Der Sieg des Vincent Reynouard

Von Robert Faurisson

Wenige Zeitungen haben es mitgeteilt: Am 12. April 2005 hat der französische Kassationshof in Paris [entspricht dem Bundesgerichtshof, d. Red.] die Verurteilung des Revisionisten Vincent Reynouard durch das Berufungsgericht von Limoges aufgehoben. Vincent Reynouard hatte behauptet, daß die Geschichte vom Massaker von Oradour-sur-Glane voller Lügen sei. Das Berufungsgericht hatte deshalb Vincent Reynouard am 9. Juni 2004 wegen Beschönigung (»Apologie«) von Kriegsverbrechen zu einer Gefängnisstrafe von 24 Monaten verurteilt, davon 6 Monate ohne Bewährung. Vincent Reynouard hatte eine Videokassette mit dem Titel Die Tragödie von Oradour-sur-Glane: 50 Jahre amtlicher Lügen hergestellt, in der er die von den Überlebenden und im Prozeß von Bordeaux 1953 festgestellten Ereignisse bestritt.


Verurteilung aufgehoben

Die Strafkammer des Kassationshofes fand, daß die Entscheidung des Berufungsgerichtes schlecht begründet war, denn der Beschuldigte betrieb in seiner Kassette keinerlei Beschönigung der in Oradour begangenen Verbrechen, was zum Tatbestand einer Apologie gehört. Vincent Reynouard hat sein Thema auf das Bestreiten eines Kriegsverbrechens beschränkt, und das ist keine Straftat. Der Kassationshof hat die vom Berufungsgericht in Limoges am 9. Juni 2004 gegen Vincent Reynouard ausgesprochene Verurteilung ohne Zurückverweisung aufgehoben. (La Charente Libre, 14. April 2005, S. 4)

Der so von V. Reynouard erlangte Sieg ist insofern normal, als er dem Recht entspricht. Aber er überrascht deswegen nicht weniger, denn die Revisionisten kommen selten in den Genuß einer gerechten Anwendung des Gesetzes. In Falle hier konnten traurige Vergleichsfälle das Schlimmste befürchten lassen.

Dieser Sieg beruht zweifellos zum Teil auf V. Reynouards Überzeugungskraft wie auch auf der Erfahrung seines Beraters, des Rechtsanwalts Eric Delcroix. Der Autor der Kassette hatte geltend gemacht, daß er sich selbstverständlich jeder Rechtfertigung oder Glorifizierung irgendeines Verbrechens enthalten habe. Er hatte vor allem unterstrichen, daß er die offizielle Geschichtsversion in bezug auf ein einfaches »Kriegsverbrechen« bestritten habe, (was erlaubt ist), nicht eines »Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, (was strikt verboten ist). Man darf in der Tat »Oradour« und das Unglück der Gesamtheit der Widerständler und der Deportierten bestreiten, aber nicht »Auschwitz« und das besondere Unglück der Juden. So verfügt es seit dem 13. Juli 1990 das Gesetz »Fabius-Gassot«.

Die Motive der Richter

Dieser Sieg erklärt sich vielleicht auch aus Beweggründen, die den Pariser Richtern zu eigen sind. Möglicherweise wollten sie der zunehmenden Tendenz Einhalt gebieten, Richter zu Geschichtssachverständigen umzufunktionieren. Das würde ihnen zur Ehre gereichen. Aber umgekehrt ist es auch möglich, daß sie beschlossen haben, dem verbreiteten Trend jener modernen Intellektuellen zu folgen, die dringend das schützen müssen, was sie »die Besonderheit der Shoah« oder ihre »Einmaligkeit« nennen.

Übrigens, wie es der Zufall will, spricht man heutzutage wieder von Vladimir Jankélévitch, der vor 20 Jahren gestorben ist. Liest man einige seiner Schriften wieder, so hilft das zu verstehen, warum man uns seit einigen Jahren ständig wiederholt, man dürfe nicht den Völkermord an den Juden, der »besonders« und »einmalig« sei, mit anderen Völkermorden oder Massakern gleichsetzen.

Die »Besonderheit« oder »Einmaligkeit« der Shoa

Vladimir Jankélévitch (1903–1985), Professor der Philosophie an der Sorbonne, hat seine Ansicht hierzu jahrelang dargelegt. Eine Zusammenfassung findet man in einer kleinen Schrift mit dem Titel L’ImprescriptibleDas Unverjährbare«). Unter diesem Titel hat das Verlagshaus Le Seuil zunächst 1986, und dann 1996 als Taschenbuch, einige Schriften des Professors zusammengestellt. Auf die Frage, ob es angebracht sei, den Deutschen von 1971 die »Verbrechen des Nazismus« zu vergeben, begann der Professor mit der Antwort:

»Wenn der Schuldige fett, wohlgenährt, erfolgreich, durch das »Wirtschaftswunder« bereichert ist, dann ist Vergebung ein trauriger Scherz. Nein, Vergebung ist nicht für Schweine und ihre Säue da. Die Vergebung ist in den Todeslagern gestorben.« (S. 50)

Der besagte Akademiker ist also der Meinung, daß die deutschen Männer Schweine und die deutschen Frauen Säue sind. Ausnahmen macht er nur für »die deutschen Demokraten in den Lagern«, für »die erschütternde Geste des Kanzlers Brandt vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos« und für »den bewundernswerten Mut der Frau Beate Klarsfeld, der beweist, daß die Elite der jungen deutschen Generation es geschafft hat, die Elite zu ersetzen, von der wir reden« (S. 44f.).

In dem gleichen Werk findet es V. Jankélévitch unzulässig, daß man Auschwitz und Treblinka auf eine Ebene stellt mit den Verbrechen Stalins, dem Massaker an den Armeniern, den Ertränkungen von Nantes, der Hölle von Verdun, den Folterungen in Algerien, den Gewalttaten der Segregationisten in Amerika, der Bartholomäusnacht, Berlin, Dresden, Oradour, Tulle, Mont-Valérien, Châteaubriant, la Cascade du Bois de Boulogne, Hiroshima (S. 38–41), denn das an den Juden begangene Verbrechen sei unsagbar schwerwiegender, es sei »metaphysisch« (S. 40–44). »Mit ihren sechs Millionen Ausgerotteter befinden sich die Juden an erster Stelle der Märtyrerliste aller Zeiten« (S. 40). Deswegen, so sagt er, »wiederholen wir [Juden] auf ewig die Litanei der Verbitterung.« Was die »Todeslager« anbetrifft, so »spricht man niemals genug davon und man wird niemals genug davon sprechen!« (S. 56). Die Kirche ist »stumm« gewesen, Roosevelt »hat geschwiegen«, und die Polen »haben den Tod sein teuflisches Werk vor ihren Augen verrichten lassen« (S. 57). »Das, was [den Juden] geschehen ist, ist einmalig in der Geschichte [...]. Aber nein, der Schlaf kommt nicht zurück. Wir denken während des Tages daran und träumen des Nachts davon« (S. 61). »Denn dieser Todeskampf wird bis zum Ende der Welt dauern« (S. 63).

Ein Sieg, auch für die Verfechter der Shoa?

Kommen wir auf die Aufhebung der Verurteilung des Revisionisten V. Reynouard zurück. Es besteht kein Zweifel, daß sie die Bewohner von Oradour ebenso erschüttern wird wie die ehemaligen Widerstandskämpfer und Kommunisten der Region Limoges. Es ist aber nicht sicher, daß die Mißbilligung gewisser jüdischer Vereinigungen aufrichtig sein wird. Schließlich bedeutet diese Entscheidung des Kassationshofes eine Mahnung an die Adresse der Widerstandskämpfer und Kommunisten, die seit einigen Jahren aus verschiedenen mehr oder weniger eigennützigen Gründen versuchen, ihr eigenes Kriegsschicksal dem der Juden gleichzustellen. In gewisser Weise hätte also auch V. Jankélévitch gewonnen. Das, was er »Massaker« oder »die Massaker« von Oradour nannte (L’Imprescriptible, S. 27, 41, 47, 60) hat ihn gewiß entrüstet, aber für ihn war »Oradour« nur ein »Kriegsverbrechen«, das ihn nicht hinderte zu schlafen, und nicht ein »Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, das heißt im Klartext, nicht ein unsagbares und unübertreffliches Verbrechen wie der Völkermord an den Juden. Diese Unterscheidung zwischen »Kriegsverbrechen« und »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« war zuerst von den Richtern in Nürnberg gemacht worden, dann 1953 von den Richtern in Bordeaux, schließlich 1990 durch das Gesetz Fabius-Gayssot, und sie ist nun 2005 durch die Richter des Kassationshofes bestätigt worden.

Verurteilung von Siegfried Verbeke

An 14. April, zwei Tage nach seinem eigenen Sieg, hat Vincent Reynouard erlebt, daß das Berufungsgericht in Brüssel seinen Freund Siegfried Verbeke zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung, zu einer Geldstrafe von 2500 Euro und zur Aberkennung der bürgerlichen Rechte für 10 Jahre verurteilt hat. Verbekes Verbrechen? Er hatte gegen ein belgisches Gesetz verstoßen, das dem französischen Gesetz Fabius-Gayssot entspricht, indem er einen Punkt der Shoah bezweifelte.

Der Sieg des einen in Paris und die Verurteilung des anderen in Brüssel beweisen jeweils, daß die Shoah für wahrhaftig »einmalig« gehalten werden muß.

S. Verbeke wird Berufung einlegen, während V. Reynouard – zumindest im Prinzip – frei seine Forschung über Oradour fortsetzen wird.

© 16. April 2005

Zu früh gefreut

Am Morgen des 12. September 2005 führten drei belgische Polizisten im Auftrag der französischen und belgischen Untersuchungsbehörden eine Hausdurchsuchung in der belgischen Wohnung von Vincent Reynouard durch. Sie beschlagnahmten seinen Rechner, seine Dokumente und Bücher. Sie versiegelten die Tür zu seinem Büro und informierten ihn, daß er nun all seine revisionistischen Aktivitäten aufgeben müsse.

Am 19. September dann erschienen um 9:30 morgens drei belgische Polizisten in Zivil vor Reynouards Wohnung in Brüssel. Sie öffneten das Siegel seines Büros und beschlagnahmten alle Bücher Reynouards, etwa 13 Kartons voll. Dann führten sie Vincent Reynouard zu einem Verhör und zur Aufnahme von Fingerabdrükken ab. Nach einer dreistündigen Wartezeit in eine Gefängniszelle, wo ihm die Schnürsenkel und der Gürtel abgenommen worden waren, wurde er in Handschellen zum Büro einer Untersuchungsrichterin geführt. Diese Dame in den Vierzigern des Namens Anne Gruwez war sehr arrogant. Sie verhörte Vincent Reynouard mit haßglühenden Augen und ließ ihn schließlich unter fünf Bedingungen frei: 1) er gibt alle revisionistischen Aktivitäten auf; 2) er organisiert keine Konferenzen; 3) er läßt sich psychiatrischen untersuchen; 4) er versucht, einen anderen Beruf zu finden; 5) er antwortet prompt auf alle zukünftigen Ladungen.

Um 18:45 erhielt Vincent Reynouard seine Schnürsenkel und seinen Gürtel zurück sowie das bei ihm beschlagnahmte Geld (€2,46).

Als Folge dieser zwei Hausdurchsuchungen und der Festnahme ihres Mannes erlitt Frau Reynouard gesundheitliche Probleme. Frau Reynouard ist mit ihrem sechsten Kind schwanger. Wer der Familie Reynouard schreiben will, richte sich an folgende Adresse:

107, Chausée de Vleurgat, B-1000 Brüssel, Belgien


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 9(1) (2005), S. 69f.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis