Mauthausen-Lügen

Von Walter Lüftl

Die "Krone" brachte am 4.6.04 unter dem Titel "60.000 KZ-Häftlinge gerettet" eine ausgesprochene Desinformation. Es war die Geschichte des Beauftragten des Roten Kreuzes Louis Haefliger, der im April 1945 einen Transport des Roten Kreuzes in den damaligen "Gau Oberdonau" gebracht hatte. Danach holte er die US-amerikanischen Panzerspitzen nach Mauthausen. Er gilt seither als "Retter von Mauthausen", erntete aber bloß Undank. Seine Frau ließ sich scheiden, weil sie "keinen Abenteurer, sondern einen Bankbeamten geheiratet hatte", sein Arbeitgeber, eine Bank, feuerte ihn und das Rote Kreuz ließ ihn im Regen stehen.

Bei allem Respekt für die Zivilcourage des Herrn Haefliger — sein Tun war ja nicht ungefährlich. Herr Haefliger wurde vom Roten Kreuz aber deswegen gemaßregelt, weil er sich als privilegierter Nichtkombattant in Kriegshandlungen einmischte. Das verstößt gegen das Statut des Roten Kreuzes. Er hat auch nicht ein Massaker an 60.000 Häftlingen des KZ Mauthausen und dessen Nebenlagern verhindert. Das Lager Mauthausen war damals von 600 Wiener Berufsfeuerwehrleuten unter ihrem Kommandanten Langer bewacht. Diese Leute hatten weder den Willen, noch die Möglichkeiten 60.000 Häftlinge zu "massakrieren". Die "Befreiung" von Mauthausen fand kampflos statt — oder wie "befreit" man eine nicht verteidigte Stellung? Die angeblich von der SS beabsichtigte Tötung der Häftlinge und der Bevölkerung als "Zeugen der NS-Verbrechen" ist antifaschistische Desinformation. Derzufolge hätten die Leute durch fingierten Luftalarm in die unterirdischen Fabriken gelockt werden und die Kavernen dann gesprengt werden sollen. Aber die Bevölkerung hat den alliierten Luftangriffen immer mit Interesse vom Gelände aus zugesehen. Ich habe am 25.4.1945 in St. Georgen an der Gusen (neben dem Nebenlager) den letzten US-amerikanischen Luftangriff auf Linz mitangesehen. Erst als ein angeschossener US-Liberator in Not über St. Georgen eine Bombe abwarf, gingen ein paar Soldaten, vom Pfeifen der fallenden Bombe gewarnt, beim Feuerwehrhaus in Deckung. Die Bevölkerung hätte man mit einem fingierten Luftalarm nicht in die Kavernen locken können.

Nach der Befreiung terrorisierten die einstigen (lt. Überlieferung fast verhungerten) Häftlinge die ganze Umgebung. Es wurde gestohlen, Frauen wurden vergewaltigt, Anwesen gebrandschatzt, Schweine in die Wohnstuben getrieben und dort geschlachtet. Am ärgsten erging es dem ehemaligen Lagerkommandanten Ziereis. Er wurde angeschossen (Schüsse in den Arm und den Bauch). Er starb den operierenden US-Ärzten unter dem Skalpell. Die (ehemals) Gefangenen holten die nackte Leiche vom Operationstisch, schleiften sie am Halsstrick durchs Lager, malten ihr mit roter Farbe einen Heilgruß an den Führer über Rücken und Gesäß und hängten sie am Stacheldrahtzaun auf. Wer denkt da nicht gleich an die bekannten Ereignisse im Irak? Und die, die das taten, gelten heutzutage als die Repräsentanten des Antifaschismus.

Ich bin "Zeitzeuge", wie man heutzutage sagt. Ich war vom 16.4. bis 3.5.1945 in Mauthausen und St. Georgen an der Gusen. Am 4.5. war ich Betroffener und Zeuge eines alliierten Kriegsverbrechens bei Sattledt im damaligen Oberdonau. Da beschossen US-Jagdbomber Nichtkombattanten mit Explosivmunition. Das Resultat: 4 Tote und mehrere z.T. schwerverwundete Zivilisten. So war halt der Krieg.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 9(2) (2005), S. 197.


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