Erstellt von Roland Bohlinger und Johannes P. Ney
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H.-J. Weinert berichtete in einem Schreiben an Roland Bohlinger über ein Gespräch, das sein Vater mit dem Cousin seiner Mutter, dem führenden KPD-Funktionär Franz Reichel geführt hatte. In dem Bericht heißt es :
"Der in amerikanischen Diensten agitierende Kempner – es muß im Frühjahr 46 gewesen sein – lauerte mir nach einem Gespräch mit Ulbricht und (Erich) Weinert in Berlin regelrecht auf. (Kempner sammelte Belastungsmaterial für den Nürnberger Prozeß). Er verlangte von mir, seine Version (Verursacher NS) vom Reichstagsbrand zu unterschreiben. Ich lehnte ab mit dem Hinweis, daß ich als überzeugter Kommunist in einem amerikanischen Schauprozeß nicht mitspiele. Darauf drohte mir Kempner, mich in amerikanische Haft nehmen zu lassen, um von mir eine Aussage in seinem Sinn zu erpressen. Kempner : 'Ich bekomme die Geständnisse, die ich haben will.' Ich habe Kempner ausgelacht, schließlich lebte ich im Machtbereich Marschall Schukows.
Diese spezielle Methode Kempners, für die Siegerjustiz Belastungsmaterial zu erzwingen (Reichel sagte "erpressen"), bestätigte dem Verfasser der heutige Vorsitzende des Berliner Bürgervereins (Hauptinitiator der Weißen Gedenkkreuze für die Mauer-Opfer am Reichstag) und Präsident des Ringes deutscher Soldaten, Welker; vor Kriegsende befehligte er am Potsdamer Platz die Einheiten – vorwiegend französische Freiwillige –, die das Regierungsviertel gegen riesige sowjetische Übermacht heldenhaft verteidigten. Welker hatte somit Zugang zu allen Regierungsgebäuden; es ist ihm als einer der wenigen tatsächlichen Zeitzeugen ein leichtes, mit vielen absichtlichen "Geschichtsirrtümern" der Nachkriegsliteratur aufzuräumen. – Doch wer nutzt diese Originalquelle ?
Auch Welker wurde massiv bedrängt, im Kempnerschen Sinn auszusagen. Dazu fing dieser ihn am Brandenburger Tor ab (Frühjahr 46) : 'Es wird Ihr Schaden nicht sein !' Welker lehnte ab : 'Ich werde Ihr Ansinnen der sowjetischen Kommandantur melden !' – worauf sich Kempner nie mehr sehen ließ. Ebenso wie Reichel wohnte damals Welker im Sowjetsektor, hatte Zugang bei Marschall Schukow und war somit für Kempners Häscher nicht erreichbar." 77
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Notiz über das Wirken von R. Kempner - Reichstagsbrand - Der Verfasser erinnert sich an ein Gespräch, das sein Vater - ehem. langjähriger Stadtrat in einer schles. Industriestadt - mit dem Cousin der Mutter des Verfassers, Franz Reichel (seit den zwanziger Jahren führender Funktionär der KPD), führte. In bezug auf den Reichstagsbrand bezeichnete Reichel den Frei- spruch Dimitroffs durch das Reichsgericht in Leipzig als Fehl- urteil; Reichel: "Wir (komm. Spitzenfunktionäre) wußten genau, daß Dimitroff einer der Hauptdrahtzieher war. Quer durch Deutsch- land hatten wir zur Revolution zahlreiche Waffenlager angelegt. Der Brand war als Revolutionsfanal gedacht. Doch hatten wir unsere Gegner unterschätzt; außerdem war die Polizei nach den Polizistenmorden in Berlin (Lenk und Anlauf durch Mielke) weitgehend antikommunistisch und mit den Sozialfaschisten (gemeint Sozialdemokraten) war eine Zusammenarbeit kaum möglich; die hatten sich schon vielfach mit den Braunen arrangiert." Den Einwand, daß Kempner (stellv. amerikan. Chefankläger in Nürnberg) etwas anderes behauptet, wischt Reichel beiseite: "Kempner lügt, der weiß das ganz genau." Weiter: "Der in amerikan. Diensten agitierende Kempner - es muß im Frühjahr 46 gewesen sein - lauerte mir nach einem Gespräch mit Ulbricht und (Erich) Weinert in Berlin regelrecht auf. (Kempner sammelte Belastungsmaterial für den Nürnberger Prozeß). Er verlangte von mir seine Version (Verursacher NS) vom Reichs- tagsbrand zu unterschreiben. Ich lehnte ab mit dem Hinweis, daß ich als überzeugter Kommunist in einem amerikan. Schauprozeß nicht mitspiele. Darauf drohte mir Kempner mich in amerikan. Haft nehmen zu lassen, um von mir eine Aussage in seinem Sinn zu erpressen. Kempner: "Ich bekomme die Geständnisse, die ich haben will." Ich habe Kempner ausgelacht, schließlich lebte ich im Machtbereich Marschall Schukows." Diese spezielle Methode Kempners für die Siegerjustiz Belastungs- material zu erzwingen (Reichel sagte "erpressen"), bestätigte dem Verfasser der heutige Vorsitzende des Berliner Bürgervereins (Hauptinitiator der Weißen Gedenkkreuze für die Mauer-Opfer am Reichstag) und Präsident des Ringes deutscher Soldaten, Welker; vor Kriegsende befehligte er am Potsdamer Platz die Einheiten - vorwiegend franz. Freiwillige -, die das Regierungsviertel gegen riesige Sowjet. Übermacht heldenhaft verteidigten. Welker hatte somit Zugang zu allen Regierungsgebäuden; es ist ihm als einer der wenigen tatsächlichen Zeitzeugen ein leichtes mit vielen absichtlichen "Geschichtsirrtümern" der Nachkriegsliteratur aufzuräumen. - Doch wer nutzt diese Originalquelle? Auch Welker wurde massiv bedrängt, in Kempnerschen Sinn auszusagen. Dazu fing dieser ihn am Brandenburger Tor ab (Frühjahr 46) : "Es wird Ihr Schaden nicht sein!" Welker lehnte ab: "Ich werde Ihr Ansinnen der sowjet. Kommandantur melden!" - worauf sich Kempner nie mehr sehen ließ. Ebenso wie Reichel wohnte damals Welker im Sowjetsektor, hatte Zugang bei Marschall Schukow, und war somit für Kempners Häscher nicht erreichbar. Es ist wohl an der Zeit, den Komplex Reichstagsbrand und viele Zeugenaussagen sowie die Methoden ihres Zustandekommens nach 1945 endlich sachlich anzugehen.
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Schreiben von H.-J. Weinert, Berlin, an Roland Bohlinger. Verkleinert.
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In einer an Roland Bohlinger 1993 ausgehändigten Niederschrift von Dr. Werner Koeppen, betitelt "Persönliche Erinnerungen zur Reichskristallnacht und zur Wannseekonferenz" heißt es u.a. :
"Ich möchte ... vor allem auf die Aussage des Ministerialdirektors Dr. Leibbrandt vor dem Militärgerichtshof am 11.12.1948 hinweisen. Dr. Leibbrandt war der letzte lebende Teilnehmer an dieser Konferenz. Es war keine offizielle Ministerialzusammenkunft, sondern es war Sitte, daß die höheren Beamten der Berliner Ministerien sich einmal im Monat auf mehr gesellschaftlicher Basis zu Aussprachen zusammenfanden. Daß im Januar 1942 gerade die Wannsee-Villa gewählt wurde, dürfte seinen Grund darin haben, daß man dadurch Störungen durch Fliegeralarm aus dem Wege gehen wollte. Es waren 15 Teilnehmer von den verschiedenen Berliner Ministerien, darunter durchaus nicht alles Parteigenossen. Als Referent für diese Besprechung hatte man den SS-Obergruppenführer Heydrich gebeten, der dann ausführte, daß ihm der Führer die Regelung der Judenfrage übertragen hätte. Es ist mit keinem Wort von einer "Endlösung" im Sinne der Ausrottung des Judentums gesprochen worden, sondern über den ursprünglichen Madagaskarplan, wonach für die Juden dort ein Staatswesen geschaffen werden sollte, was sich durch die Entwicklung des Krieges bald als unmöglich erweisen sollte, ferner daß man den Juden im Osten ein Gebiet zur Verfügung stellen sollte, wo sie ihren eigenen Staat aufbauen könnten. Um noch einmal auf die Aussage von Dr. Leibbrandt zurückzukommen, so schildert er ausdrücklich, daß diese Zusammenkunft keine streng dienstliche war, sondern daß man in gelockerter Form an verschiedenen Tischen zusammengesessen hatte. Heydrich hielt sein informatorisches Referat, worin er sagte, daß er auf Grund des Göring-Hitler-Erlasses umfassende Vollmachten in der Judenfrage und die alleinige ausschließliche Zuständigkeit über die territorialen Grenzen Deutschlands erhalten habe. In dieser Besprechung ist kein Wort über Judenvernichtung gesagt worden. Leibbrandt betonte, er habe auch keine Andeutung gehört, aus der er hätte schließen können, daß mit dem Wort 'Endlösung' die Vernichtung der Juden gemeint sei. Es sind auch keinerlei Beschlüsse irgendwie gefaßt worden, wozu die Versammlung gar nicht befugt war. Das sogenannte Protokoll, das beim Militärgerichtshof während der Verhandlungen vom 11.12.1948 vorgelegen hatte, ist eine einseitige Darstellung Heydrichs, die nicht richtig und nicht vollständig den Inhalt wiedergibt und auch einige Tage später erst angefertigt wurde. Sie ist ähnlich wie das Hossbachprotokoll auf Maschinendurchschlagpapier geschrieben ohne Kopf und ohne Unterschrift. Diese Aussage war für den Militärgerichtshof das Entscheidende. Das Wannseeprotokoll, von dem immer die Rede ist, hat so viele Mängel, die einem tüchtigen Fälscher nicht hätten passieren dürfen ! So fehlt z.B. als einem amtlichen Schriftstück der Verteiler, zahlreiche Normen für die deutsche Maschinen-
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schreibschrift sind nicht beachtet worden. Es fehlt vor allem der Behördenbriefkopf. Obschon Eichmann das Protokoll angefertigt haben soll, verfügte seine hohe SS-Dienststelle nicht einmal über eine Schreibmaschine mit dem SS-Zeichen ! Darauf ist besonders hinzuweisen. Daß man die Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse als E.K. arabisch 1 und nicht als E.K. römisch I bezeichnete, wußte jeder Durchschnittsdeutsche, nicht aber anscheinend das Büro von Eichmann. Solche und viele andere Unglaubwürdigkeiten mutet man geschichtlich interessierten Menschen zu und lehnt es strikt ab, den Fakten nachzugehen ...
Ich kannte persönlich den Hauptzeugen für die Aussage vor dem Militärtribunal, Herrn Dr. Leibbrandt, seit dem Jahre 1937. Ich war auch nach dem Kriege, nach der Entlassung von Dr. Leibbrandt aus der Gefangenschaft, Jahr für Jahr mit ihm zusammen, da er jedes Jahr aus gesundheitlichen Gründen nach Bad Tölz zur Kur ging und ich ihn dort besucht habe. Wir haben in jedem Jahr über das Wannseeprotokoll, das eine so entscheidende Bedeutung hat, gesprochen. Ich habe Herrn Dr. Leibbrandt immer wieder bestürmt, als dem letzten Zeitzeugen, schriftliche Aussagen darüber festzulegen. Ob dies geschehen ist, weiß ich allerdings nicht, da Dr. Leibbrandt auf Grund seiner Krankheit in den letzten zwei Jahren vor seinem Tode dazu nicht mehr in der Lage gewesen wäre und dann auch Anfang der 80er Jahre gestorben ist.
gez. Dr. Werner Koeppen" 78
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Die Prüfung des sogenannten Wannsee-Protokolls und der dazugehörigen Papiere hat ergeben, daß diese Papiere nicht echt sind.
Bei der gutachterlichen Prüfung mußten wir folgendes feststellen : Sämtliche Historiker, die der herrschenden Meinung von der Echtheit des "Wannsee-Protokolls" anhängen und deren Arbeiten wir geprüft haben auf quellenkritische Hinweise, haben in Bezug auf das "Wannsee-Protokoll" eindeutig keine ernsthafte Quellenkritik betrieben, geschweige denn einen Echtheitsnachweis versucht. Damit haben alle diese Historiker die wichtigsten Grundregeln mißachtet, die von der Geschichtswissenschaft für die wissenschaftliche Behandlung von Quellen aufgestellt worden sind. Diese Grundregeln werden bereits in den ersten Studiensemestern gelernt.
Es wird Aufgabe eines weiteren Gutachtens sein müssen, diesem Befund noch weiter nachzugehen und seine Ursachen aufzudecken.
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