Die Vertreibung der Deutschen aus Japan 1947-48

Von Charles Burdick, Ph.D.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde fast alles deutsche Eigentum außerhalb Deutschlands beschlagnahmt: Wertgegenstände, Valuta, Grundbesitz, Patente, Urheberrechte usw. Der Wert in heutiger Kaufkraft könnte sich auf Billionen Dollar belaufen. Dieses Eigentum wurde größtenteils später versteigert und an Firmen oder Einzelpersonen verkauft, und den Erlös behielten die betreffenden Regierungen. Alle Versuche seitens deutscher Privatpersonen oder der westdeutschen Regierung, Jahre nach dem Krieg die beschlagnahmten Werte wiederzuerlangen, schlugen fehl. Ein besonders trauriges Kapitel dieser größten Plünderung der Menschheitsgeschichte ist das über den ehemaligen deutschen Verbündeten Japan, das sich willig der Vertreibung der Deutschen und dem Raub deutschen Eigentums in Japan anschloß und sich selbst nach Unterzeichnung eines Friedensvertrags mit den USA weigerte, dieses Vorgehen zu überdenken.


"Die Autorität und der Einfluß derer, die das japanische Volk betrogen und dazu verführt haben, sich auf eine Welteroberung einzulassen, muß für alle Zeiten beseitigt werden. [...] Die japanische Regierung soll alle Hindernisse beseitigen, die der Wiederbelebung und Stärkung demokratischer Tendenzen im japanischen Volk entgegenstehen."[1]

Vae Victis - Wehe den Besiegten!

Am 28. August 1945 trafen die ersten amerikanischen Besatzungstruppen auf dem Flughafen Atsugi in Japan ein. Statt der erwarteten aufgebrachten Reaktion fanden sie ein Empfangskomitee vor, das Orangensaft servierte.[2] Die Amerikaner betraten eine vollkommen andere Welt, zu der ihnen die Orientierung, die Erfahrung und das Verständnis fehlte. Während ihre Einnahme Deutschlands zur unmittelbaren physischen Besetzung und Kontrolle dieses Landes führte, schuf die japanische Kapitulation weit mehr Unwägbarkeiten. Haß, Mißtrauen, Zweifel und direkte Angst charakterisierte das amerikanische Denken. Die Strategie gegenüber Japan sollte eine ganz andere als die gegen Deutschland angewandte werden.

Der Hauptunterschied lag darin, wie die Besetzung ursprünglich angegangen wurde.

Präsident Truman hatte am Anfang General Douglas MacArthur zum Oberstkommandierenden der Alliierten Streitkräfte (Supreme Commander Allied Powers), kurz SCAP, ernannt, eine einmalige Stellung im Rahmen eines alliierten Krieges.[3] Trotz einiger Planung und multinationalem Austausch wurde die Anfangsphase der Besetzung von den Amerikanern dominiert.[4] Die Unsicherheit zwischen den USA und Rußland in Asien, die Dominanz der amerikanischen Militärmacht auf diesem Kriegsschauplatz und die Vorgehensweise des arroganten MacArthur schlossen jede nennenswerte Zusammenarbeit aus.[5] Deshalb interpretierten die Amerikaner die im Juli 1945 auf der Potsdamer Konferenz getroffenen unbestimmten und vagen Anordnungen nach Gutdünken und setzten ihre Auffassung um.

MacArthur übernahm sofort die vollständige Befehlsgewalt und wies alle Versuche, Macht oder Verantwortung zu teilen, brüsk zurück. Von Anfang an bestand er darauf, daß alle Kontakte zu ausländischen Regierungen über sein Hauptquartier liefen und pflegte die japanischen Behörden zur Durchführung seiner Befehle zu benutzen. Diese indirekte Vorgehensweise sicherte den Amerikanern die Machtausübung hinter den Kulissen, ebenso wie MacArthurs Bestehen auf Englisch als Kommunikationssprache. Seine Instruktionen waren für die japanische Regierung Direktiven und wurden SCAP-Instruktionen (SCAPIN) genannt. Diese normalerweise knapp und bestimmt formulierten Befehle gaben die Richtlinien für alle Besatzungsaktivitäten.[6] Die Amerikaner setzten unverzüglich eine Politik in Gang, die auf Entwaffnung, Demilitarisierung und Demokratisierung abzielte. Diese Vorgehensweise stellte zugleich eine Revolution und eine Reformation dar. Die Auflösung der militärischen Kampfkraft - sowohl der Menschen wie auch der Rüstungsgüter - war ein rein mechanischer Prozeß. Die Schaffung einer demokratischen Gesellschaft erforderte eine längere Zeitspanne zwecks Anpassung, Erziehung und Steuerung. Das Entmilitarisierungsproblem war das schwierigste direkte Anliegen, sowohl wegen der Definition als auch der Umsetzung. Strafaktionen standen an erster Stelle.

SCAP (das Hauptquartier MacArthurs) säuberte die gesamte Verwaltungsstruktur des japanischen Lebens. Innerhalb weniger Monate liquidierte SCAP Wirtschaftskartelle, entließ Tausende Beamte und sperrte Hunderte Menschen als Kriegsverbrecher ein.[7] Die zwei Kulturen gerieten wegen jeder Frage in Streit, da die Bürokratien über alle Kontrollen strauchelten, und sich sowohl die Eroberer als auch die Eroberten Spielraum zu verschaffen suchten.

Aus diesen besonderen Verwaltungsproblemen erwuchsen für alle Seiten zahlreiche Überraschungen. Einerseits bewirkten die Folgen der bedingungslosen Kapitulation, die materiellen Schäden der Flächenbombardierung und das Auftauchen so vieler Weißer bei den Japanern einen offensichtlichen Schock. Auf der Gegenseite machten die Amerikaner die unerwartete Entdeckung von etwa 2.000.000 Ausländern auf den vier Hauptinseln Japans. Obwohl die große Mehrheit dieser Menschen Asiaten aus Korea, Formosa, den Ryukyu-Inseln und China waren, waren viele Nationalitäten vertreten. Einige gehörten den Staaten der Vereinten Nationen an, andere waren Angehörige neutraler Länder oder Staatenlose, und einige wenige waren Bürger anderer Feindstaaten. In all diesen Gruppen gab es Personen, die ihr ganzes Leben in Japan verbracht hatten, ohne sich um Politik oder Ideologie zu kümmern oder sich dafür zu interessieren. Dazu gehörten aber auch viele Personen, die als Beamte oder Propagandavertreter der besiegten Mächte für die Achse tätig gewesen waren. Es gab auch Angehörige religiöser oder kultureller Gruppen oder Firmen-Repräsentanten. Es gab zahlreiche Familienangehörige, von denen viele nur dürftig ihr Leben fristeten.

MacArthurs erste Obliegenheit auf diesem Gebiet war die Repatriierung von Kriegsgefangenen und verschleppten Angehörigen der Vereinigten Nationen. Präsident Harry Truman hatte ihm mit Weisung vom 29. August 1945 die frühestmögliche Rückkehr dieser Personen befohlen. Für die Repatriierung war die Registrierung jeder Person bei den Besatzungsmächten erforderlich und eine Bestätigung, daß der Betreffende nicht am Krieg gegen die Vereinten Nationen teilgenommen hatte.

Am 31. Oktober 1945 umriß SCAP den Ausdruck "Vereinte Nationen" und führte 49 Nationen als Unterzeichner der UN-Deklaration, 6 Länder als Neutrale und fünf Länder (Bulgarien, Deutschland, Ungarn, Japan und Rumänien) als "Feindstaaten" auf.[8]

Die sich daraus ergebende beschleunigte Entlassung von etwa 110.000 Kriegsgefangenen ermöglichte es, die Rückführung der aus Asien stammenden Volksangehörigen schnell durchzuführen. Diese anfangs weitgehend freiwilligen Bemühungen ermöglichte einen schnellen Transport dieser Menschen. Die Rückführung großer Mengen japanischer Truppen aus Übersee erforderte eine große Verschiffungskapazität, was überschüssigen Platz auf den aus Japan auslaufenden Schiffen zur Folge hatte. Als Teil dieser Operation schuf SCAP Rückführungs-Zentren für die Umladung, detaillierte Weisungen für die japanischen Behörden und Regeln für den Transfer von Eigentum. Bis zum Dezember 1945 waren über 650.000 Menschen aus Japan in ihre Heimat zurückgekehrt.[9]

Nach der Rückführung der Angehörigen alliierter Nationen stand als nächstes der Status von Achsenangehörigen auf dem Programm und wie man sie loswerden konnte. Die Anzahl Rumänen und Bulgaren war unbedeutend, während es 463 Italiener gab.[10] Deutsche gab es ungefähr 2.800 (einschließlich einiger Österreicher). Diese Zahl beinhaltete 700 Flüchtlinge aus der holländischen Kolonie Westindien, 400 Personen der Kriegs- und Handelsmarine, 100 Personen, die versucht hatten, aus den USA nach Hause zu gelangen und von der deutschen Invasion Rußlands überrascht worden waren, sowie 1.600 Personen, die seit langem in Japan wohnten.[11] Nach dem alliierten Sieg in Europa hatten die Japaner die Bewegungsfreiheit deutscher Zivilisten eingeschränkt und ihre offizielle Vertretung locker interniert.[12] Die Amerikaner griffen hier umgehend ein. Sie befahlen den Japanern, am 13. September alles deutsche Eigentum und alle Guthaben zu beschlagnahmen, konfiszierten die offiziellen deutschen Lebensmittellager und lösten die deutschen Hilfsorganisationen auf. Die Japaner hatten Befehl, die mittellosen Deutschen zu versorgen, was angesichts von Japans eigenem Mangel und der zerstörten Infrastruktur eine gewaltige Aufgabe war.[13] Da das japanische System nicht funktionierte, kümmerte man sich kaum um die Deutschen und sie rangierten an letzter Stelle.

Diese Beschränkungen verstärkten noch ihre Probleme aus der Kriegszeit: Bombardierungen, enge Wohnverhältnisse, Transportprobleme und Nahrungsmittel-Mangel. Viele waren, um zu überleben, in japanische Sommerhäuser geflohen. Wegen der unsoliden Bauweise und dem sozialen Stigma der Feigheit benutzten die Japaner ihre eigenen Häuser nicht. Die Deutschen überlebten den Umständen entsprechend so gut es ging durch Schwarzmarkt-Handel, Dosennahrung aus Warenhauslagern, den Erzeugnissen ihres eigenen Gartens, Diebstahl und Betteln von den Amerikanern, nachdem diese angekommen waren. Sie hielten aber um der Moral und der Einheit willen ihre Schulen, Kirchen und Klubs aufrecht.[14]

Die amerikanische Vereinigte Generalstabsführung, JCS, (Joint Chiefs of Staff) in Washington D.C. hatte sie nicht vergessen. Die Potsdamer Erklärung hatte eine diffuse Weisung, alle diejenigen ihrer Autorität und ihres Einflusses zu berauben, die Japan zum Angriff verleitet hatten. Obwohl die Bestimmung keine Details enthielt, stellte sie eine bindende Weisung dar. Von Anfang an war die erste Aufgabe die Säuberung der japanischen Beamten, der Leute mit Einfluß und aller Personen in öffentlichen Stellungen. Diese systematische Eliminierung des "Bösen" gab den Siegern Gelegenheit, Gefühle abzureagieren.[15]

Das war dem fernen amerikanischen Militärkommando nicht genug. Dort glaubte man, daß deutsche Militärrepräsentanten, Diplomaten und Wirtschaftsvertreter die japanische Aggression ungebührlich beeinflußt hätten. Als internationalen Präzedenzfall gegen künftige totalitäre Ränkespiele beschloß man, den gefährlichen deutschen Einfluß zu beseitigen.

Am 7. Dezember 1945 sandte die Vereinigte Generalstabsführung (JCS) ein langes Telegramm an MacArthur und bekräftigte frühere Anordnungen in bezug auf den Transport von Angehörigen der Vereinten Nationen. Es enthielt außerdem Weisungen bezüglich der Angehörigen von Feindstaaten, diese sollten sofort erfaßt und registriert werden. Alles diesen Menschen gehörende Eigentum, seien es Immobilien oder bewegliche Habe, sollte unter strikte Überwachung gestellt werden. Wer als nationalsozialistischer Agent tätig gewesen war, sollte zwecks eventueller Aburteilung oder Deportation nach Deutschland interniert werden. Der Ausdruck "Agent" war der Arbeitsbegriff, der ein breites Spektrum beruflicher Tätigkeiten umfaßte: Forscher, Wissenschaftler, Verwalter, Geschäftsleute usw. Sie alle hatten keine Wahl. Die Deutschen, die nicht unter diesen vagen Begriff fielen, konnten sich freiwillig für die Rückkehr nach Deutschland melden. Auf jeden Fall sollten die japanischen Behörden die Kosten und die Durchführung übernehmen.[16]

Unmittelbar darauf, am 12. Dezember, erfolgte die Anweisung, daß die aus politischen Gründen Unerwünschten nur ein Minimum an persönlicher Habe, keine ausländischen Valuta und nur in geringem Umfang persönlichen Schmuck mitnehmen dürften.[17] Diese knappen direkten Anweisungen brachten die Deutschenfrage in den Vordergrund.

Angesichts solch nachdrücklicher Überlegungen aus Washington D.C ergriff der SCAP-Stab die Gelegenheit und gab der Repatriierungsfrage vorrangigen Stellenwert. Unter Verwendung eines japanischen Memorandums vom 10. Januar 1946, das die Zahl der Deutschen in Japan auf 2.700 schätzte, gab der Stab am 21. Januar 1946 seine eigene informelle Gesamtzahl von 2.632 Deutschen an, von denen 2.409 eine Repatriierung nach Deutschland wünschten. Während die Quelle und Verläßlichkeit dieser Zahlen ein Mysterium bleiben, war die Entschlossenheit unverkennbar, diese unerwünschten Personen aus Japan zu entfernen. Das einzige Problem bestand in der Notwendigkeit, daß die Behörden in Deutschland ihre Zustimmung erteilen mußten.[18] Am 31. Januar 1946 befahl SCAP den Japanern, detaillierte Listen über alle Deutschen zu erstellen, mit Namen, Geschlecht, Adresse, Alter und Adressen deutscher Verwandter.[19] Der Bericht sollte bis zum 10. März 1946 vorliegen.

Bei verschiedenen Erörterungen sowohl mit dem Stab und den Japanern entdeckten die Amerikaner eine neue Zahl (811) bezüglich der Deutschen, die eine Repatriierung wünschten. Diese Zahl befanden sie für unzureichend und nicht akzeptabel. Ihrer Meinung nach wollte die Vereinte Generalstabsführung (JCS), daß die Mehrheit der Deutschen aus Japan entfernt würde. Der neuen Interpretation zufolge kamen für einen Verbleib in Japan nur die Deutschen in Betracht, die vor dem 1. Januar 1939 dauernd in Japan ansässig gewesen waren und selbst für ihren Unterhalt sorgen und damit dem Wohl Japans dienen konnten. Nur denjenigen, die schlüssig nachweisen konnten, daß sie beide Voraussetzungen erfüllten, sollte der Verbleib in Japan erlaubt werden.[20]

Obwohl die Japaner die vorgeschriebene Frist einhielten, klagten die Amerikaner am 5. Juni 1946 über zahlreiche Versäumnisse. Sie führten an, daß die Japaner 756 Personen nicht aufgeführt hatten, einschließlich vieler begeisterter Nationalsozialisten.[21]

General Douglas MacArthur begrüßt am 21. Juni 1950 John Foster Dulles, den republikanischen Berater des Außenministeriums an der Luftwaffen-Base Haneda, Tokio, Japan.[22]

Den verärgerten Amerikaner mißfielen auch andere, teils reale und teils formale Fehler. Die Japaner sollten die Liste bis 20. Juni 1946 berichtigen, es sollte keine Verzögerung geben.[23]

Während die Japaner ihre Berichtigung ausarbeiteten und der SCAP-Stab seine Vorbereitungen traf, stellten die JCS drei Kategorien zur Bestimmung der Mißliebigkeit der Deutschen auf:

"A" - die Deutschen, die nach dem 1. September 1939 nach Deutschland oder in von Deutschland kontrollierte Gebiete gereist waren;

"B" - alle Deutschen, die zu irgendeiner NS-Organisation gehört oder die deutschen Kriegsbemühungen unterstützt hatten (dazu wurden wissenschaftliche Forscher oder Wirtschaftsrepräsentanten gerechnet);

"C" - Personen, gegen die es keine Einwendungen gab und die nicht unter die ersten beiden Kategorien fielen.[24]

Zwar gaben diese Instruktionen dem SCAP nur wenig konkrete Anleitung, aber sie beendeten den Entscheidungsprozeß zugunsten einer Repatriierung. Durch das Zusammenlaufen so weit auseinanderliegender Aktivitäten wurde zwar die Verantwortlichkeit zwischen SCAP und JCS aufgeteilt, aber das Endziel blieb bestehen. Die Deutschen sollten Japan verlassen.

Bevor SCAP das Vorhaben durchführen konnte, verzögerten zwei zusätzliche Fragen den Ablauf. Angesichts der Tatsache, daß die Deutschen Feindstaaten angehörten und unterschiedlich viel Eigentum besaßen, hatte SCAP Bedenken bezüglich der Handhabung dieses Eigentums. Einerseits hatte man das ernste Dilemma, für dieses Eigentum verantwortlich zu sein, andererseits gab es rechtliche Bedenken bezüglich dem Besitzanspruch an den Gütern, Immobilien, Patenten usw. Am 13. September 1945 hatte SCAP alles feindliche Eigentum und alle Guthaben eingezogen und zugleich verlangt, alle derartigen Besitzrechte den japanischen Behörden zu melden.[25] Diese Aufzeichnungen ergaben deutsche Werte in Höhe von 1.178.900.000 Yen.[26] Nachdem SCAP das Eigentum aufgelistet und eingefroren hatte, brauchte man Hilfe, um schließlich Verfügungen über diese Werte zu treffen.

Die Richtlinien kamen aus Deutschland, wo die amerikanische Besatzungsmacht im November 1945 endlich ein Übertragungsgesetz erlassen hatte, das die Beschlagnahme von Eigentum regelte, das den nationalsozialistischen Führern und der NSDAP wie auch verschiedenen Regierungsabteilungen gehörte. Das Thema von Deutschlands überseeischem Besitz wurde nicht vor dem 18. Mai 1946 offiziell angesprochen, als das ursprüngliche Gesetz ergänzt wurde. Der erweiterten Regelung zufolge wurde SCAP Agent für die Kommission für deutschen Besitz im Ausland (German External Properties Commission). Diese Stellung legalisierte die Arbeit des Büros für Verwahrung von Zivileigentum, das SCAP am 8. März 1946 errichtet hatte, um deutsches und japanisches Eigentum zu verwalten. In diesem Rahmen schuf SCAP die Bilanz-Abteilung für feindliches Eigentum, um die Dispositionen bezüglich aller deutschen Guthaben, Verbindlichkeiten usw. zu dokumentieren, zu kontrollieren und zu überdenken.[27] Alle diese Verwaltungstätigkeiten und Angelegenheiten verzögerten die Repatriierung.

Ein weiteres Problem war, ob die Repatriierten zu Hause aufgenommen würden. SCAP hatte einen Massentransfer Anfang 1946 erhofft, aber die Verhandlungen in Deutschland erwiesen sich als schwierig und zogen sich in die Länge. Die Lebensbedingungen in Deutschland waren schwer und die Behörden wollten keine zusätzlichen Schwierigkeiten. Der kritische Mangel an Heizmaterial, Lebensmitteln und Wohnungen schloß eine Aufnahme weiterer Flüchtlinge vor dem Frühjahr 1947 aus.[28] Da viele der Rückkehrer weder nahe Verwandte noch eine Wohnung in ihrer Heimat hatten und mit den örtlichen Verhältnissen wenig vertraut waren, würden sie zu Problemfällen werden. Ein zweiter, für Juni 1946 geplanter Abgang kam nicht zustande, weil sich die vier Mächte in Deutschland nicht einigen konnten. Am 1. Oktober 1946 akzeptierten sie schließlich die Rückkehr der als mißliebig eingestuften Deutschen. Jetzt konnte SCAP diese Personen wegschaffen, die man als Sicherheitsrisiko für die japanische Besetzung ansah. Nach einer weiteren Durchsicht entschied SCAP, daß es 1.353 mißliebige Deutsche gab.[29] Die Auswahlkriterien beruhten auf der zweifelhaften Begriffsbestimmung der JCS-Kategorien.

Nachdem diese Fragen im wesentlichen gelöst waren, errichtete SCAP am 1. Dezember 1946 eine Repatriierungs-Abteilung in der 8. Armee. Unter Oberst Ernest T. Barco sollte sie die Deportation planen und durchführen. Aufgrund der Erfahrungen vom Rücktransport der asiatischen Volksangehörigen in ihre Heimat konnte sein Büro schnell vorankommen. Während japanische Behörden die Repatriierung durchführen sollten - Sammlung, Bearbeitung, Durchführung, Transport, Zollkontrolle und Bewachungsaufgaben für das Eigentum - sollte das Personal der 8. Armee die Operation überwachen und kontrollieren. Sie sollte auch verantwortlich sein für die Magazine mit dem beschlagnahmten und sichergestellten Eigentum und die Aufnahmezentren für den abschließenden Transport zu einem Schiff. Die Verfügbarkeit von Schiffskapazitäten blieb ein ungewisser Faktor, sollte aber die Vorbereitungen nicht verzögern.

Barko vergeudete keine Zeit, als er seine Aufgabe in Angriff nahm. Am 5. Dezember 1946 forderte er im Namen des kommandierenden Generals der 8. Armee, Generalleutnant Robert Eichelberger die zwei Armee-Korps I und IX zur Unterstützung an. Barco ersuchte um 13 höhere Offiziere, 117 Offiziere (Kompanie-Befehlshaber), 139 Soldaten und 110 Dolmetscher. Er listete die Orte der überwachten Magazine auf, spezifizierte den Aufenthalt der Deutschen und veranschlagte die Abreise für Januar 1947. Schließlich berief er am 18. Dezember eine zweitägige Konferenz ein.[30]

Bei dem Treffen ging er nochmals sorgfältig den Ablauf durch, skizzierte die speziellen Pflichten des japanischen Personals, die Kommandoaufgaben der höheren amerikanischen Offiziere, die Zuordnung der kleinen amerikanischen Teams und die Weisungen an die zu Repatriierenden.[31] Es war deutlich, daß er und sein kleiner Stab den Plan in sämtlichen Einzelheiten ausgearbeitet hatten.

Am 13. Januar 1947 löste die Nachricht, daß etwa am 28. Januar das Schiff Marine Devil in Yokohama ankommen sollte, noch mehr Betriebsamkeit aus. SCAP wies den zwei Korps für die Reise nach Bremerhaven Aufgaben für das Führungspersonal zu, einschließlich Wachen und medizinischen Fachleuten. Außerdem sollte die Zivileigentums-Verwaltung sieben Beobachter ernennen, um die Eigentumslisten zu kontrollieren.[32]

Das Umdirigieren der Marine Devil machte einen plötzlichen Wechsel auf die Marine Jumper notwendig, wodurch die erwartete Abfahrt auf den 14. Februar verzögert wurde. Der geänderte Zeitplan ließ es zu, einen kurzen Halt in Schanghai in Betracht zu ziehen, von wo die Amerikaner eine weitere Gruppe Deutscher mitnehmen wollten.[33] Unglücklicherweise hatte die Marine Jumper bereits Lasten und Gepäck von Passagieren geladen, was zugunsten einer neuen Verproviantierung für die längere Fahrt nach Bremerhaven ausgeladen werden mußte.

Während dieser Verzögerung erledigte Barco die administrativen Anforderungen und am 22. Januar 1947 stellte die 8. Armee den Marschbefehl Nr. 12 aus, der ein Übermaß an Anweisungen für jedermann enthielt.

Den Amerikanern oblag das Kommando und die Kontrolle, sie formten 89 Aufsichtsgruppen zu je 3 Mann mit 6 Einheiten zu 6 Mann, die Sammel-Magazine errichten sollten (Kagohara, Kurihama, Tokio, und Kobe) und für die materiellen Bedürfnisse zu sorgen hatten.

Die Japaner sollten für die Inventarlisten und die Verwahrung, Bearbeitung, Verpackung und Einschiffung der Transportgüter das nötige Arbeitspersonal stellen, sie sollten alle Rückkehrer und ihr persönliches Gepäck nach Urage transportieren und alle Rationen für den Transport und die Zollinspektionen abwickeln. Sie sollten auch die ganzen Kosten tragen.

In dem Befehl waren auch die Anweisungen für die Deportation der Deutschen zusammengestellt. Die Anweisungen waren auf englisch, japanisch und deutsch. Die deutsche Übersetzung war in Befehlston abgefaßt und enthielt einige Fehler. Sie begann mit den Worten: "Es wurde Befehl für Ihre Repatriierung erteilt." Dann gaben die Anweisungen in militärischen Wendungen ein ungefähres Abreisedatum bekannt, sowie die Tatsache, daß die Japaner die Operation unter amerikanischer Aufsicht durchführen würden, sowie die Gepäck-Menge (350 Pfund pro Person oder 1.500 Pfund pro Familie).

Die finanziellen Restriktionen waren ebenso bestimmt. Ungeachtet von Stellung, Reichtum oder Besitz durfte jeder Erwachsene zwei Uhren, eine Kamera, zwei Halsbänder und zwei Armbänder mitnehmen. Andere Wertgegenstände oder Edelmetalle in Barren waren nicht erlaubt. Der englischen Version zufolge durfte jeder 50 $ mitnehmen, die deutsche Übersetzung bot 750 Yen als Alternative. Auf jeden Fall mußte das Geld in Deutschland in Mark umgewechselt werden. Deutschen mit Eigentum sollte ein bewaffneter japanischer Verwalter für dieses Eigentum beigeordnet werden. Dieser war an Ort und Stelle der Führung des amerikanischen Aufsichtsteams zugeordnet, was die Inventaraufnahme erleichtern sollte. Auf jeden Fall sollte sich der Verwalter vor Ort begeben und dort leben, und alles Eigentum in Verwahrung nehmen und es bewachen. Die Rückkehrer konnten zwei Listen mit ihrem Besitz aufstellen: 1) Kleine Gegenstände von hohem tatsächlichem Wert und 2) bewegliche Habe. Die Gruppen sollten die Richtigkeit aller Erklärungen prüfen und über den zur Lagerung bestimmten Besitz entscheiden, und Quittungen ausstellen.[34]

Wegen der Verzögerung des Schiffes begannen am 30. Januar 1947 die Inspektionen der Unterkünfte, aber ohne daß ein Abreisedatum festgesetzt wurde.

Die Marine Jumper, die nach dem Zweiten Weltkrieg
für die Deportation "mißliebiger" Deutscher
aus Japan benutzt wurde.
[35]

Am 6. Februar informierte die 8. Armee die japanischen Behörden, daß der Transport zwei Tage später anlaufen sollte. Diese Ankündigung gab ihnen 24 Stunden, um die Rückkehrer über irgendwelche noch verbliebenen Notwendigkeiten zu informieren und sie zu den Verladepunkten zu transportieren. Trotz der früher erfolgten Team-Besuche hatten viele Deutsche nicht an eine Zwangsdeportation geglaubt. Es war eine unliebsame Überraschung. Die Japaner holten sie meist auf schmutzigen offenen Lastern mit bewaffneten Polizeiwachen ab und fuhren sie durch die Straßen der Stadt. Die ansonsten ruhigen Japaner schrieen ihnen oft "Verlierer" und "gut, daß wir sie los sind" nach. An den Bahnhöfen bestiegen sie Züge, die zu bestimmten Aufnahmelagern fuhren. Dort war Appell und sie wählten Gruppenführer als ihre Repräsentanten gegenüber den Behörden. Japanische Ärzte kontrollierten sie auf ansteckende Krankheiten und den allgemeinen Gesundheitszustand. Nachdem sie ein ärztliches Attest erhalten hatten, durften sie sich ausruhen. Um 6.30 Uhr des nächsten Tages stiegen sie wieder auf Laster und wurden zum Repatriierungs-Zentrum in Urage gebracht, wo eine Zollkontrolle stattfand, all ihr Handgepäck gewogen wurde und eine Leibesvisitation erfolgte, um versteckte Wertgegenstände zu finden.[36]

Nachdem diese Vorbereitungen absolviert waren, bestiegen die Rückkehrer Leichter, die sie zur Marine Jumper übersetzten. An Bord des Schiffes kommandierte Oberst Charles Arny 13 Armeeoffiziere, fünf Krankenschwestern und 56 gemeine Soldaten. Diese Mannschaft war für Gesundheits- und Sicherheitsfragen verantwortlich. Die Rückkehrer sollten als Köche, Reinigungs- und Küchenpersonal usw. arbeiten und Hilfsdienste verrichten. Sie sollten je nach ihren Kenntnissen die verschiedenen anfallenden Aufgaben übernehmen.

Unmittelbare ernste Sorge bereitete der Schiffsladen, der die kleinen unentbehrlichen Dinge verkaufte, aber nur gegen US-Währung. Da die Behörden in Urage alle amerikanischen Devisen beschlagnahmte hatten, war es für die Deutschen schwer, mit ihren Hilfsmitteln zurechtzukommen. Es war ein armseliges Unterfangen. Am 15. Februar stach die Marine Jumper mit 536 Männern, 306 Frauen und 226 Kindern in See.[37]

Das Schiff steuerte von Japan nach Schanghai. Dort verbrachte es nur kurze Zeit, offenbar um gewisse Kriegsverbrecher aufzunehmen, bevor sie dann nach Deutschland steuerte.[38] Mit ein paar zusätzlichen Deutschen aus China legte die Marine Jumper am 20. Februar ab mit Kurs auf Bremerhaven.

Die Deutschen an Bord des Schiffes begannen, sich für die lange Reise einzurichten. In Anbetracht ihres unglücklichen Schicksals ertrugen sie ihre Lage stoisch. Aufgeteilt auf neun verschiedene Lebensbereiche bewältigten sie ihr Schicksal. Sie organisierten Musikkonzerte, Skatspiele, Schachtourniere, Bildungsvorträge, Sprachkurse und eine Fülle von Aktivitäten. Sie waren emsig. Jeden Tag stellten die Amerikaner sicher, daß alles in Ordnung war (und gaben bestimmte Privilegien für Haushaltsarbeiten). Die amerikanische Besatzung lieferte auch Filmvorführungen (mit Bewertung!) wie auch andere Formen von Schiffsunterhaltung.[39]

Es gab wenig Zwischenfälle, weil die Menschen, sei es durch Angst vor der Zukunft oder den Schock über ihre Abreise, meist still und zurückhaltend waren. Das reichliche Essen übertraf bei weitem die Erwartungen der Deutschen, die mehr bekamen, als sie essen konnten.

Sie erreichten am 23. März 1947 Bremerhaven.

Amerikanische Soldaten beschlagnahmten alle Geldbeträge, bevor die Deportierten per Zug nach Ludwigsburg geschafft wurden. Nachdem sie im Lager waren, durchliefen sie einen langwierigen Prüfungsprozeß. Im wesentlichen suchten die Befrager überzeugte Nationalsozialisten. Sie konnten nicht immer das Ausmaß des Partei-Engagements feststellen und neigten dazu, alle in einen Topf zu werfen. Für die meisten Rückkehrer dauerten die Befragungen und das Ausfüllen von Formularen bezüglich politischer Mitgliedschaften, Aktivitäten usw. drei Wochen. Mit einigen Ausnahmen entließen dann die Amerikaner die Rückkehrer, die sich nun selbst durchschlagen mußten. Die vielfältigen Erfahrungen bei ihrer Ankunft in Deutschland waren schwierig und voller Schmerz, Leiden und Ungewißheit.[40]

In Japan ordnete SCAP eine weitere Durchsicht der verbliebenen Nationalitäten an. Etwa 800 Deutsche sollten noch zurückgebracht werden. Beim früheren Durchgang für den ersten Transport waren verschiedene Personen der Repatriierung entgangen. Es handelte sich dabei größtenteils um Mitglieder religiöser Orden, seit langem in Japan wohnende Personen (die, aus verschiedenen Gründen, die Marine Jumper verpaßt hatten), Personen mit komplizierter Staatsbürgerschaft (doppelter, von denen eine den Vereinten Nationen angehörte) und Familien von Deutschen, die von den holländischen Kolonien evakuiert worden waren. Die letzteren, die jetzt fast die Hälfte der verbliebenen Deutschen ausmachten, waren 1942[41] eiligst von den früher holländischen Kolonien nach Japan evakuiert worden. Sie hatten als Bedürftige von japanischer Wohlfahrt gelebt. Sie stellten eine ernste humanitäre Herausforderung dar, da sie ohne Geldmittel, Sprachkenntnisse oder gefragte Fähigkeiten waren. Sie hatten durch Tausch ihrer geringen Habe überlebt bzw. durch Diebstahl oder indem sie ihre Kinder betteln ließen. Für diese Gruppe blieb kaum eine andere Wahl, als nach Deutschland zurückzukehren, was mit dem Interesse von SCAP zusammenfiel, die Deutschen aus Japan zu entfernen.[42]

Auch die deutschen Diplomaten waren noch da. Sie besaßen aufgrund des internationalen Rechts gewisse Privilegien. Zudem hatten ihnen die Japaner verschiedene Vorteile eingeräumt, die ihnen SCAP nicht so leicht nehmen konnte. Trotzdem wollten die Amerikaner, daß sie mit dem nächsten Schiff nach Hause fuhren.[43] Bevor jedoch irgend etwas in Gang gesetzt werden konnte, brauchte SCAP die Billigung aus Europa für die Aufnahme der Deutschen. Die Lebensbedingungen waren in Deutschland weiterhin armselig, und die zunehmenden Unstimmigkeiten zwischen den ehemaligen Alliierten erschwerten Transporte.[44]

Dazu kam, daß die Familien aus den holländischen Kolonien ein moralisches Dilemma darstellten. Sie hatten kein Eigentum, lebten von japanischer Barmherzigkeit und die meisten von ihnen wollten nach Deutschland zurückkehren (die Gratisfahrkarte war ein nicht unwesentlicher Antrieb). Der Schriftwechsel zwischen den amerikanischen Besatzungsbehörden ging hin und her, und alle kämpften mit der Bewältigung der Probleme.[45] SCAP sollte etwa 140 Diplomaten und 198 Mißliebige transportieren. Die Anzahl der Flüchtlinge war ungewiß.

Bis Juli 1947 wurde dem SCAP die Aufnahme glaubwürdig zugesichert, und der Ablauf konnte weitergehen. SCAP gab Anweisungen an die japanischen Behörden heraus, in denen die frühere Vorgehensweise wiederholt wurde. Obwohl die Befehle weniger nachdrücklich waren, berücksichtigten sie nicht die Änderungen, die nach der früheren Überprüfung des ersten Transportes empfohlen worden waren. Die Währungsregelung erlaubte jetzt 50 $ in jeder anderen Währung als Yen, aber alle anderen Beschränkungen blieben gleich. Die Diplomaten durften 250 $ und 8.000 Pfund persönliche Habe mitnehmen, konnten aber beim Verlassen des Schiffes in Deutschland nur mit der Abwicklung von 500 Pfund rechnen.[46]

Alles lief entsprechend den Organisationsrichtlinien ab, und die Rückkehrer gingen am 19. August 1947 an Bord der General Black. Der Kommandeur des Transports, Oberst Douglas Pamplin, hatte 18 Offiziere, 42 gemeine Soldaten und fünf Krankenschwestern für Kontrollaufgaben sowie zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Gesundheit bereitgestellt. Angesichts dieser begrenzten Anzahl sollten die Heimkehrer die Arbeitskräfte stellen. Die Diplomaten erhielten die wenigen Kajüten und hatten keine Dienstpflichten. Alle anderen lebten in den Mannschaftsräumen

Die General Black verließ Yokohama am 20. August mit Kurs auf Schanghai. Es waren 806 Passagiere an Bord. Sie bleiben neun Tage in dem chinesischen Hafen, da weitere 514 Deutsche aufgenommen und ein Taifun abgewartet wurde. Am 1. September ging es dann los. Oberst Pamplin war antideutsch eingestellt und verbot jeglichen Austausch zwischen Amerikanern und Deutschen. Angesichts der vielen Kinder und der unangenehmen Hitze an Bord des Schiffes wurden seine Anweisungen aber wenig beachtet. Die Mannschaft verkaufte oder schenkte den Deutschen Nahrungsmittel und Zigaretten, die von den Deutschen sorgfältig in die Kleidung eingenäht wurden. Sie hatten von der Zigaretten-Wirtschaft in Deutschland gehört. Die General Black dockte am 1. Oktober 1947 in Bremerhaven an.[47]

Dort hatten die Aufnahmebehörden große Schwierigkeiten. Sie stellten fest, daß die "Mißliebigen" (Politischen) nicht von den anderen getrennt worden waren, daß das Gepäck nicht nach Besatzungszonen getrennt worden war, und daß die Personalakten erst zwei Wochen nach dem Schiff ankamen (mit normaler Post anstatt mit direkter Luftpost). Infolgedessen sandte das Empfangsbüro alle Deportierten nach Ludwigsburg, anstatt sie auf verschiedene Orte zu verteilen. Das bewirkte für alle Chaos und Unannehmlichkeiten. Es gab weder genug Nahrungsmittel, noch gab es genügend Decken und Betten. Die Verhältnisse waren schlimm. Die Behörden sandten ein harsches Kommuniqué an SCAP, der die Probleme beheben sollte.[48]

Aufgrund bürokratischer Gedankenlosigkeit und Fehler hatte SCAP immer noch 28 "beanstandete" Deutsche in Japan. Angesichts der kleinen Zahl und der Verschiffungsprobleme arrangierte SCAP, daß sie nach Deutschland geflogen wurden. Da man bei einem Flug über die USA juristische Probleme befürchtete, wählte man eine Pan-American-Route: Tokio - Kalkutta - Istanbul - Frankfurt. Mit Geldmitteln, die früher von der deutschen Botschaft beschlagnahmt worden waren, wurden die Kosten für die Deutschen und ihre Wachen gedeckt.[49]

Als diese Mißliebigen am 4. April 1948 in Deutschland landeten, war damit die Deportationsphase der Repatriierung abgeschlossen. SCAP übernahm keine Verantwortung für die in Japan verbliebenen Deutschen. Jedoch verblieb die Frage des Transports und des in Verwahrung genommenen beschlagnahmten und eingelagerten Eigentums ungelöst.

Sobald die von der Marine Jumper Deportierten einigermaßen geordnete Verhältnisse erlangt hatten, wandten sie sich wegen ihres Eigentums an die amerikanischen Besatzungsbüros, stießen aber überall auf eine unwissende und desinteressierte Bürokratie. Angesichts ihres geringen Status bei ihrer Ankunft, ihrer beschlagnahmten Geldmittel und ihrer langen Abwesenheit von Deutschland konnten sie zwar protestieren, aber ohne Erfolg. Viele von ihnen scharten sich um Johann Lipporte, der auch ein Rückkehrer war, vorzüglich Englisch sprach und in Ludwigsburg wohnte. Seine Bemühungen, die General Black in Bremerhaven zu treffen, um eine Freigabe der eingezogenen Geldmittel und Klarheit über das Eigentum der Repatriierten zu erlangen, bewirkten nichts.[50] Die amerikanischen Besatzungsvertreter erklärten, daß alle in Japan gemachten Versprechungen in Deutschland keine Geltung hätten. Lipporte organisierte eine Briefkampagne und unterhielt Kontakt mit den militärischen Claims-Büros. Er brachte auch den "Ostasiatischen Verein" mit in den Streit ein. Aber sie erreichten nichts, außer etwas Schuldgefühl bei ein paar Offizieren wegen der juristischen und menschlichen Unzulänglichkeiten.[51]

Am 14. März 1948 verkündete die von den Amerikanern lizenzierte Japan Times and Advertiser die bevorstehende Liquidierung deutschen Eigentums. Auf der ersten Auktion in Tokio gab es dreißig Klaviere, vier Automobile, Möbel, Kuriositäten (Souvenirs) und Kleidung usw. Die akkreditierten Käufer waren Besatzungspersonal und lizenzierte Handelsvertreter.[52] Die Ankündigung ließ erkennen, daß die Auktion die erste von vielen sein würde - alles verkäufliche deutsche Eigentum sollte liquidiert werden.

Lipporte protestierte gegen die Aktion, wies die Eigentumsquittungen seiner Gefährten vor und forderte, die Aktion zu stoppen. Aber alle Bemühungen waren ohne Erfolg.

Anmerkung der Redaktion

Dies ist der erste Teil von Dr. Burdicks Beitrag. Der zweite Teil behandelt die diesbezüglichen fruchtlosen Diskussionen, die letztendlich nur veranschaulichen, daß auch in diesem Falle Macht vor Recht ging, der Sieger sich alles erlauben konnte und der Besiegte sich fügen mußte - wer dies nicht tat, durfte sich in einem Netz bürokratischer Unzuständigkeit und Weiterverweisung mit dem gleichen Endergebnis abstrampeln: die Versteigerungen deutschen Eigentums gingen bis 1953 weiter. Als nichts mehr gegen Dollar an die Amerikaner verkauft werden konnte, durften die Japaner mit Yen mitbieten. Die Amerikaner hatten bereits entschieden, daß es keinen Grund gab, eine Entschädigung für den enteigneten deutschen Besitz in Betracht zu ziehe, und sahen auch keine Veranlassung, hierüber zu informieren.[53]

Nachdem fast alles veräußerbare Eigentum unter den Hammer gekommen war, durfte die inzwischen wiedererrichtete deutsche Botschaft im Mai 1954 die letzten, meist unverkaufbaren Andenken - Fotoalben, Tagebücher und persönliche Papiere - nach Deutschland verschicken, wo Lipportes Ostasiatischer Verein sich auf die Suche nach den Eigentümern machte.

In einem Fall hatte ein Deutscher versucht, sein Eigentum durch einen Zivilprozeß gegen die japanische Regierung zurückzuerhalten. Auch diese Bemühungen waren erfolglos -- nicht zuletzt deshalb, weil sich die westdeutsche Regierung gegenüber den Siegermächten verpflichtet hatte, keine Ansprüche auf beschlagnahmtes deutsche Werte in Übersee geltend zu machen. Der Enteignete mußte zu seinem Verlust auch noch die Kosten des Rechtsstreits tragen.

Auch die Rehabilitierung der vom Begriff "mißliebig" ("objectionable") Umfaßten beschränkte sich auf 8 Fälle. Die diesbezüglichen Bemühungen des deutschen Außenministeriums waren halbherzig und zum Scheitern verurteilt.

Die amerikanische Vorgehensweise hat sich seit 1945 offensichtlich nicht im geringsten geändert, wie das Beispiel Irak im Jahre 2003 zeigt: Die militärische Kriegführung wird von einer Propagandakampagne begleitet, die das Ausschalten des Gegners zur "Befreiung" deklariert, die Sieger setzen unter Verstoß gegen das völkerrechtliche Verbot, in die inneren Angelegenheiten einer besetzten Nation einzugreifen, eine ihnen genehme Satrapen-Regierung ein, die dann alles absegnet, was die Sieger tun. Die legitimen bisherigen Machthaber werden wie Verbrecher behandelt, obgleich sei ja nicht amerikanischer Gesetzgebung unterworfen waren und es auch unerfindlich ist, gegen welches US-Gesetz sie verstoßen haben sollten - ihr "Verbrechen" besteht letztlich darin, sich den Interessen der USA widersetzt oder auch nur im Wege gestanden zu haben. Auf dieser Grundlage werden dann Steckbriefe und "Haftbefehle" ausgestellt.

Die Begleitumstände der US-Machtübernahme im Irak - Plünderung der Museen und des Privatbesitzes, die rechtlose Stellung der "Kriegsgefangenen"; obwohl der Krieg offiziell als beendet erklärt worden ist, die Entwertung des Geldes und dessen Neuherausgabe - all dies bietet vielfache Parallelen zur alliierten Vorgehensweise gegen Deutschland 1945 und verdient schon aus diesem Grund eine nähere Betrachtung.


Anmerkungen

Zuerst veröffentlicht unter "The Expulsion of Germans from Japan, 1947-1948" in The Revisionist 1(2) 82003) S. 156-165; Charles Burdick war Prof. em. (Geschichte) an der San Joes State University in California. Er starb 1998. Übersetzt von Patricia Willms.

[1]United States, Department of State, Foreign Relations of the United States. The Conference of Berlin (Potsdam Conference) 1945 (Washington, D.C.: Government Printing Office, 1960) (im Folgenden FRUS), Bd. II 1475-1476.
[2]Merion und Susie Harris, Sheathing the Sword: The Demilitarization of Japan (New York: Macmillan, 1987), S. 23.
[3]In Europa war General Dwight Eisenhower Kommandeur der "Supreme Headquarters, Allied Expeditionary Force" (SHEAF). Der abweichende Titel war eine ernste Angelegenheit, die in Japan viel Kritik auslöste. John M. Allison, Ambassador from the Prairie (Tokyo: Charles Tuttle, 1973), S. 143
[4]Hugh Borton, American Presurrender Planning for Postwar Japan (New York,: Columbia University, 1967). Einen interessanten Bericht gibt Leon V. Sigal, Fighting to a Finish: The Politics of War Termination in the United States and Japan, 1945 (Ithaca: Cornell University, 1988).
[5]Die alliierten Mächte schufen im Dezember 1945 zwei Regierungsgremien: die Fernost-Kommission und den Alliierten Rat für Japan. Ursprünglich hatten die Diplomaten eine Art kollektive Führung angestrebt, diese Einstellung wurde aber von General MacArthur nicht geteilt. Ein Teil der Frustration in diesem Gerangel um Einfluß und Macht wird beschrieben in Roger Buckley: Occupation Diplomacy: Britain, the United States and Japan, 1945-1952 (Cambridge University, 1982) Siehe auch George H. Blakeslee, The Far Eastern Commission: a Study in International Cooperation, 1945 to 1952 (Washington, D.C. Department of State, 1953).
[6]Sie waren oft in einem besonderen Jargon abgefaßt, der teils aus scharfen militärischen Direktiven bestand und teils aus beschwichtigender ziviler Überredung, was von vielen "scapanise" genannt wurde. Henry E. Wildes, Typhoon in Tokyo: The Occupation ant Its Aftermath (New York: Macmillan, 1954), 1.
[7]Eine Erörterung der legalen Grundlage für diese Aktionen bei Nisuke Ando, Surrender, Occupation, and Private Property in International Law: an Evaluation of US Practice in Japan (Oxford: Clarendon Press, 1991). Nützliche Studien über die Besetzung sind Richard B. Finn, Winners in Peace: MacArthur, Yoshida, and Postwar Japan (Berkeley: University of California, 1992); John M.Maki "United States Initial Post-surrender Policy for Japan," in Han-Kyo Kim, Hg.., Essays on Modern Politics and History: Written in Honor of Harold M. Vinacke (Athens, Ohio: Ohio University Press, 1969), 30-56. Das Hauptwerk über MacArthur ist D. Clayton James, The Years of MacArthur, Bd. 3, Triumph and Disaster, 1945-1964 (Boston: Houghton Mifflin, 1985).
[8]SCAP Instruktionen an die japanische Regierung (im Folgenden SCAPIN) 217: Definition von "Vereinte Nationen," und "Feindstaaten," 31. Oktober 1945. National Archives (im Folgenden NA, Record Group (im Folgenden RG) 331, Box 3.
[9]Ein ausführlicherer Bericht über diese Aktivitäten bei: Supreme Commander for the Allied Powers, General Headquarters, Statistics and Reports Section, "History of the Non-Military Activities of the Occupation of Japan," Bd. 17, "treatment of Foreign Nationals," 1-15. NA, RG 331, Box 2. Man beachte auch Eric H. F. Svensson, "The Military Occupation of Japan. The First Years Planning, Policy Formulation, and Reforms" PhD dissertation, University of Denver, 1966), 144-157.
[10]Nach einigen langwierigen Diskussionen erlaubte SCAP der italienischen Regierung, ein Schiff zu schicken, das im April 1947 alle Italiener mit nach Hause nahm. "Treatment of Foreign Nationals," 61-62. CINCAFPAC an WARCOS, 2. Oktober 1946. MacArthur Memorial, (im Folgenden MM). Norfolk, Virginia, RG-9, Funktelegramme, WD abgehend. Edward J. Boone Jr. war mir mit diesen Akten sehr behilflich.
[11]Diese Zahlen stammen von einem späteren Bericht der deutschen Vertretung in Japan. Ber. Nr. 237/53, 24. März 1953, Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (im Folgenden AA), Tokio, Bd. 6662. Maria Keipert war mir bei meiner Forschung sehr behilflich.
[12]Eine Beschreibung durch einen Diplomaten ist Erwin Wickert, Mut und Übermut. Geschichten aus meinem Leben (Stuttgart: Deutsche Verlags Anstalt, 1992), 436f. Siehe auch sein Der fremde Osten: China und Japan gestern und heute (Stuttgart : Deutsche Verlags Anstalt 1968) 286=-334. Tag-für-Tag-Aufzeichnungen in Paul Werner Vemehren, "Kriegstagebuch" Bundesarchiv Militärarchiv. Das menschliche Leid war schlimm. Die Bombardierungen, engen Wohnverhältnisse, Transportprobleme, Nahrungsmittelmangel machten die Beschränkungen schwierig. Brief von Reiner Jordan, 6. März 1993, Brief von Margot Lenigk, 13.4.93. Siehe auch Thomas R. H. Havens, Valley of Darkness: The Japanese People and World War Two (New York: W.W. Norton, 1978).
[13]Central Liaison Office an SCAP, 10. Januar 1946, NA RG, 160, Box 449.
[14]Briefe von Reiner Jordan, 15.3.93, 20.3.93; Brief von Margot Lenigk, 15.4.93, Brief von Ursula Reinhard, April 1993; Jürgen Lehmann, Zur Geschichte der deutschen Schule Kobe (Tokyo: Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, 1988, 4-48. Siehe auch Helmut Krajewicz "Das Kriegsende in Japan am Fuße des Fujuyama", Vierteljahresschrift der Vereinigung Deutscher Auslandsbeamten e.V. (3-4/90), 167-172.
[15]Hans H. Baerwald, The Purge of Japanese Leaders under the Occupation (Berkeley, University of California, 1959) bleibt eine gute Abhandlung. Harris and Harris, Sheathing the Sword, Kap. 5, gibt eine lebhafte Darstellung.
[16]Joint Chiefs of Staff an CINCAFOAC, WARX 875m 7. Dezember 1945, NA, RG 319, Box 507.
[17]Civil Affairs Divisions Operations an CINCAFPAC, WARX 88430, 12. Dezember 1945. NA, RG 319, Box 507.
[18]Memo für die Akten (AG), 30. Januar 1946. NA, RG 260, Box 449: Washington an USFET, 24. Januar 1946. MM, RG-9: Funktelegramme W.D.
[19]SCAPIN 686: Repatriation of German Nationals in Japan, 31. Januar 1947. NA, RG 331, Box 3. SCAP veröffentlichte im folgenden ein langes Kompendium mit über 800 SCAPINS. Nur zwei davon erwähnen die Deutschen.
[20]SCAPIN 769: Repatriation of German Nationals and Nationals who claim Austrian or Czechoslovakian Citizenship now in Japan, 23. Februar 1946. NA, RG 260, Box 449.
[21]Ein Großteil des Forschungsmaterials und des Zündstoffes für diese frühen Bemühungen gehen auf die Aktivitäten des militärischen Geheimdienstes in Japan zurück. Die 441 CIC Abteilungen mit über fünfzig kleinen untergeordneten Einheiten hatten die Aufgabe, die Verdächtigen aufzuspüren. Die Zuständigkeit und Kompetenzen dieser Einheiten waren nicht deutlich umrissen und es fehlte eine sorgfältige Kontrolle. Sie genossen 1945-46 große Autorität und Freiheit. Siehe "History of the Counter Intelligence Corps," Vol. XXVIII, "CIC in the Occupation of Japan" (Baltimore: US Army Intelligence Center, 1960). Eine der Hauptquellen für diese Studie "Representative History of CIC Activities in the Occupation of Japan (Sep 1 1945 to 1948)" ist aus den Akten verschwunden. Brief von John Allshouse, Federal Records Center- Kansas City, 16.Juli 1992. Die Abwehr-Aufzeichnungen sind fragmentarisch und schwer verwertbar. Brief von Jane B. Sealock, US Army Intelligence and Security Command, Fort George G. Meade, MC 30. März 1992.
[22]www.trumanlibrary.org/whistlestop/archive/photos/67_7376.htm
[23]SCAPIN, 1000: Repatriation of German Nationals, 5. Juni 1946. NA, RG 331, Box 3. Die Japaner listeten in der Folge 2.679 Deutsche auf, davon 1191 Familienoberhäupter mit 1488 Familienangehörigen. Die Alliierten Besatzungsmächte in Deutschland hatten ausführliche Listen über NSDAP-Mitglieder in Japan zur Verfügung gestellt. Diese Listen, die aufgrund der eroberten Parteiakten erstellt worden waren, enthielten detaillierte Personenangaben wie auch die Adresse in Japan. Brief und Material von David Marwell, Berlin Documents Center, 16. April 1993.
[24]Funkspruch WCL 25844 an SCAP, 5.Dezember 1945, MM, RG-9: Funktelegramme, W.D.; 10 Information and Historical Service Headquarters Eighth Army, "Special Staff Study of the Repatriation of German Nationals from Japan"( 6. Juni 1947), Center of Military History, Department of the Army, Washington, D.C. Diese kurze Studie, die direkt nach Abschluß der Repatriierung vollendet wurde, enthält wertvolles Material wie auch einige Fehler.
[25]SCAPIN 26: Protection of Allied and Axis Property, 13. September 1945. Am 2. Oktober 1945 lockerte SCAP diese Kontrollen ein bißchen und erlaubte Familien, für die Lebensführung und Steuerzahlungen etwas persönliche Geldmittel zu benutzen. SCAPIN 87: Authorization No 1, Living Expense Allowances to Axis Nationals Domiciled in Japan, 2. Oktober 1945. NA, RG 331, Box 3.
[26]Supreme Commander for the Allied Powers, General Headquarters, Statistics and Reports Section, "History of the Non-Military Activities of the Occupation of Japan," Monograph 21, "Foreign Property Administration," 106. NA, RG 331, Box 2. Von der Gesamtsumme gehörten Privatpersonen 115.080.000 Yen; Firmen beanspruchten 286.362.000 Yen; amtliche deutsche Stellen besaßen 764.482.000 Yen, und sonstige hatten 13.002.000 Yen. Ibid.
[27]Supreme Commander for the Allied Powers, Vested Assets in Japan. Final Report of Trusteeship 9n.p., 28. April 1952), Teil XI. Library of Congress, Washington, D.C. Dieser Bericht ist wertvoll, weil die meisten Dokumente falsch abgelegt oder vernichtet wurden. Ich bin Marin T. Hanna und ihren Kollegen von den National Archives für ihre ausgiebige Suche nach diesen Akten zu Dank verbunden.
[28]Telegramm der Militärregierung in Deutschland an SCAP Pacific, 11. Oktober 1946. NA, RG 260, Box 141.
[29]SCAP "Treatment of Foreign Nationals," 52-53; Kabel von OMGUS an CINCAFPAC, 5. Nov 46. MM, file RG-9: Funktelegramme, State Department.
[30]Brief an die Kommandierenden Generäle des I. und IX. Korps, 5. Dezember 1946. NA, RG 94, Box 2726. Barco hatte ein klares Bild von den Ansichten der Vereinigten Stabsführung (JCS), da im Oktober eine ausgiebige Korrespondenz zwischen SCAP und diesem Kommando stattgefunden hatte. Diese Nachrichten befinden sich in MM, RG-9: Funktelegramme, WD out.
[31]Agenda, Reparation Konference, 18. Dezember 1946, mit Beilagen. NA, RG 94, Box 2726.
[32]SCAP an den Kom.Gen. der 8. Armee, 13. January 1947 in Administrative Papers of G-1 Reparation Section, Center of Military History, Department of the Army, Washington, D.C.
[33]Die Repatriierung hatte in China viel früher begonnen, war aber nur langsam vorangekommen. Berichte über die Deportation finden sich in Klaus Mehnert, Ein Deutscher in der Welt. Erinnerungen 1906-1981(Frankfurt am Main: Fischer, 1983), 324-336; Karl H. Abshagen, Im Lande Arimasen (Stuttgart: Deutscher Verlag, 1948), 347-374.
[34]Hauptquartier Achte Armee, Marschbefehl Nr. 12, 22. Januar 1947. NA, RG 94, Box 2726. Es gab einige Probleme aufgrund gemischter Ehen. Wenn sich eine japanische Frau dafür entschied, in Japan zu bleiben, durfte sie das, aber nur mit dem Eigentum, das sie schon vor der Ehe besaß. Alles nach der Eheschließung erworbene Eigentum fiel unter die gleiche Regelung.
[35]www.veteransearch.homestead.com/files/Liberty_Ship_Marine_Jumper _1945.jpg
[36]Diese Beschreibung entstammt dem 10th Information and Historical Service, "Special Staff Study," und seinem Anhang Nr. 1, "Interrogation of Repatriated German Nationals". Letztere war die freiwillige Beantwortung eines Fragebogens, der direkt vor der Einschiffung ausgegeben worden war.
[37]Die verminderte Anzahl beruhte auf der Aussonderung von Kranken und Gebrechlichen sowie der Entscheidung, keine Diplomaten mitzunehmen, außerdem auf verwaltungsmäßigem Durcheinander. Andererseits fanden einige Deutsche, die im Gefängnis von Sugamo eingesperrt waren, kein Unterkommen auf dem Schiff. Siehe auch Friedrich J. Klahn, Hg.., Kapn,. Kolhabach: Der Blockadebrecher mit der glücklichen Hand (Biberach: Koehlers Verlag, 1958), 220-222.
[38]Da China ein Verbündeter war, lag die deutsche Frage anders als in Japan. Trotzdem waren die Chinesen aus unbekannten Gründen bei der Deportation der Deutschen wenig behilflich. Ihre mangelnde Kooperation führte zu einem starken Protest seitens des US-Außenministeriums. Das "Fiasko" war für die alliierten Mächte sehr störend. Washington (Acheson) an SCAP, 10. März 1947. MM, RG-9: Funktelegramme, State Department.
[39]"Jumper Journal." Die vervielfältigte Schiffszeitung informierte über Weltereignisse wie auch über Aktivitäten an Bord. Reiner Jordan teilte mir seine Daten über die Publikation mit. Brief von Heinrich Pahls, 15. April 1993; Brief von Wilhelm Osterfeld, 28.Februar 1993.
[40]Siehe Dietrich Seckel, Schriften-Verzeichnis. Mit einem autobiographischem Essay. Mein Weg zur Kunst Ostasiens (Frankfurt.a.M.: Hang & Herchen, 1981), 94-96. Die vollständigen Formulare befinden sich in NA, RG 338, Boxes 669-674.
[41]Die Holländer und die Engländer verbrachten die deutschen Männer mit ihren Streitkräften nach Indien. Diese Aktion führte am 20. Januar 1942 zu einem großen Unglück, als die Japaner das holländische Schiff van Imhoff im indischen Ozean bombardierten. Die holländische Mannschaft nahm die wenigen Rettungsboote und überließ die Deutschen ihrem Schicksal. Dann erschien ein holländisches Rettungsschiff, Bollongan am Schauplatz, weigerte sich aber, irgendwelche Deutsche aufzunehmen. 411 Deutsche kamen um. Diejenigen, welche die Evakuierung überlebt hatten, wurden in Internierungslager in Dehra Dun, Indien verbracht. Sie kehrten 1946 nach Hause zurück. Das tragische Geschehen ist beschrieben bei C.Van Heekeren, Batavia Seint Berlyn (Den Haag: Bert Bakker, 1967) 159-371, Erich Klappert, Erlebnisse (Klappert, 1978) 46-50. C. Towen-Bouwsma und Margot Lenigk beschafften dieses Material. Brief von Ursula Reinhard, April 1993.
[42]CINCFE an MOGUS, WAR, 6.August 1947. MM, RG-9: Funktelegramme, abgehend. Bericht von Margot Lenigk, May 25, 1993.
[43]Wickert, Mut und Übermut, 480-482: H.G. Stahmer, Japans Niederlage-Asiens Sieg: Aufsteig eines größeren Ostasien (Bielefeld: Deutscher Heimat Verlag, 1952), 192-195.
[44]Wegen der Diplomaten gab es unendliche Diskussionen. Bis zu ihrer Ankunft auf deutschem Boden genossen sie eine Sonderstellung; sobald sie aber in Deutschland gelandet waren, verloren sie ihren Schutz, d.h. sie wurden für ihr Gepäck, ihre Wertsachen, Transport und Sicherheit usw. selbst verantwortlich. Die Berichte über die Repatriierung der Diplomaten befinden sich in einer verlorenen Akte, was jegliche Forschung hierzu unmöglich macht. Brief von Joseph Dane Hartgrove, National Archives, 19.März 1992
[45]MM, RG-9: Funktelegramme, State Department und RG-9: Funktelegramme, WD WX haben diese Korrespondenz. Ein interessanter Vorschlag kam von den Linienschiffen des amerikanischen Präsidenten: sie schlugen nämlich einen Transport auf ihren Schiffen gegen Bezahlung vor, d.h. die Deutschen, die in der Lage waren, die Überfahrt zu bezahlen, sollten dies tun, während die amerikanischen Behörden für die anderen einen verminderten Preis entrichten sollten. WAR an CHICFE, Berlin, 3. Mai 47; MM RG-99: Funktelegramme, WD WX. Da die Japaner die Kosten bezahlen sollten, lehnten die Amerikaner das Angebot ab.
Bis April 1952 hatten die Japaner 19. Mio. Yen für die Rückführung der Deutschen bezahlt. Sie hatten 39 Mio. Yen für die Feststellung, Untersuchung, Berechnung und Auflistung des deutschen Eigentums ausgegeben. Diese Berechnung war unvollständig. SCAP, Vested Interests in Japan, Part XII,5. Bis April 1952 hatte SCAP 355.265.877 Yen an 13 Länder transferiert. Es war geplant, weitere 344.734.123 Yen aus deutschen Guthaben zu verteilen. Ibid., Part X,3.
[46]Telegramm von SEC STATE an SCAP, 17. Juni 1947. NA, RG 260, Box 141; SCAPIN 1750: Repatriation of German and Austrian Nationals, 21. Juli 1947. NA, REG 331, Box 5; Operational Directive No. 51, 21. Juli 1947. NA, RG 94, Box 2726. Das Außenministerium benutzte den umschreibenden Begriff "obnoxious" (untragbare) Deutsche, im Gegensatz zu SCAPs "objectionable" (beanstandbare) Deutsche.
[47]Befehl an Oberst Douglas Pamplin, n.d., Ibid: CINCFE an WAR, 10. August 1947. MM, RG-9: Funktelegramm, abgehend.
[48]"Destination and Accompanying Documentation of the Refugees aboard the USAT General Black," 21.Oktober 1947. NA, RG 260, Box 141; von OMGUS an Department of the Army, 30.Oktober 1947. MM, RG-9: Funktelegramme, Diverse. Für einen Einblick in die korrupten Verhältnisse in Ludwigsburg siehe Wickert, Mut und Übermut, 483-486.
[49]DA an OMGUS, 20. Dezember 1947, NA, RG 260, Box 141. State Department an SCAP, 16. März 1948, State Department an SCAP, 4. April 1948. MM, RG-9: Funktelegramme, State Department; SCAPIN 1869: Repatriation of German Nationals, 10. März 1948. NA, RG 331, Box 5. Eine Beschreibung des Rückflugs bei Marie Balser, Ost- und westliches Gelände: Unser Leben in Ost und West den Enkeln erzählt (Gießen: Munchowsche Universitätsdruckerei, 1958), 158-161.
[50]Viele der Briefe in: Bestand JL 525 12/77-2/18, Staatsarchiv Ludwigsburg (im Folgenden SL).
[51]Die 1900 gegründete Organisation hatte die Förderung deutscher Interessen in Ostasien zum Ziel. 1911 erweiterte sie dies auch auf die Förderung kultureller Angelegenheiten und wurde bis 1914 eine einflußreiche Macht. Nach dem Rückschlag, den die Niederlage im Ersten Weltkrieg bewirkt hatte, richtete die Führung ihr Augenmerk auf die Förderung gemeinsamer Interessen und die Repräsentation von Firmen. Sie wurde politischer und veröffentliche eine Zeitschrift, die Ostasiatische Rundschau. 1945 begannen Aktivitäten, die sich auf frühere Kontakte und die Energie der Mitglieder stützten. Sie konnten etwas moralische Unterstützung geben. Siehe Chief Claims Division an Budget and Fiscal Director, European Command, "Property Claims of Japanese Repatriates," 3.Juni 1948. SL 12/77-2/18.
[52]Büro der Militärregierung, Land Württemberg-Baden, "Property Claims of Japanese Repatriates," 29. Jan. 1948. NA, RG 260, Box 141: "Expellees from the Orient," Oktober 1947. SL JL 525 12/63-1/6.
[53]DEPTAR an SCAP, 4. Dezember 1951. NA,RG 331, Box 7564.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 8(2) (2004), S. 193-201.


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