Bücherschau

Stalin gegen die Juden — "Kriminelle in weißen Kitteln"

Von Daniel Michaels

Jonathan Brent, Vladimir Naumov, Stalin's Last Crime. The Plot Against the Jewish Doctors, 1948–1953, (Stalins letztes Verbrechen. Das Komplott gegen die jüdischen Ärzte) Perennial, New York 2004, 416 S., Pb., $14.95

Das Buch der beiden Forscher Jonathan Brent und Vladimir Naumov umfaßt den Zeitraum von 1948 bis zu Stalins Tod im März 1953 und behandelt besonders die Verschwörung der jüdischen Ärzte.1 Kurz gesagt behauptete Stalin, daß jüdische Ärzte unter amerikanischer Anwiesung absichtlich und systematisch Sowjetführer beseitigten, indem sie falsche Diagnosen über deren Erkrankungen stellten und so ihren Tod verursachten. Die Pressemedien bezeichneten die Angeklagten als "Kriminelle in weißen Kitteln".

Unter Auswertung relevanter Dokumente, die jetzt aus sowjetischen Archiven erhältlich sind, untersuchen die Verfasser Stalins Beziehung zu den Sowjetjuden und die Pläne des Diktators, eine großangelegte Säuberung durchzuführen, die darauf abzielte, die Sowjetunion auf eine Auseinandersetzung mit den USA vorzubereiten, ferner sein Mißtrauen gegenüber den Sowjetjuden und wie er sie in den Mittelpunkt seiner Säuberung stellte und schließlich den Tod des Diktators, der sehr gelegen kam — unmittelbar bevor seine Pläne zur Ausführung gelangten. Der "Ärztekomplott", so behaupten die Verfasser, war nur ein Vorwand, den Stalin benutzte, um eine weitere großangelegte Säuberung durchzuführen.

Die Autoren sind für eine solche Untersuchung auch aufgrund ihrer Stellung gut qualifiziert: Naumov ist langjähriges Mitglied des Instituts für Geschichte der UdSSR und der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion,2 während Brent Redaktionschef von Yale University Press und des Großprojekts Annals of Communism 3 ist. Das Werk von Naumov und Brent analysiert scharf Stalins Mentalität und seinen modus operandi wie auch seine berüchtigte Härte und Grausamkeit.

Der internationale Hintergrund des Ärztekomplotts war in der Tat bedrohlich. 1948 hatte der Kalte Krieg begonnen, die Blockade von Berlin fand 1948/49 statt, und die Sowjets zündeten 1949 ihre erste Atom-(Uran-) Bombe. In Europa war der Marshall-Plan eingeführt und der Nato-Vertrag abgeschlossen worden. Der Korea-Krieg brach im Juni 1950 aus, aber von größter Bedeutung für das Zustandekommen des Ärzte-Prozesses war die Staatsgründung Israels im Mai 1948.

Zu Stalins Entsetzen feierten Zehntausende Juden das Ereignis bei einem Gottesdienst in der Moskauer Choral-Synagoge. Als Golda Meir 1948 Moskau besuchte, drängten sich Tausende sowjetischer Juden auf den Straßen und füllten die Moskauer Synagoge und riefen: "Das Volk von Israel lebt!" Dies und die öffentlichen Zurschaustellungen zionistischen Eifers durch die sowjetischen Juden entfachte Stalins Mißtrauen gegenüber den Juden und seine Sorge, wem wirklich ihre Loyalität galt.

Obwohl der neue Staat sofort von sowohl der UdSSR wie auch den USA anerkannt wurde, war die Sympathie der US-Vertreter gegenüber Israel echt. Stalin hoffte dagegen insgeheim, daß durch den jüdischen Staat im Nahen Osten die britische Herrschaft in diesem Teil der Welt beendet würde.

Indessen hatten Juden, wie die Verfasser schreiben, viele wichtige Stellungen in der sowjetischen Gesellschaft inne:

"Mit außergewöhnlicher Schnelligkeit waren die Juden von zweitklassigen Bürgern des zaristischen Rußlands zu allmächtigen Ministern einer großen Weltmacht avanciert, [...] durch das System kamen sie an die Spitze und übten in der Sowjetunion mehr wirkliche Macht aus, als sie sonst irgendwo in der Welt in den letzten zwei Jahrtausenden innehatten." (S. 331)

Das Ärzte-Komplott begann 1948, als das Politbüromitglied Andrej Shdanow an einer Herzkrankheit starb. Stalin beharrte darauf, daß dies durch schlechte ärztliche Behandlung seiner jüdischen Ärzte verschuldet war. Shdanow war Mitglied des Zentralkomitees gewesen, ihm oblag die Überwachung der Orthodoxie und der Reinheit des kommunistischen Kulturlebens. Man hielt ihn für einen Günstling Stalins und sogar für dessen möglichen Nachfolger. Shdanows Sohn Juri war 1948–50 mit Stalins Tochter verheiratet. Die Verhältnisse waren aber komplizierter, weil sowohl Shdanow senior wie junior dafür bekannt waren, daß sie T. Lyssenkos Landwirtschaftstheorien kritisiert hatten, denen zufolge erworbene Eigenschaften vererbt werden könnten. Dies machte Stalin wütend, er unterstützte nämlich Lyssenko und hatte ihn als "Koryphäe der fortschrittlichen Wissenschaft" bezeichnet. Insofern bestehen Zweifel, in welchem Umfang Stalin tatsächlich Shdanow favorisierte.

Shdanow war von P. Jegorow, W. Wassilenko, und G. Majorow behandelt worden, alles hochangesehene Spezialisten des Kreml-Krankenhauses. Stalins eigener Arzt, W. Winogradow, war ebenfalls konsultiert worden.

Shdanows Ärzte waren sich bezüglich Diagnose und Therapie ihres prominenten Patienten nicht einig. Lydia Timaschuk, die der EKG-Abteilung des Krankenhauses vorstand, verordnete anhaltende Bettruhe, als Shdanow einen Infarkt erlitt, während seine drei behandelnden Ärzte seinen Zustand nicht für ernst ansahen und ihn ermunterten, in Bewegung zu bleiben und lange Spaziergänge zu unternehmen. Als Shdanow starb, war Timaschuk bestürzt über die ihrer Ansicht nach falsche Behandlung durch seine Ärzte und schrieb direkt an Stalin, der ihren Brief offenbar zwecks späteren Gebrauchs aufbewahrte.

Die Autoren versuchten eine objektive Feststellung, ob die Anweisung der behandelnden Ärzte oder die der EKG-Spezialistin richtig war und ließen Dr. Lawrence Cohen von der Yale University School of Medicine die medizinischen Unterlagen prüfen. Da sie widersprüchlich und nicht eindeutig waren, mußte Dr. Cohen ein salomonisches Urteil abgeben, nämlich, daß einerseits die behandelnden Ärzte richtig verordnet hatten, daß aber auch Timaschuk nicht unrecht hatte, da der Patient letztlich gestorben war.

Später stellte sich heraus, daß Jegorow, Winogradow, Wassilenko und Miorow auch andere Kommunistenführer behandelt hatten, die unter ihren Händen verstorben waren, einschließlich Georgii Dimitroff, der bulgarische Premier. Da nur einer der angeklagten Ärzte Jude war, mußte Stalin sein Netz ausweiten.

Im November 1950 wurde ein weiterer jüdischer Arzt, Dr. Jakow Etinger verhaftet, weil er Freunden und Familienangehörigen gegenüber antisowjetische Gedanken geäußert hatte. Er hatte dem beratenden Team angehört, mit dem Dr. Winogradow zwei Jahre zuvor konferiert hatte. W.S. Abakumow, damals Minister der Staatssicherheit, beschrieb Etinger als "ein typischer Jude, der mit Akzent sprach" (S. 93).

Etinger, der einen in Israel lebenden Bruder hatte und seine medizinische Ausbildung vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin erlangt und in den 20er Jahren die USA besucht hatte, war für Stalin ein ideales Opfer. Nachdem der leitende Sekretär des Jüdischen Antifaschistischen Komitee (JAFK), der Jude I.S. Fefer, verhaftete worden war, brachte er Etinger mit dem JAFK in Verbindung und innerhalb kurzer Zeit konnte M.D. Rjumin, der stellv. Minister des Ministerium für Staatsicherheit, (MGB, der Nachfolger des NKWD) und Chef der Ermittlungsgruppe für besonders wichtige Fälle, Stalin das Geständnis Etingers präsentieren. Zugleich informierte Rjumin Stalin darüber, daß Abakumow, der Chef des MGB, selbst ein Verräter der Sowjetunion sei (S. 115). Daraufhin konnte Stalin eine Säuberung gegen das MGB und zugleich die Juden vornehmen.

Etinger "gestand" auch, 1945 das Leben von A.S. Schtscherbakow, dem Leiter der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee, verkürzt zu haben. Letztendlich gestanden alle Ärzte, was auch immer Stalin ihrer Ansicht nach hören wollte. Jahre später machte sich Chruschtschow darüber lustig, daß die Vernehmer den armen Dr. Winogradow auch zu dem Geständnis hätten bringen können, daß er Eugen Onegin 4 geschrieben habe (S. 87).

Etinger starb 1952 im Lefortowo-Gefängnis, im gleichen Jahr, als Stalin Fefer erschießen ließ. Abakumow war im Juli 1951 verhaftet und schließlich im Dezember 1954 erschossen worden. S. D. Ignatjew wurde an Abakumos Stelle zum Chef des MGB ernannt. Ignatjew sollte einer der wenigen sein, der die Nachwehen des Ärzteprozesses überlebte.

Rjumin genoß bei Stalin hohes Ansehen. Dieser sagte dem Zentralkomitee (ZK):

"Ich habe dauernd gesagt, daß Rjumin ein anständiger Mann und ein Kommunist ist, er hilft dem Zentralkomitee, schwere Verbrechen im MGB aufzudecken, aber er, der arme Genosse, hat bei Euch keine Unterstützung gefunden, und daher ernannte ich ihn trotz Eurer Einwendungen. Rjumin ist hervorragend, und ich verlange von euch, auf ihn zu hören und enger mit ihm zusammenzuarbeiten. Denkt daran — ich traue den alten Mitarbeitern im MGB nicht besonders." (S. 135)

Rjumin war der Auffassung, daß die Juden eine Nation von Spionen darstellten und hatte alle seine Kontakte mit jüdischen Mitarbeitern im MGB abgebrochen (S. 173). Er war ein zäher Vernehmer, der mit folgender Erklärung seine Gefangenen sarkastisch über ihre "Rechte" informierte:

"Die Frage deiner Schuld ist durch die Tatsache deiner Festnahme entschieden, und ich will keinerlei Konversation hören."

Aber selbst Rjumin konnte nicht Stalins Forderung nachkommen, Geständnisse zu liefern, daß gewisse Juden und Mitglieder des JAFK direkt mit amerikanischen Nachrichtendiensten in Verbindung standen. Nach Auffassung des Diktators waren die Juden untrennbar mit Amerika verknüpft. Wer Jude war, war damit für Amerika, und wer für Amerika war, war Jude oder von Juden beeinflußt. Stalin verlangte vom MGB, ihm die notwendigen Beweise zu liefern, damit die sowjetischen Massen die Massenverhaftungen billigten, die er anordnen wollte. (S. 180)

Er befahl weiter, daß alle Dokumente mit Bezug auf das Ärztekomplott ihm direkt übersandt wurden, damit, wie er formulierte, "wir selbst in der Lage sind zu beurteilen, was wahr ist und was nicht wahr ist." (S. 130)

Stalin wurde zunehmend verärgert, als das MGB nicht in der Lage war, die von ihm gewünschten Geständnisse zu liefern. Im Dezember 1952, wenige Monate vor seinem Tod, fuhr er das ZK an:

"Hier, schaut euch an — blinde Männer, Kätzchen, ihr seht nicht den Feind. Was würdet ihr ohne mich tun — das Land würde untergehen, weil ihr nicht in der Lage seid, den Feind zu erkennen [...]. Jeder Jude ist ein möglicher Spion für die USA." (S. 171)

Er war verstimmt, weil er nicht die Geständnisse erlangen konnte, die er brauchte, und wies Ignatjew und Rjumin an:

"Schlagt sie, trefft sie mit Todesschlägen. Was seid ihr? Ihr arbeitet wie Kellner mit weißen Handschuhen. Wenn ihr Tschekisten sein wollt, dann zieht die Handschuhe aus."

Zwischen 1948 und 1952 wurden Tausende jüdische Intellektuelle, Wissenschaftler, politische Führer, Mitarbeiter der Staatssicherheit und anderer Berufe verhaftet, verhört, eingesperrt oder von ihren Posten entlassen. Im Juli 1951 ordnete Stalin eine Untersuchung über Korruption und schlechte Führung im MBG an, was zum Rauswurf vieler leitender Angestellten führte, von denen die meisten Juden waren. Stalin befahl die Verhaftung aller jüdischen Oberste und Generale im MGB, und insgesamt 50 höhere Offiziere und Generale wurden in Gewahrsam genommen (S. 102). 1952 bekundete Stalin gegenüber Ignatjew offen seine Meinung über die MGB-Offiziere:

Tschekisten können nicht über ihre eigene Nase hinausblicken [...], sie sind dabei, in gewöhnliche Schlafmützen zu degenerieren und [...] sie wollen nicht die Direktiven des ZK erfüllen. (S. 134)

Im November 1952 wurde schließlich der Arzt M. Wowsi, der ehemalige Chefinternist der Roten Armee und Genosse von Winogradow, wegen seiner Beteiligung an der mißglückten Behandlung von Dimitroff verhaftet. Der Vetter von Solomon Michoëls, dem Vorsitzenden des JAFK, lieferte seinen Vernehmern das Geständnis, das sie haben wollten. Er bekundete, daß Michoëls ein bourgeoiser jüdischer Nationalist war, und daß das JAFK tatsächlich unter Leistung angloamerikanischer Agenten stand. Durch die Verbindung zwischen Wowsi und Winogradow wurde das Komplott auf das gesamte Beziehungsgeflecht des ärztlichen und intellektuellen jüdischen Lebens in der Sowjetunion ausgedehnt, und letztlich, über Michoëls und das JAFK, über die ganze Welt nach Amerika (S. 233). Jetzt hatte Stalin, was er wollte.

Merkwürdigerweise entließ das ZK in diesem entscheidenden Augenblick (13. November) Rjumin von seinem Posten im MGB mit der Begründung, daß er "seiner Aufgabe nicht gewachsen" sei. Ob Stalin diese Entscheidung angeordnet hat oder überhaupt davon wußte, ist nicht bekannt. Am 14. November hatte Ignatjew einen Herzanfall und kam erst im Januar 1953 wieder auf seinen Posten. In der Zwischenzeit wurden jüdische Intellektuelle verhaftet, Gefangene wurden geschlagen, die Geständnisse vervielfacht. S.A. Goglidse, ein enger Mitarbeiter von Berija, wurde mit der Untersuchung des Ärzte-Komplotts beauftragt.

Zwölf Tage nach Stalins Tod wurde Rjumin von den Nachfolgern des Diktators verhaftet. Er wurde 1954 hingerichtet. Goglidse wurde im Dezember 1953 hingerichtet, zusammen mit Berija. Ignatjew wurde es gestattet, in den Ruhestand zu gehen.

Solomon Michoëls, der Begründer des Moskauer Jiddischen Theaters und Vorsitzende des Jüdischen Antifaschistischen Komitees (JAFK) starb im Januar 1948 unter verdächtigen Umständen bei einem Unfall. Im August 1952 wurden 14 Mitglieder des JAFK wegen antisowjetischer Aktivitäten im Dienste des amerikanischen Geheimdienstes verurteilt. Sie wurden vor ein Erschießungskommando gestellt. Am 12. August 1952 wurden 15 jüdische Intellektuelle verhaftet und vor Gericht gestellt. 13 der Angeklagten wurden im Moskauer Lubjanka-Gefängnis hingerichtet, ein weiterer starb im Gefängnis und der letzte Angeklagte erhielt eine langjährige Haftstrafe. Alle waren der Mitgliedschaft im JAFK schuldig. Alle waren überzeugte altgediente sowjetische Kommunisten.

In den Monaten zwischen Oktober 1952 und Februar 1953 wurden Dutzende jüdische Ärzte verhaftet, während Gerüchte umgingen, daß jüdische Ärzte nicht nur Parteirepräsentanten vergifteten, sondern auch russische Kinder. Am 13. Januar 1953 erschien die offizielle Verlautbarung, die berichtete, daß eine großangelegte jüdische Ärzte-Verschwörung für den Tod mehrere Sowjetführer und ausländischer Kommunisten verantwortlich sei. Darin hieß es:

"Verhaftung einer Bande von Mörder-Ärzten

Vor einiger Zeit entdeckten die Organe der Staatssicherheit eine terroristische Bande von Ärzten, deren Plan es war, führenden Persönlichkeiten der Sowjetunion durch Fehlbehandlung das Leben zu nehmen.

Zu den Mitgliedern dieser Bande gehörten: Professor M. S. Wowsi, Internist; Professor W. N. Winogradow, Internist; Professor M. B. Kogan, Internist; Professor B. B. Kogan, Internist; Professor P. I. Jegorow, Internist; Professor A. I. Feldman, Hals-Nasen-Ohrenarzt; Professor Y. G. Etinger, Internist; Professor A. M. Grinstein, Neuropathologe und I. Mairorow, Internist.

Dokumente und Untersuchungen durch medizinische Experten ergaben, daß die Verbrecher — heimliche Volksfeinde — an ihren Patienten Fehlbehandlungen durchführten und so deren Gesundheit untergruben.

Die Untersuchungen haben ergeben, daß Mitglieder der Terroristenbande absichtlich und unter Mißbrauch ihrer Stellung als Arzt und des Vertrauens ihrer Patienten deren Gesundheit heimtückisch untergraben haben, absichtlich objektive Befunde bei den Patienten ignoriert und falsche Diagnosen gestellt haben, die der wirklichen Krankheit nicht entsprachen und sie dann durch falsche Behandlung getötet haben.

Die Verbrecher haben gestanden, daß sie im Fall des Genossen A. A. Shdanow dessen Krankheit falsch diagnostiziert haben, seinen Herzinfarkt verheimlicht und eine Behandlung verordnet haben, die bei der Schwere seiner Erkrankung völlig unangebracht war, und auf diese Weise den Genossen Shdanow getötet haben. Die Untersuchungen ergaben, daß die Verbrecher auch das Leben des Genossen A. S. Schtscherbakow verkürzt haben, indem sei ihn falsch mit sehr starken Medikamenten behandelten und ihn durch verhängnisvolle Verordnungen zu Tode brachten.

Diese kriminellen Ärzte versuchten haupt-sächlich, die Gesundheit führender sowjetischer Militärkader zu zerstören, sie dienstunfähig zu machen und damit die Verteidigung des Landes zu schwächen. Sie versuchten, Marschall A. M. Wassilewski, Marschall L. A. Goworow, Marschall I. S. Konew, General der Armee S.M. Schtemenko, Admiral G. I. Lewtschenko und andere dienstunfähig zu machen. Ihre Verhaftung hat jedoch ihre bösen Pläne zunichte gemacht und die Verbrecher waren nicht in der Lage, ihre Ziele zu verwirklichen.

Es wurde festgestellt, daß alle diese Mörder-Ärzte, diese Monster, die das heilige Banner der Wissenschaft mit Füßen getreten haben und als Wissenschaftler unwürdig waren, im Lohn von ausländischen Geheimdiensten standen.

Die meisten Angehörigen dieser Terroristenbande gehörten zu der internationalen jüdischen bourgeoisen nationalistischen Organisation "Joint", die von amerikanischen Nachrichtendienstlern gegründet worden war, angeblich um Juden in anderen Ländern materielle Hilfe zukommen zu lassen. Tatsächlich führte diese Organisation, die unter Leitung amerikanischer Geheimdienstler operierte, in verschiedenen Ländern, einschließlich der Sowjetunion, umfangreiche Spionage, terroristische und andere subversive Aktivitäten durch. Wowsi sagte bei der Vernehmung, er habe von der Joint-Organisation in den USA über Doktor Schimeliowitsch in Moskau und den jüdischen bourgeoisen Nationalisten Michoëls Anweisung erhalten, die führenden Kader in der UdSSR auszulöschen."

Der Prawda-Artikel ließ die Namen russischer wie auch weiterer jüdischer Ärzte weg, die auch verhaftet worden waren. Ein weiterer TASS-Bericht fügte zusätzliche Beschuldigungen hinzu:

"Spione und Mörder — maskiert als Ärzte

[...] Die Enttarnung der Bande von Giftmischer-Ärzten erteilte den amerikanisch-englischen Kriegshetzern einen vernichtenden Schlag... Die ganze Welt kann jetzt wieder das wahre Gesicht der Sklavenhalter und Menschenfresser der USA und Englands sehen... Die Bosse der USA und ihre englischen "Junior-Partner" wissen, daß man ein fremdes Land nicht mit friedlichen Mitteln erfolgreich regieren kann. Da sie sich fieberhaft auf einen neuen Weltkrieg vorbereiten, schicken sie eiligst ihre Spione in das Hinterland der UdSSR und in die Länder der Volksdemokratien. Sie versuchten, das zu verwirklichen, was den Hitler-Leuten nicht gelang: in der UdSSR ihre eigene subversive "fünfte Kolonne" zu schaffen. [...] Es ist auch wahr, daß wir außer diesen Feinden noch einen weiteren Feind haben, nämlich den Mangel an Wachsamkeit in unserem Volk. Es besteht kein Zweifel, wenn es an Wachsamkeit fehlt, wird es Subversion geben. Folglich muß, um Sabotage zu verhindern, die Wachsamkeit in unseren Reihen wiederhergestellt werden."

Im Februar 1953, als Gerüchte umgingen, daß bald ein Prozeß gegen die "Verschwörer" beginnen und vier neue MWD-Konzentrationslager in Kasachstan, Komi und Irkutsk errichtet werden sollten, verfaßte eine Gruppe von 58 jüdischen Intellektuellen in der SU einen Brief an Stalin, in dem Israel als typischer Bourgeois-Staat kritisiert wurde, der die Kapitalisten und die Ausbeutung der Arbeiter begünstigte. Sie schrieben:

"Außerdem, stimmt es etwa nicht, daß die internationale Zionistenorganisation "Joint", die die Interessen der Juden verteidigt, mit dem amerikanischen Geheimdienst verflochten ist? Bekanntlich wurde vor kurzem in der UdSSR ein Spionagering von mörderischen Ärzten aufgedeckt. Die Verbrecher, die in der Mehrheit aus jüdischen bourgeoisen Nationalisten bestanden, sind vom "Joint" angeworben worden: M Wowsi, M. Kogan, B. Kogan, A. Feldman, J. Etinger, A. Grinstein. Sie setzten sich zum Ziel, die Behandlung führender Sowjets zu sabotieren und deren Leben zu verkürzen, die Führungskader der Sowjetarmee dienstuntauglich zu machen und darüber hinaus die Verteidigung des Landes zu untergraben. Nur Leute ohne Ehre und Gewissen, die ihren Leib und ihre Seele dem Imperialismus verkauft haben, können so ein monströses Verbrechen begehen."

Obwohl der Brief nie in der Prawda erschien, wurde er 1997 in Istotschnik veröffentlicht (S. 300). Der Propagandist Ilja Ehrenburg, so schreiben die Verfasser, "scheint bereit gewesen zu sein, die uralte hoffnungslose Rolle des Hofjuden zu spielen, als williger Helfer, mit der Illusion oder Hoffnung, einen mäßigenden Einfluß ausüben zu können." In einem gesonderten Brief schrieb Ehrenburg, daß die einzige Lösung für die jüdische Frage die vollständige Assimilierung in der russischen Gesellschaft sei, was dringend notwendig sei im Kampf gegen die amerikanische und zionistische Propaganda, die sich bemühe, Menschen jüdischer Nationalität zu isolieren. (S. 305)

Weniger als 60 Tage nach der Veröffentlichung dieser TASS-Berichte und zwei Wochen bevor die angeklagten Ärzte vor Gericht kommen sollten, starb Stalin. Innerhalb weniger Monate waren die meisten von Stalins Henkern, die bei den Säuberungen mitgewirkt hatten, tot oder im Exil. Schließlich übernahm Chruschtschow die vollständige Kontrolle.

Die Verfasser sagen wenig über die Umstände von Stalins Tod. Sie kennen natürlich die verschiedenen Theorien, denen zufolge Stalin ermordet wurde, insbesondere durch Berija vergiftet wurde. Sie zitieren in der Tat Molotows Behauptung, daß Berija für Stalins Tod verantwortlich sei. Am 1. Mai 1953 brüstete sich Berija:

"Ich habe ihn erledigt. Ich habe euch alle gerettet."

Eines der aufschlußreichsten Dokumente, das die Verfasser anführen, hat den Titel "Die Geschichte der Krankheit von J. W. Stalin, vom 2. bis 5. März 1953":5

"Es hat offenbar 50 Jahre lang ungelesen und unveröffentlicht in den Archiven geruht. Es widerspricht den meisten Augenzeugen-Berichten und enthüllt zuvor nicht bekannte Informationen. Der Bericht stellt fest, daß 'in der Nacht des 2. März 1953 Genosse Stalin plötzlich das Bewußtsein verlor und sich eine Lähmung des rechten Beines entwickelte, daß Stalin Blut gespuckt hatte und daß er Blut im Urin und im Magen hatte. An einer Stelle waren alle Bezüge auf eine Magenhämorrhagie aus dem Bericht entfernt. Eine solche Hämorrhagie kann durch ein Antikoagulans, etwa durch Verabreichung von Warfarin 6 hervorgerufen werden."

Im März 2003 verkündete Brent in einem Interview, daß zwei Ärzte der Universität Yale, ein Neurochirurg und ein Kardiologe, aus den medizinischen Angaben schlußfolgerten, daß die Ursache für Stalins Tod höchstwahrscheinlich entweder eine Gehirnblutung oder eine Warfarin-Vergiftung war. Einige Leute haben auch darauf hingewiesen, daß Stalins Tod am 5. März mit dem Purim-Fest zusammenfiel, gerade als er plante, zwei bis vier Millionen Juden zu deportieren oder zu vernichten.7

Zwölf Wochen später, am 6. April, veröffentlichte die Prawda einen neuen Artikel unter der Überschrift "Sowjetsozialistisches Gesetz ist unverletzlich". Demnach seien die Ärzte ohne jede gesetzliche Grundlage verhaftet worden und übereifrige Ermittler "fern von Volk und Partei, hatten vergessen, daß sie Diener des Volkes sind und ihre Pflicht darin besteht, das sowjetische Gesetz zu schützen". Nach dem Tod des Diktators wurden die im Mittelpunkt stehenden 37 Ärzte und ihre Ehefrauen aus dem Gefängnis entlassen.

Zu den ganz wenigen Personen, denen Stalin in seinen letzten Jahren vertraute, gehörten N. Poskrebyschew, der Sekretär des Diktators und der stellvertretende Vorsitzende des Geheimbereichs des Zentralkomitees, N.S. Wlasik, Chef des Hauptdirektorats der MGB-Wachen, beide langjährige Freunde, und M. D. Rjumin. Zum Zeitpunkt von Stalins Tod hatten alle Abstand zwischen sich und Stalin gelegt. 1953 wurde Poskrebyschew in das Dorf verbannt, wo er geboren war, mit dem Verbot, es je wieder zu verlassen. Rjumin wurde 1954 hingerichtet, und Wlasik wurde schließlich 1955 verhaftet und nach Krasnojarsk verbannt.

Kritik des Rezensenten

Wie der Untertitel des Buches (Das Komplott gegen die jüdischen Ärzte) anzeigt, gehen die Verfasser von vornherein davon aus, daß Stalin die Bedrohung seiner Herrschaft frei erfunden habe und dann fortfuhr, Vorfälle zu erfinden, die seine geplante Säuberung rechtfertigten sollten. Dann, so argumentieren die Verfasser, sammelte Stalin mehrere solche verdächtigen Vorfälle und weitete die Grundlage aus, um die Verschwörung einer Gruppe und schließlich eine Bedrohung seines Regimes zu verkünden. Zwar haben die Verfasser zweifellos recht, daß die Anklagen gegen die jüdischen Ärzte unbegründet und unfair waren, aber nach Auffassung des Rezensenten benutzte der Diktator nur die Vorstellung einer Verschwörung jüdischer Ärzte, um die Unterstützung des Volkes zu erlangen, dessen Antipathie gegen die privilegierte Stellung der Juden in der Sowjetunions wohlbekannt war, um so eine große Säuberung voranzutreiben, bei der er beabsichtigte, die verbliebenen alten Bolschewiken zu entfernen, die Partei zu verjüngen, und viele Juden aus den Städten hinaus aufs Land zu bekommen, und um eine wirkliche Bedrohung zu beseitigen, die er sah: den jüdischen Internationalismus und die zionistischen Verbindungen mit den USA.

Die Gründung des Staates Israel und die unverhohlene Sympathie der sowjetischen Juden mit diesem Ereignis bedrohte Stalins abgeschottete Gesellschaft in der Tat in verschiedener Hinsicht. Erstens hatten viele sowjetische Juden tatsächlich Verwandte in den Vereinigten Staaten und bald auch in Israel. Zweitens konnte Stalin nicht zulassen, daß die Sowjetjuden öffentlich ihr Erbe, ihr Volk und ihre Nation priesen und ihren Stolz hierauf bekundeten, während sie einflußreiche Stellungen in der Sowjetunion innehatten, wo man den Standpunkt vertrat, daß alle Nationalismen und alle nationalen Gefühle überholt waren. Das Ziel der Sowjetunion war die Erschaffung des homo sowjeticus, ein Geschöpf ohne Erbe und Geschichte. Die Juden konnten nicht beide Wege gehen: sie konnten nicht zugleich Nationalisten und Kommunisten sein.

Wenn man die Entwicklung dieses komplizierten Komplotts verfolgt, ist das Verzeichnis von Namen und Organisationen wie auch die Chronologie des Ärzte-Planes hinten im Buch sehr nützlich. In der Chronologie fehlen jedoch mehrere wichtige Ereignisse, die eine schlimme Zukunft vorausahnen ließen, nämlich, daß am 9. Februar 1952 ein Bombenanschlag auf das Hauptbüro der sowjetischen Botschaft in Tel Aviv erfolgt war und am 11. Februar die UdSSR die diplomatischen Beziehungen mit Israel abbrach.

Am 13. Februar meldete Radio Moskau den Tod von Lew Sacharowitsch Mechlis, einem der beiden jüdischen Mitglieder des ZK.8 Die Geschichte des Komplotts ist schwierig zu verfolgen, weil viele Einzelheiten von den Teilnehmern ungenau und widersprüchlich beschrieben werden — wie es bei einem Land ohne Herrschaft des Gesetzes und bei einem Volk ohne ethischen und moralische Werte zu erwarten ist.

Das Buch bringt sicher viele positive Beiträge zum Verständnis des Hintergrunds von Stalins durchkreuzten Plänen einer größeren Säuberung. Dennoch ziehen die Autoren nach Ansicht des Rezensenten einige ganz falsche Schlußfolgerungen, nämlich 1) daß Stalins angeborener Antisemitismus ihn zu der Säuberung gebracht habe, 2) die Implikation, daß viele von denen, die Stalin einsperren ließ, unschuldige Lämmer und "bessere" Kommunisten als er gewesen seien, und 3) daß der Tyrann entgegen aller Vernunft geplant habe, die USA anzugreifen.

Wie den Autoren durchaus geläufig ist, war Politik in der Sowjetunion immer eine Jagd, die auf dem einfach Prinzip "kto kogo" (wer nimmt wen aus dem Spiel) beruhte.

Nach Ansicht des Rezensenten kann der Begriff "Antisemitismus" bei Stalin nicht angewendet werden. Noch 1948 waren von 190 Stalin-Preisträgern 40 Juden. Stalin machte auf der Suche nach seinen Feinden keine Unterschiede in Bezug auf Rasse. Er wendete gegenüber Russen, Ukrainern, Tschechen, Tataren oder jeder anderen Nationalität die gleiche Strafe an — den Tod — wenn er sie als Bedrohung seiner Herrschaft ansah, in Übereinstimmung mit seiner groben aber wirksamen Politik "keine Person, kein Problem". Nicht einmal von Trotzki wurde Stalin antisemitischer Bösartigkeit beschuldigt, und Stalin selbst hat den Antisemitismus als häßliche Erscheinung verurteilt und gewarnt, daß aktiver Antisemitismus die Todesstrafe mit sich führe.

Was die Frage der Rehabilitierung angeht, so muß man sagen, daß viele derer, die er einsperrte, außerhalb der marxistischen Welt auf wenig Sympathie gestoßen sind, seien es nun Trotzkisten oder diejenigen, die mit anderen Formen des Kommunismus liebäugelten und Stalin ablehnten und verdammten, sich aber dennoch zu einer anderen Art Kommunismus bekannten.

Und der dritte Punkt, nämlich die Behauptung der Autoren, daß Stalin frech einen Angriff auf die USA geplant habe, muß als höchst unwahrscheinlich abgelehnt werden.

Natürlich rüstete sich Stalin für einen Atomkrieg, genau wie die USA. Aber auf jeden Fall hätte die gewissenhafte Planung und extreme Vorsicht des Diktators ihn vor einem so unbesonnenen Unternehmen abgehalten. Zum Beispiel hat Stalin im Korea-Krieg alle sowjetischen Militärberater zurückgezogen (außer Sowjetpiloten, die weiterhin bis zum Ende für Nordkorea flogen). Stalin sagte hierüber:

"Es ist zu gefährlich, unsere Berater dort zu lassen. Sie könnten gefangengenommen werden. Wir wollen dort keinen Beweis liefern, daß man uns beschuldigen kann, an diesem Geschäft mitzumachen. Es ist Kim-Il-sungs Angelegenheit. (S. 103) 9

Außerdem war es nicht Stalin, sondern Chruschtschow mit Genossen, die die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachten, als sie sowjetische Raketen, die auch Nuklearsprengköpfe abfeuern konnten, heimlich nach Kuba brachten. Stalins Vorsicht hätte ihn von so einem riskanen Unternehmen abgehalten.

Es ist eine Ironie der Geschichte, daß Stalins Untergang gerade durch seine gründliche, langfristige und vorsichtige Planung und seine Geduld — normalerweise eine Tugend — verursacht wurde. Genau wie seine Vorbereitungen für einen Angriff auf Deutschland ein kleines bißchen zu lange gedauert hatten, wodurch es Deutschland ermöglicht wurde, einen Präventivschlag zu machen, bevor Stalins Pläne verwirklicht werden konnten, so war es auch bei dem letzten Säuberungsversuch des Tyrannen: der Diktator reagierte nicht schnell genug, und gab so den ins Auge gefaßten Opfern Zeit, ihm zuvorzukommen.

Zuerst veröffentlich in The Revisionist 2(2) (2004), S. 227–231


Anmerkungen

1 Jonathan Brent & Vladimir Pavlovich Naumov, Stalin's Last Crime: the Plot against the Jewish Doctors, 1948–1953, HarperCollins, New York 2003, 402 S.
2 Eines von Naumovs frühesten Werken (1968) war The Soviet Intelligentsia: Formation and Growth 1917–1965. 1998 gab Naumov mit L. Reschin ein zweibändiges Werk über den Zweiten Weltkrieg heraus, mit Titel 1941, und 2001 veröffentlichte er mit A. Lozovskii und J. Rubenstein, The Jewish Anti-Fascist Committee in the USSR: Courts Martial and Courts of Inquiry, das als Teil der Reihe Annalen des Kommunismus erschien. Naumov ist seit langem aktiv bei der Rehabilitierung von Opfer der stalinistischen Säuberungen..
3 Brent ist derzeit daran beteiligt, die Yale Serie The Annals of Communism herauszugeben, die 25 Bände über die Geschichte der Sowjetunion umfassen soll. das jüngste Buch der Reihe, Spain Betrayed: The Soviet Union in the Spanish Civil War, zeigt, wie die Sowjets von Anfang an nicht die Absicht hatten, die Republik zu unterstützen. Die Republik war nur eine Front zur Errichtung der Sowjetmacht in Westeuropa.
4 eine berühmte Dichtung von Puschkin
5 Madison Capital Times, Madison, Wisconsin, 6. März 2003, S. 2A
6 Warfarin ist ein Antikoagulans, das an der Universität Wisconsin entwickelt wurde. Es wird auch als Rattengift verwendet; die Schädlinge verbluten innerlich.
7 Alexander Rashin, Why Didn't Stalin Kill All the Jews? Liberty Publishing House.
8 Robert Logan, "Was Josef Stalin Murdered?," The Barnes Review, März/April, 2003, S. 35–40.
9 Ohne Beziehung zu dem Ärzte-Komplott, aber bezeichnend für Stalins Ängste ist ein Fall, den die Autoren beschreiben, in den ein weißrussischer Emigrant, I. Warfolomeyew im Fernen Osten verwickelt war, der für den amerikanischen Geheimdienst arbeitete und dabei erwischt wurde, als er versuchte, Informationen über die chinesisch-sowjetischen Beziehungen zu erlangen. Später, im Korea-Krieg, versuchte er, zusammen mit P. Ragalsky, der angeblich ein amerikanischer Agent war, er Informationen über die Stationierung nordkoreanischer Truppen zu bekommen und das Ausmaß sowjetischer Hilfe für Nordkorea abzuschätzen. Bei seiner Vernehmung sagte Warfolomeyew, daß Präsident Truman den "Plan des Inneren Schlages" gebilligt habe, ein Plan, fünf taktische Nukleargeschosse auf den Kreml abzufeuern. Diese unmögliche Fabelei überzeugte Stalin, daß die USA einen Nuklearkrieg planten. Warfolomeyew wurde schließlich von Stalins Nachfolger hingerichtet, als alle Spuren der durchkreuzten Säuberung beseitigt werden sollten.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 9(2) (2005), S. 223-229.


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