tabun -, daß sie sich aber dagegen entschieden, anscheinend weil Hitler gegen den Einsatz von Massenvernichtungswaffen war.

Weit weniger bekannt ist die biologische Kriegführung, die während des Zweiten Weltkrieges an der Ostfront geführt wurde. In seinem Buch Biohazard,[1] faßt Ken Alibek, der zwischen 1988 und 1992 stellvertretender Chef des Biowaffenprogramms der Roten Armee war, seine Erfahrungen und die Ergebnisse seiner Forschungen in sowjetischen Archiven zusammen. Seinen Forschungsergebnissen zufolge sprühten die Sowjets während der Schlacht um Stalingrad Hasenpest-Erreger (Tularämie) auf Einheiten der Wehrmacht ab, was zu einem massiven Ausbruch dieser Krankheit unter deutschen Soldaten führte.[2] Die Symptome dieser Krankheit beinhalten Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellungen, Durchfall, Erbrechen, Lungenentzündung und hohes Fieber, was unter Umständen zum Tode führen kann. Obwohl diese Krankheit damals in Rußland mit etwa 10.000 Fällen allgemein verbreitet war, gab es einen unerwartet starken Ausbruch der Krankheit unter deutschen Soldaten an die südlichen Ostfront im Sommer 1942, wodurch der deutsche Vormarsch zeitweise zum Stillstand kam. Die Krankheit griff aber später auf die Zivilbevölkerung über und erfaßte ebenso die sowjetische Seite, was erklärt, warum Biowaffen nicht so vielversprechend sind, wie manche es glauben.

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Alibek berichtet zudem, daß die sowjetische Regierung seit 1928 erwogen hatte, Fleckfiebererreger als Waffe in Kriegszeiten einzusetzen. Obwohl bisher noch nicht bekannt ist, ob diese Seuche während des Zweiten Weltkrieges durch die Rote Armee verbreitet wurde, gibt es einen Hinweis, daß Fleckfieberbakterien tatsächlich als Waffe gegen die deutschen Besatzungstruppen im Osten eingesetzt worden sind: In wiederholten Berichten an das gemeinsame Sekretariat der Vereinigten Stabschefs der alliierten Streitkräfte berichtete Oberst L. Mitkiewicz, Verbindungsoffizier der geheimen polnischen Armee für diesen Stab, über die Aktivitäten seiner Untergrundarmee. Wir geben hier den Bericht vom 7. September 1943 wieder.[3] Die polnische Untergrundarmee wurde von London aus durch General Sikorski kommandiert, der am 4. Juli 1943 bei einem Flugzeugunglück bei Gibraltar umkam. Diese polnische Geheimarmee ist nicht identisch mit der "Nationalen polnischen Befreiungsarmee", die 1944 von den Kommunisten gegründet wurde.

"3. Vergeltungsmaßnahmen

[...]

Fleckfieber-Mikroben und Fleckfieber-Läuse: in wenigen hundert Fällen "

Während die Deutschen an allen Fronten und mit allen technologischen Möglichkeiten einen verzweifelten Kampf gegen Fleckfieberepidemien führten, um nicht nur das Leben ihrer Soldaten zu schützen, sondern auch das ihrer Gefangenen, waren Deutschlands Feinde damit beschäftigt, alle deutschen Anstrengungen zur Rettung von Leben zu vereiteln.

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Obwohl man damit rechnen muß, daß die in diesem Bericht aufgeführten Zahlen übertrieben sein können, ist nicht in Zweifel zu ziehen, daß die polnischen Untergrundkämpfer den deutschen Besatzungstruppen einige Verluste zufügten, und obwohl ein solcher Partisanenkrieg gegen eine Besatzungsmacht illegal ist, so kann man die Polen moralisch dennoch nicht dafür verurteilen, diesen Kampf gegen eine Besatzungsmacht geführt zu haben, die in ihren Augen illegitim war. Von besonderem Interesse ist hier die vorletzte Seite dieses Berichts, der unter dem Punkt"3. Activities of retaliation" (Vergeltungsmaßnahmen) anführt:

"Fleckfieber-Mikroben und Fleckfieber-Läuse: in wenigen hundert Fällen"

Fritz Berg hat als erster die deutschen Bemühungen zur Bekämpfung von Fleckfieber detailliert beschrieben[4] - eine Seuche, die womöglich als die Haupttodesursache in deutschen Konzentrationslagern bezeichnet werden kann -, womit die Deutschen zugleich auch das Leben vieler jüdischer Lagerinsassen zu retten versuchten.

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Hans-Jürgen Nowak und Hans Lamker waren die ersten, die hervorhoben, daß die Deutschen in den Jahren 1943/44 eine erstaunliche Entscheidung fällten: Während des Krieges hatten die Deutschen Mikrowellenöfen entwickelt, um damit nicht nur Lebensmittel zu sterilisieren, sondern auch Kleider zu desinfizieren und zu entlausen. Die erste betriebsfähige Mikrowellen-Entlausungsanlage war anfänglich für den Einsatz an der Ostfront vorgesehen, um dort die Kleider deutscher Soldaten zu entlausen und zu desinfizieren, deren zweitgrößte Lebensbedrohung eine Reihe von Infektionskrankheiten war. Aber anstatt diese Anlage an der Ostfront einzusetzen, entschieden die Deutschen, diese Anlage in Auschwitz zum Einsatz zu bringen, um dort das Leben der Häftlinge zu schützen, wobei die meisten davon Juden waren.[5] Wenn es also um den Schutz von Leben ging, das durch Infektionskrankheiten bedroht war, war es für die Deutschen offenbar wichtiger, das Leben der Häftling in Auschwitz zu schützen, die in den Rüstungsbetrieben von Oberschlesien arbeiteten, als das Leben ihrer Soldaten auf dem Schlachtfeld.

Die Deutschen führten an allen Fronten und mit allen technologischen Möglichkeiten einen verzweifelten Kampf gegen Fleckfieberepidemien. Damit wollten sie nicht nur das Leben ihrer Soldaten schützen, sondern auch das Leben ihrer Gefangenen, oftmals sogar in bevorzugter Weise. Deutschlands Feinde sabotierten alle diese deutschen Anstrengungen zur Rettung von Leben.

Nach dem Krieg schlachteten Deutschlands Feinde dann den gegen Kriegsende erfolgten explosiven Ausbruch von Fleckfieberepidemien in deutschen Lagern aus, indem sie die Deutschen beschuldigten, in ihren Lagern Millionen unschuldiger Menschen absichtlich dieser Seuche ausgesetzt zu haben, und indem sie eines der Mittel zur Bekämpfung dieser Seuche - Zyklon B - in ein angebliches Mittel für den Massenmord uminterpretierten.[6]

Die Wahrheit ist das erste Opfer in jedem Krieg.


Anmerkungen

[1]Ken Alibek, Steven Handelman, Biohazard. The Chilling True Story of the Largest Covert Biological Weapons Program in the World - Told from Inside by the Man who Ran it, Random House, New York 1999; vgl. auch die Rezension von Mark Weber, "Secrets of the Soviet Disease Warfare Program," Journal of Historical Review, 18(29) (1999), S. 32.
[2]K. Alibek, ebd., S. 29-31.
[3]Record Group (RG) 218, Archives of the Joint Chiefs of Staff; Box 701; "Geographic File 1942-1945, CCS 231.5 Poland (9/21/43) to CCS 381 Poland (6/30/43), Sec. 2"; File folder CCS 381 Poland (6/30/43) Sec. 1, "Military Organization of Poland as Factor in General European Planning". Sec. 1 "Correspondence from 6/30/43 thru 11/4/43," Bericht vom 7. September 1943, von Colonel Mitkiewicz an General Deane; der Text dieses Berichts wurde erstmals in französischer Übersetzung publiziert: "Le rapport Mitkiewicz du 7 septembre 1943 ou l'arme du typhus" in Revue d'Histoire Révisionniste, Nr. 1, Mai-Juli 1990, S. 115-128.
[4]Friedrich P. Berg, "Typhus and the Jews," Journal of Historical Review, 8(4) (1988), S. 433-481.
[5]Hans-Jürgen Nowak, "Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz," Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung, 2(2) (1998), S. 87-105; Hans Lamker, "Die Kurzwellen-Entlausungsanlagen in Auschwitz, Teil 2," ebd., 2(4) (1998), S. 261-273.
[6]Siehe dazu z.B. Friedrich Paul Berg, "Zyklon B and the German Delousing Chambers," Journal of Historical Review,7(1) (1986), S. 73-94.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 8(1) (2004), S. 111-113.


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