Aufwärts und vorwärts

Von Germar Rudolf

Wer aus gemachten Fehlern nicht lernt, also sein eigenes Verhalten nicht zu revidieren vermag, wäre ein schlechter Revisionist. Als ich anfing, Bücher und Zeitschriften zu publizieren, habe ich einzig und allein Auflagenhöhen in Erwägung gezogen, die einen Offset-Druck preislich erschwinglich machten, also Auflagen ab 1.000 Exemplaren pro Buch bzw. Zeitschrift. Das bedeutet freilich, daß man erst einmal so viele Kunden haben muß, die derartig viele Bücher auch kaufen.

Eine Verfahrensweise, um aus diesem Dilemma herauszukommen, ist die sogenannte "Ansichtssendung", die fast allen Lesern der Vierteljahreshefte nur allzu bekannt sein dürfte. Sie ermöglicht es, Bücher in Druckauflagen herzustellen, die vernünftige Preise ermöglichen, aber sie verärgert immer auch eine Anzahl von Kunden, die das gerade zugestellte und zum Kauf angebotene Buch nicht erwerben wollen. Zudem kann man einem begrenzten und begrenzt belastbaren Kundenstamm kaum mehr als ein oder zwei solcher Ansichtssendungen pro Jahr zumuten, was bedeutet, daß man eben nur ein bis zwei Bücher pro Jahr neu verlegen kann.

Nachdrucke oder Neuauflagen älterer Bücher hingegen lassen sich mit der Methode "Ansichtssendung" überhaupt nicht an den Mann bringen, denn die meisten Kunden besitzen ja bereits ältere, aber häufig eben doch recht ähnliche Ausgaben dieser Bücher. Dementsprechend ist es unmöglich, größere Mengen solcher Bücher im Zeitraum eines Jahres abzusetzen, weshalb man Nachdrucke oder Neuauflagen im Offset-Druck praktisch nicht finanzieren kann.

Dies ist der Hintergrund, warum einige ausverkaufte Hefte und Jahresbände der Vierteljahreshefte sowie bestimmter Bücher bisher nicht nachgedruckt wurden.

Germar Rudolf 2003

Die moderne Technik jedoch macht es möglich, denn heutzutage kann man jedes Buch zu einigermaßen erschwinglichen Kosten sogar als Einzelexemplare herstellen lassen. Das Verfahren nennt sich auf Neudeutsch "Print-on-Demand" (Druck auf Nachfrage). Es ist pro Exemplar zwar merklich teurer als das übliche Offset-Verfahren, wenn mit letzterem in Auflagen ab 1.000 Stück hergestellt wird, aber wesentlich billiger, wenn die Herstellungszahlen unter 500 rutschen.

Den Schritt zur Buchherstellung im Print-on-Demand-Verfahren wurde mir in den USA aufgezwungen, wo die Kunden ein Ansichtssendungsverfahren mit Klagedrohungen beantworten würden, es also gar keine Möglichkeit gibt, ohne großen Kundenstamm Bücher im Offset-Verfahren herzustellen.

Als ich im Jahr 2000 mein erstes Buch in den USA veröffentlichte – die englische Ausgabe der Grundlagen zur Zeitgeschichte –, war die Erstauflage von 2.000 im Offset-Verfahren hergestellten Exemplaren nach nur 18 Monaten ausverkauft. Den daraus gezogenen fatalen Schluß, daß ich auch andere Bücher in ähnlichen Zahlen an den Mann bringen könnte, kam mir bei den nächsten drei Buchprojekten teuer zu stehen, denn von diesen Büchern konnte ich in den ersten

zwei Jahren jeweils nur einige Hundert absetzen, so daß eine nicht ungehörige Menge Kapital in ihnen unbeweglich gebunden ist. Mit diesem Schema weiterzuarbeiten hätte bedeutet, in den USA höchsten ein Buch alle zwei Jahre veröffentlichen zu können. Eine steigende Zahl wichtiger Buchprojekte auf Halde, die veröffentlicht werden müßten, aber nach Schema F nicht veröffentlicht werden konnten, zwangen mich dann zum Umdisponieren.

Während ich also in den Jahren 2000-2002 vier englischsprachige Bücher veröffentlichte, waren es zwischen März 2003 und Februar 2004 alleine acht (vgl. die Abbildung):

Nur zwei davon wurden im Offset-Verfahren gedruckt, der Rest hingegen nach der neuen kapital-sparenden Methode. Das erhöht zwar etwas den Endpreis des einzelnen Buches, aber es ist wohl für uns alle besser, gute Bücher zu guten Preisen im Angebot zu haben, als keine Bücher zu niedrigen Preisen.

Nachdem das erste Jahr nach dieser Methode ein großer Erfolg war, habe ich mich nun entschieden, dasselbe Verfahren nun auch für mein deutsches Bücherangebot anzuwenden. Dies heißt zunächst, daß jene Ausgaben von VffG, die bisher ausverkauft waren, ab sofort wieder erhältlich sind (Nr. 3/1997 sowie die Jahrgangsbände 1997 und 1999) sowie daß Neuauflagen der Bücher KL Majdanek und Grundlagen zur Zeitgeschichte (mein Herzensanliegen) bald zu haben sein werden.

Ein weiterer Vorteil dieser neuen Verfahrensweise liegt aber auch darin, daß ich nunmehr Bücher auf den deutschen Markt bringen kann, die eine Veröffentlichung aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten wert sind, die ich aber Ihnen als meinen treuen Stammkunden nicht mit Gewalt per Ansichtssendung aufs Auge drücken möchte, zumal es sich hierbei entweder um hochspezialisierte Werke handelt oder auch einfach nur deshalb, weil ich Ihnen nicht zumuten kann, eine Vielzahl von Büchern von mir pro Jahr abzunehmen.

Diese Änderung meiner Veröffentlichungspolitik ist auch deshalb notwendig geworden, weil sich der Revisionismus spätestens seit Fritjof Meyers Artikel nicht mehr in jener Quarantäne befindet, in dem er von den Mächtigen und Einflußreichen seit Jahrzehnten gehalten worden ist. Wie die beiden Beiträge von Jürgen Graf und Carlo Mattogno zeigen, werden die in meinen Verlagen veröffentlichten Bücher nun endlich auch in Fachkreisen zur Kenntnis genommen – wenn auch erst nur zwischen den Zeilen. Aber ich bin mir sicher, daß steter Tropfen den Stein weiter höhlen wird.

Dieser gestiegene Aufmerksamkeitsgrad bedeutet freilich eine Verpflichtung, und zwar nicht nur, jene Werke, die bisher nicht auf deutsch und/oder englisch erschienen sind, eben in jenen Sprachen herauszubringen, sondern auch deren Qualität auf einem Standard zu halten, der dem Revisionismus, sprich der Liebe zu Genauigkeit und Klarheit alle Ehre tut.

Es gibt also jede Menge zu tun! Packen wir’s an! □


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 8(1) (2004), S. 2f.


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