Die Neuseeland-Saga nimmt ihren Fortgang

Von Germar Rudolf

In VffG 2/2003, S. 203-209, berichtete Dr. Fredrick Töben über den Fall von Joel S. A. Hayward, der 1993 an der Canterbury-Universität in Christchurch, Neuseeland, in einer Magisterarbeit die revisionistische Literatur zum Thema der behaupteten Ausrottung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland analysiert hatte. Da Hayward nicht nur zum Schluß gelangt war, die revisionistischen Darstellungen dieses Themas seien ernstzunehmende wissenschaftliche Beiträge zur Geschichtsschreibung, sondern sich auch mit einigen revisionistischen Schlußfolgerungen einverstanden erklärt hatte, verlangten verschiedene Interessengruppen, man möge ihm die Magisterwürde aberkennen. Obgleich die Canterbury-Universität nicht so weit ging, waren die tatsächlich ergriffenen Maßnahmen einschneidend genug, um etliche Wissenschaftler auf den Plan zu rufen, welche die akademische Freiheit bedroht sahen.

Zwei dieser Wissenschaftler waren Dr. Thomas A. Fudge und Prof. Dr. Ian Campbell, Historiker an der Canterbury-Universität, wo Hayward seinen Magister- sowie später seinen Doktorgrad erworben hatte. Campbell, der zum damaligen Zeitpunkt auch Herausgeber der kleinen historischen Universitätszeitschrift History Now war, ersuchte Dr. Fudge, einen Artikel über die Hayward-Affäre zu verfassen. Als die betreffende Ausgabe der Zeitschrift erschienen war, blockierte die historische Fakultät jedoch ihre Auslieferung, ließ die gedruckten Exemplare einstampfen und entließ Prof. Campbell als Herausgeber der Zeitschrift. Als Reaktion auf diese universitäre Bücherverbrennung ging ein fast weltweites Beben durch die akademische Welt. Um diesen Zensurakt zu kontern, druckte der New Zealand Herald Dr. Fudges Artikel - wenn auch ohne Fußnoten - in zwei Teilen ab, die am 23. bzw. 24. Juli 2003 erschienen. Somit erwies sich das Vorgehen der Universität als Rohrkrepierer, denn anstatt in History Now in einer Auflage von 500 Exemplaren zu erscheinen, wurde der Beitrag nun in einer Tageszeitung veröffentlicht, deren Auflage in die Zehntausende geht. Parallel zu diesem Akt der Mediensolidarität organisierte Dr. Martin Lally, Dozent an der Victoria-Universität, eine Petition, die von zahlreichen Wissenschaftlern in aller Welt unterzeichnet und am 26. August 2003 in The Dominion Post (Wellington) sowie The Press (Christchurch) publiziert wurde (siehe separater Kastentext). In diesen beiden Tageszeitungen erschienen auch kurze Artikel, in denen die Ansicht verfochten wurde, das, was an der Canterbury-Universität vor sich gehe, sei Zensur und einer akademischen Institution unwürdig.[1]

Als Reaktion auf die Artikel von Dr. Fudge sowie Prof. Campbell sowie den Einsatz von Prof. Lally zugunsten der akademischen Freiheit und des Rechts auf kritische Hinterfragung des "Holocaust" schrieb Philip Matthews einen Artikel, der am 20. September 2003 unter dem Titel "Canterbury Tales" von der neuseeländischen Zeitung Listener abgedruckt wurde (S. 26-29). Matthew stellte darin folgende Frage:

"Unterdrückt die Canterbury-Universität die akademische Freiheit? Oder geht es bei dieser Sache vielmehr um akademische Normen?"

Diese Frage war natürlich durchaus berechtigt. Doch bevor er einen Versuch zu ihrer Beantwortung unternahm, gab Matthews bekannt, daß Prof. Vincent Orange, der während Haywards Studiums dessen Mentor gewesen war, im April 2001 in einem Brief an Phyllis Guthardt, Rektorin der Canterbury-Universität, geschrieben hatte, Dr. Fudge habe "seine warme Unterstützung der Magisterarbeit [Haywards] bekundet" und finde "in diesem Werk viel Verdienstvolles".

Sowohl Dr. Fudge als auch Prof. Campbell hatten Prof. Orange und Dr. Hayward ihre Unterstützung angeboten, als die Universität den Fall im Jahre 2000 untersuchte. Matthews stellte diesen Aussagen die in einem Interview mit ihm erfolgte Weigerung Dr. Fudges entgegen, sich zur Qualität der Magisterarbeit Haywards zu äußern. Anschließend zitierte er Prof. Dr. Richard Evans, der nicht nur anno 2000 bei dem infamen Ehrverleumdungsprozeß Irving vs. Lipstadt als Sachverständiger der Verteidigung (Lipstadt und Penguin Books) aufgetreten war, sondern im gleichen Jahr auch eine Expertise über die Hayward-Magisterarbeit verfaßt hatte. Laut Evans ist letztere "ein durch und durch tendenziöses, voreingenommenes und unehrliches Werk". Evans riet der Canterbury-Universität, Hayward den Magistergrad abzuerkennen. Später wurde Evans von Matthews dahingehend zitiert, daß es in diesem Fall nicht um die akademische Freiheit gehe, sondern vielmehr

"um die Aufrechterhaltung akademischer Normen. Niemand hat Hayward oder Fudge daran gehindert, ihre Schriften zu veröffentlichen".

Die historische Fakultät der Universität begründete ihre Weigerung, den Artikel Dr. Fudges zu veröffentlichen, nicht nur damit, daß sie dessen Inhalt nicht billige, sondern auch damit, daß Dr. Fudge angeblich persönliche und außerhalb seiner eigenen Fakultät erfolgte Mitteilungen mißbräuchlich verwendet und ein informelles Abkommen zum Verzicht auf jede öffentlichen Erörterung der Hayward-Affäre gebrochen habe. In Anbetracht der groben Verletzung von Dr. Haywards akademischer Freiheit scheint die Frage eher müßig, inwieweit diese Vorwürfe berechtigt waren. Einen unverhüllten Akt der Zensur damit zu rechtfertigen, daß sich das Zensuropfer über ein früheres "Abkommen" zur Durchführung einer Zensur hinweggesetzt habe, mutet freilich geradezu komisch an!

In seinem Artikel erteilt Matthews keine befriedigende Antwort auf die ganz am Anfang von ihm selbst gestellte Frage. Er begnügt sich damit, die zuvor zitierte Aussage von Prof. Evans - den er als wirklichen Experten einstuft - wiederzugeben und sich unkritisch zu eigen zu machen. Ich frage mich, ob Matthews Prof. Evans Gutachten überhaupt gelesen hat und ob er eine Ahnung davon hat, was eigentlich unter "akademischen Normen" zu verstehen ist. Dieser Frage wollen wir uns im folgenden zuwenden.

Zunächst einmal hätte Matthew merken sollen, daß eine wissenschaftliche Studie an sich nicht "unehrlich" sein kann. Falls Prof. Evans dies wirklich gesagt hat, deutet dies darauf hin, daß seine Formulierungskünste nicht über jeden Zweifel erhaben sind. Eine Studie kann nicht unehrlich sein, ihr Verfasser jedoch sehr wohl! Allerdings läßt sich eine solche Unehrlichkeit durch eine Überprüfung der Studie gemeinhin nicht nachweisen, außer wenn sich der Autor offen zu seiner Unehrlichkeit bekennt, was doch recht selten der Fall sein dürfte... Somit konnte Prof. Dr. Evans, der Dr. Hayward niemals persönlich begegnet war, ganz unmöglich wissen, ob letzterer unehrlich ist oder nicht. Unter diesen Umständen verwundert es keineswegs, daß sich die Canterbury-Universität in diesem Punkt nicht hinter Prof. Evans stellte. Begnügen wir uns hier mit der Feststellung, daß solche persönlichen Angriffe gegen andere Forscher, die man nicht einmal persönlich kennt, auf ein betrüblich niedriges akademisches Niveau hinweisen.

Als nächstes gilt es zu untersuchen, ob Haywards Magisterarbeit tendenziös und/oder voreingenommen ist. Da Hayward die revisionistischen Argumente ernst nimmt und einige davon gutheißt, kann es nicht überraschen, daß Prof. Evans, einer der erbittertsten Widersacher sämtlicher revisionistischer Standpunkte, eine solche Einstellung als tendenziös und voreingenommen geißelt. Doch ist eine Haltung, die abweichende Meinungen ungeprüft verwirft, ihre Anhänger als unehrlich angreift und zur Vernichtung ihrer Karriere (durch Aberkennung ihrer akademischen Würden) aufruft, nicht selbst ein Zeichen von Voreingenommenheit?

The Press (Christchurch), 3. Sept. 2003 (zum Vergrößern anklicken)

Die Frage ließe sich unschwer beantworten, wenn eindeutig nachgewiesen werden könnte, daß die revisionistischen Argumente inhaltlich richtig oder zumindest wissenschaftlich haltbar sind. Da ich selbst Revisionist bin, mag man einwenden, ich sei in diesem Punkt voreingenommen; deshalb will ich hier nicht auf dieser Grundlage argumentieren, da die Gegenseite diese doch nicht anerkennen würde und ich es mir schenke, die bereits Überzeugten nochmals zu überzeugen. Ich möchte mich deshalb hier auf formale Gesichtspunkte beschränken. Man gestatte mir, zunächst zu resümieren, welches die von Prof. Evans angeführten Kriterien für jede wissenschaftliche Arbeit sind:

Prof. Evans Anschuldigungen gegen Dr. Hayward konzentrieren sich vor allem auf die Behauptung, letzterer schenke Gegenargumenten keine oder zumindest nicht die gebührende Beachtung. Dies bezeichnet Prof. Evans als voreingenommen und tendenziös. In seinen 1999/2000 erschienenen Entschuldigungen räumte Dr. Hayward ein, er habe, nachdem er seine Magisterarbeit 1993 abgeschlossen habe, von Gegenargumenten erfahren; im Lichte seines Kenntnisstandes Ende der neunziger Jahre würde er seine Studie anders schreiben und andere Schlußfolgerungen vertreten.

In meinem anno 1998 begonnenen Briefwechsel mit Dr. Hayward wies ich diesen darauf hin, daß gewisse Teile seiner Studie auf unfundierten Argumenten fußten und die Kritik daran teilweise berechtigt sei. Ich dachte hier in erster Linie daran, daß er sich auf die Richtigkeit des sogenannten Leuchter-Berichts verließ, der gewiß ein bahnbrechendes Dokument war, jedoch auch zahlreiche Schwachstellen aufwies. Es besteht kein Zweifel daran, daß sich Dr. Hayward nach dem Erscheinen des Leuchter-Berichts von revisionistischem Enthusiasmus hinreißen ließ, der ihn dazu verführt haben mag, die revisionistischen Standpunkte allzu sorglos zu übernehmen. Man mag hier durchaus von "Voreingenommenheit" sprechen, doch bewegt sich diese noch im normalen und akzeptablen Rahmen dessen, was uns allen passieren kann.

Es gilt auch der Tatsache Rechnung zu tragen, daß Hayward zu jenem Zeitpunkt nichts weiter als ein Student war, der im hintersten Winkel der Welt an seiner Magisterarbeit schrieb. Angesichts seiner begrenzten finanziellen Möglichkeiten sowie der riesigen Entfernungen, die ihm die Beschaffung von Quellenmaterial sehr erschwerten, war es für ihn beileibe nicht einfach, sich sämtliche benötigten Informationen zu besorgen, und sein eigener Mentor war auf diesem Gebiet kein Experte. Aus diesem Grund hat Dr. Hayward auch hervorgehoben, daß er während seiner Forschungen auf keinerlei finanzielle Unterstützung bauen konnte, während Prof. Evans ein recht hohes Salär bezieht und für seine Expertisen geradezu fürstlich bezahlt wird. Beispielsweise erhielt er für sein Gutachten beim Irving-Prozeß allein rund 100.000 Dollar. Mit einer solchen finanziellen Rückendeckung ist es natürlich einfacher, solide Arbeit zu leisten, und es ist unfair, andere, die als mittellose Studenten am anderen Ende der Welt unter schwierigen Bedingungen forschen, zu kritisieren (wie es Matthews tut). Somit handelt Evans unrealistisch, wenn er von Hayward verlangt, sämtliche existierenden Gegenargumente zur Kenntnis zu nehmen.

Verfolgen wir die Sache weiter. In all seinen Schriften betrachtet Prof. Evans die These, daß der "Holocaust" nicht stattgefunden hat, an sich schon als Beweis für Voreingenommenheit. Seiner Ansicht nach ist die Dokumentation, welche den "Holocaust" als historische Tatsache beweist, unwiderlegbar. Befolgt er bei dieser Argumentation lediglich seine eigenen Regeln, das heißt, nimmt er abweichende Standpunkte zumindest zur Kenntnis? Ich spreche hier wohlverstanden nicht von David Irving, denn dieser war nie ein Holocaust-Revisionist im eigentlichen Sinne des Wortes. Er hat nie auch nur einen einzigen Artikel, geschweige denn ein Buch zu diesem Thema geschrieben. Gewiß hat er sich in einigen seiner Vorträgen dazu geäußert, aber dies ändert nichts daran, daß er kein Fachmann auf diesem Feld ist. Die Frage lautet nun so: Finden sich in den Schriften von Prof. Evans Hinweise auf die seriösesten revisionistischen Autoren, und versucht er ihre Argumente zu entkräften? Ein konkretes Beispiel: Taucht der Name Carlo Mattogno in seinen Expertisen auf? Nun, in seinem Gutachten zum Irving-Prozeß stößt man in Fußnote 173 auf S. 182 sowie in Fußnote 293 auf S. 189 in den Tat auf den Namen des italienischen Forschers, doch keineswegs im Zusammenhang mit Hinweisen auf irgendwelche von diesem angeführten Argumente, sondern lediglich als Beweis dafür, daß die Revisionisten bereits in den Titeln ihrer Schriften kundtun, daß sie "den Holocaust bestreiten"[2] - als würde dies von irgend jemandem bestritten! Anders gesagt: Evans unternimmt noch nicht einmal den Versuch, revisionistische Argumente zu diskutieren. Er reicht für ihn völlig aus, zu beweisen, daß die Revisionisten "bestreiten" oder "leugnen", und schon ist der Nachweis für deren angebliche moralische Minderwertigkeit erbracht!

Es mag ja sein, daß Prof. Evans keine der Schriften Carlo Mattognos gelesen hatte (diese existierten zum damaligen Zeitpunkt größtenteils nur auf italienisch), doch angesichts seiner enormen finanziellen Ressourcen und seiner selbstproklamierten tiefschürfenden Kenntnis der "Leugnungsbewegung" ist dies keine akzeptable Entschuldigung. Hierin liegt der Unterschied zwischen dem mittellosen Studenten Hayward auf dem abgelegensten Eiland der Welt und dem betuchten Experten in London. Somit ist nicht die allfällige Voreingenommenheit Haywards unannehmbar, sondern die Ignoranz Prof. Evans', denn dieser legt eine massive Voreingenommenheit bis hin zum bewußten Ausblenden von Fakten an den Tag.

Als nächstes wollen wir die Frage nach der Natur der Wissenschaft und ihrer Rolle in der menschlichen Gesellschaft anschneiden. Der Leser wird mir bestimmt beipflichten, daß wissenschaftliche Kenntnis nichts Statisches, sondern etwas in stetem Wandel Begriffenes ist, allein schon darum, weil der Wissenschaftler ein immer größeres Maß an Genauigkeit und Vollständigkeit anstrebt. Diese Feststellung mag reichlich trivial anmuten, doch im Fall Hayward wurde diese einfache Wahrheit vergessen. Seine größtenteils im Jahre 1992 verfaßte Magisterarbeit wurde mit den Maßstäben der Jahre 1999/2000 gemessen, obgleich sowohl die Revisionisten als auch deren Gegner in diesen sieben bis acht Jahren außerordentliche Fortschritte erzielt hatten und beispielsweise weit über den Leuchter-Bericht hinausgegangen waren. Würden bei der Beurteilung einer jeden wissenschaftlichen Arbeit solche retroaktiven Maßstäbe angelegt, so würde dies zwangsläufig dazu führen, daß früher oder später jede Studie als unvollkommen verworfen werden müßte. Dies ist schlicht und einfach eine unfaire und zutiefst fehlerhafte Methode.

Der Leser wird mir hoffentlich ein weiteres Mal beistimmen, wenn ich festhalte, daß auch Wissenschaftler keine Engel sind. Sie sind alle von ihrer gesellschaftlichen Umwelt beeinflußt, die unvermeidlicherweise zu gewissen Formen der Voreingenommenheit führen muß. In diesem Sinne sind wir alle Produkte unserer Umwelt. Diese Art von Voreingenommenheit ist nicht beabsichtigt und somit akzeptabel. Solange wir uns dieser Tatsache bewußt sind, und solange wir die gesellschaftlichen Faktoren einschätzen können, die auf das Verhalten eines Wissenschaftlers einwirken, brauchen wir uns nicht lange dabei aufzuhalten. Eine Voreingenommenheit ist oft dadurch bedingt, daß der Betreffende bestimmte Intentionen hat. Führt man sich beispielsweise die Schriften des Herrn Professor Evans zu Gemüte, so entdeckt man sofort, daß seine Intention der Kreuzzug gegen die "Leugner" ist. Letztere betrachtet er als böse Menschen, und er versucht nach Kräften, dies zu beweisen (genau wie Deborah Lipstadt, die Evans als Experten herbeigetrommelt hat). Sein Programm ist das eines professionellen Ehrabschneiders; er greift immer wieder zu persönlichen Angriffen gegen Forscher, deren Standpunkte er als moralisch verwerflich einstuft. Prof. Evans mag sich dessen nicht bewußt sein, aber früher oder später wird auch er einräumen müssen, daß die Richtigkeit von Tatsachenbehauptungen unabhängig von der moralischen Qualität jener ist, welche sie aufstellen. Nur die Untersuchung einer Behauptung selbst kann deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit erweisen und keine angeblichen oder tatsächlichen Enthüllungen über den Charakter und die politischen Überzeugungen jener, welche diese Behauptung vertreten. Aus diesem Grunde hüte ich mich wohlweislich davor, mich auf das Niveau des Herrn Prof. Evans herabzubegeben und irgendwelchen ideologischen Dreck ans Tageslicht zu bringen, den er oder manche seiner Anhänger möglicherweise am Stecken haben mögen. Auf diese Weise löst man keine einzige geschichtliche Streitfrage und vergeudet nur seine Zeit und Energie.

Ich will wohlverstanden nicht behaupten, eine Intention sei zwangsläufig etwas Schlechtes. Solange eine solche Intention das akademische Niveau nicht beeinträchtigt, ist sie völlig legitim. Schließlich braucht jeder Wissenschaftler eine Motivation, um Recherchen zu seinem Thema anzustellen, die oft reichlich anstrengend sind, und die Liebe zur wissenschaftlichen Exaktheit allein ist meist nur einer unter mehreren Beweggründen, die ihn beflügeln. Sehr oft spielen auch Ehrgeiz und Stolz, aber auch das Streben nach materiellen Gütern mit, und sobald wir uns den Geisteswissenschaften zuwenden, spielen ideologische Ansichten fast unvermeidlich für die meisten Teilnehmer an einer Kontroverse eine nicht zu unterschätzende Rolle, mögen sie sich dessen nun bewußt sein oder nicht.

Man kann nur den Kopf schütteln, wenn man sieht, wie Prof. Evans und seine Freunde hinter jedem Voll- oder Halbrevisionisten einen Antisemiten und Neonazi wittern, während sie ihrerseits die Revisionisten und ihre Verteidiger als "Paranoiker" schmähen, die hinter den Handlungen ihrer Gegner und Unterdrücker stets linksradikale und/oder jüdisch-zionistische Motive orteten! Tatsache ist, daß nicht wenige Vertreter auf beiden Seiten eine spiegelsymmetrische Paranoia entwickelt haben, mit der sie die jeweils andere Seite inverser Motive verdächtigen. Im Gegensatz zu renommierten anti-revisionistischen Autoren wie Evans lassen sich jedoch renommierte revisionistische Autoren nicht auf das Niveau herab, Tinte und Papier für solche antiwissenschaftlichen, politisch-persönlichen Attacken zu verschwenden.

So bedauerlich die Emotionen sowie die sich daraus ergebenden Voreingenommenheiten auch sein mögen, die oft mit ideologisch heißen Themen wie dem "Holocaust" verbunden sind - einen Vorteil haben sie durchaus. Ich meine hier die Hartnäckigkeit, mit der beide Seiten die Richtigkeit ihrer Auffassung zu beweisen trachten. Es gibt vielleicht kein einziges anderes Gebiet der Geschichtsschreibung, auf dem soviel Forschungsarbeit geleistet wurde und immer noch geleistet wird. Keine andere Provinzstadt in der Geschichte der Menschheit hat die Historiker so beschäftigt wie Auschwitz. Ob es Prof. Evans nun in den Kram paßt oder nicht: ohne die Revisionisten, die unablässig Antworten auf ihre unbequemen Fragen fordern, wäre der ganze Fortschritt der letzten drei Jahrzehnte nicht erzielt worden, mögen Evans und seine Freunde auch verbissen versuchen, revisionistische Forschungen sowie jegliche Berichterstattung darüber zu unterbinden. Weder Prof. Evans' eigene Werke noch jene einer Deborah Lipstadt, eines Jean-Claude Pressac, eines Michael Shermer, eines Wolfgang Benz und eines Robert Jan van Pelt - um nur einige zu nennen - würden ohne die revisionistischen Schriften existieren, haben diese doch den Anstoß zu all diesen Werken mit ihren Erkenntnissen (falls sie überhaupt solche enthalten...) und ihren Vorurteilen gegeben.

Man wird also sagen dürfen, daß eine Intention, die so gut wie immer mit einer gewissen Voreingenommenheit Hand in Hand geht, die hauptsächliche treibende Kraft hinter der "Holocaust"-Forschung hüben und drüben ist. Wer aber fragt, welche Seite in dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung tendenziöser argumentiere, der sei darauf hingewiesen, daß die Vertreter des offiziellen "Holocaust"-Bildes die wertvollsten revisionistischen Werke immer noch ignorieren (und zu unterdrücken versuchen). Dies ist ein starkes Indiz dafür, daß sie argumentativ am kürzeren Hebel sitzen.

Als Reaktion auf den Matthews-Artikel publizierte The Listener in der darauffolgenden Woche mehrere Leserbriefe, von denen derjenige eines Dr. Tom Ryan von der anthropologischen Fakultät der Waikato-Universität (Hamilton, Neuseeland) vermutlich der fragwürdigste war. Dr. Ryan stellte sich grundsätzlich hinter Matthews, da es moralisch anstößig sei, Dr. Hayward oder Dr. Fudge zu unterstützen; dies bedeute nämlich, indirekt Wasser auf die Mühlen der "internationalen Holocaust-Leugnungsbewegung zu leiten". Er rief auch dazu auf, Hayward "nicht länger als unschuldigen Märtyrer" darzustellen, der "Opfer irgendeiner großen jüdischen Verschwörung" sei.

Zunächst sei betont, daß man sich keine unwissenschaftlichere Einstellung denken kann als eine, die nach einer Zensur gewisser Ansichten ruft, weil diese angeblich einem politischen Feind dient. Dies ist ein Totalitarismus, der an den Stalinismus gemahnt. Dr. Ryan offenbart hier, daß er überhaupt keinen wissenschaftlichen oder akademischen Standard anerkennt. Das unerklärliche, lächerliche Benehmen von Leuten wie Dr. Ryan und Konsorten hilft dem Revisionismus viel mehr bei der Entlarvung dieser Gelehrten als die Heuchler, die sie sind, als es die Schriften eines Dr. Hayward und eines Dr. Fudge vermögen.

Kommen wir zum nächsten Punkt. Wenn Hayward "nicht unschuldig" ist, wie Dr. Ryan unterstellt, wo, bitte schön, ist dann der Beweis für seine Schuld? Alles, was man ihm vorwerfen kann, ist, daß er es nicht besser wußte, als er seine Magisterarbeit schrieb. Doch dies gilt für alle Historiker zum Zeitpunkt, an dem sie die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten zu Papier bringen. Wir sind unserer Natur nach fehlbar. Wenn dies eine Schuld ist, die nach Strafe ruft, dann scheint es mir, Dr. Ryan sollte bei sich selbst anfangen und sich jeden Morgen vor dem Spiegel auspeitschen, ehe er mit dem Finger auf andere zeigt.

Die Reihe ist nun wieder an den "etablierten" Historikern - sollen sie doch versuchen, uns Revisionisten in die Defensive zurückzudrängen! Und wir Revisionisten werden das Feuer ganz bestimmt am Kochen halten, damit die Gegenseite nicht zur Ruhe kommt.

Wenn wir hier Dr. Fudges Verteidigung der akademischen Freiheit Dr. Haywards publizieren, dann nicht zuletzt darum, weil wir dadurch die akademische Freiheit eines jeden verteidigen und wir es als unsere Pflicht ansehen, eine Lanze zu brechen für das fundamentale Menschenrecht auf Zweifel. Die akademische Freiheit erfordert es, daß in einer wissenschaftlichen Arbeit jede beliebige Ausgangsthese verfochten werden darf - sogar jene, daß es den "Holocaust" nicht gab -, und daß keine andere Macht als die Macht der Beweise uns je zwingen darf, bestimmte Schlußfolgerungen zu ziehen. Und wenn die Beweise dafür sprechen, daß es keinen "Holocaust" gab, dann nehme man dies hin. Die Erde wird sich trotzdem weiterhin um die Sonne drehen.

Prof. Evans und mit ihm Herr Matthews meinen, für eine solche These dürfe es an Universitäten keinen Raum geben. Es trifft zwar zu, daß niemand Joel Hayward und Dr. Fudge verbot, ihre Schriften zu veröffentlichen, doch ist dies nicht der springende Punkt. Das von der Canterbury-Universität ausgesendete Signal war anderer Art: Sollte irgendein Wissenschaftler es je wagen, zu Schlußfolgerungen zu gelangen, die bestimmten Mächten - an der Universität oder in der Regierung - zuwider sind, riskiert er, seinen Ruf und seinen akademischen Grad zu verlieren (oder, wenn er noch keinen besitzt, niemals einen zu erwerben). Wird es aber erst einmal akzeptiert, daß die Unterdrückung revisionistischer Ansichten auf akademischer Ebene zulässig ist, dann stehen der Regierung Tür und Tor zur Einführung gesetzlicher Unterdrückungsmaßnahmen offen. Wohin dies letztendlich führt, sieht man in manchen europäischen Staaten, wo Menschen mit abweichenden Ansichten zum "Holocaust" ins Gefängnis geworfen werden, ohne sich verteidigen zu dürfen.[3]

Das Vorgehen der Canterbury-Universität läuft darauf hinaus, Forscher dafür zu bestrafen, daß sie zu unwillkommenen Schlüssen gelangen. Gewinnt eine solche Einstellung an Boden, so ist das Todesurteil für die Wissenschaft gesprochen. Und nicht genug damit: Verbietet man uns zu zweifeln und Fragen zu stellen, so verweigert man uns unsere elementarste Menschenwürde, denn was uns am klarsten von der Tierwelt trennt, ist, daß wir unsere Sinneseindrücke nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern die Fähigkeit besitzen, sie zu bezweifeln und in Frage zu stellen. In diesem Sinne ist Revisionismus die menschlichste aller Aktivitäten. Den Revisionismus zu verbieten oder zu ächten, kommt deshalb einem Verbot oder einer Ächtung des Menschseins gleich.


Anmerkungen

[1]"Academic Freedom must apply to all," The Dominion Post, 4. September 2003; "History Lessons," The Press, 3. September 2003.
[2]"Expert Report by Professor Richard Evans", Royal Courts of Justice, Strand, London, David John Cawdell Irving vs. (1) Penguin Books Limited, (2) Deborah E. Lipstadt, Ref. 1996 I. No. 113. Evans bezieht sich auf Mattognos Artikel "The Myth of the Extermination of the Jews", The Journal of Historical Review, Band. 8 (1988), S 133-72 und 261-302, nur weil im Titel das Wort "Mythos" vorkommt.
[3]Man vergleiche hierzu meinen Artikel "Discovering Absurdistan", The Revisionist, 1(2) (2003), S. 203-219.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 8(1) (2004), S. 81-85.


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