I. Einleitung

»Du, König, sahest, und siehe, ein großes und hohes und sehr glänzendes Bild stand vor dir, das war schrecklich anzusehen. Des Bildes Haupt war von feinem Golde, seine Brust und Arme waren von Silber, sein Bauch und seine Lenden waren von Erz, seine Schenkel waren Eisen, seine Füße waren eines Teils Eisen und eines Teils Ton. Solches sahest du, bis daß ein Stein herabgerissen ward ohne Hände; der schlug das Bild an seine Füße, die Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. Da wurden miteinander zermalmt das Eisen, Ton, Erz, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, so daß man sie nirgends mehr sehen konnte. Der Stein aber, der das Bild schlug, ward ein großer Berg, daß er die ganze Welt erfüllte.«

Daniel 2, 31-35

Der offiziellen Geschichtsversion zufolge verübten die deutschen Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs einen in seiner Systematik und seiner Grausamkeit beispiellosen Völkermord an den Juden. Mehrere Millionen Juden, so heißt es, seien aus allen von den Deutschen beherrschten Ländern in auf polnischem Territorium gelegene "Vernichtungslager" geschafft und dort hauptsächlich in Gaskammern, zu einem geringeren Teil in Gaswagen umgebracht worden. Außerdem hätten die Deutschen an der Ostfront eine ungeheure Zahl von Juden massakriert. Die Gesamtziffer der Vergasten, Erschossenen sowie in Ghettos und Lagern an Seuchen, Erschöpfung, Hunger usw. zugrunde gegangenen Juden belaufe sich auf fünf bis sechs Millionen.

Für diesen behaupteten einzigartigen Genozid verwendet man gemeinhin das Wort "Holocaust", das vom griechischen Wort für "Brandopfer" herrührt und sich nach der Ausstrahlung des gleichnamigen US-Spielfilms im Jahre 1979 auch außerhalb des angelsächsischen Sprachraums durchgesetzt hat.

Die eben resümierte Version vom Schicksal der Juden während des Zweiten Weltkriegs steht in sämtlichen Lexika und Geschichtsbüchern der westlichen Welt. Bei öffentlichen Diskussionen über den "Holocaust" wird stets axiomatisch von ihr ausgegangen. Zweifel an dieser Version sind nicht erwünscht. Abweichende Stimmen werden durch eine strenge Medienzensur totgeschwiegen und in mehreren europäischen Staaten mit polizeistaatlichem Terror unterdrückt.

Wohl ist in den vergangenen Jahrzehnten eine kaum mehr überschaubare Menge von Literatur über den "Holocaust" erschienen, doch ist man sich allgemein darüber einig, welches Buch als Standardwerk zu dieser Frage zu betrachten sei: Raul Hilbergs The Destruction of the European Jews.

Der 1926 in Wien geborene Jude Hilberg emigrierte 1939 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten. 1944 trat er in die amerikanische Armee ein. 1948 begann er sich mit dem jüdischen Schicksal unter dem Nationalsozialismus zu beschäftigen. 1951/52 arbeitete er im Dokumentationszentrum von Alexandria, Virginia. Seine Aufgabe bestand in der Auswertung erbeuteter deutscher Dokumente. 1952 erwarb er den Magistergrad in Politologie, 1955 den Doktorgrad der Rechtswissenschaften. Wie die meisten anderen Autoren, die sich mit dem "Holocaust" befaßt haben, ist auch er seiner Ausbildung nach also keinesfalls Historiker. Allerdings unterrichtete er an der Universität Vermont jahrelang neben Internationalen Beziehungen und US-Außenpolitik auch die Geschichte der Juden während des Zweiten Weltkriegs.[1]

The Destruction of the European Jews erschien zuerst 1961 und wurde 1967 sowie 1979 in unveränderter Form neu aufgelegt. Es folgte 1985 eine modifizierte, »definitive« Ausgabe. Ins Deutsche übertragen wurde das umfangreiche Werk erstaunlicherweise erst im Jahre 1982, und zwar bei einem kleinen Verlag (Olle & Wolter in Berlin). Der Titel lautete Die Vernichtung der europäischen Juden. Wir verwenden im folgenden die im Mai 1997 beim Fischer Taschenbuch Verlag in Frankfurt publizierte dreibändige Ausgabe, die auf der »definitiven« englischen Version von 1985 fußt.

Hilbergs Studie über den "Holocaust" erhebt den Anspruch, die schlechthin beste und erschöpfendste ihrer Art zu sein. Dies wird in der Einleitung zur deutschen Ausgabe unmißverständlich klargestellt:

»Wenn das Wort "Standardwerk" überhaupt noch einen Sinn hat, dann muß man Hilbergs berühmte Gesamtgeschichte des Holocaust als solches bezeichnen. [...] Das Thema dieses Werks sind die Täter, der Plan, das Tatschema, die Tat selbst, ihre Vorbereitung und Durchführung. Mit "Kühle und Präzision, die den großen Chronisten auszeichnet" (SZ), weist Hilberg die Verwicklung und Beteiligung der Führungseliten in Staatsverwaltung, Industrie und Wehrmacht bei der Judenvernichtung nach. Nachgewiesen wird auch die funktionale Hingabe des durchschnittlichen Bürokraten, Reichsbahners, Polizisten und Soldaten an das Ausrottungswerk. Und es kommt ein Tätertypus zum Vorschein (der auch namentlich genannt wird), der nach 1945 nie einem Richter begegnet ist: der preußische General, der national-konservative Ministerialbeamte, der Diplomat, der Jurist, Industrielle, Chemiker und Arzt.

Hilberg hat das Material für sein Buch sein Leben lang gesammelt und ergänzt. Er gilt als der wohl beste Kenner der Quellen, die zum größten Teil von den Tätern stammten. Sie haben - gründlich, wie sie waren - die Beweise des Mordhandwerks hunderttausendfach abgeheftet - mit Briefkopf und Dienstsiegel.

Die vorliegende Gesamtgeschichte des Holocaust ist "Quelle für den Spezialisten, Analyse für den Theoretiker und Geschichtsbuch ohnegleichen für das allgemeine Publikum" (Sunday Times).«

Daß Hilbergs Opus das Ergebnis einer immensen Fleißarbeit darstellt, wird auch von den Revisionisten anerkannt, welche die landläufige Version vom Geschick der Juden im Dritten Reich bestreiten. Für den Franzosen Robert Faurisson, einen der profiliertesten Revisionisten, steht Hilberg »hoch über Poliakov, Wellers, Klarsfeld und Konsorten«.[2] In Anbetracht der dominierenden Stellung Hilbergs innerhalb der orthodoxen "Holocaust"-Literatur sahen sich die Revisionisten immer wieder gezwungen, sich mit seinem Werk auseinanderzusetzen. Eine erste solche Auseinandersetzung erfolgte bereits 1964, also drei Jahre nach dem Erscheinen der Erstausgabe von The Destruction of the European Jews. Damals ritt der Franzose Paul Rassinier, ehemaliger Widerstandskämpfer, Ex-Häftling der NS-Konzentrationslager Buchenwald und Dora sowie Begründer des Revisionismus, eine scharfe Attacke gegen Hilberg. In seinem Buch Le Drame des Juifs Européens unterzog Rassinier Hilbergs Statistik der jüdischen Menschenverluste während des Zweiten Weltkriegs einer gründlichen Untersuchung. Er verwarf dessen Schlußfolgerung, daß die Zahl der jüdischen Opfer etwa 5,1 Millionen betragen habe; auf diese Ziffer sei Hilberg durch eine grobe Manipulation der Ausgangsdaten gelangt. In Wirklichkeit komme man, gehe man von diesen Daten aus, auf unter einer Million jüdischer NS-Opfer.[3]

In den über 35 Jahren, die seit dem Erscheinen von Rassiniers Hilberg-Kritik verstrichen sind, ist die revisionistische Forschung nicht stillgestanden. Eine umfassende, nicht auf die Bevölkerungsstatistik begrenzte Analyse der von Hilberg angewandten Methoden sowie eine kritische Beleuchtung seiner Ergebnisse steht freilich bis zum heutigen Tage aus. Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, diese Lücke zu schließen.

Folgende Punkte stehen im Mittelpunkt unserer Untersuchung:

Raul Hilberg

Nicht zur Debatte stehen die von niemandem angezweifelten Judenverfolgungen und -deportationen während des Zweiten Weltkriegs sowie das Leiden der Juden in den Lagern und Ghettos; hier stützt sich Hilberg unbestrittenermaßen auf solides Quellenmaterial. Etwas anders verhält sich die Lage bezüglich der Massenerschießungen von Juden an der Ostfront. Daß es solche gab, wird von niemandem in Frage gestellt; sehr wohl in Frage gestellt wird aber seitens revisionistischer Forscher das von Hilberg und anderen orthodoxen Historikern behauptete Ausmaß dieser Erschießungen. Auch in diesem Punkt werden wir die von Hilberg postulierten Opferzahlen sowie die von ihm verwendeten Quellen kritisch prüfen.

Kurz gesagt: Wir wollen in unserer Studie zu ergründen suchen, ob Hilbergs großes Opus über den "Holocaust" den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen, die es erhebt, tatsächlich genügt, oder ob es, wenn gewogen, für zu leicht befunden werden muß.


Anmerkungen
  1. Zu Hilbergs Biographie siehe die Einleitung zur hier benutzten deutschen Hilberg-Ausgabe (Die Vernichtung der europäischen Juden, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1997), sowie Barbara Kulaszka (Hg.) Did Six Million Really Die?, Samisdat Publishers, Toronto 1992, S. 5f. (online: http://www.ihr.org/books/kulaszka/falsenews.toc.html)
  2. Robert Faurisson, »Mon expérience du révisionnisme«, in: Annales d'Histoire Révisionniste, Nr. 8, Frühling 1990; zitiert nach R. Faurisson, Écrits révisionnistes (1974-1998), 4 Bände, Privatausgabe 1999, S. 954 (Band III). (online: http://www.vho.org/aaargh/fran/archFaur/1986-1990/RF9003xx1.html)
  3. Paul Rassinier, Le drame des juifs européens, Les Sept Couleurs, Paris 1964, Nachdruck bei La Vielle Taupe, Paris 1984, S. 15-32, 107-221. (Online: http://www.vho.org/aaargh/fran/archRassi/dje/dje.html)

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