Aus der Forschung

Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Teil 7

Von Germar Rudolf

Innere Widersprüche

Die Aussage des Zeugen Erwin Valentin während der Voruntersuchungen zum Auschwitz-Prozeß weisen einige vielsagende Widersprüche auf. Valentin führt aus, er sei wegen seiner nichtarischen (sprich jüdischen) Abstammung 1940 in das jüdische Arbeitslager Neutomischel (Warthegau) eingewiesen worden, wo er als Arzt die Häftlinge pflegte. Aufgrund seiner Strafanzeige wurde der Lagerleiter Stülpnagel wegen Lebensmittelunterschlagung zu 11/2 Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im KL Stutthof absaß (S. 841).[1] Dies ist ein gutes Beispiel für ein zumindest teilweise funktionierendes deutsches Rechtssystem sogar innerhalb der Lager.

Der Zeuge behauptet weiterhin, schließlich wegen seiner nicht enden wollenden Beschwerden nach Auschwitz versetzt worden zu sein, wo er an einer Lungenentzündung erkrankt sei (S. 842). Im dortigen Krankenrevier habe man ihn als Arzt und Chirurg gesundgepflegt, anstatt ihn wie die anderen Kranken, so behauptet er, auszusortieren und zu vergasen. Er berichtet ferner, daß er als Saalarzt im Block 9 des Krankenreviers unter Dr. Hans Münch tätig war (S. 843, 848), wo bei Zeiten bis zu 1.000 vor allem an Typhus und Ruhr erkrankte Häftlinge gepflegt wurden (S. 847). Das paßt freilich nicht zu seiner Behauptung, schwerkranke Häftlinge seien aussortiert und vergast worden. Valentin macht über diese angeblichen Selektionen und Vergasungen allerdings keine weiteren Angaben, so daß man vermuten muß, daß seine Ansichten über Vergasungen von Nachkriegseindrücken herrühren.

Valentin gibt ferner an, während eines Verhörs, als er der Verbreitung defätistischer Propaganda bezichtigt wird, drohend und schreiend auf den Vernehmer zugesprungen zu sein. Er sei daraufhin mit einem Revolver niedergeschlagen worden, wobei er 23 Zähne verloren haben will. Er wollte sich daraufhin auf seinen Verhörer stürzen, wurde jedoch von anderen mit Gewalt daran gehindert (S. 846). Man wird aber wohl davon ausgehen dürfen, daß jemand, der durch einen mächtigen Schlag 23 Zähne auf einmal verliert, zudem einen zertrümmerten Kiefer haben würde und vor Schmerzen nicht mehr in der Lage wäre, sich spontan auf irgend jemanden zu stürzen. Zudem gäbe es unverwischbare Spuren dieser Kieferzertrümmerung, die zu erkunden der vernehmende Beamte aber offenbar für nicht notwendig erachtete. Valentin hat sich hier zumindest einer maßlosen Übertreibung schuldig gemacht.

Über Bogers Untaten will Valentin "durch Lagergespräch" erfahren haben (S. 847), ebenso wie er Berichte über angebliche medizinische Versuche (S. 848-850) nur "erfahren" hat (S. 850), also allesamt vom Hörensagen sind.[2] Valentins Gerüchte über Boger stehen allerdings im Gegensatz zu einem einzigen Erlebnis:

"ich wurde von Boger - zum ersten Male als Häftling in Auschwitz - mit 'Sie' angeredet." (S. 848)

Und auch seine eigenen Erfahrungen als Mediziner sind nur positiv, denn über seinen vorgesetzten SS-Arzt kann er "nichts nachteiliges sagen" (S. 848).

Ein weiterer Hinweis darauf, daß Valentin nach dem Krieg allerlei Holocaust-Geschichten intensiv ausgesetzt war und während seines Verhörs einige davon als eigenes Erleben ausgab, ist seine folgende Aussage:

"Zu diesem Sanka möchte ich erwähnen, daß es sich um einen kleinen Sanitätskraftwagen handelte, bei dem das Auspuffrohr nach innen geleitet wurde, so daß die so transportierten Häftlinge bereits während der Fahrt durch die Auspuffgase getötet wurden. Außer diesem kleinen umgearbeiteten Kraftwagen gab es noch zwei weitere große Fahrzeuge, in die jeweils 40 Personen hineingingen. Es handelte sich bei diesen ebenfalls um Fahrzeuge mit kastenförmigem Aufbau, in den die Ausfuffgase hineingeleitet wurden." (S. 850)

Gaswagen jedoch, so die etablierte Geschichtsschreibung, hat es in Auschwitz nie gegeben. Da hat Valentin Gerüchte, die über das Lager Chelmno sowie über Vorkommnisse in Rußland und Serbien kursierten, auf seine Erlebniswelt übertragen.

Valentins Aussage ist passagenweise identisch mit einer Aussage, die er am 27.2.1945, also nur drei Wochen nach der Eroberung des Lagers Auschwitz, bei einer Vernehmung in der sowjetischen Kommandantur in Krakau ablegte (S. 853-859).[3] In einem Nachtrag vom 16.5.1945 erklärte Valentin einschränkend:

"Alles was über die Vorgänge bei der Vergasung bezw. Verbrennung der unglücklichen Opfer berichtet wird, ist zum allergrößten Teil auf 'Gehörtes' zurückzuführen."

Soviel zur Glaubwürdigkeit dieses Zeugen.

In sich widersprüchlich ist auch die Aussage von Walter Mosbach, der dies aber erkennt und gleich eine Erklärung anbietet:

"Ich möchte Dr. Fischer in zwei Personen spalten: als Arzt war er korrekt, auch für die Häftlinge eingestellt, als SS-Angehöriger schickte er z.B. Häftlinge, die er vor 1/4 Stunde gut behandelt und in Schutz genommen hatte gegenüber den Häftlingsärzten, bei den Selektionen in die Gaskammer." (S. 931)

Die ganze Aussage verliert dann ihre Absurdität, wenn man nur die letzten drei Wörter streicht, also davon ausgeht, daß Fischer überzeugt war, die Aussortierung würde den Häftling nicht in eine Gaskammer führen.

Einen ähnlichen inneren Widerspruch baut der Zeuge Max Willner unbemerkt in seine Aussage ein. Zunächst berichtet er darüber, wie er aus dem Lager wegen Typhusverdachts aussortiert und in den Krankenabschnitt des Lagers Birkenau verlegt wurde, wo er gesundgepflegt wurde, obwohl er doch ein arbeitsunfähiger Jude war (S. 934). Eine Seite später jedoch berichtet er, wie Häftlinge im Lager Birkenau wegen Krankheiten aussortiert wurden, diesmal aber angeblich, um in den Gaskammern zu verenden - über die er nichts zu berichten weiß, wie er sich überhaupt eigentlich an gar nichts konkret erinnert, aber da weiß er Abhilfe:

"[...] an konkrete Fälle kann ich mich heute bei dem besten Willen nicht mehr erinnern. Ich will mich bemühen, mit weiteren hier ansässigen ehemaligen Auschwitz-Häftlingen in Kürze zusammenzusitzen, um mit ihnen alles durchzusprechen und Erkenntnisse der zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung in Ludwigsburg - Herrn Oberstaatsanwalt Schüler [sic] - ausführlich mitteilen" (S. 935)

Womit belegt ist, daß Zeugen schon Jahre vor der Eröffnung des Hauptverfahrens systematische Aussage-Absprachen durchführten unter Einbeziehung der Staatsanwaltschaft.

Propagandaquelle

Fritz Fath saß in Auschwitz als Berufsverbrecher ein (S. 870f.). Wie der Zeuge Fritz Hirsch,[4] so legte auch Fath in Auschwitz einen Schachtmeisterkurs ab. Das Fath entweder von Hirsch oder beide Zeugen von der gleichen Quelle beeinflußt wurden, ergibt sich aus Faths Bericht über die angebliche Erschießung der Frauen und Kinder aus Lidice im Lager Auschwitz, eine Lüge, die vor ihm bereits Hirsch dargelegt hatte:[5]

"Als ein Wagen an mir vorbeifuhr, sah ich seitlich ein Kinderärmchen und einen Teil eines Mädchenrockes heraushängen.

Wie ich später hörte, und zwar kamen solche Nachrichten von der Gruppe der polnischen Widerstandsbewegung innerhalb des Lagers Auschwitz, dass es sich um Frauen und Kinder aus dem tschechischen Ort L i d i c e gehandelt hat." (S. 878f.)

Statt Hirschs "Kinderstrumpf" ist es bei Fath ein Mädchenrock.

Wie drückte es Bruno Baum doch einst aus:[6]

"Die ganze Propaganda, die dann im Ausland um Auschwitz einsetzte, war von uns, mit Hilfe unserer polnischen Kameraden, entfacht."

"Von mir aus kam das Material zu Cyrankiewicz, der es weitertransportierte. Wir haben ab Mitte 1944 mindestens zweimal in der Woche etwas abgeschickt. Nun ging die Tragödie von Auschwitz durch die Welt.

Ich glaube, es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, daß der größte Teil der Auschwitzpropaganda, die um diese Zeit in der Welt verbreitet wurde, von uns im Lager selbst geschrieben worden ist."[7]

Der Sauerkraut-Mord

Am 17.4.1959 wurde der Zeuge Jakob Sebastian Kronauer ein drittes Mal nach Kriegsende verhört. In einem früheren Beitrag wies ich bereits darauf hin, daß Kronauer damals offen zugab, vom Hörensagen zu berichten, daß er laut Ausführung des Vernehmungsbeamten geistig-nervlich instabil war, bei seiner ersten Vernehmung zehn Monate nach dem Kriege nichts über ein Fehlverhalten der Wachmannschaften zu berichten wußte, und kurzfristig selbst in den Verdacht geraten war, als "Kapo" Grausamkeiten an Häftlingen begangen zu haben.[8] Auffallend ist, daß Kronauers "Erinnerungen" mit jeder Vernehmung umfangreicher und konkreter werden, obwohl der Zahn der Zeit das Gegenteil bewerkstelligen sollte. Offenbar wurde sein Gedächtnis durch suggestive Einflüsse immer lebhafter, aber wohl kaum genauer. Seine hier besprochene Aussage ist ein wildes Sammelsurium aller möglichen, mit farbigen Details ausgeschmückten unglaubhaften Geschichten, von denen ich hier nur eine wiedergeben will:

"Als dann bei dem vorerwähnten Vorfall die Pfarrer vor Moll standen, gab er mir den Auftrag, dieses Sauerkrautfass aus der Hütte zu holen. Weiterhin gab er mir den Auftrag aus dieser Hütte Hammer und Nägel mitzubringen. Nachdem ich diesen Auftrag ausgeführt hatte, befahl er einem Geistlichen, in das Fass hineinzusteigen. Moll nagelte sodann Holzlatten oben darauf, stiess das Fass mit dem Fuss um und rollte es in das Wasser. [...] er gab dann mehreren Gefangenen den Auftrag, das Fass wieder hochzuholen. Als das Wasser ausgekippt war und der Geistliche sich ein klein wenig erholt hatte, stiess Moll das Fass erneut ins Wasser. Diesen Vorgang wiederholte Moll mehrmals, bis er schliesslich den fast leblosen Geistlichen aus dem Fass herausliess. Daran anschliessend musste dieser Geistliche eine Essschüssel in den Mund nehmen und nach Aufforderung von Moll bellen. [...] Im Anschluss daran musste der Geistliche mit der Schüssel im Mund auf allen Vieren zur Essensausgabe kriechen, [...]. Mol wiederholte nun dies[e] Tortur auch mit dem anderen Geistlichen." (S. 897f.)

Die sich zähfließend dahinwindende Erzählung endet damit, daß Moll die Pfarrer schließlich erschossen haben soll. Man mag der SS ja alle möglichen Grausamkeiten zumuten, aber wenn sie pro Opfer viele Stunden ihrer Zeit mit solch aufwendigen Spielchen vergeudeten, wie zum Teufel organisierten sie dann mit so Wenigen ein gigantisches Zwangsarbeitslager? Solch ein blühender Unsinn wirft daher weniger Licht auf die Zustände des Lagers Auschwitz als auf den Geisteszustand des Zeugen.

Wie der Zeuge Valentin, so tappt auch Kronau in eine Falle, als er berichtet, was es nach heutigem Dafürhalten in Auschwitz eben nicht gab:

"Bereits im Verlaufe des Jahres 1941 ging im Lager das Gespräch um, dass es 'Gaswagen' gäbe, und zwar handelte es sich um einen LKW mit einem kastenförmigen Aufbau. Mit diesem wurden Häftlinge von Block 11 nach Birkenau transportiert und während der Fahrt vergast." (S. 905)

Obwohl Kronauer anfänglich den Konjunktiv benutzt und darauf hinweist, daß seine Ansicht nur auf Hörensagen beruht, berichtet er anschließend detailliert, wie er das Beladen dieses Gaslasters mit Opfern erlebt haben will (S. 906). Auch hier also die wundersame Verwandlung vom Gerücht zum eigenen konkreten Erleben, aber nicht etwa verstreut über mehrere Vernehmungen und viele Jahre, sondern von einer Minute auf die andere.

Über seine damalige Tätigkeit als Schreiner in den Deutschen Ausrüstungs-Werken berichtet Kronauer ferner:

"Etwa Ende des Jahres 1942, ich arbeitete als Schreiner in den DAW, erhielt ich von Oschaf Wagner den Auftrag 2 Türen anzufertigen. Nach der Zeichnung handelte es sich um sehr starke und dichte Türen, an die Verriegelungsbeschläge angebracht wurden. Diese Türen habe ich nach Fertigstellung in ein Bauernhaus in Birkenau einmontiert. Später habe ich erfahren, dass dieses altes [sic] Bauernhaus zum ersten Krematorium von Birkenau umgebaut worden ist und diese Türen für die Gaskammern dieses ersten Krematoriums bestimmt waren." (S. 908)

Es ist durchaus wahrscheinlich, daß Kronauer als Schreiner in den DAW massive Holztüren herstellte, von deren sinisterer Verwendung er damals offenbar nicht wußte, denn diese Türen waren sehr wahrscheinlich für Entlausungskammern bestimmt. Seine nachträglich erhaltenen Informationen sind allerdings falsch, denn selbst wenn man der offiziellen Geschichtsversion Glauben schenkte, so wären Kronauers Türen höchstens für Gaskammern in den sogenannten Bunkern (oder Bauernhäusern) bestimmt gewesen, die allerdings niemals in Krematorien umgebaut wurden - und die gegen Ende 1942 bereits im Betrieb gewesen sein sollen, also damals bereits mit gasdichten Türen hätten ausgerüstet gewesen sein müssen. Tatsächlich war die Errichtung der beiden ersten Krematorien in Birkenau gegen Ende des Jahres 1942 bereits weit fortgeschritten, so daß Kronauer seine Türen dort hätte einbauen müssen, aber davon weiß er nichts zu berichten. Kronauer widerlegt seine auf Gerüchten basierte Mutmaßung also selbst: Seine Türen waren definitiv nicht für Menschen-Gaskammern bestellt oder eingebaut worden.

Paul Heinrich Maischein trat im März 1939 freiwillig der SS bei und diente im Krieg als Mitglied der Waffen-SS in der Wachkompanie Auschwitz. Er sei allerdings nie ins Lagerinnere gekommen und habe auch keinerlei Erinnerung an irgendwelche Verbrechen bzw. wisse davon erst durch Berichte nach dem krieg (S. 912):

"Den Wachleuten war es verboten, Häftlinge zu schlagen oder gar zu töten." (S. 911)

Interessant ist zudem, daß Maischein von Kronauer etwas aus Dritter Hand erfahren haben will (S. 910). Maischein war also nach dem Krieg mit ehemaligen Häftlingen in Kontakt, was bei ihm aber offenbar keine Gedächtnisauffrischung zur Folge hatte.

Hans Stark, Kronzeuge im Auschwitz-Prozeß

Hans Stark war von Ende 1940 bis Juni 1941 Blockführer in Auschwitz und anschließend (mit einer Urlaubsunterbrechung von Weihnachten 1941 bis Ende März 1942) bis Ende 1942 in der Aufnahme der Politischen Abteilung tätig, wo er für die Registrierung neu angekommener Häftlinge zuständig gewesen sei (S. 939, 942). Hans Stark war der einzige Angeklagte des Auschwitz-Prozesses, der fast alles von Anfang an "zugegeben" hatte. Er wird daher gerne als Kronzeuge für die Greuel von Auschwitz zitiert.

In einer Vernehmung vom 23.4.1959 gibt Stark an, neu angewiesene Häftlinge, für die ein Befehl zur Hinrichtung vorgelegen habe - Juden sowie sowjetische Kommissare[9] -, zum alten Krematorium geführt zu haben, wo sie von Rapportführer SS-Oberscharführer Palitsch erschossen wurden (S. 944, ähnlich am 28.4.59, S. 969R):

"in einem Vorraum des Erschießungsraumes gebot ich ihnen [den Opfern], sich auszuziehen und betrat dann mit dem Ersten den Erschießungsraum, in dem sich stets schon P a l i t s c h mit dem Gewehr befand. [...] P al i t s c h hielt das Gewehr hinter dem Rücken versteckt, so daß es der Häftling nicht sehen konnte. Palitsch oder ich sagten dann zu dem Häftling: 'Schau mal dort hin', worauf dann jedesmal Palitsch das Gewehr nahm und den Häftling durch Genickschuß tötete. Das Gewehr wurde hierbei durch Palitsch wenige Zentimeter vom Genick weggehalten. Auf diese Weise wurden nacheinander die zur Erschießung Bestimmten getötet. [...] Die jeweils auf dem Flur Wartenden konnten den Knall des Schusses meiner Meinung nach nicht hören, denn der Eingang zum Erschießungsraum war mit einer doppelwandigen Tür versehen."

Stark erinnert sich ferner, während seines gesamten Aufenthalts stets das gleiche Häftlingspersonal im Krematorium gesehen zu haben (S. 945), womit er Behauptungen widerspricht, diese Häftlinge seien als Geheimnisträger eines gigantischen Verbrechens stets nach kurzer Zeit ermordet worden.

Starks Aussage über die Hinrichtungen im Krematorium des Stammlagers ist problematisch, zumal es in diesem Krematorium weder eine schalldichte Türe gab noch einen Sonderraum für Exekutionen, und weil dieser ganze Vorgang selbst dann absurd ist, wenn da tatsächlich eine schalldichte Türe gewesen sein sollte:

  1. Zumindest einige der zur Hinrichtung eingewiesenen Häftlinge dürften per Strafurteil bzw. Strafbefehl von ihrem bevorstehenden Schicksal gewußt haben, konnten also kaum an der Nase herumgeführt werden.

  2. Selbst Häftlinge, die nicht von ihrer Exekution wußten, kamen wohl kaum ohne Grund ins Lager und waren somit zu Recht skeptisch. "Schau mal dort hin" mag einige naive Trottel ablenken, aber wohl kaum alle.

  3. Das von Palitsch angeblich hinter seinem Rücken versteckte Kleinkalibergewehr kann zwar derart verborgen werden, aber nicht die Tatsache, daß Palitsch etwas hinter seinem Rücken verbirgt. Das hätte das Opfer skeptisch gemacht.

  4. Man kann ein Kleinkalibergewehr nicht mal eben schnell hinter dem Rücken hervorholen und jemanden aus der Nähe in den Nacken schießen. Diese mit ausholenden Armbewegungen verbundene Handlung ist sehr auffällig und dauert einige Sekunden, genug Zeit für zumindest einige der helleren und gewandteren Häftlinge, den Blick auf Paltisch zurückzuwenden und auf unerwartete Weise zu reagieren.

  5. Alle nach dem ersten Opfer folgenden Delinquenten hätten wenn nicht den Schuß, so doch zumindest a) Blut sehen und riechen und b) den Geruch von Schießpulver vernehmen müssen.

  6. Zumal Stark berichtet, daß "normale" Exekutionen an der berüchtigten Schwarzen Wand durchgeführt wurden (an sowjetischen Kommissaren, S. 970), ist nicht einzusehen, warum man für bestimmte Opfer das hier beschriebene absurde Verfahren gewählt haben soll anstatt des sonst üblichen.

Mit anderen Worten: Starks Geschichte von auf diese Weise erfolgten systematischen Erschießungen ist absurd.

Die Frage, warum er eine derartig absurde Geschichte auftischt, die letztlich gegen ihn als Geständnis gewertet werden wird, erhellt sich etwas mehr, wenn man seine Aussage weiter unter die Lupe nimmt.

Stark berichtet detailliert, wie er an Erschießungen jüdischer Männer, Frauen und Kinder beteiligt gewesen sei, wobei er jedoch ein weiteres Märchen auftischt:

"Die Berichte über die Erschießungen wurden jeweils nach Durchführung schriftlich dem RSHA gemeldet, und zwar unter der Deckbezeichnung, daß 'soundsoviele Personen gesondert untergebracht worden seien.' Diese ganze Aktion richtete sich hauptsächlich gegen Personen der jüdischen Rasse und wurde 'Sonderbehandlung' genannt. Hierzu war vom RSHA bereits zu Beginn des Rußlandfeldzuges ein Befehl herausgegeben worden." (S. 946)

Hier haben wir mehrere inzwischen von der Geschichtsschreibung widerlegte Mythen:

  1. Hinrichtungen wurden dem RSHA tatsächlich gemeldet, jedoch in klarer Sprache, also unter Angabe der Hinrichtungsmethode. Zahlen über Vergasungen oder "Sonderbehandlungen" sind in den Meldungen nicht vorhanden.[10]

  2. Der Begriff Sonderbehandlung stand in Auschwitz in keinem Zusammenhang mit einem Massenmord an Juden.[11]

  3. Es gibt keinen Befehl des RSHA zum Rassenmord an den Juden.

Stark selber will diese Meldungen gemacht haben, berichtet aber nicht die dokumentierte Wahrheit dessen, was in Berlin einging, sondern das, was der Propaganda-Mythos über die "Tarnsprache" daraus gemacht hat.

Doch weiter: Stark berichtet auch detailliert über die angeblich im alten Krematorium eingerichtete Menschengaskammer:[12]

"Bereits im Herbst des Jahres 1941 wurden in einem Raum des kleinen Krematoriums Vergasungen vorgenommen [...]. Der Raum hatte ein Fassungsvermögen von ca. 200-250 Personen, war über Zimmerhöhe hoch, hatte keine Fenster und nur eine besonders abgedichtete Tür mit einer Verriegelung wie eine Luftschutztür. Röhren oder dergleichen, aus denen die Häftlinge schließen konnten, es handele sich vielleicht um einen Duschraum, waren nicht vorhanden. In der Decke waren in einigem Abstand 2 Öffnungen mit einem Durchmesser von etwa 35 cm angebracht. Dieser Raum hatte ein Flachdach, so daß durch diese Öffnungen das Tageslicht einfiel. In diese Öffnungen wurde das körnerförmige Zyclon B eingeschüttet." (S. 947)

"Den [200-250] Juden wurde nichts gesagt, sondern man forderte sie lediglich auf, in den Vergasungsraum, dessen Tür geöffnet war, hineinzugehen. [...] Nachdem alle Juden im Raum waren, wurde dieser verriegelt, und die Sanitäter haben das Zyclon B in die Öffnung geschüttet. Wieviel Büchsen Zyclon B verwendet wurden, weiß ich nicht mehr, es waren aber mehrere." (S. 948)

"Bei diesen Vergasungen hatte ich die Aufgabe, die Personenzahl festzustellen, die ich dann, wie bereits erwähnt, nach Berlin berichten mußte. Bei einer späteren Vergasung - ebenfalls noch im Herbst 1941 - erhielt ich von Grabner den Befehl, Zyclon B in die Öffnung zu schütten, weil nur 1 Sanitäter gekommen war und bei einer Vergasung in beide Öffnungen des Vergasungsraumes Zyclon B zu gleicher Zeit hineingeschüttet werden mußte. [...] Da dieses Zyclon B - wie bereits erwähnt - körnerförmig war, rieselte dieses beim Hineinschütten über die Menschen. Sie fingen dann furchtbar an zu schreien, denn sie wußten nun, was mit ihnen geschieht. In die Öffnung habe ich nicht geschaut, da nach dem Einschütten des Zyclon B die Öffnung sofort verschlossen werden mußte. Nach wenigen Minuten war alles still. Nach Verlauf einer Zeit, es können 10 - 15 Minuten gewesen sein, wurde der Vergasungsraum geöffnet. Die Getöteten lagen kreuz und quer durcheinander, es war ein schrecklicher Anblick. Das Häftlingskommando des Krema. hat anschließend die Vergasten in das Krema. gebracht." (S. 949)

"Richtig ist es weiter, daß die Anzahl der vergasten Personen durch Fernschreiben an das RSHA, Obersturmbannf. E I C H M A N N - Referat Judenfragen im RSHA - gemeldet werden mußte." (S. 956)

"In der Folgezeit habe ich noch an mehreren Vergasungen teilgenommen. Auch bei diesen Vergasungen bestand meine Aufgabe darin, die Zahl der Leute, die in die Vergasungsräume geschickt wurden, zu zählen. Diese Zahl mußte ich dann nach Berlin melden." (S. 970)

Weiterhin berichtet Stark von Vergasungen in zwei Anfang 1942 errichteten "Holzhäusern" in unmittelbarer Nähe der Rampe von Birkenau, die auf ähnliche Weise wie oben berichtet abgelaufen sein sollen (S. 949-951). Stark bestätigt explizit, die ihm "vorgezeigten Lichtbilder von Selektionen bei Ankunft von Transporten [von Juden an der Eisenbahn-Rampe in Birkenau] stellen die Situationen dar, wie sie damals tatsächlich stattgefunden haben [...]" (S. 951)

Eine Analyse von Starks Aussage ergibt:

  1. Die Birkenauer Rampe wurde erst im Frühjahr 1944 fertiggestellt, Stark jedoch verließ das Lager dauerhaft Ende 1942. Die vom Vernehmungsbeamten vorgelegten Lichtbilder stellen die Situation des Frühlings/Sommers 1944 dar, die Stark eben nicht erlebt haben kann.

  2. Es gab 1942 in Birkenau keinerlei zu Vergasungszwecken verwendete Holzhäuser, und schon gleich nicht in der Nähe der damals noch gar nicht vorhandenen Rampe - die behaupteten Birkenauer Bunker sollen gemauerte Gebäude gewesen sein, die weit außerhalb der Lagergrenzen von 1942 gelegen haben sollen.[13]

  3. Starks Aussagen zur angeblichen Gaskammer im alten Krematorium sind unhaltbar: Die angeblich als Gaskammer verwendete Leichenhalle hatte zwei Türen, eine zum Ofenraum, eine zum Waschraum, aber keine einzige, die es den angeblichen Opfern erlaubt hätte, von außen in den Raum einzutreten.[14]

  4. Die etablierte Geschichtsschreibung geht davon aus, daß die Vergasungen im alten Krematorien erst Anfang 1942 begannen, also zu einer Zeit, als Stark nicht im Lager war.

  5. Da die von Stark beschriebene angebliche Gaskammer keine "Röhren oder dergleichen" aufwies, also - in Übereinstimmung mit anderen Zeugen und den Dokumenten - keine Lüftungsanlage besaß, kann ausgeschlossen werden, daß man die Tür zu diesem mit Blausäure gesättigten Raum nach nur 10-15 Minuten hätte öffnen können, ohne jeden anderen Raum des Gebäudes sowie die gesamte Umgebung des Gebäudes unter Giftgas zu setzen.

  6. Das Häftlingskommando mußte die Vergasten nicht ins Krematorium bringen, weil die angebliche Gaskammer Teil des Krematoriums war, und zwar mit einer direkten Zugangstür zum Ofenraum.

  7. Nach etablierter Ansicht wurden die Vergasten weder je gezählt noch wurde deren Zahl auf irgendeine Weise nach Berlin geschickt.

Mit anderen Worten: Stark, der "vorgeführt" (S. 937), also unter Zwang zur Vernehmung gebracht worden war, lügt, daß sich die Balken biegen, indem er in etwa jene Geschichte nachplappert, die die Propaganda damals seit etwa 20 Jahren hinausposaunte. Der vernehmende Beamte Aedtner berichtet in einem Aktenvermerk:

"Ihn haben stets die Zeitungsmeldungen interessiert, so erklärte er, die sich mit dem Geschehen innerhalb des Lagers Auschwitz oder mit diesem in Zusammenhang standen. [sic]" (S. 962)

Es muß daher angenommen werden, daß Stark seine Desinformationen aus diversen seit Kriegsende verbreiteten Pressemeldungen erhielt, und womöglich hat er sogar Literatur zum Thema konsumiert.

Mit seinem falschen Geständnis[15] fällt Stark sein eigenes Urteil. Da er zur Tatzeit noch keine 21 Jahre alt war, wurde er unter Jugendstrafrecht wegen Mordes zur Höchststrafe von 10 Jahren verurteilt,[16] die er vier Jahre nach Urteilsverkündung abgesessen hatte.


Anmerkungen

[1]Alle Seitenangaben beziehen sich auf: Staatsanwaltschaft beim LG Frankfurt (Main), Strafsache beim Schwurgericht Frankfurt (Main) gegen Baer und Andere wegen Mordes, Az. 4 Js 444/59; Bd. VI.
[2]Klassisches Hörensagen auch der Zeuge Walter Mosbach im gleichen Band, S. 902: "Man hat sich wohl erzählt, Boger habe schon Säuglinge mit dem Kopf an einem Baum geschlagen oder neben auf einen Haufen geworfen, daß er junge jüdische Mädchen vergewaltigt und nachher erschossen habe."
[3]S. 862-867 umfaßt ein Vernehmungsprotokoll eines Paul Pollak vom gleichen Tag vor der gleichen sowjetischen Kommission. Darin berichtet Pollak wahrheitswidrig, daß Häftlinge mit den Armen an Bäume gehängt wurden, daß er noch am 25.1.1945, dem Tag der Flucht der deutschen Besatzung, zur Erschießung geführt worden sei, und wie er sich freiwillig dem Dienste der heldenhaften "Erlöser" der Roten Armee zur Verfügung gestellt habe - ohne Zweifel also eine Gefälligkeitsaussage.
[4]Vgl. Staatsanwaltschaft beim LG Frankfurt (Main), Strafsache beim Schwurgericht Frankfurt (Main) gegen Baer und Andere wegen Mordes, Az. 4 Js 444/59; Bd. 4, S. 529.
[5]Ebenda, S. 536f.; vgl. G. Rudolf, "Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Teil 5", VffG 7(3&4) (2003), S. 468.
[6]"Wir funken aus der Hölle", Deutsche Volkszeitung , 31.7.1945.
[7]. Baum, Widerstand in Auschwitz. Bericht der internationalen antifaschistischen Lagerleitung. VVN-Verlag, Berlino-Potsdam 1949, p. 34.
[8]G. Rudolf, "Aus den Akten des Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Teil 2", VffG 7(2) (2003), S. 224-229.
[9]S. 957; Vernehmung vom 24.4.59, S. 966R; 28.4.59, S. 970 (Erschießung im Freien ohne Todesurteil). Während der Hauptverhandlung behauptete Stark, für die Exekutierten hätten Todesurteile vorgelegen, was ihm die Kammer jedoch nicht glaubte, da dann eine Täuschung der Opfer und ein Tarnwortgebrauch im Bericht nach Berlin unnötig gewesen wäre, Ingrid Sagel-Grande, H. H. Fuchs, Christiaan F. Rüter (Hg.), Justiz und NS-Verbrechen, Bd. XXI, University Press, Amsterdam 1979, S. 498f.
[10]Vgl. dazu F. H. Hinsley, British Intelligence in the Second World War, v. II, Her Majesty's Stationary Office, London 1981, S. 669-673.
[11]C. Mattogno, Sonderbehandlung in Auschwitz, Castle Hill Publishers, Hastings 2003.
[12]Ähnlich in einer Vernehmung vier Tage später, am 28.4.1959, S. 970R.
[13]Vgl. C, Mattogno, Die Bunker von Birkenau, Castle Hill Publishers, Hastings, in Vorbereitung.
[14]Siehe den Grundriß bei J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and operation of the gas chambers, Beate-Klarsfeld-Foundation, New York 1989, S. 151, 153.
[15]Bei allem, was Stark freiwillig "zugab", bestritt er interessanterweise die von Rögner gemachten Vorwürfe willkürlicher Erschießungen als "vollkommen erfunden" (S. 957, 966R). Rögners Angaben waren nicht mehr und nicht weniger "vollkommen erfunden" als Starks Angaben, vgl. G. Rudolf, "Aus den Akten..., Teil 3", VffG, 7(1) (2003), S. 95-101.
[16]Ingrid Sagel-Grande u.a., aaO. (Anm. 9), S. 512.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 8(2) (2004), S. 238-242.


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