4. Kriegsvorbereitungen durch Stalin

„I.W. Stalin hat diesen Krieg vorbereitet -
seine Vorbereitung war umfassend und vielseitig,
und er ging dabei von den von ihm selbst vorgesehenen Fristen aus.
Hitler zerstörte seine Berechnungen.
Dies alles muß Europa bewußt werden und bleiben!"

Sowjet-Admiral N. G. Kusnezow

Nach den erfolgreichen Blitzkriegen gegen Polen und Norwegen, in Frankreich und auf dem Balkan sollte die sich im Osten zusammenbrauende Gefahr durch einen deutschen Angriff ausgeschaltet werden. Durch den wegen Mussolinis Abenteuer in Albanien und Griechenland und des prosowjetischen Umsturzes am 27. März 1941 in Belgrad notwendig gewordenen Balkanfeldzug wurde der Beginn des Rußlandkrieges um entscheidende Wochen verzögert. In Belgrad war das deutschfreundliche Regime durch Sowjetsympathisanten weggeputscht worden. Hitler sah als besonders feindseligen Akt der UdSSR den Abschluß eines Freundschafts- und Nichtangriffspaktes mit Jugoslawien am 5. April 1941 an. „Hitler wollte Frieden auf dem Balkan, der ihn den ungestörten Bezug von Mineralöl, Rohstoffen und Lebensmitteln aus den Südost-Staaten ermöglichte und Deutschland gegebenenfalls einen sicheren Flankenschutz gegen England und die Sowjetunion gewährleistete." (Wuescht, Johann, „Jugoslawien und das Dritte Reich", 1969, S. 111) Hitler habe den Feldzug gegen Jugoslawien und Griechenland gegen seinen Willen führen müssen, „und diese Tatsache bietet uns unschätzbare Vorteile", habe Lord Halifax triumphiert. In der „Chicago Times" sei in jenen Tagen zu lesen gewesen: „Hitler ist gegen seinen

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Wunsch in einen kostspieligen Balkankrieg verwickelt worden." (Wuescht, a. a. O., 1969, S. 162)

Der ungewöhnlich früh und hart einsetzende Winter 1941/42 trug dann wesentlich dazu bei, daß der mit außerordentlichen Erfolgen anlaufende deutsche Vormarsch vor den Toren Moskaus und Leningrads zum Stehen kam. Daß es sich um einen Kampf auf Leben und Tod handeln würde, war der deutschen Führung von Anfang an klar gewesen.

Hitler begann seine Proklamation an das deutsche Volk vom 22. Juni 1941 mit den Worten: „Von schweren Sorgen bedrückt" und schrieb in seinem Brief an Mussolini vom 21. 6. vom „Augenblick, da monatelange, sorgenvolle Erwägungen im härtesten Entschluß meines Lebens ihr Ende finden". Dieser Präventivkrieg war sicher kein „leichtfertiger Überfall".

Generaloberst Franz Halder, 1941 Chef des Generalstabes des Heeres, Mitglied der Widerstandsbewegung, bestätigt in seinem Buch „Hitler als Feldherr", daß Hitler mit seiner festen und nicht unbegründeten Überzeugung, daß Rußland sich zum Angriff auf Deutschland rüste, recht hatte, was man heute aus guten Quellen wisse. Der Historiker Erich Helmdach bestätigt, daß der deutsche Einmarsch in die UdSSR im Jahre 1941 einem sowjetischen Angriff zuvorkam. („Überfall? - Der Sowjetisch-deutsche Aufmarsch 1941-1945".) Der bekannte englische Historiker A.J.P. Taylor schrieb in der Monatsschrift Nation Europa 7/1960: „Es ist über jeden Zweifel erhaben, daß er (Hitler) den Krieg 1941 nur aus präventiven (vorbeugenden) Gründen ausweitete."

Prof. Dr. David L. Hoggan, USA: „Die Sowjetunion verließ unwiderruflich den Boden der Neutralität, als sie erfolgreich mit den Feinden Deutschlands konspirierte, um das neutrale jugoslawische Regime zu stürzen und dann schleunigst einen Freundschaftspakt mit dessen Nachfolger zu unterzeichnen. Nach den herkömmlichen Auffassungen des internationalen Rechts konnte Hitler diesen Schritt ohne weiteres als eine Kriegshandlung auffassen." (Deutsche Hochschullehrerzeitung, 2, 1962.)

Am 20. Februar 1936 - also über drei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges - verkündete der französische Regierungschef Herriot

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die Tatsache, daß die Sowjetarmee eine Friedensstärke von 1,35 Millionen Mann und eine Kriegsstärke mit Reserven von 17,5 Millionen besitze, über die größte Luftwaffe der Welt verfüge und mit der größten Panzerwaffe gerüstet sei!

Ein halbes Jahr vor dem Rußlandfeldzug berichtete der Leiter der Uni-ted-Press-Organisation für Europa, Virgil Pinkley, nach einer Rußlandreise Hugh Bailly, dem Präsidenten der U. P, am 28. November 1940: „Praktisch dient zur Zeit alles, was in der Sowjetunion geschieht, dem Ausbau eines ungeheuren militärischen Apparates. Viele sachkundige Beobachter glauben, daß der Gedanke einer Weltrevolution durch Propaganda vorerst beiseitegeschoben ist und daß der Schwerpunkt jetzt beim Ausbau einer riesigen Kriegsmacht liegt, die es der Sowjetdiplomatie ermöglichen soll, auf Verlangen in Gebieten und ganzen Ländern die Regierung zu übernehmen, und wenn die Forderung abgelehnt wird, dann soll das Ziel durch militärische Gewalt erreicht werden." (Georg N. Crocker, „Schrittmacher der Sowjets", 1960.) Und noch zwei sowjetische Stimmen:

„Moskau warte mit dem Eingreifen nicht etwa, weil es friedlicher als der Westen dachte, sondern um Erfolge so billig und nachhaltig wie nur möglich zu erreichen - durch einen vorausgehenden Zusammenbruch der kapitalistischen Welt'. Stalin erklärte vor der Komintern am 20. Mai 1938: ,Die wichtigste Arbeit unserer Parteigruppen muß darin bestehen, einen derartigen Zusammenbruch zu erreichen. Wer das nicht versteht, hat nichts vom revolutionären Marxismus begriffen. Die Stunde ist für uns gekommen."

Chruschtschow bestätigte im Juli 1959 zu Kattowitz: „Hatte Stalin recht, als er damals ein Abkommen mit Hitler schloß? Stalin entschloß sich dazu, mit der Überlegung, daß der Krieg dann gegen die anderen losgehen werde."

Dazu noch Sven Hedin in seiner Eigenschaft als angesehener neutraler Chronist: „Ehe ich von meiner Einstellung zur Sowjetunion spreche, zunächst ein paar Worte von meiner ersten persönlichen Bekanntschaft mit dem alten russischen Reiche ... Ich bin kein Fremder in dem größten Kontinent der Erde, in dessen westlichen Grenzgebieten sich die unübersehbaren Horden zu Beginn des Sommers 1941 sammelten, um über Europa herzufallen und seine Völker mit

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dem Fluch zu geißeln, der das Los der russischen Intelligenz, der In-gern, Karelier, Balten, Polen und unzähliger anderer unglücklicher Völker war, wenn Deutschland durch den Krieg mit den Westmächten hinlänglich erschöpft wäre ..."

„Mit ihrem Henker Ivan Ivanowitsch Dschugaschwili oder Stalin haben Churchill und Roosevelt einen Bund geschlossen, zu dem einzigen Zweck, Deutschland zu vernichten . . ." „Stalin stellte seine Millionenheere und seine rollenden Panzerungetüme für den vernichtenden Orkan über Europa bereit, ein Unternehmen, das in seiner Schrecklichkeit alle menschliche Phantasie übersteigt, und mit dem sich die Führer der angelsächsischen Völker ohne Bedenken verbanden . . ."

„Das Ziel dieser Reitermassen (Anm. der Mongolen im 13. Jahrhundert) die gesamten Westlande zu verwüsten und die überlebenden Christen zu Sklaven zu machen, findet sein Gegenstück in der Weltrevolution der Bolschewisten und in ihren gründlichen Vorbereitungen zum Einfall nach Deutschland und Westeuropa." „England und Amerika unterstützen mit allen Mitteln diesen Kampf, dessen Sieg die Vernichtung des europäischen Festlandes und des skandinavischen Nordens bedeuten würde . . . Mit dieser teuflischen Gesellschaft machte nun Amerikas Christenheit gemeinsame Sache gegen das christliche Europa ... in einem Bündnis mit der Gesellschaft der Gottlosen' ... In einer Zusammenkunft Edens (engl. Außenminister) und Stalins wurde Europa bereits aufgeteilt und dem Bolschewismus überlassen ..."

Der deutsche Angriff wurde von Hitler mit dem gigantischen sowjetischen Aufmarsch von „rund 160 Divisionen" an der seit dem Polenfeldzug gemeinsamen deutsch-sowjetischen Grenze sowie mit den zunehmenden Eingriffen und Übergriffen Moskaus in den baltischen Staaten, vor allem Litauen, sowie in Rumänien und Bulgarien begründet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Sowjetunion bereits fremde Länder und Gebiete von der Größe des Deutschen Reiches von 1918 annektiert. Bei Molotows Besuch in Berlin am 12./13. November 1940 hatte die deutsche Regierung die unerfüllbaren Forderungen Moskaus entgegenzunehmen und erkennen müssen, daß auf die Dauer wohl keine gleichberechtigte Partnerschaft möglich war.

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Die aufgelisteten Forderungen Molotows bei seinem Besuch in Berlin waren:

1. Deutsche Zustimmung zur Annexion Finnlands

2. Ebenso zur sowjetischen Annexion der Süd-Bukowina

3. Forderung nach sowjetischen Stützpunkten in Bulgarien

4. Ebenso Stützpunkte an Dardanellen und Bosporus

5. Und zu guter Letzt leistet sich Molotow eine indirekte Demütigung Hitlers und des Deutschen Reiches, indem er sowjetische Stützpunkte am Belt, Öresund, Skagerrak und Kattegat forderte. Wäre Hitler auf die Vorschläge Molotows eingegangen, so wäre bei Ausführung des Stalin-Operationsplanes „Gewitter" im Juli 1941 die Deutsche Wehrmacht vom Balkan her umgangen und von starken sowjetischen Streitkräften eingekesselt und vernichtet worden. Ein Westeuropa im heutigen Sinn würde es dann nicht mehr geben. Stalin wollte die Lage ausnutzen, um seinen Einfluß auf ganz Europa auszudehnen und die Weltrevolution dadurch voranzutreiben. In Hitlers Proklamation heißt es deswegen auch, daß „ein weiteres Ausdehnen nicht nur eine Unterlassungssünde, sondern ein Verbrechen am deutschen Volk, ja an ganz Europa wäre".

Die These von Hitlers Präventivkrieg schien lange Zeit mehr spekulativ-logische Argumente für sich zu haben als handfeste Beweise. Die Forschung ignorierte selbst Stalins Rede vor Offizieren der Moskauer Frunse-Akademie am 5. Mai 1941, deren Inhalt bis in einzelne Wendungen übereinstimmend von vier gefangenen sowjetischen Offizieren bestätigt wurde:

„Der Plan des Krieges ist bei uns fertig. Flugplätze sind gebaut, Landeplätze und Flugzeuge der ersten Linie befinden sich schon dort. Alles zur Bereinigung der rückwärtigen Gebiete ist getan, alle fremden Elemente sind entfernt. Folgerung: Im Laufe der nächsten zwei Monate können wir den Kampf mit Deutschland beginnen. Es besteht ein Friedensvertrag mit Deutschland, aber das ist nur eine Täuschung oder eher ein Vorhang, hinter dem wir offen arbeiten können." Bei dem anschließenden Bankett im Georgs-Saal des Kreml erläuterte Stalin, was nunmehr unter „Friedenspolitik" zu verstehen sei: „Es ist Zeit zu verstehen, daß die Losung der Friedenspolitik des Sowjetstaates schon ihre Rolle ausgespielt hat. Das ist eine Defensivlosung,

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mit welcher es der Sowjetunion gelungen ist, ihre Grenzen im Norden und im Westen ein wenig vorzuschieben und eine Reihe von baltischen Ländern mit dreißig Millionen Bevölkerung zu erhalten. Das ist auch alles. Damit ist es jetzt zu Ende." Stalin schloß mit der Versicherung: „Es ist Zeit einzusehen, daß nur eine entscheidende Offensive, nicht aber eine Defensive zum Sieg führen kann." Auch der Versicherung hochrangiger Sowjetoffiziere, daß Stalin den Angriff auf das Deutsche Reich für den Sommer 1941 geplant habe, wurde von der Forschung kein Glauben geschenkt. Divisionskommandeur Oberst Wladimir Bojersky teilte dies, nachdem er im Frühjahr 1942 in Gefangenschaft geraten war, bei seiner Vernehmung mit. Bestätigt wurde seine Aussage durch Generalleutnant Andrej Wlas-sow, der 1942 im Wolchow-Kessel gefangen wurde. Nach dem Krieg war dann jahrzehntelang die Umerziehungsansicht von dem „Überfall der Nazifaschisten auf die friedliebende Sowjetunion" die herrschende Meinung. Mit diesem Bild des arglistigen deutschen Überfalls auf einen friedlichen, unvorbereiteten und völlig überraschten, sogar durch Vertrag verbundenen Nachbarstaat konnten zugleich die verheerenden Niederlagen der sowjetischen Armeen und der gewaltige deutsche Raumgewinn im ersten Kriegsjahr erklärt werden.

Der Ostfeldzug wurde als bereits in Hitlers „Mein Kampf von 1923 vorprogrammiert angesehen und als ein weiterer langgeplanter Schritt zur angeblich durch Hitler erstrebten Weltherrschaft beurteilt, zumindest als ein ohne jede Notwendigkeit - und natürlich ohne alle Skrupel - angewandtes Mittel zur Gewinnung von „Lebensraum im Osten". Diese Geschichtssicht drang dann auch in die deutschen Schulbücher vor.

Schon früh erhoben sich deutsche Stimmen gegen dieses einseitige Geschichtsbild der Sowjetpropaganda, ohne sich jedoch durchsetzen zu können. Auch spätere mit eindeutigen Beweisen und sachlichen Daten untermauerte Darstellungen russischer Angriffsabsichten für 1941/42 wurden kaum zur Kenntnis genommen und als nicht ernst zu nehmendes revisionistisches Schriftgut übergangen. Mit behördlichem Weisungsrecht wurde sogar versucht, Veröffentlichungen, die auf Moskaus wahre Absichten 1941 hinwiesen, zu ver-

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hindern, so bei dem verdienstvollen Beitrag „Die Kriegführung aus der Sicht der Sowjetunion?" von Doktor Joachim Hoffmann vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg, dessen Leiter, Professor Messerschmidt, bei dieser Dokumentation des Ostfeldzugs und seiner Vorgeschichte alles Stalin Belastende zu schreiben verboten hatte und erst durch einen erstrittenen Gerichtsentscheid davon abgehalten werden konnte, solche wissenschaftswidrigen Manipulationen durchzusetzen.

Mit Ernst Topitsch setzte sich in seinem Buch „Stalins Krieg" (1985) zum ersten Male ein allgemein anerkannter deutscher Wissenschaftler mit Stalins wirklicher Langzeitstrategie auseinander, die auf einen europäischen Krieg mit schließlichem Eingreifen der Sowjetunion hinauslief, so daß der Präventivcharakter des Ostfeldzuges gerechtfertigt erschien. Ohne Hitlers Angriff wäre ganz Europa der sicheren Gefahr sowjetischer Besetzung ausgesetzt gewesen.

1989 erschien dann die deutsche Ausgabe von Viktor Suworows sensationellem Buch „Der Eisbrecher. Hitler in Stalins Kalkül". Der frühere sowjetische Generalmajor und Mitglied des Generalstabes hatte Gelegenheit gehabt, in Moskauer Archiven Einsicht zu nehmen, und konnte so bisher im Westen unbekannte Belege bringen. Mit umfangreichem Material bestätigt er die gewaltigen Rüstungsanstrengungen und genauen Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion und gibt dazu parallel die betreffenden politischen Entschlüsse zum Kriege an. So sei am 19. August 1939 vom Politbüro unter Vorsitz Stalins der Beschluß zum großen europäischen Krieg gefaßt worden. Das deutsch-russische Abkommen vom 23. August 1939 sollte Hitler dann zum Polenfeldzug und zu einem aufreibenden Krieg gegen die Westalliierten veranlassen, damit Stalin später als lachender und ausgeruhter Dritter seine Ernte einbringen konnte. Gleichzeitig begann 1939 der Aufbau der sechzehn sowjetischen Angriffsarmeen der l. Staffel unter Rückstellung von Verteidigungsmaßnahmen und Verteidigungsrüstungen.

In allen Einzelheiten belegt Suworow die sowjetischen Angriffsvorbereitungen bis zum Frühjahr 1941 mit dem gewaltigen Truppenaufmarsch hinter der deutsch-sowjetischen Grenze. Die Masse der sowjetischen Stoßarmeen, der Fallschirmjäger-Einheiten, der NKWD-Trup-

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pen für die zu besetzenden Gebiete, der nur für die guten Straßen und Autobahnen Mitteleuropas geeigneten Fahrzeuge und Panzer und weitere Tatsachen schließen jede andere als die Offensivabsicht Stalins aus. Der 13. Juni 1941 wurde dann der „point of no return", als an diesem Tag der Transport der 2. strategischen Staffel aus sechs Sowjetarmeen an die westliche Front begann, nach Suworow „eine in der Weltgeschichte noch nie dagewesene Eisenbahnoperation", deren Abschluß für den 10. Juli 1941 eingeplant war.

Gleichzeitig fingen an diesem 13. Juni die im Westen bereits vorhandenen sechzehn Angriffsarmeen der 1. strategischen Staffel an, bis zur Grenze vorzurücken. Nach Suworow „der Beginn der größten Truppenbewegung in der Geschichte der Zivilisation". Für diese einmalige Maßnahme gelte allerdings immer noch: Fast fünf Jahrzehnte nach Beendigung des Krieges ist der Zweck dieser Verlegung noch immer ein Staatsgeheimnis."

Aufgrund aller seiner Kenntnisse kommt Suworow dann für den 13. Juni 1941 zu dem Schluß: „An Bedeutung übertrifft dieses Datum . . . bei weitem den 22. Juni 1941 ... Nach diesem Tag war der Krieg für die Sowjetunion unvermeidlich, und zwar mußte er im Sommer 1941 beginnen, ganz unabhängig davon, was Hitler unternehmen würde." Dem fügte Suworow - sicher zutreffend - hinzu: „Aber Hitler hatte Stalins Absichten durchschaut, und das ist der Grund, warum der Zweite Weltkrieg ein so (für Stalin) nicht erwartetes Ende nahm. Er (Stalin) hat nur halb Europa bekommen."

Damit bestätigte Suworow die Feststellung von Doktor Joachim Hoffmann in dessen Leserbrief in der FAZ vom 16. Oktober 1986 zu Stalins Angriffsabsichten: „Die hier genannten historischen Tatsachen sind unbestreitbar und lassen eine beliebige Ausdeutung der Absichten Stalins nicht mehr zu ... Zieht man die Verhältnisse auf sowjetischer Seite in Betracht, so drängt sich die Schlußfolgerung auf, daß im Sommer 1941 der eine Aggressor, Hitler, die letzte Gelegenheit hatte, dem anderen Aggressor zuvorzukommen." Besonders die weiterhin in einseitiger Vergangenheitsbewältigung tätigen deutschen Geschichtsvertreter sollten sich zu Herzen nehmen, was schon 1985 ausgerechnet die englischen Herausgeber zu Su-worows Artikel im Vorspann schrieben: „Historiker, die bisher unkri-

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tisch die These übernommen haben, daß Stalin das Opfer einer un-provozierten Aggression im Sommer 1941 war, mögen Anlaß haben, ihre Ansichten zu revidieren oder wenigstens zu modifizieren." Mit der Anerkennung des Präventivcharakters des Ostkrieges gewinnt dieser auch eine ganz andere Bedeutung. Sicher hätten die nach Stalins Plan vorgesehenen und an Rußlands Westgrenze im Juni 1941 aufmarschierten mehr als zwanzig sowjetischen Armeen nach voller Angriffsentfaltung von der Deutschen Wehrmacht kaum aufgehalten werden können - sie waren nur noch Mitte 1941 in ihren Bereitstellungsräumen und teilweise noch „auf der Eisenbahn" verwundbar, und daher rühren auch die gewaltigen deutschen Anfangserfolge mit den Millionen Gefangener. Ebenso kann als sicher angenommen werden, daß die dann siegreich durch Deutschland vorrückenden Sowjettruppen nicht am Rhein angehalten hätten, sondern, vielleicht sogar von kommunistischen „Freunden" in den Ländern West- und Südeuropas herbeigerufen, bis zum Atlantik und Mittelmeer durchgestoßen wären.

Stalin hätte sich sein erklärtes Ziel der Weltrevolution und der Gewinnung ganz Europas bei so günstiger Gelegenheit wegen des Fehlens jedes echten Widerstandes nach Überwindung der Deutschen kaum durch papierne Proteste von irgendeiner Stelle gefährden lassen, sondern zunächst einmal den ganzen Erdteil in seine Macht gebracht. Ein weiteres deutsches Abwarten 1941 wäre wohl unverantwortlich gewesen. Der deutsche Angriff vom Juni 1941 galt also dann doch auch der Verteidigung ganz Europas und kann den maßgeblich von den Deutschen getragenen Abwehrmaßnahmen gegen die immer wieder gegen unseren Erdteil anbrandenden Einfälle aus dem Osten seit den Zeiten der Hunnen, Ungarn, Mongolen und Türken an die Seite gestellt werden. Daß Ost- und Teile Mitteleuropas 1944/45 doch in die Hand der Sowjets fielen und schwere Jahrzehnte der Unterdrückung erdulden mußten, haben die kurzsichtigen Westal-lierten zu verantworten. Deutschland wollte dieses Unheil mit aller Macht verhindern.

Ansehnliche Teile der europäischen Jugend hatten nach 1941 diese Bedrohung Europas durch den Bolschewismus erkannt und nahmen an dem Opfergang im Osten teil. Den Überlebenden wurde nicht ge-

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dankt. Sie mußten auch später in ihrer Heimat ein schweres Schicksal erdulden. Nur die wenigsten von Ihnen erleben es noch, wenn nun langsam ihr freiwilliges Opfer anerkannt wird als das, was es wirklich darstellte: Die Rettung wesentlicher Teile Europas und die Bewahrung europäischer Kultur und Freiheit vor östlichem Totalita-rismus/Bolschewismus.

Wie steht es nun mit dem Schuldvorwurf der Alliierten eines Angriffkrieges, den Deutschland vom Zaun gebrochen haben soll? Man wird den Begriff wohl so auslegen dürfen, daß ein Staat grundlos und unprovoziert aus reiner Machtpolitik oder aus Gründen von Gebietsraub angreift und überfällt.

Aber während die deutsche Reichsregierung vertragskonform anfangs nur sechs reguläre Divisionen an der Ostgrenze stationierte, waren es zum gleichen Zeitraum schon über hundert sowjetische Divisionen in Westrußland. Bis Juni 1941 hatte die UdSSR schließlich die Feldstärke der Roten Armee auf über fünf Millionen Mann erhöht, die offensiv gegenüber den deutschen Ostgrenzen stationiert waren. Insoweit sind die Reichsregierung und die in Nürnberg widerrechtlich hingerichteten deutschen Angeklagten vom Schuldvorwurf eines gegen die Sowjetunion gerichteten Angriffskrieges zu entlasten. Daß in Nürnberg 1946 und danach Justizmorde verübt wurden, haben inzwischen namhafte Persönlichkeiten auch aus dem alliierten Lager den Siegern zum Schuldvorwurf gemacht. Beispielhaft für eine völkerrechtskonforme Gesinnung stehen die Worte des einstigen britischen Generalanklägers in Nürnberg, Sir Hartley Shawcross: „Schritt für Schritt bin ich immer mehr zu der Überzeugung gekommen, daß die Ziele des Kommunismus in Europa finster sind. Ich klagte die Nationalsozialisten in Nürnberg an. Zusammen mit meinem russischen Kollegen verdammte ich die Nazi-Aggression und den Nazi-Terror. Hitler und das deutsche Volk haben den Krieg nicht gewollt! Nach den Prinzipien unserer Politik der Balance of Power haben wir, angespornt durch die ,Amerikaner' um Roosevelt, Deutschland den Krieg erklärt, um es zu vernichten. Wir haben auf die verschiedenen Beschwörungen Hitlers um Frieden nicht geantwortet. Nun müssen wir feststellen, daß Hitler Recht hatte. Anstelle eines kooperativen Deutschlands, das er uns angebo-

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ten hatte, steht die riesige imperialistische Macht der Sowjets. Ich fühle mich beschämt und gedemütigt, jetzt sehen zu müssen, wie dieselben Ziele, die wir Hitler unterstellt haben, unter einem anderen Namen verfolgt werden und dieselbe Taktik hemmungslos Anwendung findet." (Sir Hartley Chawcross, ehem. brit. Generalstaatsanwalt, in seinem Schreiben vom 16. Oktober 1985 an Mr. X. Y. Verl. Evert Seite 68.)

Im Gespräch mit dem japanischen Botschafter Yosuke Graf Oshima offenbarte Hitler, wie schwer ihm der Entschluß zum Präventivschlag gegen das rote Bedrohungspotential gefallen sei. Zuerst habe er überlegt, ob er Rußland ein Ultimatum stellen solle. Er, Hitler, war der Meinung, dann hätte Rußland entweder den Kampf aufgenommen, und das hätte Deutschland die größten Blutopfer abverlangt, oder die Russen hätten sich eventuell dreihundert Kilometer zurückgezogen, was im Zeitalter der Motorisierung wenig bedeute. (Schließlich haben die deutschen Truppen nach Kriegsbeginn kämpfend in drei Wochen siebenhundert Kilometer zurückgelegt.)

Weiter sagte Hitler am 14. Juli 1941 zu Oshima, er habe immer mehr Nachrichten von russischen Truppenkonzentrationen, und immer mehr Panzer seien angerollt. Eine gewaltige Macht habe sich gebildet in dem riesigen Raum, eine unermeßliche Aufgabe habe er vor sich gesehen. Er habe sein Volk und Europa von einer ungeheuren Gefahr befreit. Nie hätte er vor die Geschichte hintreten können, um sich deren Urteil zu unterwerfen, hätte er in der Abwehr der Gefahr gezögert. Am Beginn des Gesprächs teilte Hitler Oshima mit, daß seither (das heißt bis 14. Juli 1941) hinter der deutschen Front achttausend vernichtete, zurückgelassene oder erbeutete Panzer gezählt wurden. Ein Blick in das Kriegstagebuch der Deutschen Wehrmacht meldet den Abschuß oder die Vernichtung von über viertausend sowjetischen Militärflugzeugen in den ersten vier Kriegstagen. Zu Oshima sagte Hitler, in den ersten Kriegstagen seien haarsträubende, unfaßbare Meldungen bei ihm eingegangen. Tagesabschußziffern von vierhundert, sechshundert und achthundert russischen Panzern, und er, Hitler, hätte wenig gewußt über die große Zahl grenznaher sowjetischer Militärflugplätze. In der Tat müssen wir im historischen Rückblick am Ende dieses Jahrtausends bei dem jetzt eingetretenen vielfachen und mehrfa-

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eben Staatsbankrott in den stalinistischen Ostblock-Satellitenstaaten vom Baltikum bis Tadschikistan und von Rumänien und Polen über die ehemalige Tschechoslowakei bis zum Balkan erkennen, welches furchtbare Schicksal die Völker Westeuropas von Sizilien bis Scapa Flow und Gibraltar getroffen hätte, wären deutsche Soldaten am 22. Juni 1941 der stalinistischen Offensive nicht entgegengetreten.

Sie alle würden heute wie die osteuropäischen Staaten im Staub der Geschichte liegen, von Versorgungsmängeln geplagt, mit wertlosem Spielgeld ausgestattet, von einem unproduktiven Kommandosozialismus und einer menschenverachtenden Ersatzreligion „beglückt". Es liegt in der Ironie der Geschichte, daß Politiker und Funktionäre der EU und der NATO ihre materielle Existenz den Soldaten der Deutschen Wehrmacht und deren Millionen Gefallenen aus vielen europäischen Staaten im Ostfeldzug verdanken, die in einer Schicksalsstunde Europas und der Welt den Welteroberungsplänen Stalins entgegentraten. Eines ist heute nachgewiesen: Stalin wollte gegen das Deutsche Reich losschlagen, sobald die Deutsche Wehrmacht infolge der englischen Kriegserklärung und infolge der Friedensunwilligkeit des Churchill-Kabinetts in England gelandet wäre.

Als die Vertragsfalle Stalins von Berlin erkannt wurde, war es bei der personellen, materiellen und quantitativen Überlegenheit der roten Streitkräfte auch für die kampfstarke Deutsche Wehrmacht äußerst schwierig, Stalins offensiven Operationsplan „Gewitter" mit dem deutschen Gegenplan „Unternehmen Barbarossa" aufzuhalten oder gar auszuschalten.

Es wurde praktisch unmöglich, mit den schon bald einsetzenden amerikanischen Lieferungen von Rüstungsgütern (noch vor Amerikas Kriegseintritt) und der Schaffung einer zweiten und dritten Front durch die Landungen der Alliierten in Italien und der Nor-mandie.

Der deutsche Rußlandfeldzug von 1941 bis 1945 war im Grund ein Abwehrkampf für Europa, ein Überfall war er nachweislich nicht; er war ein Akt einmaliger Notwehr zur Abwehr eines kurz vor Ausführung stehenden fremdstaatlichen Angriffs, ein Notwehrakt, der durch das Völkerrecht gedeckt ist.

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Mit Recht fragt der sowjetische General Victor Suworow („Eisbrecher", Seiten 408-409) die Siegermächte folgendes: „Ich verstehe nicht, warum die Richter des Interallierten Militärtribunal (IMT) in Nürnberg nicht das Bedürfnis verspürten und nicht so viel berufliche Ehrlichkeit aufbrachten, die wahren Urheber des Krieges ausfindig zu machen. Aber ich begreife nicht, warum dieselben ,Richter' nach den Bekenntnissen von Admiral Kusnezow sich nicht umgehend in Nürnberg einfanden und einen Teil der Anklage gegen Keitel, Jodl, die Deutsche Wehrmacht und Deutschland insgesamt zurücknahmen?" Admiral N. G. Kusnezow, Volkskommissar der Kriegsmarine der UdSSR 1941, Autor des Buches „Am Vorabend" (Nakanune, Moskwa: Voenizdat, 1966), offenbarte in „Eisbrecher" (Seite 231) folgendes Eingeständnis:

„I. W. Stalin hat diesen Krieg vorbereitet - seine Vorbereitung war umfassend und vielseitig, und er ging dabei von den von ihm selbst vorgesehenen Fristen aus. Hitler zerstörte seine Berechnungen." Dies alles muß Europa bewußt werden und bleiben! Ein Wort zur Ehre des deutschen Soldaten allgemein, aber besonders des „Landsers" im Ost-Einsatz.

Es zählt zu den dunkelsten Stunden menschlichen Anstands, daß gerade über die Soldatengräber von Millionen deutscher Gefallenen, die im Grunde Westeuropa als Hort der Freiheit bewahrt haben, in verleumderischer Weise tonnenweise Kübel von Dreck geschüttet werden, während die wirklichen Greueltaten dieses Krieges verschwiegen werden. Der Vorgang ist beispiellos in der Geschichte der Völker. Er ist anwidernd und macht den Deutschen keine Ehre. „Man erkennt den Charakter eines Volkes daran, wie es, nach einem verlorenen Krieg, mit seinen Soldaten umgeht!" (Lloyd George, britischer Premier)

Die Soldaten der Deutschen Wehrmacht kämpften den größten und schwersten Kampf, der je gekämpft worden ist. Sie fochten im Osten anfangs in einer Unterlegenheit von 3:10, ab 1944 von 2:10. Nach der Winterkrise vor Moskau verwandelte sich der „Rußlandkrieg" in ihren Augen zu einem „Durchhaltekrieg" und nach der Katastrophe von Stalingrad und der von den Alliierten 1943 geforderten „bedingungslosen Kapitulation", wurde er für sie ein nationaler „Verteidigungs-

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krieg". Und sie standen ihn bis zum letzten Tag durch: hoffnungslos, unerschütterlich, mit zusammengebissenen Zähnen. Sie standen ihn durch wie die Grenadiere Friedrich des Großen, die Alte Garde Napoleons, die zerlumpten Kämpfer General Lees. Sie handelten und starben nach dem Bibelwort: „Niemand hat größere Liebe denn der, daß er sein Leben lasset für seine Freunde." Es ist eben niemals umsonst zu kämpfen. Den Soldaten der Wehrmacht verdanken wir, daß nicht ganz Deutschland, ganz Europa dem Bolschewismus, dem Stalinismus zum Opfer fiel. Ihrem unnachgiebigen verzweifelten Kampf bis zum letzten Tag ist es zuzuschreiben, daß es zur Viermächte-Besetzung Berlins kam, womit das Scheitern der Spaltung Deutschlands bereits vorprogrammiert war. Viele bekannte Heerführer der Alliierten lobten die Wehrmacht als die „tapferste und disziplinierteste" Truppe des Zweiten Weltkrieges. Als Kulturvolk wird auch die deutsche Nation die Fahnen mit Trauer, Stolz und Ehrerbietung vor dem Namen der Wehrmacht und ihrer Gefallenen senken müssen.


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