Jean-Claude Pressacs Kapitulation

Von Robert Faurisson

Vor genau zehn Jahren, am 15. Juni 1995, hat Jean-Claude Pressac kapituliert, doch der Text seiner Kapitulationsurkunde wurde lediglich — diskret und in Kleinschrift — ganz am Schluß eines Buches veröffentlicht, das Valérie Igounet im April 2000 unter dem Titel Histoire du négationnisme en France bei Éditions du Seuil herausgab.

Es ist zu befürchten, daß viele Leser jenes Werkes nur einen flüchtigen Blick auf diese beiden halben Seiten (S. 651 und 652) geworfen haben; sie nehmen nur einen kleinen Teil des breiten Raums ein, den V. Igounet J.-C. Pressac für seine Darlegungen zugestanden hat. Doch gerade sie sind von kapitaler Bedeutung für die Geschichte der Kontroverse über die "Nazigaskammern". J.-C. Pressac erklärt dort klipp und klar, letzten Endes sei das offizielle Dossier der Geschichte der NS-Konzentrationslager "verrottet". Er fügt sogar hinzu, dieses Dossier sei unheilbar verrottet und sei folglich für den "Mülleimer der Geschichte bestimmt"! Er richtet eine regelrechte Anklage gegen die "Erinnerung", der man "den Vorrang vor der Geschichte eingeräumt" habe, gegen von "Ressentiment und Rache" inspirierte Entstellungen, gegen die Kommunisten und ihre Vereinigungen, die sich zu den Gralshütern einer falschen Wahrheit gemacht hätten (diesen Vorwurf auch gegen die Juden und die jüdischen Vereinigungen zu richten, wagt er freilich nicht). Er schreibt:

"Pfusch, Übertreibung, Auslassung und Lüge kennzeichnen die meisten Berichte aus jener Periode."

Er fragt: "Kann man diese Entwicklung rückgängig machen?" und gibt die Antwort gleich selbst: "Es ist zu spät. Eine allgemeine Richtigstellung ist menschlich und materiell unmöglich."

Die Bezeichnung "verrottet" hat Pressac von Prof. Michel de Boüard übernommen. Dieser katholische und zugleich den Kommunisten nahestehende Historiker, der als Widerstandskämpfer in Mauthausen interniert gewesen war, war nach dem Krieg Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität von Caen (Normandie) sowie Mitglied des Institut de France. Innerhalb des Komitees für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs war er Vorsitzender der Kommission für die Geschichte der Deportation. Prof. de Boüard war Inhaber des Kriegsverdienstkreuzes, der Medaille der Résistance sowie Kommandeur der Ehrenlegion. Nähere Informationen über seine unerwarteten Erklärungen von 1986–1987, die weitgehend revisionistischen Charakter trugen, findet man in meinen Écrits révisionnistes (1974–1998) (ER) auf den Seiten, auf welche im Namensverzeichnis unter dem Stichwort "Michel de Boüard" verwiesen wird.

Für J.-C. Pressacs jähe Kehrtwendung gibt es eine Erklärung. Am 15. Juni 1995, als er seine Kapitulationsurkunde unterschrieb, stand der Mann noch ganz unter dem Eindruck der Demütigung, die er einen guten Monat zuvor, genauer am 9. Mai desselben Jahres, vor der XVII. Kammer des Pariser Berufungsgerichts unter dem Vorsitz von Frau Martine Ract-Madoux erlitten hatte. Im September 1993 war das Erscheinen seines Buchs Les Crématoires d'Auschwitz. La Machinerie de meurtre de masse [Die Krematorien von Auschwitz. Die Maschinerie des Massenmordes] von ohrenbetäubendem Medienrummel begleitet gewesen. Als Entgegnung darauf veröffentlichte ich ein kleines Werk mit dem Titel Réponse à Jean-Claude Pressac sur le problème des chambres à gaz [Antwort an Jean-Claude Pressac zum Problem der Gaskammern]. Wegen dieser Schrift mußte ich vor Gericht erscheinen, und zwar aufgrund des Fabius-Gayssot-Gesetzes, welches das Bestreiten von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, so wie sie von den Nürnberger Richtern definiert und bestraft wurden, untersagt. Mein Anwalt Eric Delcroix und ich hatten verlangt, J.-C. Pressac in den Zeugenstand zu laden und ihn bei Nichterscheinen zwangsweise herbeischaffen zu lassen. Ich verweise auf zwei Artikel in meinen Écrits révisionnistes, wo ich die Gerichtsverhandlung nachvollziehe, die wachsende Verlegenheit des Zeugen schildere, seine Ausflüchte darlege, seine Unfähigkeit beschreibe, auf die Fragen meines Anwalts E. Delcroix zu antworten, und schließlich die Bestürzung der Gerichtsvorsitzenden angesichts eines Mannes schildere, der mit erhobenen Armen erklärte, er habe nur ein Leben und stehe in seinem Kampf allein.1

Die Prozesse, die in Frankreich und im Ausland wegen des Deliktes Revisionismus gegen uns angestrengt wurden, waren besonders belastend, um nicht zu sagen zermürbend. Wir haben bisweilen Entmutigung empfunden und gerieten in Versuchung, jede Verteidigung, die diesen Namen verdient, für unnütz zu halten. Doch gilt es anzuerkennen, daß diese Prozesse unsere Sache auch erheblich gestärkt haben. Unsere Gegner haben alle unsere Angebote zu einer Debatte abgelehnt und sind vor jeder öffentlichen Konfrontation zurückgeschreckt. Sie verkündeten im Fanfarenton, ihr Dossier, dasjenige des Holocaust und der Shoa, sei unanfechtbar solide. Die einzigen Anlässe, wo wir sie zwingen konnten, uns persönlich und vor einer Zuhörerschaft entgegenzutreten, waren diese Prozesse, die gegen uns anzustrengen sie die Kühnheit besessen hatten. Manchmal vermochten sie den Eindruck zu hinterlassen, sie hätten sich auf dem Gebiet der historischen oder wissenschaftlichen Kontroverse durchgesetzt. Dies war das letzte Mal bei dem Prozeß der Fall, den sie in London gegen David Irving gewonnen haben. Doch David Irving ist allenfalls ein Halbrevisionist, und er ist mit den revisionistischen Argumenten nur sehr unvollkommen vertraut. Er vermochte es nicht, den Juden Robert Jan van Pelt, eine Art Pressac in Kleinformat,2 eine Art rabbinischen Illuminaten, schachmatt zu setzen. Er lehnte die Hilfe ab, die ihm ein Experte wie Germar Rudolf angeboten hatte. In all den Fällen, wo sich Revisionisten tatsächlich energisch zur Wehr setzten, war das Debakel des Gegners offensichtlich. In dieser Hinsicht waren die beiden langen Prozesse gegen Ernst Zündel in Toronto (1985 und 1988) beispielhaft. Es versteht sich von selbst, daß ich nicht vom juristischen Ausgang dieser Verfahren spreche, sondern lediglich von den Ergebnissen, welche die Revisionisten auf historischem oder wissenschaftlichem Feld erzielt haben:

Einerseits die Niederlage der von der Gegenseite aufgebotenen Experten und Zeugen, andererseits die als Folge dieser Prozesse möglich gewordenen bedeutsamen Beiträge revisionistischer Forscher zur Förderung der Geschichtswissenschaft (insbesondere mit dem Leuchter-Bericht über Auschwitz und Majdanek).

Die Medien der westlichen Welt haben J.-C. Pressac als eine Art Genie gefeiert, das, so wurde behauptet, dem Revisionismus im allgemeinen sowie Robert Faurisson im besonderen den Garaus gemacht habe. Als er am 23. Juli 2003 im Alter von 59 Jahren starb, blieb sein Tod vollkommen unbeachtet. Keine einzige jener Zeitungen und Zeitschriften, die ihn zuvor dermaßen gefeiert hatten, hat sein Ableben auch nur vermerkt.3

Der 15. Juni 1995, an dem J.-C. Pressac seine Kapitulationsurkunde unterzeichnete, stellt also eines der markantesten Daten in der Geschichte des Revisionismus dar.

© 15. Juni 2005


Anmerkungen

1

ER, S. 1674–1682 sowie 1683–1693

2

"Robert Jan van Pelt, a scholar who is clearly inferior to Pressac both intellectually as well as regarding his critical attitude" [Robert Jan van Pelt, ein Gelehrter, der Pressac sowohl intellektuell als auch bezüglich seiner kritischen Einstellung klar unterlegen ist] (Carlo Mattogno, "Meine Erinnerungen an Jean-Claude Pressac", VffG 7. Jg., Heft 3–4, 2003).

3

Ungeachtet eines sich hartnäckig haltenden Gerüchts muß ich einmal mehr klarstellen, daß Pressac niemals mein "Mitarbeiter" oder mein "Jünger" gewesen ist.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 9(2) (2005), S. 188f.


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