Das Rudolf Gutachten auf http://www.vho.org/D/rga/rga.html

1.5. Bautechnische Schlußfolgerungen


Selbst die primitivsten provisorischen Entlausungseinrichtungen - ob in der Anfangszeit des Lagers Auschwitz oder anderswo - waren immer mit einem Lüftungsventilator und einer Heizung ausgestattet, wobei letzteres zwar förderlich, aber nicht unbedingt erforderlich ist. Jeder Raum jedoch, der keine Entlüftungsanlage besaß, braucht auch nicht ernsthaft als Raum zur Begasung mit Giftgasen - sei es zum Töten von Läusen oder von Menschen - in Betracht gezogen zu werden. Ferner muß es bei Menschengaskammern abgesehen von der bzw. den Eingangstüren eine Möglichkeit geben, das Giftgaspräparat von außen zuzuführen, was bei Sachentlausungsanlagen nicht unbedingt erforderlich, jedoch auch nützlich ist. Festzuhalten ist also, daß eine Anlage, die entweder keine Giftgaszuführung von außen besaß oder aber keine Möglichkeit zur Lüftung, nicht ernsthaft als Menschengaskammer in Betracht gezogen werden kann. Betrachtet man die hier behandelten Räume summarisch, so ergibt sich das in Tabelle 2
aufgeführte Bild:

Tabelle 2: Ausrüstung und Eignung von tatsächlichen bzw. angeblichen Begasungskammern

Begasungskammer

Giftgas-
zuführung

Heizung

Lüftung

Eignung als Entlausungskammer

Eignung als Exekutionskammer

Entlausungskammern

m

l

l

l

m

Krematorium I

×

×

m

m

×

Krematorium II und III

×

×

l

m

×

Krematorium IV und V

l

l

×

×

×

Bauernhaus I und II

m

×/ m

×/ m

×/ m

×/ m

l = vorhanden bzw. möglich; m = möglicherweise vorhanden; × = nicht vorhanden


Die Angaben zu den Bauernhäusern sind mangels Befund spekulativ. Nicht berücksichtigt wurde hier unter anderem, daß hypothetische Menschengaskammern ausbruchsicher sein müßten und daß ihre Lüftung genügend leistungsfähig sein müßte.
Obwohl man sich über die Ausrüstung der Räume der Krematorien IV und V sowie der Bauernhäuser in der Literatur weitgehend einig ist, sind sie doch aufgrund mangelnder Dokumente und Sachbeweise in gewissem Umfang spekulativ.
Glücklicherweise ist gerade jene vermeintliche 'Gaskammer' annähernd unversehrt erhalten, in der während des Dritten Reiches angeblich die meisten Menschen durch Giftgas getötet wurden: Leichenkeller I des Krematoriums II. Dieser Keller besaß zur Betriebszeit entgegen allen Zeugenaussagen mit bautechnischer Sicherheit keine Zyklon B-Einwurföffnungen in seiner Decke. Wenn dem so ist, kann dieser Raum nicht wie bezeugt als Ort des Massenmordes mit Giftgas benutzt worden sein.
Bevor die Frage nicht gelöst ist, wie das Giftgaspräparat in diese vermeintliche 'Gaskammer' gelangte, sind alle weiteren Spekulationen über die Art und Weise des Mordes und seine möglichen chemischen Spuren akademische Fingerübungen ohne realen Hintergrund. Daher könnte die Untersuchung über Auschwitz hier enden. Es werden jedoch nachfolgend auch zu den von Leuchter aufgeworfenen chemischen Fragen einige Ausführungen gemacht.



Nächstes Kapitel
Vorheriges Kapitel

Zurück zum Inhaltsverzeichnis