IV. Das Fehlen von Dokumenten über eine Judenvernichtungspolitik
und dessen Folgen für die orthodoxen Historiker

1. »Kein Dokument ist übriggeblieben«

Daß man niemals einen von Adolf Hitler oder einem anderen NS-Spitzenpolitiker stammenden schriftlichen Befehl zur physischen Vernichtung der Juden gefunden hat, wird von den Historikern aller Richtungen einmütig anerkannt. Léon Poliakov, einer der prominentesten unter den Verfechtern des orthodoxen "Holocaust"-Bildes, hält dazu unmißverständlich fest:[8]

»Die Archive des Dritten Reiches und die Erklärungen und Schilderungen der Naziführer ermöglichen uns, das Entstehen und die Entwicklung der Aggressionspläne, der Feldzüge wie auch der ganzen Palette von Maßnahmen, mit denen die Nazis die Welt nach ihrem Geschmack umgestalten wollten, im Detail zu rekonstruieren. Nur die Judenausrottung bleibt, sowohl hinsichtlich ihrer Konzeption wie auch in vielen anderen Punkten, in Dunkel gehüllt. Deduktionen und psychologische Erwägungen, Berichte aus dritter und vierter Hand, erlauben uns allerdings, die Entwicklung dieses Plans annähernd genau zu rekonstruieren. Jedoch werden viele Einzelheiten für immer unbekannt bleiben. Was die eigentliche Konzeption des Plans zur völligen Ausrottung anbelangt, so sind die drei oder vier Hauptschuldigen nicht mehr am Leben. Kein Dokument ist übriggeblieben – vielleicht hat auch gar nie eines existiert.«

An dieser Aussage gibt es nichts zu revidieren. Bei einem im Jahre 1984 in Stuttgart durchgeführten Historikerkongreß, bei dem es um den »Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg« ging, waren sich die Teilnehmer nur in einem einzigen Punkte einig, nämlich dem, daß niemals ein schriftlicher Ausrottungsbefehl aufgefunden worden ist.[9]

Dieser Umstand hat den Geschichtsforschern seit jeher unendlich viel Kopfzerbrechen bereitet. Eine so gigantische Operation wie die Deportation von mehreren Millionen Juden in Vernichtungslager und ihre dortige Ermordung setzte zwangsläufig eine Organisation voraus, an der Tausende und Abertausende von Menschen beteiligt waren, und dies ging nicht ohne schriftliche Befehle – besonders nicht in so einem straff bürokratischen Staat wie dem Dritten Reich. Die Nationalsozialisten haben ihre Dokumente vor Kriegsende nicht etwa beseitigt, sondern ließen sie den Siegern stoßweise in die Hände fallen. William L. Shirer schreibt dazu in seinem bekannten Buch Aufstieg und Fall des Dritten Reiches:[10]

»Am Ende des Zweiten Weltkriegs fiel den Siegermächten der größte Teil der deutschen Geheimarchive in die Hände, darunter die Geheimarchive des Auswärtigen Amtes, des Heeres und der Marine, der NSDAP und der Himmlerschen Geheimpolizei. Ein so unermeßlicher Schatz hat meines Wissens nie zuvor der Zeitgeschichte zur Verfügung gestanden. […] Das Dritte Reich brach im Frühling 1945 so schnell zusammen, daß nicht nur eine Unmenge von Geheimakten, sondern auch anderes außerordentlich wertvolles Material im Stich gelassen wurde, z.B. private Tagebücher, vertrauliche Briefe, Protokolle von streng geheimen Reden und Konferenzen und sogar Aufzeichnungen von Telefongesprächen zwischen NS-Führern, die von einer besonderen Stelle in Hermann Görings Luftfahrtministerium abgehört worden waren. […] 485 Tonnen Akten aus dem Auswärtigen Amt wurden von der 1. amerikanischen Armee in mehreren Schlössern und Bergwerken im Harz in dem Augenblick beschlagnahmt, als sie auf Befehl von Berlin verbrannt werden sollten. […] Hunderttausende erbeuteter Dokumente wurden in Nürnberg eilig als Beweisunterlagen für den Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher zusammengetragen.«

Angesichts dieser Berge von NS-Dokumenten wirkt das vollkommene Fehlen jedes dokumentarischen Beweises für eine Politik der Judenvernichtung für die Verfechter des offiziellen "Holocaust"-Bildes ungemein genierlich. Das Argument, zumindest in den Vernichtungslagern seien die belastenden Urkunden rechtzeitig beseitigt worden, ist allerspätestens seit dem Jahre 1991 hinfällig: Damals machten die Sowjets die 1945 von der Roten Armee in Auschwitz erbeuteten Dokumente der Zentralbauleitung westlichen Forschern zugänglich. Bei der Zentralbauleitung handelte es sich um jene Organisation, welche für den Bau der Krematorien zuständig war – jener Krematorien, in denen sich die Gaskammern zur Massentötung von Juden befunden haben sollen. Die Dokumente umfassen nicht weniger als 88.000 Seiten.[11] Sie enthalten nicht den geringsten Beweis für die Einrichtung von Gaskammern zur Ermordung von Menschen. Gäbe es solche, so hätten die Kommunisten sie der Welt bereits 1945 triumphierend vorgelegt.

Das gänzliche Fehlen dokumentarischer Belege für eine Politik der Judenvernichtung sowie für den Bau von Gaskammern zur Menschentötung hat innerhalb der orthodoxen, d.h. die Judenausrottungsthese stützenden Historikerschaft zur Spaltung zwischen Intentionalisten und Funktionalisten geführt. Wir wollen uns im folgenden mit diesen beiden Richtungen befassen.

2. Intentionalisten und Funktionalisten

Bei einem 1982 an der Pariser Sorbonne durchgeführten Kolloquium über »Nazideutschland und den Völkermord an den Juden« faßte der US-Historiker Christopher Browning die Meinungsunterschiede zwischen Intentionalisten und Funktionalisten hinsichtlich der Genese der Judenvernichtungspolitik wie folgt zusammen:[12]

»In den letzten Jahren haben sich die Interpretationen des Nationalsozialismus immer mehr in zwei Gruppen polarisiert, die Tim Mason sehr treffend "Intentionalisten" und "Funktionalisten" genannt hat. Erstere erklären die Entwicklung Nazideutschlands anhand der Absichten Hitlers, die aus einer kohärenten und logischen Ideologie hervorgegangen und dank einer allmächtigen totalitären Diktatur verwirklicht worden seien. Die "Funktionalisten" unterstreichen den anarchischen Charakter des Nazistaates, seine internen Rivalitäten sowie den chaotischen Entscheidungsprozeß, der zu ständigen Improvisationen und Radikalisierungen führte […]. Diese beiden Arten der Erklärung der Geschichte sind für die Analyse der stark divergierenden Deutungen nützlich, die man bezüglich der Judenpolitik der Nazis im allgemeinen sowie der Endlösung im besonderen geliefert hat. Auf der einen Seite hat Lucy Dawidowicz, eine radikale Intentionalistin, die Ansicht verfochten, Hitler habe bereits im Jahre 1919 beschlossen, die europäischen Juden auszurotten. Und nicht genug damit: Er wußte schon, zu welchem Zeitpunkt sein mörderischer Plan verwirklicht werden würde. Der Zweite Weltkrieg würde zugleich Mittel und Gelegenheit sein, seinen "Krieg gegen die Juden" in die Tat umzusetzen. Während er auf den vorgesehenen Moment zur Verwirklichung des "großen Plans" wartete, duldete er freilich einen sinn- und bedeutungslosen Pluralismus in der Judenpolitik der unteren Staats- und Parteichargen.

Dem radikalen Intentionalismus Lucy Dawidowiczs, welche den Schwerpunkt auf den Vorsatz und den "großen Plan" Hitlers legt, steht der Ultrafunktionalismus Martin Broszats über die Rolle des Führers, namentlich beim Entscheid über die Endlösung, diametral entgegen. Laut Broszat faßte Hitler keinen definitiven Entschluß und erteilte niemals einen allgemeinen Befehl zur Endlösung. Das Vernichtungsprogramm entwickelte sich stufenweise im Anschluß an eine Reihe von isolierten Massakern Ende 1941 und 1942. Diese örtlich begrenzten Massenmorde waren improvisierte Antworten auf eine unmögliche Situation, die als Ergebnis zweier Faktoren entstanden war: Zunächst des von Hitler ausgehenden ideologischen und politischen Drucks zur Schaffung eines "judenreinen" Europas und dann der militärischen Rückschläge an der Ostfront, die zu Stockungen im Eisenbahnverkehr führten und die Aufnahmezonen verschwinden ließen, in welche man die Juden abschieben wollte. Nachdem das Ausrottungsprogramm erst einmal in Fahrt gekommen war, institutionalisierte es sich nach und nach, bis man merkte, daß es logistisch die einfachste Lösung bot, und es wurde schließlich zu einem globalen und entschieden vorangetriebenen Programm. Von diesem Standpunkt aus gesehen war Hitler ein Katalysator, aber nicht der Entscheidungsträger.

Für Lucy Dawidowicz wurde die Endlösung zweiundzwanzig Jahre vor ihrer Verwirklichung ausgedacht; für Martin Broszat ging die Idee aus der Praxis hervor – sporadische Morde an Gruppen von Juden führten zur Idee, systematisch alle Juden zu töten.«

Die von Browning dargelegten Deutungen Lucy Dawidowiczs und Martin Broszats als extreme Vertreter von Intentionalismus und Funktionalismus sind beide gleichermaßen unhaltbar.

Zunächst zur von Lucy Dawidowicz verfochtenen Theorie, die Ausrottung der Juden sei schon lange vor seiner Machtübernahme der "große Plan" Hitlers gewesen. Träfe dies zu, so hätte Hitler nie und nimmer jahrelang eine zielstrebige Förderung der jüdischen Auswanderung betrieben. Nun ist aber ganz unbestritten, daß die NS-Politik während der sechs Friedensjahre, die dem Dritten Reich beschieden waren, darauf abzielten, möglichst viele Juden zur Emigration zu bewegen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Nationalsozialisten anerkanntermaßen eng mit zionistischen Kräften zusammengearbeitet, die an der Ansiedlung möglichst vieler Juden in Palästina interessiert waren.[13] Doch hielt sich die Zahl der deutschen Juden, welche sich für eine ungewisse Zukunft im Morgenland entschieden, in Grenzen.

Wie intensiv die Nationalsozialisten die jüdische Emigration vorantrieben, schildert Raul Hilberg recht ausführlich. Er beschreibt, wie sich die Nationalsozialisten nach Kräften bemühten, die Zehntausenden von polnischen Juden, die noch 1938 (!) in Deutschland lebten, zur Rückkehr nach Polen zu bewegen und wie dieses sich weigerte, seine jüdischen Staatsbürger zurückzunehmen (S. 413). Man beachte, daß Zehntausende von polnischen Juden nach fünf Jahren Hitlerherrschaft die Zustände im antisemitischen Dritten Reich jenen in der Heimat offenbar vorzogen!

Bei Hitlers Machtantritt hatten in Deutschland 520.000 Juden gelebt. Durch Auswanderung und Sterbeüberschüsse hatte sich ihre Zahl 1938 auf 350.000 verringert, doch mit dem Anschluß Österreichs kamen nun 190.000 österreichische Juden hinzu (S. 412). Als Reaktion rief Reichskommissar Bürckel – er war für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Reich zuständig – am 26. August 1938 eine »Zentralstelle für die jüdische Auswanderung« ins Leben. Bürckels Vorgehen wurde bald im gesamten Reich übernommen. Am 24. Januar 1939 befahl Göring die Gründung einer Reichszentrale für die jüdische Auswanderung, zu deren Chef Reinhard Heydrich berufen wurde (S. 414f.).

Der Kriegsbeginn änderte nichts an der grundsätzlichen Ausrichtung der nationalsozialistischen Judenpolitik. Diese wurde freilich dadurch massiv erschwert, daß zu den deutschen und österreichischen Juden nun noch eine weitaus größere Zahl ausländischer, vor allem polnischer Juden kam. Durch individuelle Auswanderung ließ sich das deutsche Einflußgebiet in Europa nun nicht mehr "judenrein" – so der nationalsozialistische Ausdruck – machen. Deshalb wandten die NS-Führer ihre Aufmerksamkeit dem Madagaskar-Plan zu. Raul Hilberg vermerkt zu diesem Thema:

»Mit dem Madagaskar-Projekt […] gedachte man sich gleich einiger Millionen Juden zu entledigen. Die Urheber des Plans wollten das Reichs- und Protektoratsgebiet sowie das gesamte besetzte Polen von ihrer jüdischen Bevölkerung säubern. […] Doch der Madagaskar-Plan kam nicht zustande. Er war vom Abschluß eines Friedensvertrages mit Frankreich abhängig, und dieser Vertrag wiederum hing von einer Beendigung der Feindseligkeiten mit England ab. […] Selbst als das Projekt schon im Verblassen begriffen war, sollte es Anfang Februar 1941 in Hitlers Hauptquartier noch einmal Erwähnung finden. Bei dieser Gelegenheit kam Ley, der Führer der parteieigenen Arbeitsfront, auf die Judenfrage zu sprechen, und Hitler erläuterte in seiner ausführlichen Antwort, daß der Krieg die Lösung des Problems beschleunigen werde, doch daß er sich auch zusätzlichen Schwierigkeiten gegenüber sähe. Anfangs habe er sich in der Lage befunden, sich in der Hauptsache den deutschen Juden zu widmen, doch nun müsse das Ziel in der Ausschaltung des jüdischen Einflusses im gesamten Machtbereich der Achse bestehen. […] Er wolle wegen Madagaskar an die Franzosen herantreten. Als Bormann fragte, wie die Juden mitten im Krieg dorthin geschafft werden sollten, erwiderte Hitler, darüber werde man sich noch Gedanken machen müssen. Er sei willens, die gesamte deutsche Flotte zu diesem Zweck bereitzustellen, doch wolle er die Besatzungen nicht den Torpedos feindlicher U-Boote aussetzen.« (S. 416f.)

Hätte Hitler, wie Lucy Dawidowicz und andere Intentionalisten behaupten, von Anfang an die Ausrottung der Juden geplant und auch vorausgesehen, daß dieses Ziel im Rahmen eines Weltkriegs erfolgen werde, so hätte er zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Bemühungen zur Förderung der jüdischen Auswanderung unternommen und diese allerspätestens nach Kriegsbeginn rigoros verhindert. So etwas wie einen von der NS-Spitze unterstützten Madagaskar-Plan hätte es niemals gegeben. Ausgewanderte Juden ließen sich schließlich nicht ausrotten.

Die entgegengesetzte Theorie, jene der radikalen Funktionalisten um Broszat, steht in unlösbarem Widerspruch zu von allen Anhängern der Judenausrottungsthese aufgestellten Behauptungen, also auch den Funktionalisten selbst.

Wie Browing in seinem Referat beim Pariser Kolloquium resümiert hat, meint Broszat, lokale Judenmassaker hätten zu dem Plan geführt, alle Juden umzubringen; die Idee sei also aus der Praxis hervorgegangen. Die militärischen Rückschläge an der Front hätten die Aufnahmezonen verschwinden lassen, in welche man die Juden habe abschieben wollen. Dem ist entgegenzuhalten, daß die Massenmorde an der Ostfront den orthodoxen Historikern zufolge schon bald nach dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion in vollem Umfang einsetzten. Die größte aller behaupteten Massenerschießungen, diejenige von Babi Jar bei Kiew, soll am 29. September 1941 erfolgt sein, also zu einem Zeitpunkt, wo von militärischen Rückschlägen der Wehrmacht wirklich noch keine Rede sein konnte. Sämtliche Juden, deren die Deutschen in Kiew habhaft werden konnten, insgesamt über 33.000, seien bei Babi Jar erschossen worden. In den darauffolgenden Monaten seien noch Zehntausende weiterer jüdischer Opfer dazugekommen.[14]

Man kann nicht ausschließen, daß es schon kurz nach Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges zu Judenerschießungen kam; wir werden auf diese Frage im nächsten Kapitel eingehen. Im allgemeinen handelte es sich um Vergeltungsmaßnahmen für Anschläge der Partisanen auf deutsche Truppen. (Der »Kommissarsbefehl« zur Erschießung jüdisch-bolschewistischer Kommissare gehört nicht zu diesem Thema, da es sich hier um die Tötung von durch ihre Funktion definierten Einzelpersonen und nicht um die unterschiedslose Abschlachtung von Zivilisten aufgrund ihrer "Rasse" handelte.) Ein so ungeheuerliches Blutbad wie das für Babi Jar behauptete konnte jedoch nie und nimmer ohne Genehmigung von höchster Stelle erfolgen. Kein örtlicher Kommandant hätte es gewagt, eine dermaßen folgenschwere Maßnahme zu treffen, ohne durch Anweisungen von ganz oben abgesichert zu sein. Somit war die (behauptete) Ermordung sämtlicher nach dem deutschen Einmarsch in Kiew zurückgebliebenen Juden nicht als individuelle Willkürmaßnahme, sondern lediglich als Bestandteil einer planmäßigen Ausrottungspolitik denkbar. Eine solche muß also spätestens Ende September 1941 bereits existiert haben, falls die offizielle Version von Babi Jar stimmt.

Entwickeln wir dieses Argument weiter. Als erstes Vernichtungslager soll Chelmno (zu deutsch Kulmhof) im Dezember 1941 in Betrieb genommen worden sein (Hilberg, S. 956). Der Befehl zu seiner Errichtung muß in diesem Fall längere Zeit vorher ergangen sein, denn ein Lager entsteht nicht über Nacht. Nun ist es ein Ding der Unmöglichkeit, daß irgendwelche lokalen deutschen Machthaber auf eigene Faust beschlossen, ein Vernichtungslager zu gründen. Auch hier war das Vorliegen eines Befehls von ganz oben eine unabdingbare Voraussetzung.

Somit fällt Broszats funktionalistische These, wonach der Holocaust als Folge der ersten deutschen Rückschläge an der Ostfront in Fahrt gekommen sei, in sich zusammen, und wir landen wieder bei der Frage: Wann erfolgte der Befehl zur Judenausrottung?

In seinem Referat beim Pariser Kolloquium fügte Christopher Browning im Anschluß an seine Darstellung der Thesen Lucy Dawidowiczs und Martin Broszats hinzu:[15]

»Zwischen diesen beiden extremen Polen findet man eine Vielzahl interpretativer Zwischenstufen. So meint Eberhard Jäckel, die Idee zur Tötung der Juden sei Hitler gegen 1924 in den Sinn gekommen. Karl Dietrich Bracher legt das Schwergewicht auf die drohenden Erklärungen Hitlers Ende der dreißiger Jahre und glaubt, die Absicht habe bereits damals bestanden. Andreas Hillgruber und Klaus Hildebrand behaupten, ideologische Faktoren hätten den Vorrang gehabt, schlagen aber kein genaues Datum vor. Andere, durchaus nicht durchwegs Funktionalisten, sehen die entscheidende Wende im Jahre 1941; für dieses Jahr wurden freilich verschiedene Zeitpunkte genannt. Léon Poliakov ist der Auffassung, Anfang 1941 sei der wahrscheinlichste Zeitpunkt, während Robert Kempner und Helmut Krausnick der Meinung sind, Hitler habe den Entscheid im Frühjahr gefällt, im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum Angriff auf Rußland. […] Uwe Dietrich Adam neigt der Überzeugung zu, der Entscheid sei im Herbst gefallen, zu einer Zeit, wo die militärische Offensive ins Stocken geriet und sich die Unmöglichkeit einer "territorialen Lösung" durch eine Massenvertreibung nach Rußland erwies. Schließlich verteidigt Sebastian Haffner, der bestimmt kein Funktionalist ist, ein noch späteres Datum, den Anfang Dezember, als eine erste Vorahnung der militärischen Niederlage Hitler dazu trieb, einen unwiderruflichen Sieg über die Juden anzustreben.«

Diese Darlegungen enthüllen mit greller Deutlichkeit eine chronische Unart der orthodoxen "Holocaust"-Historiker, nämlich das müßige Spekulieren im luftleeren Raum. Sämtliche genannten Daten entbehren jeglicher seriösen Grundlage, weil sie durch kein einziges Dokument abgestützt werden. Statt sich in eitlen Spekulationen über den Zeitpunkt zu ergehen, zu dem die Judenvernichtung beschlossen wurde, täten die Herrschaften gut daran, erst einmal in Erfahrung zu bringen, ob es eine solche überhaupt gab. Diese Kardinalfrage wurde auf dem Pariser Historikerkongreß wohlweislich ebenso wenig aufgeworfen wie auf dem zwei Jahre später in Stuttgart durchgeführten. Auch bei diesem wurde bis zur Ermüdung über das Datum gerätselt, an dem der folgenschwere Beschluß gefallen sein mochte. Einer Antwort kamen die Kongreßteilnehmer dabei nicht näher als zwei Jahre zuvor in Paris.

Bemerkenswert ist immerhin, daß kein einziger der von Browning zitierten Geschichtsforscher an der alten Mär festhielt, der Entscheid zur Judenausrottung sei auf der Berliner Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 gefällt worden. In der Tat hat der israelische "Holocaust"-Experte Yehuda Bauer diesen zählebigen Mythos im Jahre 1992 verächtlich als »silly story«, also als »alberne Geschichte«, abgetan.[16]

3. Die Irrungen und Wirrungen Raul Hilbergs

a. Gab es den ominösen Hitler-Befehl oder gab es ihn nicht?

Bezüglich der Kardinalfrage, ob Hitler je einen ausdrücklichen Befehl zur physischen Auslöschung der in seinem Machtbereich befindlichen Juden erteilt habe, äußert sich Hilberg in der ersten und in der revidierten Ausgabe seines Werks unterschiedlich. In der ersten, 1961 erschienenen stellt er die Behauptung auf, es habe zwei aufeinanderfolgende diesbezügliche Hitler-Befehle gegeben, den ersten zur Tötung der russischen und den zweiten zur Vernichtung aller anderen im deutschen Herrschaftsbereich lebenden Juden. Dokumentarische Belege für diese Befehle führt er nicht an. Wir zitieren den betreffenden Abschnitt:[17]

»Wie kam es zur Tötungsphase? Im Prinzip haben wir es mit zwei Entschlüssen Hitlers zu tun. Ein Befehl wurde im Frühling 1941 erteilt, als die Invasion der UdSSR geplant wurde; er sah vor, daß kleine SS- und Polizeieinheiten auf sowjetisches Gebiet entsandt werden und dort von Stadt zu Stadt ziehen sollten, um alle jüdischen Bewohner auf der Stelle zu töten. Die Methode kann als "mobile Tötungsoperationen" bezeichnet werden. Bald nachdem die mobilen Operationen in den besetzten Sowjetterritorien begonnen hatten, erließ Hitler seinen zweiten Befehl. Diese Entscheidung bedeutete das Todesurteil für den Rest des europäischen Judentums.«

In der 1985 erschienenen zweiten und »definitiven« Auflage, auf der die von uns verwendete deutsche Übersetzung fußt, verschwinden diese beiden Phantom-Befehle spurlos. Christopher Browning kommentiert dies in einem 1986 verfaßten Aufsatz:[18]

»In der neuen Ausgabe sind sämtliche Hinweise auf einen Hitler-Beschluß oder einen Hitler-Befehl zur Endlösung [worunter Browning eine physische Ausrottung versteht] systematisch getilgt worden.«

Freilich geht Hilberg auch weiterhin davon aus, daß Hitler den Anstoß zur Judenvernichtung gegeben habe. Er schreibt nun:

»Über Jahre hinweg hatte die Verwaltungsmaschinerie ihre Vorstöße und Beutezüge Schritt um Schritt unternommen. Im Verlauf dieser Entwicklungen war eine Richtung festgelegt und ein Schema etabliert worden. Mitte 1941 war die Scheidelinie erreicht; und hinter ihr erstreckte sich ein Spektrum von Aktionen ohne Vorläufer, aber auch ohne Beschränkungen der Vergangenheit. Mehr und mehr Beteiligte standen im Begriff, das Wesen dessen zu erkennen, was nun geschehen konnte. Dreh- und Angelpunkt dieser Kristallisation waren Hitler selbst, sein der Welt gegebenes Wort und, wesentlicher noch, seine im engsten Kreise geäußerten Wünsche und Erwartungen.« (S. 420)

Hinter diesen krausen Formulierungen verbirgt sich wiederum die Behauptung, daß Hitler die Judenausrottung persönlich befohlen habe. Man könnte Hilberg also als "gemäßigten Intentionalisten" bezeichnen. Der Gewährsmann, auf den er sich beruft, ist Adolf Eichmann. Dieser schrieb in seinen Memoiren, zur Jahreswende 1941/1942 habe ihm Reinhard Heydrich, Chef des RSHA, mitgeteilt, der Führer habe die physische Vernichtung der Juden angeordnet.[19] Hilberg erwähnt dies in Fußnote 30 auf S. 420f. und fährt fort:

»Während seiner Vernehmung durch die israelische Polizei in Jerusalem äußerte er [Eichmann] die plausible Vermutung, daß Hitlers Befehl zwei oder drei Monate nach dem deutschen Überfall auf die UdSSR vom 22. Juni erging. […] Chronologie und Umstände deuten auf eine Entscheidung Hitlers vor Sommerende.«

Daß eine dermaßen zentrale Aussage in eine unscheinbare Fußnote verbannt wird, läßt die heillose Verlegenheit Hilbergs erahnen!

Auch beim Stuttgarter Kongreß von 1984 vertrat Hilberg die Ansicht, Hitler habe den Entscheid zur Judenausrottung – natürlich nur mündlich! – im Sommer 1941 getroffen.[20] Der von Hilberg genannte Termin liegt nach dem Februar 1941, als der Madagaskar-Plan zum letzten Mal ernsthaft erörtert wurde, aber vor dem (angeblichen) Massaker von Babi Jar und der (angeblichen) Inbetriebnahme des Vernichtungslagers Chelmno, so daß die radikalen Unmöglichkeiten, an denen die Thesen Lucy Dawidowiczs und Martin Broszats von vornherein scheitern, von ihm vermieden werden.

Ebenso wenig wie Dawidowicz, Broszat und alle anderen intentionalistischen und funktionalistischen "Holocaust"-Historiker vermag Hilberg freilich seine Hypothese mit auch nur einem einzigen Dokument zu untermauern. Im übrigen widerspricht er sich selbst dadurch, daß er immer wieder einen »Vernichtungspolitik«, einen »Vernichtungsprozeß« und eine »Vernichtungsmaschinerie« vor dem Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges beschwört. So schreibt er im Zusammenhang mit der Anfang Februar 1941 erfolgten letzten Erwägung des Madagaskar-Plans durch Hitler:

»Während Hitler noch überlegte, machte sich innerhalb der Vernichtungsmaschinerie Ungewißheit breit. Im Generalgouvernement, wo die Ghettoisierung als eine Zwischenlösung betrachtet wurde, stellten die verwahrlosten Judenviertel mit ihren verarmten Menschenmassen die Geduld der lokalen deutschen Beamten auf die Probe. Ihre Irritationen und Frustrationen kamen in monatlichen Lagerberichten zum Ausdruck, die seit Spätsommer 1940 regelmäßig erstellt wurden. Im Distrikt Lublin verlangte der Kreishauptmann von Kranystaw, dem seine Verwaltungsaufgaben über den Kopf wuchsen, [im September 1940] von den Juden, ihre Namen, sofern sie sie polonisiert hatten, auf deutsch zu schreiben – in Madagaskar, so fügte er hinzu, könnten sie madagassische Namen führen.« (S. 417)

Wenn a) Hitler die Judenvernichtung im August oder September 1941 beschloß und b) die lokalen deutschen Beamten im September 1940 den Juden eine Zukunft in Madagaskar weissagten, konnte von einer »Vernichtungsmaschinerie« zum letztgenannten Zeitpunkt ganz unmöglich die Rede sein.

Elementary, my dear Watson!

b. »Weder Sonderbehörde noch Sonderbudget«

Eine Vernichtungspolitik bedurfte zwangsläufig eines Apparates zu ihrer Durchsetzung, und dieser Apparat konnte nur in den Händen einer zentralen, mit den erforderlichen Befugnissen ausgestatteten Instanz liegen. Doch nein, eine solche gab es laut Hilberg nicht; er schreibt nämlich bereits im ersten Band:

»Letztlich war die Vernichtung der Juden nicht so sehr das Produkt von Gesetzen und Befehlen als vielmehr eine Angelegenheit der Gesinnung, des gegenseitigen Verstehens, der Übereinstimmung und Synchronisation. Wer waren die Teilnehmer an dieser Operation? Wie war die für diese Aufgaben eingesetzte Maschinerie beschaffen? Die Vernichtungsmaschine war ein Aggregat – keine Behörde wurde allein mit der gesamten Operation betraut. […] Für die Vernichtung der Juden Europas wurden weder eine Sonderbehörde noch ein Sonderbudget eingerichtet; bei der Abwicklung des Prozesses hatten sämtliche Organisationen ihren spezifischen Beitrag zu leisten und sich die Mittel zur Erfüllung ihrer Aufgabe selbst zu verschaffen.« (S. 58, 66)

Man stelle sich das vor: Eine – dazu noch unter den erschwerten Bedingungen des Krieges – durchzuführende Mammutaufgabe wie die Errichtung von Vernichtungslagern und die Deportation von Millionen Menschen aus allen möglichen Ländern in diese Lager – und dies alles ohne eine verantwortliche Zentralinstanz, ohne eine Sonderbehörde und ohne ein Sonderbudget!

Am Pariser Historikerkongreß von 1982 nahm auch Raul Hilberg teil; das Thema seines Referats lautete »Die Bürokratie der Endlösung«. Hilberg enthüllte, was alles zur Durchführung der Judenvernichtung erforderlich gewesen sei, nämlich: 1) Eisenbahner. 2) Polizisten. 3) Zu allem entschlossene Bürokraten.[21]

Ei, wie tiefsinnig! Wenn ein Staat tatsächlich beschloß, Millionen von Menschen aus allen möglichen Ländern per Zug in Todesfabriken zu deportieren und dort zu ermorden, benötigte er in der Tat Eisenbahner, welche die Züge fuhren; er brauchte ganz gewiß auch Polizisten, welche die Todgeweihten bewachten, und seine Bürokraten durften fürwahr nicht allzu zart besaitet sein. Um dies zu wissen, braucht man kein Universitätsprofessor in Vermont zu sein und kein Standardwerk über den "Holocaust" verfaßt zu haben. Die von Hilberg feilgebotenen Banalitäten ersetzen den fehlenden Beweis für eine Ausrottungspolitik in keiner Weise.

c. Der Mythos von der Tarnsprache

Mangels dokumentarischer Belege für eine deutsche Politik zur Judenvernichtung greift Hilberg zu einem Kniff, der sich bei den orthodoxen "Holocaust"-Gelehrten seit jeher ungemein großer Beliebtheit erfreut hat und deren Ursprünge sich bis auf den Nürnberger Prozeß zurückführen lassen. Der italienische Forscher Carlo Mattogno charakterisiert ihn wie folgt:[22]

»Die Nürnberger Inquisitoren schufen […] jene abwegige Erklärungsmethode, die darin besteht, in jedes beliebige Dokument das hineinzulesen, was man will. Dieser Methode liegt die – ebenso unbegründete wie willkürliche – Voraussetzung zugrunde, daß sich die obersten NS-Behörden sogar in den geheimsten Dokumenten einer Art Tarnsprache bedient hätten, deren Entzifferung die Nürnberger Inquisitoren selbstverständlich gefunden zu haben behaupteten. Daher rührt die systematische, zur Stützung der Ausrottungsthese gedachte verzerrte Deutung ganz unverfänglicher Dokumente.«

Hierzu ein Beispiel. Im Zusammenhang mit der Wannsee-Konferenz, auf welcher Hitlers Beschluß zur Judenvernichtung einem zunächst kleinen Kreis von NS-Bürokraten eröffnet worden sein soll – dies ist die Hilbergsche Version des Zwecks dieser Konferenz – heißt es:

»Allmählich sickerte die Neuigkeit der "Endlösung" in die Ränge der Bürokratie ein. Nicht alle Beamte erhielten gleichzeitig Kenntnis von ihr. Wieviel jemand wußte, hing von seiner Nähe zu den Vernichtungsmaßnahmen und von seinem Einblick in die Natur des Vernichtungsprozesses ab. Nur selten allerdings wurde das Wissen um die "Endlösung" schriftlich benutzt. Wenn sich die Bürokraten mit Deportationsfragen zu befassen hatten, war weiterhin von "jüdischer Aussiedlung" die Rede. Im amtlichen Schriftverkehr wurden die Juden "evakuiert", "umgesiedelt" und "ausgesiedelt". Sie "wanderten ab" und "verschwanden". Diese Begriffe waren nicht etwa ein Ausdruck von Naivität, sondern wirksame Mittel der psychologischen Verdrängung.« (S. 425)

Daß Ausdrücke wie »aussiedeln«, »evakuieren« etc. nur Tarnwörter für "töten" gewesen sein sollen, ist natürlich eine bloße Behauptung. Im übrigen kommt auch Hilberg nicht umhin einzuräumen, daß auch nach dem angeblichen Hitlerbeschluß zur Judenausrottung zahlreiche Juden in die besetzten Ostgebiete abgeschoben wurden, was man sehr wohl als "Aussiedlung" bezeichnen kann. So berichtet er z.B. von der Deportation deutscher Juden nach Riga und Minsk (S. 369). Die sich verschlechternde Kriegslage Deutschlands machte dann die Fortsetzung dieser Politik unmöglich. Wenn man diese deutschen Juden umbringen wollte, konnte kein vernünftiger Grund dafür vorliegen, sie in den stets dringend benötigten Zügen nach Lettland und Weißrußland zu senden, anstatt sie in Deutschland selbst zu ermorden oder in eines der zu jenem Zeitpunkt (November 1941) angeblich eben im Entstehen begriffenen Vernichtungslager in Polen zu schicken.

Es bedarf kaum einer Erwähnung, daß Hilberg auch den Begriff »Endlösung« als Synonym für "Ausrottung" deutet. In diesem Sinn interpretiert er z.B. den bekannten, in der einschlägigen Literatur oft zitierten Brief Görings an Heydrich vom 31. Juli 1942, in welchem ersterer letzteren beauftragte, ihm »in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen«.[23] Hilberg schreibt dazu, Heydrich habe nun »die Fäden des Vernichtungsprozesses fest in der Hand« gehalten (S. 420). Görings Formulierung, Heydrich solle die »Judenfrage in Form der Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitverhältnissen entsprechend möglichst günstigen Lösung« zuführen, interpretiert er in Übereinstimmung mit seinen Vorgängern von Poliakov bis Reitlinger als Tarnbezeichnung für physische Vernichtung. Kein Historiker, der über eine andere Periode als das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg schreibt, dürfte es sich erlauben, die Aussage seiner Urkunden dermaßen willkürlich zu verzerren.

Daß die Nationalsozialisten unter der »Endlösung der Judenfrage« die Ausweisung oder Abschiebung aller Juden aus Europa verstanden, wird durch etliche Dokumente belegt. Beispielsweise schrieb Franz Rademacher, Judenreferent in der Deutschlandabteilung des Auswärtigen Amtes, am 10. Februar 1942, also zu einem Zeitpunkt, wo nach Hilberg das Morden längst in vollem Gange war und mit Belzec das nach Chelmno zweite Vernichtungslager kurz vor der Eröffnung stand, in einem Brief an einen Herrn Bielfeld vom Außenministerium, der Führer habe beschlossen, »daß die Juden nicht nach Madagaskar, sondern nach dem Osten abgeschoben werden sollen«, und fügte hinzu: »Madagaskar braucht mithin nicht mehr für die Endlösung verwendet zu werden«.[24] Daß die Deutschen die Juden im Dschungel von Madagaskar in Vernichtungslagern zu vergasen planten, hat sich auch ein Raul Hilberg nicht zu behaupten erkühnt.

d. Hitler-Zitate als "Beweis" für den Völkermord

Wie andere Vertreter des orthodoxen "Holocaust"-Bildes interpretiert Hilberg Zitate Adolf Hitlers, in denen dieser den Juden mit »Vernichtung« oder »Ausrottung« droht, als Beleg für eine tatsächlich erfolgte solche. So führt er (auf S. 425) eine Hitler-Rede vom 30. September 1942 an, in welcher der Reichskanzler folgendes sagte:[25]

»Ich habe am 1. September 1939 in der damaligen Reichstagssitzung zwei Dinge ausgesprochen: Erstens, daß, nachdem man uns diesen Krieg schon aufgezwungen hat, keine Macht der Waffen und auch nicht die Zeit uns jemals niederzwingen werden, und zweitens, daß, wenn das Judentum einen internationalen Weltkrieg zur Ausrottung etwa der arischen Völker Europas anzettelt, dann nicht die arischen Völker ausgerottet werden, sondern das Judentum. […] Die Juden haben einst auch in Deutschland über meine Prophezeiungen gelacht. Ich weiß nicht, ob sie auch heute noch lachen oder ob ihnen nicht das Lachen vergangen ist. Ich kann aber auch jetzt nur versichern: Es wird ihnen das Lachen überall vergehen. Und ich werde auch mit diesen Prophezeiungen recht behalten.«

Hierzu ist zu bemerken, daß eine kriegerische Sprache für die Nationalsozialisten, die sich vor ihrer Machtübernahme in unzähligen Saal- und Straßenschlachten gegen ihre Widersacher von der äußersten Linken hatten durchsetzen müssen, seit jeher kennzeichnend war. Ferner ist darauf zu verweisen, daß wilde Drohungen gegenüber dem Gegner in Kriegszeiten ohnehin gang und gäbe sind. Der wichtigste Punkt ist jedoch semantischer Natur:

Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet "ausrotten" eindeutig "physisch liquidieren", doch früher besaß das Wort – das etymologisch gesehen "entwurzeln" heißt – eine weitere Bedeutung. So schrieb Adolf Hitler in Mein Kampf über die Verhältnisse in der Donaumonarchie vor dem Ersten Weltkrieg:[26]

»Ungeheuer waren die Lasten, die man dem deutschen Volk zumutete, unerhört seine Opfer an Steuern und an Blut, und dennoch mußte jeder nicht gänzlich Blinde erkennen, daß dies alles umsonst sein würde. Was uns dabei am meisten schmerzte, war die Tatsache, daß dieses ganze System moralisch gedeckt wurde durch das Bündnis mit Deutschland, womit der langsamen Ausrottung des Deutschtums in der alten Monarchie auch noch gewissermaßen von Deutschland aus selber die Sanktion erteilt wurde.«

Damit wollte Hitler ganz gewiß nicht ausdrücken, daß der alte Kaiser Franz Josef plante, die Deutschösterreicher allesamt zu vergasen oder zu erschießen, sondern daß sie Gefahr liefen, ihre Macht an die Slawen zu verlieren. "Ausrotten" besaß also eindeutig die Bedeutung von "entmachten, seines Einflusses berauben".

Man beachte übrigens, daß Hitler am 1. September 1939 die Juden bezichtigt hatte, einen Weltkrieg zur »Ausrottung der arischen Völker« vom Zaun brechen zu wollen. Daß die Juden beabsichtigt haben könnten, praktisch die gesamte Bevölkerung Europas mit Stumpf und Stiel vom Erdbogen zu vertilgen, wird er ihnen nicht ernstlich unterstellt haben. Wiederum stand »Ausrottung« für "Unterwerfung" oder "Entmachtung". Soviel zu den in der "Holocaust"-Literatur unermüdlich aufgewärmten Hitler-Zitaten dieser Art.

e. Zwei unlösbare Probleme

Wie alle anderen radikalen oder gemäßigten Intentionalisten sieht sich Hilberg zwei unüberwindlichen Problemen gegenüber, die er schlicht und einfach verschweigt:

Hätten die Nationalsozialisten zu irgendeinem Zeitpunkt die physische Liquidierung der in ihrem Machtbereich befindlichen Juden beschlossen, so dürfte es von diesem Zeitpunkt an keine Dokumente mehr geben, die von einem Arbeitseinsatz der Juden sprechen. Solche Dokumente existieren jedoch in großer Zahl. Wir werden später, im Zusammenhang mit den Deportationen, etliche davon zitieren.[27]

Noch unlösbarer ist für die Intentionalisten folgendes Problem:

Bei einer systematischen Judenvernichtungspolitik wären 1945 in den ehemals vom Dritten Reich kontrollierten Gebieten so gut wie keine Juden übriggeblieben. Jeder Jude, dessen die Deutschen habhaft werden konnten, wäre umgebracht worden, und die spärlichen Ausnahmen hätten ihr Überleben einem "Zufall" oder "Wunder" zuschreiben können. In Wirklichkeit blieb ein Großteil des Judentums in den deutschbesetzten Ländern von jeglicher Deportation verschont: Aus Frankreich wurden anerkanntermaßen nur etwas über 20% der Juden deportiert, und die meisten davon waren Ausländer. Juden mit französischen Pässen blieben weitgehend ungeschoren. Daselbe traf auf solche mit belgischen Pässen zu. Von den Deportierten aber wäre bei Vorliegen einer Ausrottungspolitik so gut wie keiner zurückgekehrt, und wir besäßen die unzähligen "Zeugenaussagen von Holocaust-Überlebenden" nicht, die inzwischen ganze Bibliotheken füllen.

f. »Eine unglaubliche Gedankenübertragung«

Im Februar 1983 entblödete Raul Hilberg sich nicht zu schreiben:[28]

»[…] was 1941 begann, war ein nicht im voraus geplanter Vernichtungsprozeß, der durch keinerlei Agentur zentral organisiert wurde. Es gab keinen Entwurf und kein Budget für Ausrottungsmaßnahmen. Sie wurden Schritt für Schritt ergriffen, jeweils ein Schritt aufs Mal. So kam nicht so sehr ein Plan zur Ausführung, sondern es erfolgte eine unglaubliche Gedankenübertragung, ein telepathischer Konsens innerhalb eines weitverzweigten bürokratischen Apparats.«

Auf diese Perle Hilbergscher Interpretationskunst hat Robert Faurisson hingewiesen, der sarkastisch bemerkt, von einer Bürokratie könne man seinen Erfahrungen nach alles erwarten außer Gedankenübertragung und Telepathie.[29] Zitieren wir den Passus gleich noch im Original, damit man uns nicht unterstellt, wir hätten ihn falsch übersetzt:

»[…] what began in 1941 was a process of destruction not planned in advance, not organized centrally by any agency. There was no blueprint and there was no budget for destructive measures. They were taken step by step, one step at a time. Thus came not so much a plan being carried out, but an incredible meeting of minds, a consensus-mind reading by a far flung bureaucracy.«

Difficilis est satiram non scribere – Es ist schwer, keine Satire zu schreiben. Deutlicher als in diesen wenigen Sätzen läßt sich der Totalbankrott der orthodoxen "Holocaust"-Geschichtsschreibung mitsamt ihrer Galionsfigur schwerlich aufzeigen!


Anmerkungen

  1. Um die Anzahl der Fußnoten zu reduzieren, geben wir immer, wenn wir Hilberg zitieren, im Anschluß an das betreffende Zitat die Seitenzahl in Klammern wieder.
  2. Léon Poliakov, Bréviaire de la Haine, Editions Complexe, Paris 1986, S. 124.
  3. Eberhard Jäckel und Jürgen Rohwer (Hg.), Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1985, S. 186.
  4. William L. Shirer, Aufstieg und Fall des Dritten Reiches, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main/Wien/Zürich 1962, Vorwort des Verfassers (S. XII, XIII).
  5. Bei zwei ausgedehnten, 1995 zusammen mit dem italienischen Historiker Carlo Mattogno unternommenen Besuchen in Moskau haben wir alle 88.000 Seiten gesichtet und rund 4.000 davon kopieren lassen.
  6. Christopher Browning, »La décision concernant la solution finale«, in: Colloque de l’Ecole des Hautes Etudes en sciences sociales, L’Allemagne nazie et le génocide juif, Gallimard-Le Seuil, Paris 1985, S. 191f.
  7. Zur nationalsozialistisch-zionistischen Zusammenarbeit siehe z.B. Edwin Black, The Transfer Agreement, New York-London 1994; Francis Nicosia, Hitler und der Zionismus, Druffel Verlag, Leoni 1989.
  8. Zur offiziellen Darstellung von Babi Jar siehe E.R. Wien, Die Shoa von Babi Jar, Hartung-Gorre, Konstanz 1991. Hilberg erwähnt das angebliche Massaker u.a. auf S. 311.
  9. Christopher Browning, aaO. (Anm. 12) S. 192.
  10. Canadian Jewish News, 30. Januar 1992.
  11. Raul Hilberg, The Destruction of the European Jews, Quadrangle Books, Chicago 1967, S. 177. Es handelt sich um eine unveränderte Neuauflage der ersten, 1961 erschienenen Ausgabe. Den Hinweis auf die darin erwähnten angeblichen Hitler-Befehle sowie die Zustellung der betreffenden Seite verdanken wir Robert Faurisson.
  12. Christopher Browning, »The Revised Hilberg«, in: Simon Wiesenthal Center Annual, 1986, S. 294.
  13. Adolf Eichmann, Ich, Adolf Eichmann, Druffel Verlag, Leoni 1980, S. 479.
  14. E. Jäckel, J. Rohwer (Hg.), aaO. (Anm. 9), S. 126.
  15. Hilbergs Vortrag steht in L’Allemagne nazie et le génocide juif, aaO. (Anm. 12), S. 219 ff.
  16. Carlo Mattogno, La soluzione finale. Problemi e polemiche, Edizioni di Ar, Padova 1991, S. 64f.
  17. PS-710.
  18. NG-5770.
  19. Völkischer Beobachter, 30. September 1942.
  20. Adolf Hitler, Mein Kampf, Franz Eher Verlag, München 1933, S. 13f.
  21. Vgl. Kapitel VI.2.
  22. Newsday, Long Island/New York, 23. Februar 1983, S. II/3.
  23. Robert Faurisson, Écrits révisionnistes, aaO. (Anm. 2), S. 959.

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