Aus der Forschung

Antike Mumien in Europa

Die ersten jemals in Großbritannien entdeckten Mumien wurden kürzlich auf den Äußeren Hebriden gefunden. Forscher sind der Ansicht, daß die Inselbewohner von Süd-Uist das Mumifizieren Verstorbener zur gleichen Zeit begannen wie die antiken Ägypter.

Dokumentarfilmer des britischen Fernseh-Programms BBC’s "Meet The Ancestors" folgten Archäologen der Universität von Sheffield, die bei Cladh Hallan auf Süd-Uist arbeiten.

Die unter dem Fußboden eines bronzezeitlichen Rundhauses gefundenen altertümlichen Überreste stammen vermutlich von einem dreijährigen Mädchen, einem Teenager-Mädchen sowie einem Paar mittleren Alters.

Analysen zeigen, daß die etwa 3.000 Jahre alten Körper mittels natürlich vorkommender Säuren und Torfextrakten konserviert wurden. Dies ist der erste jemals entdeckte Beweis einer Mumifizierung in Großbritannien. Beweis für die aktive Mumifizierung ist ebenfalls, daß die Körper ausgeweidet wurden. Eine Kohlenstoffdatierung hat ergeben, daß die Leichen bis zu 600 Jahre vor ihrer Beerdigung unter dem Rundhaus verstorben waren.

Mike Parker-Pearson, ein Experte für altertümliche Beerdigungspraktiken, meint, dieser Fund untergrabe die Ansicht, Mumifizierungen seien zu jener Zeit nur in Ägypten und in Südamerika vorgekommen. Er führte aus:

"Wir sprechen hier von künstlicher Konservierung des Körpergewebes nach dem Tode. Dies erfolgte absichtlich. Nach einer bestimmten Zeit verrottet das Fleisch sogar an einem konservierten Körper. Wir haben sie nicht ausgegraben und dann ausgerufen ‘Ah, Mumien!’, sondern wir haben zunächst nur gedacht, daß hier etwas seltsam ist. Sie lagen sehr eng zusammengekauert und müssen seit langer Zeit zusammengebunden gewesen sein."

Quelle: BBC News, 17.3.2003


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 8(2) (2004), S. 235.


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