Die Berichte des polnischen Widerstands über die Gaskammern von Auschwitz (1941-1944)

Von Enrique Aynat

1. Einleitung

1.1. Entstehung und Ziel dieser Studie

Schon seit längerer Zeit habe ich mich lebhaft für die Frage interessiert, welche Informationen der polnischen Exilregierung in London sowie dem polnischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs über das Konzentrationslager Auschwitz vorlagen. Mit diesem Thema habe ich mich bereits in einem Artikel auseinandergesetzt,[1] in dem ich darlegte, daß die polnische Widerstandsbewegung sowie folglich auch die polnische Exilregierung wußten, was in jenem KL vor sich ging. Mitglieder verschiedener Untergrundorganisationen hatten sich in den neuralgischen Zentren des Lagers eingenistet - in der Kommandantur, dem Krankenhaus, der Bauleitung, der Abteilung Arbeitseinsatz sowie in der politischen Abteilung. Unter diesen Umständen war es logischerweise ein Ding der Unmöglichkeit, daß die Widerstandskämpfer nicht über die wichtigsten Ereignisse im Lager auf dem laufenden waren, und dies gilt selbstverständlich auch für die behauptete Massenvernichtung der Juden.

Thema der vorliegenden Studie sind die vom Untergrund verbreiteten Meldungen über die Tatwaffe, mit der dieser Massenmord in allererster Linie begangen worden sein soll: Die Menschentötungsgaskammern.

1.2. Quellen

Der größte Teil der zu Rate gezogenen Dokumente entstammt den Archiven der Delegatura. Diese vertrat von 1940 bis 1945 die im Londoner Exil weilende polnische Regierung. Die Delegatura besaß exekutive Befugnisse und verfügte über ihre eigenen administrativen Abteilungen, die Ministerien entsprachen. Sie war auf dem gesamten Territorium Polens in den Grenzen vom 1. September 1939 tätig und besaß Vertreter für die einzelnen Provinzen, Bezirke und Gemeinden. Bei der Delegatura handelte es sich de facto um eine Schattenregierung, die der deutschen Besatzungsmacht die Herrschaft über das Land streitig machte. Kurz gesagt, sie war ein "Untergrundstaat" mit eigenem Erziehungswesen, eigenem Rechtswesen sowie einem eigenen Heer, der Armia Krajowa (Heimatarmee).[2]

Eine der Organisationen, die der Delegatura unterstanden, war die "Abteilung für Information und Presse" (Departament Informacji i Prasy), welches in zwei Sektionen zerfiel: die östliche und die westliche. Die "Westliche Sektion" (Sekcja Zachodnia) leitete die konspirative Untergrundarbeit in jenem Teil Polens, der 1939 dem Deutschen Reich angegliedert worden war, darunter auch in Auschwitz. Somit lenkte sie auch die Aktionen der Widerstandsbewegung innerhalb dieses Konzentrationslagers. Sie bestand aus fünf Abteilungen, von denen die wichtigste die "Abteilung des Informationsdienstes" (Wydział Służby Informacyjnej) war. Deren Agenten arbeiteten eng mit der Spionageabteilung der Armija Krajowa sowie mit den Informationsnetzen der in der Delegatura vertretenen politischen Parteien zusammen. Über diese Gruppierungen gelangten die Berichte an die Zentralorganisation in Warschau. Fast alle in dieser Studie zitierten Texte entstammen deren Archiven.

Nach dem Krieg wurden die Dokumente der Delegatura unter Referenznummer 202 im Institut für die Geschichte der (kommunistischen) Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei aufbewahrt, das dem Zentralkomitee dieser Partei unterstand. Nach der Auflösung der Partei wurde die Dokumentation 1990 von der sich in Warschau befindenden "Hauptdirektion der Staatlichen Archive" (Naczelna Dyrekcja Archiwów Państwowych) übernommen.

Die von mir studierten Dokumente lassen sich in vier Gruppen unterteilen: Periodische Lageberichte, die von Kurieren in Form von Mikrofilmen nach London gebracht wurden; Wochenberichte zu dringenden Fragen, die meist über Funk verbreitet wurden; vertrauliche Bulletins für die verschiedenen Geheimorganisationen sowie schließlich ausführliche Informationen, die als Grundlage für die ersten drei Kategorien dienten und im allgemeinen auf losen Papierbögen mit Schreibmaschine vervielfältigt wurden.

Der Großteil der untersuchten Dokumente ist im polnischen Werk Obóz koncentracyjny Oświęcim w świetle akt delegatury rządu RP na kraj ("Das Konzentrationslager Auschwitz im Licht der Dokumente der Delegatur der Regierung der Republik Polen in der Heimat")[3] veröffentlicht worden. Dieses Buch - das ich künftig jeweils als Obóz abkürze - stellt eine offensichtlich mit Eifer und Systematik erstellte Sammlung der in den Archiven der Delegatura vorhandenen Berichte über Auschwitz[4] dar. Die Herausgeber halten fest, daß die Urkunden "in Übereinklang mit den erhaltenen Originalen, ohne Auslassungen oder Abänderungen", abgedruckt und lediglich Schreib- und Interpunktionsfehler korrigiert worden seien.[5] Aus mir unbekannten Gründen enthält das Buch keinerlei Dokumente aus dem Zeitraum zwischen Juli 1944 und dem 27. Januar 1945, dem Tag, an dem sowjetische Truppen in Auschwitz einrückten.

Die restlichen zitierten Dokumente stammen aus verschiedenen Archiven: Dem des Polish Underground Movement (1939-1945) Study Trust in London; dem von Yad Vashem (Jerusalem), dem des Public Record Office (Kew, Richmond, Großbritannien) sowie schließlich dem der Hoover Institution (Stanford University, Stanford, Kalifornien). Im Archiv des Londoner Polish Underground Movement (1939-1945) Study Trust befindet sich ein Teil der Dokumente, die der Exilregierung vom Widerstand zugestellt worden waren. Dort konnte ich einige der in Obóz publizierten Berichte überprüfen und mich davon überzeugen, daß sie, wie die Herausgeber versichern, in der Tat textgetreu wiedergegeben worden sind.

Ich habe somit ein recht umfangreiches dokumentarisches Material untersucht, das aller Wahrscheinlichkeit nach den Hauptteil der vom polnischen Widerstand verfaßten Mitteilungen über das KL Auschwitz darstellt.

1.3. Methode

Bei meiner Arbeit habe ich mich an die traditionelle historische Methode gehalten. Der erste Schritt bestand darin, alle verfügbaren Quellen zusammenzustellen, und es schien mir angemessen, sie im Dokumentenanhang, der den Abschluß meiner Studie bildet, in chronologischer Reihenfolge zu zitieren. Somit kann sich der Leser selbst einen vollständigen Überblick verschaffen. Dies wird es ihm erleichtern, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dabei erschien es mir notwendig, in der spanischen Originalausgabe dieser Studie jeweils den polnischen Urtext folgen zu lassen, so daß des Polnischen kundige Leser sich die Dokumente im Original zu Gemüte führen und allfällige Übersetzungsfehler entdecken können.[6]

In den meisten Fällen begnüge ich mich mit einer teilweisen Wiedergabe der Dokumente, da für mich nur jene Fragmente von Belang waren, in denen die Ausrottungsprozeduren im allgemeinen und die Menschentötungsgaskammern im besonderen erwähnt werden. Ich habe mich stets bemüht, den Hintergrund zu erhellen, vor dem das betreffende Dokument zu sehen ist. Einem kritischen Leser steht es ohnehin offen, die vollständige Originalquelle zu konsultieren, die ich in jedem Fall so genau wie möglich angegeben habe.

Obgleich die untersuchten Urkunden besonders ab 1943 zahlreiche Hinweise auf die Gaskammern enthalten, sind diese in der Regel sehr summarischer Art. In sehr vielen Fällen begnügen sich die Verfasser der Berichte mit der Bemerkung, die Transporte mit Juden, sowjetischen Kriegsgefangenen und Polen seien "in die Gaskammern" (do komór gazowych) oder, noch kürzer, "ins Gas" (na gaz) geschickt worden, oder bis zu diesem oder jenem Datum seien so oder so viele Menschen "vergast" (zagazowani) worden. Meiner Auffassung nach bereichern solch lakonische Formulierungen unseren Kenntnisstand über die Gaskammern in keiner Weise, und darum habe ich auf ihre Wiedergabe verzichtet.

Ich habe im allgemeinen nur solche Dokumente berücksichtigt, welche konkrete Beschreibungen der Gaskammern enthalten, d.h. Hinweise darauf, wie sie aussahen, wie sie funktionierten, wo sie sich befanden, wieviele es gab, und welches Gas verwendet wurde.

Im anschließenden Teil unterziehe ich die Dokumente einer Kritik. Bekanntlich hat einer Zusammenstellung von Quellen stets eine historische Kritik zu folgen, die sowohl externer als auch interner Art sein sollte[7] und deren Aufgabe darin besteht, den wirklichen Wert dieser Quellen zu ermitteln, konkreter gesagt ihre Authentizität und Glaubhaftigkeit. Bei der Durchführung dieser Aufgabe war ich bestrebt, mich an die von den französischen Professoren Langlos und Seignobos in ihrem als Klassiker geltenden Werk[8] aufgestellten Richtlinien zu halten.

Als nächstes vergleiche ich die in den Dokumenten des Widerstands enthaltenen Informationen über die Gaskammern mit der ab 1945 verbreiteten Version, um allfälligen Widersprüchen auf die Spur zu kommen. Zum Abschluß lege ich einige Schlußfolgerungen dar.

Zur Zuordnung der Zitate nummeriere ich diese entsprechend der Nummer des betreffenden Berichts im Dokumentenanhang.

2. Externe Kritik

Ehe wir uns auf ein Dokument stützen, müssen wir uns fragen, woher es kommt, wer sein Verfasser ist, und an welchem Datum es erstellt wurde. Ein Dokument, dessen Verfasser, Datum und Herkunft unbekannt sind, gilt im allgemeinen als wertlos. Die erste Aufgabe des wissenschaftlich arbeitenden Geschichtsforschers besteht dementsprechend in einer Analyse des Dokuments zwecks Erhellung dieser Fragen.

Bei der Untersuchung der Dokumente der Widerstandsbewegung über Auschwitz stellen wir fest, daß zwar das jeweilige Datum in fast jedem Fall bekannt ist, der Verfasser hingegen nie. Im Prinzip war dies auch gar nicht anders zu erwarten, und zwar schon aus Sicherheitsgründen - schließlich lieferten sich der polnische Widerstand und die Deutschen einen Kampf bis aufs Messer, und da taten die Urheber der Berichte gut daran, ihre Anonymität zu wahren. Doch darf diese banale Tatsache den Historiker nicht zum Verzicht auf den Versuch bewegen, etwas über die Identität der Verfasser sowie die Umstände, unter denen sie ihre Berichte erstellten, zu erfahren. Eine Analyse der Dokumente vermag ihm hier sicherlich weiterzuhelfen.

In der Tat zeigt sich bei der Untersuchung der Texte zunächst einmal, daß manche davon in den Überschriften als Identifizierungsmerkmale gewisse Ziffern, Schlüssel oder Tarnbegriffe enthalten, die den geheimen Informations- und Propagandazellen entsprachen. Dies belegt, daß die Übermittlung von Nachrichten aus dem Konzentrationslager an die Delegatura in diesen Fällen nicht direkt, sondern über wenigstens eine Zwischenorganisation erfolgt sein muß. Vermutlich beschränkte sich die geheime Zelle meist darauf, die aus dem Lager erhaltene Information einfach weiterzuleiten, doch läßt sich keineswegs ausschließen, daß sie die Nachricht gelegentlich "ausschmückte" und ihr einen bestimmten Ton oder eine bestimmte Orientierung verlieh.

Manche Schlüssel oder Tarnbegriffe für Informations- und Propagandazellen tauchen in einer ganzen Reihe von Berichten auf:

1631: Vermutlich eine Zelle der Informations- und Propagandasektion der Zentraldirektion der Armija Krajowa.[9]

D.I.: Informations- und Presseabteilung der Delegatura.[10]

252/a-1: Schlüssel einer Zelle derselben Informations- und Propagandasektion wie 1631.[11]

S. Z.: Westlicher Sektor der Informations- und Presseabteilung.[12]

Des weiteren gibt es Dokumente, die als "Briefe" oder "Berichte Gefangener" bezeichnet werden und aus naheliegenden Gründen keine Hinweise auf die Person ihrer Verfasser enthalten. So verfügen wir über einen "im Lager Auschwitz geschriebenen Brief" (Dokument Nr. 7), einen "Brief eines Häftlings von Auschwitz" (Dokument Nr. 22) sowie eine "Übersetzung der Berichte eines SS-Funktionärs in der Kommandantur des Lagers Auschwitz" (Dokument Nr. 24), der - so die Überschrift des Textes - "noch für uns arbeitet". In anderen Dokumenten taucht als Autor ein Pseudonym auf ("Lichtenstein", Dokument Nr. 27) oder auch nur ein Hinweis des Empfängers darauf, daß dieser den Verfasser kennt ("Ich kenne den Informanten persönlich", Dokument Nr. 19).

So selbstverständlich es sein mochte, daß man in Kriegszeiten und unter einem harten Besatzungsregime seine Identität verschleierte, so befremdlich mutet es andererseits an, daß die Verfasser auch noch Jahrzehnte nach Kriegsende unbekannt bleiben. Bezeichnenderweise haben die Herausgeber von Obóz, das 1968 erschien, keinen einzigen der Autoren identifiziert. Ganz im Gegenteil: Die Dürftigkeit der Hinweise auf die Personen der Verfasser läßt erahnen, daß es sich zumindest bei einem Teil von ihnen um Phantomgestalten handeln dürfte. Hierzu gleich ein konkretes Beispiel. Zum angeblich von dem "SS-Funktionär aus dem Büro des Lagers Auschwitz" erstellten Bericht vermerken die Herausgeber von Obóz, dessen Name sei "bis heute nicht bekannt", und es sei "nicht auszuschließen, daß der Autor des Dokuments als SS-Mann bezeichnet wurde, um die deutschen Behörden für den Fall, daß das Dokument in ihre Hände geriet, hinters Licht zu führen".[13]

D

E

F

"Die Krematorien kommen mit dem Verbrennen der Leichen nicht nach"[14]

"Die Krematorien kommen mit dem Verbrennen der Leichen nicht nach"[15]

 

"Eine Mannschaft von Dentisten [...]. Eine andere Mannschaft von Spezialisten"

"Spezielle Gruppen"

 

"untersucht sorgfältig die Mundöffnungen aller Opfer, um die Gold- und Platinkronen herauszubrechen; da wenig Zeit zur Verfügung steht, bricht man ganze Kiefer heraus"

"brechen die Zähne mit Goldkronen heraus"

 

"steckt die Hände in die Scheiden der Frauenleichen, um nach versteckten Wertgegenständen zu suchen"

"suchen Wertgegenstände in den Scheiden der Frauen"

 

"Es sind 4 Krematorien in Betrieb, eine Ziegelei,[16] und außerdem verbrennt man auf Scheiterhaufen unter freiem Himmel"

 

"es sind 4 Krematorien in Betrieb, eine Ziegelei,[16] und manchmal verbrennt man auf Scheiterhaufen"

Ein weiterer Punkt: Bei der Lektüre mancher dieser Berichte wird klar, daß die von den Verfassern gesammelten Informationen aus zweiter Hand stammen. Beispielsweise heißt es in dem in London von einem polnischen Flüchtling erstellten Bericht (Dokument Nr. 19), der Autor habe die Nachrichten "von Leuten erhalten, die aus dem Konzentrationslager befreit wurden". In anderen Fällen läßt der Verfasser unfreiwillig durchblicken, daß er nichts weiter getan hat, als Latrinenparolen und Gerüchte zu sammeln, was aus Formulierungen wie den folgenden hervorgeht: Der Informant "hat gehört" (słyszał; Dokument Nr. 26); "dem Vernehmen nach" (podobno; Dokument Nr. 29).

Die externe Kritik, insbesondere die Untersuchung der Herkunft eines Textes, hat zudem zu ermitteln, ob die Quellen tatsächlich voneinander unabhängig sind. Man geht dabei vom Grundsatz aus, daß voneinander unabhängige Zeugen, welche dieselben Ereignisse schildern, naturgemäß nicht genau dieselben Details beobachtet haben und dieselben Dinge schwerlich mit genau denselben Ausdrücken beschreiben werden. Historische Geschehnisse sind etwas ungemein Komplexes, und es ist ganz und gar unwahrscheinlich, daß zwei voneinander unabhängige Beobachter sie auf ein und dieselbe Art und Weise nachzeichnen.

Lesen wir die Dokumentation aufmerksam und beachten wir die eben erwähnten Grundsätze, so gelangen wir unweigerlich zum Schluß, daß ein großer Teil der Texte auf anderen, ihrem Geist nach sehr ähnlichen basiert oder daß sie, bildlich ausgedrückt, "ein und derselben Familie angehören". Ohne jeden Zweifel entspringen sie einer einzigen gemeinsamen Quelle.

Wenden wir uns zunächst einzelnen Geschehnissen zu, die in mehreren der Dokumente geschildert werden. Die behauptete Vernichtung mehrerer hundert sowjetischer Kriegsgefangener sowie Polen im "Bunker" von Auschwitz ist laut den Quellen der Widerstandsbewegung einer der frühesten Fälle der Anwendung von Gas zur Tötung von Menschen.[17] Sie wird in drei Berichten erwähnt, die wir mit A (Dokument Nr. 2), B (Dokument Nr. 3) sowie C (Dokument Nr. 6) bezeichnen wollen und die man mit den im Anhang aufgeführten Texten vergleichen kann.

Eine Untersuchung der drei Texte ergibt, daß sie alle eine gemeinsame Quelle aufweisen. Tabelle 1 vermittelt Aufschluß über die Übereinstimmungen.

A

B

C

"eines grauenvollen Verbrechens"[18]

"eines finsteren Verbrechens"[19]

 

"in der Nacht vom 5. auf den 6. September"[20]

"in der Nacht vom 5. auf den 6. September des Jahres 1941"[21]

"during the night of September 5th to 6th last year"

"wurden in den Bunker getrieben"[22]

"wurden in den Bunker[22] in Auschwitz getrieben"

"were driven down to the underground shelter in Auschwitz"

"Ungefähr 600 sowjetische Gefangene [...] sowie ungefähr 200 Polen"

"ungefähr 600 sowjetische Zivilgefangene [...] Miteinbezogen wurden ungefähr 200 Polen."

"about a thousand people [...] among them seven hundred Bolshevik prisoners of war and three hundred Poles"

 

"wobei man ihnen mit Stangen Hände und Füße brach"

"regardless of broken bones

"man vergiftete sie mit Gas"[23]

"sie wurden mit Gasen vergiftet"[24]

 

Es ist somit definitiv klar, daß sich die Berichte über die behauptete erste große Massentötung durch Gas in Auschwitz auf eine einzige Quelle zurückführen lassen.

Kaum minder aufschlußreich ist eine Gegenüberstellung der Dokumente, in denen die Ankunft der ungarischen Juden in Auschwitz sowie ihre angebliche Vernichtung im Frühjahr und Frühsommer 1944 beschrieben wird. Vergleichen wir die drei Texte, die auf diese Geschehnisse eingehen, so stellen wir auch diesmal fest, daß sie sich sehr gleichen und zumindest in einigen Punkten ein und derselben Quelle entspringen. Wir nennen diese drei Texte D (Dokument Nr. 30), E (Dokument Nr. 32) und F (Dokument Nr. 31).

Somit ergibt eine Gegenüberstellung der Dokumente, welche die Ankunft der ungarischen Juden und ihre spätere Vernichtung in Auschwitz beschreiben, daß sie zumindest in einigen wesentlichen Punkten auf ein und dieselbe Quelle zurückgehen.

Doch nicht genug damit. Einige der Dokumente sind nicht bloß von anderen inspiriert, sondern fast wortwörtlich abgeschrieben. Liest man die Dokumente Nr. 8 und Nr. 10, so stellt man fest, daß das eine kaum mehr als eine wörtliche Wiederholung des anderen ist. Der einzige nennenswerte Unterschied besteht darin, daß Dokument 10 den Hinweis auf eine "Degasungskammer" (sic!) enthält und von gigantischen, vier Kilometer langen Gräben zur Verscharrung von Leichen spricht.

Schließlich stoßen wir auf eine ganze Reihe von Ausdrücken, Gemeinplätzen und Ziffern, die sich in einer ganzen Anzahl von Dokumenten wiederholen. Hier einige Beispiele:

Das "ewige Feuer",[25] in dem Tag und Nacht die zahllosen Leichen der ermordeten Juden verbrannt werden (Dokumente Nr. 17, 22, 23 und 24).

Abbildung 1: Topographische Zeichnung des Konzentrationslagers Auschwitz[35]  (Zum Vergrößern Bild anklicken)

Abbildung 2: Legende zum Plan aus Abbildung 1 (Zum Vergrößern Bild anklicken)

Die Gaskammern und Krematorien "schaffen es nicht" (nie mogą nadążyć), alle Opfer zu vernichten und zu verbrennen (Dokumente Nr. 22, 23 und 25).

Die "lebend ins Feuer geworfenen Säuglinge" (Dokumente 22, 30 und 32);

Die Zahl von ungefähr 520.000 vergasten[26] Juden bis Dezember 1942 (Dokumente Nr. 13, 14, 15, 16 und 18).

3. Interne Kritik

3.1. Glaubwürdigkeit der Verfasser

Mittels der kritischen Untersuchung der Glaubwürdigkeit der Verfasser eines Dokuments versucht der Historiker zu ermitteln, ob es Gründe dafür gibt, am Wahrheitsgehalt der in einem Dokument enthaltenen Behauptungen zu zweifeln. In erster Linie heißt es, die Frage aufzuwerfen, ob sich der Verfasser in einer Lage befand, die einen Menschen üblicherweise zur Unaufrichtigkeit veranlaßt. Dazu wird im Geist eine Art Fragebogen erstellt. Die erste vom Historiker aufgeworfene Frage lautet, ob der Autor eines Dokuments Sympathie oder Antipathie für eine bestimmte Menschengruppe (Nation, Partei, religiöse Gemeinschaft etc.) empfand, die ihn unter Umständen dazu bewegen konnte, die Tatsachen verzerrt darzustellen, um seine Freunde in günstigem und seine Feinde in ungünstigem Lichte erscheinen zu lassen.

In unserem Fall ist diese Frage ungemein leicht zu beantworten. Die polnische Widerstandsbewegung führte einen gnadenlosen Krieg gegen die deutschen Besatzer - einen Krieg, in dem Information und Propaganda ungeheuer wichtige Waffen darstellten. Für die Propaganda und die Information des polnischen Widerstands war es nun kennzeichnend, daß sie vor der Verbreitung selbst der maßlosesten Übertreibungen und Lügen nicht zurückschreckten. Der Grund dafür lag natürlich in dem tiefen Haß, den die Polen zu jener Zeit gegen die Deutschen empfanden.

Als Musterbeispiel wollen wir uns nun einige der Behauptungen vor Augen führen, die im Dokument "Report on Conditions in Poland, 27. Nov. 1942" (Bericht über die Zustände in Polen), einem der polnischen Exilregierung in London aus Warschau überbrachten Bericht, aufgestellt werden.[27]

Diesem Bericht zufolge planten die Deutschen, die gesamte polnische Bevölkerung physisch auszurotten. Es heißt dort, Polen unterscheide sich von allen anderen besetzten Ländern dadurch, daß dort ein gezielter Versuch unternommen wird, seine Bevölkerung auszurotten (S. 1).[28] Zu diesem Zweck sei ein Programm der vollkommenen Ausrottung entworfen worden, das zur biologischen Ausrottung[29] der polnischen Nation führen werde. Dazu werde alles eingesetzt, "was die moderne Wissenschaft erfunden hat, all das, wozu gewissenlose Menschen fähig sind" (S. 62).

Bei diesem Ausrottungsprogramm, so der Bericht der Widerstandsbewegung weiter, gelangten folgende Mittel zur Anwendung: Individuelle Verbrechen sowie Massenverbrechen, Konzentrationslager und Gefängnisse, biologische Zerstörung und Hunger sowie die Auslöschung der polnischen Kultur. Ausführlich eingegangen wird in dem Bericht auf die "systematische Demoralisierung, welche die Deutschen in Polen betreiben und die sich besonders gegen die polnische Jugend richtet" (S. 43). Namentlich seien die einzigen Bücher, die von den Deutschen in polnischer Sprache publiziert würden, "obszön, pornographisch und sittenverderbend" (S. 43). Ein polnisches Kino oder Theater gebe es nicht mehr, abgesehen von Vorstellungen, die auf die Untergrabung der Moral und des Patriotismus des Volkes abzielten. Der Besuch dieser Vorstellungen sei frei, ja für die polnische Jugend sogar obligatorisch. Es komme sogar vor, daß Jugendliche erschossen würden, wenn sie nicht zu solchen Veranstaltungen hingingen (S. 44). In Polen sei alles sehr teuer, außer der Besuch solcher Spektakel sowie der Whisky, "der in den Arbeitslagern für Jugendliche zum Abendessen serviert wird" (S. 44). Die Deutschen hätten ihre zielstrebige moralische Korrumpierung des polnischen Volkes durch die Errichtung eines umfassenden Netzes von "Spielkasinos, Kabaretten, Tanzsälen und Freudenhäusern" gekrönt (S. 44).

Andererseits sei die deutsche Verwaltung in Polen ungeheuer korrupt. "Die Trunkenheit ist spektakulär. Die alte deutsche Maske des Biedermanns gehört der Vergangenheit an. An ihre Stelle sind ein offener Hang zu Ausschweifungen und Vergnügungen sowie der Drang getreten, um jeden Preis rasch reich zu werden" (S. 57).

Dieses Beispiel erhärtet den von vornherein bestehenden Verdacht, daß die heimlich in Polen zirkulierenden Informationen alles andere als objektiv waren. Wenn die polnische Widerstandsbewegung imstande war, einen angeblichen deutschen Plan zur biologischen Ausrottung des polnischen Volkes zu erfinden, wird man zugeben müssen, daß sie grundsätzlich ebenso fähig zur Erfindung eines deutschen Planes zur biologischen Vernichtung des jüdischen Volkes war. Konkreter gesagt, wenn der Widerstand bezüglich der allgemeinen Lage in Polen log oder zumindest übertrieb, liegt die Vermutung nahe, daß er dasselbe hinsichtlich der Vorgänge in Auschwitz tat. Aus diesen Gründen wird man gut daran tun, die in dieser Studie untersuchten Dokumente a priori als inhaltlich verdächtig einzustufen.

Die zweite Aufgabe, die sich der Historiker bei der Überprüfung der Aufrichtigkeit des Urhebers eines Dokuments stellen muß, besteht in der Untersuchung der Frage, ob sich dieser zwecks Ausschmückung der Ereignisse literarischer Kunstgriffe bedient und die Geschehnisse zwecks Dramatisierung aufgebauscht hat, um bei den Adressaten gewisse Gefühle hervorzurufen, oder ob seine Darstellung ideologisch gefärbt sowie als Bestandteil einer Propagandakampagne zu sehen ist. Je farbiger eine Erzählung vom künstlerischen oder dramaturgischen Standpunkt aus ist, desto skeptischer ist ihr in der Regel zu begegnen, und pittoreske oder spektakuläre Berichte, in denen die Akteure als hehre Lichtgestalten oder finstere Bösewichter erscheinen, müssen grundsätzlich Mißtrauen erwecken.

In den untersuchten Dokumenten wimmelt es nur so von Extremsituationen, ungeheurer Dramatik, herzzerreißenden oder grauenerregenden Szenen sowie schließlich schlicht und einfach unglaubhaften Dingen. Hätten die Massenvergasungen tatsächlich stattgefunden, so hätte eine sachliche und trockene Beschreibung einen dermaßen niederschmetternden Effekt gehabt, daß eine zusätzliche Dramatisierung mittels literarischer Kunstgriffe gar nicht mehr nötig gewesen wäre.

Hier nun eine - keineswegs erschöpfende - Reihe von Beispielen für Behauptungen, denen jede Glaubwürdigkeit abgeht, weil sie gewissermaßen eine dramatische Veränderung der Realität darstellen:

Weil das Gas knapp war, verließen die Opfer die Gaskammer noch halb bei Bewußtsein und wurden bei lebendigem Leibe in die Öfen geworfen: "Im Krematorium sind die Wände blutbefleckt, weil ein durch die Wirkung des Gases benommener Mensch im Ofen wieder zu sich kommt und mit den Fingern den Beton zerkratzt, um sich gegen den Tod zu wehren" (Dokument Nr. 17).

Die Deutschen raubten ihren Opfern all ihren Besitz, ehe diese die Gaskammern betraten. Doch gaben sich die Deutschen keinesfalls damit zufrieden: Nach dem Massenmord untersuchten sie jeden einzelnen Leichnam bis zur hintersten Körperöffnung einschließlich der intimen, um nach Juwelen und Edelmetallen zu suchen: "Eine Gruppe von Dentisten untersucht die Münder aller Opfer sorgfältig, um die Gold- und Silberkronen herauszureißen; da ihnen dafür wenig Zeit zur Verfügung steht, bricht man ihnen stets die Kiefer. Eine andere Mannschaft aus 'Spezialisten' steckt die Hände in die Scheiden der Frauenleichen, um versteckte Wertgegenstände zu suchen. Nur auf diese Weise geschändete und untersuchte Leichen gelangen zur Einäscherung" (Dokument Nr. 30).

Die Szenen, welche sich bei der Massenvernichtung der Juden abspielen, sind dermaßen schauerlich, daß es selbst unter den SS-Männern "gelegentlich zu Nervenzusammenbrüchen kommt". In diesen Fällen wandern die SS-Männer "zusammen mit den Juden ins Krematorium" (Dokument Nr. 31).

Bei den Massentötungen ist alles spektakulär, jede Dimension sprengend und von ausgeklügelter Grausamkeit. Die Gruben, in denen die Leichen verscharrt werden, sind vier Kilometer lang (Dokument Nr. 10); die Deutschen planen den Mord an 1.200.000 ungarischen Juden (Dokument Nr. 30 und 31); der Tagesrekord an Vergasten beläuft sich auf 30.000 (Dokument Nr. 24); die Opfer werden nicht einfach vergast, sondern müssen vorher noch "schreckliche Martern" erdulden (Dokument Nr. 24); die Verbrennungsgräben - das "ewige Feuer" - verwandeln eine so große Zahl von Leichen in Asche, daß "man nichts anderes mehr sieht als Flammen" (Dokument Nr. 24); diese Flammen erzeugen "schwarze, dichte Rauchschwaden, die von weitem sichtbar sind" (Dokument Nr. 30).

In manchen Berichten findet sich ein Übermaß an literarischen Kunstgriffen, wie man sie aus der melodramatischen Gassenliteratur kennt. Hier ein Beispiel:

"Die Szenen, die sich abspielen, lassen sich unmöglich beschreiben. [...] Es ist schrecklich, daran zu denken, schrecklich zu sehen, wenn auf der Landstraße Lastwagen rollen, die 4000 Kinder unter 10 Jahren (Kinder aus dem Ghetto Theresienstadt in Böhmen) in den Tod fahren. Einige weinten und riefen: Mama! Doch andere lächelten den Vorbeigehenden zu und winkten mit den Händchen. Eine Viertelstunde später war keines davon mehr am Leben, und die vom Gas betäubten Körperchen brannten in grausigen Öfen. Und wieder, wer würde solche Szenen für möglich halten? Doch garantiere und versichere ich, daß es tatsächlich so war, und ich rufe die Lebenden und die Toten zu Zeugen an. Vom Gas betäubt... Ja, denn Gas ist teuer, und das 'Sonderkommando', das die Todeskammer bedient, verwendet es sparsam. Die eingesetzte Dosis tötet die Schwächeren, schläfert die Stärkeren jedoch nur für einen Augenblick ein. Letztere kommen in den Krematoriumswagen wieder zu Bewußtsein und stürzen lebendig in den summenden, feurigen Schlund." (Dokument Nr. 28)

3.2. Inhaltliche Genauigkeit

Mittels der kritischen Untersuchung der inhaltlichen Genauigkeit eines Dokuments versucht der Historiker zu ermitteln, ob der Verfasser in der Lage war, genaue Beobachtungen anzustellen. Der - in der Praxis selten vorkommende - Idealfall liegt dann vor, wenn sich der Zeuge eines geschichtlichen Ereignisses in einer Position befindet, die es ihm ermöglicht, alles genau zu verfolgen, ihn das Erlebte nicht persönlich betrifft, er kein Interesse an der Erzeugung irgendeines Effekts hat und nicht in Vorurteilen befangen ist. Außerdem muß er das Gesehene möglichst bald schriftlich festhalten, sonst besteht die Gefahr, daß sich seine Erinnerung trübt oder mit anderen Erinnerungen vermengt. Je mehr dieser Voraussetzungen erfüllt sind - und selbst im Alltag liegen kaum je alle zusammen vor -, desto genauer wird eine Beschreibung a priori ausfallen.

In unserem Fall kennen wir die Verfasser der Dokumente nicht; wir können deshalb nicht wissen, wie sie vorgegangen sind und inwieweit sie die eben erwähnten Kriterien erfüllen. Doch bei der Lektüre der Texte keimen begründete Zweifel daran auf, daß auch nur einer der Zeugen je eine Gaskammer zu Gesicht bekommen hat.

Wenn wir beispielsweise ganz einfach erfahren wollen, wie eine Gaskammer aussah, finden wir in den Texten lediglich äußerst vage und widersprüchliche Hinweise. Hier ein konkretes Beispiel. In einem der Dokumente heißt knapp, sie seien "wie Duschen eingerichtet, aus denen leider statt Wasser Gas strömt"[30] und die 1.200 Menschen zugleich fassen können (Dokument Nr. 7). In einem anderen Dokument heißt es hingegen, die Gaskammern lägen in Gebäuden "ohne Fenster, mit doppelter, mittels Schrauben verschlossener Tür, welche mit Vorrichtungen zur Einführung des Gases sowie zur Lüftung ausgestattet sind",[31] die ein Fassungsvermögen von 700 Personen aufweisen (Dokument Nr. 8). Schließlich wird in einem weiteren Text behauptet, die Gaskammern besäßen die Form "riesiger Hallen",[32] könnten 1.500 Personen fassen und seien mit "kleinen Fenstern"[33] ausgerüstet, durch die das Gift eingeworfen werde (Dokument Nr. 27).

Auf die Frage, wieviele Gaskammern es gab, erhalten wir folgende widersprüchliche Antworten:

Werfen wir schließlich die Frage auf, wo die Gaskammern lagen, finden wir nur in einem einzigen Bericht eine Antwort, nämlich in Dokument Nr. 11:

"Es gibt zwei Vergiftungsstätten:[[34]] Im Lagerkrematorium (mit einem Fassungsvermögen von 400 Menschen) sowie in Brzezinka, wo man zu diesem Zweck im Wald einige Häuschen mit erheblich größerer Kapazität vorbereitet hat."

Wenn wir die erhaltenen von der Widerstandsbewegung erstellten Pläne von Auschwitz und Umgebung betrachten, so stellen wir fest, daß auf dem ersten, undatierten die Gaskammern in einem großen Wald ("Forest Brzezinka") liegen, neben dem Lager Birkenau, das im Plan fälschlicherweise als "Rajsko" bezeichnet wird (vgl. Abb. 1).[35] Es finden sich keinerlei Hinweise auf die exakte Lage der Gaskammern oder auf ihre Anzahl. Diese Ungenauigkeit steht im Gegensatz zu der Präzision, mit welcher der Verfasser des Dokuments die wichtigsten Einrichtungen im Stammlager Auschwitz I lokalisiert und identifiziert.

Der zweite hier abgebildete Plan der Widerstandsbewegung stellt das Lager Birkenau dar.[36] Er trägt ebenfalls kein Datum, doch kann man ihm entnehmen, daß er in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 entstanden sein muß. Der Plan enthält sehr genaue Angaben - wie z.B. die Lage der Waschräume sowie der Küchen im Frauenlager -, doch fehlt jeglicher Hinweis auf die Gaskammern.

3.3. Die Dokumente der Widerstandsbewegung und die heutige Version der Ereignisse

Von geradezu überwältigender Bedeutung ist die Tatsache, daß die in den Berichten des polnischen Widerstands gelieferten Angaben über die Gaskammern und den Vernichtungsprozeß in keiner Weise mit jener Version übereinstimmen, die nach dem Krieg Eingang in die Geschichtsbücher gefunden hat. Es handelt sich hier wohlgemerkt nicht um geringfügige Diskrepanzen oder Nuancen, die man mit unvermeidlichen Irrtümern der Zeugen erklären könnte. Die Unterschiede sind vollkommen unüberbrückbar und betreffen alle wesentlichen Aspekte der Ausrottungsmethoden. Es gibt schlicht und einfach kein einziges Dokument des Widerstandes, das eine Beschreibung der angeblichen Massentötungen enthielte, die mit der seit 1945 gültigen vereinbar ist. Im folgenden werden die wichtigsten Unterschiede dargelegt, wobei vier Punkte untersucht werden. Die nach dem Krieg verbreitete Lesart der angeblichen Ausrottungsaktionen wird einfachheitshalber fortan als "offizielle Version" bezeichnet.

4. Gegenüberstellung von Behauptungen des Widerstands und offiziellen Ansichten bzw. Fakten

4.1. Beschreibungen des Vernichtungsvorganges

Widerstandsbewegung: Die Gaskammern waren wie Duschräume eingerichtet, "aus denen leider statt Wasser Gas strömt" (Dokument Nr. 7).

Offizielle Version: Das tödliche Gas konnte nicht den Duschen entströmen. Als Mordwaffe verwendete man angeblich ein Insektizid, Zyklon B, bei dem Blausäure auf einer festen Trägersubstanz (Gips) aufgebracht war. Das Zyklon B wurde auf den Boden ausgestreut, worauf der Trägersubstanz - je nach Temperatur rascher oder langsamer - Blausäure entströmte, ein hochgiftiges Gas.[37] Da dieses Gas nicht unter Druck stand, konnte es durch keine Rohre geleitet werden.

Widerstandsbewegung: Nach der Einführung des Gases in die Kammer "trat der Tod durch Ersticken ein, denn durch die Nase und den Mund tritt das Blut aus" (Dokument Nr. 7).[38]

Tatsache: Blausäure löst keine Blutungen aus. Der Tod tritt durch Unterbinden der Sauerstoffzufuhr zu den Körperzellen ein.[39]

Abbildung 3: "Orientierungsplan des sog. Auschwitz 2 - Birkenau"[36]  (Zum Vergrößern Bild anklicken)

Widerstandsbewegung: Ein auf den 29. August 1942 datierter Bericht erwähnt, daß die Leichen der Vergasten unter freiem Himmel verbrannt wurden (Dokument Nr. 7).

Offizielle Version: Die Verbrennung von Leichen unter freiem Himmel begann erst Ende September 1942.[40]

Widerstandsbewegung: "Man beschloß, in Brzezinka [Birkenau], 7 km vom Lager entfernt, 5 neue Kammern[[41]] zu errichten. Der Bau wurde im April 1942 abgeschlossen." Später heißt es, die neuen Gaskammern hätten sich in "fünf Gebäuden"[42] befunden (Dokument Nr. 8).

Offizielle Version: Bis April 1942 soll es in Birkenau lediglich ein Gebäude mit einer Gaskammer gegeben haben. Es soll dies ein zu seinem neuen Zweck umgebautes Bauernhaus gewesen sein, welches die Bezeichnung "Bunker 1" erhielt und am 20. März 1942 in Betrieb genommen worden sein soll.[43] Später, am 30. Juni 1942, soll man einen zweiten Bunker in Betrieb genommen haben.[44]

Widerstandsbewegung: Die zuvor erwähnten Gaskammern besaßen "Einrichtungen zur Einführung des Gases und zur Lüftung" (Dokument Nr. 8).

Offizielle These: Laut den Erinnerungen des ersten Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß soll es in der einzigen zu jenem Zeitpunkt bestehenden Gaskammer von Birkenau keinerlei Vorrichtungen zur Einführung des Gases oder zur Lüftung gegeben haben; das Gas sei einfach durch "besondere Luken" eingeworfen worden.[45]

Widerstandsbewegung: Nach den Massenmorden in den Gaskammern von Birkenau wurden die Leichen "durch eine Öffnung[[46]] geworfen und auf einem Scheiterhaufen verbrannt". Der Kontext weist darauf hin, daß dies vor September 1942 geschah (Dokument Nr. 24).

Offizielle These: Es gibt keinerlei Hinweis auf eine solche Öffnung. In den damals in Birkenau angeblich existierenden Gaskammern sollen die Leichen durch Türen hinausgezogen und auf kleinen Wagen, die auf Schmalspurgleisen fuhren, zu den Verbrennungsgruben geschafft worden sein.[47]

Widerstandsbewegung: "Vor dem Eintritt in die Gaskammer mußten die Todgeweihten baden" (Dokument Nr. 24).

Offizielle These: Dies ist sinnlos und absurd. Die Todgeweihten sollen die Gaskammer in dem Glauben betreten haben, man schicke sie zum Baden.

Widerstandsbewegung: Die Opfer traten in "riesige Hallen"[48] ein, wo die "Desinfektion" stattfand. "Es gab sieben dieser Hallen",[49] von denen jede rund 1.500 Personen fassen konnte. Nachdem man die Hallen mit Menschen gefüllt hatte, wurde die Luft herausgepumpt,[50] und anschließend warf man durch einige kleine Fenster das Desinfektionsmittel Kreuzolit ein. Drei bis fünf Minuten später waren alle Opfer tot. In der Nähe[51] befanden sich sieben Öfen[52] zur Verbrennung der Leichen; jeder Ofen besaß sieben Öffnungen[53] zur Einführung der Leichname. Der Verbrennungsprozeß nahm nur ein paar Sekunden[54] in Anspruch (Dokument Nr. 27).

Offizielle These: Der Ausrottungsvorgang in den verschiedenen Gaskammern von Birkenau soll keine Ähnlichkeit mit der eben zitierten Beschreibung aufgewiesen haben. Weder gab es sieben Hallen, noch sieben Öfen mit je sieben Öffnungen,[55] noch soll die Luft herausgepumpt worden sein,[56] noch verwendete man "Kreuzolit", noch dauerte die Verbrennung einige Sekunden.[57]

Widerstandsbewegung: Zum Zeitpunkt der Vernichtung der ungarischen Juden - zwischen Mai und Juli 1944 - waren "beide Gaskammern"[58] ununterbrochen in Betrieb (Dokument Nr. 30).

Offizielle These: Während jenes Zeitraums sollen wenigstens acht Gaskammern in Betrieb gewesen sein, die sich in den vier Krematorien von Birkenau befanden.[59]

Widerstandsbewegung: "Zwischen der Ermordung jeder Opfergruppe [in der Gaskammer] findet nur eine einzige Pause statt; diese ist notwendig, damit die Leichen herausgetragen und in einen Raum an der anderen Seite der Kammer[[60]] geworfen werden können, welche die Todgeweihten nicht sehen" (Dokument Nr. 30).

Offizielle These: Es gab in den Krematorien von Birkenau keinen für die Opfer unsichtbaren "Raum an der anderen Seite der Kammer". In den Krematorien II und III war der einzige Raum neben der angeblichen Gaskammer ein kleiner Vorraum, den die aufeinanderfolgenden Opfergruppen durchschreiten mußten.[61] In den Krematorien IV und V waren die einzigen an die Gaskammer angrenzenden Räume ein Entkleidungsraum, den die Opfer auch in diesem Fall auf dem Weg in die Gaskammer durchschreiten mußten, sowie ein kleiner Ofenraum.[62]

Widerstandsbewegung: Die Verbrennung der Leichen der ungarischen Juden erfolgte außer in den Krematorien sowie auf Scheiterhaufen unter freiem Himmel auch in einer Ziegelei (Dokumente 30f.).

Tatsache: Für die Existenz dieser Ziegelei fehlt jeder Beweis.

4.2. Massenvergasungen, von denen die offizelle These nichts weiss

Widerstandsbewegung: Anfang Oktober 1941 wurden 850 russische Kriegsgefangene zur Vergasung nach Auschwitz gebracht (Dokument Nr. 1).

Offizielle These: Es gibt keinerlei Hinweise auf ein solches Ereignis und auch nicht auf die Ankunft russischer Kriegsgefangener in Auschwitz Anfang Oktober 1941.[63]

Widerstandsbewegung: Zwischen dem 1. und dem 15. Dezember 1941 wurden 500 sowjetische Kriegsgefangene in einem Betonbunker vergast (Dokument Nr. 4).

Offizielle These: Auch hier fehlt jeglicher Hinweis auf ein solches Geschehnis.[64]

Widerstandsbewegung: Die erste Vergasung erfolgte im Juni 1941, als 1.700 unheilbar Kranke ermordet wurden (Dokument Nr. 8).

Offizielle These: Die erste Vergasung in Auschwitz soll zu Versuchszwecken Ende August 1941 stattgefunden haben. Bei den Opfern soll es sich um russische Kriegsgefangene gehandelt haben.[65]

4.3. Das verwendete Gift

Widerstandsbewegung: In Auschwitz verwendete man zum Massenmord "Kampfgas"[66] (Dokumente 1 und 4), bzw. "Kreuzolit" (Dokument Nr. 27), bzw. Blausäure (kwas pruski) (Dokument Nr. 31).

Offizielle These: Das einzige angeblich bei Menschenvergasungen zur Anwendung gelangte Mittel soll Zyklon B gewesen sein. Bezeichnenderweise taucht der Name dieses Produktes in den untersuchten Dokumenten nicht ein einziges Mal auf!

4.4. Tötungsmethoden, von denen die offizielle These nichts weiss

Die "Hammerluft" oder der "Lufthammer". Auf diese Weise wurden die von der Gestapo zum Tode verurteilten und nach Auschwitz geschickten Häftlinge umgebracht (Dokument Nr. 5). Bezüglich der Funktion dieser Methode gibt es zwei unterschiedliche Schilderungen. Laut der ersten führte man das Opfer zur Hinrichtungsstätte, wo man ihm ein Luftgewehr[67] an den Hinterkopf setzte. Dann erfolgte ein Schuß, "der Hammer trifft den unteren Teil des Schädels, und die komprimierte Luft zermalmt das ganze Hirn"[68] (Dokument Nr. 12). Nach der zweiten Version handelte es sich um einen Lufthammer;[69] dieser war in "speziellen Kammern" installiert, "wo der Hammer von der Decke heruntersauste und die Opfer mittels einer speziellen Einrichtung durch den Luftdruck den Tod fanden" (Dokument Nr. 19).

Die elektrischen Kammern und das elektrische Bad. Die elektrischen Kammern "besaßen Wände aus Metall; man führte die Opfer hinein und schaltete Starkstrom ein"[70] (Dokument Nr. 19). Eine andere Quelle vermeldet, außer in elektrischen Kammern sei auch in "einem elektrischen Bad"[71] gemordet worden (Dokument Nr. 9).

Hinrichtung durch Enthaupten[72] (Dokument Nr. 21).

Vergasung unter freiem Himmel. Laut einem der Berichte führten die Deutschen zu militärischen Zwecken Versuche zur "Vergasung unter freiem Himmel"[73] durch (Dokument 22).

5. Schlußfolgerungen

Meiner Ansicht nach gilt es aus dem bisher Dargelegten zwei Schlußfolgerungen zu ziehen.

Die erste davon lautet, daß die Berichte der polnischen Widerstandsbewegung über die Gaskammern von Auschwitz einer ernsthaften Kritik nicht standhalten. Eine externe Kritik ergibt, daß sämtliche Verfasser dieser Dokumente nicht nur während der deutschen Besetzung unbekannt blieben - was verständlich ist -, sondern auch nach dem Krieg jahrzehntelang - bis zum heutigen Tage - ihre Identität nicht preisgaben, was sich bedeutend schwerer erklären läßt. Es ist offenkundig, daß ein erheblicher Teil der Dokumente auf Berichten aus zweiter Hand fußt, Gerede und Gerüchte wiedergibt oder sich auf nicht existierende Gewährsmänner beruft (wie z.B. den SS-Funktionär in der Lagerkommandantur). Ein Vergleich zwischen den verschiedenen Dokumenten ermöglicht uns den Schluß, daß sich ein großer Teil davon auf andere Dokumente dieser Serie stützt und bisweilen fast wortwörtlich abgeschrieben ist. Nicht minder klar hat sich herausgestellt, daß manche der in verschiedenen Dokumenten geschilderten Ereignisse (wie die Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener in einem Betonbunker im Dezember 1941 oder die Ausrottung der ungarischen Juden) auf eine einzige Quelle zurückgehen. In Anbetracht all dieser Tatsachen lautet der einzige mögliche Schluß, daß die Authentizität der Dokumente in den meisten Fällen fraglich ist und einer strengen externen Kritik keinen Augenblick lang standhält.

Zu denselben Schlußfolgerungen führt die interne Kritik. Die Verfasser der Dokumente sind vollkommen unglaubwürdig: Erstens bieten schon die Umstände, unter denen sie ihre Berichte verfaßten, Grund zum Zweifel an ihrer Objektivität; zweitens strotzen ihre Darlegungen nur so von Kniffen und literarischen Kunstgriffen, so daß man von einer dramatischen Veränderung der Realität sprechen kann. Außerdem bieten die Verschwommenheit der Berichte sowie die zahllosen darin enthaltenen inneren Widersprüche Anlaß zum Zweifel daran, daß es überhaupt irgendwelche Augenzeugen der Gaskammern gab.

Fassen wir zusammen: Eine kritische Analyse der in den Dokumenten aufgestellten Behauptungen, die Anonymität der Verfasser, deren fehlende Glaubwürdigkeit sowie die Unglaubhaftigkeit ihrer Schilderungen läßt kaum einen anderen Schluß zu als den, daß die Dokumente apokryph sind und ihr Inhalt lügenhaft und falsch ist. Wer sich an eine rigorose historische Methode hält, darf folglich die These, in Auschwitz habe es Gaskammern zur Tötung von Menschen gegeben, nicht auf diese Dokumente abstützen, sondern muß letztere als historisch wertlos verwerfen.

Die zweite, in meinen Augen noch wichtigere Schlußfolgerung beruht auf der Tatsache, daß die in den Dokumenten geschilderte Version der Ereignisse in keiner Hinsicht mit der seit 1945 verbreiteten - also der offiziellen These - übereinstimmt. Die Annahme ist legitim, daß die in den Berichten enthaltenen Beschreibungen der Gaskammern und des Vernichtungsvorgangs nicht auf tatsächliche Beobachtungen zurückgehen, sondern von Außenstehenden erfunden wurden, welche weder die Lage noch die innere Ausstattung jener Gebäude kannten, in denen sich laut Nachkriegsversion die Massenmorde zugetragen haben sollen. Von kapitaler Bedeutung ist, daß zwei zentrale Punkte dieser Nachkriegsversion, die Mordwaffe Zyklon B sowie die Lage der Gaskammern in den Krematorien II, III, IV und V von Birkenau, in den Dokumenten der Widerstandsbewegung niemals Erwähnung finden. Nach den Gesetzen der Logik, aber auch vom Standpunkt der offiziellen These aus, liegt die überzeugendste Erklärung dieses Umstands darin, daß die Berichte der polnischen Widerstandsbewegung schlicht und einfach auf Erfindungen beruhen. Diese Folgerung wird auch dadurch bestätigt, daß in den Dokumenten neben den Gaskammern andere Tötungsmethoden erwähnt werden, die auch laut der offiziellen Auschwitz-Version niemals existiert haben (Lufthammer, elektrische Kammern etc.).

Nach der Klärung dieses Punktes müssen wir sogleich die nächste Frage aufwerfen: Weshalb war die Widerstandsbewegung nicht in der Lage, zutreffende und exakte Informationen über die Gaskammern zu liefern? Warum sah sie sich statt dessen zum Phantasieren genötigt?

Vom Standpunkt der orthodoxen These aus könnte man hier wie folgt argumentieren: Die Massenmorde durch Giftgas fanden tatsächlich statt, doch waren die Einzelheiten lediglich einer kleinen Menschengruppe bekannt, nämlich den Angehörigen des sogenannten Sonderkommandos, die in den Krematorien arbeiteten und mit dem Herausziehen und Verbrennen der Leichen beauftragt waren. Die Mitglieder des "Sonderkommandos" wurden in regelmäßigen Abständen selbst liquidiert und durch andere ersetzt. Somit konnten zwar vage Gerüchte über die Massenvergasungen aufkommen, doch waren weder die Einzelheiten des Vernichtungsprozesses noch die genaue Lage der Gaskammern, deren innere Ausstattung, ihre Zahl und das verwendete Gift bekannt. Kurz: Die Mitglieder des Widerstands im Lager Auschwitz wußten zwar über ein reales Ereignis - die Massentötungen durch Gas - Bescheid, ließen aber bezüglich der Details ihrer Einbildungskraft freien Lauf. Erst 1945, nach der Befreiung des Lagers, konnten die sowjetischen und polnischen Behörden dank des Studiums der Pläne, der Augenscheinnahme der Tatorte, der Geständnisse gefangengenommener SS-Männer sowie der Zeugenaussagen überlebender Angehöriger des Sonderkommandos die genauen Einzelheiten ans Licht bringen.

Diese Erklärung ist meiner Meinung nach völlig unhaltbar. Es ist schlicht nicht vorstellbar, daß der polnische Widerstand, der die neuralgischen Punkte des Lagers unterwandert hatte und über zahlreiche Verbindungen zur Außenwelt verfügte,[74] nicht über die Details eines Massenmordes an täglich Tausenden von Menschen Bescheid wußte, der sich vor seinen Augen abspielte. Selbst wenn, um nur ein Beispiel zu nennen, das "Sonderkommando" wirklich so hermetisch isoliert gewesen wäre, wie behauptet wird, konnte jedermann sehen, daß Tag für Tag Tausende die Umzäunung der Krematorien durchschritten und nicht ein einziger von ihnen zurückkehrte. Die erhaltenen Luftfotos zeigen, daß die vier Krematorien von Birkenau vom restlichen Lager aus ohne weiteres sichtbar und lediglich von einem einfachen Stacheldrahtzaun umgeben waren.[75] Doch wie bereits erwähnt wird in keinem einzigen Bericht des Widerstands auch nur andeutungsweise behauptet, die Gaskammern hätten sich in den Krematorien befunden.

Eine zweite Hypothese läuft darauf hinaus, daß die Menschentötungsgaskammern von Auschwitz eine 1941 von der polnischen Widerstandsbewegung erdichtete Propagandalüge waren. Wir haben hervorgehoben, daß die meisten der untersuchten Dokumente von den Informations- und Propagandaorganisationen des Widerstands verbreitet und möglicherweise auch erstellt worden sind. Des weiteren haben wir dargelegt, wie der Widerstand Falschmeldungen über die Aktivitäten und Absichten der Deutschen in Polen verbreitete, beispielsweise über einen Plan zur physischen Auslöschung des polnischen Volkes. Schließlich haben wir Schilderungen von Tötungsmethoden angetroffen, die nachweislich niemals existiert haben. Unter diesen Umständen ist es völlig logisch, die Gaskammern als Erfindung der Informations- und Propagandaabteilung der Widerstandsbewegung zur Diskreditierung der deutschen Besatzungsmacht zu betrachten. Meiner Ansicht nach ist dies die nächstliegende Erklärung - eine Erklärung, die in Übereinklang mit einer rigorosen historischen Methode steht.

Zum Abschluß möchte ich noch eine Hypothese zum Ursprung des Mythos von den Gaskammern in Auschwitz aufstellen, die auch eine Antwort auf die Frage liefert, warum die polnische Propaganda als Mordwaffe in Auschwitz das Gas erkor.

Vermutlich lag der Grund in der Furcht, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs vor dem Einsatz von Giftgas durch die kriegführenden Mächte an der Front oder gegenüber der Zivilbevölkerung herrschte. Von dieser Furcht waren damals viele Menschen beseelt, und zwar aufgrund der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, als Giftgas mit verheerenden Folgen zum Einsatz gelangt war. Nach dem Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges im Juni 1941 mögen sich solche Befürchtungen noch verstärkt haben.

In den Dokumenten des polnischen Widerstands finden sich Indizien, welche auf die Richtigkeit dieser Hypothese hindeuten. In einem in Auschwitz verbreiteten Flugblatt über Auschwitz wird beschrieben, wie nach einer Vergasungsaktion die Leichen aus der Kammer gezogen wurden. Die Operation erinnerte einen der Leichenträger an eine Szene des Ersten Weltkriegs:[76]

"Einer der Totengräber, der einen Leichnam auf seinem Arm trug, um ihn dann in den Wagen zu werfen, betrachtet das grünlich-graue Gesicht einen Augenblick lang. Vor vielen Jahren hat er solche Gesichter gesehen: In einem verlassenen Schützengraben voll toter Soldaten. Dieselbe gespenstische Blässe. Es ist jene Art von Verfärbung, die unter der Einwirkung von Giftgas eintritt."

Aufschlußreicherweise erscheint der erste Hinweis auf Menschenvergasungen im Oktober 1941, vier Monate nach dem Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges. Damals sollen 850 russische Kriegsgefangene mit "einer neuen Art Kampfgas" getötet worden sein (Dokument Nr. 1).

Wenn unsere These zutrifft, behielt die polnische Widerstandsbewegung später das Gas als Mordwaffe bei, behauptete aber, es sei zur Tötung von Häftlingen aller Kategorien, insbesondere von Juden, gebraucht worden.

Nach der Befreiung des KL Auschwitz im Jahre 1945 beschlossen die sowjetischen und polnischen Machthaber, den Schwindel fortzuführen, ersetzten aber das in Auschwitz nicht existierende "Kampfgas" bzw. "Kreuzolit" durch das Insektizid Zyklon B, das von den Deutschen zur Bekämpfung der immer wieder im Lager wütenden Fleckfieberepidemien in großen Mengen verwendet worden war.

Hier ist auf zwei Präzedenzfälle hinzuweisen, bei denen in der Propaganda geltend gemacht worden war, man habe Zyklon B zur Ermordung von Menschen eingesetzt. Zum ersten Mal tauchte diese Behauptung in einem Bericht auf, der dem Vernehmen nach von zwei am 7. April 1944 aus Auschwitz geflohenen jungen slowakischen Juden, Rudolf Vrba alias Rosenberg sowie Alfred Wetzler, erstellt worden war. Der Bericht wurde anschließend von Angehörigen der jüdischen Gemeinschaft in der Slowakei verbreitet.[77] Der zweite Fall betraf das KL Majdanek, das die Sowjets im Juli 1944 befreit hatten. Der sowjetische Autor K. Simonov schrieb bald darauf in einer Broschüre, die in mehreren Sprachen erschien, Zyklon B sei in jenem Lager zur Menschentötung in einer Gaskammer verwendet worden.[78]

So gewann der im Jahre 1941 entstandene Mythos allem Anschein nach seine heute noch gültige Form.


Dokumentenauszüge

Die hier angeführten Dokumentenauszüge werden in chronologischer Reihenfolge zitiert. Jedem Dokument werden Anmerkungen vorausgeschickt, aus denen hervorgeht, ob es schon publiziert oder noch unveröffentlicht ist. Im ersten Fall wird auf das betreffende Werk hingewiesen. Die allermeisten der Berichte sind in Obóz veröffentlicht worden. Bei den unveröffentlichten steht jeweils ein Verweis auf das betreffende Archiv samt Referenznummer. Angegeben werden ferner das Ausstellungsdatum des Dokuments, seine Kopfzeile sowie sein Titel. Unter der Kopfzeile verstehen wir entweder die Ziffern bzw. Codewörter, mit denen sich jene Zellen identifizierten, welche die Information erhielten oder verbreiteten, oder aber die Untergrundpublikation, in der das einschlägige Dokument erschien. Bei dieser Publikation handelt es sich stets um die Informacja bieżąca (Laufende Information), das interne Sprachrohr der Armija Krajowa, also der nationalistisch-katholisch orientierten polnischen Heimatarmee.

An die Anmerkungen schließt sich jeweils der Text des betreffenden Dokuments an.

Dokument Nr. 1

Veröffentlicht in: Obóz, S. 11.

Datum: 24. Oktober 1941.

Kopfzeile: 1631.
Titel: -

"Anfang Oktober wurden 850 russische Offiziere und Unteroffiziere (Kriegsgefangene) nach Auschwitz gebracht und durch Gas getötet, zur Erprobung eines neuen Typs von Kampfgas, der an der Ostfront eingesetzt werden soll."

Dokument Nr. 2

Veröffentlicht in: Obóz, S. 14.

Datum: 15. November 1941.

Kopfzeile: -
Titel: "Lagebericht für den Zeitraum vom 15. VIII. bis zum 15. XI. 1941."

"Das Lager wurde Schauplatz eines grauenvollen Verbrechens, als man in der Nacht vom 5. auf den 6. September ungefähr 600 sowjetische Gefangene, darunter 'Politruks' der Armee, sowie ungefähr 200 Polen in einen Bunker trieb; nach der Abdichtung des Bunkers vergiftete man sie mit Gas, brachte die Leichen ins Krematorium und verbrannte sie."

Dokument Nr. 3

Veröffentlicht in: Obóz, S. 14.

Datum: 17. November 1941.

Kopfzeile: 1631. Informacja bieżąca 21.
Titel: -

"Auschwitz. Die Nachrichten über ein finsteres Verbrechen, das im Lager verübt wurde, bestätigen sich. In der Nacht vom 5. auf den 6. September des Jahres 1941 trieb man ungefähr 600 herbeigeführte sowjetische Zivilgefangene in den Bunker in Auschwitz, wobei man ihnen mit Stangen Hände und Füße brach. Miterfaßt wurden ungefähr 250 Polen. Man dichtete alle Öffnungen des Bunkers ab und vergiftete die Eingeschlossenen mit Gasen. Die Leichen der Vergifteten schaffte man nachts auf 80 Wagen ins Krematorium, wo sie verbrannt wurden."

Dokument Nr. 4

Veröffentlicht in: Obóz, S. 16.

Datum: 15. Dezember 1941.

Kopfzeile: -
Titel: "Beilage zum Anhang Nr. 21 für den Zeitraum vom 1.-15. XII. 1941."

"Mittels eines Kampfgases wurden ungefähr 500 Gefangene in einem Betonbunker vergiftet."

Dokument Nr. 5

Veröffentlicht in: Obóz, S. 32.

Datum: Juni 1942.

Kopfzeile: -
Titel: "Auschwitz."

"Mordmethoden gibt es sehr viele, nämlich Füsilierung durch ein Erschießungskommando, Ermordung mit Hammerluft [Deutsch im Text] sowie schließlich Vergasen in Gaskammern. Auf die erste sowie zweite Art ermordet man die von der Gestapo zum Tode Verurteilten und [nach Auschwitz] Geschickten, auf die dritte die arbeitsunfähigen Kranken sowie die Transporte, die bereits zu dieser Bestimmung eintreffen (Bolschewiken und in letzter Zeit Judentransporte)."

Dokument Nr. 6

Veröffentlicht in Polish Fortnightly Review, Nr. 47, S. 2 (die polnische Vorlage ist nicht erhalten).

Datum: 1. Juli 1942.

Kopfzeile: -
Titel: "Dokumente aus Polen. Deutsche Versuche zur Ermordung einer Nation. Das Pawiak-Gefängnis in Warschau sowie das Konzentrationslager Auschwitz."

"Es ist allgemein bekannt, daß in der Nacht vom 5. auf den 6. September des letzten Jahres ungefähr tausend Personen in den unterirdischen Bunker in Auschwitz getrieben wurden, darunter siebenhundert bolschewistische Kriegsgefangene und dreihundert Polen. Da der Bunker zu klein war, um diese große Anzahl Menschen zu fassen, wurden die Leiber einfach gewaltsam hineingepreßt, ohne daß man sich um gebrochene Knochen scherte (regardless of broken bones). Als der Bunker gefüllt war, führte man Gas ein (gas was injected into it), und sämtliche Gefangenen starben im Lauf der Nacht. Die ganze Nacht hindurch wurde die Ruhe im Lager durch das Stöhnen und Heulen (groans and howls) gestört, das aus dem Bunker drang. Am folgenden Tage mußten andere Gefangene die Leichen entfernen, was den ganzen Tag in Anspruch nahm. Ein Handkarren, auf dem man die Leichname auftürmte, zerbrach unter der Last."

Dokument Nr. 7

Veröffentlicht in: Obóz, S. 43.

Datum: 29. August 1942.

Kopfzeile: -
Titel: "Im Lager Auschwitz geschriebener Brief."

"Das Schrecklichste sind die Massenhinrichtungen durch Gas in speziellen Kammern, die zu diesem Zweck erbaut worden sind. Es gibt deren zwei, und sie können 1.200 Menschen fassen. Sie sind wie Duschen eingerichtet, denen leider statt Wasser Gas entströmt. Auf diese Weise richtet man vorwiegend ganze Transporte von Menschen hin, die darauf nicht vorbereitet sind. Man sagt ihnen, sie gingen ins Bad, gibt ihnen sogar Handtücher - auf diese Weise hat man schon 300.000 in den Tod geschickt. Früher verscharrte man sie in Gräben; heute werden sie unter freiem Himmel in speziell ausgehobenen Gräben verbrannt. Der Tod erfolgt durch Ersticken, denn aus der Nase und dem Mund tritt Blut aus."

Dokument Nr. 8

Veröffentlicht in: Obóz, S. 48.

Datum: 10. Oktober 1942.

Kopfzeile: D.I.

Titel: "Bericht über die Lage im Lande für den Zeitraum vom 26. VIII - 10. X. 1942."

"Gaskammern. Die erste Verwendung von Gaskammern erfolgte im Juni des Jahres 1941. Man stellte einen Transport von 1.700 unheilbar Kranken zusammen und schickte sie 'offiziell' in ein Sanatorium in Dresden, tatsächlich aber in ein Gebäude, das zu einer Gaskammer umgebaut worden war. Das Gebäude erwies sich jedoch als zu klein und unpraktisch. Man beschloß, in Brzezinka, 7 Kilometer vom Lager entfernt, 5 neue Kammern zu errichten. Ihr Bau wurde im April 1942 abgeschlossen. Diese 5 Kammern sind fünf Gebäude ohne Fenster, mit doppelter, mittels Schrauben verschlossener Tür sowie Einrichtungen zur Einleitung des Gases sowie einer Lüftung; jedes Gebäude ist für 700 Personen gedacht. Zwischen den Gebäuden sind die Schienen einer Bahn gelegt, mit der man die Leichen zu den Gräben bringt, welche in den nahen Wäldern ausgehoben worden sind. Die Vergasung von 3.500 Menschen einschließlich sämtlicher vorbereitenden und nachträglichen Arbeiten, dauert 2 Stunden. Man vergast hauptsächlich bolschewistische Gefangene sowie Juden. Unter den Polen vor allem unheilbar Kranke. In den aus dem Lager nach Berlin gesandten Rapporten wird die Anzahl der Vergasten nicht angegeben."

Dokument Nr. 9

Veröffentlicht in: Obóz, S. 52.

Datum: 23. Oktober 1942.

Kopfzeile: "163-A/1. Informacja bieżąca Nr. 39 (64)."
Titel: -

"Bis zum 15. VIII verzeichnete das 'Sterbebuch' offiziell 18.800 Eingeäscherte. Doch abgesehen von dieser offiziellen Ziffer (Häftlinge aus Polen und dem Reich) starben Tausende von Juden aus Polen, Frankreich, Holland und Deutschland, außerdem Serben, Tschechen, Slowaken, Ungarn, ja sogar Italiener, des weiteren eine gewisse Anzahl polnischer 'Aussiedler', schließlich russische Kriegsgefangene: von diesen trafen im Lauf des Jahres ungefähr 60.000 ein, und keiner davon ist am Leben geblieben: man probierte an ihnen die Wirkung von Kampfgasen aus. Der im Lager den Juden aus Frankreich und Holland geraubte Besitz überschreitet den Wert von 60 Millionen Vorkriegs-Reichsmark, er besteht aus Gold und Kostbarkeiten. Nach dem Bericht eines SS-Mannes, der bei den elektrischen Kammern Dienst tut, beträgt die Zahl dieser Opfer inoffiziell bis zu 2.500 pro Nacht. Sie werden durch ein elektrisches Bad sowie in Gaskammern hingerichtet. Die Lagerhunde haben ebenfalls eine große Zahl von Opfern vernichtet."

Dokument Nr. 10

Veröffentlicht in: Obóz, S. 60f.

Datum: 10. November 1942.

Kopfzeile: -
Titel "An die Zentrale. Kopien von Berichten und Erinnerungen aus dem Straflager Auschwitz."

"Die erste Verwendung von Gaskammern (Degasungskammer) [sic!] erfolgte im Juni des Jahres 1941. Man bildete einen Transport aus 1.700 Menschen (unheilbar Kranke, an Geschlechtskrankheiten Leidende, Körperschwache [Deutsch im Text], Krüppel, Kranke, die eine Rippenoperation hinter sich hatten, Meningitis-Kranke) und schickte sie in ein Sanatorium nach Dresden (laut offizieller Bekanntmachung). In Wirklichkeit transportierte man sie zu einem Gebäude ab, das in eine Gaskammer umgebaut worden war. Das Gebäude erwies sich als zu klein und unpraktisch. Man beschloß, in Brzezinka (Birkenau), 7 Kilometer vom Lager entfernt, fünf moderne Kammern zu errichten. Der Bau wurde im April 1942 abgeschlossen. Es gibt 6 Blöcke (ohne Fenster, mit Schrauben abgeschlossene Doppeltür, moderne Einrichtungen zur Zuführung des Gases sowie zur Lüftung) für je 700 Personen. Zwischen den Blöcken schafft eine Schmalspurbahn die Leichen zu je 4 km langen Gräben in nahegelegenen Wäldern. Eine andere Bahn bringt Kalk zum Bestreuen der Leichen. Das ganze Gelände der D-kammer [sic] ist eine geschlossene Zone; jedem, der dort nicht arbeitet und sich trotzdem auf dem Territorium aufhält, droht die Todesstrafe (dies gilt auch für die SS, die Wehrmacht, Zivilisten und Gefangene). Die Vergasung von 3.500 Menschen dauert 2 Stunden."

Dokument Nr. 11

Veröffentlicht in: Obóz, S. 69.

Datum: November 1942.

Kopfzeile: -
Titel: "An die Zentrale. Aus dem Brief eines Auschwitz-Häftlings."

"Jede Woche kommen normalerweise zwei Transporte mit Juden aus der Slowakei, Frankreich, dem Kohlenrevier[79] oder dem Generalgouvernement an. Juden aus dem Kohlenrevier sowie aus dem Generalgouvernement werden massenweise vergiftet; es fällt uns schwer, die Zahl zu ermitteln, doch ist sie riesig, so daß man mit dem Abtransport der Kleidung der Vergifteten nicht nachkommt. Es lagen ungefähr 15.000 davon neben den Gaskammern, obgleich man die Leichen täglich mit Fuhren wegschafft. Es bestehen zwei Vergiftungsstätten: im Lagerkrematorium[80] (Fassungsvermögen 400 Menschen) sowie in Birkenau, wo man zu diesem Zweck im Wald einige Häuschen mit erheblich größerer Kapazität vorbereitet hat. Die Vergasten werden in großen Gruben verscharrt, zu denen man eine eigens zur Erleichterung der Transporte errichtete Bahn herangeführt hat. Zu ihrer Füllung verwendet man Ziviljuden, die nach einiger Zeit selbst vergiftet werden."

Dokument Nr. 12

Veröffentlicht in: Obóz, S. 54.

Datum: 1. November 1942.

Kopfzeile: -
Titel: "Vom Leben im Lager."

"Wenn das Kommando zur Arbeit entsandt ist, führt man sie [die Todgeweihten] in den Hof der Strafkompanie, wo die Hinrichtungen durch den 'Hammerluft' [so im Text] stattfinden. Man bindet den Häftlingen die Hände hinten zusammen und führt sie einzeln nackt in den Hof. Dort legt man ihnen den Lauf dieses Luftgewehrs an [den Hinterkopf] und gibt einen lautlosen Schuß ab. Der Hammer trifft auf den unteren Teil des Schädels, und die komprimierte Luft zermalmt das ganze Hirn. Die Leichen wirft man auf einen Haufen, und dann ist der Nächste an der Reihe. Dem Vernehmen nach spielen sich dort schreckliche Szenen ab."

Dokument Nr. 13

Veröffentlicht in: Obóz, S. 79f.

Datum: Januar 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Zusatz zu K.B./r. O.K. Nr. 3 - Teil I."

"Numerische Statistik für die Existenz des Lagers Auschwitz bis zum 15. XII. 1942. [...]

Juden:

Vergaste aus Frankreich, Belgien und Holland: 502.000

Vergaste aus Polen: 20.000."

Dokument Nr. 14

Veröffentlicht in: Obóz, S. 89.

Datum: 24. Februar 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Bericht über die Lage im Generalgouvernement für den Zeitraum vom 24. I - 24. II. 1943."

"Mit Gas vergiftete Juden 520.000, davon ungefähr 20.000 aus Polen, der Rest aus Frankreich, Belgien, Holland, Jugoslawien und anderen Ländern."

Dokument Nr. 15

Veröffentlicht in: Obóz, S. 90.

Datum: 28. Hornung 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Anhang Nr. 48 für den Zeitraum vom 16. - 28. II. 1943."

"Vergaste Juden aus Polen 20.000, aus Frankreich, Belgien, Holland 502.000."

Dokument Nr. 16

Veröffentlicht in: Obóz, S. 97.

Datum: 26. März 1943.

Kopfzeile: 252-A/1. Informacja bieżąca Nr. 12 (85).
Titel: -

"Außerhalb der Numerierung [d.h. außer den numerisch erfaßten verstorbenen Häftlingen] gibt es die Transporte für das Gas, hauptsächlich Juden, bis heute mehr als 500.000."

Dokument Nr. 17

Veröffentlicht in: Obóz, S. 100f.

Datum: April 1943.

Kopfzeile: IV. 33.
Titel: -

"Im Lager Auschwitz fehlt es an Gas zur Vergiftung der Häftlinge; aus Gründen der Ökonomie bleiben die Menschen halbvergiftet und werden dann verbrannt. Im Krematorium sind die Wände blutbefleckt - wenn ein durch die Wirkung des Gases betäubter Mensch im Ofen wieder zu sich kommt, zerkratzt er mit den Fingern den Beton, um sich gegen den Tod zu wehren. Dasselbe spielt sich in bei Freiluftverbrennungen ab, wo die Vergifteten in den Verbrennungsgruben nach einiger Zeit das Bewußtsein wiedererlangen. Über diese Verbrennungsgruben kursieren Legenden - sie sind unter der Bezeichnung 'ewiges Feuer' bekannt, weil sie Tag und Nacht lodern."

Dokument Nr. 18

Veröffentlicht in: Obóz, S. 98.

Datum: 2. April 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Bericht über die wichtigsten Ereignisse im Land während des Zeitraums vom 28. III - 2. IV. 43 Nr. 12/43."

"Die erwähnten Daten umfassen nicht die Transporte der für die Gaskammern Auserkorenen, die eine gesonderte Numerierung aufweisen. Hier überschreitet die Numerierung bereits 500.000 Personen, mehrheitlich Juden."

Dokument Nr. 19

Nicht veröffentlicht. Yad Vashem, M-2/261.

Datum: 18. April 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Am 18. April in London erstellter Bericht. Ich kenne den Informanten persönlich."

"Auschwitz. Ich habe einige Wochen lang in Auschwitz gelebt. Ich kenne die Zustände genau, weil ich mich mit ihrer Erforschung befaßt und mich zu diesem Zwecke dort aufgehalten habe. Von aus Auschwitz Freigelassenen erlangte ich äußerst präzise Informationen darüber, was sich dort tut. Als ich Auschwitz Ende September verließ, waren bereits mehr als 95.000 Häftlinge registriert worden, doch gab es neben diesen auch Nichtregistrierte. Unter ihnen befanden sich 20.000 bolschewistische Kriegsgefangene, die im Sommer 1940 [sic; gemeint ist zweifellos 1941] dorthin verbracht worden waren, sowie auch große Massen aus anderen Ländern dorthin deportierter Juden. Die Kriegsgefangenen starben vor Hunger. Die Juden wurden massenweise hingerichtet. Als ich wegfuhr, gab es in Auschwitz rund 15.000 Häftlinge. Von den Registrierten waren wenigstens 60.000 ermordet worden. Aufgrund jener sicheren Informationen, die ich an Ort und Stelle erlangte, kann ich versichern, daß die Deutschen folgende Tötungssysteme verwendeten:

a/ Gaskammern. Die Opfer müssen sich nackt ausziehen, dann pfercht man sie in die Kammern und vergiftet sie; b/ Elektrische Kammern: Diese Kammern besaßen Metallwände; man führte die Opfer hinein und setzte sie unter Starkstrom; c/ Das System der sogenannten Hammerluft [auf deutsch im Text]: Dabei handelt es sich um einen Lufthammer. Es gab spezielle Kammern, in denen der Hammer von der Decke hinuntersauste und die Opfer mittels einer speziellen Einrichtung den Tod durch den Luftdruck fanden. d/ Erschießen: Dieses gelangt vorwiegend als Form der Kollektivstrafe bei Fällen von Ungehorsam zur Anwendung, wobei jeder Zehnte füsiliert wird.

Am häufigsten werden die ersten drei Methoden angewandt, die letzte seltener. Die Gestapo-Männer standen mit aufgesetzten Gasmasken an einem Ort, der höher lag als die Gaskammern, und weideten sich zynisch am Massensterben der Opfer.

Die Deutschen luden die Leichen [auf Fahrzeuge] und schafften sie weg; außerhalb von Auschwitz hoben sie mit Hilfe riesenhafter Bagger Gräber und Gruben aus und bestreuten die Leichen dort mit Kalk. Das Verbrennen der Opfer mittels elektrischer Öfen wird seltener praktiziert, denn innerhalb von 24 Stunden konnten in diesen Öfen lediglich 250 Leichen verbrannt werden."

Dokument Nr. 20

Unveröffentlicht. Polish Underground Movement (1939-1945) Study Trust, eine Referenznummer wurde nicht mitgeteilt.

Datum: 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Fragment eines Berichts des [polnischen Exil-]Außenministeriums für das erste Halbjahr 1943."

"Mit Gas vergiftete Juden 520.000, darunter 20.000 aus Polen, der Rest aus Frankreich, Belgien, Holland, Jugoslawien sowie anderen Ländern."

Dokument Nr. 21

Veröffentlicht in: Obóz, S. 107.

Datum: 15. Juli 1943.

Kopfzeile: S.Z. S. I.
Titel: "Von der BBC ausgestrahlter Bericht für die Welt."

"Bis Ende 1942 wurden im Lager Auschwitz 468.000 Juden mit Gas vergiftet, ohne vorher registriert worden zu sein. Dies ist eine offiziell bestätigte Ziffer. [...] Von September letzten Jahres bis Anfang Juni dieses Jahres wurden 181.000 Juden aus Polen, Griechenland, Frankreich, Belgien, Holland und der Tschechoslowakei nach Auschwitz gebracht. Von diesen wurden 177.000 durch Gasvergiftung hingerichtet. [...] In letzter Zeit wurden in Auschwitz auch Tötungen durch Enthaupten vollzogen."

Dokument Nr. 22

Veröffentlicht in: Obóz, S. 111f.

Datum: 18. August 1943.

Kopfzeile: s.z.
Titel: "Brief eines Häftlings von Auschwitz. Anhang Nr. 1 zur I.B. Nr. 32 (105)."

"Ganze Transporte werden ohne jede Numerierung direkt ins Gas geschickt. Die Zahl der Betroffenen übersteigt bereits 500.000. Vorwiegend Juden. In letzter Zeit gehen Transporte von Polen aus der Lubliner Gegend direkt ins Gas (Männer und Frauen). Die Kinder wirft man einfach ins Feuer. Hinter Birkenau brennt das sogenannte 'ewige Feuer' - ein Stoß von Leichen unter freiem Himmel -, denn die Krematorien können die Arbeitslast nicht bewältigen.

In letzter Zeit führt man zu militärischen Zwecken Versuche mit Vergasungen unter freiem Himmel statt in der Kammer durch. [...] Das neue Krematorium verbrennt täglich ungefähr 5.000 Personen, überwiegend Juden."

Dokument Nr. 23

Veröffentlicht in: Obóz, S. 119f.

Datum: 27. August 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Bericht über die wichtigsten Ereignisse im Lager. Wochenbericht für den Zeitraum vom 27. VIII. 43 - 33/43. Ziffern für Auschwitz und Trawniki."

"Außer ihnen [den anderen Opfern] werden in den Gaskammern von der Registrierung nicht erfaßte Juden (bisher eine halbe Million) vergiftet. [...] Im Krematorium werden täglich 5.000 Leichen eingeäschert, und wenn die Zahl der anfallenden Opfer größer ist, werden die anderen bei lebendigem Leibe im 'ewigen Feuer' unter freiem Himmel in Birkenau verbrannt - Kinder werden lebend ins Feuer geschleudert."

Dokument Nr. 24

Veröffentlicht in: Obóz, S. 124f, 129.

Datum: 22. Sept. 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Anhang Nr. 1 zu I.B. Nr. 37 (110). 22. IX. 43. Übersetzung der Berichte eines SS-Funktionärs der Kommandantur des Konzentrationslagers Auschwitz (zur Publizierung die Ziffern runden, Quelle nicht angeben!)."

"Juden.

Bis IX. 42 wurden in Auschwitz 468.000 nicht registrierte Juden mit Gas vergiftet. Vom IX. 42 bis zum VI. 43 trafen rund 60.000 Juden aus Griechenland (Saloniki, Athen) ein, aus der Slowakei und dem Protektorat Böhmen und Mähren: 50.000 aus Holland, Belgien und Frankreich: ca. 60.000; aus Chrzanowa: 6.000; aus Ket, Zywca, Suchej und Slemien sowie Umgebung: 5.000. Von diesen sind heute noch 2% am Leben. Von den restlichen 98% schickte man oft vollkommen gesunde und junge Menschen ins Gas, die oft erst halbtot verbrannt wurden. Jeder nach Auschwitz gelangende Transport wird entladen; man trennt Männer und Frauen, und anschließend werden 98% (hauptsächlich Frauen und Kinder) ohne Selektion (massenweise) auf Lastwagen geladen und zu den Gaskammern in Birkenau geführt; nach grauenhaften Qualen (Erstickung), die 10 - 15 Minuten dauern, wirft man die Leichen durch eine Öffnung und verbrennt sie auf einem Scheiterhaufen. Es gilt noch zu bemerken, daß man die Todgeweihten vor dem Eintritt in die Gaskammer zum Baden zwingt.

Als Folge des Mangels an Giftgasen verbrennt man oft noch halb Lebendige. Gegenwärtig bestehen in Brzezinka drei große Krematorien zur Verbrennung von 10.000 Menschen täglich, welche ständig Leichen einäschern und von der örtlichen Bevölkerung das 'ewige Feuer' genannt werden. [...] Außerdem befindet sich im Männerlager bei Rajsko noch ein Krematorium, wo man vorwiegend die Leichen der Hingerichteten aus den Gefängnissen von Kattowitz und anderen Orten verbrennt. [...] Da die Krematorien eine solche Menge von Leichen nicht bewältigen konnten, verbrannte man die Leichen gewöhnlich in einer offenen Grube auf dem Feld bei Brezinka, und nach drei Tagen sah man dort nichts anderes als Flammen, die dort loderten, wo man Menschen verbrannte. [...] Brzezinka feierte seinen Rekord mit der Vergasung von 30.000 Menschen an einem einzigen Tag."

Dokument Nr. 25

Veröffentlicht in: Obóz, S. 142.

Datum: 30. November 1943.

Kopfzeile: -
Titel: "Anhang Nr. 61 für den Zeitraum vom 1. bis zum 30. November 1943."

"Auch weiterhin finden Massenmorde an Juden in den Gaskammern statt - hauptsächlich an Frauen. [...] Während der Vergasung von 30.000 Juden aus Zagłębie Dabrowskie kamen die Krematorien mit dem Verbrennen der Leichen nicht nach, so daß auf Scheiterhaufen verbrannt wurde, und die Kinder warf man lebend ins Feuer."

Dokument Nr. 26

Unveröffentlicht. Polish Underground Movement (1939-1945) Study Trust; eine Referenznummer wurde nicht mitgeteilt.

Datum: 2. Februar 1944.

Kopfzeile: -
Titel: "Das Konzentrationslager in Auschwitz."

"Das Krematorium liegt unter der Erde; es ist nach dem Muster eines Luftschutzbunkers errichtet worden. Über dem Erdboden ragt lediglich der Kamin hervor, bei dessen Bau auch der Informant beschäftigt war. Wo sich die Gaskammern befinden, weiß der Informant nicht; er hat nur gehört, daß sie unter der Erde liegen, nach dem Muster des Krematoriums gebaut."

Dokument Nr. 27

Unveröffentlicht. Archiv: Underground Movement (1939-1945) Study Trust, eine Signatur wurde uns nicht mitgeteilt.

Datum: 12. April 1944.

Kopfzeile: -
Titel: "Lichtenstein. Notiz eines Gesprächs vom 12. IV. 44."

"Nach Auschwitz wurden aus allen westlichen Ländern, wie Holland, Belgien, Frankreich, Tausende von Juden geschickt. Es erfolgte eine Selektion; die Stärksten wurden zur Arbeit abkommandiert, und man wies sie ins Arbeitslager ein. Die Mehrheit der Arbeitsuntauglichen, die physisch Schwächsten, schickte man - oft ganze Familien auf einmal - in die sogenannte Desinfektion. Dies waren aber in Wirklichkeit Hinrichtungskammern. Man wies die Menschen an, sich auszuziehen, schor ihnen die Haare und trieb sie dann in gewaltige Hallen, wo die Desinfektion erfolgte. Von diesen Hallen gab es sieben. Jede von ihnen konnte ungefähr 1.500 Menschen fassen. Nachdem die Hallen mit Menschen gefüllt waren, pumpte man die Luft heraus, und danach wurde durch ein kleines Fensterchen ein Mittel in das Desinfektionslokal eingeworfen - Kreuzolit. Nach drei bis fünf Minuten waren die innen befindlichen Menschen hingerichtet. In der Nähe befanden sich sieben Öfen zur Verbrennung der Leichen; jeder Ofen besaß sieben Öffnungen zum Hineinwerfen der Leichen. Der Verbrennungsprozeß dauerte lediglich ein paar Sekunden."

Dokument Nr. 28

In polnischer Sprache unveröffentlicht. Englische Übersetzung: Polish Fortnightly Review, Nr. 115, 1. Mai 1945, S. 1-6; Polish Underground Movement (1939-1945) Study Trust, 3. 16.

Datum: 24. Mai 1944.

Kopfzeile: -
Titel: "Brief an den 'Herrn Präsidenten der Republik Polen'".

"Auf dem Gebiet von Birkenau befinden sich 6 Kamine, d.h. Krematorien. Sie sind nie außer Betrieb. [...] Die Verbrennung der Leichen im Lager Gestorbener ist lediglich ein kleiner Teil der Aufgabe der Krematorien. Die Kamine sind für Lebende, nicht für Tote bestimmt. Und jeden Tag, jawohl, jeden Tag, kommen auf der Eisenbahnlinie, die in den Lagerbereich führt, Züge mit Juden aus Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Ungarn, Italien, Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Polen und bis vor kurzem auch Rußland an. Die Transporte umfassen Männer, Frauen und Kinder. 10% der Frauen aus jedem Transport werden ins Lager eingewiesen, erhalten eine Nummer eintätowiert, einen Stern auf die Kleidung, und erhöhen den Lagerbestand. Den Rest schickt man einfach in die Gaskammer. Die Szenen, die sich dabei abspielen, lassen sich unmöglich beschreiben. [...] Es ist schrecklich, daran zu denken, schrecklich zu sehen, wenn auf der Lagerstraße Lastwagen rollen, die 4000 Kinder unter 10 Jahren (Kinder aus dem Ghetto von Theresienstadt in Böhmen) in den Tod fahren. Einige weinten und riefen: Mama! Andere hingegen lächelten den Vorbeigehenden zu und winkten mit den Händchen. Eine Viertelstunde später war keines davon mehr am Leben, und die vom Gas betäubten Körperchen brannten in grausen Öfen. Und wieder, wer würde solche Szenen für möglich halten? Doch garantiere und versichere ich, daß es tatsächlich so war, und ich rufe die Lebenden und die Toten als Zeugen an. Vom Gas betäubt...Ja, denn Gas ist teuer, und das 'Sonderkommando', welches die Todeskammer bedient, verwendet es sparsam. Die eingesetzte Dosis tötet die Schwächeren, schläfert die Stärkeren jedoch nur für einen Augenblick ein. Letztere kommen in den Krematoriumswagen wieder zu Bewußtsein und stürzen lebendig in den summenden, feurigen Schlund."

Dokument Nr. 29

Veröffentlicht in: Obóz, S. 162.

Datum: 4. Juni 1944.

Kopfzeile: -
Titel: "Bericht aus dem Territorium, 4. VI. 1944."

"Täglich vergast man ungefähr 3.000 Juden und verbrennt sie dann im Krematorium. Die in gemauerten Baracken einquartierten Polen behaupten, diese Baracken seien vermint. Unter dem Boden befinden sich dem Vernehmen nach zwei grobe, metallene Rohre, die parallel zur Baracke verlaufen und mit den elektrischen Drähten verbunden sind, welche zur Politischen Abteilung Block Nr. 11 führen."

Dokument Nr. 30

Veröffentlicht in: Obóz, S. 168.

Datum: 17. Juni 1944.

Kopfzeile: KW.
Titel: "Vernichtung ungarischer Juden in Auschwitz."

"Die Organisation der Judenliquidierung verläuft wie folgt:

Geschlossene Züge warten auf einem Sondergleis auf ihre Entladung. Die Transporte, welche die Gashallen nicht zu bewältigen vermögen, mußten in einem nahen Wald kampieren, von SS-Männern scharf bewacht. Das Warten auf den Tod dauert manchmal mehrere Tage. Zwischen der Eisenbahnrampe und der Vergasungsstätte strömt Tag und Nacht ein ununterbrochener Zug von Menschen vorbei, die nun an der Reihe sind, je nachdem, wie rasch die Leichen herausgezogen werden. In der Mitte der Chaussee rollen Lastwagen, welche die Schwachen, die Alten und die Kinder von der Rampe wegbringen. Die Gesunden marschieren zu Fuß und wissen bis zum letzten Augenblick nicht, daß sie in den Tod gehen. Längs der Straße liegen SS-Männer mit Maschinengewehren in Schützenlöchern. Auf der Eisenbahnrampe bleiben alle Koffer und jeglicher Privatbesitz zurück. Man bringt sie dann in die 'Kanada' genannten Magazine, wo eine spezielle Mannschaft aus Häftlingen sie sortiert. Bei der Rampe türmt sich eine Masse von Koffern und Paketen, die 300 m lang, 20 m breit und so hoch wie ein Stockwerk ist. Vor der ungeheuren Baracke 'Effektenkammer' liegen Kleiderhaufen, mit deren Sortieren und Verpacken man nicht nachkommt. Vor dem Eingang der Gaskammer müssen die Menschen alles abgeben; das Geld und die Kostbarkeiten, die sie bei sich tragen, müssen sie 'deponieren', worauf sie sich nackt ausziehen und ihre Kleider abgeben, die später noch darauf untersucht werden, ob in ihnen keine Wertgegenstände eingenäht sind. Nach dem Abgeben der Kleidung führt man die Unglücklichen ins Bad, d.h. die Gaskammer, und zwar in Gruppen von 1000 Personen. Man gibt ihnen nicht einmal mehr Handtücher und Seife, wie dies früher üblich war, denn dazu fehlt die Zeit. Beide Gaskammern sind ununterbrochen Tag und Nacht in Betrieb und können den Andrang doch nicht bewältigen. Zwischen der Tötung der einzelnen Gruppen wird nur eine Pause zum Entfernen der Leichen eingeschaltet, die auf die andere Seite der Kammer geworfen werden, wo die Todgeweihten sie nicht sehen. Auf jener Seite der Kammer befinden sich ganze Berge von Leichen. Die Krematorien kommen mit dem Verbrennen nicht nach. Allen Ermordeten werden durch eine besondere Mannschaft von Friseuren die Haare geschnitten; die Haare stopft man als Rohstoff in Säcke. Eine Mannschaft von Dentisten untersucht sorgfältig die Mundöffnungen aller Opfer, wobei sie Gold sowie Platinkronen herausreißt; da wenig Zeit zur Verfügung steht, bricht man ganze Kiefer heraus. Eine andere Mannschaft von 'Spezialisten' steckt die Hände in die Scheiden der Frauenleichen, um nach verborgenen Wertgegenständen zu suchen. Dann gelangen die so geschändeten und untersuchten Leiber zur Verbrennung. Es sind 4 Krematorien in Betrieb, 1 Ziegelei, und außerdem verbrennt man auf Scheiterhaufen unter freiem Himmel. Die schwarzen, dichten Rauchschwaden sind von weither zu sehen. Ein Krematorium ist zeitweilig außer Betrieb, wird aber in beschleunigtem Tempo instandgesetzt. Die Reparatur war die natürliche Folge der infolge der ständigen Beanspruchung durchgebrannten Roste und Ofenteile. Die mit dem Rauben, dem Morden sowie dem Wegschaffen der Leichen beauftragte Mannschaft trägt die Bezeichnung 'Sonderkommando' und ist 2000 Mann stark. Es sind dies gesunde und starke Juden, die nach Abschluß ihrer Arbeit gleichfalls dem Tode geweiht sind. Gegenwärtig überschreitet die Zahl der vergasten ungarischen Juden 100.000 und wächst mit jedem Tag weiter an. In nächster Zeit soll Auschwitz 1.200.000 ungarische Juden vernichten."

Dokument Nr. 31

Veröffentlicht in: Obóz, S. 168.

Datum: 17. Juni 1944.

Kopfzeile: KW.
Titel: "Lager. Auschwitz."

"Gleich nach der Ankunft müssen sie alle Wertgegenstände sowie ihr Geld abgeben, und sie erhalten dafür ordnungsgemäß eine Quittung; anschließend warten sie auf das 'Bad'. Vor dem Bad schneidet man den Frauen die Haare, die darauf von einem speziellen Kommando sortiert und in Paketen ins Reich geschickt werden. Die Kleider werden ebenfalls durch ein anderes Kommando sortiert, anscheinend zur Desinfektion. Die gesamte Zeit bis zum Schließen der Gaskammer werden sie höflich und ruhig behandelt. Nach der Vergasung (Blausäure) werden die Leichen noch einmal durch ein Kommando unter scharfer Beobachtung von SS-Männern durchsucht; vor allem zieht man sorgfältig alle Goldzähne. Die tägliche Ausbeute an Gold aus den Leichen beträgt 10-13 kg. Dann werden die Leichen verbrannt. Seit dem 1.5. sind bei Tag und bei Nacht vier Krematorien in Betrieb, ferner eine Ziegelei, und manchmal verbrennt man auch auf Scheiterhaufen. Die tägliche Liquidierungsrate beläuft sich auf 10.000. Auf diese Weise sollen alle ungarischen Juden erledigt werden - ihre Zahl beträgt 1.200.000. [...] Unter den SS-Männern kommt es zu Nervenzusammenbrüchen und zu Fällen von geistiger Umnachtung - die Betreffenden gehen dann zusammen mit den Juden ins Krematorium. Im Lager herrscht ein mildes Regime. Nach der Übernahme durch einen neuen Kommandaten im Oktober wurde die Todesstrafe für Fluchtversuche abgeschafft. Doch am 1.5. kehrte der alte Kommandant Grabner zurück, der berüchtigte Organisator von Massenhinrichtungen, der nun unversehens mit der Liquidierung der Juden beschäftigt ist."

Dokument Nr. 32

Veröffentlicht in: Obóz, S. 174.

Datum: 7. Juli 1944.

Kopfzeile: 362/A-1. Informacja bieżąca Nr. 27 (151).
Titel: "Massaker an ungarischen Juden in Auschwitz".

"Bisher sind in Auschwitz einige hunderttausend ungarische Juden vergast worden. Die Opfer sind bis zuletzt überzeugt, daß sie zur Umsiedlung nach Schlesien oder zum Austausch gegen deutsche Kriegsgefangene in England bestimmt sind. Die Transporte werden einer Selektion unterzogen: Männer, Frauen, Kinder. Koffer, Kleider, Wertgegenstände und Geld werden 'zur Aufbewahrung' abgegeben, und nachdem sich die Opfer nackt ausgezogen haben, gehen sie gruppenweise ins 'Bad', d. h. in den Tod in der Gaskammer. Spezielle Mannschaften schneiden den Leichen die Haare und sammeln sie, reißen die Zähne mit Goldkronen heraus und suchen in den Scheiden der Frauen nach Kostbarkeiten. Die Krematorien kommen mit dem Verbrennen der Leichen nicht nach. Es kam zu Stockungen, und manche mußten ein paar Tage auf das 'Bad' warten. 2.000 gesunde Juden trennte man vom Rest, brachte sie im Lager von Gleiwitz unter und befahl ihnen, optimistische Briefe nach Ungarn zu schreiben. Sie wissen nicht über das Los der anderen Bescheid."


Anmerkungen

Der Spanier Enrique Aynat hat sich in mehreren Studien als Forscher von Rang auf dem Gebiet des "Holocaust" im allgemeinen sowie des Lagers Auschwitz im besonderen hervorgetan. Der vorliegende Text erschien unter dem Titel Los informes de la resistencia polaca sobre las cámeras de gas de Auschwitz (1941-1944) als zweiter Teil des Buchs Estudios sobre el "Holocausto" (Selbstverlag, Valencia 1994). Der erste Teil jenes Werks setzt sich mit der Deportation französischer und belgischer Juden nach Auschwitz auseinander und wird zu einem späteren Zeitpunkt in den VffG erscheinen. Aus des Spanischen übersetzt von Jürgen Graf.

[1]Enrique Aynat," Auschwitz and the Exile Government of Poland in the 'Polish Fortnightly Review'", in: Journal of Historical Review, 11(3) (1991), S. 283-319.
[2]E. Duraczyński, "Delegatura", in: Encyclopedia of the Holocaust, Max Millan, New York 1990, S. 356f.
[3]Zesyzty oświęcimskie (Hefte von Auschwitz), Staatl. Auschwitz-Museum, Sondernummer (I) (1968), S. XXXIII + 194.
[4]In der vorliegenden Übersetzung wird stets der deutsche Name "Auschwitz" verwendet. Der polnische Name des Lagers sowie der gleichnamigen Kleinstadt lautet Oświęcim. Aynat verwendet je nachdem, ob er eine deutsche oder eine polnische Quelle zitiert, bald den einen, bald den anderen Namen. - Der Übersetzer.
[5]Obóz, S. XIV.
[6]Aus Platzgründen wird hier auf die Wiedergabe der polnischen Texte verzichtet. Die Übertragung ins Deutsche erfolgte aber anhand der polnischen Originale und nicht der spanischen Version Aynats. - Der Übersetzer.
[7]Eine externe Kritik bedeutet, daß ein Dokument mit anderen Dokumenten zum selben Thema verglichen wird. Bei einer internen Kritik wird das betreffende Dokument auf seine innere Logik und Glaubhaftigkeit hin überprüft. - Der Übersetzer.
[8]C.V. Langlois und C. Seignobos, Introducción a los estudios históricos, Die erste Ausgabe dieses Werks stammt aus dem Jahre 1897.
[9]Obóz, S. 11.
[10]Ebenda, S. 50.
[11]Ebenda, S. 93.
[12]Ebenda, S. 110.
[13]Ebenda, S. 9.
[14]"krematoria ne mogą nadążyċ z paleniem"
[15]"Krematoria nie mogą ndążyċ z paleniem zwłok"
[16]"cegielnia"
[17]Eine ausführliche Studie dieser angeblichen Massentötungsaktion findet sich bei Carlo Mattogno, Auschwitz: La prima gasazione, Edizioni di Ar, Padua 1992.
[18]"ohydney zbrodni"
[19]"ponurej zbrodni"
[20]"w nocy z 5 na 6. IX"
[21]"w nocy z 5 na 6 września"
[22]"wtłoczono do bunkra"
[23]"wytruto ich gazem"
[24]"wytruto gazami"
[25]"wieczny ogień"
[26]"zagazowanych"
[27]Hoover Institute Archives, Poland, Botschaft [US], Box n. 29. Trägt den Hinweis "Strictly Confidental" (Streng geheim).
[28]"a deliberate attempt is made to exterminate her people"
[29]"biological extermination"
[30]"urządzone są łaźnie z prysznicami, z których niestety zamiast wody wydobywa się gaz"
[31]"bez okień, z podwójnymi drzwiami, dociskanymi śrubami oraz instalacjami do doprowadzenia gazu i wentylacji"
[32]"ogromnych hal"
[33]"małe okna"
[34]"miejśca trucia"
[35]Dieser Plan stammt von der polnischen Exilregierung. Er trägt einen Vermerk der Jewish Agency for Palestine, der auf den 18. August 1944 datiert ist. Public Record Office, FO 371/42806.
[36]"Orientierungsplan des sogenannten Auschwitz 2 - Birkenau", Polish Underground Movement (1939-1945) Study Trust, ohne Referenznummer.
[37]F. Piper, Extermination. In: Auschwitz. Camp Hitlérien d'Extermination, Interpress, Warschau 1986, S. 117 ff. Zu den Eigenschaften von Zyklon B vgl. auch Wolfgang Lamprecht, "Zyklon B - eine Ergänzung", in: VffG, 1(1) (1997), S. 2-5.
[38]"śmierć następuje przez uduszenie, bo nosem i ustami wydobywa się krew"
[39]W. Wirth, C. Gloxhuber, Toxikologie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1985, S. 159f.; W. Forth, D. Henschler, W. Rummel, Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Wissenschaftsverlag, Mannheim 1987, S. 751f.; S. Moeschlin, Klinik und Therapie der Vergiftung, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1986, S. 300; H.-H. Wellhöner, Allgemeine und systematische Pharmakologie und Toxikologie, Springer Verlag, Berlin 1988, S. 445f.
[40]F. Piper, Extermination, aaO. (Anm. 37), S. 121f.
[41]"5 nowych komór"
[42]"5 budynków"
[43]D. Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1989, S 186f.
[44]Ebenda, S. 239.
[45]R. Höß, Kommandant in Auschwitz, herausgegeben von M. Broszat, dtv, Frankfurt 1958, S. 160.
[46]"przez otwór"
[47]F. Piper, Extermination, aaO. (Anm. 37), S. 120.
[48]"do ogromnych hal"
[49]"Hal tych było siedem"
[50]"wypompowane powietrze"
[51]"w pobliżu"
[52]"siedem pieców"
[53]"siedem otworów"
[54]"kilka sekund"
[55]Die Sieben Zwerge hinter den Sieben Bergen mit den Sieben Meilenstiefeln. Die Zahl Sieben ist typisch für Märchen. In Birkenau gab es im April 1944 vier - teilweise funktionsunfähige - Krematorien, zwei davon mit fünf Öfen à drei Öffnungen, zwei mit zwei Öfen à vier Öffnungen. Anm. der Redaktion.
[56]Die Mär von Vakuumpumpen ähnelt Propaganda, die über die Lager Treblinka und Belzec verbreitet wurde, vgl. C. Mattogno, J. Graf, Treblinka, Castle Hill Publishers, Hastings 2002, S. 29, 80, 84; C. Mattogno, Belzec, Castle Hill Publishers, Hastings 2004, in Vorbereitung.
[57]Eine genaue Darstellung des angeblichen Ausrottungsvorgangs aus der Sicht der orthodoxen Historiker findet sich bei F. Piper, Extermination, aaO. (Anm. 37), S. 119-134.
[58]"obie komory gazowe"
[59]R. Faurisson, Mémoire en Défense, La Vieille Taupe, Paris 1980, S. 153-156 (Ablichtung eines Briefs von K. Smoleń, dem ehemaligen Direktor des Staatlichen Auschwitz-Museums).
[60]"na drugą stronę komory"
[61]J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers, The Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, S. 284f.
[62]Ebenda, S. 399.
[63]D. Czech, Kalendarium, aaO. (Anm. 43), S. 125-128. Diese Seiten entsprechen den ersten zehn Tagen des Oktober 1941.
[64]D, Czech, ebenda, S. 149-155.
[65]Ebenda, S. 115f.; zu den Gerüchten über diese angebliche erste Vergasung in Auschwitz vgl. Carlo Mattogno, Auschwitz: La prima gasazione, Edizioni di Ar, Padua 1992.
[66]"gaz bojowy"
[67]"powietrzna strzelba"
[68]"młot uderza w podstawę czaszki, a sprężone powietrze miażdży cały mózg"
[69]"młot powietrza"
[70]"miały metalowe ściany, wprowadzano do nich ofiary i puszczano prąd o wysokim napięciu"
[71]"w łaźni elekrtycznej"
[72]"przez ścięcie"
[73]"gazowaniem na wolnym powietrzu"
[74]E. Aynat, "Auschwitz and the Exile Government...", aaO. (Anm. 1), S. 287-292.
[75]L'Album d'Auschwitz, Seuil 1983, passim.
[76]The Camp of Death, Liberty Publications, London 1944, S. 23.
[77]Siehe dazu Enrique Aynat, Los" Protocolos de Auschwitz": ¿Una fuente histórica?, Garcia Hispán, Alicante 1990.
[78]K. Simonov, The Death Factory near Lublin, S. 9-11. (Siehe auch Jürgen Graf und Carlo Mattogno, KL Majdanek. Eine historische und technische Studie, Castle Hill Publisher, Hastings 1998, Kapitel 6. Anmerkung des Übersetzers.)
[79]Zagłębie. Es ist mir nicht klar, was damit gemeint ist; es könnte sich um die kohlenreichen, 1939 dem Reich angegliederten westpolnischen Gebiete handeln. - Der Übersetzer.
[80]Gemeint ist das Krematorium des Stammlagers Auschwitz I; die Krematorien von Birkenau waren damals noch nicht errichtet.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 8(2) (2004), S. 150-166.


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