Die Erstausgabe des Rudolf Gutachtens auf vho.org/D/rga1
Vgl. auch die revidierte Fassung dieses Abschnittes, Stand Frühjahr 1999



Professor Dr. Robert Faurisson gewidmet, der als erster die begründete These aufstellte, Menschenvergasungen in den deutschen Konzentrationslagern des Dritten Reiches seien aus physiko-chemischen Gründen unmöglich.

Einleitung

Erbeten wurde dieses Gutachten von Anwälten, deren Mandanten zum Vorwurf gemacht wird, über die Menschenvergasungen in Auschwitz falsche Tatsachen verbreitet zu haben. Hierzu wurden mir Beweisanträge vorgelegt, zu denen ich mich, vom Gericht oder von der Verteidigung geladen, als Sachverständiger, gegebenenfalls eidlich, zu äußern haben werde. Meine Aufgabe besteht darin, die Behauptungen, Feststellungen und Fragen der Beweisanträge, zu denen ich gehört werden soll (siehe besondere Anlage) einer Klärung und Beantwortung zuzuführen.
Zuerst stellt sich dem Sachverständigen natürlich die Frage, ob nicht schon alles bezüglich der 'Gaskammern' in Auschwitz längst geklärt ist, ob es also überhaupt noch weiße Flecken der Forschung auf diesem Gebiet gibt. Um diese Frage zu beantworten, wendete ich mich zuerst dem Frankfurter Auschwitz-Prozeß zu Beginn der sechziger Jahre zu, der einen besonders markanten Meilenstein der Holocaustforschung bezüglich der 'Gaskammern' in Auschwitz darstellt. Die Blausäure (HCN) als wirksame Komponente des Produkts mit dem Handelsnamen Zyklon B ist ein hochgiftiges Gas, das bei genügend hoher Dosis in wenigen Minuten auf den Menschen tödlich wirkt, wie das Frankfurter Urteil zutreffend und in Einklang mit der allgemeinen Anschauung ausführt. Eine genaue Darstellung der Wirkungsweise, wie die Geschwindigkeit der Freisetzung des Giftgases aus dem Präparat, Erreichung schnell tödlicher Gaskonzentrationen in der Luft, Dauer der Gasfreisetzung bis zur gänzlichen Neige, Adsorption und Absorption des Gases am menschlichen Körper und am Mauerwerk und die Folgereaktionen, hat das Gericht nicht erkennen lassen; schließlich hat es materielle Spuren der Vorgänge nicht in Betracht gezogen, demzufolge keine Sachverständigen auf dem Gebiet der Chemie, insbesondere zur Untersuchung der Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen, zur Urteilsfindung herangezogen. Bis zur Vorlage des Leuchter-Reports gab es keine naturwissenschaftlichen Untersuchungen größeren Ausmaßes, was in Anbetracht der Bedeutung des Themas erstaunlich ist.
Dem Sachverständigen ist es möglich, zu den in den Beweisanträgen (gesonderte Beilage) aufgeführten Tatsachen und Vorgängen Stellung zu nehmen: einerseits unter Auswertung von Analysenergebnissen verschiedener Materialproben aus in Betracht kommenden Gebäuden in Auschwitz, andererseits aufgrund der von den Zeugen geschilderten Verfahren bei den Tötungen.
Die Beweisthemata betreffen zum einen die Spuren der Tat, zum anderen das Verhalten der Menschen, die das Zyklon B handhabten, oder unter ihm litten, oder die die als 'Gaskammern' bezeichneten Räume vor der Aktion betraten, seien sie Opfer gewesen oder Handlanger, und diejenigen, die nach der Aktion die Leichen aus den Räumen herausholten.
Dem Verfahren, in welchem das zugrunde liegende Sachgutachten vorgelegt wird, ist im Jahr 1985 in Toronto, Kanada, ein Prozeß vorausgegangen, in welchem der Vertreiber des Buches »Did Six Million Really Die?«[1], Ernst Zündel, unter Anklage gestellt wurde, weil er versucht habe, mit dem Buch den Massenmord an den Juden im Dritten Reich zu widerlegen. In dem weiteren Verfahren gelang es dem Angeklagten, den einzigen Spezialisten für den Bau und Betrieb von seit den zwanziger Jahren in den USA existierenden Blausäureexekutionsgaskammern, Fred Leuchter, für eine Untersuchungskommission zu gewinnen, die die Örtlichkeiten in Polen auf die technischen Möglichkeiten zu deren Verwendung für den Massenmord mit Blausäure-Giftgas überprüfen und etwaige Giftgasrückstände in den Mauern der mutmaßlichen 'Menschengaskammern' feststellen sollte. Das Ergebnis, der Leuchter-Report[2], lag dem Gericht im Jahre 1988 vor; er wurde inzwischen bei mehreren Prozessen als Beweis vorgebracht. Neben vielen technischen Argumenten sind die chemischen Analysenergebnisse von Mauermaterialien Fakten, aufgrund derer der Amerikaner Leuchter glaubt, zu dem Schluß kommen zu müssen, daß die 'angeblichen' (Leuchter) 'Gaskammern' der untersuchten Anlagen »could not have then been, or now, be utilized or seriously considered to function as execution gas chambers«.
Zuerst erschien in Frankreich in der Zeitung Jour Juif ein Widerlegungsversuch des Leuchter-Reports durch den Apotheker J.-C. Pressac[3]. Seine Ausführungen können jedoch mangels jeglicher Quellenangaben und genauer wissenschaftlich-sachlicher Argumentation nicht als eine Expertenantwort gelten. Zwar macht er auf einige Mängel des Berichtes aufmerksam, unterliegt jedoch selber mangels genügender Sachkenntnis in chemischen und Ingenieursfragen einigen Irrtümern.
Von deutscher Seite meldete sich zuerst das Institut für Zeitgeschichte zu Wort[4], das sich dabei vor allem auf Pressac beruft. Etwas später erschien in einem Buch über das 3. Reich ein Beitrag von Sozialoberrat a.D. W. Wegner[5], worin dieser ebenfalls das Leuchter-Gutachten mit z.T. unfundierten Schlüssen und Behauptungen angreift, statt sich an Fachleute wie Chemiker, Ingenieure und Fachleute der Kremierungs- und Lüftungstechnik zu wenden und mit deren Fachwissen seine Behauptungen zu belegen. Gegen Ende des Jahres 1991 erschien schließlich in Österreich eine Broschüre, in der der Chemiker J. Bailer den Leuchter-Report einer Kritik unterzog[6]. Dieser Beitrag weist sich zum einen dadurch aus, daß die Zeugenaussagen über die angeblichen Vergasungsvorgänge in Auschwitz in weiten Bereichen ignoriert werden. Zum anderen erstaunt die mangelnde Kenntnis des Autors über das Reaktionsverhalten von Blausäure mit Mauermaterialien. Annähernd zeitgleich mit Bailers erster Publikation erschien von G. Wellers eine Stellungnahme zum Leuchter-Report, die durch mangelnden technisch-naturwissenschaftlichen Sachverstand besticht[7].
Die meisten der oben genannten Widerlegungsversuche des Leuchter-Reportes zeichnen sich durch stellenweise unsachliche Äußerungen über die Personen, die die Thesen Leuchters vertreten, bzw. polemische Randbemerkungen aus, was der wissenschaftlichen Diskussion nicht förderlich ist.
Schließlich sah sich das Staatliche Museum Auschwitz durch die chemischen Untersuchungen Leuchters veranlaßt, selber ein Gutachten in Auftrag zu geben. Das Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung Gerichtstoxikologie, benannt nach Prof. Dr. Jan Sehn, Krakau, Polen, unter Prof. Dr. J. Markiewicz erstellte zum 24.9.1990 ein zunächst nur auf die Analyse von Gemäuerproben beschränktes Gutachten[8]. Das Fazit dieses Gutachtens lautet, daß die wie bei Leuchter zumeist negativen Cyanidbefunde der Proben aus den 'Menschengaskammern' darauf zurückgeführt werden müssen, daß die Cyanidverbindungen der Witterung über 40 Jahre ausgesetzt waren, was diese nicht überstanden hätten.
Eine detailliertere Analyse der gegen den Leuchter-Report vorgebrachten Arbeiten wird im 6. Teil dieses Gutachtens erfolgen.
Der Verlauf des Prozesses in Toronto, über den inzwischen mehrere Publikation vorliegen[9], und die sich daraus entwickelnden weiteren Diskussionen, auch die seit 1988 einsetzenden Untersuchungen vor Ort, machten es möglich, das vom Frankfurter Auschwitz-Prozeß der frühen sechziger Jahre gezeichnete, durch Aussagen verhältnismäßig knapp, aber plastisch vorgeführte Bild der Menschenvergasungen nun ausführlicher darzustellen, aber auch genauer zu prüfen. Dabei wurden Darstellungen und Meinungen von wissenschaftlicher Seite einer Prüfung nur insoweit unterzogen, als sie den Urteilsfeststellungen nicht widersprechen, sie vielmehr ausfüllen. Wo andere wissenschaftliche Entdeckungen über die Urteilsfeststellungen hinausgehen, sind sie ebenfalls einer Prüfung unterzogen worden, aber auch die Gegenmeinungen dazu.
Im folgenden wird in den Einzelheiten nicht nur unmittelbar an das Frankfurter Urteil angeknüpft werden, sondern auch an differenzierte Feststellungen der jeweiligen Wissenschaftler und Forscher, um einen exakteren Nachvollzug der Vorgänge zu ermöglichen, als es das Urteil allein vermag.
Nach rund achtmonatiger, intensiver theoretischer wie praktischer Beschäftigung mit den chemischen Aspekten der hier behandelten Themata wurde im Spätsommer 1991 von einem Rechtsanwalt die Bitte an mich herangetragen, die bisher erstellten Gutachten (Leuchter, Markiewicz) und deren Kritiken (Pressac, Institut für Zeitgeschichte, Wegner, Bailer, Wellers, Jagschitz, Fleming) einer wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen. Die Ergebnisse dieser Analyse mitsamt zuvor schon erarbeiteten eigenen Forschungsresultaten und den Untersuchungsergebnissen der Räumlichkeiten vor Ort sollten zu einem Gutachten zusammengefaßt werden. Das vorliegende Gutachten stellt eine erweiterte Fassung des im Frühjahr 1992 erstmals aufgelegten Gutachtens dar, wobei zum einen in die einzelnen Gebiete tiefer eingedrungen wurde, zum anderen aber auch Aspekte ausgeweitet oder neu hinzugenommen wurden, die mit Unterstützung anderer Fachleute erarbeitet wurden.

Das Gutachten gliedert sich in fünf Teile:

  1. Die Beschreibung der Konstruktionsweise der angeblichen 'Menschengaskammern' sowie der Sachentlausungsanlagen und die Feststellung des heutigen Zustands beider Einrichtungen. Dies ist notwendig, da Materialart, Bauweise und Ausrüstung der Anlagen einen erheblichen Einfluß auf die Pigmentbildung haben können. Der Zustand der Gebäude bzw. ihrer Ruinen während der letzten 45 Jahre wiederum kann Einfluß auf die Nachweisbarkeit des entstehenden Pigments haben. Für diesen Teil wurden subgutachterliche Stellungnahmen von Ingenieuren verschiedener Fachrichtungen eingeholt.
  2. Eine allgemeine chemische Untersuchung zur Bildung und Stabilität des Eisenblaupigments unter Berücksichtigung der hier ausschlaggebenden Parameter.
  3. Gegenüberstellung der Verfahrensweisen der angeblichen Menschenvergasungen und der Sachbegasungen mit Zyklon B. Nach einer Darstellung der in der Literatur angegebenen Verfahren, einschließlich des Versuches einer Abwägung der Zuverlässigkeit dieser Quellen, werden diese Aussagen einer Kritik anhand naturwissenschaftlicher Berechnungen und wissenschaftlicher Ergebnisse unterzogen und auf das tatsächlich Mögliche zurückgeführt.
  4. Vorstellen der Analysenergebnisse von Gemäuerproben der Gas- und Entlausungskammern verschiedener Institutionen bzw. Personen. Aus der Kenntnis der Bauweise und Ausrüstung der Anlagen (Teil 1), den Erkenntnissen über das Verhalten der Blausäure und der daraus entstehenden Verbindungen (Teil 2) sowie der Kenntnis der möglichen Verfahrensweisen (Teil 3) läßt sich eine Abschätzung der Intensität der Pigmentbildung in den jeweiligen Anlagen sowie der Nachweisbarkeit von Rückständen zum heutigen Zeitpunkt machen. Aus der Gegenüberstellung mit den tatsächlichen Analysenergebnissen werden die entsprechenden Schlüsse gezogen.
  5. Kritik der gegen den Leuchter-Report vorgebrachten Arbeiten, wobei nach einer Vorstellung der Hauptthesen diese einer wissenschaftlichen Untersuchung auf ihre Stichhaltigkeit unterzogen werden unter Berücksichtigung der zuvor erarbeiteten Schlüsse.


Anmerkungen

  1. R.E. Harwood, Did Six Million Really Die?, 26 pp., o.J. Deutsche Ausgabe: R. Harwood, Starben wirklich sechs Millionen?, Historische Tatsachen Nr.1, Historical Review Press, Richmond 1975. Siehe auch die Erwiderung darauf durch A. Suzman und D. Diamond, Six Million did Die - the truth shall prevail, South Africa Jewish Board of Deputies, Johannesburg 1977; deutsch in Auszügen in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 30/78, 29.7.1978.
  2. F. A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1988, 195 pp.; dt.: Der erste Leuchter Report, ebenda, 1988; britische Ausgabe: The Leuchter Report, Focal Point Publications, London 1989, 67 pp.
  3. J.-C. Pressac, Jour J, 12. Dezember 1988, I-X. Siehe auch Ergänzung dazu, vorliegend in undatierter Übersetzung, ohne Quellenangabe, sowie: ders. in: S. Shapiro (Hg.), Truth Prevails: Demolishing Holocaust Denial: The End of the Leuchter Report, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1990; vgl. dazu: W. Schuster, »Technische Unmöglichkeiten bei Pressac«, Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1991, 39(2), S.  9-13.
  4. H. Auerbach, Institut für Zeitgeschichte, Schreiben an Bundesprüfstelle, München, 30.10.1989; ders., November 1989, jeweils erschienen in: U. Walendy, Historische Tatsachen Nr. 42, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1990, S. 32 und 34.
  5. W. Wegner, in U. Backes, E. Jesse, R. Zitelmann (Hg.), Die Schatten der Vergangenheit, Propyläen, Frankfurt 1990, S. 450ff. (Online-Fassung mit Kommentaren von G. Rudolf); vgl. dazu: W. Häberle, »Zu Wegners Kritik am Leuchter-Gutachten«, Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1991, 39(2), S. 13-17.
  6. J. Bailer, »Der Leuchter-Bericht aus der Sicht eines Chemikers«, in: Amoklauf gegen die Wirklichkeit, Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes, Bundesministerium für Unterricht und Kultur (Hg.), Wien 1991, S. 47-52. Bezüglich des Befundes von Cyaniden in Menschenhaar: Krakauer Gutachten von 1945 über Cyanide in Menschenhaar, Haarspangen und einer Ventilationsöffnung, B. Bailer-Galanda, ebenda, S. 36-40, Original im Staatlichen Museum Auschwitz.
  7. G. Wellers, »Der Leuchter-Bericht über die Gaskammern von Auschwitz«, Dachauer Hefte, November 1991, 7(7), S. 230-241.
  8. J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, 24. September 1990; teilweise veröffentlicht z.B. in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, 1991, 39(2), S. 18f.
  9. R. Lenski, The Holocaust on Trial, Reporter Press, Decatur, Alabama 1990, gekürztes Protokoll des Prozesses gegen E. Zündel in Toronto 1988, eine deutsche Übersetzung ist im Druck.

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