Selektion in Auschwitz-Birkenau

»Rechte Reihe« zur Arbeit – »Linke Reihe« zur Vergasung?
Das Beispiel des belgischen Zuges Nr. XXV, angekommen am 21. Mai 1944.

Von Jean-Marie Boisdefeu

Die offizielle und verbindliche Version, die uns per Gesetz aufgezwungen wird, behauptet, daß bei der Ankunft in Auschwitz-Birkenau die SS die Ankömmlinge nach Geschlecht trennte und dann in zwei Reihen einteilte: die eine Seite, »die rechte Reihe«, bestand aus den Arbeitstauglichen, die vorläufig verschont, aber einem schnellen Tod durch Arbeit geweiht waren; die anderen Seite, die »linke Reihe« bestand aus den zur Arbeit Untauglichen, (den Kranken, die Invaliden, Kinder und die sie begleitenden Erwachsenen) die zur sofortigen Vergasung und Einäscherung bestimmt waren. Die Leute die das nicht glauben, sind die Ungläubigen, das heißt abstoßende Wesen und, wenig später, Gedankenverbrecher (laut Lionel Jospin). Betrachten wir also den Fall des belgischen Zuges Nr. XXV, der am 21. Mai 1944 in Auschwitz ankam, das heißt am Anfang der schwärzesten Zeitspanne der Geschichte von Auschwitz (in einer Zeit, als es rechnerisch Tagesspitzenleistungen von 24.000 Vergaste gegeben haben soll.)


Für das Datum 21. Mai 1944 besagt Danuta Czechs Kalendarium:

»Ankunft des Zuges Nr. 25 von Malines (Belgien) mit 507 Juden an Bord (228 Männer, 29 Jungen, 221 Frauen, 29 Mädchen). Wahrscheinlich wurden dem Zug nach der Selektion bei der Ankunft 200 Juden anderer Herkunft angeschlossen, wonach 300 Männer 1 und 99 Frauen im Lager aufgenommen und registriert wurden, die Männer mit den Nummern A–2546 bis A–2845 und die Frauen mit den Nummern A–5143 bis A–5241. Die ungefähr 300 Übrigen wurden vergast.«

Ein Augenzeuge bestätigt außerdem die Sache: es handelt sich um Régine B., die während vieler Jahre Vizepräsidentin der Auschwitz-Stiftung von Brüssel war und viele Jahre lang in allen Schulen Flanderns unablässig Zeugnis abgelegt hat. Sie hat selbst unlängst den Bericht über ihre Deportation nach Auschwitz im besagten Zug Nr. XXV veröffentlicht.2

Die Beschreibung, die Régine B von der Selektion nach der Ankunft gibt, könnte nicht besser mit dem Holocaust-Dogma übereinstimmen: es ist von den bewaffneten SS Männern die Rede, von den Peitschen, den kläffenden Hunden (wie man sieht, alles Dinge, die man sonst nicht auf den zahlreichen Fotos finden kann, die in Auschwitz gemacht wurden). Wohlgemerkt versäumt es Régine B bei der Gelegenheit nicht, die Revisionisten zu beschimpfen, die ihren Bericht anzweifeln könnten. Aber was ist genau an der Rampe geschehen?:

»An der Spitze des Weges [gemeint ist der Bahnsteig] der Lagerkommandant oder der Arzt des Lagers: mit einer Handbewegung nach rechts oder nach links entschieden sie, ob man sofort verschwinden mußte oder ob man das Recht erhielt, noch ein wenig zu leben. Die Alten, die Kranken, die Gebrechlichen, die Leute die ein Kind in den Armen oder an der Hand hielten, die schwangeren Frauen und ganze Gruppen Jugendlicher wurden sofort nach links geschickt. Um vergast und verbrannt zu werden: aber wir wußten es noch nicht.«

Und genau hier kommt eine immer wiederkehrende Episode, hier kommt das klassische Zeugnis des Holocausts, das geradezu ein »Muß« ist: Régine steigt aus dem Zug aus – mit einem Kind in den Armen, das dessen erschöpfte Mutter ihr anvertraut hat, aber dessen sich die Großmuter im Augenblick der Selektion annimmt:

»Das ist es, was mein Leben gerettet hat: mit dem Kind am Arm wäre ich sofort zu den Gaskammern gebracht worden. So kam es, daß ich die erste Auswahl überlebte.«

Im selben Zug Nr. XXV befand sich eine 44 Jahre alte Dame, Esther T., und ihr erst 9 Jahre alter Sohn Friedel R. Mit diesem Alter hätte Friedel in Begleitung seiner Mutter nur in die linke Reihe kommen können, in die Reihe für die Untauglichen, zur Vergasung Bestimmten. Es sei daran erinnert, daß die SS die Kinder in der Regel nicht von ihren Müttern getrennt hat. Sogar die Jungen folgten ihren Müttern ins Frauenlager, obwohl sie laut der Statistik im Männerlager registriert waren. Den Historikern zufolge tat die SS Derartiges nicht aus Menschlichkeit, sondern um sich die Arbeit zu erleichtern: der so geopferte Taugliche (denn sie wurden vergast, bevor sie zum Arbeitseinsatz gebracht werden konnten) sollte ihnen helfen, die Ordnung in den Reihen ihrer Opfer zu bewahren. Dies ist übrigens eine vollkommen unlogische Deutung, denn die SS mußte gerade seitens der Erwachsenen am ehesten Rebellion erwarten. Doch diese Erörterung ist hier nebensächlich. Worauf es in unserem Geschehen ankommt,

ist, daß Esther selbstverständlich ihren Sohn in die linke Reihe begleitete. Esther und ihr kleiner Friedel wurden also sofort vergast wie alle Untauglichen dieser linken Reihe, und ihre Leichen wurden eingeäschert. Man kann es übrigens nachprüfen: Esther T. war nicht unter den 99 Frauen, die verschont wurden und unter den Nummern A–5143 bis A–5241 registriert wurden (Régine B. erhielt dabei die Nummer A–5148), und Friedel R. befindet sich auch nicht bei den etwa 100 verschonten Männern, die eine Nummer zwischen A–2546 und A–2845 erhielten. Weitere Dokumente bestätigen dies: so besagt etwa die Denkschrift der Deportation der Juden aus Belgien eindeutig, daß alle Kinder des Zuges im Lager vergast wurden.

Die Wahrheit sieht aber tatsächlich ganz anders aus: wenn es auch wahr sein mag, daß Esther und ihr Sohn in die linke Reihe geschickt wurden, so heißt das noch lange nicht, daß sie vergast wurden, und zwar aus dem unanfechtbaren Grund, daß sie nach Belgien zurückgekehrt sind! Man kann dies ohne große Nachforschungen feststellen, da sie auf der Liste der Geretteten aufgeführt sind, die von der Behörde für Kriegsopfer in Brüssel veröffentlicht wurde. Die Priester werden vielleicht sofort einwenden, daß Friedel verschont wurde, um ihn zum Objekt medizinischer Experimente zu machen (noch ein Holocaust-Klischee), daß er deshalb überlebt hat und daß er vielleicht am Ende aus dem einen oder anderen Grund nicht den Experimenten unterworfen wurde. Dieser dürftige Einwand ist offensichtlich nicht haltbar, denn in diesem Fall wäre Friedel in die rechte Reihe gekommen und als Arbeitstauglicher des Zuges registriert worden.

Tatsächlich wurden Esther und ihr Sohn schließlich registriert, aber gesondert, und sie bekamen Nummern ohne Bezug zu den Nummern der Arbeitsfähigen aus der rechten Reihe.3 Was also war geschehen? Laut der Note einer Vereinigung, die zum Internationalen Suchdienst von Arolsen gehört (Hilfe für die Israelitischen Kriegsopfer), hat Esther erklärt, daß sie mit ihrem Kind nach der Selektion in das »Familienlager« in Birkenau geschickt wurde, und daß sie dort bis zur Befreiung durch die Russen im Januar 1945 geblieben seien. Und was hat sie die ganze Zeit in jenem Lager gemacht? Esther erklärte, daß sie in einem »Außenkommando« gearbeitet habe. Und was geschah mit den anderen Frauen, Kindern und sonstigen Arbeitsunfähigen der berüchtigten linken Reihe? Der Beamte, der sie befragte, war wenig neugierig. Ohne zu wissen, daß er Geschichte schrieb, hat er einfach notiert:

»Wußte nicht, was mit dem Transport geschah, da sie sich im Familienlager befand.«

Eine Sache ist sicher: Das Schicksal von Esther und ihrem kleinen Friedel findet keine Erklärung im Licht der offiziellen Geschichtsschreibung, das heißt im Schatten des Dogmas.

Die Moral dieses Berichtes ist, daß man Geschichte nicht allein auf Zeugenaussagen stützen kann, selbst wenn diese von glaubwürdigen und über jeden Zweifel erhabenen Zeugen stammen, insbesondere 50 Jahre nach den Geschehnissen. Sie geben eher wieder, was sie im nachhinein gelesen haben, als was sie tatsächlich gesehen haben; insbesondere, wenn sie sich eines »Negers« bedienen (wie im Fall von Régine B., die sich von einem Moralprofessor helfen ließ, der Mitglied der Brüsseler Auschwitz-Stiftung ist). Und die materiellen Spuren? Wie man eben erkennen konnte, zeigt ihre Überprüfung, daß die Selektion nicht mit der Vergasung der Untauglichen endete. Nur gläubige Geister wie Jospin widersprechen uns.


Anmerkungen

1 Etwa hundert Männer des Zuges, denen 200 Männer eines anderen Zuges hinzugefügt worden waren;
2 »KZ A5/48« EPO, Brüssel, 1992
3 Friedel erhielt Nr. A–3099; das ist sicher: diese Nummer haben auch die belgischen Behörden angegeben, und vor ihnen die Russen (nämlich in seinem ärztlichen Befund, der nach der Befreiung von einem sowjetischen Militärarzt ausgestellt wurde. Carlo Mattogno hat ihn aus Moskau geschickt). Diese Nummer wird jedoch im Kalendarium von D. Czech einem ungarischen Juden zugeteilt, der am selben Tag wie Friedel ankam; diese Nummer war Teil einer Serie von nur 4 Nummern (A-3096 bis A-3099), aber dies gibt Czech Gelegenheit, einen ungarischen Zug zu erfinden. Die Mutter, Esther, bekam die Nr. A–5769, die das Kalendarium einer ungarischen Jüdin zulegt (allerdings ohne diesmal einen Zug zu erfinden). Man kann dem Kalendarium nicht trauen.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 9(1) (2005), S. 45f.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis