Die Erstausgabe des Rudolf Gutachtens auf vho.org/D/rga1
Vgl. auch die revidierte Fassung dieses Abschnittes, Stand Frühjahr 1999

2.4.4. Lichteinwirkung
Aus Hexacyanoferrat(II) und -(III), also Vorstufen des Eisenblaus, kann UV-Strahlung bestimmter Wellenlänge CN- freisetzen. Bei Hexacyanoferrat(III) führt dies wie beschrieben zur Bildung von Eisenblau[97-99]. Für Hexacyanoferrat(II) sind für Strahlung der Wellenlänge 365 nm gute Quantenausbeuten von 0,1 bis 0,4 verbürgt[99,117]. (Quantenausbeute ist der Anteil der absorbierten Lichtquanten, die zur untersuchten Photoreaktion führen, hier 10 bis 40 %.)
Seit einiger Zeit wird diskutiert, ob komplexe Cyanide durch UV-Einstrahlung aus Industrieabwässern entfernt werden können. Das freigesetzte Cyanid wird dabei durch Hydroxylradikale aus der parallel ablaufenden Wasserphotolyse oxidativ zerstört. Die Ergebnisse sind aber nicht eindeutig[118,119]. (Die Wasserphotolyse führt zur Spaltung des Wassers in ungeladene Teilchen mit ungepaartem Elektron (Radikalbildung durch homolytische Spaltung, siehe auch Dissoziation
): 2 H2O  +  hn  ®  H3O · + OH ·  (Hydroxylradikal; hn = Lichtquant))
Im allgemeinen gilt das Eisenblau selber aber als ein lichtfestes Pigment[87,120-123
]. So gibt es auch Patente, die Eisenblau als UV-absorbierendes Pigment einsetzen, was nur bei genügender Resistenz gegen UV-Strahlung sinnvoll ist[124]. Für Eisenblau kennt man den Effekt des schwachen Anbleichens bei starker, langanhaltender Sonneneinstrahlung und des Nachdunkelns bei Nacht[92,121,123]. Verantwortlich ist auch hier die Freisetzung von CN-, das Teile des Fe3+ zu Fe2+ reduziert. Letzteres wird jedoch über Nacht durch Luftsauerstoffoxidation bei Anwesenheit von Feuchtigkeit vollständig rückgängig gemacht. Reduziert wird die Eisenblau-Konzentration letztendlich durch den Verlust von freigesetztem CN- entweder durch Ausgasung von Blausäure, Auswaschung von CN- oder durch Oxidation durch Fe3+/Luftsauerstoff bzw. Hydroxylradikale aus der natürlichen Wasserphotolyse. Der letzte Prozeß läuft nur vernachlässigbar geringfügig ab. Auf jeden Fall wird der überwiegende Teil des photolytisch freigesetzten Cyanids wieder komplex an Eisen gebunden.

Anmerkungen

  1. V. Carassiti, V. Balzani, Ann. Chim. 1960, 50, S. 782-789.
  2. M.D. Gurol, J.H. Woodman, Hazard. Ind. Waste 1989, 21, S. 282-290.
  3. S.A. Zaidi, J. Carey, in Proceedings of the Conference on Cyanide and the Environment, Colorado State University, 1984, S. 363-377.
  4. Winnacker-Küchler, Chemische Technologie, Band 2, Carl Hanser Verlag, München 1982, S. 197.
  5. Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, Band 13, Urban und Schwarzenberg, München 3. Ausgabe 1962, S. 794; ebenda, Band 18, Verlag Chemie, Weinheim 1979, S. 623 ff.
  6. H. Watanabe, J. Jap. Soc. Col. Mat. 1961, 34, S. 5-8.
  7. L. Müller-Focken, Farbe und Lack 1987, 84, S. 489-492.
  8. H. Tada, M. Kunio, H. Kawahara, Jpn. Kokai Tokkyo Koho 1990, 3pp. Quelle nur als Abstract erhältlich.


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