Gutachten zur Frage der Echtheit des
sogenannten Wannsee-Protokolls und der
dazugehörigen Schriftstücke

Erstellt von Roland Bohlinger und Johannes P. Ney


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7. VARIA

H.-J. Weinert berichtete in einem Schreiben an Roland Bohlinger über ein Gespräch, das sein Vater mit dem Cousin seiner Mutter, dem führenden KPD-Funktionär Franz Reichel geführt hatte. In dem Bericht heißt es :

"Der in amerikanischen Diensten agitierende Kempner – es muß im Frühjahr 46 gewesen sein – lauerte mir nach einem Gespräch mit Ulbricht und (Erich) Weinert in Berlin regelrecht auf. (Kempner sammelte Belastungsmaterial für den Nürnberger Prozeß). Er verlangte von mir, seine Version (Verursacher NS) vom Reichstagsbrand zu unterschreiben. Ich lehnte ab mit dem Hinweis, daß ich als überzeugter Kommunist in einem amerikanischen Schauprozeß nicht mitspiele. Darauf drohte mir Kempner, mich in amerikanische Haft nehmen zu lassen, um von mir eine Aussage in seinem Sinn zu erpressen. Kempner : 'Ich bekomme die Geständnisse, die ich haben will.' Ich habe Kempner ausgelacht, schließlich lebte ich im Machtbereich Marschall Schukows.

Diese spezielle Methode Kempners, für die Siegerjustiz Belastungsmaterial zu erzwingen (Reichel sagte "erpressen"), bestätigte dem Verfasser der heutige Vorsitzende des Berliner Bürgervereins (Hauptinitiator der Weißen Gedenkkreuze für die Mauer-Opfer am Reichstag) und Präsident des Ringes deutscher Soldaten, Welker; vor Kriegsende befehligte er am Potsdamer Platz die Einheiten – vorwiegend französische Freiwillige –, die das Regierungsviertel gegen riesige sowjetische Übermacht heldenhaft verteidigten. Welker hatte somit Zugang zu allen Regierungsgebäuden; es ist ihm als einer der wenigen tatsächlichen Zeitzeugen ein leichtes, mit vielen absichtlichen "Geschichtsirrtümern" der Nachkriegsliteratur aufzuräumen. – Doch wer nutzt diese Originalquelle ?

Auch Welker wurde massiv bedrängt, im Kempnerschen Sinn auszusagen. Dazu fing dieser ihn am Brandenburger Tor ab (Frühjahr 46) : 'Es wird Ihr Schaden nicht sein !' Welker lehnte ab : 'Ich werde Ihr Ansinnen der sowjetischen Kommandantur melden !' – worauf sich Kempner nie mehr sehen ließ. Ebenso wie Reichel wohnte damals Welker im Sowjetsektor, hatte Zugang bei Marschall Schukow und war somit für Kempners Häscher nicht erreichbar." 77


77 Bericht von H.-J. Weinert, Berlin, zugesandt März 1993 an Roland Bohlinger; siehe nebenstehende Ablichtung.


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Notiz über das Wirken von R. Kempner - Reichstagsbrand -

Der Verfasser erinnert sich an ein Gespräch, das sein Vater
- ehem. langjähriger Stadtrat in einer schles. Industriestadt -
mit dem Cousin der Mutter des Verfassers, Franz Reichel (seit
den zwanziger Jahren führender Funktionär der KPD), führte.
In bezug auf den Reichstagsbrand bezeichnete Reichel den Frei-
spruch Dimitroffs durch das Reichsgericht in Leipzig als Fehl-
urteil; Reichel: "Wir (komm. Spitzenfunktionäre) wußten genau,
daß Dimitroff einer der Hauptdrahtzieher war. Quer durch Deutsch-
land hatten wir zur Revolution zahlreiche Waffenlager angelegt.
Der Brand war als Revolutionsfanal gedacht. Doch hatten wir
unsere Gegner unterschätzt; außerdem war die Polizei nach den
Polizistenmorden in Berlin (Lenk und Anlauf durch Mielke)
weitgehend antikommunistisch und mit den Sozialfaschisten
(gemeint Sozialdemokraten) war eine Zusammenarbeit kaum möglich;
die hatten sich schon vielfach mit den Braunen arrangiert."
Den Einwand, daß Kempner (stellv. amerikan. Chefankläger in
Nürnberg) etwas anderes behauptet, wischt Reichel beiseite:
"Kempner lügt, der weiß das ganz genau."
Weiter: "Der in amerikan. Diensten agitierende Kempner - es muß
im Frühjahr 46 gewesen sein - lauerte mir nach einem Gespräch
mit Ulbricht und (Erich) Weinert in Berlin regelrecht auf.
(Kempner sammelte Belastungsmaterial für den Nürnberger Prozeß).
Er verlangte von mir seine Version (Verursacher NS) vom Reichs-
tagsbrand zu unterschreiben. Ich lehnte ab mit dem Hinweis, daß
ich als überzeugter Kommunist in einem amerikan. Schauprozeß
nicht mitspiele. Darauf drohte mir Kempner mich in amerikan.
Haft nehmen zu lassen, um von mir eine Aussage in seinem Sinn
zu erpressen. Kempner: "Ich bekomme die Geständnisse, die ich
haben will." Ich habe Kempner ausgelacht, schließlich lebte ich
im Machtbereich Marschall Schukows."
Diese spezielle Methode Kempners für die Siegerjustiz Belastungs-
material zu erzwingen (Reichel sagte "erpressen"), bestätigte
dem Verfasser der heutige Vorsitzende des Berliner Bürgervereins
(Hauptinitiator der Weißen Gedenkkreuze für die Mauer-Opfer am
Reichstag) und Präsident des Ringes deutscher Soldaten, Welker;
vor Kriegsende befehligte er am Potsdamer Platz die Einheiten
- vorwiegend franz. Freiwillige -, die das Regierungsviertel
gegen riesige Sowjet. Übermacht heldenhaft verteidigten. Welker
hatte somit Zugang zu allen Regierungsgebäuden; es ist ihm als
einer der wenigen tatsächlichen Zeitzeugen ein leichtes mit vielen
absichtlichen "Geschichtsirrtümern" der Nachkriegsliteratur
aufzuräumen. - Doch wer nutzt diese Originalquelle?
Auch Welker wurde massiv bedrängt, in Kempnerschen Sinn auszusagen.
Dazu fing dieser ihn am Brandenburger Tor ab (Frühjahr 46) :
"Es wird Ihr Schaden nicht sein!" Welker lehnte ab: "Ich werde
Ihr Ansinnen der sowjet. Kommandantur melden!" - worauf sich
Kempner nie mehr sehen ließ.
Ebenso  wie Reichel wohnte damals Welker im Sowjetsektor, hatte
Zugang bei Marschall Schukow, und war somit für Kempners
Häscher nicht erreichbar.

Es ist wohl an der Zeit, den Komplex Reichstagsbrand und viele
Zeugenaussagen sowie die Methoden ihres Zustandekommens nach 1945
endlich sachlich anzugehen.

Schreiben von H.-J. Weinert, Berlin, an Roland Bohlinger. Verkleinert.


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In einer an Roland Bohlinger 1993 ausgehändigten Niederschrift von Dr. Werner Koeppen, betitelt "Persönliche Erinnerungen zur Reichskristallnacht und zur Wannseekonferenz" heißt es u.a. :

"Ich möchte ... vor allem auf die Aussage des Ministerialdirektors Dr. Leibbrandt vor dem Militärgerichtshof am 11.12.1948 hinweisen. Dr. Leibbrandt war der letzte lebende Teilnehmer an dieser Konferenz. Es war keine offizielle Ministerialzusammenkunft, sondern es war Sitte, daß die höheren Beamten der Berliner Ministerien sich einmal im Monat auf mehr gesellschaftlicher Basis zu Aussprachen zusammenfanden. Daß im Januar 1942 gerade die Wannsee-Villa gewählt wurde, dürfte seinen Grund darin haben, daß man dadurch Störungen durch Fliegeralarm aus dem Wege gehen wollte. Es waren 15 Teilnehmer von den verschiedenen Berliner Ministerien, darunter durchaus nicht alles Parteigenossen. Als Referent für diese Besprechung hatte man den SS-Obergruppenführer Heydrich gebeten, der dann ausführte, daß ihm der Führer die Regelung der Judenfrage übertragen hätte. Es ist mit keinem Wort von einer "Endlösung" im Sinne der Ausrottung des Judentums gesprochen worden, sondern über den ursprünglichen Madagaskarplan, wonach für die Juden dort ein Staatswesen geschaffen werden sollte, was sich durch die Entwicklung des Krieges bald als unmöglich erweisen sollte, ferner daß man den Juden im Osten ein Gebiet zur Verfügung stellen sollte, wo sie ihren eigenen Staat aufbauen könnten. Um noch einmal auf die Aussage von Dr. Leibbrandt zurückzukommen, so schildert er ausdrücklich, daß diese Zusammenkunft keine streng dienstliche war, sondern daß man in gelockerter Form an verschiedenen Tischen zusammengesessen hatte. Heydrich hielt sein informatorisches Referat, worin er sagte, daß er auf Grund des Göring-Hitler-Erlasses umfassende Vollmachten in der Judenfrage und die alleinige ausschließliche Zuständigkeit über die territorialen Grenzen Deutschlands erhalten habe. In dieser Besprechung ist kein Wort über Judenvernichtung gesagt worden. Leibbrandt betonte, er habe auch keine Andeutung gehört, aus der er hätte schließen können, daß mit dem Wort 'Endlösung' die Vernichtung der Juden gemeint sei. Es sind auch keinerlei Beschlüsse irgendwie gefaßt worden, wozu die Versammlung gar nicht befugt war. Das sogenannte Protokoll, das beim Militärgerichtshof während der Verhandlungen vom 11.12.1948 vorgelegen hatte, ist eine einseitige Darstellung Heydrichs, die nicht richtig und nicht vollständig den Inhalt wiedergibt und auch einige Tage später erst angefertigt wurde. Sie ist ähnlich wie das Hossbachprotokoll auf Maschinendurchschlagpapier geschrieben ohne Kopf und ohne Unterschrift. Diese Aussage war für den Militärgerichtshof das Entscheidende. Das Wannseeprotokoll, von dem immer die Rede ist, hat so viele Mängel, die einem tüchtigen Fälscher nicht hätten passieren dürfen ! So fehlt z.B. als einem amtlichen Schriftstück der Verteiler, zahlreiche Normen für die deutsche Maschinen-


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schreibschrift sind nicht beachtet worden. Es fehlt vor allem der Behördenbriefkopf. Obschon Eichmann das Protokoll angefertigt haben soll, verfügte seine hohe SS-Dienststelle nicht einmal über eine Schreibmaschine mit dem SS-Zeichen ! Darauf ist besonders hinzuweisen. Daß man die Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse als E.K. arabisch 1 und nicht als E.K. römisch I bezeichnete, wußte jeder Durchschnittsdeutsche, nicht aber anscheinend das Büro von Eichmann. Solche und viele andere Unglaubwürdigkeiten mutet man geschichtlich interessierten Menschen zu und lehnt es strikt ab, den Fakten nachzugehen ...

Ich kannte persönlich den Hauptzeugen für die Aussage vor dem Militärtribunal, Herrn Dr. Leibbrandt, seit dem Jahre 1937. Ich war auch nach dem Kriege, nach der Entlassung von Dr. Leibbrandt aus der Gefangenschaft, Jahr für Jahr mit ihm zusammen, da er jedes Jahr aus gesundheitlichen Gründen nach Bad Tölz zur Kur ging und ich ihn dort besucht habe. Wir haben in jedem Jahr über das Wannseeprotokoll, das eine so entscheidende Bedeutung hat, gesprochen. Ich habe Herrn Dr. Leibbrandt immer wieder bestürmt, als dem letzten Zeitzeugen, schriftliche Aussagen darüber festzulegen. Ob dies geschehen ist, weiß ich allerdings nicht, da Dr. Leibbrandt auf Grund seiner Krankheit in den letzten zwei Jahren vor seinem Tode dazu nicht mehr in der Lage gewesen wäre und dann auch Anfang der 80er Jahre gestorben ist.

gez. Dr. Werner Koeppen" 78


78 Niederschrift von Dr. Werner Koeppen, München, zugesandt im März 1993 an Roland Bohlinger; siehe nachfolgende Ablichtung.


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und konnte deutlich deren überraschte Reaktion beobachten. Keiner
der Anwesenden hatte eine Ahnung davon,wer das veranlasst hatte.
Auch Reichsminister Goebbels, dem sehr viel in die Schuhe gescho-
ben wird, er wäre der Initiator dieses Progroms, war völlig über-
rascht und wandte sich sofort an die Anwesenden, alles zu tun, um
Ausschreitungen zu verhindern.
    Dr. Goebbels sprach sich scharf gegen eigenmächtiges wildes
Vorgehen einzelner Dienststellen gegen Synagogen und jüdische Pri-
vatgeschäfte, besonders in Berlin, aus. Sie würden der Politik der
Reichsregierung im Ausland nur schaden. Gegenüber der Einstellung
des Nationalsozialismus allgemein zum internationalen Judentum,
das Deutschland schon im Februar 1933 offiziell den Krieg erklärt
hatte, liess er allerdings keinen Zweifel aufkommen.
    Es erfolgten dann die Telefonate sämtlicher anwesenden Gauleiter
insbesondere der SA-Obergruppenführer und auch des obersten SA-Chefs
Lutze an die einzelnen Dienststellen, sich absolut von diesen Pro-
gromen zurückzuhalten. Auch Adolf Hitler gab von seiner Wohnung
aus sofort Gegenbefehle, nachdem ihm gemeldet worden war, dass die
Synagogen brennen. Um 0256 Uhr erging ein offizieller Gegenbefehl
über den Stellvertreter des Führers mit Fernschreiben an alle Gau-
leitungen in Deutschland.

Die Wannseekonferenz vom 20.1.1942
    Die Wannseekonferenz vom 20.1.1942 hat deshalb so einschneidende
Bedeutung, weil man aus dieser Zusammenkunft die "Endlösung" der
Judenfrage ableiten will und der deutschen Politik und dem gesamten
deutschen Volk in die Schuhe schieben will. Es ist auch hierüber
alles mögliche geschrieben worden. Ich möchte mir das zu wiederholen
ersparen, sondern möchte vor allem auf die Aussage des Ministerial-
direktors Dr. Leibbrandt vor dem Militärgerichtshof am 11.12.1948
hinweisen.
    Dr. Leibbrandt war der letzte lebende Teilnehmer an dieser
Konferenz. Es war keine offizielle Ministerialzusammenkunft, son-
dern es war Sitte, dass die höheren Beamten der Berliner Ministerien
sich einmal im Monat auf mehr gesellschaftlicher Basis zu Aus-
sprachen zusammenfanden. Dass im Januar 1942 gerade die Wannsee-
Villa gewählt wurde, dürfte seinen Grund darin haben,dass man dadurch
Störungen durch Fliegeralarm aus dem Wege gehen wollte. Es waren
15 Teilnehmer von den verschiedenen Berliner Ministerien, darunter
durchaus nicht alles Parteigenossen. Als Referent für diese Be-
sprechung hatte man den SS-Obergruppenführer Heydrich gebeten, der
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Schreiben von Dr. Werner Koeppen, München, an Roland Bohlinger. Verkleinert. 


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dann ausführte, dass ihm der Führer die Regelung der Judenfrage
übertragen hätte. Es ist mit keinem Wort von einer "Endlösung" im
Sinne der Ausrottung des Judentums gesprochen worden, sondern über
den ursprünglichen Madagaskarplan, wonach für die Juden dort ein
Staatswesen geschaffen werden sollte,was sich durch die Entwick-
lung des Krieges bald als unmöglich  erweisen sollte, ferner dass
man den Juden im Osten ein Gebiet zur Verfügung stellen sollte, wo
sie ihren eigenen Staat aufbauen könnten. Um noch einmal auf die
Aussage von Dr. Leibbrandt zurückzukommen, so schildert er ausdrück-
lich, dass diese Zusammenkunft keine streng dienstliche war, son-
dern dass man in gelockerter Form an verschiedenen Tischen zusam-
mengesessen hatte. Heydrich hielt sein informatorisches Referat,
worin er sagte, dass er auf Grund des Göring-Hitler-Erlasses um-
fassende Vollmachten in der Judenfrage und die alleinige ausschliess-
liche Zuständigkeit über die territorialen Grenzen Deutschlands
erhalten habe. In dieser Besprechung ist kein Wort über Judenver-
nichtung gesagt worden. Leibbrandt betonte, er habe auch keine An-
deutung gehört, aus der er hätte schliessen können, dass mit dem
Wort "Endlösung" die Vernichtung der Juden gemeint sei. Es sind
auch keinerlei Beschlüsse irgendwie gefasst worden, wozu die Ver-
sammlung garnicht befugt war. Das sogenannte Protokoll, das beim
Militärgerichtshof während der Verhandlungen vom 11.12.1948 vorge-
legt hatte, ist eine einseitige Darstellung Heydrichs, die nicht
richtig und nicht vollständig den Inhalt wiedergibt und auch einige
Tage später erst angefertigt wurde. Sie ist ähnlich wie das Hoss-
bachprotokoll auf Maschinendurchschlagspapier geschrieben ohne
Kopf und ohne Unterschrift. Diese Aussage war für den Militärge-
richtshof das Entscheidende. Das Wannseeprotokoll, von dem immer die
Rede ist, hat so viele Mängel, die einem tüchtigen Fälscher nicht
hätten passieren dürfen!  So fehlt zum Beispiel als einem amtlichen
Schriftstück der Verteiler, zahlreiche Normen für die deutsche
Maschinenschreibschrift sind nicht beachtet worden. Es fehlt vor
allem der Behördenbriefkopf. Obschon Eichmann das Protokoll ange-
fertigt haben soll, verfügte seine hohe SS-Dienststelle nicht ein-
mal über eine Schreibmaschine mit dem SS-Zeichen! Darauf ist be-
sonders hinzuweisen. Dass man die Auszeichnung mit dem Eisernen
Kreuz 1. Klasse als E.K. arabisch 1 und nicht als E.K. römisch I
bezeichnete, wusste jeder Durchschnittsdeutsche, nicht aber anschei-
nend das Büro von Eichmann. Solche und viele andere Unglaubwürdig-
keiten mutet man geschichtlich interessierten Menschen zu und lehnt
es strikt ab, den Fakten nachzugehen und endlich auf die Weiter-
verbreitung von Lügen und Fälschungen zu verzichten.
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    Ich kannte persönlich den Hauptzeugen für die Aussage vor dem
Militärtribunal, Herrn Dr. Leibbrandt seit dem Jahre 1937. Ich war
auch nach dem Kriege, nach der Entlassung von Dr. Leibbrandt aus der
Gefangenschaft, Jahr für Jahr mit ihm zusammen, da er jedes Jahr
aus gesundheitlichen Gründen nach Bad Tölz zur Kur ging und ich ihm
dort besucht habe. Wir haben in jedem Jahr über das Wannseeproto-
koll, das eine so entscheidende Bedeutung hat, gesprochen. Ich
habe Herrn Dr. Leibbrandt immer wieder bestürmt, als dem letzten
Zeitzeugen, schriftliche Aussagen darüber festzulegen. Ob dies ge-
schehen ist, weiss ich allerdings nicht, da Dr. Leibbrandt auf
Grund seiner Krankheit in den letzten zwei Jahren vor seinem Tode dazu
nicht mehr in der Lage     gewesen wäre und dann auch Anfang der
80er Jahre gestorben ist.



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8. ERGEBNIS DES GUTACHTENS

Die Prüfung des sogenannten Wannsee-Protokolls und der dazugehörigen Papiere hat ergeben, daß diese Papiere nicht echt sind.

9. NACHBEMERKUNG

Bei der gutachterlichen Prüfung mußten wir folgendes feststellen : Sämtliche Historiker, die der herrschenden Meinung von der Echtheit des "Wannsee-Protokolls" anhängen und deren Arbeiten wir geprüft haben auf quellenkritische Hinweise, haben in Bezug auf das "Wannsee-Protokoll" eindeutig keine ernsthafte Quellenkritik betrieben, geschweige denn einen Echtheitsnachweis versucht. Damit haben alle diese Historiker die wichtigsten Grundregeln mißachtet, die von der Geschichtswissenschaft für die wissenschaftliche Behandlung von Quellen aufgestellt worden sind. Diese Grundregeln werden bereits in den ersten Studiensemestern gelernt.

Es wird Aufgabe eines weiteren Gutachtens sein müssen, diesem Befund noch weiter nachzugehen und seine Ursachen aufzudecken.


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QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, 1918-1945, Serie E, Göttingen 1969

Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem, München 1964

Wolfgang Benz (Hg.), Dimension des Völkermords, Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, München 1991

Edwin Black, The Transfer Agreement, The Untold Story of the Secret Pact between the Third Reich and the Jewish Palestine, New York 1984

Roland Bohlinger, Kapitel "Seelensteuerung" in : Das Holocaust-Syndrom, Viöl 1994, Bd. 2

Roland Bohlinger, Dokumentation über die Finanzierung Adolf Hitlers, in Vorbereitung; Literaturübersicht zu dieser Dokumentation in Nation 3/1993

Martin Broszat/Hans-Adolf Jacobsen/Helmut Krausnick : Anatomie des SS-Staates, München 1984

Bund der Verfolgten des Naziregimes, Das Wannsee-Protokoll zur Endlösung der Judenfrage und einige Fragen an die, die es angeht, Düsseldorf 1952

J. G. Burg (Ginsburg), Sündenböcke, München 1979

Sefton Delmer, Die Deutschen und ich, Hamburg 1961

Hans-Jürgen Döscher, Das Auswärtige Amt im Dritten Reich, Diplomatie im Schatten der 'Endlösung', Berlin o.J.

Materialsammlung der "Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz", Berlin

Gerald Fleming, Hitler und die Endlösung, Wiesbaden und München 1982

Friedrich Grimm, Politische Justiz, Pr. Oldendorf 1974

H. Dv. 99, M. Dv. Nr. 9, L. Dv. 99, Nur für den Dienstgebrauch ! Verschlußsachen-Vorschrift, Gültig für die Wehrmacht, 1.10.35 und Neufassung derselben 1.8.43, hrsgg. mit Genehmigung des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht Keitel

Andreas Hillgruber, Zweierlei Untergang, Die Zerschlagung des Deutschen Reiches und das Ende des europäischen Judentums, Berlin 1986

Heinz Höhne, Der Orden unter dem Totenkopf, Die Geschichte der SS, Gütersloh 1967

Walther Hofer (Hg.), Der Nationalsozialismus – Dokumente 1933-1945, Frankfurt/Main 1977


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Ellic Howe, Die schwarze Propaganda, Ein Insider-Bericht über die geheimsten Operationen des britischen Geheimdienstes im 2. Weltkrieg, München 1983

Robert M.W. Kempner, Ankläger einer Epoche, Lebenserinnerungen, hrsgg. in Zusammenarbeit mit Jörg Friedrich, Frankfurt-Berlin-Wien 1983

Robert M.W. Kempner, SS im Kreuzverhör, Nördlingen 1987

Robert M.W. Kempner, Eichmann und Komplizen, Zürich-Stuttgart-Wien 1961

Robert M.W. Kempner, wörtlich zitiert in dem Hörspiel von Rolf Defrank : "Ihr Name steht im Protokoll", gesendet vom WDR am 20. Januar 1992.

Robert M.W. Kempner / Carl Haensel (Hg.), Das Urteil im Fall Wilhelmstraßen-Prozeß, Schwäbisch Gmünd 1950

George O. Kent (Hg.), A Catalog of Files and Microfilms of the German Foreign Ministry Archives 1920-1945, Stanford, California, 1962

Werner Koeppen, Niederschrift von Dr. Werner Koeppen, München, zugesandt 1993 an Roland Bohlinger

Jochen von Lang, Das Eichmann-Protokoll, Tonbandaufzeichnungen der israelischen Verhöre, Berlin o. J.

Georg Leibbrandt (Hrg.), Die Völker des Ostraumes, erschienen in der Reihe : Die Bücherei des Ostraumes, Berlin 1942

Arno J. Mayer, Der Krieg als Kreuzzug, Das Deutsche Reich, Hitlers Wehrmacht und die "Endlösung", Reinbek 1989

microedition Zeitgeschichte, Der Nürnberger Prozeß, München 1981

Kurt Pätzold/Erika Schwarz, Tagesordnung : Judenmord, Die Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942, Berlin 1992

Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Bonn, Akten Inland II g, Band 177, "Endlösung der Judenfrage", Original persönlich eingesehen durch Roland Bohlinger, in dessen Besitz außerdem Mikrofiche-Verfilmung des Aktenbandes

Gerald Reitlinger, Die Endlösung, Berlin 1961, 4. Auflage

Ludwig Rosenthal, "Endlösung der Judenfrage" : Massenmord oder "Gaskammerlüge" ?, Darmstadt 1979

Walter N. Sanning, Die Auflösung des osteuropäischen Judentums, Tübingen 1983

William Sargant, Die Seelenwäscher, Viöl 1992

Wolfgang Scheffler, Judenverfolgung im Dritten Reich, Berlin 1964

Reimund Schnabel, Macht ohne Moral, Eine Dokumentation über die SS, Röderberg-Verlag, Frankfurt/M. 1957


121

Schöffler-Weis, Taschenwörterbuch der englischen und deutschen Sprache, Stuttgart, Bd. 1

Herbert A. Strauss / Norbert Kampe (Hg.), Antisemitismus, Von der Judenfeindschaft zum Holocaust, Frankfurt/M.-New York 1985

Johannes Tuchel, Am Großen Wannsee 56-58, Publikationen der "Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, hrsgg. von Wolfgang Scheffler und Gerhard Schoenberner, Bd. 1, Berlin 1992

Hans Wahls, Zur Authentizität des "Wannsee-Protokolls", Ingolstadt 1987

Udo Walendy, Die Wannsee-Konferenz vom 20.1.1942, Reihe Historische Tatsachen Nr. 35, Vlotho 1988

H.-J. Weinert, Bericht von H.-J. Weinert, Berlin, zugesandt im März 1993 an Roland Bohlinger


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