Teheran und Jalta, Teil 1

Eine kurze Vor- und Nachgeschichte

Professor Dr. Andreas R. Wesserle

Vier Jahrzehnte sind seit den das Antlitz der Nachkriegswelt prägenden Haupttreffen der Großen Drei vergangen. Statt Frieden und Gerechtigkeit sind weit über 100 Kriege und Unterdrückung in weiten Teilen der Welt die Folge gewesen. Der Ruf nach Änderung der von den Siegern gesetzten Weltordnung wird immer stärker. Nicht nur aus historischen Gründen ist es an der Zeit, an die damaligen Umstände zu erinnern.


Des 40. Jahrestages der Krimkonferenz von Jalta ist im Februar gedacht, und im April folgt der 40. Todestag jenes Mannes,. der in den Augen seiner Bundesgenossen diesen Treffen zu Glanz und Erfolg verhalf: Franklin Delano Roosevelts. Noch zu seinem hundertsten Geburtstagsjubiläum im Jahre 1982 lobten »Prawda« als auch »Iswestija« seine diplomatische Anerkennung der Sowjetunion 1933 (zu jenem Zeitraum also, als die Stalinschen Verfolgungswellen ihre ersten Hekatomben schon gefordert hatten). Die Sowjetorgane hoben außerdem hervor, das Kriegsbündnis des Präsidenten mit der UdSSR hätte einst die Grundlage für die »Stabilität und die Sicherheit« der Welt geschaffen. Die Politik seines Nachfolgers Reagan andererseits sei das reine Gegenteil der »Rationalität« Roosevelts.

Roosevelts Lagebesprechung mit dem befreundeten Kardinal Spellman am 2. September 1943, nach seiner Rückkehr von der ersten Konferenz von Quebec mit Churchill, offenbarte diese »Rationalität« in ihren Hauptzügen:

»Die Teilung der Welt ist eine einfache Sache. Der Ferne Osten kommt zu China. Der Pazifik zu den Vereinigten Staaten. Afrika und Europa werden zwischen Rußland und England aufgeteilt … Ich hoffe, daß die russische Intervention in Europa nicht zu grob sein wird … Mit Stalin, glaube ich, werde ich mich besser verstehen als mit Winston. Winston ist Idealist. Stalin dagegen Realist wie ich …

Nur habe ich die Sorge, obwohl sie wahrscheinlich überflüssig ist, ob Stalin sich verpflichten wird, seinen Einflußbereich nicht über eine bestimmte Linie hinaus auszudehnen. Er wird sicherlich Finnland, die Baltischen Staaten, die Osthälfte Polens und Bessarabien fordern. Sich seinen Wünschen zu widersetzen, wäre sinnlos …

Natürlich wird die Europäer der Gedanke schrecken, sich Rußland anpassen zu müssen, doch es ist zu hoffen, daß die Russen in zehn oder zwanzig Jahren, dank der von den Europäern ausgehenden Einflüsse, weniger barbarisch sein werden … Was uns betrifft, so hoffe ich, daß aus einer Zwangsfreundschaft bald eine echte und dauerhafte Freundschaft werden wird …

Letztlich werden die Russen 40 Prozent des (europäischen) Gebiets mit kapitalistischer Wirtschaft beanspruchen, so daß die Kapitalisten 60 Prozent behalten werden… Deutschland wird in mehrere Staaten aufgeteilt. Eine Zentralregierung soll es nicht mehr haben. Es wird unter die Kontrolle der vier Großmächte USA, UdSSR, Großbritannien und China gestellt werden. Es wird für die Dauer von 40 Jahren entmilitarisiert … «[1].

Sein eigenes Volk habe auch noch einen weiten Weg zurückzulegen, gestand er Stalin in Teheran im November 1943. Das amerikanische Volk habe keine blasse Ahnung von der Außenpolitik. Er habe die Absicht, es aufzuklären.

Andere Akteure des Weltgeschehens teilten Roosevelts Ansichten in geringerem Maße. Sir Anthony Eden, damals britischer Außenminister und später Premier, reagierte kühl. Roosevelts gewiß charmantes, aber sorgloses Schalten und Walten mit dem Schicksal der Sieger und Besiegten, der Alliierten und Neutralen, gleiche nichts so sehr wie dem »Jonglieren mit Dynamitkugeln«. »Vier Polizisten« sollten die Welt regieren. Sämtliche zwischen Rußland und England gelegenen Staaten Europas sollten bis auf Flinten und Pistolen restlos entwaffnet und den zwei europäischen Großmächten zur Überwachung ausgehändigt werden[2].

Frankreich schließlich, so urteilte der Präsident wiederholt, sei schwach und korrupt. Am besten sei, es gleich in mehrere Teile zu zertrennen. Das wallonische Gebiet Belgiens sei mit Elsaß-Lothringen und einem Stück Nordfrankreich in einen neuen Pufferstaat namens »Wallonien« zu verwandeln. In einem Teheraner Gespräch unter vier Augen mit Stalin offenbarte Roosevelt ähnlich weitreichende Wünsche für weitere, ihm nicht zugehörende, Gebiete: für Vorderasien, Indien, Indochina und Japan[3].

Aber solch' halboffizielle Enthüllungen überdauern oft die Regierungen und Generationen. 1982 rief der Staatspräsident Frankreichs, François Mitterrand, die Völker Europas in einer Neujahrsbotschaft auf, die untragbare Lage, die der Zweite Weltkrieg unter anderem in Ostmitteleuropa hinterlassen hat, einer gründlichen Revision zu unterziehen. Der Auftrag wird nicht ohne Mühe erfüllt werden. Denn die Großmächte klammern sich, scheint's, je länger desto ängstlicher an die Beschlüsse, die sie von 1943 bis 1945 faßten und die - wie sie wissen - den Keim zur Umkehr und zur Umwandlung selber in sich tragen. »Stabilität« wird groß geschrieben.

Die Art, wie diese Beschlüsse zustandegekommen sind, untersucht die vorliegende Arbeit kurz: die Umrisse der Kriegs- und Friedenspolitik der Staatsmänner des angelsächsischen Westens, insbesondere Roosevelts, des Koalitionsführers. Dabei überblicken wir die Hauptentscheidungen auf vier Schauplätzen der Welt: Im Fernen Osten; in Vorderasien; in Ostmitteleuropa und gegen Deutschland und Gesamteuropa, von denen hier die außereuropäischen behandelt werden sollen.

Roosevelt in Ostasien

Im Austausch für ein vages Versprechen Stalins während der Außenministerkonferenz von Moskau (Oktober 1943) und während der Haupttreffen der »Großen Drei« in Teheran und Jalta, nach Abschluß des »europäischen Konfliktes« in den Krieg gegen Japan einzugreifen - das Versprechen wird erst nach dem Abwurf der Atombombe eingelöst -, wurde die sowjetische »Interessensphäre« nicht nur auf die Äußere Mongolei und das Gebiet der mandschurischen Eisenbahnen festgelegt, sondern auf den Handelshafen Dairen und den Flottenstützpunkt Port Arthur ausgedehnt. Südsachalin und die Kurilen-Inseln, die seit 1905 bzw. 1875 unter japanischer Oberhoheit standen, wurden ebenfalls in Jalta dem Sowjetmarschall zugesprochen. Es erübrigt sich fast festzustellen, daß weder im Februar noch im August 1945 ein wirklicher Anlaß für ein sowjetisches Eingreifen gegen ein waidwundes und kriegsmüdes Japan - mit allen seinen ungeheuren Folgen für ganz Eurasien und den Pazifik - bestanden hatte.

Stalin gelang es, hier in Ostasien (wie auch im Vorderen Orient und in Mitteleuropa) seine Expansionspolitik in den Fußstapfen der Zaren weiter fortzusetzen. Teheran und Jalta tilgten den Rußland demütigenden Verlauf des russisch-japanischen Krieges von 1904/1905, der einstens die Unruhen von 1905 ausgelöst und schließlich zur russischen Doppelrevolution von 1917 weitergeführt hatte. Ironisch scheint es auch, daß der Präsident Franklin D. Roosevelt in Fortführung einer Japanpolitik das Ergebnis des von seinem Vetter Theodor Roosevelt vermittelten Friedensschlusses von Portsmouth zunichte macht. 1905 feierte die amerikanische Zeitschrift »Harper's Weekly« (»Das Journal der Zivilisation«) das geschickt erreichte Ende des russisch-japanischen Krieges - ein Schachzug, der zur Verankerung der Weltmacht Amerikas mit beitrug - in einem bekannten Titelbild, das einen triumphierenden Theodore Roosevelt als Friedensmakler zwischen dem grollenden Mikado und einem düsteren Zar darstellt. 1945 gestaltete sich die Lage anders[4].

Getreu altimperialer Tradition wurde die im Kampf um Leben und Tod stehende legitime Regierung Chinas von der bedrohlichen Verletzung ihrer Territorialität und Souveränität durch einen übermächtigen Nachbarn vorerst gar nicht benachrichtigt. Während der im November 1943 abgehaltenen (ersten) Konferenz von Kairo hatte Roosevelt Tschiang-Kai-Schek die Rückgabe der Mandschurei (Mandschukos) von Japan an China versprochen. Wenige Tage später in Teheran befürwortete der Präsident die Umwandlung Dairens (und andere Hafenstädte, Hamburg und Bremen mit eingeschlossen) in eine Freistadt unter »internationaler Aufsicht«. Stalin antwortete, die Chinesen würden einen solchen Plan kaum begrüßen, und sagte ergänzend, die Russen hätten ihre Ansichten und würden sie bei passender Gelegenheit vorbringen. Sie wurden in Jalta voll enthüllt.

In einem Privatgespräch mit Stalin am 10. Februar 1945 schob der Präsident den Einwand seines Botschafters in Moskau, Harriman, beiseite, wenigstens den Marinestützpunkt Port Arthur zu einem Freihafen unter internationaler Oberaufsicht erklären zu lassen. Ober das Schicksal der hochindustrialisierten, strategisch lebenswichtigen Mandschurei, Koreas, der Äußeren Mongolei und das Schicksal des größten Volkes der Erde, des Reiches der Mitte, wurde folgendermaßen entschieden:

»Roosevelt: ›Es versteht sich, daß unsere Abmachung … der Zustimmung Chinas bedarf. Wollen Sie selbst T. V. Soong (den Premier- und Außenminister Chinas) darüber informieren? … Oder soll ich die Angelegenheit mit Tschiang-Kai-Schek behandeln?‹

Stalin: ›Es wäre besser, wenn Sie an ihn heranträten.‹

Roosevelt: ›Gut. Von Washington aus werde ich einen Offizier nach Tschungking schicken … Er wird unserm Botschafter … alle Information persönlich überbringen. ‹«

Damit und mit einer stark betont franzosenfeindlichen, aber Ho-Tschi-Minh-freundlichen Einstellung Öffnete der Präsident der sowjetischen Expansion und der Ausbreitung des Kommunismus im ›Gelben Erdteil‹ Tür und Tor. Schon im Laufe ihrer ersten Privatunterhaltung, in Teheran, verstand Stalin es meisterhaft, Roosevelts Abneigung gegen DeGaulle und gegen Frankreich auszunützen. Vom Sowjetdiktator angeregt, erklärte der Präsident damals: »… keinem Franzosen über 40 sollte es erlaubt sein, … zukünftig eine Stellung (im Öffentlichen Dienst Frankreichs) zu bekleiden.« Es bedürfe »… vieler Jahre ehrbarer Arbeit, um Frankreich wiederaufzurichten«. Stalin und Roosevelt kamen überein, für die Wiederherstellung der französischen Kolonialherrschaft in Indochina auch keinen Tropfen alliierten Bluts zu vergießen[5].

Eigenartigerweise verstieß das real pro-sowjetische Handeln des Präsidenten gegen eines seiner Lieblingsvorhaben: gegen die Idee von den vier Weltpolizisten. Indem er China fallen ließ, offenbart er auch seine wahre Einstellung dem schwächeren Partner Großbritannien gegenüber. Nur Sowjetrußland profitierte. Ohne Übertreibung darf im ganzen festgestellt werden, daß ohne das Mitwirken Roosevelts der Zugriff des Kommunismus im Riesenerdteil jenseits Indiens und Thailands weniger glücklich verlaufen, die verhängnisvollen Landkriege Amerikas in Korea und Indochina weniger unvermeidlich gewesen wären.

Die Angelsachsen in Vorderasien

Im Nahen Osten entbrannte ein Machtkampf zwischen Churchill und Stalin um den Iran, den Irak (der in seiner heutigen Form erst 1918 von den Briten und den Franzosen erschaffen wurde) und um die Türkei, wobei Stalin seine neu-zaristischen Expansionsvorhaben wieder auffrischte.

Churchill und Roosevelt gestatteten Stalin die Besetzung eines Gutteils der früheren Einflußzone der Zaren im Nordiran schon im Sommer 1941. Rußland erhielt die völkisch gemischten Unruheherde in den Gebieten und Provinzen Kurdistan, Aserbeidschan, Gilan, Mazanderan, Gorgan und Chorasan. Großbritannien und die USA bemächtigten sich des Löwenanteils: der Ölreichen und Indien nahen Provinzen im Süden und Osten des Landes. Die Ereignisse fanden am und nach dem 25. August 1941 statt, als die Tinte auf dem Papier der Atlantik-Charta noch nicht trocken war, in der am 12. August 1941 Roosevelt und Churchill die Unverletzbarkeit der Unabhängigkeit, der Grenzen und des Gebietes aller Staaten (»Nationen«) feierlich erklärten. Der Präsident, der das Gebiet des Irans als Nachschubbasis für Lieferungen an die UdSSR beanspruchte, und sein Land befanden sich zu dieser Zeit weder mit dem Iran noch mit Deutschland im Kriegszustand.

Die Sowjets ihrerseits strengten sich an, die Lage zum besten auszunützen. Sie hatten eine konzertierte diplomatisch-ideologisch-wirtschaftliche und militärische Offensive nicht nur auf den Treffen der Großen Drei, sondern großzügig schon Jahre vorher »im Felde«, also innerhalb der betroffenen Völker und Staaten vorbereitet. Im Iran nach 1941 wurde die links-extremistische Tudeh-Partei offen unterstützt; die Unabhängigkeitsbestrebungen der verschiedenen Stämme und Nationalitäten wurden gefördert; schließlich, am 12. Dezember 1945, wurde versucht, durch das Ausrufen der »Autonomen Republik von Aserbeidschan« in Täbris und, darauffolgend, der unabhängigen »Kurdischen Republik« in Mahabad vollendete Tatsachen zu schaffen[6].

Im Irak verfolgte die UdSSR ähnliche Ziele. Die Türkei endlich wurde von Sowjetrußland in die Zange genommen. Trotz Englands einstmals unerschütterlich scheinender Vormachtstellung in Vorderasien sah sich Churchill 1943 und 1944 durch die gemeinsame Opposition der Russen und der Amerikaner gegen seine Invasionspläne im Östlichen Mittelmeer veranlaßt, einzulenken und Stalins Argwohn zu entschärfen. Zuerst glaubte er, die Türkei auf seiten der Alliierten in den Krieg gegen Deutschland ziehen zu können, dem Eroberungszug der Roten Armee auf dem Balkan vorauszukommen und den friedensbereiten Ungarn und Rumänen die Hand zu reichen. Wie er sich noch auf der zweiten Kairo-Konferenz am 4. Dezember 1943 Roosevelt gegenüber ausdrückte, bestehe die Möglichkeit, »… unsere nächste Konferenz in Budapest abzuhalten« - eine politisch intelligente, doch militärisch fragliche Fortführung der britischen Balkanpolitik des Ersten Weltkrieges. Doch die Mühe war umsonst. Angesichts des Widerstrebens Roosevelts hatte Churchill schon in Teheran am vorausgegangenen 30. November 1942 sich beeilt, den Sowjets die Aussicht auf Warmwasserhäfen zu eröffnen und die »… russische Flotte auf allen Weltmeeren zu begrüßen«. Dazu hatte sich der Sowjetmarschall sarkastisch geäußert, diese neuartige Teilungsbereitschaft sei kaum eine Fortsetzung der traditionellen britischen Mittelmeerpolitik.

(Womit Stalin im ganzen Recht hatte. Aber schon im Ersten Weltkrieg, auch in scheinbar verzweifelter Lage nach dem Scheitern ihrer Offensiven in Gallipoli, hatten England und Frankreich in mehreren Geheimabkommen vom März 1915 bis April 1917 sich bereit erklärt, das Ottomanische Reich mit dem Zarenstaat, später auch mit Italien, zu teilen. Rußland sollte die Türkischen Meerengen, Armenien und weitere Teile der Osttürkei erhalten. Diesem machtpolitischen Verfahren ist eine fatale Ähnlichkeit mit der Teilung Deutschlands von 1943 bis 1945 nicht abzusprechen.)

Roosevelt sprach sich dafür aus, die Konvention von Montreux (1936) dergestalt abzuändern, die Türkischen Meerengen »… dem Handel und den Flotten der ganzen Welt zugänglich zu machen«[7]. Später, am 9. Oktober 1944, hatte der britische Premier Stalin seine bekannte Prozentaufteilung des Balkans vorgeschlagen. Noch am Vorabend der Jalta-Konferenz äußerte sich Churchill Eden gegenüber, er sei nicht bereit, »der russischen Forderung nach einer Revision der Konvention von Montreux sich zu widersetzen«[8].

Was Wunder also, daß in bezug auf die Türkei -dieser strategisch und historisch lebenswichtigen Landbrücke zwischen Asien, Afrika, Ost- und Mitteleuropa - in Jalta am 10. Februar 1945 folgendes ablief:

»Stalin: ›Der Vertrag ist veraltet … (Er) war mit dem Völkerbund verknüpft, der nicht mehr existiert, und wurde zu einer Zeit abgeschlossen, in der die Beziehungen zwischen Großbritannien und der Sowjetunion nicht zum besten waren … Ich verlange keine sofortige Revision … Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß die Türkei Rußland jederzeit die Gurgel zudrücken kann‹.«

»Roosevelt: ›Ich verstehe Sie vollkommen! Ich hasse es, wenn Nationen Bollwerke zwischen sich errichten. Sehen Sie sich die 3000 Meilen lange Grenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten an: kein Fort und kein Soldat stehen an der ganzen Grenze. Außerdem ist es durchaus verständlich, daß die UdSSR einen eisfreien Hafen im Westen zu haben wünscht.‹

Churchill: ›Auch ich bin damit einverstanden, unter der Voraussetzung, daß die Unabhängigkeit und die Integrität der Türkei garantiert werden.‹«[9]

1945 verlangte Stalin von der Türkischen Republik nicht nur das Errichten sowjetischer Marinestützpunkte an den Meerengen, sondern die Annexion der osttürkischen Provinzen Kars und Ardahan an die UdSSR – eine Fortsetzung der jahrhundertealten russischen und sowjetischen Levantepolitik. Während der Konferenz von Potsdam waren die Weichen schon gestellt: die Amerikaner und die Briten befürworteten eine »Änderung« der Montreux-Konvention, obwohl die letzteren bestrebt waren, ihre Stellung in Vorderasien von Griechenland bis Ägypten und zum Iran - und darüber hinaus - zu festigen. Noch am 2. November 1945 veröffentlichte die amerikanische Regierung eine ausgesprochen sowjetfreundliche, den Vorschlägen Roosevelts in Teheran und Jalta ähnelnde Note, wonach den »Schwarzmeeranrainern« - und nur diesen - die Durchfahrt ihrer Flotteneinheiten durch den Bosporus und die Dardanellen nach Belieben gestattet sein sollte. Aber 1946, unter steigendem sowjetischen Druck gegen die Türkei, wendet sich das Blatt allmählich. Die Sowjets wurden unter iranischen Konzessionen aus dem Iran herausgedrückt. Am 12. März 1947 erließ Präsident Truman seine bekannte Erklärung (»Trumandoktrin«), worin er Griechenland (und der Türkei) großangelegte Hilfe gegen einen Angriff versprach. Auf dem Höhepunkt der sowjetisch-türkisch-westlichen Krise war eine Örtliche Katastrophe gerade noch rechtzeitig abgewendet worden[10].

Dieses günstige Urteil darf über die Verhältnisse im gesamtasiatischen Festland wohl kaum gefällt werden. Ja, es darf wirklichkeitsnah festgestellt werden, daß das Nachgeben Roosevelts und der Angelsachsen auf den Dreierkonferenzen von 1943 bis 1945 den heute erneuerten Druck der Sowjetrussen auf die Türkei und den Östlichen Mittelmeerraum erleichterte, ihren Expansionswünschen in Ostafrika und Südarabien Vorschub leistete und ihre dräuende Vormacht über ganz Asien entlang einer Linie Bosporus - Bagdad - Bombay - Bangkok -Beijing festigte und untermauerte. Die Sorgen um Rußlands Ziele, die Eden im Jahre 1945 verspätet anmeldete, scheinen im Lichte der Entwicklung von heute gar nicht übertrieben.

Roosevelt und die Angelsachsen in Ostmitteleuropa

Die Beschlüsse der Konferenzen von Teheran bis Potsdam haben Mitteleuropa gespalten. Die territorial größere Hälfte von Königsberg über die Elbe-Werra-Grenze bis Triest wurde dem sowjetischen Machtbereich zugeschlagen. Die Besetzungs- folgte der Verhandlungspraxis. Die gigantische Streitmacht Amerika - den zögernden britischen Bundesbruder nach sich ziehend -hielt sich noch ein halbes Jahr nach der Krimkonferenz starr an die Abmachungen über die Zersplitterung Deutschlands und Europas.

Es darf nie vergessen werden, daß das für die Unabhängigkeit und die Kultur Europas lebenswichtige Festlandherz von den Streitkräften des Westens zuerst erreicht - wobei es noch weit mehr zu erobern gegeben hätte - und erst später im Sommer 1945 der Roten Armee ausgeliefert wurde: die Gebiete von Südböhmen und Pilsen bis Wismar an der Ostsee, Thüringen, Magdeburg und Großteile Mecklenburgs und der Altmark sowie des Industrieballungsgebietes Sachsen bis Torgau an der Elbe.

Am Ostseestrand entbrannte ein Wettlauf der Briten und der Sowjets um Wismar und Lübeck, den die Briten für sich entschieden. Churchill, Eden und König Georg Vl. befürchteten die Eroberung Lübecks durch den Östlichen »Verbündeten« und damit auch den Verlust Jütlands und der strategisch lebenswichtigen skandinavischen Meerengen[11]. Nach dem tragischen Scheitern seiner - von Amerika abgelehnten - Balkanpolitik in den Jahren 1943 und 1944 hatte Winston Churchill sich panikartig auf Stalins Seite begeben. Nun, 1945, drehte er den Spieß wieder um. Trotz des Ratschlags des Premierministers, Edens und des amerikanischen Generals Patton lehnten amerikanische Spitzenpolitiker es ab, Berlin und Prag einzunehmen, als dies noch ohne größeres Risiko möglich war. General Eisenhower besprach die Sache erst mit seinem sowjetischen »Kollegen«, ehe er bekanntgab, die Besetzung Prags sei militärisch nicht zu verantworten. Präsident Truman billigte seine Entscheidung. Dabei hatte ein (oder mehrere) Wagen mit amerikanischem Militär die wenigen Kilometer, die Prag vom US-Besatzungsgebiet trennten, unbehelligt durchquert und war von Teilen der Prager Bevölkerung gefeiert worden. Hätten die Vereinigten Staaten Ende April/ Anfang Mai 1945 Prag eingenommen, wären die Greuel, die der tschechische Mob an den Deutschböhmen verübte - an Landsleuten, die 1000 Jahre Geschichte mit den Tschechen geteilt hatten - wohl vermieden worden. Wären Pilsen, Leipzig, Magdeburg und Wismar in der Hand der Angelsachsen verblieben und wären Wien, Berlin und Prag zuerst von ihnen eingenommen worden, hätte sich die gesamteuropäische Geschichte von der von heute vollkommen unterschieden. Die Wirklichkeiten der Gegenwart wären ganz andere[12].

Die von den Exilpolen mancherorts vorgebrachte Klage, Churchill und Roosevelt hätten ihre Londoner Regierung an Stalin preisgegeben, trifft zu, muß aber im größeren Rahmen der sowjetischen Außenpolitik recht verstanden werden. Die Briten und Amerikaner hatten dieser kein auf Europa passendes Gegenstück entgegenzusetzen.

Schon am 15. Oktober 1940, nach dem Scheitern des britisch-französischen Annäherungsversuches an Stalin vom Sommer 1939 und nach dem Ende des finnischrussischen »Winterkrieges«, der von seiten der Briten und Franzosen mit Invasionsplänen gegen Sowjetrußland verbunden war, schlug die Regierung Großbritanniens in der Person des Labour-Führers und Botschafters in Moskau (1941), Sir Stafford Cripps, die de facto Anerkennung der sowjetischen Oberhoheit über die folgenden Gebiete vor: Estland - Lettland - Litauen, Bessarabien und die Bukowina in Ostrumänien und »… jene Teile des früheren polnischen Staats, welche sich nun unter sowjetischer Kontrolle befinden« (»those parts of the former Polish state now under Soviet control«)[13]. Die damalige Bedingung war, daß die Sowjetunion Großbritannien dieselbe wohlwollende Neutralität angedeihen lasse, die sie Deutschland gegenüber anscheinend annahm.

Ein Jahr später, am 15. Dezember 1941 - eine Woche nach Pearl Harbor also -, flog Außenminister Eden nach Moskau. Dort drang Stalin in ihn, nebst nebensächlicherer Abkommen auch ein »äußerst geheimes Protokoll« zu unterschreiben, das den Cripps-Plan von 1940 ein für allemal anerkannt und die folgenden Forderungen Stalins gutgeheißen hätte: Polen erhält Ostpreußen ohne Tilsit und die deutschen Gebiete nördlich der Memel, welche Sowjetrußland zugeteilt werden. Das finnische Petsamo und die rumänischen Provinzen Bessarabien und Nordbukowina kommen an die UdSSR. Deutschland wird zerstückelt; es verliert Ostpreußen und wird in die unabhängigen Staaten Rheinland, Bayern und Österreich zerteilt. Stalin bezeichnete seine Forderungen trocken als »praktische Arithmetik«. Seine Rechnung ging auf, als Roosevelt Churchills Gegenvorschläge auf den Konferenzen von Casablanca, Quebec, Kairo, Teheran und Jalta beiseite schob und durch seine eigenen, Stalins an Radikalität noch übertreffenden Pläne ersetzte[14].

Im Dezember 1941 gelang es Eden noch, Stalins Eroberungsdurst etwas zu dämpfen - wohl mit einem Auge auf Englands traditioneller »Interessenzone« im Ostseeraum und besonders auch mit der Ermunterung durch den amerikanischen Außenminister Cordell Hull, der ihm vorher eingeschärft hatte, sich nicht auf eine Verletzung der Prinzipien der Atlantik-Charta einzulassen (»… keine einseitige Vergrößerung [der Siegerstaaten] … keine Gebietsveränderungen, die den frei ausgesprochenen Wünschen der betroffenen Völker nicht entsprechen«). Leider war Cordell Hull weder ein Vertrauter seines Präsidenten, noch war es ihm gelungen, eine starke politische Hausmacht hinter sich aufzubauen. Als Hull verlauten ließ, er werde auf der Moskauer Außenministerkonferenz (Oktober 1943) zu den Fragen Polen, Deutschland und Europa »ein gehobenes moralisches Niveau« vertreten (»take the moral high ground«), hatte dies deshalb auf seinen Vorgesetzten wenig Einfluß. Schon am 16. März 1943 versicherte Roosevelt während Edens Besuch in Washington, Polen täte besser, wenn es für den Verlust seiner Ostgebiete jenseits der Curzon-Linie an Rußland durch die Zuteilung Ostpreußens und von Teilen Schlesiens entschädigt würde. Deutschland solle zerstückelt (»dismembered«) und auf mindestens 40 Jahre militärisch überwacht werden (»policed«)[15].

Selbstverständlich forderten die Sowjets während der Teheran-Konferenz die Curzon-Linie als ihre neue Westgrenze, wobei Lemberg in Galizien, Königsberg und das nördliche Ostpreußen an die UdSSR fallen und die polnische Westgrenze bis zur Oder vorgeschoben werden sollten. In einem intimen Privatgespräch erklärte der Präsident dem Diktator Sowjetrußlands, es gäbe in den Vereinigten Staaten mehrere Millionen Balten und Polen; es gelte, sie den Verlust ihrer Heimat an die UdSSR verschmerzen zu lassen. Stalin empfahl einen USA-internen Propagandafeldzug. Roosevelt gab nach. Auch auf der Krimkonferenz wies Roosevelt auf fünf bis sechs Millionen Polen in den USA hin, die sich nun mit der Curzon-Linie als der neuen Ostgrenze Polens angeblich abgefunden hätten. Es gelte, Nachkriegspolen mit der Zugabe Ostpreußens und eines weiteren Teils Deutschlands zu entschädigen[16].

In Wirklichkeit mißtrauten der exilpolnische Premierminister Mikolajczyk - der Nachfolger des in Gibraltar 1943 tödlich abgestürzten Generals Sikorski - und seine Londoner Regierung den sowjetischen Großraumplänen. Mikolajczyk gestand, es seinem schwachen Polen kaum zuzutrauen, »die riesigen Gebietszugaben aus Ostdeutschland einfach zu verdauen«. Eden teilte seine Meinung in der Sorge, »die Russen hätten riesige Vorhaben, welche die Herrschaft über Osteuropa und … das Mittelmeer und die Kommunisierung eines Großteils des Überrestes mit einschließen …« Während der Konferenz von Potsdam. versuchte er - nach seiner Aussage -Churchill zu überzeugen, die Westgrenze Polens auf keinen Fall westlich der Östlichen Neiße verlaufen zu lassen. Er hätte es vorgezogen, sie noch weiter Östlich zu ziehen. Seine erst später niedergeschriebenen Gedankengänge verdienen, hier wiedergegeben zu werden:

»Wenn es Polen versuchen sollte, große Gebiete zu absorbieren, die in Herkunft, Wirtschaft und Leben deutsch gewesen waren, müßte es sich zukünftig auf schwierige Zeiten vorbereiten. Aber … es paßt in die Pläne des Kreml, Deutschland so viele Ostgebiete als möglich zu entreißen, um möglichst viel Bitternis zwischen den Polen und den Deutschen zu entfachen und damit einen brauchbaren, zweiten, Einfluß … auf Warschau zu gewinnen …«[17]

Doch keiner der anderen Großen stimmte Eden voll bei. Noch während des Potsdamer Dreiertreffens, als das Vorhaben der Sowjetrussen eindringlich klar geworden war, gestand Churchill seinem Außenminister: »Der Mann (Stalin) gefällt mir« (»I like that man«)[18].

Roosevelt, von Stalin beeinflußt und umworben wie kaum ein zweiter, gab sich noch optimistischer. Im Juni 1944 beschwichtigte er Premierminister Mikolajczyk folgendermaßen: »In bezug auf die endgültige Regelung der polnischen Frage bin ich optimistisch. Polen wird wieder ein starker, unabhängiger Staat. Stalin ist Realist und sehr geschickt (very deft) … hat einen guten Sinn für Humor.« ›Uncle joe‹ hätte sehr heiter reagiert, als nach seinem Trinkspruch »… auf den Tod von mindestens 50000 deutschen Offizieren« während der Teherankonferenz Churchill wutentbrannt davongestürmt sei und daraufhin er, Roosevelt, die Lage mit einem Toast auf den »Tod auf dem Schlachtfeld von 49500 deutschen Offizieren« gerettet habe[19].

Stalins und Roosevelts Humor machten auf Mikolajczyk und seinen Botschafter in Washington, Ciechanowski, wohl eher einen negativen Eindruck, da ihnen das Schicksal von 10000 polnischen Offizieren noch stark im Gedächtnis lag, die 1939 in sowjetische Hände gefallen und 1943 meistenteils in Massengräbern bei Katyn zum Vorschein gekommen waren. Tatsächlich kam es darüber im schwelenden Konflikt zwischen der polnischen Exilregierung und dem Kreml zum offenen Bruch. Stalin und Molotow bezichtigten die Polen der verräterischen Komplizenschaft mit den Deutschen und nahmen die willkommene Gelegenheit wahr, ihr eigenes »Lubliner Komitee« zur einzig anerkannten Regierung Polens auszurufen und ihre Gebietsansprüche - Curzon-Linie samt Lemberg - durchzusetzen. Als Roosevelt Mikolajczyk zu versichern suchte, Stalin sei ein Realist und kein Imperialist, waren diese Tatsachen schon gegeben. Von Churchill und Roosevelt bedrängt, versuchte Mikolajczyk einzulenken. Während des Höhepunktes des Warschauer Aufstandes (1. September 1944) erklärte er Churchill seine Bereitschaft, dem »Lubliner Komitee« 14 Sitze in einer Koalitionsregierung anzubieten. Die Führer der Warschauer Untergrundbewegung nahmen den Vorschlag einstimmig an - mit dem Erfolg, daß innerhalb eines Jahres die Mehrzahl wegen »Hochverrats« von den Sowjets eingekerkert wurde[20].

Mikolajczyk legte im November 1944 sein Amt nieder. Sein Nachfolger Arcziszewski - ein Sozialdemokrat und bis Juli 1944 Mitglied der polnischen Untergrundbewegung - war jedoch, gleich ihm, nicht willens, seine Unterschrift unter die sowjetische Annexion Ostpolens und den Satellitenstatus seines Landes zu setzen - unter ein »Dokument der nationalen Katastrophe«. Am 3. Februar 1945 richtete er ein verzweifeltes Telegramm an Roosevelt, das verdient, hier wiedergegeben zu werden:

»Ich vertraue darauf, daß Sie sich an keiner Entscheidung beteiligen, die Polens legitime Rechte und seine Unabhängigkeit gefährdet, und daß Sie in bezug auf Polen keine vollendeten Tatsachen anerkennen werden … Wenn der europäische Frieden von Dauer sein soll, muß er beruhen auf dem Prinzip der Gerechtigkeit, der Achtung vor dem Recht, auf gutnachbarlichen Beziehungen und auf Aufrichtigkeit im Völkerleben … Die sogenannte provisorische Regierung in Lublin hat offen erklärt, sie werde alle Soldaten der innerpolnischen Armee und der polnischen Untergrundbewegung als Verräter behandeln … Massenverhaftungen und Deportationeu haben bereits stattgefunden … «[21]

Unter Zuhilfenahme des Rooseveltschen Wortschatzes ein Aufruf zum Idealismus. Arcziszewski hätte sich die Mühe ersparen können. Der Präsident teilte Stalins Annexionspläne seit mindestens 1943, und er war es auch, der - im Hinblick auf die völkisch gemischten Gebiete Polens - während des Treffens von Teheran die »freiwillige Übersiedlung« der Ostpolen nach »Neupolen« vorschlug. Gewiß hatten Stalin und die Sowjets derartige Umsiedlungen geplant und im größten Maßstabe schon vor 1941 durchgeführt. Doch wirkte es niederschmetternd, daß der führende Staatsmann des liberalen Westens das Ansehen seiner Person und seines Amtes zur genoziden Vertreibungspolitik von weit über 20 Millionen Polen, Deutschen, Ungarn, Ukrainern und anderen leicht hergab. Noch in Teheran beeilte sich Churchill, den veränderten Gegebenheiten Rechnung zu tragen: Wenn die Polen darauf bestehen, die neue Grenzziehung abzulehnen, dann mache Großbritannien »… Schluß mit ihnen … (und wird) sich der sowjetischen Regierung … am Friedenstisch nicht widersetzen«. Wie es seine Gepflogenheit war, veranschaulichte der Premierminister gleich am Konferenztisch anhand von Zündhölzerrt, wie im Dreiertakt zuerst Polens Ost- und dann seine Westgrenze sich gen Westen verschieben[22].

Das Weiße Haus mied die Berührung mit dem Botschafter Polens, als Roosevelt sich im Januar 1945 auf Jalta vorbereitete. Einmal gelang es Ciechanowski, dessen Intimus' Harry Hopkins habhaft zu werden: »Was könnte es Wichtigeres geben, als jetzt schon auf der Grundlage der amerikanischen Prinzipien und (Roosevelts) Vier Grundfreiheiten den Grundstein für die künftige Zusammenarbeit vereinter Nationen zu legen?« Unter einem Lachanfall erwiderte Hopkins: »Wir müssen auch schon an die Präsidentschaftswahlen von 1948 denken!« Ministerpräsident Arcziszewski, seine Regierung und seine Nation, wurden Stalins Lubliner Komitee auf Gedeih und Verderb ausgehändigt[23].

Tatsächlich dürfen die Konferenzen von Teheran und Jalta, ihre Vorgeschichte und ihre militärisch-diplomatischeu Nachwehen, für die periodisch wiederholten Volksaufstände im sowjetisch besetzten Mitteleuropa und für ihr blutiges Niederschlagen verantwortlich gemacht werden: für den 17. Juni 1953 in Mitteldeutschland; für die polnischen Unruhen in den Jahren 1956, 1970 und 1982; für die ungarische Revolution von 1956; für den Frühling und den Herbst von Prag 1968. Ohne die Politiker von Teheran und von Jalta wäre Europa dieses furchtbare Schicksal, das Verbluten en masse des Geistes großer Kulturvölker, erspart geblieben.

(wird fortgesetzt)


Anmerkungen

  1. Foreign Relations of the United States-Diplomatic Papers (The Conferences at Malta und Yalta). US Covernment Printing Office, Washington, 1955 Deutsche Ausgabe: Die Konferenzen von Malta und Jalta. Department of State USA; Dokumente vom 17. Juni 1944 bis 5. Juni 1945. Düsseldorf, o. J.
    Official Record of the Yalta Conference. Sonderausgabe der »New York Tirnes«, 17. März 1955.
    Sämtliche zitiert von: Arthur Conte, Die Teilung der Welt. Jalta 1945. München, 1967. S. 94-95.
  2. Anthony Eden, Earl of Avon, Memoirs. The Reckoning. Boston und Cambridge, 1965. S. 433.
  3. Ebda., S. 432. Cordell Hull, Memoirs. New York, 1948. Band 11, S. 1130, 1232. Foreign Relations of the United States-Diplomatic Papers (The Conferences at Washington and Quebec, 1943). US-Government Printing Office, Washington, 1970. S. 917.
    Foreign Relations of the United States -Diplomatic Papers (The Conferences at Cairo and Tehran, 1943). US.-Government Printing Office, Washington, 1961. S. 404, 486. Der Titel der offiziellen Dokumente wird ab hier nach Möglichkeit abgekürzt: »Teheran«, »Washington und Quebeco, »Jalta«.
  4. Harper's Weekly. 24. Juni 1905.
  5. Conte, aaO., S. 300. US Foreign Relations, Tehran. S. 404, 448449, 586. Charles DeGaulle, Memoirs of Hope (Mémoires d'Espoir). New York, 1971. S. 12-13. Elliott Roosevelt, As He Saw It. New York, 1946. S. 164.
  6. The Annals of the American Academy of Political and Social Science, Juli 1953: Farid Hanania, »Tension in the Arab Near East«; Emil Lengyel, »The Middle East Power Vacuum«. Archie Roosevelt, Jr., »The Kurdish Republic of Mahabad«, Middle East Journal, Juli 1947. »Nazi-Soviet Relations 1939-1941«, Documents from the Archives of the German Foreign Office, Department of State Publication 3023.
  7. US Foreign Relations, Tehran. S. 568-596, 680. Eden, aaO., S. 588.
  8. Eden, ebda.
  9. Conte, aaO., S. 304.
  10. Noch zur Jahresmitte 1945 berichtet Eden: »Die US-Regierung ist nicht willens, mit uns eine gemeinsame Erklärung herauszugeben, die die türkische Ablehnung der (sowjetischen) Forderungen unterstützt, und der Premierminister ist sich im klaren, daß wir es allein tun müssen … «, ebda., S. 630. Ahmed Sakrä Esmer, »The Straits: Crux of World Potitics«, Foreign Affairs, Januar 1947. Norman J. Padelford, »Solutions to the Problem of the Turkish Straits«, Middle East Journal, April 1948.
  11. Winston Churchill, The Second World War, Triumph and Tragedy. New York 1953. S. 445. Eden, aaO., S. 612. Field-Marshal The Viscount Montgomery, Memoirs. New York 1958. S. 304.
  12. Wenzel Jaksch, Europe's Road to Potsdam. New York 1963. S. 413-417. Toni Steblo, unveröffentlichter Augenzeugenbericht über Prag im Mai 1945.
  13. US Department of State, Foreign Relations of the United StatesDiplomatic Papers; 1942, Band 111; S. 497-501. Llewellyn Woodward, British Foreign Policy in the Second World War. London, H. M. Stationery Office, 1962, S. 145.
  14. Ivan Maisky, Memoirs of a Soviet Ambassor. The War, 1939-1943. New York 1968. S. 231-232.
  15. Eden, aaO., S. 432.
  16. US Foreign Relations, Tehran. S. 585-594. »Report of Crimea (Yalta) Conference, 4-11 February 1945«, Documents on Germany Under Occupation, Washington, o. J., S. 5-6. Churchill, aaO., S. 314. Eden, aaO., S. 496.
  17. Eden, ebda., S. 631.
  18. Ebda., S. 632.
  19. Conte, aaO., S. 70.
  20. Churchill, aaO., S. 120-121.
  21. Conte, aaO., S. 75.
  22. US Foreign Relations, Tehran. S. 512-514, 594-603.
  23. US Foreign Relations, 1944, Band I. »The British Prime Minister (Churchill) to President Roosevelt«, London, May 25, 1944. S. 517518. Documents on Germany Under Occupation, 1945-1954, aaO., S. 5-6. Conte, aaO., S. 75.

Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 33(2) (1985), S. 14-20

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