Über Antisemitismus und Untermenschentum

Von Israel Shamir

Kinder eines unbedeutenderen Gottes

In Berlin waren die Großen und Mächtigen, unter ihnen auch der amerikanische Staatssekretär Colin Powell, der deutsche Präsident Johannes Rau und der Präsident Israels, Moshe Katzav, Ende April 2004 zu einer Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zusammengekommen, die dem Kampf gegen den Antisemitismus gewidmet war. Sie verkündeten, daß "der Konflikt zwischen Israel und Palästina als Deckmantel für die weltweite antisemitische Stimmung diene" wie der Haaretz aus Anlaß dieser Konferenz berichtete. Ich war nicht zu dieser Zusammenkunft eingeladen, doch wenn ich dort gewesen wäre, dann hätte ich folgende Rede gehalten:

Eure Exzellenzen, diese Konferenz ist in der Tat ein sehr wichtiges, ja sogar historisches Ereignis, das mit Konstantins Edikt von Mailand oder mit anderen bedeutenden kirchlichen Konzilen gleichgesetzt werden kann. Ich bin mir nicht sicher, ob alle von Ihnen voll und ganz das Ausmaß Ihrer Taten verstanden haben und was die Codewörter "Kampf gegen Antisemitismus" eigentlich bedeuten.

Lassen Sie uns zuallererst definieren, was sie nicht bedeuten. "Kampf gegen Antisemitismus" bedeutet nicht, eine kleine verfolgte Nation zu verteidigen - wenn dem so wäre, dann müßten Sie die belagerten Palästinenser verteidigen. Es bedeutet auch nicht Kampf gegen Rassismus, denn sonst müßten Sie das rassistische Apartheidsystem in Palästina bekämpfen. Es bedeutet auch nicht Kampf gegen die anti-jüdische Diskriminierung, denn diese existiert nicht und von Moskau über Paris bis nach New York besetzen Juden die Spitzenpositionen der Macht. Es ist auch nicht die Verteidigung jüdischen Lebens, denn der einzige Jude, der in letzter Zeit in Europa verwundet wurde, hat sich selbst mit seinem Küchenmesser verletzt, als er versuchte, mit der Tat einen Moslem zu belasten. Es ist auch nicht die Verteidigung jüdischen Besitzes, da die Juden die einzigen Menschen auf der Welt sind, denen jedes einzelne Besitztum wieder zurückerstattet wurde, das ihren Vorfahren jemals gehörte, von Berlin bis nach Bagdad. Es hat auch nichts mit dem lange schon verschwundenen historischen Antisemitismus zu tun, der rassischen antijüdischen Theorie, denn es gibt Semiten und Nachkommen von Juden auf beiden Seiten des Kampfes.

Der "Kampf gegen den Antisemitismus" ist ein theologisches Konzept, das sich auf die jahrhundertealte Frage bezieht: "sind alle Menschen gleich, gleich wichtig und Gott gleich nahe, oder sind die Juden etwas höhergestellt, während der Rest die Kinder eines unbedeutenderen Gottes sind?" Die erste Aussage stammt von St. Paul, das zweite Motto hatte sich Kaiaphas auf die Fahne geschrieben. Heute haben Sie diese Frage beantwortet und, wie Pontius Pilatus zu seiner Zeit, haben Sie Kaiaphas den Vorzug gegeben. Heute verkündeten Sie, daß die jüdischen Idee- und Wertvorstellungen der Grundstein der Neuen Weltordnung sind, die Sie aufrechterhalten wollen.

Die neue Religion, von jenseits des Ozeans nach Europa gebracht mittels amerikanischer Panzer, Dollars und Filme; die neu-jüdische Religion der wenigen Auserwählten, der von Menschen geschaffenen Landschaften, der wirtschaftlichen Freiheit, der Entfremdung und Entwurzelung, der Verweigerung von Solidarität und Würde für Nichtauserwählte. Die jüdischen Ideen und Werte sind die Grundsteine der Neuen Weltordnung.
http://www.israelshamir.com/shamirImages/Shamir/BerlinGR.htm

Es ist nicht wichtig, daß die Palästinenser lebendig eingemauert werden hinter der 25 Fuß hohen Betonmauer, daß die Olivenhaine ausgelöscht und die Brunnen zerstört werden. Wichtig ist nur, daß "Israel oder seine Anführer nicht dämonisiert oder zu Schurken abgestempelt werden", um in den Worten Ihres Kollegen Colin Powell zu sprechen. Es ist keine Frage der Politik mehr, sondern eine theologische Frage, da der Glaube an die jüdische Überlegenheit der offizielle Glaube der Pax Americana ist, wie es die Christenheit einst im Römischen Imperium war in den Tagen Konstantins des Großen. Um diesen Punkt zu betonen, haben Sie verboten, nazistische Symbole im Zusammenhang mit der israelischen Politik zu verwenden, doch sie erlaubten, daß das Kreuz Christi von Hitlers Swastika überblendet wurde.

Sie haben sich der neuen Religion unterworfen, die mittels amerikanischer Panzer, Dollar und Filme von jenseits des Ozeans nach Europa gebracht wurde, der neu-jüdischen Religion der wenigen Auserwählten, der von Menschen geschaffenen Landschaften, der wirtschaftlichen Freiheit, der Entfremdung und Entwurzelung, der Verweigerung von Solidarität und Würde für Nichtauserwählte. Sie verkünden heute, daß sie sich verpflichten, die jüdischen Ideen und Werte als die Grundsteine der Neuen Weltordnung aufrechtzuerhalten, anstatt die christlichen Ideale von Solidarität und Gleichheit. Sie haben Europa zurück zur asiatischen Häresie geführt, die einst in Nicäa besiegt worden war, und Sie haben Christus erniedrigt. Ihre übertriebene und abnormale Sorge für das Wohlergehen der Juden ist ein Symbol Ihrer Unterwerfung.

Wahrscheinlich bezeichnen Sie sich selbst als "Realisten und Pragmatiker", die sich wenig um dieses religiöse Geschwafel kümmern. Wenn Sie wirklich Realisten und Pragmatiker wären, dann würden Sie darüber nachdenken, was die Akzeptanz der jüdischen Überlegenheit für SIE selbst bedeutet, wenn Ihnen schon die Palästinenser oder Iraker egal sind. Ich schlug die Jerusalem Post vom 22. April 2004 auf und las die Worte unserer neuen Vorgesetzten:

Matti Golan, der frühere Chefredakteur der führenden israelischen Zeitung Haaretz und des Globes, der Zeitung für die jüdischen Wirtschaftseliten, schreibt:

"Ich habe nicht nur ein Problem mit Deutschland. Ich habe ein Problem mit allem Deutschen, egal wo. Ich diskutiere nicht darüber und rege mich auch nicht auf. Ich habe ganz einfach Deutschland und sein Volk von meinem Globus gelöscht."

Matti Golan ist kein Heißsporn, er ist keiner jener religiösen Fanatiker, die sogar behaupten, Nichtjuden stammten nicht von Adam ab. Tatsächlich könnte ich Hunderte von Seiten füllen mit ähnlichen oder sogar noch schlimmeren Zitaten aus den Khabbad-Büchern oder von den Zauberern der Kabbala. Doch Golan ist kein Kabbalist und kein Extremist, sondern gehört zu den geistig gesunden, nichtreligiösen, einflußreichen jüdischen Mainstream-Intellektuellen. Als dieser Artikel im Internet auf IsraelForum.com diskutiert wurde, war eine typische jüdische Antwort zum Beispiel:

"Matti Golan ist ein prominenter Journalist und Kolumnist. Er vertritt die Meinung der Mehrheit der israelischen Juden zu diesem Thema. Meine Meinung inbegriffen."

Falls ich Deutscher wäre, würde ich zögern, Matti Golans Land mit atomwaffenfähigen U-Booten aufzurüsten, sonst "löscht er noch Deutschland und sein Volk einfach von unserem Globus."

Meiner Meinung nach ruft Golan zu Rassenhaß und Genozid auf. Darüber könnten Sie diskutieren, doch Sie verdammen lieber Mahathir oder einen Friedensaktivist, der für Gleichheit in Palästina kämpft. Ihr Kollege, der deutsche Präsident Johannes Rau, sagte:

"Jeder weiß, daß hinter der Kritik an der Politik der israelischen Regierung in den letzten Jahrzehnten massiver Antisemitismus steckt."

Er sagte dies eine Woche nachdem die vier Jahre alte Asma an israelischem Tränengas in ihrem Zimmer am 23. April 2004 erstickte und ein Jahr nachdem Rachel Corrie von einem israelischen Bulldozer zerquetscht wurde. Jeder, der "Antisemitismus" ruft, stimmt Morden wie denen an Asma und Rachel zu.

Sie rufen Verachtung hervor, und das ist für Sie gefährlich. Dan Margalit, ein Superstar des israelischen Journalismus, berichtete in der auflagenstarken israelischen Tageszeitung Maariv am 24. April 2004 von dem Mann, der versucht hatte, Sie vor der großen Gefahr des israelischen Nuklearpotentials zu warnen.

"Vanunu stellte sich selbst als leidenden Mel Gibson dar, als den neuen Jesus, der im Gefängnis für seine Bekehrung zum Christentum leiden mußte. Ich muß zugeben, daß er aus religiösen Gründen diskriminiert wurde, doch war diese Diskriminierung positiv zu werten. Vanunu blieb am Leben, trotz seines Verrats, seiner Spionage und trotz seines Christseins behandelte ihn Israel wie einen Juden. Jeder weiß, was der israelische Mossad ihm antun würde, falls er ein deutscher Atomtechniker wäre, der für einen arabischen Staat arbeitet - die Namen dieser Typen stehen auf Grabsteinen in europäischen Friedhöfen."

(Suchen Sie nicht nach diesem Satz in der englischen Ausgabe des Maariv im Internet, www.IsraelForum.com, sie ist entschärft worden).

Die Botschaft ist klar: das Blut eines Nichtjuden, besonders eines deutschen Nichtjuden ist weniger wert, als das Blut eines Juden. Und das haben Sie sich selbst zuzuschreiben.

Israel brüstet sich damit, daß seine Mörder deutsche Techniker und Wissenschaftler ermordet haben - doch Deutschland beschwerte sich nie darüber. Der mutige und noble amerikanische Jude John Sack veröffentlichte ein Buch über jüdische Greueltaten begangen an unschuldigen Deutschen in den späten 40er Jahren - doch Deutschland stellte keine Nachforschungen an über diese schweren Anschuldigungen, verlangte nicht die Verurteilung dieser Verbrecher; das Buch von Sack wurde in Deutschland nicht einmal veröffentlicht. Juden gaben zu, massenhaft deutsche Kriegsgefangene vergiftet und versucht zu haben, Millionen von deutschen Zivilisten zu ermorden, doch Deutschland forschte nicht nach, sondern schickte noch mehr Geld und Militärausrüstung nach Israel.

Sie haben Ihren Status als zweitklassige Kinder eines unbedeutenderen Gottes akzeptiert. Nicht heute, sondern als Sie Auschwitz hochhielten und den glühenden Holocaust von Dresden vernachlässigten. Als Sie die Deportationen der Juden beweinten und die Deportationen der Deutschen durch die von Zionisten kontrollierten Regierungen Polens und der Tschechoslowakei ignorierten. Als Sie sich für die Entwaffnung des Iraks einsetzten und nukleare Ausrüstung nach Israel sandten. Als Sie die palästinensischen Kämpfer einsperrten und auslieferten und nicht die Auslieferung des israelischen Staatsbürgers Solomon Morel verlangten, der Tausende von Deutschen folterte und tötete. Als Sie den Piper-Verlag, Verleger von Norman Finkesteins Holocaust-Industrie, zur Vernichtung des Buches drängten und Agenten der ADL (Anti Defamation League) erlaubten, in den Straßen von Berlin zu marschieren ausstaffiert mit israelischen Flaggen und Bildern von Bomber Harris. Sie haben sich damit einverstanden erklärt, daß Ihr Blut billig ist. Seien Sie nicht überrascht, wenn es fließen wird, sobald der Nachschub an Palästinensern fehlt!

Deutsches Blut wird fließen, sobald der Nachschub an Palästinensern fehlt!

Persönlich bin ich ziemlich dankbar für das, was Sie getan haben. Bis jetzt wurde der Kampf um Gleichheit in Palästina von wohlgesinnten Frauen und Männern behindert, die die jüdische Vorherrschaft in Europa und den USA nicht in Frage stellten, doch entsetzt waren vom Genozid in Palästina. Während sie gegen die Mauer oder gegen die Verwüstung Gazas kämpften, waren sie darüber besorgt, als "Antisemiten" verschrien zu werden. Sie dachten, daß es legitim sei, gegen die israelische Apartheid in der Neuen Weltordnung zu protestieren. Nun haben Sie dieses Hindernis entfernt, indem Sie bewiesen haben, daß alles, was in Palästina geschieht, keine lokal begrenzte Aberration ist, sondern das Fundament des Pax Americana.

Sollen doch beide gemeinsam zugrunde gehen: das lokale und globale Modell der jüdischen Vorherrschaft, damit Juden und Nichtjuden endlich wieder als Gleichberechtigte in Palästina und anderswo miteinander leben können.

Hunde und Füchse

Wenn die rotbejackten englischen Herren zur Fuchsjagd über die Hügel Surreys reiten, rufen sie "yoicks!", um ihre Jagdhunde anzuspornen; die Juden rufen "Antisemitismus!", um ihre Jagdhunde anzuspornen. "Yoicks" verschreckt die Füchse; "Antisemitismus" soll die Opposition der Neuen Weltordnung einschüchtern. Es ist der Juden Äquivalent zur päpstlichen Bulle, die zum Kreuzzug gegen die Ungläubigen aufrief.

Ihr Haß breitet sich immer weiter aus wie eine ansteckende Krankheit. Die Iraker unterstützen die Palästinenser, und als Folge dessen wurde ihr Land überfallen. Der jüngste Feind der Zionisten ist Frankreich, da die Franzosen es wagten, sich ihrem Plan zur Übernahme des Iraks zu widersetzen. An der Allee, wo ich wohne, parkt ein großer Chevrolet mit einem Aufkleber "After Iraq, Chirac" (Nach dem Irak Chirac). Israelische Zeitungen sind bis zum Rand gefüllt mit anti-französischen Berichten und Beiträgen. Und wann immer die Juden nicht bekommen, was sie haben wollen, so bezichtigen sie ihre Gegner des "Antisemitismus".

Neulich erhielten diese Jagdreiter unerwartete Unterstützung durch den angesehenen kubanischen Intellektuellen Lisandro Otero.[1] Man würde erwarten, daß ein Schreiber von der "Insel der Freiheit" zur Solidarität mit den Völkern Palästinas, des Irak und Frankreichs aufrufen würde; daß er versteht, daß jenes Gerede von französischem Antisemitismus von denselben Kräften dirigiert wird, die nur wenige Monate zuvor eine anti-kubanische Kampagne durchgeführt hatten.

Aber Otero zieht es vor, sich den Jagdhunden anzuschließen, anstatt mit den Füchsen zu rennen. In einem Beitrag, der von den kubanischen Medien verbreitet wurde, wiederholt dieser ehemalige Dissident die üblichen, von Zionisten gegen Frankreich erhobenen Vorwürfe. Nachdem er das links-zionistische Lippenbekenntnis zur "vom blutrünstigen Ariel Sharon durchgeführten Vernichtungspolitik gegen die Palästinenser" abgelegt hat, schreibt er:

"In Frankreich haben die Angriffe auf Juden auf alarmierende Weise zugenommen. Viele dieser Gewaltakte werden von Moslems durchgeführt, von denen es in Frankreich zwischen vier und fünf Millionen gibt."

Dies ist eine rassistische Verallgemeinerung. Noam Chomsky hat richtig festgestellt:

"Antiarabischer Rassismus ist so weit verbreitet, daß er kaum mehr bemerkt wird. Er ist womöglich die einzige Art Rassismus, die als legitim angesehen wird."

So legitim, daß Otero diesem Rassismus verfällt, ohne es auch nur zu bemerken.

Für den Fall, daß der kubanische Autor ein ehrlicher Mann ist, der von den zionistischen Medien irregeführt wurde, möchte ich hier auf seine Anklage eingehen. In den letzten zehn Jahren wurde kein einziger Jude in Frankreich getötet oder ernsthaft verwundet, wohingegen während des gleichen Zeitraumes Dutzende von Antizionisten und Moslems durch zionistische paramilitärische Gruppen der Beitar[2] in den Straßen von Paris und Marseille angegriffen und verwundet wurden. Hunderte von Moslems wurden bei verschiedenen Übergriffen durch andere Gruppen verletzt und getötet.

Im jüdischen Staat werden moslemische Palästinenser daran gehindert, ihre geheiligte Stätte, die Al-Akscha-Moschee in Jerusalem, zu besuchen; christliche Palästinenser werden bisweilen durch die israelische Armee daran gehindert, die ihnen heilige Grabstätte zu besuchen. In Frankreich aber sind nicht nur die jüdischen Gottesdienste geschützt; die französischen Juden feierten sogar die blutigen "Errungenschaften" der israelischen Armee.

In Frankreich und anderswo in Europa werden Moscheen häufig durch Polizei und Anti-Terror-Einheiten durchsucht; die Zionisten jedoch genießen in den Synagogen absolute Immunität. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn die Synagogen ihrem religiösen Gebot folgten und jede politische Aktivität vermieden. Die jüdischen Gemeindezentren werden jedoch von den Zionisten als Rekrutierungszentren benutzt. Dort sammeln sie Spenden, um in Israel eine Mauer zu errichten, und dort mobilisieren sie die französischen Juden, um für den jüdischen Staat zu kämpfen und die US-Invasion des Irak zu unterstützen.

Lisandro Otero sollte den augenöffnenden Artikel "A Happy Compromise" (Ein glücklicher Kompromiß) des jüdisch-kanadischen Philosophie-Professors Michael Neumann lesen, der die Medienberichterstattung über Angriffe auf jüdisches Eigentum mit der über nichtjüdisches Eigentum vergleicht:[3]

"Als jüdische Häuser mit Sprüchen besprüht wurden, füllte ein Bericht darüber ein Drittel der Titelseite von Globe and Mail (17. März 2004) mit einem Foto, das etwa die Hälfte des Platzes oberhalb der Faltung einnahm. Der Artikel wurde auf S. 8 fortgesetzt, wo man ihn geschmackvoll mit zwei Beiträgen über möglichen Antisemitismus in einem Torontoer Golfverein umgab. [...] Am 25. März wurde ein Islamisches Zentrum in der Gegend von Toronto mit Sprüchen besprüht und in Brand gesetzt. Die Meldung dazu (26. März 2004) erschien am Ende von Seite 12 (Darüber befindet sich ein Bericht über einen Frisör, der einen Preis gewonnen hat). [...] Diese Geschichte wurde völlig von einer anderen verdrängt: am 6. April um 2:30 Uhr wurde gegen die United Talmud Torah Grundschule ein Brandanschlag verübt, wobei deren Bücherei schwer beschädigt wurde. [...] Die zwei Berichte dazu sowie begleitende Bilder nahmen etwa drei Viertel der Titelseite ein. Die Titelzeile erstreckt sich über die gesamte Breite der Zeitung, was bei Globe and Mail nicht häufig vorkommt. Der Premierminister verkündete: 'Dies ist nicht unser Kanada'. (Falls er überhaupt etwas zum Brandanschlag auf das islamische Zentrum sagte, so werden wir es wohl nie erfahren.) Die Geschichte wird auf Seite 8 fortgesetzt, wo sie etwa die halbe Seite einnimmt."

Neumann schlußfolgert: die Art der Berichterstattung über Haßverbrechen gegen Juden und andere ethnische Gruppen impliziert, daß die Juden wichtig sind, der Rest aber unwichtig.

Mit anderen Worten: das Geschrei um den "französischen Antisemitismus" erfolgt unter Anwendung von Vergrößerungsgläsern und Zerrspiegeln der massiv jüdischen Medien. Das ist freilich nichts Neues: Vor einhundert Jahren, mitten im Sturm des "russischen Antisemitismus", schrieb der russischer Schriftsteller Alexander Kuprin, Freund der Juden, in einem Brief an einen anderen Schriftsteller:[4]

"Ein zehntausend Mann starker Stamm von Ureinwohnern im Hohen Norden begeht Selbstmord, weil ihre Rentiere verendeten. Vor Hunger essen die Bauern von Samara Erde. Polen ist verschlungen worden, die charmante Krim verkommt zu einem Hurenhaus, die althergebrachte Landwirtschaft in Mittelasien ist rücksichtslos verwüstet, aber inmitten dieses Ozeans des Übels, Unrechts, der Gewalt und Sorgen heulen wir russische Schriftsteller über die Beschränkungen, die jüdischen Zahnärzten auferlegt sind."

Lisandro Otero gibt dann vor, 200 Jahre jüdisch-christlicher Beziehungen nach zionistischer Lesart wiederzugeben:

"Mit dem Aufstreben des Christentums verbot Kaiser Konstantin jüdische Praktiken unter Androhung der Todesstrafe. Kaiser Justinian verbot den Bau von Synagogen. Der Triumph des Christentums in Europa institutionalisierte die Rassentrennung der Juden."

Werd vernünftig, Lisandro! Die Kirche hat albigensische und arische Häretiker im Blut ertränkt, Druiden vernichtet, andere nicht-christliche Kulte in Europe ausgerottet, und die Slawen und Balten mit Feuer und Schwert bekehrt; meinen Sie wirklich, die Kirche wäre nicht in der Lage gewesen, die Juden auszulöschen, wenn sie es nur gewollt hätte? Dem Christentum ist das Konzept der "Rassentrennung" völlig fremd, so daß viele jüdische Konvertiten Bischöfe und Heilige der Kirche wurden, von Torquemada bis zum heiligen Johannes. Andererseits ist die Rassentrennung ein Bestandteil des jüdischen Glaubens, der es seinen Anhänger verbietet, sich mit Nichtjuden zu vermischen. Wir sehen es im jüdischen Staat, wo Nichtjuden durch Sharons Mauer ausgesperrt werden und Mischehen verboten sind.

Das zionistische Bild vom "ewig verfolgten Juden" wurde erfunden, um die Nachkommen der mittelalterlichen Judenkaste zu unterwerfen und um sie für die Ziele der jüdischen Eliten zu mobilisieren. Dies hat zu paranoiden Zügen unter den Juden geführt. Wenn Sie ein Freund der Juden sind, dann sollten sie diese Paranoia nicht auch noch fördern. Es gibt keinen Antisemitismus, Lisandro. Die Juden sind überall sicher, so sicher wie jedermann sonst auf dieser unsicheren Welt; so sicher wie Sie im boykottierten Kuba und viel sicherer als die Palästinenser in Palästina, die Iraker im Irak und die Araber in den USA oder in Frankreich.

Das Schicksal der Juden macht mir keine Sorgen, da sie sicher sind. Kubas Zukunft macht mir weit mehr Sorgen. Ihr Artikel ist ein besorgniserregendes Zeichen für die Eilfertigkeit der kubanischen Elite, sich der Neuen Weltordnung zu unterwerfen. Ich sah dies in Gorbatschows UdSSR, wo der Abbau des Sozialismus mit Reden über "Antisemitismus" begann. Die Befürworter dieses Paradigmas hatten Beziehungen zu Israel und zu den jüdischen Eliten in den USA aufgebaut und brachten schließlich Jelzin zur Macht. Westliche Journalisten deckten ihre Leser von Moskau aus mit Berichten über "wachsenden Antisemitismus" und bevorstehenden Pogromen ein. Die Sowjets konnten derartige Anschuldigungen nicht verstehen, da es in der UdSSR keinen Rassismus gab. Die Juden in der UdSSR jedoch wurden durch diese fortwährenden Berichte eingeschüchtert. Über eine Million von ihnen standen vor der israelischen Botschaft Schlange; jetzt bauen sie in Israel eine Mauer, um palästinensische Kinder einzumauern. Ihre Flucht erleichterte den Zusammenbruch der UdSSR und übertrug das Volksvermögen der Völker der Sowjetunion auf eine vornehmlich jüdische Mafia, die in enger Verbindung mit ihren amerikanischen Brüdern steht.

Das gleiche Phänomen konnte man auch in osteuropäischen Ländern beobachten. Medienzar Robert Maxwell, ein einflußreicher Mossad-Agent, unterstützte ihre kulturellen Eliten. Zuerst sprachen sie von Antisemitismus, dann über den Holocaust; am Ende wurde das privatisierte Volksvermögen dieser Länder von Leuten wie George Soros, Marc Rich und Wladimir Gusinsky aufgekauft, während man die jungen osteuropäischen Männer als Soldaten in den Irak schickte, um Araber zu töten.

Beim Geschwätz um den Antisemitismus geht es überhaupt nicht um Juden: es handelt sich hier um die dominierende Ideologie der Pax Americana. Ein Kubaner, der vom Antisemitismus spricht, bereitet den Weg vor, auf dem die Erben Meyer Lanskys triumphierend auf seine Insel zurückkehren werden. Sie, Lisandro, hatten Kuba einst als politischer Emigrant verlassen, kehrten später aber zurück, da Sie die irreführenden Seiten der westlichen Medien erkannten. Sie schrieben damals:

"Aus der Weite erkennt man besser, wie es wirklich ist: die kleinen Dinge sind klein, die Großen groß."

Haben Sie Ihre Ansicht erneut geändert? Möchten Sie, daß Ihr Land ein weiteres Haiti oder Guatemala wird, eine Bordellinsel nahe der Küste von Miami? Besuchen Sie doch die früheren sowjetischen Republiken, und sie werden das Ende jener Sackgasse erkennen, die mit Sprüchen über Antisemitismus beginnt. Auch wenn Ihnen das Schicksal der Arbeiter und Bauern egal ist und Sie nur das Schicksal der Intellektuellen kümmert, so werden Sie erkennen, daß Schriftsteller und Filmemacher in jenen verarmten Ländern nur überleben können, wenn sie von Soros' Gesellschaft gesponsert werden.

Das Leben der Intellektuellen in den sozialistischen Staaten ist (bzw. war) wesentlich besser als das ihrer Brüder in der "privatisierten" Dritten Welt. Ein guter Frisör, Masseur, Automechaniker oder sogar eine Hure mögen hoffnungsvoll auf das Kuba nach Castro warten. Für einen Schriftsteller, einen Wissenschaftler, einen Denker allerdings gibt es keine Hoffnung - in der Pax Americana werden Sie für ein amerikanisches Visum Schlange stehen oder am Straßenrand Zigarren verkaufen. Sie werden nicht etwa "Dissident" genannt werden, sondern "Terrorist". Ihre völlig deplazierte Sorge für die Meyer Lanskys und Mort Zuckermans, Bernard-Henri Levys und den kubanischen Zionisten Jacobo Machover, für die Freunde Ariel Sharons und Shimon Peres wird Ihnen einen neuen Batista für Ihre Insel einbringen, es sei denn, dieser wird von neuen Barbudos (Castros Rebellentruppe) aufgehalten werden.

Eher als Sie denken wird die Zeit kommen, da das amerikanische Imperium besiegt und zerstückelt werden wird, und mit seinem Verschwinden wird auch das paranoide Gerede vom Antisemitismus verschwinden. Dann werden die Abkömmlinge der Juden in Frieden und Harmonie mit den Abkömmlingen der Spanier, der Amerikaner und der Palästinenser leben. Ihre Aufgabe und die der kubanischen Intelligenz ist es, das gute Schiff des unabhängigen sozialistischen Kuba in den sicheren Hafen der Zukunft zu bringen. Zu diesem Zwecke rate ich, sich von den zionistischen Klippen fern zu halten.

Söhne der Hunde und Füchse

Mit großen Erwartungen habe ich auf eine Antwort Lisandro Oteros gewartet. Ich hoffte auf klare Antworten: Warum dieser kubanische Schriftsteller die Anschuldigungen gegen Frankreich und das französische Volk wiederholt, die von Feinden des palästinensischen und des kubanischen Volkers verbreitet werden, von US-Präsident Bush bis zum Chef der ADL, Abe Foxman. Warum stellte er sich hinter den von Zionisten dirigierten, pro-amerikanischen Diskurs über "wachsenden Antisemitismus"? Er hat geantwortet, jedoch würde Sokrates Oteros Antwort aus Mangel an Logik verwerfen.[5]

1. Ich führte aus, es gebe keinen Antisemitismus und daß Juden überall sicher seien. Er antwortete, daß Juden in den Tagen Kaiser Caligulas gelitten hätten. Das wäre, wie wenn er auf meine Aussage, es gebe heute keine Sklaverei in Kuba, antwortete, daß es vor zweihundert Jahren Tausende von Sklaven gab.

2. Otero trug sodann die bekannte jüdische Märtyrer-Litanei vom römischen Reich bis zu Isabel der Katholikin und Hitler vor. So wahr das ist, es ist nicht die volle Wahrheit; und die halbe Wahrheit ist so schlecht wie eine Lüge. Juden durchlitten harte Zeiten, denn als Menschen leben die Juden auf einer Erde, wo sie wie alle anderen Menschen auch litten. Sicherlich weniger als die Ureinwohner Kubas und der anderen karibischen Inseln, die alle ausgerottet wurden. Wahrscheinlich auch weniger als ihre Nachbarn, gewöhnliche Spanier oder Polen, denn die Juden waren immer frei, üblicherweise wohlhabend und kannten niemals Sklaverei oder Leibeigenschaft; aber sie litten sicherlich ebenso. Man muß es im Verhältnis sehen: Juden litten nicht mehr als andere vergleichbare Gruppen.

In der Regel gehörten die Juden der ausbeutenden Klasse an; das ist der Grund dafür, daß sich die jüdischen Viertel nahe den königlichen Palästen in Sevilla und in Paris befinden. Von Zeit zu Zeit litten die Juden unter der Wut der ausgebeuteten Klassen oder unter ihren Wettbewerbern. Das gleiche widerfuhr der Aristokratie. Tausende französischer Aristokraten wurden während der Bauernkriege und während des Großen Terrors anno 1793 dahingeschlachtet. Russische Aristokraten wurden während der Oktoberrevolution ermordet oder ins Exil vertrieben. Viele von ihnen waren unschuldig, denn der Klassenkrieg ist so grausam wie jeder Krieg. Warum beklagt Otero nicht auch diese Opfer?

Juden führten Kriege wie alle anderen auch. Als Juden in Alexandria ermordet wurden, massakrierten sie zeitgleich Nichtjuden in Jaffa und Antiochia. Die Freunde der Juden waren oft Feinde der restlichen Bevölkerung: Cromwell brachte die Juden zurück nach England, aber zur selben Zeit massakrierte er die irischen Bauern und versklavte Irland.

Juden wurden 1492 aus Spanien vertrieben, aber das gleiche passierte den Mauren. Warum beklagt Otero nicht das Schicksal der Erbauer der Alhambra (Granada) und der Giralda (Sevilla)? Den Juden erging es tatsächlich viel besser: diejenigen, die zurückblieben, wurden völlig integriert, heirateten in die besten spanischen Familien ein und besetzten mächtige und angesehene Posten.

Und nun zum großen H. Während des Zweiten Weltkrieges kamen Millionen Russen, Deutsche und Japaner um, um nur einige zu nennen. Unter ihnen befanden sich auch Juden, Zivilisten wie Soldaten. So wurde mein jüdischer Onkel Abraham neben seinem russischen Freund Iwan bei der Verteidigung Leningrads von einer deutschen Bombe getötet. Auschwitz war tatsächlich unmenschlich, aber Dresden und Hiroshima waren auch unmenschlich. Solch ein Vergleich ist für die jüdischen Ideologen ein Sakrileg, denn bei diesem Vergleich wird das göttliche Volk Israels mit den deutschen und japanischen Untermenschen verglichen.

3. Der jüdische Diskurs des einzigartigen Martyriums und des einzigartigen Opfertums basiert auf der rassistischen Verweigerung, Nichtjuden als gleichberechtigte Menschen anzuerkennen; deshalb sind jüdische Ideologen davon besessen, jüdische Opfer zu zählen und das Leiden von Nichtjuden herunterzuspielen. Das Ergebnis dieses Ansatzes sehen wir in Palästina, wo jedes jüdische Opfer des Krieges einen Ehrenplatz auf den Titelseiten der Zeitungen erhält, während nichtjüdische Opfer kaum erwähnt werden. Jeder - einschließlich Otero - kennt und bezieht sich auf jüdische Opfer; aber kaum jemand - und das schließt Otero wiederum ein - hat zum Beispiel von Mona und Christina gehört, zwei jüngst von israelischen Soldaten ermordeten palästinensischen Mädchen.

Dorothy Naor, eine aufgeklärte israelische Frau, schrieb:

"Der heutige Mord an einer 34-jährigen israelischen Frau mit ihren vier Töchtern ist in der Tat tragisch. Die englischsprachigen Zeitungen, die ich geprüft habe, berichteten darüber ausgiebig - in den USA durch die NY Times, die Washington Post, den San Fransisco Chronicle, die Chicago Tribune, die Herald Tribune; in England durch den Independent und den Guardian; in Australien durch den Sidney Morning Herald (3.5.2004); und in Toronto durch den Globe and Mail. Im Gegensatz dazu berichtete von den obigen Zeitungen lediglich die heutige New York Times über den gestrigen Mord eines 8-jähringen palästinensischen Jungen durch die israelische Armee. Jeder dieser Tode ist tragisch. Aber der Mord an der israelischen Frau und ihren Kindern muß im Zusammenhang mit dem gestern getöteten palästinensischen Kind gesehen werden, mit der palästinensischen Mutter von zehn Kindern, die letzte Woche getötet wurde, sowie mit der von mir vor ein paar Tagen zitierten Statistik: d.h., im April wurden 59 Palästinenser getötet und 345 verletzt."

Die USA haben die jüdische Sprachregelungen vollständig übernommen; deshalb explodierten die amerikanischen, jüdisch-dominierten Medien vor Zorn, als vier amerikanische Profikiller durch das irakische Volk in Falludscha getötet wurden, während sie die Ermordung Tausender von Irakern schlicht ignorieren. In voller Übereinstimmung mit der jüdischen Doktrin der massiven Vergeltung massakrierten die Amerikaner in Falludscha sechshundert Zivilisten. Jüdische Inspiration ist daher sehr gefährlich für uns.

Andererseits schlossen christliche und moslemische Krieger bei Kampfpausen während der Kreuzzüge Freundschaften untereinander. Don Rodrigo wurde von den Arabern El Sid genannt; Torquato Tasso kürte die schöne Moslemin Clorinda zur Heldin seines Gedichts Gerusalemme liberata. Bei der Belagerung von Kerak befahl Saladin, das Feuer während einer Hochzeit in der Burgkapelle einzustellen, während die Königin-Mutter ihm eine Scheibe des Hochzeitskuchens zukommen ließ. Die islamischen und christlichen Verhaltensweisen sind daher völlig anders als die jüdischen: Menschen mögen in Kämpfe verwickelt werden, das ist menschlich; aber sie sollten sich als menschlich und gleichberechtigt anerkennen.

Ein Problem Oteros ist, daß er den jüdischen Diskurs-Köder mitsamt Haken, Angelschnur und Angel geschluckt hat und dies für eine wahre Beschreibung der Realität hält anstatt für das, was es ist: eine ideologische Propagandawaffe, die darauf zielt, den normalen Prozeß jüdischer Assimilation zu stoppen und umzukehren sowie den Abkömmlingen der Juden Angst vor den Nichtjuden einzujagen und so den jüdischen Eliten gegenüber unterwürfig zu machen. Er übernahm sogar den rassistisch-jüdischen Standpunkt, indem er Marx, Mendelsohn und Heine Juden nannte. (Obwohl als Kind jüdischer Eltern geboren, so wurden sie doch alle getauft, verstanden sich selbst nicht als Juden, und es wäre ihnen gemäß zionistischem Recht auch nicht erlaubt, sich in Israel niederzulassen). Wahrlich, Lisandro: wenn Marx ein Jude war, würde er dann geschrieben haben:[6]

"Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz.

Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.

Nun wohl! Die Emanzipation vom Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum wäre die Selbstemanzipation unsrer Zeit.

Eine Organisation der Gesellschaft, welche die Voraussetzungen des Schachers, also die Möglichkeit des Schachers aufhöbe, hätte den Juden unmöglich gemacht. Sein religiöses Bewußtsein wurde wie ein fader Dunst in der wirklichen Lebensluft der Gesellschaft sich auflösen. Andrerseits: wenn der Jude dies sein praktisches Wesen als nichtig erkennt und an seiner Aufhebung arbeitet, arbeitet er aus seiner bisherigen Entwicklung heraus, an der menschlichen Emanzipation schlechthin und kehrt sich gegen den höchsten praktischen Ausdruck der menschlichen Selbstentfremdung.

Wir erkennen also im Judentum ein allgemeines gegenwärtiges antisoziales Element, welches durch die geschichtliche Entwicklung, an welcher die Juden in dieser schlechten Beziehung eifrig mitgearbeitet, auf seine jetzige Höhe getrieben wurde, auf eine Höhe, auf welcher es sich notwendig auflösen muß.

Die Judenemanzipation in ihrer letzten Bedeutung ist die Emanzipation der Menschheit vom Judentum."

Rosa Luxemburg haßte es ebenfalls, wenn man sie als Jüdin betrachtete.

Dieses Mißverständnis des kubanischen Schriftstellers wird durch dessen Hinweis auf die "alte Menschheitsplage des antisemitischen Rassismus" verdeutlicht. Der antisemitische Rassismus ist alles andere als eine alte Plage, denn er trat erstmals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und hielt noch nicht einmal einhundert Jahre an. Paradoxerweise wurde dieser Rassismus durch den rassistischen innerjüdischen Diskurs ausgelöst. Die jüdische Einstellung bleibt jedoch auch heute rassistisch, denn die Juden glauben - wie die indischen Brahmanen - an ihre angeborenen höheren Qualitäten. Bevor der jüdische Einfluß in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem machtvollen Faktor der Modernen wurde, war den Europäern der rassische Ansatz durchaus fremd. Die Kirche war den Juden gegenüber niemals rassistisch; jeder Abkömmling eines Juden konnte ein Christ und damit ein volles Mitglied der Gesellschaft werden. Der christliche Kampf gegen die Juden war auch ein Kampf der Ideologie der Gleichheit gegen die Ideologie des Rassismus. Auch die Juden bekämpften die christliche Kirche; wenn sie jedoch die Oberhand hatten - zum Beispiel zwischen 128 und 614 n.Chr. in Palästina - gaben sie sich nicht mit der Vertreibung der Christen zufrieden, sondern sie schlachteten alle Christen ab, derer sie habhaft werden konnten. Aber Otero versteht das nicht und meint, eine antijüdische Einstellung sei "rassistisch".

Er sagt, es gebe gute und schlechte Juden; es scheint ihm nicht klar zu sein, daß sogar diese triviale Aussage im gegenwärtigen Klima als antisemitisch gilt. Ein jüdisch-amerikanischer Journalist, Klinghoffer, schrieb dazu im Forward:[7]

"Ein Autor, der uns [Juden] aufteilen will, die einen zum Lobe, die anderen zur Verachtung, mag kein Antisemit sein - aber er ist auch nicht unser Freund."

Paß also auf, Lisandro![8]

Israel Shamir, Jaffa

Zum Autor

Israel Shamir (50) ist ein russisch-israelischer Intellektueller, Schriftsteller, Übersetzer und Journalist.

Shamir wurde in Nowosibirsk in Sibirien geboren, er ist der Enkel eines Mathematikprofessors und Nachkomme eines Rabbi aus Tiberias in Palästina. Er studierte an der angesehenen Hochschule der Akademie für Naturwissenschaften und studierte an der Universität von Novosibirsk Mathematik und Jura. 1969 siedelte er nach Israel um, diente als Fallschirmjäger in der israelischen Armee und kämpfte im Krieg von 1973 mit. Nach dem Militärdienst nahm er sein Jura-Studium an der Hebräischen Universität von Jerusalem wieder auf, gab aber den juristischen Beruf auf zugunsten einer Karriere als Journalist und Schriftsteller.

Ersten Gefallen am Journalismus fand er beim Israelischen Rundfunk. Seine verschiedenen Aufträge als freiberuflicher Journalist umfaßten die Berichterstattung über Vietnam, Laos und Kambodscha in der letzten Phase des Südostasien-Krieges. 1975 kam Shamir zum BBC und zog nach London. Von 1977-79 schrieb er aus Japan für Maariv und andere Zeitungen. Während er in Tokio war, schrieb er seinen ersten Roman Travels With My Son (Reisen mit meinem Sohn). Er fand sogar Zeit, eine Reihe japanischer Klassiker zu übersetzen.

Nachdem er 1980 nach Israel zurückgekehrt war, schrieb er für die israelische Tageszeitung Haaretz und die Zeitung Al Hamishmar und wirkte in der Knesset als Sprecher für die israelische sozialistische Partei (Mapam). Er übersetzte die Werke von S.Y. Agnon, dem einzigen hebräischen Nobelpreisträger, aus dem Hebräischen ins Russische. Als die erste palästinensische Intifada begann, zog Shamir aus Israel weg nach Rußland, wo er über die ereignisreichen Jahre 1989-1993 Bericht erstattete. In seiner Moskauer Zeit berichtete er für Haaretz, wurde aber gefeuert, weil er einen Artikel veröffentlicht hatte, der zur Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge und zum Wiederaufbau ihrer in Trümmer gelegten Dörfer aufrief. 1993 kehrte er nach Israel zurück und ließ sich in Jaffa nieder. Als Reaktion auf den zweiten palästinensischen Aufstand in 13 Jahren gab Shamir zeitweise seine schriftstellerische Tätigkeit auf und nahm wieder seine Arbeit als Journalist auf. Inmitten der endlosen Gespräche über eine "Zwei-Staaten-Lösung" wurde Shamir, zusammen mit Edward Said, ein führender Verfechter der "Ein-Mensch-eine-Stimme-ein-Staat"-Lösung in ganz Palästina/Israel. Überwältigt von den unmoralischen religiösen Gesetzen und Handlungen seiner jüdischen Mitbürger trat Shamir zum christlichen Glauben über.


Anmerkungen

Quelle: www.israelshamir.net/shamirImages/Shamir/BerlinGR.htm

[1]Vgl. www.israelshamir.net/shamirImages/Shamir/Lisandro.htm.
[2]Beitar wurde vom Mussolini-Verehrer Jabotinsky gegründet.
[3]www.counterpunch.org/neumann04152004.html
[4]www.pycckie.com/word/kuprin.htm
[5]www.rebelion.org/palestina/040502lis.htm
[6]Karl Marx, Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag, Berlin, 1976, Band 1, S. 372f.; www.mlwerke.de/me/me01/me01_347.htm
[7]www.forward.com/issues/2002/02.12.27/oped3.html
[8]Zwei weitere Punkte aus Shamirs Erwiderung wurden hier gestrichen, da sie dem Ausgeführten inhaltlich wenig hinzufügen.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 8(2) (2004), S. 206-211.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis