In Memoriam Dr. Robert H. Countess (1937–2005)

Von Dr. Christian Lindtner

Wenn wir erfahren, daß ein guter Freund nicht mehr da ist, kann uns diese traurige Nachricht nicht unberührt lassen. Wir halten inne, setzen uns, und lassen unsere Erinnerungen schweifen.

Bob war gebildet — wie so viele unserer Kollegen. Aber Bob war auch mutig — im Gegensatz zu den meisten unserer gelehrten Freunde. Sein außerordentlicher Mut machte ihn zu einem herausragenden Menschen.

Bob war auf seine Weise etwas Besonderes. Gelehrt, mutig, selbstbewußt. Aber Bob war ein Mann der Güte, und seine Güte war eine ganz besondere. Ich erinnere mich, daß seine Frau Elda, deren Gastfreundschaft ich einmal in Alabama erfahren durfte, seine Ausführungen mit dem Ausruf unterbrach: "Bob tötet die Leute mit seiner Güte." Wenn ich mich recht erinnere, ging es darum, wie er einmal versuchte, eine christliche Gruppe über die wahre Natur des "Judeo-Bolschewismus" — ein beliebter Begriff von ihm — aufzuklären.

Seine "tötende Güte" war ein Ausdruck von Bobs tiefverwurzeltem Gefühl für Toleranz. Außer seiner Pfeife hatte Bob immer eine griechische Ausgabe des Neuen Testaments bei sich — genau wie ich, so daß wir beide einige Stunden unterwegs oder in der Bibliothek verbrachten und über verschiedene Auffassungen oder unklare Passagen in der Heiligen Schrift diskutierten. Ich wies ihn auf "Sanskritismen" im griechischen Text hin, bei denen sich das Sanskrit-Original im griechischen Text wiederspiegelte. Bob entdeckte selber einen Fall, der meiner Aufmerksamkeit entgangen war. Wenn Jesus seinen Jüngern aufträgt, ein Kreuz zu tragen — griechisch STaVRoN — könnte dies aus dem Sanskrit übernommen sein, wo der Buddha seinen Schülern unter ähnlichen Umständen befiehlt, die Heilige Schrift zu tragen — auf Sanskrit SuTRaM. Das Sanskrit-Original macht offensichtlich mehr Sinn als die griechische Nachahmung. Das Griechische gibt den Klang oder die Konsonanten des Originals gut wieder, aber nicht die Bedeutung.

Bob sah sich selbst als guten, sogar frommen Christen an. Er hatte seine eigene Auffassung vom Christentum, die mir zusagte, und die für eine revisionistische Kritik offen war. Bob, der pensionierte US-Militärkaplan, bestand auch darauf, — im Gegensatz zu fast allen seinen theologischen Kollegen — daß meine These es verdiente, offen diskutiert zu werden. Dieser Ausdruck von Toleranz war, wie ich ihm sagte, charakteristischer für Bob den Christen als für Jesus den Christen!

Um einen Menschen zu verstehen, muß man sein Zuhause besuchen! Den größten Teil nahm seine Bibliothek ein — eine hervorragende Bibliothek im Hinblick auf griechische und hebräische Texte, sowie Werke des historischen Revisionismus, mit besonderer Berücksichtigung des Holocaust-Revisionismus.

Bobs Güte war nicht ohne Ausnahme — er war grausam zu seinen Büchern, füllte sie mit Zeichen, Zeichnungen, Notizen, brach sogar ihren Rücken! Er hatte ein Gewehr und war bereit, es zur Selbstverteidigung zu benutzen (was in den USA legal ist). Er konnte auch sehr hart sein, wenn die täglichen Nachrichten eine weitere absurde Holocaust-Geschichte zum Vorschein brachten. Um einen vollständigen Eindruck von Bob zu bekommen, mußte man auch Bobs Garagen sehen. Da standen überall Autos. Er sammelte Autos — französische Modelle — und reparierte das meiste selbst. Ein frommer Christ, ein geschickter Mechaniker, ein guter Philologe — das war Bob. Eine Maschine zu reparieren und einen schwierigen griechischen Text zu übersetzen erfordert die gleiche Art Geschicklichkeit. Man muß die Einzelteile kennen, aber auch verstehen, wie sie zusammengesetzt werden müssen, um zu funktionieren. Es war Bob ganz klar, daß die übliche Holocaust-Geschichte über die Gaskammern usw. einfach nicht funktionierte. Es war wohl Bobs Idee, den Cremonini-Preis zu stiften — eine Anerkennung für einen guten Forscher, dem der Mut fehlt, Nachforschungen anzustellen und sich freimütig zu äußern. Diese Initiative zeigt auch seinen Sinn für Humor. Lesen Sie seinen entzückenden Bericht, den er selbst in den VffG (4. Jahrg., Nr, 2, August 2000) geschrieben hat.

Für Bob bedeutete ein frommer Christ zu sein, die Wahrheit zu sprechen und jene zu unterstützen, welche dies taten. Dies war eine Art persönliches Opfers, das alle Revisionisten kennen, ob Christen oder nicht. Einer seiner Freunde war Ernst Zündel, der damals noch in Tennesee wohnte. Kurz danach wurde "unser moderner Luther" nach Kanada deportiert, wo Bob ihn auch im Gefängnis besuchte. Einer von Bobs letzten Beiträgen befaßte sich bezeichnenderweise mit der Förderung der Arbeit Anderer. Er beteiligte sich an der Herausgabe von Exactitude. Festschrift für Robert Faurisson, die im Januar 2004 bei Theses & Dissertations Press veröffentlicht wurde. Countess war Mitbegründer dieses Verlages. Sein eigener Beitrag für Faurisson erschien erst später in den VffG (8. Jg., Heft 1, 2004) unter dem Titel "Die Kula-Säule — Genauigkeit in Aktion" (bzw. in The Revisionist, Vol. 2, Nr. 1, 2004)

Dr. Countess verschied am 19. März 2005 in seinem Haus in der Nähe von Huntsville (Alabama).

Er war ein guter und rechtschaffener Amerikaner, ein wahrer Förderer von Frieden und Verständigung.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 9(2) (2005), S. 204.


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